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Mti anSgeglichen zu sein. Zwischen beiden Politikern fanden in letzterer Bett öfters Beratungen statt, deren Ergebnis sofort fühlbar wurde. Die Erkenntnis, daß der Kriegsschauplatz nicht ausgedehnt werden darf, und daß Italien sich nicht zu Hilfsdiensten wie die fran­zösischen und englischen Kolonialtruppen herabwürdigen darf, ist sicherlich dem Einfluß Giolittis zuzuschreiben.

Giolittis Besuch beim König ist namentlich im Hin­blick aus den Jahrestag des italienischen Kriegsbeginns immerhin nicht uninteressant.

Die Wahrheit dringt durch.

Wie die Angehörigen der in Deutschland unterge- brachten Kriegsgefangenen über deren Los denken, geht am besten aus den Briefen hervor, die sie an ihre Vä­ter, Männer und Brüder richten. So schreibt ein Fräulein R. aus Namur an ihren in Parchim inter- merten Bruder:

Deine hübsche Photographie, die mir große Freude bereitet hat, habe ich erhalten. Ich versichere Dir, mein Lieber, Du bist recht dick geworden: auch macht es mir Freude zu sehen, daß Du Deine Gefangenschaft mit Ge­duld erträgst. Alle Leute, denen ich das Bild zeigte, waren verblüfft über Dein gutes, frisches Aussehen und Deinen zufriedenen Ausdruck. Ich glaube gern, daß es Dir wirklich nicht schlecht geht. Dein Zimmer ist in der Tat reizend und macht einen sehr sauberen Eindruck."

Eine Frau in Aalst bedankt sich sogar bei der Kom­mandantur des Lagers Parchim für die guteAuslieferung der ihrem Mann übersandten Pakete. Der Brief lautet: Ich bedanke mich bei Ihnen von ganzem Herzen da­für, daß mein. Mann, der kriegsgefangen in Parchim, M ' ' erhält. Ich

Nochmals be-

Mecklenburg, ist, alles so gut von mir er! wünsche Ihnen viel Glück und Segen. vv-

danke ich mich bei Ihnen viel tausendmal. Empfangen Sie, mein Herr, meine besten Grüße."

Beigefügt Hatte die Frau noch eine vorgedruckte Nemahrsglückwunschkarte. Hören wir aber auch, wie sich die Kriegsgefangenen, nachdem sie in den Lagern deutsche Fürsorge und Ordnung kennen gelernt haben, über die Zustände in ihrem eigenen Lande äußern. So schreibt der belgische Kriegsgefangene I. C. an seine Frau in der Provinz Namur:Meine Kameraden, denen ich von der erhaltenen Wäsche geben wollte, sag­ten, daß sie nicht mehr wert fei, als in den Kehrichteimer geworfen zu werden. Nach einem Jahr Gefangenschaft, und nachdem wir für diese Herren unser Leben einge­setzt haben, schickt man uns alte Wäsche. Die deutschen Behörden sind zu stolz auf ihre Gefangene»!, und wenn wir Wäsche nötig haben, so gibt man uns neue. Sagt den Herren, sie möchten ihre Sendung aus Lumpen an­halten!"

sondere Basiermann, Spayn und ferner zu den Be­sprechungen hinzuziehen. Ein Abschluß der Beratun­gen war noch nicht zu erwarten. Es ist der Vorschlag gemacht worden, den Bundesstaaten die Hälfte der Neuen Vermögensabgabe zu belassen, aber sie lehnen einst­weilen noch jeden Eingrisf in ihre Steuerhoheit ab. Was die U m s a tz st e u e r anbetrifft, so dürfte sie nach der Auffassung in Regierungskreisen während der Kriegs­zeit säum mehr als 200 Millionen jährlich bringen.

