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Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdrucksrei .Hersfeld. Für Sie Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

Qv^I^Maü Dn Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im

MlVlSy amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder-

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 117.

Freitag, den 19. Mai

1916

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 17. Mai 1916.

Der Handelsmann Willi Abraham von Schenklengs- seld hat wiederholt gegen die Bestimmungen des Vieh­handelsverbandes des Reg.-Bez. Cassel verstoßen.

Der Vorstand des Viehhandelsverbandes entzieht daher dem p. Abraham die Ausweiskarte auf die Dauer von 4 Wochen ab 18 Mai. Abraham verliert dadurch das Recht zum Handeln mit Vieh, gemäß der Anordnung der Landeszentralbehörde vorn 19. Januar 1916.

Vorstehendes bringe ich hiermit zur allgemeinen Kenntnis.

J. A. No. 5823. Der Landrat.

J. V.:

v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.

Zucker für Bienen.

Nach § 4 der Ausführungsbestimmungen zu der Verordnung über den Verkehr mit Verbrauchszucker vorn 10. April 1916 (Reichsgesetzblatt S. 265) haben Imker ihren Bedarf an Zucker zur Bienenfütternng, soweit er nicht durch unversteuerten Zucker gedeckt wird, der von derLandeszentralbehörde zu bestimmenden Stelle anzuzeigen. Diese prüft die Anmeldung und reicht sie der Reichszuckerstelle ein.

Die Entgegennahme, Prüfung und Weitergabe der Bedarfsanzeigen ist übertragen worden

für den Regiernngsbezirk Cassel

dem Hessischen Bienenzüchterverein (Vorsitzender Herr Lehrer Kimpelin Cassel, Blücherstr. 3),

Die bis jetzt hier eingegangenen Anzeigen sind dem zuständigen Verein übermittelt worden.

Cassel, den 10. Mai 1916.

Der Oberpräsident, gez. Hengstenberg.

ftauf von giegenböcken.

Diejenigen Ziegenbefitzer, welche zur Zucht geeig­nete Ztegenbocklämmer aufgestellt haben und ver­kaufen wollen, ersuche ich sich bei mir zu melden. Die Bocklämmer müssen von der Saanenrasse sein. Der Ankauf wird frühstens Anfang Juli ds. Js. erfolgen.

J. A. Nr. 5825. Der Landrat.

J. B.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 15. Mai 1916.

Alle Beteiligten warne ich vor Erzeugnissen, die neuerdings als Salatölersatz öffentlich angekündigt und angepriesen werden. Ihre Untersuchung hat ergeben, daß es sich dabei im wesentlichtlichen um Wasser handelt, welches von Zusatz von Pflanztzuschleim ölähnlich dickflüssig gemacht und gefärbt wurde. Diese Stoffe können Salatöl nicht ersetzen und dürfen nicht als Salatölersatz seilgehalten werden (§ 10 und § 11 des Nahrungsmittelgesetzes vom 14. Mai 1879).

Tgb No. I. 5130. Der Landrat.

J. B.:

Funke, Kreissekretär.

