Einzelbild herunterladen
 
  

Stimmung im sränrSfischen Heer.

' .Ueber bie Ausbeutung der Soldaten hinter der Front führt Victor Basch, der von einer Fahrt an die französische Front zurückkommt, inLa Victoire" vom 8. Mai heftige Klage. Ausgehungert kämen die Soldaten aus den Kämpfen in der Hoffnung, daß ihnen Hinter der Front reiche Nahrung gereicht würde und der Champagner in Strömen fGsse. Nichts von alte- dem:Sie sind zurückgekommen und setzen sich mit ge- zücktem Messer und fletschenden Zähnen an den Tisch. Und man trägt ihnen auf. Ich wage es nicht, den Preis zu nennen, der ihnen abverlangt wird für eine geschmacklose Suppe, einige Stücke schlechten Fleisches, szwei schimmelige Biskuits, dazu ein schmutziges Tisch­stuch und schmutziges Geschirr. Die Offiziere, die ge­zwungen sind, in Speisehäusern zu essen, müssen für Zwei schlechte Gerichte 8 Frs. zahlen. Man hat mir ge­sagt, daß, als die Militärbehörden gegen die Gastwirte Vorgegangen wären, diese gestreikt hätten, so daß man gezwungen wäre, alles beim alten und alles beim Aus­beuten zu lassen."

Le Nonvelliste de Lyon" vom 13. Mai gibt folgen- den Tagesbefehl eines Armeekorpsführers wieder: Eure Vorfahren marschierten ohne Stiefel, schliefen un- Iter freiem Himmel, aber schlugen den Feind. Ihr, Kameraden, schlaft im Schmntz nnd arbeitet im Wasser, das am Tage zerstört, was man am Vorabend geschafft hat. Ihr, Kinder der Sonne, Ihr lebt im Regem Frisch auf, rastlos ans Werk. Schinwft, Freunde, das erleichtert das Herz, aber haltet durch, spuckt in die 8 linde und haut die Boches, bis sie genug haben. Der ieg gehört dem Hartnäckigsten. Wir werden sie krie­gen, sagt Pötain und Nogi, der Sieger von Port Arthur: der Sieg gehört dem, der eine Viertelstunde länger aushält.

Vor Optimismus warnt Almereyda imBonnet Rouge" vom 9. Mai: Bei jeder Gelegenheit hat man uns vorgeschwätzt: Geduld! Die Zeit arbeitet für uns. Die russische Dampfwalze blieb stecken, wir verließen Gallipoli und die Dardanellen. Deutschland vereinigt sich mit der Türkei, Serbien und Montenegro ver­schwinden, Albanien ist fast völlig in den Händen der Oesterreich er. Die Bagdad-Expedition endet mit Kut-el- Amara. Was tut es? Die Zeit arbeitet für uns! Die Fabriken sind geschlossen, die Spitäler übersülli, das Land starrt von Grabkreuzen: Die Zeit arbeitet für uns! Aber man hat uns wieder einmal belogen. Lloyd George hat zu seinen Landsleuten in Wales gesagt: Die Zeit ist kein Verbündeter. Sie ist jetzt höchstens ein zweifelhafter Neutraler! So übertönt von Zeit zu Zeit die Wahrheit mit einem lauten Ruf das betäubende Geschwätz der Lüge und gibt uns plötzlich tief zu denken.

Der Unterseebootskrkea.

Deutsche Dampfer in der Ostsee versenkt.

Ans Stockholm wird vom 18. Mai gemeldet: Gestern nachmittag wurden noch zwei deutsche Dampfer durch ein Unterseeboot, wahrscheinlich ein russisches, auf der Höhe von Landsort torpediert. DieKolpe", auf der Reise von Hamburg nach Stockholm, wurde um 5 Uhr 20 Minuten nachmittags südsüdöstlich Landsort von ei­nem U-Boot mit Granatfeuer beschossen. Zwei Mann der Besatzung wurden leicht verletzt. Der Dampfer- würde danach torpediert und sank sofort. 18 Mann der Besatzung wurden von einem schwedischen Dampfer ge­rettet. Der Kapitän, der zweite Steuermann und noch Platze ebenfalls beschossen. Zwei Mann wurden leicht verletzt. Der Dampfer wurde torpediert und sank nach 20 Minuten. Der Kapitän wurde gefangen genommen. Die Besatzung wurde von dem gleichen schwedischen

Dampfer ausgenommen.