Bit der Frage der Zniammeusetzung des neuen Le- vensMittelamts, hat dasB. T." noch folgende Ein­zelheiten erfahren:Die Hauptschwierigkeit des Prob­lems liegt in der Frage derExekutive", das heißt darin, wie die neue Reichsbehörde in die Lage versetzt werden soll, ihre Maßnahmen selbständig, also auf dem Wege der direkten' Anordnung an die Verwaltungsbe­hörden der Buiidesstaaten durchzusetzen. Dazu soll für die Dauer des Belagerungszustandes eine militä­rische Instanz dienen: dem neuen Reichsamt soll in der Person eines kommandierenden Generals, vielleicht des Oberkommandierenden in den Marken, sozusagen einChef der Exekutive" beigeordnet werden, der durch kaiserliche Ermächtigung bevöqmächtigt sein soll, sämtli­chen stellvertretenden Generalkommandos in allen Fra­gen der Lebensmittelversorgung usw. bindende Wettun- gen zu erteilen."

Der pommersche Oberpräsident Leiter der neuen Reichsstelle?

*# Berlin, 17. Mai. lT. U.) DasB. T." schreibt: Als künftiger Lebensmitteldiktator, das heißt, als Leiter der neuen Reichsstelle für Ernährungsfragen, wird jetzt in erster Linie der Dberpräsident der Provinz Pommern Wclhelm von Waldom, der vor» 1899 bis 1903 Regie­rungspräsident in Königsberg und von 1903 bis 1914 Oberpräsident von Posen gewesen ist, genannt. Ober- präsident von Waldow, steht im 60. Lebensjahre.

Sriegsalkeriei.

Casement auf der Anklagebank.

Sir Roger Casements Verhör vor dem Polizeige­richtshof in Bowstreet in London war lautB. T." am Dienstag die Sensation von London. Das Volk be­lagerte schon von Mitternacht an das Gerichtsgebäude, um Plätze zu erhalten.

Eine Wiener Note über die Versenkn«« friedlicher Dampfer.

Das Ministerium des Aeusteru in Wien überreichte am Dienstag den am Wiener Hofe beglaubigten Ver­tretungen der verbündeten und neutralen Staaten eine

Note, in der auf die in letzter Zeit erfolgte Torpedterung des SeespitalschisfesElectra" sowie auf verschiedene Angriffe feindlicher Unterseeboote gegen friedliche H

Meutereien auf Holländische« Kriegsschiffen in

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Vermischtes.

Das gefährliche Heimweh. Wegen Brandstiftung und Gtftrnordversuchs »vurde vom Chemnitzer Schwur­gericht die in Ringetal geborene Dienftmagd Anna Martha Hoppe zu zwei Jahren drei Monaten Zucht­haus verurteilt. Die Beklagte diente in Ottendorf bei dem Gutsbesitzer Hunger. Angeblich wegen Heimwehs versuchte sie, ihren Drenstherrn mit Kleefalz, das sie dem Kaffee heimische, zu töten. Als dies mißlang, zün­dete sie das Hungersche Wohnhaus an, das völlig nte= derbrannte.

Zur Seifen-Ersparnis schreibt eine praktische Haus­frau demFrkf. Generalanz.". Nicht jedem ist es be­kannt, daß man sich mit einer gekochten Kartoffel sehr gut die Hände, anstatt mit Seife, waschen kann. Kar­toffelwasser reinigt vorzüglich alle Arten von Geschirren, auch bunte Schürzen durch diese Brühe gezogen, werden wie leicht gestärkt und balten daher viel länger rein. Silberfachen in Kartoffelivasfer gewaschen, werden ohne jede weitere Anwendung eines Putzmittels, wunder­schön glänzend. Reiben mit einem wollenen Tuch ist erforderlich.

