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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^ersfeld. Für Äe Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Wte

für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, tm amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- - holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, s

Nr. 123

"AmtliÄr Äst

Aufnahme von Waisen!

In der Lenvir'schen Waisenanstalt auf dem Teich- Hofe bei Hessisch-Lichtenau, die dazu bestimmt ist, Waisenkinder ohne Rücksicht auf das religiöse Bekennt­nis und die Orts-oder Landesangehörigkeit der Eltern zu erziehen, können zur Zeit noch einige Mädchen Aufnahme finden.

Voraussetzungen für die Ausnahme sind:

1. Gänzliche Mittellossigkeit des Zöglings;

2. Geistige und körperliche Gesundheit des aufzu- nehmenden Kindes, die durch Beibringung einer Bescheinigung des Kreisarztes nach einzuholendem Formular nachzuweisen ist;

8. Ein Alter von 6 oder 7 Jahren.

Die Kinder verbleiben bis zum vollendeten 16. Lebensjahre in der Anstalt und werden dort der na­türlichen Familie entsprechend in Familienkreisen er­zogen, auch für einen späteren Lebensberuf unter möglichster Berücksichtigung Ihrer Fähigkeiten und Neigungen vorbereitet.

Ordnungsmäßig entlassenen Zöglingen könnenauch in ihrem späteren Leben noch Unterstützungen (z. B. Ausstattung, Beihilfe in Unglücksfällen) zugewendet werden.

Aufnahmegesuche sind unter Darlegung der persön­lichen Verhältnisse innerhalb 4 Wochen, vom Tage der Ausschreibung an, an den unterzeichneten Schriftführer der Stiftung zu richten.

Cassel, den 12. Mai 1916.

Stiftung der Brüder George und Conrad Lenoir zur Erziehung von Waisen in Cassel.

B r u n n e r.

Bus der Heimat.

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beeren darf angesichts der knappen Zuckervorräte nur zum Zwecke der Ausdünnung der Sträucher ge­schehet!, um also eine normale Entwickelung der übrigen Früchte zn erzielen, die dann ihrerseits wenig Zucker brauchen und sich zur Herstellung preiswerter Marme­laden vorzüglich eignen.

* (Heiraten von Militärpersonen.) Eines Heiratserlaubnisscheines bedürfen, wie imArmee- Verordnungsblatt" hervorgehoben wird, nur Personen des Friedensstandes des deutschen Heeres. Es ist also nicht erforderlich für alle aus Anlaß der Mobil­machung als Angehörige der Reserve, der Landwehr und des Landsturms sowie der Ersatzreserve einge­stellten Militärpersonen, für die früher dauernd Un­tauglichen und jetzt auf Grund des Gesetzes vom 4. September 1915 eingestellten Personen und für Kriegsfreiwillige.

* Zur Frage der Fleischkarten schreibt Oberbürgermeister Kvch-Cassel imTag" u. a.: Ob für die Verteilung des Fleisches an die Bevölkerung die Fleischkarte der richtige Weg sein wird, kann bezweifelt werden. Fleisch ist nicht Fleisch. Demjenigen, der durchwachsenes Schweinefleisch haben will, um Fett herauszukochen, ist nicht mit einem Stück Kalbfleisch gedient, dem das so spärliche Fett noch hinzuzusetzen ist. Schweinefleisch ist aber am knappsten, und eine Be­friedigung der Bevölkerung wird schwerlich erzielt, wenn das Schweinefleisch rasch ausverkauft ist und sie auf ihre Fleischkarte nur Kalb- oder Rindfleisch er­hält. Gibt man also Fleischkarten aus, so wird man auf die Gefahr hin, die einzelne Portion noch kleiner zu gestalten, zwischen Abschnitten für fettarme und fettreiche Fleischkarten unterscheiden müssen oder dem Karteninhaber die Wahl zwischen einem kleineren Stück fettreichen odereinemgrößerenStück fettarmen Fleisches zu lassen haben. Nach meiner Ansicht wird man auf die Dauer nicht darum herumkommen, über ganz Deutschland gleichmäßig von jedem geschlachteten Stück Vieh Speck und Fett wenigstens teilweise für die Be­dürfnisse namentlich der ärmeren Bevölkerung zu beschlagnahmen und den Städten und Kreisen zur Abgabe auf Speck- und Fettkarten zu überlassen.

