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IMlitf und Ausblick.

Hinter uns liegen zwanzig Monate Kriegswirtschaft, vor uns Aussaat und Beginn der neuen Ernte. Die ersten Frübgemüse sind schon am Markt und die harten Monate, in denen mir von den Vorräten zehren muß­ten, sind größtenteils überwunden. Der Rest wird trotz der bestehend.« Knappheit leichter überstanden werden, denn die Zufuhr frischer Gemüse nimmt täglich zu und mildert die bestehenden Beschwernisse.

Es wird daher in nächster Zeit besser werden und zwar wesentlich besser, da die neue Ernte sich den durch die Kriegswirtschaft gegebnen Verhältnissen anpatzt und infolgedessen vielseitiger sein wird, als die letzte. Und wenn auch bis zum Herbst, bis die Ernte des Jahres 1916 unter Dach und Fach gebracht ist, noch mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden sind, so belebt uns doch die Hoffnung, daß das Größte und Schwerste im allge­meinen hinter uns liegt und für günstigen Saatenstand die besten Aussichten bestehen.

Die Probleme, die die Ernährung der Bevölkerung in der Vergangenheit bot, waren mannigfaltigster ?ia» tur und unterlagen ständigem Wechsel. Erst allmählich konnten die Formen gcfmtben werden, die die Eerzen- gung und die Lebenshaltung in der Kriegswirtschaft ver­langte. Anfänglich beschränkten sich alle Maßnahmen auf die Preisgestaltung, um dann in immer weiterem Unfange sich der Einteilung und Verteilung, also der Bewirtschaftung und Rationierung zuzuwenden. Das Verteilungsproblem wurde schließlich in umfassender Weise gelöst, wenn auch der zuweilen angewandte und notwendige Radikalismus Härten für Erzeuger und Vermittler mit sich brächte.

Dem Verteilungsproblem in der Vergangellheit ftefit das Erzeugungsproblem der Suhtuff gegenüber. Die bisher auf diesem Gebiet ergriffenen Maßnahmen und weniger radikaler Natur, aber umso großzügiger angepatzt worden. Die Einführung von Prämien durch die Kreise und Gemeinden, die in noch viel größerem Umfange als bisher gewährt werben sollten, die Aus­gestaltung dre Faserstoff- und Oelanpflanzung sowie die Matznabmen zur Fnttermittelanvflanzung und Beschaf- fung bilden eine Vielseitigkeit der Erzeugung, die als eine erweiterte Grundlage der Bedarfsdeckung anzu- feben ist. Der mit Reicksmitteln unterstützte vermehrte (Gemüseanbau und die Ausdehnung des Anbaues durch Pflege der Garten- und Schrebergartenkultur sichern ebenfalls eine wünscheriswerte Steigerung der Ecrzeu- gung.

So gewährt der Rückblick und Ausblick nach den Schwierigkeiten und Sorgen die hinter uns liegen, die Hoffnung, daß die größten Hindernisse überwunden sind oder bald überwunden sein werden und daß die künf­tige Seit uns besser gerüstet findet.

Das SeplemSerMsmmen 1914.

Wie das berühmte Septemberabkommen von 1914, nach welchem sich alle unterzeichneten Staaten verpflich­ten, mit Deutschland und seinen Verbündeten keinen Sonderfrieden zu schließen eigentlich aussieht, darüber gißt uns die japanische ZeitungNishi Nishi" vom 21. Januar d. J. einige Auskunft.

Nach diesem Blatte ist der Plan zu diesem Vertrage von England entworfen worden. Allerdings enthält dieser Vertrag die feierliche Erklärung, daß keiner der Vierverbandsstaaten mit dem Gegner in Friedensver- Handlungen ein freien darf, an erster Stelle. Es hat sich jedoch jeder einzelne Staat, der diesen Vertrag unter­schrieb, so viel Souderparagraphen hineingeschrieben, so daß dieses Schriftstück ein recht wertloses Papier ae- wert, mit der es beschrie­ben ist. .