Ei» e»glischer Mustersolsat. Ein Rekord im De- fertieren wurde lautTirnes" vom 8. Mai von Leonard Melville, vom Radfahrer-Korps, aufgestellt, der wegen Diebstahls vorn Polizeirichter zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Er desertierte, wie bei der Ver­handlung bemerkt wurde, während seiner bisherigen 18- monatlichen Militärdiensizeit bereits ganze 36 mal und erwartet jetzt dafür seine 'Aburteilung durch ein Kriegs­gericht. Ferner hat durch Fingerabdrücke festgestellt

beratschlagen. Zur Ausführung des Auftrages bedürfe? die Pferde frischer Kräfte, es muß Rast gemacht werden. Tief in den Wald werden die Pferde gestellt, wir legen uns daneben. Es ist bitter kalt, ein feiner Regen fällt, eintönig tropft es von den Bäumen. Die armen Pferde, sie knabbern Baumrinde. Wir haben nichts! Die Ta­schen werden umgekehrt, nichts ist mehr darinnen. Ein Glücklicher hat noch Honig, brüderlich wird geteilt! Niemand murrt, alle tragen ruhig das Unabänderliche. Frierend liegen wir auf dem feuchten Waldboden und erwarten mit Sehnsucht das Morgenrot. Ein Jeder denkt an die Lieben in der Heimat. Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod!

Endlich wird es Tag. Wir graben nach Wasser für die Pferde, finden aber nur wenig. Bis zum Nachmit­tag soll die Rast dauern. Auf einer Lichtung ist ein Ha­ferfeld. Jeder holt vorsichtig einige Garben und futtert sein hungriges Pferd. Endlich:Fertigmachen, Auf­sitzen". Es geht weiter, heute muß das Ziel erreicht wer­den! Ein Knüppeldamm führt uns über einen 3 Klm. langen Sumpf. Vorsichtig kommen wir in der Dunkel­heit glücklich hinüber. Deutlich vernehmen wir auf ein­mal das dumpfe Tuten der russischen Lokomotiven: das Ziel ist erreicht!

Aus der Ferne leuchten die Lichter des russischen Bahnhofes zu uns herüber. Anscheinend ist reger Ver­kehr dort, die Züge sind voll russischer Truppen. Unsere Pferde kommen in's Gebüsch, die Sprengpatronen wer­den befestigt und mit dem Apparat verbunden und laut­los schleichen wir uns an den Feind heran! Die russischen Soldaten singen, sie hören und sehen nichts. Es krib- belt uns in den Fingern, ungeduldig warten wir auf die Abfahrt eines Zuges. Es wird heller, höchste Zeit ist es! Wir müssen uns leider mit der Sprengung der Gleise begnügen. Ein Fingerdruck, ein dumpfer Knall und an acht Stellen sind die Schienen zerstört.

Nun rasch zurück zu den Pferden, im schlanken Trab reiten wir voller Freude ob des gelungenen Streiches ab! Mittags wird Halt gemacht! Ein Gutshof gewährte uns kurze Ruhe. Nach Stärkung von Mann und Rotz wird weiter geritten, da uns Feinde aus den Fersen sein sollen. Nach drei Tagen kamen wir glücklich zu dem Gut, das uns vor Ausführung des Auftrages Nachtquartier gegeben hatte. Kaum hatten wir abge- fattelt, als eine russische Patrouille von etwa 30 Mann auf das Gut zukam. Einige Flintenschüsse von uns trieben sie zurück. Bald sattelten wir und machten uns aus dem Staube! Am anderen Tage trafen wir eine bayerische Ulanen - Patrouille. Die Freude über das Zu­sammentreffen wurde erheblich herabgestimmt durch die Mitteilung, daß die bayerischen Kameraden die Verbin­dung mit ihrer Division verloren hatten. Zwei Mann, die zur Herstellung der Verbindung fortgeschickt wur­den, kehrten nicht wieder zurück.

Wir waren eingeschlossen! Wir hielten auf einem Torfplatze, um 4 Uhr nachmittags sollte abgeritten wer­den. Unser Rittmeister erklärte die grade nicht rosige Lage, ermähnte zur Ruhe und Besonnenheit und dann wurde schweigend fortgeritten. Bald wurde festgestellt, daß russische Artillerie vor ganz kurzer Zeit vorbeige­ritten war, mit großer Aufmerksamkeit wurde deshalb weiter geritten. Plötzlich meldete unsere Spitze feind­liche Reiter. Wir ritten schnell in den nahen Wald, um

Niederläudisch-Jndien.