Bus der Heimat«

* Buchenholzasche i st e i n w e r t v o l l e r Seifenersatz, der in früheren Zeiten allgemeine Verwendung gefunden hat und lediglich durch die iu Friedenszeiten billige und reichlich vorhandene Seife, in den Hintergrund gedrängt wurde. Jetzt, wo die Seife spärlich und teuer geworden ist, lohnt es sich auf dieses Waschmittel zurückzugreifen. Wenn auch in größeren und mittleren Städten die Buchenholz- asche kaum in größeren Mengen zu beschaffen ist, so wird doch in kleinen Städten und auf dem flachen Lande noch viel Holz gebrannt, so daß dort die Asche reichlich zur Verfügung steht. Diese Asche wird vorerst gesiebt, wodurch man sie von Schmutzteilen usw. reinigt, und dann mit der gleichen Menge Wasser, das man kochend darüber gießt, unter etwa 1 ^-ständigem Rühren ausgelaugt. Die fertige Lauge läßt man einen Tag stehen, wodurch sich die schweren Teile zu Boden setzen und gießt dann die klargegwordene Flüssigkeit durch ein grobes Tuch. Mit dieser Lauge kann alle weiße Wäsche, sowie auch Kattun und ähnlicher bedruckter Stoff gewaschen werden. Nur bei feineren Stoffen und zarten Farben ist Vorsicht geboten. Solche Stoffe wäscht aber bekanntlich eine sorgfältige Hausfrau nicht einmal mit einfacher Seifeulauge. Wird man auch durch den Gebrauch der Lange nicht ganz ohne Seife auskommen, so wird die Hausfrau doch bald herausfinden, daß nur ganz geringe Mengen Seifen- zusatz erforderlich sind, namentlich wenn auch die Möglichkeit einer Rassenbleiche gegeben ist. Erwähnt sei noch, daß die Lauge die Stoffe nicht angreift, wie dies z. B. Chlor und andere scharfe Waschmittel tun, mit denen man zwar etwas rascher reine Wäsche er­zielt, lerere aber auch bei jedem Waschen mehr und mehr verdirbt.

* (Z u r B e a ch t u n g!) Nach einer neuerdings ergangenen Entscheidung des Reichsversicherungsamts sind die russischen landwirtschaftlichen Arbeiter nicht versicherungspflichtig,' es brauchen daher für sie Bei­träge zur Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung nicht gezahlt zu werden.

):( Hersfeld, 18. Mai. Wie groß die Zahl der kriegsfreiwilligen Primaner und Se­kundaner ist, ergibt eine Zusammenstellung der Schülerzahl der preußischen höheren Lehranstalten während der letzten 12 Jahre im Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung. Danach hatten wir am 1. Februar 1914 59 840 Primaner und Sekundaner, am 1. Februar 1915 38100, so daß wir also ungefähr 22 000 Kriegsfreiwillige rechnen dürfen. Davon waren 9306 Oberprimaner, denn von den 10 265 Ober­primanern des Jahres 1914 sind am 1. Februar 1915 nur noch 950 übrig, durchschnittlich noch nicht einmal zwei für jede Anstalt,- von den Unterprimanern stellten sich fast die Hälfte (5279), von den Obersekun­danern fast ein Viertel (3541), von den Untersekun­danern über ein Sechstel (3605) freiwillig zu den Fahnen. Auch diese Zahlen sind ein Ruhmesblatt in der Geschichte unserer höheren Schulen während des großen Krieges.

):( Hersfeld, 18. Mai. Wie uns mitgeteilt wird, versuchen gegenwärtig Zigeuner sich hier niederzu- lassen. Vielfach betreiben die Frauen unberechtigter- weise Hausierhandel mit kleineren Artikeln ver­schiedener Art und benutzen die sich dabei bietenden Gelegenheiten zum Wahrsageu, Stehlen und zu Be­trügereien, um dann wenn ihnen der Boden zu heiß wird, zu verschwinden. Es gelingt nur selten, ihrer Habhast zu werden. Die hiesige Einwohnerschaft wird daher vor diesen Elementen dringend gewarnt. Insbesondere ist Vorsicht geboten bei der Vermietung von Zimmern und bei dem Borsprechen von Hausierern.

Cassel, 16. Mai. Ein jugendlicher Brandstifter

Wie man berichtet, soll emTknäbe in dem an Sie Turmgasse grenzenden Lager des M.schen Geschäfts am Königsplatz eine Scheibe zertrümmert und dann ein brennendes Streichholz in den Lagerraum geworfen haben, so daß dieser alsbald in Flammen stand. Die Feuerwehr der Wache 2 aus der Mauerstraße hatte über eine halbe Stunde zu tun, um daß Feuer 'zu löschen, das in dem Stroh und Packmaterial der Glaswarenhandlung reichliche Nahrung gefunden hatte,' zahlreiche Lampen uud Glaswaren wurden vom Feuer zerstört.

