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Wechsel im Staatssekretariat des Innern.

Der Krieg zu Lande im Monat April.

Von besonderer Seite wird uns aus dem Felde geschrieben: Eine Darstellung, welche es unternimmt, die kriegerischen Ereignisse zusammenzufassen, welche sich während eines bestimmten Kalenderabschnittes, also etwa innerhalb eines Monats, abgespielt haben, trägt eine Gefahr in sich. Sie ist dem Mißverständnis ausge- setzt, als stelle, was rein zahlenmäßig durch den Monats- veginn und -Schluß abgegrenzt ist, auch innerlich ein in sich abgeschlossenes Ganzes dar, während es sich in der Tät doch überall nur um ein in ununterbrochenem Flusse befindliches Werden handelt. Um dieses Mitz- verständnis auszuschließen, sei hier ein für allemal er­klärt, daß Versuche, wie der gegenwärtige, in keiner Weise dazu bestimmt noch geeignet sind, die dargestellte Entwicklung alö ein auch irchaltlich geschlossenes Ganzes zu erfassen.

Das gilt in besonderem Maße für die Kampfe, welche im Monat April sich abgespielt haben. War es damals im März noch bis zu einem gewissen Grade mög­lich, ein Bild zu geben, dessen zeitlicher Rahmen eine auch inhaltlich verhältnismäßig abgerundete Entwicklung umschloß, so ist es um die Walpurgismonatswende völ­lig unmöglich, die kriegerischen Gesamtvorgänge anders denn in einer lediglich zeitlich also äußerlich begrenzten Zusammenfassung darzustellen.

Diese Vorbemerkung hat insbesondere für diejenigen Gruppen von Kämpfen Geltung, welche auch heute noch im Mittelpunkte des Anteils der ganzen Welt stehen: für die Kämpfe um Verdun. Bei ihrer Darstellung konnte schon der Ablauf des Monats März nur eine Gelegenheitsbedeutung haben: für den Verlauf des Monats April gilt das genau in gleichem Maße. Seit nunmehr zwei und einem viertel Monat wütet hier eine riesige Schlacht, die ohne Beispiel in der Weltgeschichte ist, Tag und Nacht, mit nur vorübergehend gemilderter Heftigkeit fort. Ihr Ende ist auch heute noch nicht abzu- sehen.

Für die Nordostgruppe der Angriffsarmee, welche in den vorausgegangenen Wochen siegreich aus der Woevre bis zum Stetlhana der Cotes Lorraine vor­gedrungen war, bedeutete der April einen völligen Still­stand der Operationen. Die Nordgruppe dagegen, vom Dorfe Baux bis zur Maas, vermochte in zähem, wechselvollcm Ringen ihre Stellung beträchtlich zu ver­bessern.

Am Abend des 2. Aprils brächte ein Angriff beider­seits des Forts Douaumont Geländegewinne im Catl- lettewalde und bis halbwegs zur Forme Thiaumont. An letzterer Stelle wurde am 17. April noch ein weiterer gewichtiger Fortschritt erzielt: die französische Stellung auf der Bergnase nördlich der Ferme, welche schon seit Beginn der Kämpfe um Fort und Dorf Douaumont eine schwere Bedrohung für unser Vorgehen und für das Festhalten des erkämpften gewesen war, wurde durch einen kräftigen Angriff aus dem Ablain-Walde heraus erobert. Weiter westlich wurde der Ablain-Wald bis an den Weg Bras-Douaumont gesäubert, anschließend wurde der Feind von der Höhe des Pfefferrückens in die Mulde östlich Vacherauville geworfen. Alle diese Errungenschaften wurden einem zähen Widerstände der Franzosen abgetrotzt, und mußten alsbald gegen wü­tende Gegenangriffe gehalten werden.