Die Meutereien auf holländischen Kriegsschiffen vor Batavia scheinen nach demB. T." immer größeren Umfang anzunehmen. Bisher sind über 300 Desertionen vorgekommen. Die Meuterer drohten, das Hospital von Soerabaja in Brand zu stecken. Vierzig Rädels­führer werden von Batavia nach Amsterdam gebracht werden.

Eine gute Absicht des Roten Kreuzes.

DerTemps" bringt die Antworten der kriegfüh­renden Staaten auf den Vorschlag des Roten Kreuzes, es möchte jeweils ein Waffenstillstand verabredet wer­den, während dessen die Sanitätsmannschaften die Toten aufnehmen und identifizieren könnten. Deutschland ant­wortete, daß es die Frage mm der Initiative der Geg­ner abhängig mache. Demgegenüber stehen die Antwor­ten der Verbandsmächte, die aus militärischen Grün- den glatt ablehnen. Trotzdem bringt esTemps" fer­tig, zu behaupten, daß offenbar, wenn Deutschlands Ant- wort günstig gewesen wäre, die gewünschte Verein­barung hätte besprochen und zum guten Ende geführt werden können.

Türkische Parlamentarier besuchen Deutschland.

In Erwiderung des Besuches der deutschen Reichs- tagsabgeordneten in Konstantinopel wird nach der Köln. Ztg." uns demnächst eine Anzahl türkischer Ab­geordneter unter Führung des Vizeprandenten der Kam­mer einen Besuch abstatten.

Immer mehr Einberufungen in Frankreich.

Der Kriegsminister teilte im französischen Heeres­ausschuß mit, daß die Frage der Einberufnng älterer Jahrgänge für den Etappendienst hinter der Front ieit Wochen der Gegenstand der Beratungen im Ministerium bilde.

Asquiths Divisionen.

Auf eine Frage des uuion Mischen Abgeordneten Ashley nach dem Zeitpunkte, seit wann die Stärke der 83 Divisionen Großbritanniens von je 18 400 aus 25 000 Mann gestiegen sei, mußte sich der Premierminister selbst verbessern. Asgmtb gab in der Unterhaussitzung vom 0. Mai zu, daß die Angabe25 000" die er neulich gemacht hatte, auf einer sehr hohen Schätzung beruht habe, die den wahren Stand wohl etwas übertreibe. Der Durchschnitt der Kriegsstärke sei 20 000 Mann, alle Grade einbegriffen.

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nicht entdeckt zu werden. Die Russen ritten auf das Dorf zu, das mir soeben verlassen hatten. Rasch saßen wir ab und eröffneten hinter dicken Bänruen im An­schlag ein mörderisches Feuer auf die Ahnungslosen. Die Wirkung war eine furchtbare, von etwa 50 Mann konnten sich nur einige retten. Wir nun wieder rasch ausgesessen, im Galopp gehts durch ein Dörfchen. Hier ptMfclBMHUaBBMIiiBIBIWBW^^

Politische Rundschau

Ueber das Ergebnis der Ministerbesprechnnge» hö­ren wir vorläufig nur, daß die Bundesregierungen sich mit der vom Reichstagsansschutz beschlossenen Umsatz­steuer abfinden wollen, obwohl auch sie in die Gewerbe- tcuerrechte der Einzelstaaten eingreift, daß sie aber ih­ren W i d e r st a n d gegen die R etchsv e r möge n s - a b g a b e noch »licht a u f g e g e b e n haben. Der Wi­derstand geht, wie uns unser Berliner Mitarbeiter drah­tet, hauptsächlich von, preußischen Finanzminister Lentze aus. Unter den, Vorsitz des Reichskanzlers fand am Dienstag eine Sitzung des preußischen Staatsmilliste- Aunrs statt, in der die Vermögenssteuer den Gegenstand der Tagesordnung bildete. Auch Dr. Helsferich wohnte der Sitzung bei, da er zugleich preußischer Staatsmini- ster ist. Ob es gelungen ist, Herrn Lentzeumtzustimmen? : Später werden die eillzelstaatlichen äMmte wieder R- , raren imh durft die Parteiflibrer des Reichstags, illsbe» i

