saumtlunaen in den verschiedensten Städten der Bereinigten Staaten mit Einschluß Washingtons abgehal- ten, um die Sympathie mit der Erhebung Irlands und den Abscheu über Englands tyrannische Maßnahmen zur Unterdrückung des Aufstandes auszudrücken. An einer Massenversammlung in der Carnegie Hall in Neuyork nahmen Wer 3000 Personen teil, unter ihnen viele Priester. 20 000 konnten wegen Mangels an Raum keinen Zutritt finden. Der Richter des Obersten Gerichtshofes Gavegan führte den Vorsitz in der Versammlung. Er erhob sich zum Gedächtnis „der irischen Märtyrer von 1916" und gab einen Ueber blick über die Verdienste, die Selbstlosigkeit, den ~ Tapferkeit der Hingerichteten Füi
Patriotismus und die ihrer. Einige Sprecher deutsch - amerikanischen
berührten den jüngsten
Streitfall und wiesen darauf hin, daß Präsident Wilson die Rolle eines Borkäurpfers der Humanität angenommen habe und daher verpflichtet wäre, mit England wegen der Ermordung der irischen Führer zu verhandeln, die keine Verbrecher, sondern Kriegsgefangene seien. Es
wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der England beschuldigt wird, Männer für die Erurebung eines Zieles hinaerichtet zu haben, das von Carson öffentlich ausgestellt worden sei, der später zum Mitglied des englischen Kabinetts gemacht worden sei. Mit ,tür- mischer Begeisterung wurde die Flagge der irischen Republik begriitzt. Auch die Erwähnung Easements fand wiederholt lauten Beifall, während jede Erwähnung Englands, Redmonds und Carsons anhaltendes Zischen und Rufe „Schmach den Mördern" veranlaßte. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß infolge dex,. irischen Ereignisse Englands Sache hier schwer gelitten habe und rroch weiter leiden werde.
Sriegrailerlei.
70. Geburtstag des Generaloberst v. Kluck.
Am 20. Mai wird Generaloberst v. Kluck 70 Jahre alt. Generaloberst v. Kluck, der jetzt in Wilmersdorf sein Heim hat, ist am 20. Mai 1846 zu Münster i. W. als Sohn des Regierungsbaumeisters Kluck geboren.
Die Bulgaren im Münchener Hofbräuhaus.
Zu Ehren der in München eingetroffenen bulgarischen Abgeordneten fand Freitag abend auf Einladung des bulgarischen Generalkonsuls im Hosbräuhaus ein Bierabend statt. Der Generalkonsul weihte den Gästen sein Glas mit dem Wunsche aus eine Fortdauer der Freundschaft zwischen Bulgarien und Deutschland. In der Erwiderung sprach Abgeordneter Georgiew die Hoffnung aus, daß in nächster Zukunft durch die Schiff- barmachung der Donau Brüderschaft und Verbindung
Hoffnung aus, daß in näd barmachung der Donau 5______________ _____ _____
sich durch die Verwirklichung der großen Ideen des Königs Ludwig noch inniger gestalten werden.
Die Franzose» wollen den bei Saloniki verlorenen Zeppelin wiederherstellen.
Einem dlmsteröamer Blatt zufolge meldet der Sa- Imiifier Korrespondent der „Times", daß französische Militärtechniker damit beschäftigt seien, den nrederge- schossenen Zeppelin, der mit vieler Mühe aus dem Sitmpfe geborgen mürbe, zu rekonstruieren.
Vor dem Krieg mit Mexiko?
Die Wiener Mittagszeitung meldet ans Rotterdam: Präsident Wilson hat am 15. d. M. die letzten Truppenreserven (48 000 Mann) einbernfe», was als Ankündigung eines aktiven Vorgehens gegen Mexiko gilt.
x Berlin, 20. Mai. (T. 1t.) Die „Voss. Zig." teilt mit: Das Steuerkompromiß kommt zustande, ist aber »och nicht in allen Punkten vollständig abgeschlossen. Der Antrag zur Quittungssteuer ist, wie uns aus politischen Kreisen mitgeteilt wird, nur ein Entwurf, der gestern mit den Fraktionsführern beraten worden ist, seine endgültige Fassung aber erst in erneuter Verhandlung heute erhalten soll.