Eschwege, 17. Mai. In die Werra gefallen ist heute mittag beim Spielen das achtjährige Söhnchen einer in der Mangelgasse wohnenden Familie. Einer der beim Elektrizitätswerk beschäftigten kriegsge- fangenen Russen rettete das Kind vor dem Ertrinken.

Hannover, 18. Mai. Einen schnöden Vertrauens­mißbrauch beging der frühere Schlächtermeister, jetzige Privatier Karl Meschmann, wohnhaft Christuskirche 3. Dieser betrieb in seinem Hause eine gutgehende Schweineschlachterei. Im Jahre, 1610 verpachtete er stin Geschäft an die Eheleute Ziegenhein für den ver­hältnismäßig hohen Pachtpreis von 4200 Mark im Jahre. Im Jahre 1915 wurde Ziegenhein zum Heeres­dienst einberufen, so daß die Ehefrau gezwungen war, die Schlächterei mit Hilfe einiger Gesellen weiterzu- führen. Anfang September v. Js. bat sie den M., der sich heute wegen Diebstahls vor der Strafkammer zu verantworten hatte, um Unterstützung, insbesondere zum Schlachten und Verteilen der Fleischstücke. In dieser Tätigkeit hat nun M. fortgesetzt Fleisch, Speck, Würste usw. gestohlen und dieselben teils in seiner im gleichen Hause gelegenen Wohnung, teils im Keller verborgen. Nach seinem Geständnis will er für etwa 250 Mark Ware gestohlen haben, während die als Zeugin vernommene Ehefrau Ziegenhein behauptete, es müsse weit mehr gewesen sein. Dabei besam M. regelmäßig für seine.Hilfe einige Pfund Fleisch und Wurst. In Anbetracht seiner bisherigen Unbestraft- Heit und seines Alters von 59 Jahren erkannte das Gericht auf 14 Tage Gefängnis und Tragung >r Kosten.

Weimar, 18. Mai. Das Landgericht verurteilte heute die ledige Anna Strub aus Loetzigen zu 12 Jahren Zuchthaus. Die Verurteilte ist eine inter­nationale Gaunerin, die in Schwestertracht seit Kriegs­beginn an vielen Orten Deutschlands und selbst im Ausland besonders in Krankenanstalten und Laza­retten Schwindeleien und auch Einbrüche verübte. Hier in Weimar ist sie gefaßt worden.

Gotha, 17. Mai. Zu 7 Jahren Zuchthaus, einer Geldstrafe von 1250 Mk. oder weiteren 275 Tatzen Zuchthaus und zu 10jährigem Ehrverlust verurteilte die Strafkammer den wegen ehrenrühriger Vorstrafen aus dem Heere ausgestoßenen Barbiergehilfen Oskar Fink aus Tennstedt zur Zeit in Gotha in Haft wegen Betruges. Er versprach einem Dienstmädchen die Ehe und beschwindelte sie um ihre Ersparnisse von 327 Mk., behielt ihr Wöchnerinnengeld in Höhe von 65 Mk., betrog eine Anzahl Städter und auch Land­bewohner um Vorschüsse auf Kartoffeln und Waren­

lieferungen, die niemals erfolgten. Er trat dann unter falschem Namen in Großfahner in Dienst und ersuchte um Geld, um seinen Koffer an der Bahn einzulösen. Er erhielt 100 Mk., mit denen er ver­schwand.

Vom Eichsfelde, 17. Mai. Der schon 16 mal wegen Diebstahls vorbestrafte O. Zwingmann aus Haufen (Kreis Worbis) wurde von der Strafkammer in Mühl- Hausen zu 5 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Er war in Ammer in ein Wohnhaus nachts eingebrochen und hatte daraus 40 Bratwürste, 3 Blutwürste und 3 Seiten Speck entwendet.