* Die Hellen Nächte haben ihren Anfang ge- nommen; sie beginnen mit dem Tage, wo die Sonne in ihrem scheiubaren Lauf weniger als 18 Grad unter den Horizont versinkt. Schon in den nächsten Tagen wird man bei uns um Mitternacht (nach unserer neuen Sommerzeit eine Stunde später) einen leichten Dämmerungsbogen im Norden beobachten können: er wird allmählich größer und erreicht am 21. Juni seine höchste Ausdehnung, um nach und nach bis zum 30. Juli wieder zu verschwinden. Während der Zeit der hellen Nächte wird es auch um Mitternacht nicht völlig dunkel werden.

):( HerSfeld, 25. April. Trotz wiederholter Be­kanntmachung in den Zeitungen, werden noch immer­fort Stückgu te r zur Beförderung mit der Eisenbahn angebracht, die vollständig ungenügend bezettelt sind. Es dürfen nur die vorgeschriebenen Zettel und Fähu chen verwandt werden und zwar für Frachtgut weiße,

Freitag den 36, Mai

für Eilgut rote oder rotgeänderte. Die Fähnchen aus stärkerem Papier hergestellt, dürfen auf Kisten und Fässern nicht aufgenagelt, sondern es müssen hierzu Beklebezettel verwandt werden. Bei Ballen, Körben, Säcken und sonstiger Verpackungsart, bei der Fähnchen mit Draht oder- Bindfaden befestigt werden können, dürfen nur diese benutzt werden. Nach Orten mit mehreren Bahnhöfen, muß der Empfangsbahnhof deutlich bezeichnet sein. Das Annahmepersonal ist streng angewiesen, Güter mit ungenügender Bezeich­nung zurückzuweisen, oder die Ergänzung gegen Er­hebung der tarifmäßigen Gebühr bahnamtlich vorzu- nehmen.

):( Hersfeld, 25. Mai. Von Versehung der Amts­anwaltsgeschäfte ist Herr Stadtrevisor Möller, seinem Wunsche entsprechend, mit Ablauf des laufenden Monats vom Herrn Oberstaatsanwalt in Cvssel entbunden worden. Vom 1. Juni ds. Js. ab ist Herr Polizeikommissar R ö ß n e r mit der Wahr­nehmung der Geschäfte beauftragt.

):( Hersfeld, 25. Mai. Vom 1. Jnui ab ist Herr Gütervorsteher Siebel von Gießen nach Hersfeld versetzt.

Cassel, 24. Mai. (Selbstmordversuch im Irrsinn.) Eine ältere Frau in der Klosterstraße, Gattin eines Arbeiters, verfiel auf ihrer Abeitsstätte gestern plötz­lich in geistige Umnachtung und beging allerlei un­vernünftige Handlungen. Durch Hilfsmannschaften in ihre Wohnung gebracht, verübte sie in einem unbe­wachten Augenblick einen Selbstmordversuch, worauf sie von Mannschaften der Krieger-Sanitätskolonne auf Anordnung des herbeigernfenen Arztes in die Irren-Abteilung der Städtischen Kaserne übergeführt werden mußte.

Cassel, 22. Mai. Einem altenNimrod" ist vor einigenTagen imWalde unweit Spangenberg folgendes Stücklein passiert. Es war ihm gelungen, einen kräf­tigen Rehbock abends auf dem Anstande zu erlegen; MMMM^^ schlafen zu können. Als ihn des morgens kurz vor Abfahrt des Zuges die Weckeruhr aus dem Schlafe riß, merkte er, daß er gar zu sanft geruht hatte. Denn der Bock war verschwunden, der Jäger hatte nicht die Schritte des Diebes vernommen, der sich in der Nacht seiner Hütte genähert und die Beute fort­geschleppt hatte.

Hofgeismar, 23. Mai. Die hiesige gewerbliche Fortbildungsschule hat die Uebungen der Jugendwehr in ihren Lehrplan ausgenommen. Der Regierungs­präsident hat diese Einrichtung genehmigt.