»erhebliche Verbesserungen unserer Stellung erzielt en konnten, haben die Operationen auf dem West­user im Verlause von heftigen, mit wechselndem Erfolge hin und her wogenden Kämpfen unsern Waffen hoch be­deutsame Fortschritte gebracht. Nach der Erstürmung des Waldes von Avocourt war zwischen dessen Ostspitze und der Höhe 265 südöstlich Bethincourt (Nordwestzipfel der Toten-Mann-Stellung") noch ein weit in die deutschen Stellungen vorspringendes Geländestück, die viel be­rufeneSackstellung", in den Händen des Feindes ge­blieben. Von dieser wurde ihm nun während des April in rastlosem Vordringen ein Stück nach dem andern ent­rissen. Nachdem schon am 30. März der westliche Stütz­punkt, das Dorf Malaucourt, in unsere Hände gefallen war, verlor der Feind am 1. April seine Linien nordöst­lich des Dorfes und 2 Tage später seine sämtlichen Stel­lungen nordöstlich des Forges-Baches, ausschließlich des Dorfes Bethincourt. Am 5. April fiel das einen südöst­lichen Ausläufer von Malaucourt bildende Dorf Hau­court, und am 9. auch der rechte Flügelstützpunkt, das Tors Bethincourt selbst. Am 10. stürmten wir noch die WerkeElfaß" undLothringen" südwestlich von Be- Mncourt und hielten damit die ganze erste französische Stellung von Haucourt bis zur Höhe 265 in Händen. Schon am Tage vorher hatte ein Angriff an der Mort- Homme-Stellung auch die südöstliche Kuppe des auf der

Dev erste Badegast.

Novelle von M. A d e l m i.

9) (Nachdruck verboten.)

Inzwischen besichtigte Frau Wangler noch einmal die vermieteten Zimmer Alles war in guter Ord­nung und wartete nur des Einzuges der Gäste.

Elisabeth saß noch immer stickend in der Laube.

Emil Brandius, das Ideal ihrer Träume stand vor ihr.

Helle Glut übergoß ihre Wangen. Schüchtern er­widerte sie seinen Gruß, ohne zu ahnen, wie gerade ihre Befangenheit ihr gut stand. Dem Sänger, einem ge­wiegten Kenner weiblicher Schönheit, entging dies nicht. Mit unverkennbarem Wohlgefallen ließ er die großen dunklen Augen auf ihr ruhen.

Habe ich Sie erschreckt?" suhr er in leichtem freund­lichem Tone fort,Sie hörten mich vermutlich nicht kommen. Ich war im Begriff einen Spaziergang zu machen, sah Sie von der Straße aus hier sitzen und konnte Mir das Vergnügen nicht versagen, Ihnen einen guten Tag zu Meten."

Elisabeth war, als träumte ihr. Gestern hatte er sie kaum beachtet und heute schenkte er ihr solche Auf­merksamkeit. Ein nie empfundenes Glück durchströmte ihre Brust.

Hoffentlich störe ich nicht?" fügte er hinzu, nach­dem er vergebens aus eine Erwiderung gewartet.

Nein, gewiß nicht", entgegnete das junge Mäd­chen, den Blick zu ihm aufschlagend, aber rasch wieder senkend. Ihre Verlegenheit wuchs und trotz der Freude des Augenblicks fühlte sie sich beengt und beklom­men.

Brandius, ihre Empfindungen erratend, kam ihr tu HAstr.So erlauben Sie mir vielleicht, Ihnen ein wenig Geselligst zu leisten?" sagte er und nahm ohne

Rücktritt des Staatssekretärs Delbrück. |

tat Berlin, 12. Mai. (Amtlich WTB.) Wie wir hören, hat sich der Staatssekretär des Inner« Dr. Del- j drück wegen seines Gesnndheitsznstan-es genötigt ge­sehen, ein A b s ch i e - s g e s n ch e i n z u r e i ch e n. Der

Minister leidet an Fnrnnknlose als der Folge einer leichten Zuckerkrankheit «nd bedarf nach ärztlichem Rat einer längeren Knr. Ueber die Person - es Nach­folgers ist mit Rücksicht auf die schwebeuden Organi­sationsfragen eine Entscheidung erst in einiger Zeit zn erwarten.