Die Entscheidung über die Bersoualveräuderuugeu innerhalb der Reichsregierung getrofffen?
schreibt: Wie mir von
bereits am
w Berlin, 20. Mai. (T. U.) Die „Voll. Ztg." schreibt: Wie wir von maßgebender stelle erfahren, und bereits am Donnerstag abend die wichtigsten Entjchei- önngen über die Personalveränderungen innerhalb der Reichsregierung getroffen und dem preußischen staatv- mtnisterimn mitgeteilt worden. Ueber das Ergebnis wird vorläufig noch strenges Stittfchweigen bewahy weil seine Veröffentlichung erst dann beabuchttgt ist, wenn die Bewilligung des Abschiedsgesuches des Staatssekretärs Dr. Delbrück durch den Sauer vorliegt. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, daß schon heute die amtliche Publtkatton erfolgt. Im Gegensatz zu den,nach unseren Informationen bereits fest,tehenden Perionalverande- rungen in den Reichsämtern, scheint n« bte Erneiiming der leitenden Persönlichkeiten für die neu zu Könnende Lebensmitteldiktatur noch weiter hinauszu- zöaern. Vorderhand ist der Bundesrat, dessen Zustimmung zu der gesetzlichen Festlegung der notwendigen Vollmachten eingehott werden muß, noch nicht znr Be- rotintg über diese Fragen einberufen worden.
Politische Rundschau
Ein Mfetzautrag für Jugeudansbilduug. Der Berl. VWeM." zufolge haben die im Deutschen AeichsausMß für olympische Spiele vereinigten deutschen Sportverbürrbe einen Reichsge,etzemwurf über die körperliche Ausbildung der Jugend sertiggestellt. .Jeder landstnrmpflichtige Deutsche sott danach bis zu seinem Eilltritt in das Heer oder die Marine zu regelmamgen körperlichen Uebnngen verpflichtet werden. Für Be zum Militärdienst Untauglichen endet diese Berpst:ch- Mng mit der Feststellung- der körperlichen Unauglich- keit Die Berechtigung, als Einjährig-Freiwilliger zu dienen, wird von dem Nachweis der erfolgten körperlichen Ausbildung abhängig gemacht Es werden fol- gende Mindestübungen für jede Woche verlangt: Felddienstübung mit Marsch, Jutzball ptel, S ocksPtel, örei- stündiges Turnen, dreistündige Leichtathletik und Lang- lauf, im Winter Waldlauf oder Eis- oder «cOitecidwO« kauf, Gepäckmarsch, Dauergehen, ^winunitbung, Ru- derübung oder Wnnderrndermbrt, Radfavrnbung, Rad- wandersahrt, Radballspiel, Ring- und Kampsttbungen. Die Zeit zu diesen Uebungen ist gleichfalls durch das Gesetz zu regeln. Ebenso ist die Beuhaffung von ge- ' ' en Gemeinden auf-
Es werden fob
Gesetz zu regeln, ^^v..,^ ... --- .- ■ eigneten Spielplätzen durch Gesetz den
zuerlegen.
Der Villsernähkmgsziisland im Stieg.
