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g«Irhnt, die Erfüllung der zweiten Forderung für den vorjährigen Herbst in Aussicht gestellt. Nach der ersten mißglückten französischen Offensive überbrachte der fran­zösische Militäragent in Petersburg, General de La- guiche, zum zweiten Male eine ähnliche Forderung an die russische Regierung. Es folgten wochenlange Ver­handlungen, bei denen die russische Militärverwaltung darauf hinwies, daß sie bestenfalls in der Lage wäre, etwas Infanterie, aber keinerlei Spezialwaffen zu ent­senden. Das wurde von Frankreich angenommen.

Am 17. November forderte ein an die Offiziere sämtlicher russischer mobiler Armeekorps gerichteter ge­heimer Armeebefehl, die der französischen Sprache mäch­tigen und tunlich mit Kriegsorden ausgezeichneten Of­fiziere auf, sich behufs Verwendung in einer nach dem Ausland zu entsendenden Expedition bei ihren vorge­setzten Stellen zu melden. Ende November wurden zwei Jnfanteviebataillone in Kasan konzentriert, denen nach zwei Wochen drei andere Bataillone folgten. Wei­tere Jnfanterieabteilungen, höchstens 67 Bataillone, wurden zu gleichem Zweck in Samara, Saratow und Ufa versammelt. Die Feldwebel und Sergeanten waren sämtlich mehr oder weniger der französischen Sprache mächtig, die jüngeren Unteroffiziere nahmen an Kursen der französischen Sprache teil. Jeder Kompagnie war ein französischer Offizier zugeteilt, der mit dem russi­schen Hauptmann zusammen der Mannschaft dje Regeln der französischen Felddienstordnung beibrachte. Anfang Januar wurden nun diese Bataillone durch Sibirien nach dem südlich von Wladiwostok gelegenen Possjet- hafen gebracht, von wo sie ihre Reise nach Marseille antraten.

Uvootsorgen in Frankreich.

^ Genf, 1. Mai. (T. U.) Zum besseren Schutz der französischen Küste gegen die deutsche Ubootgefahr wur­den lautVoss. Ztm" ähnlich den bereits in Le Havre, St. Nazaire und Marseille bestehenden Kommandos jetzt auch in den Häfen Calais. Boulogne, Dieppe, La Rochelle und Bordeaux selbständige Marinekommandos unter dem Befehl höherer Offiziere errichtet.

In der Saloniki-Klemme.

Der Berichterstatter desNieuwe Notterdamschen Cour ant" in Sofia gibt seinem Blatt eine Schilderung aus Saloniki. Die Engländer haben schon seit gerau­mer Zeit keine Truppen mehr gelandet. Die Franzo­sen landeten in den letzten Monaten etwa 2000 Mann. Im französischen Lager verlautet, daß wegen der Er- eignisse bei Verdun weitere Verstärkungen nicht mehr zu erwarten sind. Sollten doch Verstärkungen erforder­lich sein, so würden sie von den englischen Truppen in Aegypten gestellt werden. Auch dürften im Notfall 10 000 Mann Portugiesen zur Verfügung stehen. Was jedoch das angeblich wieder schlagfertige serbische Heer von 100 000 Mann anbelangt, das sich angeblich in Sa­loniki befinden soll, so gibt man sich im Lager der En­tente in Saloniki nicht den geringsten Täuschungen hin. Alles, was die Entente über dieses Heer verbreitet Hat, ist größtenteils reine Phantasie. Die serbische» Mann­schaften sind sehr kampfunlustig und größtenteils zum dortigen Kriegsdienst unbrauchbar. Man hat deshalb auch einen Teil der serbischen Truppen nach Südfrank­reich gebracht. In Saloniki sind sie eine wahre Land­plage geworden. Die Angst vor den deutsche» Luft- a,,griffe» und U-Booten ist im Verbanöslager sehr groß, was nicht weiter verwunderlich ist, da die deut­schen Zeppeline, Flugzeuge usw. auch sehr wirkungs­voll gearbeitet haben. bei dreien Angriften im ganzen etwa 500 Personen, Soldaten und Zivilisten, getötet und verwundet. Auch in zahlreichen Stadtvier­teln wurde bedeutender Schaden angerichtet.

Sie Steueroettogen im Reichstag.

Allerlei Wünsche an das Parlament.