Staatssekretär Delbrück trat im Jahre 1909 als Nachfolger des zum Reichskanzler ernannten Staats­sekretärs v. Bethmann sein Amt an, nachdem er vorher vier Jahre lang Handelsminister gewesen war. Er wurde am 19. Januar 1856 geboren, ist also 60 Jahre alt.

Wer wird Delbrücks Nachfolger?

Als Nachfolger des Staatssekretärs des Innern Dr. Delbrück wird, wie derB. L.-A." hört, u. a. der Staatssekretär für Elsaß-Lothringen, Graf v. Roe-ern genannt, doch dürften noch andere bewährte Männer für die Leitung des Reichsamts des Innern in Aus­sicht genommen sein. DasB. T. erinnert zum Rücktritt Delbrücks daran, daß es der frühere Kultus­minister v. Gotzler war, der seinerzeit Delbrück den Danzigern als Nachfolger des verstorbenen Oberbürger- meisters Baumbach enwfahl. Delbrück bewährte sich aufs beste, und als er gelegentlich der Beilegung des Posener Leibhusarenregiments nach Danzig den Kaiser vor dem Rathause in eindrucksvoller Rede begrüßte, wußte man schon, daß er der kommende Mann Wilhelms II. war. Zu seinem jetzigen Scheiden aus dem Amte als Staats- Mretär des Innern bemerkt das Blatt, er gehe als ein überarbeiteter kranker Mann, dem die Aufgaben über den Kopf gewachsen seien. Den meisten Anderen, die jetzt nur kritisieren könnten, würde es sicherlich nicht besser gegangen sein.

französischen Karte alsMort homme" bezeichneten doppelgipfeligen Höhenrückens in unsere Hände gebracht und damit dem französischen Preßgezänk über die Frage, ob wir oder die Franzosen denMort homme" besäßen, ein Ende bereitet. Ferner fiel ein Stützpunkt nördlich des Dorfes Cumieres in unsere Hand.

Alle gewonnenen Geländestücke mußten gegen hef­tige Gegenangriffe gehalten und im stärksten feindlichen Feuer ausgebaut werden. Am 22. April setzte die West­gruppe zu einem neuen Stoß an und warf den Feind auch vom Westabhang der Höhe 295 (Toter Mann), auf dem er sich bisher noch hatte halten können, bis zum Bachabschnitt südlich Cumieres zurück. Dafür gelang es dem Feind am 23., im Verlauf heftiger Gegenangriffe einige Grabenstücke am Ostabhang der Höhe 295 zu- rückzugewinnen, die ihm aber am 25. wenigstens teil­weise wieder entrissen werden konnten. Auch während der letzten Aprutage hat der Feind seine Gegenangriffe an dieser Stelle heftig erneuert, allerdings ohne wesent­lichen Erfolg.

Zusammensassend ist über den Stand der Kämpfe bei Verdun folgendes zu sagen: Der deutsche Angriff auf IW^sW^WWWwgWt»1 tHw-Wyhtt^ &ft» die Franzvseu ge­zwungen, ganz außerordentliche Kräfte zur Verteidi- »heranzuziehen, insbesondere auch sehr bedeutende eriemassen. In vorderster Linie sind bisher auf der engen Frontbreite von wenig mehr als 40 Kilo­meter über 40 Divisionen eingesetzt worden. Die Kräfte allein, die hier mit unserer Kampffront in un­mittelbare Berührung getreten sind, betragen also mehr als 20 Armeekorps. In Reserve sind noch weitere Di­visionen zu vermuten. Daß angesichts einer solchen massenhaften Zusammenziehung, von Verteidigungsmit- teln eine Verlangsamung unseres Vordringens mit Not­wendigkeit eintreten mußte, liegt auf der Hand. Die französische Heeresleitung und Presse gefallen sich noch fortdauernd darin, von einer deutschen Schlappe bei Ver­dun zu reden und zu funken. Die deutsche Oefsentlich- keit kennt seit Beginn des gegenwärtigen Krieges wie aus der Geschichte der früheren diese krarnpfhaften Ver­suche der Franzosen, ihre Niederlagen in Siege umzu- dichten. Unsere Erfolge in den ersten Maitagen, über welche der Leser bereits durch die Berichte der Obersten Heeresleitung unterrichtet ist, dürften genügend sein, selbst einen zum krampfhaften Selbstbetrug entschlossenen Optimismus zu erschüttern und der Welt den Beweis zu liefern, daß unsere Angriffskraft so wenig erschüttert ist wie unser Angriffswille.