Gudensberg, 23. Mai. Von der Gudensberger Sanitätskolonne wurde gestern eine lebensgefährlich Verletzte, Witwe R., in das Casseler Landkrankenhaus eingeliefert. Die Frau hatte einen schwer mit Holz beladenen Wagen geführt, der an abschüssiger Stelle ins Rollen gekommen war. Frau R. war dabei ab­gesprungen und unter die Räder gekommen, die ihr über den Unterleib gingen.

Homberg, 23. Mai. In hiesiger Gegend macht sich namentlich an den Obstbäumen, die sonst einen außer­gewöhnlich reichen Ertag erwarten lassen, eine starke Raupenplage unangenehm bemerkbar. Um größeren Schaden zu verhüten, hat daher die Polizeiverwaltung den Grundstückvesttzern die sofortige Vertilgung der Raupen an Bäumen und Sträuchern auf ihren Grund­stücken unter Androhung von Geldstrafen zur Aufgabe gemacht.

Marburg, 22. Mai. Für ein Jägerheim für alte, kranke, invalide Jäger der Armee, das in Marburg errichtet werden soll, sind nahmhafte Beträge gezeichnet worden; allein von den Behringswerken 50 000 Mk.

Marburg, 21. Mai. Am Freitag abend brach im Staatswalde in den Lahnbergen in der Richtung nach dem Dorfe Bauerbach ein Brand aus, der sich nach einer Fichtenlichtung auszudehnen drohte. Die Rad­fahrer-Kompagnie des Jäger-Bataillons war zuerst an Ort und Stelle, später folgten noch eine weitere Kompagnie Jäger und zwei Züge der freiwilligen Feuerwehr. Die Gefahr konnte dann bald als be­seitigt gelten

Göttingen, 23. Mai. In dieser ganzen Woche ist durch den Magistrat die gewerbsmäßige Abgabe von frischem Fleisch sowie die Entnahme solches durch den Verbraucher verboten.

Meiningen, 23. Mai. Bor der hiesigen Straf­kammer hatten sich die Gebrüder Schlosser Edmund und Hermann Jäger und deren Vater, Büchsenmacher Wilhelm Jäger, aus Benshause» (Kr. Schleusigen) wegen Witderns zu verantworten. Sie hatten im Walde von Biernau einen kapitalen Hirsch erlegt. Obwohl die Angeklagten hartnäckig leugneten, wurden sie überftthrt und Edmund Jäger zu 2 Jahren, Hermann und Wilhelm Jäger zu je 4 Monaten Ge­fängnis verurteilt. Letzerer steht schon lange in Ver­dacht des Wilderns. Er ist wegen Mordversuchs aus einen Beamten mit 412 Jahren Zuchthaus vorbestraft, sein Sohn Edmund hat wegen Mordversuchs gegen- über zwei Forstbeamten 14 Jahre Zuchthaus verbüßt.

1916

Bleicherode, 24. Mai. Wie dieNordh. Ztg." meldet, war die 14jährige Tochter des Arbeiters Berger von hier am 25. Januar spurlos verschwunden. Als Grund des Berschn^ndens wurde Angst vor Strafe angenommen, die wegen Herumtreibens er­folgen sollte. Badende Knaben fanden am Montag in einem Buschgestrüpp in der Nähe des Toten Wehrs der Bode den Leichnam der Verschwundenen. Die Leiche war so entstellt, daß nicht mehr festgestellt werden konnte, ob der Tod durch Gewalttätigkeit oder durch Selbstertränken herbeigeführt worden ist. Die Leichenschau wird hoffentlich Klarheit schaffen.

Gera, 23. Mai. In hiesiger Gegend laufen falsche Darlehnsscheine um. Meistens sind es Falfchscheine zu zwei Mark. Bei einem Nachbar-Postamt wurden in verschiedenen Tagen mehrere Scheine angehalten. Die falschen Scheine zu zwei Mark weisen undeut­lichen Druck auf und zeigen verschwommenes grelles Rot auf. Auch die Strafbestimmungen sind undeut­lich im Druck ausgefallen.