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Französisches Urteil über unser Kriegs-Brot. Be merkenswert ist ein jetzt bekannt gewordenes franzö­sisches Urteil über das deutsche K.-Brot. Die Nachrichten fürStärkcfabrikation" bringen ein anerkennendes Ur­teil über unser K.-Brot, das in den Gefangenenlagern verabreicht wird und das in dem PariserBulletin des Halles" veröffentlicht wurde. Es Heißt dort: Das Aeußere dieses Brotes und seine Zusaunnensetzung sind Zeichen für gute Gärung des Teiges und seine gute Backart. Der Geruch dieses Brotes ist nicht unange- nehin. Er erinnert an denjenigen unseres Roggenbrotes oder an den unserer Lebkuchen. Die chemische Zusam- rnensetzunq dieses Brotes für unsere Kriegsgefangenen in Deutschland ist fast die gleiche wie die unseres Rog­genbrotes. Der Gehalt an schwer verdaulichen Stoffen scheint nicht groß zu sein und läßt auf eine normale Mischung der venvendeten Stoffe schließen. Wir müssen also feststellen, daß die Qualität des unseren gefangenen Soldaten gebotenen Brotes jeder Kritik standhält. Im übrigen entspricht diese Qualität derjenigen des in Deutschland allgemein üblichen Schwarzbrotes.

PsiroviSenkilt eines

Münden Mecs in singend.

Ans einem Feldpostbrief.

Durch den tiefen Sand einer russischen Waldstratze reitet still eine kleine deutsche Reiterschar. Warum leuchtet wohl das Auge, trotz der vielen, vielen zurück- gelegten Kilometer? ES ist die Erwartung, sich bald mit dem Feinde messen zu können! Eine Treibjagd soll es geben, diesmal allerdings auf Russenhorden! Still und lautlos geht es immer weiter. Da endlich wird von der Spitze gemeldet, daß die Bahnlinie . . . erreicht und die Russen, sich auf dem Bahnhöfe ... eingenistet hatten. Der Bahnhof wurde erstürmt, die Bahnlinie zerstört und eine große Anzahl Eisenbahnwagen, sowie Material durch Feuer vernichtet. 187 Gefangene und ein 10 ein Geschütz fielen in unsere Hände.

In Zügen aufmarschiert stand am anderen Morgen die dritte Eskadron aus einem in der Nähe des zer­störten Bahnhofes befindlichen.Gutshofe. Em Flüstern geht durch ihre Reihen: man munkelt von einem Son­derauftrag:Sprengung" usw. Bald wird das Rätsel gelöst, der Herr Rittmeister teilt uns mit, daß es tief in Feindesland hinein geht, es gilt die Bahnlinie ... . zu zerstören, ein Auftrag, der uns das Herz höher schla­gen läßt! Noch einige ermahnende Worte, dann fetzt »ch der Trupp in Bervegung. Bis spät in die Nacht wurde geritten: ein Gutshof als Ruheplatz gewählt. Mit fri­schen Kräften gtng's früh weiter. Helme ab und Mützen aufgesetzt, ebenso die Lanzenflaggen entfernt, um die russischen Bauern an tauschen. Um unbemerkt au bleiben, wurden möglichst nur Wald- und Sumpfpsade bc»»ntzt. Da gebot das Moor uns ein Halt! Alle können wir nicht hinüber. Vierzig Wattn werden bestimmt, den Ausirag auszuführen. Die übrigen Leute müssen zurückbleiben mit der ausdrücklichen Anweisung, den Rückzug al»zu- treten, falls die Patrouille am nächsten Tage um 4 Uhr nachmittags nicht wieder zurück sein sollte. Wir 40 Mann reiten weiter! Glücklich gelangen wir über das Moor, dann nimmt uns der Wald auf.