Gold an Bord vonBatavier v."

DieAssociated Presse" meldet ans Washington, DampferBatavier V" auf eine Mine gelaufen. Unter den vier Personen, die ums Leben kamen, war ein amerikanischer Reisender. Auf den:Batavier V" be­fanden sich u. a. 14 Kisten mit 60 000 Pfund Sterling in Gold. Der Dampfer hatte 28 Mann Besatzung und 8 Fahrgäste an Bord.

Kriegsalierlei.

Wilson und Lansing beraten über die Botschaft des Papstes.

Über die Botschaft des kurzem überreicht und in

DieAssociadet Presse" meldet aus Washington, Wilson plane mit Lansing während der nächsten Tage über die Botschaft des Papstes zu beraten, die vor kurzem überreicht und in der indirekt die Möglichkeit an- gedeutet worden ist, einen allgemeinen Frieden in Eu­ropa zustandezubringen. Nam der Besprechung werde Wilson seine Antwort an Papst absenden.

König Peter auf dem Wege nach Petersburg

Aus Kopenhagen berichtet die «Köln. Zta.": Wie ein Telegramm aus Bergen meldet, bestand das Gefolge des auf der Durchreise nach Petersburg dort weilenden serbischen Königs aus fünf Personen. Der König habe den Eindruck eines kranken und gebroche­nen Greises gemacht: nur Eingeweihte seien über die Meise des landesflüchtigen Königs unterrichtet.

Bon unseren Heerführern.

Generaloberst v. Kluck begeht am 20. d. Mts. in Ber- lin-Wilmersdorf seinen 70. Geburtstag. - General v. Gallivitz beging am Mittlvoch das Fest der Silbernen Hochzeit mit seiner Gemahlin, einer geborenen Englerth aus Eltville a. Rb. Es sind ihm aus allen Teilen Deutsch­lands und dem verbündeten Auslande zahlreiche Glück­

Gallwitz beging am Mittwoch das F Hochzeit mit seiner Gemahl u, einer ge aus Eltville a. Rb. Es sind ihm aus all.

wünsche zugegangen.

Politische Rundschau.

Einen Antrag wegen des Sparzwanges der Ju­gendlichen hat die sozialdemokratische Relchstagsfraktion etnaebracht. Der Antrag lautet: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die von stellvertretenden Generalkoni- mandoö erlassenen Verordnungen über den Sparzwang für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen aufgehoben

WC1 Japan übernimmt den Schutz der Mexikaner in Amerika. Londoner Zeitungstelegramme berichten »lach einer Baseler Meldung derMgdv. Ztg." aus Neuyork, die japanischen Konsulate in den Vereinigten Staaten erhielten Befehl ihrer Regierung, den Schutz der mext- kanischeu Staatsangehörigen irr der Union zu ttber- nehmen, falls es zum Krieg komme.

Die Beratungen der Fraktionen über das Steuer- kompromiß sind, wie dasB. T." schreibt, Donnerstag abend zum Abschluß gekommen. Völlig ablehneltd ge­genüber den Kompromißvorschlagen verhaltell sich nur die beiden sozial-emokratischen Fraktionen. ImMl" wird mitgeteilt, im Reichstage habe der Eindruck vor- sra% «WURM«

würden. Bis zum Abend sei es aber UM gelungen ge­wesen, in allen Stücken ein völliges Einverständnis zu erzielen. Jedenfalls könne aber als feststehend angesehen werden, daß die Steuervorlagen in der abgeänderten Form nunmehr einer Mehrheit gewiß feien.

Wo flecken die LebensMei?