Weimar, 22. Mai. Im benachbarten Süßenborn werden seit gestern zwei Kinder des Landwirts Eck­hardt vermißt, die ein bettelnder Mann an sich gelockt und fortgeführt haben soll.

Fulda, 24. Mai. Welch hohe Preise für das ehe­malige Fuldaer Porzellan erzielt werden, erhellt aus einem Bericht einer am 12. Mai in Amsterdam statt- gehabten Kunstauktion. In der Abteilung Porzellan heißt es it. a.: Die allerhöchsten Preise aber brächte eine Pastoralgruppe, etwa aus dem Jahre 1775, Höhe 13 Zentimeter, aus Fuldaporzellan; sie erzielte die im Kunsthandel für ein ähnlicher Objekt noch nie dage­wesene Summe von 7500 Gulden, also etwa 18 500 Mark nach heutigem Gelde; sie verblieb in Holland. Eine Gruppe, Herr und Dame, aus demselben Jahre in der gleichen Größe ging für 4900 Gulden nach Frankfurt; eine Dame aus dem Jahre 1770 für 3000 Gulden nach München.

43 Jahre alte Witwe Sofie Becker von hier unter die Räder. An beiden Beinen wurde die Frau schwer verletzt.

Hanau, 22. Mai. Zwei Dienstmädchen und eine Köchin aus Niederlahnstein hatten mit französsischen Kriegsgefangenen Liebesverhältnisse unterhalten, ihnen Briefe geschrieben, Schokolade und Zigaretten zugesteckt. Eins der Dienstmädchen und die Köchin wurden zu zwei Wochen, das andere Dienstmädchen zu einem Monat Gefängnis von der Strafkammer verurteilt.

Hanau, 22. Mai. Auch hier ist der Versuch unter­nommen worden, das Naturtheater zum Leben zu erwecken. In dem idyllischen Parke des Kurhauses Wilhelmsbad haben am Sonntag Mitglieder des Hanauer Stadtheaters unter Direktor Stetster und Mitwirkung Frankfurter Gäste das dreiaktige Lustspiel Das Märchen vorn heiligen Wald" mit beteutendem Erfolg in künstlerischer wie in finanzieller Hinsicht aufgeführt.

Lauterbach (Oberhessen), 22. Mai. Ein Wagen- unfall mit tödlichem Ausgauge hat sich in dem benach­barten Dorfe Uetzhausen zugetragen. Der Gutsbesitzer und Landwirt Oestereich, ein schon bejahrter Mann, wurde beim Abfahren von Buchen klötzen aus dem Walde so unglücklich an einer abschüssigen Stelle des Fahrwegs zwischen einen Baum und den Wagen ge­drückt, daß er schwere innere Berletznngen davon- trug, an denen er alsbald starb.

Lurch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Endlich lernt in diesem Kriege auch der Makkaronimann" wie man täglich seine Keile prompt und glatt beziehen kann ' und daß ein Neu- tralverbleiben immer bester noch gewesen als den Ehrgeiz öur^usetzen fremde Länder zuer­lösen". Ward bisher von Englands Gnaden man beraubt in Seelenruh, liefert jetzt der Oester- reich-Ungar auch die Prügel noch dazu und Hatt jenes zu erreichen, was man seinerzeit geschenkt noch von Oesterreich haben konnte, kam eStanders als man denkt. Trauriger von Tag zu Tage sieht es für Italien aus, hat es jetzt sogar tue Feinde doch bereits im eignen Hause, und wenn Oesterreich auch ferner - jetzt nicht allzulange fackelt, kann's Italien gar erleben, daß eS am Jionzo wackelt und daß es auch dort noch prompt etwas auf den Hut bekommt. - Herrlich zeigt die Weltge­schichte uns in diesem Falle doch, daß sie es noch nicht verlernte sehr gerecht zu strafen noch. Selbst bei den neutralen Völkern fühlt man eS ganz ungeteilt, daß Italiens Verräter der ge­rechte Lohn ereilt Wär es anders je gekommen, müßte man auf dieser Erden - wirklich sonst wom an dem Glauben - an das Schicksal irre werfen, 7- das bisher zu jeder Frist noch ^erettu ^elve^cn. M.