Unter diesem Titel veröffentlicht Dr. med. Albu im „Perl. Lok.-Anz." einen interessanten Aufsatz, dem wir die folgenden Stellen entnehmen:
Nach zahlreichen, fast übereinsttmn,enden Ergebnissen volkswirtschaftlicher Ermittelungen verwendet
ein verheirateter Arbeiter mit zwei bis drei Kindern mit einem Jahreseinkommen bis zu 2000 Mark nahezu 50 Prozent davon für seine Ernährung. Dabei ist die Mehrheit der Menschen erfahrungsgemäß weniger Qualttäts- als Quantitätsesser. Es kommt also in der Hauptsache nur darauf au, den Hunger bis zum Sätti- gungbgefühl zu befriedigen. Dieser Zeitpunkt tritt in Wirklichkeit viel früher ein, als er von den meisten Menschen infolge falscher Erziehung und langjähriger Gewohnheit eingehalten wird. Sie essen über das Be- dürsnis hinaus: Auge, Geschmack, Habgier und schlechte Gewohnheiten verleiten dazu. Vielleicht wird in Deutschland noch mehr gegessen als in anderen Ländern, weil die bei uns übliche Fünsteilung derTagesmahlLeiten bewußt und noch mein unbewußt zur stärkeren Siah- rungsaufnahme verführt. Zum guten Teil ist allerdings die Vrbesseret eine Folge gesteigerten Wohlstandes. Vor allem gilt das für den Fleischkonsum, ber allenthalben mit der Besserung der Wirtschaftsverhält- Nisse des Landes zu steige« pflegt. Der Fleischverbrauch pro Kopf und Jahr ist m Deutschland von 1870 bis 1880 bis 1914 von 22 aut 30 auf 52 Kilogramm gestiegen, während er in Frankreich in zuletzt genanntem Zeitpunkt nur 33 Kilogramm, in Rußland und Italien sogar nur 21 Kilogramm betrug.
Man kann getrost behaupten, daß au Friedenszesten ein großer Teil der Bevölkerung sich einer Ueverer- nährung hinge geben hat, d. b. mehr Nahrung ausgenommen hat, als zur Unterhaltung des Lebens und ber Gesundheit unbedingt notwendig und auch nur zweckmäßig war. Wenn die Kriegs Verhältnisse uns jetzt nun zu einer Einschränkung der bisher allgemein üblichen Ernährungsweise zwingen so braucht das nicht, wie es jetzt vielfach geschieht, als eine schwere Beeinträchtigung der Gesundheit für jedermann betrachtet zu werden. Der menschliche Körper besitzt eine ausgezeichnete Fähigkeit, veränderten LebensbediNMNgen sich schnell anzu- passeu. Bei gegen die Norm verringerter Nahrungs- zusuhr gibt der Körper zunächst überschüssiges Fett her, das in der Haut und in den inneren Körporhöhlen als Reserve abgelagert ist. Für viele Menschen bedeutet der Eintritt eines solchen Vorkommnisses geradezu die Steigerung des körperlichen Wohlbehagens, zum Beispiel größere Elastizität von Körper und Geist und dergleichen.
Es läßt sich nicht leugnen, daß während der nun fast zweijährigen Kriegsdauer namentlich aber in den letzten Monaten, bei einem großen Teil der Bevölkerung Deutschlands mehr oder minder erhebliche Körpergewichtsverluste eiugetreten sind, und auch das Wachstum und die Entwickelung der Heranwachsenden Jugend vielfach eine Verlangsamung und Einschränkung erfahren hat. Die Ursache der Abmagerung ist zweifellos auf die verringerte Rahrungszufuhr im allgemeinen und insbesondere auf die stark verminderte Fettzufuhr zurückzuführen. Alleuthalben hat man aber die Beobachtung gemacht, daß, nachdem einmal der Körper sich auf die verringerte Rahrungszufuhr eingestellt hat und das überfchüssige Vorratfett zu Verlust gegangen ist, eine weitere Körpergewichtsabnahme dann nicht mehr einzutreten pflegt.