Eine Berliner Firma bietet in einer aroßen Zei- stung gewaltige Mercgen von Nahrungsiuittelu unter der UeberlchriftSofort greifbar abzugeben" au. Es handelt sich hierbei um 100 000 Dosen Rindfleisch a 2 Klgr., 40G0 Pfund Rtndsgulasch, 1000 Dosen Rind­fleisch a 6 Pfund, 12 500 Dosen Rindfleisch a 1 Pfund, 25 000 Dosen Rindfleisch a 1 Pfund, 10 000 Dosen ge­kochter Schinken a 56 Pfund (durchsch. 5,5 Pfund), 8000 Dosen dän. Leberpastete zu 1 Pfund, 200400 Ztr. Gerstengrütze, 200 Ztr. Julienne, 2 Waggons dän. Ju- lienne in 50 Kilo Säcken les werden nur 50 Sack an­genommen), 50 Ztr. Schokoladenpulver, 50 Ztr. Sup- penpulver, 70100 Ztr. Erbsenmehl, ldurchschn. 85 Ztr.), Bujammen 267 250 Kilo. Also rund 534 500 Pfund Nah- rungsstoffe oder abzüglich der Doserc-Verpackungen rund eine halbe Million Pfund.

Noch treffender beleuchtet wird der Jlcseratinhalt, wenn man die Barbeträge berechnet, die gefordert wer­den. Sie stellen sich wie folgt: 100 000 Tosen Rind­fleisch a 14,60 x 4000 Pfund Rindfleisch a 2,95 X 1000 Dosen Rindfleisch a 19,65 X 12 500 Dosen Rindfleisch a 3,90 x 25 000 Dosen Rindfleisch a 3,70 X 10 000 Do­sen Schinken a 4,60 X 8000 Dosen Leberpastete a 2,55 Mark, 300 Ztr. Gerstengrütze a 120 X 200 Ztr. Ju­lienne a 183 X 2 Waggon dän. Julienne a 188,50 X 50 Ztr. Schokoladenpulver a 300 X 50 Ztr. Suppen- Vulver a 193 X 85 Ztr. Erbsenmehl a 133 X zu­sammen 1817 070 ./Z Also rund 500 000 Pfund Lebens­rnittel im Werte von 1817 070 Mark. Daß in der An­zeige gleichzeitig auch noch große Posten von Kerzen angeboten werden, die ebenfalls besonders krrapp nnd teuer sind, stellt die Vielseitigkeit der Firma in eut be­sonderes Licht.

Sollten in Fällen derartig anfgestapelter leichtver­derblicher Warenvorräte die Gemeinden nicht von den 18 13 und 14 des Gesetzes über Versorgungsregelung vom 25. September 1915 Gebrauch machen und käufliche Ueberlassung verlangen, oder notfalls enteignen?

Vermischtes.

Ein Arzt in der Sprechstunde ermordet. Der prakt. Arzt Dr. Grumbrecht in Hamburg ist in seiner Wohnung von einem Patienten aus Rache durch zwei Schüsse ge­tötet worden. Seiner Verhaftung erwehrte sich der Tä­ter durch mehrere Schüsse und verwundete einen Poli­zeibeamten an der Schulter nicht unerheblich. Erst die herbeigerufeue Feuerwehr kounte ihn überwältigen. 1

Tenrer Gänsebraten. Die zahlreichen Gänsemäste- reien im Oderbruche, deren Betriebsumfang in Anbe­tracht der allgemeinen Verhältnisse in diesem Jahre sich nur in engen Grenzen hält, haben mit dem Ankäufe des Jungviehs begonuen. Die dafür bezahlten Preise sind ganz gewaltig hoch und stellen sich bis auf 9 Mark für das Stück. Was mag wohl im Herbst eine Mittelschwere Martinsgans kosten?

Ein Garnisonvefehl gegen das Verschicken von Le- benSmitteln. Da aus dem Spreewald zu viel Butter nach Berlin von Militärurlanbern mitgenommen wird, erging für die Stadt Lübben folgender Garnisonbefehl:

W, ______.....___ .... ... ................