Rußland hat wlgende Sonderbe,tnnmungen tm Vertrag: Sollten schwere innere Unruhen die Existenz des Staates gefährden, so daß die Möglichkeit revolu­tionärer Ausbrüche großen Umfanges bestehen, so soll die kaiserliche Regierung berechtigt sein, zur Nieder- zwingung der Unruhen jede Maßnahme zu ergreifen, die rur Erhaltung des Staates notwendig ist. Die kai­serlich russische Regierung behält sich dann vor, unter gleichzeitiger Verständigung der befreundeten Regie­rungen, mit dem Gegner in Friedensverhandlungen zu treten und ihrerseits über die Interessen des Staates selbständig zu wachen. .

Auch Frankreich hat Ach m Stetem Vertrage ein Hintertürchen offen gelassen. Die französische Klau­sel läutet: Die Regierung der französischen Republik erklärt feierlichst, kein selbständiges Friedensangebot

Sem feindlichen Staate zu machen oder ein solches von ihm annehmen zu wollen. Der Kampf gegen den ge­meinsamen Feind ist mit Einsetzung aller verfügbaren Mittel und Kräfte von den Verbündeten zu führen. Sollte einer der Unterzeichneten seine Bündnispflich­ten, wegen Eintretens unvorhergesehener Umstände, wie Revolten, schwere finanzielle Krisen, die eine Fort­führung des Kampfes unmöglich machen, nicht erfüllen können, so kann erst ein Kouferenzbeschluß der Ber- bündcten, die Bertragspflicht ändern oder aufheben. Jeder Staat soll aber berechtigt sein, wenn er in Not­lage ist, eine Konferenz, die spätestens innerhalb drei Wochen tagen muß, zu beantragen.

I a p a n selbst ist bei Unterzeichnung des Ver­trages kein Risiko eingegangen, es hat sich nur ver­pflichtet, feine Forderungen nicht vor Friedensschluß auszustellen. Die Verpflichtung zum Weiterkampf hat Japan unter Berufung auf den englisch-japanischen Bündnisvertrag von 1902 abgelehnt, wonach sich die beiden Kontrahenten nur gegenseitigen Schutz zur Sicherung ihrer asiatischen Interessen gewähren sollten. Mit der Eroberung Kiautschaus habe Japan seine im Vertrag vorgesehene Verpflichtung ebenso durch die Besetzung einiger Südseeinseln erfüllt. Mit seinen Wünschen und Forderungen kann Japan warten. Aber auch an diese Verpflichtung ist Japan nur so lauge ge- bunden, als es England gegenüber finanzielle Ver­pflichtungen hat. Japan zahlte an England in letzter Zeit ungeheure Summen und wird bald aufgehört ha­ben, Englands Schuldner zu sein.

Wie feindliche bewaffnete Dampfer deutsche Uboote angreifen.

DieHeldentat" des DampfersColbert".

Während zwischen Berlin unt» Washington diplo­matische Noten über die künftige (Gestaltung des U- Boot-Krieges gewechselt werden und Herr Wilson im Namen der Menschlichkeit die Einstellung des Kampfes gegen Fracht- und Passagierschiffe ohne Unterschied for­dert, erbringen unsere Gegner mit zynischer Offenheit selbst den Beweis, daß ihre Handelsschiffe unsere U- Boote angreifen und ihnen förmliche Gefechte liefern. Verkappt, mit verhüllten Geschützen befahren sie wie echte Piraten die Meere und denken gar nicht daran, den Aufforderungen unserer U-Boote zum Halten zu folgen, obwohl hierzu die Kriegsschiffe see- und völker­rechtlich befugt sind. Aber im Washingtoner Weißen Hause beliebt man dies geflissentlich zu übersetzen.

Andre Tudesa, der Berichterstatter des Pariser Journal", meldet aus Marseille: Ein Rumpf, das Vorderschiff zerschmettert, durchlöchert wie ein Sreb, in diesem Zustande hat der TransportdampferColbert" (7000 Tonnen) von der Havre Peninsular Compagnie das Trockendock beziehen müssen. Drei Stunden lang hatte dieses Schiff ein Gefecht bestanden, das seine Wun­den am Rumpfe und ferne zerfetzten Maschinen nicht verleugnen werden. Man bewundert das Schiff, und die Admiralität hat angeordnet, daß der Dampfer am Ehrendock ausgebessert werde. Zwei Wochen werden dazu genügen, dann kann derColbert" seine abentener-

liche Fahrt wieder aufnehmen. Sein Zweikampf mit einem feindlichen U-Boot spielte sich vor einigen Tagen ab. Offiziere und Fahrgäste befanden sich nach Tisch im Rauchsalon, als plötzlich ein Geschoß längs des Schiffes ins Meer fiel. Von wo war es gekommen? Niemand wußte es. Man hätte an eine Wahnvorstel­lung glauben können, hätte sich nicht ein Wasserstrahl