Welche Bedeutung ist einem solchen Körpergewichts- verlnst beizumessen? Der Laie pflegt oft durch die Tatsache allein erschreckt zu werben und in Besorgnis zu geraten. Er fürchtet eine Verminderung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und sieht bereits das Schreckgespenst des allmählrcheu Körperverfalles. Die ärztliche Wisfenschaft kann hier aber eine beruhigende Erklärung abgeben. Für den erwachsenen ge- ohne Belang, wehn es eben nach qewWr zum Stillstand sammt, und zwar gerade deshalb, weil eben ber gesunde erwachsene Mensch meist einen Ueberschuß und Vorrat hat, von denen er in Tagen des Mangels zehren kann. Die meisten Menschen vertragen eine geraume Zeit hindurch eine Unterernährung ohne erkennbaren schaden, manchen gereicht sie sogar zum Vorteil. Fettleibige, denen es oft an Energie zur Durchführung von Eirtziehungskuren fehlt, können froh fein, jetzt unfreiwillig ihre beschwerdevolle Bürde los zu werben. Selbst bei Kindern braucht eine vorübergehende Beeinträchtigung des Wachstums und der Entwicklung kein ernstes Bedenken zu erregen," wenn das Versäumte nach einiger Zeit wieder nachge- holt werden kann. Die Unterernährung darf bei Kindern allerdings eine Zeitspanne von einigen Monaten nicht überschreiten.
Der Gesunde kann die Opfer einer qualitativ oder anantitativ beschränkten Ernährung ohne Schwierigkeit und ohne Gefahr ertragen. Größere Rücksicht sind wir nur den Kranken schuldig, die zum Teil eben schon durch ihre Krankheit in einen chronischen Unterernährungszustand geraten sind, zum Teil durch- ihre Krankheit
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eben in der Ausnahme und Ausnutzung der Nahrungsmittel w beschränkt und, daß ihnen das Notwendigste ltnd das Beste, iiber das mir verfitgen, in erster Reihe zugewendet werden umß.
Vermischtes.
Mit einem Fahrgaste 6240 Meter hoch. Wie nach dem „B. L.-A." aus Turin gemeldet wirb, schlug auf dem Flugplirtz Mirafiorc der Flieger Vittorio Luovet den bisher von dem Schweizer Andemars gehaltenen Höhenrekord mit einem Fahrgast auf einem Eaudron- Apparat durch Erreichung der Höhe von 6240 Metern. Andemars erreichte seinerzeit 6100 Meter.
Schweres Unglück durch eine von einem Urlauber mitgebrachte Handgranate. Der schon so oft gerügte Unfug, daß Kriegsteilnehmer Geschosse und Blindgänger mit nach Hause nehmen, hat in dem badischen Dorfe Heisental zu einem schweren Unglück geführt. Ein eben auf Urlaub angekommener ....." ' g-amilicnangehdriaen eine von mitgebrachte Handgranate vor. stellte Weise explodierte diese,
Ersatzreservist zeigte seinen w« ihm unerlaubter Weise
Auf noch nicht festgc- __________________ ritz ihm selbst alle fünf Finger der linken Hand weg und verletzte seinen 17= jährigen Bruder so schwer, daß dieser in Lebensgefahr schwebt. Der Vater des unglücklichen Urlaubers und seine beiden 7 und 17 Jahre alten Schwestern wurden
leichter verletzt.
Wie manche Leute die Feldpost ansuiihe», beweist eine Mitteilung der „Deutschen Berkehrszenung", worin es heißt: Den Rekord, den kürzlich ein Mädchen aus Höchst a. M. mit 184 Briefen im Monat, die übrigens alle ankamen, ansstellte, hat jetzt eine andere Braut geschlagen, indem sie binnen Monatsfrist an ihren Bräutigam 250 Feldpostbriefe und Päckchen absandte. Die Feldpost ist machtlos gegenüber einer solchen Ausnutzung ihrer Einrichtungen,- sie nmtz die Sendungen befördern, ohne Rücksicht daraus, daß Feldpost und Truppenteile durch die über sie einbrecher.de» Briefmasse« manchmal bis aufs äußerste belastet werden. Liebende Braute l’önnen also auch zum „inneren Feinde" werden.