Gefängnisstrafe für einen Milchfälscher. In der Bc- rusungsinstanz wurde von der Strafkammer in Braun­schweig der Milchkutscher Wilhelm Beck wegen Betruges in Verbindung mit Nahrungsmittelfälschung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. In seiner Eigenschaft als Kutscher der Brauuschweiger Molkerei vermischte er in großen Samten und auf offener Straße die Vollmilch mit Mageruülch und verkaufte dieses 30 bis 40 Prozent Magermilch enthaltende Gemisch alsVollmilch" an die Konsumenten. Die höh,eren Preise für dieVollmilch" steckte der Kutscher in feine Tasche.

Steigende Unsicherheit in Rußland. Die Wiener Korrespondenz Rnudschau" erführt über Stockholm aus Rußland, daß dort die Unsicherheit stark zunimmt und Mordtaten, Ueverfülle und große Diebstähle am hellich­ten Tage ausgeführt werden. Solche Verbrechen werden aus Petersburg, Moskau, Smolensk und Zarskoje Se- lo in großer Zahl gemeldet. Auch Reisende werden aus- geplündert. Der Kassierer einer Minenfabrik wurde ge­tötet uud der Geldsäcke beraubt. Die Räuber wurden verfolgt nud verschanzten sich in der Nobelschen Fabrik, von wo sie auf das Militär feuerten. Schließlich neckten sie das Haus in Brand und verübten Selbstmord.

Englische Feindschaft auch gegen Tote. Aus Monte­video empfing der Evangelische Hauptverein für deutsche Ansiedler mrd Auswanderer in Witzenhausen auf Um­wegen vor: seiner dortigen VertraneuSstelle folgelide dkachricht, die als ein weiterer Beitrag zur Charakteri­sierung der Engläuder hier wiedergegeben sein möge: Seit dem Bestehen der Gemeinde wurden unsere Toten auf dem englischen Friedhof bestattet gegen eine Ge­bühr von 47 Schilling Gold (200 Mk.) Manche arme Familie hat das Opfer gebracht und die hohe Gebühr bezahlt, besoriders deshalb, weil die Anlage der Grab­stätten auf diesem Friedhof unserem religiösen Empfin­den und der deutschen Sitte entsprechend war. Am 3. Januar, als die gesamte deutsche Kolonie Herrn Emil Farnkopf zur Ruhe des Grabes begleiten wollte, einen Maull, der keinen Feind hatte und der in seinem Leben viel Gutes getan, wurde ihm das Begräbnis auf diesem Friedhof verweigert. Er mußte infolgedessen auf dem städtischen Friedhof in Buceo begraben werden unter Nmstündell, die die Gefühle der Leidtragendeir aufs tiefste verlegten. Eine Stimmung der Entrüstuug be­mächtigte sich aller, die dem Begräbnis veiwohilten, und wie ein Lauffeuer verbreitete sie sich durch die ganze Stadt nud in allen Kreisen der Bevölkerung. Die Verblendung der Engländer ging so weit, daß sie an­scheinend gar nicht mehr wtifeit, was sie taten. Erst nachträglich gingen einzelnen die Augen auf, als sie den Schaden sahen, den ihre neue Verordnung angcrrch- tet hatte: und dann wurden manche unklaren Ausreden laut. Die deutsche Kolonie hat sofort zu der FriedhofS- frage Stellung genommen, um einen eigenen Begrab- Nisplatz für ihre Toten zn Mchen,und hat in ihrem Be­streben bei den Landesliehörden ein weitgehendes Ent­gegenkommen gefunden angesichts dieses Verhaltens der Engländer, das nach diesem kurzem Bericht nicht naher zu kennzeichnen ist. _________________

Landslcirmmann «chelinNs firiegsgeroinn.