(Schluß folgt.)

ihre Antwort abzuwarten, auf einem Stuhl neben ihr Platz.

Er bewunderte ihre Stickerei, fragte, für wen die schöne Arbeit bestimmt sei, sprach mit ihr von seinem Badenweiler Aufenthalt und anderen ähnlichen Dingen.

Nach und nach verlor sich Elisabeths Befangenheit. Sie erzählte, daß sie vergangenen Winter ihn oft in Stuttgart gesehen und wie sehr sie seine herrliche Stimme entzückt habe. Ihr naives Lob freute ihn. Er teilte ihr mit, daß sein Stuttgarter Engagement abgelaufen sei und er es nicht erneuere, sondern ein anderes in Mün­chen oder Berlin einzugehen beabsichtige. Wiederholt verwunderte er sich über ihre klugen Antworten und treffenden Bemerkungen. Rasch, ohne daß sie es merk­ten, entfloh die Zeit.

Babettes Stimme, welche laut nach Elisabeth rief, erinnerte endlich das junge Mädchen, daß die Kaffee- stunde längst geschlagen und ihre Mutter sie erwarte. Sie erhob sich und packte ihre Arbeit zusammen, verab­schiedete sich von Brandius und legte schüchtern ihre Hand in seine bargebotene Rechte.

Ich bedaure, schon jetzt mich von Ihnen trennen zu müssen", sagte er herzlich.Hoffentlich wird mir bald wieder und recht oft das Glück, Sie hier zu treffen. Leben Sie inzwischen wohl und gedenken Sie meiner freundlich!"

Er geleitete sie bis zur Haustüre, wo er sich tief vor ihr neigte und dann langsam entfernte, ohne zu ahnen, daß von einem Fenster des ersten Stockwerks ein Paar fteberisch glühende Augen ihm voll wehmütig bitterer Gefühle nackblickten.

Mit höher geröteten Wangen betrat Elisabeth die Wohnstube, wo die Mutter bereits ihren Kaffee einge­nommen hatte.

Wo bleibst Du so lange?" fragte Frau Wangler mit leichtem Vorwurf,

' Aus dem großen Hauptquartier j

6*#= Großes Hauptquartier, 12. Mai 1916. (Amt­lich. WTB.) (Eingegangen 3,10 Uhr nachmittags.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Südöstlich des Hoheuzollernwerkes bei Hulluch stürmten pfälzische Bataillone mehrere Li­nien der englischen Stellung. Bisher wurden 127 nn- vcrivunbete Gefangene eingebracht und mehrere Ma­schinengewehre erbeutet. Der Gegner erlitt außerdem erhebliche blutige Verluste, besonders bei einem erfolglosen Gegenangriff.

In den A r g o n n e n scheiterte ein von den Fran­zosen unter Benutzung von Flammenwerfern unter­nommener Angriff gegen die Fille Morte.

Im Maasgebiet herrschte beiderseits lebhafte Artillerietätigkeit. Von einem schwachen französischen Angriffsversuch im Thiaumont-Walde abgesehen, kam

es

zu keiner nennenswerten Jnfanteriehandlnng.

Vestttcher Kriegsschauplatz.

Ein deutsches Flugzeuggeschwader belegte

den Bahnhof Horodzieja an der Linie KraschinMinsk ansgiebig mit B o m b e n.

Dalkankriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

te* Genf, 13. Mai. (T. U.) $n einer Besprechung der Lage vor Verdun führt lautTgl. Rdsch." derGau- lois" aus, es sei kein Grund zu der Annahme vorhan­den, daß die Deutschen die Schlacht, die bereits 80 Tage andauere, abbrechen würden, um die Operationen an­derswohin zu verlegen. Die gleiche Ansicht äußert der militärische Mitarbeuer des BlattesOeuvre", General Verraux, der die französische Heeresleitung ermähnt, die Verteidigungskräfte von Verdun durch Entziehung selbst der kleinsten Truppenteile nicht zu schwächen.