über Bord ergossen. Drei Minuten später fiel ein zweites volle "Dienste zu b Geschoß, diesmal aus der Backbordseite. tAlso oUen--« ^^^^WWWWW

chrlftleitnng.) Der diensthabende Offizier sprang auf die Kommandobrücke und diktierte mit Donnerstimme dem Telegraphisten folgenden Funkspruch: Ruhe! Hört alle, ein U-Boot greift

uns an. Wir sahen aber nichts am Horizont. Der Konimandant gab jetzt weitere Befehle: Alle Marin an Deck! Boote nieöerlassen! Jeder Fahrgast seinen Rettungsgürtel anlegen!

Einige Minuten banger Spannung gingen vorüber. Da tauchte endlich weit am Horizonte eine kompakte Form auf, das Oberteil eines U-Bootes. Das Sehrohr kam zum Vorschein. Dann wurden der Rumpf, zuerst die Vorderspitze, hierauf das Hinterschiff und endlich seine beiden Panzertürme sichtbar. Ungefähr 100 Meter lang, zeichnete sich das Boot deutlich auf der Wasser­oberfläche ab. Kräftig und geschmeidig glich es einem Schnellkreuzer. Das U-Boot hat jetzt auch seine Ge­schwindigkeit erhöht. Es hinterläßt eine dichte, mit Funken gemengte Rauchwolke. Unser Kommandant

berechnÄ mit dsm Auge sein« GeschwinSigkest. Elfi Hagel von Geschossen umrahmt den Transportdampf«»-. $cue Befehle werden gegeben: Alle Fahrgäste nach unten! Kanoniere an die Geschütze! Feuer auf Komman­do eröffnen! Ueberrascht, keine Antwort von uns zu er- halterr, nähern sich die Piraten.Colbert" zeigt sein Hinterschiff. Seine Kanone ist noch maskiert. Jetzt ist das U-Boot auf drei Meilen Heranoekommen. Plötzlich rschallt auf unserer Brücke das Kommando:Eröffnet das Feuer!" Das Duell beginnt. Das feindliche Boot schießt mit 108-Millimeter-Geschossen. Das Feuer wird genauer. Das erste Geschoß macht ein Loch von 30 Zen­timeter, ein zweites folgt, der dritte Schutz schneidet unseren rechten Mast für Funkspruch glatt ab. Dadurch sann das Schisf keine Hilferufe mehr aussenöeu. Die Schiffe, die weit von uns geantwortet hatten:Wir kom­men, haltet auS!" schweigen jetzt. Weil derColbert" nicht mehr antwortet, werden sie sich sagen: derCol­bert" ist torpediert worden.

Mit einer wie nach einem Uhrwerk geregelten Rei­henfolge schlagen jetzt alle Minuten zwei Geschosse ein. Um 3.40 Uhr zerschmettert ein gut gezielter 105er das Dampfrohr. Zischend entweicht der heiße Dampf und breitet sich als ein weißer Nebel über Deck. Der Felnd hält eine Viertelstunde im Feuern inne, erhöht aber noch seine Geschwindigkeit. Der Mann am Steuer steht in­mitten der erstickenden Dünnste. Um ihn etwas zu schützen, läßt der Kommando in aus Matratzen eine Barrikade um ihn herum errichten. In dieser Verschan- znng, ein Taschentuch im Munde, regelt er sein Geschütz. 105 Schutz hat er schon abgefeuert. Das U-Boot, erstaunt über diesen verzweifelten Widerstand, will sich noch mehr nähern, um uns mit einem Torpedo den Rest zu geben. Es sieht sich aber von unseren Geschossen zu sehr bedroht, es hält daher in der Fahrt ein. Das Duell hatte bis vier Uhr gedauert. Da werden dichte schwarze Rauchwolken sichtbar,' sie verkünden die nahende Hilfe. Ein Dampfer erscheint. Er ist mit einem mächtigen Geschütz bewaffnet und eröffnet beim Herankommen gegen den Feind das Feuer. Die Piraten erachten den Kampf jetzt für gefährlich und verschwinden. Eine Stunde später wird derColbert" von einem Torpedo­jäger auf Patrouille erreicht. Man zählt die Opfer. Es gab einen Toten und 20 Verwundete.