Aus Lyck (Ostpr.) schreibt man uns: Der Zufall ist ein eigen Ding. Er hat schon viel Glück undviel^Un-

st ein eigen Ding. Er hat schon viel Gina mw viel un* stück gebracht, wie er aber dem Landsturmmaun ^che» inskt zu einer Frau vechalf ist jedoch wert, erzählt zu verden. Der Wilhelm Schelinski war, ehe er Soldat

wurde, wohlbesrellter Knecht bei einem großen Bauer- im nahen Jucha. Selbstverständlich hatte er sich eine Braut zugelegt. Die Karoline vom benachbarten Gast­wirt. Als nun der Krieg ausbrach, brauchte Schelinski nicht gleich unter die Soldaten. Er half also Vieh und sonstige Wertgegenstände seines Herrn retten und lau- dete schließlich nach aufgeregten Tagen am schönen Ost- leestrand in Pommern. Dabei hatte er aber seine Ka- roliiie ganz aus dem Auge verloren mib da er wußte, daß Lesen und Schreiben ihre schwache Seite waren, rech­nete er aus keine Nachricht von ihr. Inzwischen war aber auch er unter die Soldaten gekommen und bet einem Regiment gelandet, das unter Hindenburg gegen die Russen rümpfte. In der ersten Zeit hatte er oft Grund Sehnsucht nach seiner Karoline zu empfinden, denn e, wm- der Einzige, der Brief- und Paketlos blieb, in der ganzen Kompagnie. Da kam eines Tages eine einfach« Karte: Adresse:Lanösturmmann Wilhelm Schelinski, x. Infanterieregiment". Und Schelinski tanzte vor Freude. Wie geht es dir, Wilhelm, man hört ja nichts mehr von dir, süßer Schatz, schreib mir doch wieder mal. Ich verbrenne vor Sehnsucht nach dich, Louise", las Schelins­ki. Und obwohl er sich erinnerte, daß sein Schatz Karo- line geheißen, nahm er an diesem Namenwechsel keinen Anstoß, auch uicht, daß die Karte aus dem pommerschen Schönhausen kam. Er schrieb einfach Antwort. Den Vor­namen hatte die Karoline gewiß in der neuen Heimat gewechselt. Daß ein Wechsel des Vaternamens einge­treten war, lind daß Saroline auch Schelinski hieß, wun­derte ihn nicht, den hatte er nie gewußt. So schrieb er an Fräulein Luise und schüttelte ihr sein Herz aus, schrieb ihr von seiner Sehnsucht nach hübschen Paketen und daß es ihm sonst gut ginge. Bald kam die Antwort und bald auch ein Paket. Landsturmmaun Schelinski be­tete feine Karoline, mit dem neuen NamenLouise, an und kämpfte wie ein Löwe, um den Krieg zu beendigen und zu Louise-Karoline kommen zu können. Schließlich wur­de er verwundet, und wie der Zufall spielte, kam er in ein Danziger Lazarett, hatte also nicht weit von seiner Angebeteten, als ihm der erste Urlaub erteilt wurde. I« Schönhausen fragte er nach Louise, und man zeigte auf einen stattlichen Bauernhof. Auf dem Bauernhof fragte er wieder nach Louise und man wies ihn insHer­renhaus". Dort schaute er sich weiter nach Louise um und fand als alleinige Frau nicht seine Karoline-Louise, son­dern ein anderes Gesicht. Schelinski hatte vor dem Feinde immer Mut gehabt (Beweis das Eiserne Kreuz), jetzt kam er sich wie ein Tölpel vor. Er wäre der Sche­linski und suchte die Louise, seine Karoline, stotterte er. Und die junge Frau erhob sich, stürzte auf ihn zu und hing an seinem Halse. Schelinski wurde immer verlege­ner:Bist du deun die Karoliue? Da sah ihn die Frau an:Bist du denn nicht der Schelinski, mein Mann?" Und nun wurde es offenbar: Schelinski war ein anderer und Louise war nicht Karoline, sondern eine wohlha­bende Bäuerin, deren Mann im Felde gestanden bei der, selben Kompagnie, in derSchelinski als Held gesümpft So war Schelinski zu den Briefen und Paketen gekom­men, die einem anderen gehörten, der, wie sich heraus- stellte, schon vor Schelinskis Eintritt in die Konwagnie. gefallen war. Der Frau war die Trauerbotschaft zuge­gangen. Da aber aus eine verzögerte Karte Antwort folgte, so glaubte sie selbstverstündlich alles, nur nicht, daß ihr Mann wirklich gefallen sei. Schelinski muß der jungen Witwe jedenfalls gefallen haben. Kurz und gut, er blieb da und fuhr tu§ Lazarett zurück als junger, kriegsgetrauter Ehemann und wohlhabender Bauer in Schönhausen.