Fulda, 18. Mai. Fast zwölf Jahre unterwegs war eine Postkarte, die am 3. Juni 1904 in Hersfeld abge­stempelt war und jetzt erst den Empfänger in Neuen­berg bet Fulda glücklich erreichte.

Fulda, 17. Mai. Heute Vormittag fand im Walde bei Kämmerzell (Hummelskuppej in der Mordsache Romanus ein Augenscheinstermin statt, zu welchem der hier inhaftierte Zigeuner Hermann Ebender dort­hin überführt worden war. An dem Termin nahmen Teil die Herren Amtsgerichtsrat Diehls und Erster Staatsanwalt Geheimer Justizrat Dr. Lehmann aus Hanau.

Hanau, 17. Mai. Auf dem Hanauer Wochenmarkte hatte der Metzgermeister Adolf Hodes aus Frankfurt am Main Leberwust zum Verkäufe gebracht, die nach dem Befunde des Nahrungsmittel-llntersuchun gsam teS 75 Prozent Wasser enthielt. Die Schuld schob der Angeklagte auf die schlechte Beschaffenheit des Fleisches der Schlachttiere. Ein Sachverständiger bekundete, daß der Wurst wohl nicht reines Wasser, vielmehr flüßige Wurstbrühe zugesetzt worden sei. Das Schöffen­gericht erkannte auf 400 Mark Geldstrafe nnd auf Veröffentlichung des Urteils in der Tagespresse.

Hanan, 17. Mai. In vcraanaener Nacht ist in

der 51 Jahre alte Polizeidiener Schneider von einem bisher unbekannten Täter erschossen worden.

Lauterbach, 16. Mai. Bei den kürzlichen Er­hebungen der Fleischvorräte wurden im hiesigen Kreise insgesamt über 3600 Zentner Dauerware festgestellt. Davon befinden sich im Besitze der ländlichen Be­völkerung aus eigener Schlachtung etwa 3450 Zentner, während der Rest von 150 Zentner auf die Metzge­reien entfällt. Es wird bezweifelt, ob diese Zahlen dem tatsächlichen Vorrat an Dauerwaren entsprechen da die Erhebung nur auf persönliche Angaben der Besitzer beruht.

Wiesbaden, 16. Mai. Vom 18. d. M. gibt es Eier nur noch gegen Eierkarten. Auf die Woche und den Kopf der Bevölkerung kommen sechs Eier. Außerdem kommt eine Fleischbezugskarte, eine Fettkarte, eine Kolonialwarenkarte und eine Seifenkarte zur Ein­führung, so daß mit den schon bestehenden Brotaus­weis- und Kartoffelkarten künftig sieben Bezugskarten bestehen werden. Der städtische Lebensmittelumsatz während des Krieges beträgt 8 000 000 Mk. An der städtischen Volksküche nehmen täglich durchschnittlich 4000 Personen teil. Zu den Herstellungskosten legt die Stadt zurzeit 70 Prozent zu. Das Essen enthält mit Ausnahme der fleischlosen Tage stets Fleisch, und zwar 100 Gramm für die 30 Pfennig-Portion und 50 Gramm für die 15 Pfennig-Portion. Die Stadtver­ordneten billigten das Vorgehen des Magistrats auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung.

Berzeichnir

der bei L. Pfeiffer Depositenkasse Hersfeld zu Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nach­stehend dankend auittiert wird:

Für das Rote Kreuz:

1. April-Rate der Hersfelder Volksspende M. 286.50

2. v » 91o.15 Erlös aus Sammelbüchse 'No. 32 8.50 33 11.70

3. April-Rate der Hersfelder Volksspende 237.90 M. 1.454.75 bisheriger Bestand 1.466.71 M. 2.921.46 davon weiter verausgabt 535.

Für die erblindeten Krieger:

Sendung von der Volksschule Centers hausen, ges. anläßlich des Geburtstages des Lehrers M. 9.

Für denFraneudant":

Zahlung von Frau Professor Schaaff 5.

Wetteraussichten für Freitag den 19. Mai. Heiter, trocken, tagsüber recht warm.