C Vom österr.-ungar. Generalstab

* .......» !!r-.w.. ..R.»P

w= Wien, 12. Mai. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die erhöhte Gefechtstätigkeit an unserer rvolhy- nischen Front hält an.

Keine besondere,t Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Artilleriekämpfe dauern in wechselnder

Stärke fort. Zwei feindliche Angriffe auf den Mrzli

Vrh wnrden abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Der Stellvertreter -es Chefs des Generalstabes.

v. Hoefer, Feldmarschalleutnant.

Frankreich angesichts des dritten Kriegsjahres.

Eine rasche Entscheidung ist notwendig."

Journal des Debats" vom 6. Mai führt aus: Wir gehen jetzt in das dritte Kriegsjahr hinein. Die alten Traditionen, die überlebten Gesetze, das Ansschiebeu, die Skrupel der Sekten, die Vorurteile der Popularität müssen vor den Notwendigkeiten der nationalen Vertei­digung weichen. Das Interesse des Staates und eines jeden seiner Bürger erfordert in allen verbündeten Län­dern, daß -er Krieg rasch beeuöet wiro, und dieses Resultat ist nur zu erzielen, wenn alle zur Verfügung stehenden Kräfte gleichzeitig in Tätigkeit treten. Dae System der sukzessiven und zerstreuten Verwendung der Kräfte kann uns nur zu einem Afterfrieden führen: mit -er Abnutzung allein werden wir Deutschland nicht niederringen. Es ist also der Augenblick für die Ver­bündeten gekommen, alle ihre Kräfte zu vereinigen und große Schläge an den Punkten zu unternehmen, an denen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit entscheidende Erfolge zu erringen sind. Diese Wahrheiten scheinen sich

Elisabeths Wangen färbten sich bunfler. Doch offen erzählte sie, wie Brandius zu ihr in den Garten getreten sei und sich mit ihr unterhalten habe.

Die Mutter hörte sie ruhig bis zu Ende an. Dann sagte sie mit dem ihr eigenen Ernst:Ich sehe den Um­gang zwischen Dir und diesem Marine nicht gern und wünsche, daß Du in Zukunft ihm weniger Freiheit ge­stattest."

Aber Maura, ich konnte ihm doch nicht sagen, er solle fortgehen, das wäre ja unhöflich gewesen", erwi­derte die Tochter, durch das eben Vernommene einge- schüchtert und innerlich gekränkt.

Du hättest nur ein wenig zurückhaltender zu sein brauchen und ihm bemerkbar machen sollen, daß seine Gegenwart Dich belästige."

Aber, liebe Mama, das war ja gar nicht der Fall, sollte ich denn lügen?"

Elisabeth", versetzte die Mutter streng,Du bist noch sehr jung und unerfahren, darum warne ich Dich ernstlich. Was meinst Du wohl, was den Sänger zir seinem Besuch veranlaßt hat? Constanze ist heute mit ihrer Mutter in Geschäften nach Mühlheim gefahren. Ihm fehlte es au Unterhaltung, Langeweile trieb ihn zu Dir. Aber ich hoffe, meine Tochter dünkt sich zu gut, einem eingebildeten Komödianten zum Zeitvertreib zu dienen. Du wirft sehen, sobald Constanze zuritck- kehrt, kümmert er sich um Dich nicht mehr. Ich erwarte von Deinem Ehrgefühl, daß es stark genug sei, jedem Manne, am meisten aber diesem gegenüber, Deinen jungfräulichen Stolz zu behaupten."

In Elisabcth'S Augen schimmerten Tränen. Die Mutter tat als bemerke sie dieselben nicht, so wenig wie den Heut so schwachen Appetit der Tochter. Schwei­gend leerte diese ihre Tasse, räumte den Tisch ab und setzte sich mit einer Handarbeit an'S Senftw.

(Fortsetzung folgte