: sein Geschütz. Boot, erstaunt

Die GewinnuNg von Kraftfutter aus Baumlaub.

Alle Bemühungen, die gewaltigen Mengen von Reserve- stoffen insbesondere von Kohlehydraten die sich in den Stämmen der Laub- und Nadelbäume aufgespeichert befinden, für Fütterungszwecke nutzbar zu machen, scheiterten bisher an der technischen Schwierigkeit, die Zellen, die Fett und Stärke enthalten, soweit zu zerkleinern, daß sie ohne Beschwerden ver­daut werden können.

Durch staubartige Verkleinerung wurde das Ziel zwar größten­teils erreicht. Aber diesem Verfahren stehen die hohen Kosten entgegen. Professor Dr. Neger-Tharandi weist nun darauf hin, daß die Natur selbst einen Weg bietet, aus dem die reichen Schätze der im Holz aufgespeicherten, leicht verdaulichen Kohlehydrate Zucker und Stärke gehoben werden können.

Im Frühjahr wandern nämlich die Reservestoffe aus dem Stamm in die Sprossenenden, wo sie, in Form von Zucker, dem Ausbau der neuen Triebe dienen. Die Zellenwände sind hier sehr zart, also leicht verdaulich. Der Zellsaft enthält aber große

Mengen von Zucker und Salzen in gelöstem Zustande, wozu noch der (kiweißgehalt des zarten Beleges der jungen Triebe kommt.

Hieraus ergibt sich aber, daß die LaubsüNerung sehr wert»

~ " iu leisten vermag und daß sie Eingang in allen

sollte. Um

diese wertvollen Stoffe dauernd der Fütterung dienstbar zu machen, empfiehlt Professor Neger die schnelle Trocknung durch das Siloverfahren. Das auf diesem Wege gewonnene Laubheu

bietet einen vollwertigen Futterersah.

Die Gefahr, daß die Bäume, deren junge Triebe geeintes werden, eingehen, besieht nicht, da nach wissenschaftlichen Unter» suchungen im Frühjahr etwa nur der 4. bis 5. Teil aller im Stamm enthaltenen Reservestosse zum Ausschlagen verbraucht wird und die Bäume also noch hinreichend Reservestoffe besitzen, um einen zweiten und dritten Trieb zu bilden, ohne sich ganz zu verausgaben.

Es besteht also kein Bedenken," so schließt Professor Neger seine Ausführungen,die jungen Triebe d.r Laubbäume im gro» gen Maßstab zu ernten und etwa durch Siloierung in einer für Fütterungszwecke geeigneten Weise zu bewahren. Jedenfalls wäre dies die rationellste Art der Ausnutzung der gewaltigen Mengen von Reservestoffen, die im Staunn unserer Laubbäume aufgefpeichert sind. Die Bäume selbst werden dadurch ihrer ßauptnuimng nicht entzogen werden."

g Am 11. April fand den Helden- t°d fürs Vaterland der dem hiesigen MB Postamt angehörige Landbriefträger

Herr Heinemann

Inhaber des Eisernen Kreuzes II. K1.

Er war ein zuverlässiger und treuer Unter­beamter, seinen Mitarbeitern gegenüber stets von freundschaftlicher und ergebener Gesinnung. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Hersfeld, 29. April 1916.

Der PosWireKtor, die Beamten, Beamtinnen und unterheamten des Postamts Meld.

^Mizellen der Züge von Ställen Meld

Gültig vom i. mal ab

3n her Richtung nach Bebra:

5

731 037 |g55 l03 338 4°5D H09 015 725 756 1J27 |53D gOOD

3n her Richtung nach Frankfurt a. M.:

|58§ J38 ||04D 1^44 ^3D ^34 gl2* $40 ^l^t

In her Richtung nach Riederaula:

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