Rückkehr von Deutschen und Oesterreichern aus Fu- vien. Der „Rotterdamsche Gourani" meldet: In der Nacht aum 10. Mai ist der Dampfer „Ktlkennv" aus
London mit 228 deutschen und österreichische« FraurL und Kindern, die aus Indien zurückgewhrt sind, hier angekommen. Sie waren am 80. März mit dem Dampfer „Golcorrda" aus Bombay abgefahren. Am Dienstag mittag sind sie in London angekommen. Die an Bord befindlichen 236 Männer, größtenteils Missionare, mußten in England zurückbletben. Unter ihnen befanden sich 90 katholische Priester. Die übrigen waren Missionare, .Kaufleute, Aerzte unb Seeleute. Manche hatten schon über 25 Jahre in Indien verbracht, die Mehrzahl sechs bis neben Jahre. Sie waren schon seit Dezember 1914 in Indien eingeschlossen.
Einen brauchbaren Seifeuersatz hat eine Mmuhener Krippe ausprobtert. Die Kinder werden dort im täglichen Bad statt mit Seife mit Kola« Alba (in Apotheken und Trogengekchätten erhältlich) gewaschen, der 214 v H. kalzinierte «wasserfreie» Soda zugesetzt ist. Anfänglich versuchte man, 5 bezw. 10 v. H. Soda zuzusetzen, mußte aber dovon absehen, weil diese hohen Sutane die Hände der Pflegerinnen angriffen: 2/, v. H. genügen zur Säuberung ohne die unerwünschten Nebenerscheinungen. Die Kinder vertragen die Waschung gut: ue findet übrigens nicht auf den Kopf Anwendung, der mit einer Gallerte gewaschen wird, die jeweils aberrds vorher in der Weise hergestellt wird, daß 10 Gramm Zpda mit 10 v. H. feingeschnittener Seite in 1 Liter Wasser awgekocht werden. Die Kosten des Bolussoda« Pulvers (15 Gramm für den Tag unb Kind) belaufen sich auf 0,03 Psg.,- das Pulver wird wie Seife auf einen Waschlappen genommen. Ebenso wie Bolus kann auch Kaolin (Tonerde) verwandt werderr, das noch billiger und stets erhältlich ist.
, Ein Rieseufrndliug ist im Kaiser-Wilhelm-Kanal freigelegt und an Saab gebracht worden. Der Findling wiegt 48 700 Pfund bei einem Inhalt von 10 Kubikmeter. Mau hat ihn nach der Kaiserliche» Werst Saatfee gebracht. Die Renösburger hoffen, daß der Stein als Wahrzeichen an die große Zeit in der Nähe der Stadt als Denkmal zur Aufstellung gelangen wird.
Heileres vom Tage. Gesten: betritt eine biedere Frau meine Buchhandlung und verlangt „so a Buch", um ihre französischen Kriegsgefangenen, die die Feldarbeiten verrichten, verstehen zu können. Ich zeige ihr einen praktischen kleinen Sprachführer, den sie aber sofort abweift mit den Worten: „Tees ischt nex, dees mueß a dicks Buch fei'; die schwatzet gar so viel." — Feldwebelleutnant über Stadtwachdienst, Stadtpa- trouiHengänge unb etwaige Festnahme von Missetätern instruierend, zu einem Landsturmnmnn: „Passen Sie bei diesem Dienst gut auf. Wenn Sie das alles richtig machen, können Sie sich zum Polizeibeamten qualifizle- ren, und nach dem Kriege wird sie jede Stadt gern als Schutzmann entstellen. Was sind Sie im Zivil?" — „Bürgermeister, Herr Leutnant."
(Aus dem Simplizissimus.)
3m „hungernden" Berlin.