Neue Männer auf der Kandidatenliste.

»-t Berlin, 19. Mai. (T. U.) DieVoss. Ztg." be­richtet: Als Kandidat für die Nachfolge Telbrücks in Staatssekretariat des Innern wird neuestens Regie­rungspräsident Herght in Oppeln genannt. Staatssekre­tär Helfserich, so wird weiter versichert, wird sein Am behalten, aber an Stelle Delbrücks Stellvertreter bei Reichskanzlers werden. Die Lebeusmitteldiktatur sei dem Unterstaatsfekretär Dr. Michaelis zugedacht.

Ein Kriegskontrollgesetz?

Berlin, 19. Mai. (T. U.) Mit der Vorberei­tung eines Kriegskontrollgesetzes, wie es mit Rücksicht auf die im Rahmen der Kriegführung und Kriegswirt­schaft geleisteten und weiter. entstehenden Milliardenaus- gaben von verschiedenen Seiten befürwortet wurde, ist, wie dasB. T." mitteilt, das Reichsschatzamt gegenwär­tig beschäftigt.

Bei Versuchen mit einer neuen Granate getötet.

r-r Haag, 19. Mai. (T. U.) Der holländische Re- iserveleutuaut Boehmann, Sohn des Oberstkommandie- renden der holländischen Feldarmee, ist gestern morgen, während er mit einer selbsterfnndenen Granate Der- ssuche amtellte, das Opfer einer Explosion geworden. Die Granate zerriß Unterleib und Brust und tötete ihn auf der Stelle. Drei Mannschaften wurden verwundet.

Bendel und Verkehr»

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

Die Witterung ist für die Entwickelung der Saaten allgemeinen vorteilhaft geblieben, und demgemäß halten die Verbraucher von Futtermitteln mit Käufen zurück. Das Geschäft am Warenmärkte war aus die­sem Grunde auch in der am 17. Mai abgeschlossenen Berichtswoche eng begrenzt. Einige Futtermittel wur­den in größerem Umfange angeboten, da die Besitzer ihre Borräte nach Möglichkeit abzustoßen suchten. Na­türlich führte dies zu einem Preisdruck. So war Spelz­spreumehl auch zu niedrigen Forderungen sowohl in grobem wie in feinem Material kaum anzubriNgen. Runkelrüben wurden schließlich gleichfalls billiger ab­gegeben. 3m Gegensatz hierzu bestand Nachfrage für Seradella und Lupinen, wovon nur geringe Mengen

im

kanut:

au den Markt kamen. Junges, weiches Heidekraut, das an Stelle von Heu gut zu verwerten ist, war zeitweilig begehrt. Hafer wurde vielfach von den «ahrmittel« fabriken zu kaufen gesucht. Für die demnächst zur Ge­winnung von Grünfutter in Betracht kommenden Sand- wicken und JohanniSroggen zeigten sich bereits die er­sten Anfragen seitens der LauSwirtschaft. Von Ungarn ist noch prachtvoller SaatmaiS eingetrossen. Die Ver­teilung von Getreideschrot und rumänischem Mais zur Schweinemästung nimmt, seitdem biete immer mehr in Deutschland von den Stadtverwaltungen ausgenommen wird, weiter wachsenden Umfang an.

Im Grotzverkehr wurden nachstehende Preise be- ^pelzspremnehl 27 bis 34 Mark für 100 Klgr.

n. Runkelrüben 2 Mark pro Zentner in Wag-

ab Station. Runkelrüben 2 Mark pro Zentner in Wag­gons ab Station. Saatwicken 85 bis 92 Mark, SägUu- pinen 84 bis 90 Mark, Saatpferdebobnen 94 bis 98 Mk, Saatpeluschken 80 bis 90 Mark, alles für 100 Klgr. ab Station, Seradella 90 bis 100 Mark, BNchweizeu zur Saat sielbergrauer SO bis 85 Mark, brauner 7-2 bis 77 Mark, Spörgel 72 bis 80 Mark, alles für 50 Klar, ab

Statiom