Es ist mittlerweile Nacht und so hinter geworden, daß man des Borderpferdes Schweif atlassen muß, um nicht getrennt zu werben. Die Pferde sind so müde, bau sie nicht mehr weiter können. Die Offiziere- flüstern und

SSWWWWUWWMW ohne Bernnic durch.

atmen auf,

doch schon droht neue Gefahr. Aus einem Wäldchen kommt russische Kavallerie. Mit wildem Hurra, die Lanzen krampfhaft uinüblungen rasen wir auf die Rus­sen zu und diese verblüfft machen kehrt und verschwin­den in dem Walde. Durch einen vor dem Walde be­findlichen Weiher mußten mir durch, ein Mann geriet in die Tiefe, konnnt aber wieder hoch. Wir sind im Walde! Aber was sehen wir da! Russische Bagage- magen ineinander gefahren, die Beglestinannfchaf- ten daneben. In diesem Augenblicke erhalten wir Flankenfeucr, im wilden Galopp gehts weiter.

Es ist dunkel gervorden, wir lassen die Pferde et­was verschnaufen. Wo sind mir wohl, wo mag unsere Front sein? Vorsichtig reiten wir in das Ungewisse hin­ein! An Dörfern und Wachtfeuern vorbei. Ein feind­licher Posten ruft uns an! Ein Knall, ein schriller To- desschrei tönt durch die Nacht und im wilden Galopp gehts an den feindlichen Truppen vorbei. Die uns nach gesandten Kugeln verfehlten ihr Ziel. So ging es bei mehreren Dörfern vorbei und fast immer wiederholte sich dasselbe Bild. Die Posten fragten und fragten, staunten über unser Schweigen und »nutzten ihr Leben lassen. Als d«rs letzte Dorf hinter uns lag, hatten auch wir Verluste. Ein Kamerad kam uns in Strümpfen, ohne Pferd und Waffen nach, aus einem Handpferd wurde er mitgenommen. Ein Flutz wurde sichtbar! Wir müssen hindurch. Zwei Pferde ertrinken, die Leute werden gerettet. In» Schritt reiten wir weiter, fragen wer fehlt? Dieser, jener, man beißt die Zähne zumnt- men. Aus der Ferne hören mir jetzt Kanonendonner, die Front ist also nahe! Mit der allergrößten Vorsicht die Pferde am Zügel führend gehts mühsam über Ge­strüpp und Moorboden weiter. Das Moor mird immer schlimmer, bald können Menschen und Tiere nicht mehr. Endlich, wir sind bald am Ende unserer Kräfte, stoßen wir auf ein süddeutsches Reiterregiment, mir sind ge­rettet! Einen Tag Ruhe und dann kounnen wir wieder 5it unserem Regiment, das uns schon als verloren an?= gegeben hatte. Wir hatten unseren Auftrag ausgeführt: eine Bahnlinie 160 Klm hinter der feindlichen Front zerstört. Unsere Verluste betrugen 4 Mann und 8 Pferde. (G.-C.)

Weitere Drahtnachrichten.

Japan soll Truppen schicke«.

^ Amsterdam, 17. Mai. (T. H.) Wie aus Lon­don aus zuverlässiger Quelle gemeldet wir, neben laut Voss. Ktg." England und Fraukreick mit der »apa- Nische« Regier««« in Unterbandlnngen, um Japan z« veranlassen. Truppen zur aktiven Teilnahme am Kriege nach Europa zu senden. Das japanische Kabinett ist we­nig geneigt, diesen Wünschen zu entspreche».

Explosion in einer amerikanischen Pulverfabrik.

Amsterdam, 17. Mai. lT. HO Wie lautDtich. Tgzm." aus Neuuork gemeldet wird, explodierte in Gwbstown im Staate Nerv-Jersey eine Pulverfabrik. 14 Personell wurden getötet, 40 verletzt. Der Schaden belauft sich auf 250 000 Dollar.

Der Prozeß gegen Suchomtmow.

X Stockholm, 17. Mai. »T. U.) Der »Rußkose Slowo" urelder nach der »Tgl. RdiR. . da» im Prozeß gegen Suchomlinow der Hofmeister Graf Fredericks und der frühere Kriegsminister Poliwanow als Zeugen austreten werden.