Die schwedische Bettung „Aftonbladet" bringt den Brief eines Schweden über die „Stimmung in Berlin", aus dem wir folgendes wiedergeben:
Obwohl ich nie an ber Fähigkeit der Teutschen gezweifelt habe, in dem großen, harter: Kampf auszu- Haltem setzt mich doch die gute Stimmung in Erstaunen, die hier überall zum Ausdruck kommt und keineswegs .auf Müdigkeit Urrgedold deutet . . . Als ich war bist das gleiche wie gewöhnlich. Es gab wenig Automobile, dafür aber viele Soldaten. Im allgemeinen junge, kräftige Männer, aber auch solche im Alter von 40 Jahren. Nach dem ziemlich langen Spaziergang ging ich in die echideutscüc Bierstube „Zollernhof" Unter den Linden, um zu Wbeuö zu essen. Das Lokal war überfüllt. Vielleicht kam es daher, daß es Soms- tagabenb war. Auf jeden Fall sah das Publikttn: ganz anders als mutlos aus. Mein Slbendesseu bestand aus Gemüsesuppe, Rostbeef mit Gemüsen und Fruchtsalat und kostete 3 Dik. An meinem Tisch saßen auch ein paar Feldgraue, mit denen ich bald ins Gespräch kam Natürlich drehte sich dieses um Verbum Ich fragte, ob nicht zu befürchten fei, daß der Angriff zum Stehen femme; da aber antwortete mau mit einem mitleidige« Lächel« dem Kleingläubigen: „O nein, seid ruhig. Es geht langsam, aber sicher. Man spart Menschen unb weichet desto fleißiger schwere Artillerie an." Aebnliche Antworte« bekam ich überall unb schließlich wurde ich selbst von der Sicherheit angesteckt. Man fühlt sich un= glaublich sicher in dem friegführenben Deutschland. Der lange, schwere Krieg scheint die Nerven des Volkes wirklich nicht angegriffen zu haben.
Um 11 Uhr ging ich in ein Weinrestaurant. An den meisten Tischen saßen Soldaten mit jungen Mädchen. Die Musik spielte und eine frohe Stimmung herrschte überall. Kaum hatte ich an einem wohlbefchten Tische einen Platz bekomme::, als der Kapellmeister vortrat und ein Telegramm vorlas: „Die „Möwe" ist mit reicher Beute heimgekehrt." Da entstand ein ««beschreib-
licher Jubel. Alle erhoben sich von ihren Sitzen und man sang mit Kraft und ergreifender Andacht: „Deutschland, Deutschland über alles". Das ergriff auch mich Eine solche Stimmung habe ich daheim nur in den Tagen des Bauernzuges erlebt. Hier herrscht sie immer. Sie hat die ganze Galant ergriffen und alle verbrüdert, jeder spricht mit dem andern wie mit einem gut Freunde. Das schwere Schicksal, das alle trage» müssc hat die Klassen- und Parteiunterfchrede ausgeglichen
Uten
>en,
Am Tage darauf ging ich zu Kenwinski. Auch hier wem alles so wohlschmeckend und beinahe ebenso billig - wie früher. Die fleischlosen Tage empfindet man nicht als unangenehm. Outrecht alter Freund von mir, ein I alter Arzt, jammerte über sie: „Glauben Sie, daß das Volk hungert? Gewiß nicht. Aber ich." — JSantm i Du? — "Natürlich, weil kein Mensch uieür sich den i Magen verdirbt."
In Deutschland ist jetzt der Frühling — der sweite seit Anfang des Krieges — gefmmneit; und das bat sicherlich die Zuversicht und das Vertrauen auf die Zu- tunft noch mehr gestärkt, die dieses starke Volk seinen Augenblick verlassen haben und verlassen werden. Die- fer Eindruck stimmt allerdings nicht mit dem übereilt, was in der Preise der Gegner und in einigen uner- tlürliw deutschfeindlichen Bettungen bei uns behauptet wird, aber er entspricht der Wahrheit.....
Weitere Drahtnachrichten.
Das Ende eines Betrugsprozesses.
«■ Berlin, 20. Mai. ,T. U.) Die 8. Lrraskamme!
des Landgerichts I beendete gestern laut „Bl. Mo." den seit dem 28. Febmm verhandelten Betrugsprozeß Legen
Steinbvck und (genossen. Der Hauptangeklagie Steht« dock wurde zu 15 Jahren Zuchthaus und 15 600 Mark Geldstrafe sowie 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.