Die beiden Ausschüsse des Reichstags, die sich mit den Steuervorschlägen der Regierung zu befassen ha­ben, haben keine leichte Arbeit. Wie dieN. G. C." er­fährt, werden sie von allen Seiten mit guten Ratschlä­gen bestürmt, umfangreiche Eingaben werden an den Reichstag gerichtet, und zahlreiche Bittschriften aller Art gehen dort ein. Es ist eine schwierige Arbeit, unter den sich widersprechenden Wünschen Klarheit zu schaffen, aber auch bemerkenswert, daß bei den verschiedensten Bevölkerungsgruppen ein so großes Vertrauen zum Reichstage besteht, daß sie alle ihre Sorgen und Be­schwerden bei ihm anbringen.

Da sind die Tabakabgaben. Hier meldet sich der Bund deutscher Tabakgegner zum Worte. Er bittet, der neuen Tabaksteuervorlage nur dann zuzustimmen, wenn sich die Regierung bereit erklärt hat, den Tabak­anbau und die LabakeinfuHr stark einzuschränken und ein Rauch- und Tabakverkaufsverbot nach Lübecker Vor­bild bis zum 18. Lebensjahre zu beschaffen. Die Ver­bände der Lithographen und Steindrucker und der deut- ischen Steindruckereibesitzer in Berlin enwfehlen, den Gesetzentwurf ganz abzulehnen. Eilt Berliner Herr schlägt vor, statt der Tabaksteuer eine Kaviarsteuer ein- zuführen. Ein Herr Winkelmann in Miinster befürwor- tet, mit der Neubelastung des Tabaks bis nach Beendi- gitug des Krieges zu warten. Einen ähnlichen Wunsch äußert die Mecklenburgische Handelskammer in Rostock. Der Zentralverband deutscher Großhändler der Tabak- branche in Dortmund, der Verband sächsischer Zigarren- fabrikanten in Waldheim, die Vereinigung der Zigar- renfabrikanten von Fürstenwaldc und zahlreiche andere Gruppen von Tabakinteresseuten machen mehr oder we­niger ablehnende Vorschläge.

Anch gegen die Quittnugssteuer richten sich eine ganze Reihe von Eingaben. Besonders aus Kreisen des Handels. So wird vorgeschlagen, die Ein- und Ans- zahlnng von Svaraeldern von dem Omtiungsstempel zu befreien. Für den Quittungsstempel werden auch andere Steuer vorschläge gemacht, so eine Steuer ans Kanarienvögel, Klaviere, Fahrräder, Luxuspferde, Hunde und Katzen. Zu den Verkehrs steuern liegen ebenfalls zahlreiche Eingaben vor. Sie schlagen zum Ersatz die Einführung von Kriegsbriefmarken vor, empfehlen nebenbei die Beseitigung der bäuerischen Postvorrechte, regen eine Besteuerung der Ansichtskar­ten an usw. Auch die Auswüchse der Kleider und Hut­mode will man besteuern, alle Luxusgegenstände. Ein Charlottenburger regt die Einführung einesReichs- kohlenvergasuttgsmonopols" und einesRetchsacker- beregnungsmonopols" an. Auch die Pferderennen und die Radrennen will man steuerpftichtka machen.

Zahlreiche eigenartige Wünsche, auch auf anderen Gebieten, sind an den Reichstag gelangt. So empfiehlt ein Berliner Diplomingenieur ein besonderes Luft- kampfmittel. Ein Breslauer bittet um Schutz gegen Ver­luste an der Börse. Eilt Kaufmann aus Alton» legt die Gründung eines Bundes der europäischen Staaten vor. Kriegs- und Friedensvorschläge werben in rei­cher Fülle gemacht.

Kriegsalierlei.

Wehrkredite in Schweden.

Wie die Stockholmer Zeitungen melden, beabsichtigt die Regierung unmittelbar einen bedeutenden Wehr­kredit vom Reichstag zu verlangen. Der Kredit soll hauptsächlich für die schwere Artillerie, die Ausrüstung des Landsturmes, für das Flugwesen und die Marine verwendet werden. Der Kredit soll ungefähr sechzig Millionen Kronen betragen und durch eine neue Wehr- steuer aufgebracht werden.

Znm Verlust des LinienschiffsRussell".

Der Mitarbeiter derTimes" veröffentlicht einen Leitaufsatz über den Untergang des englischen Linien­schiffesRussell". England habe bis jetzt von 58 Linien­schiffen 10 verloren, also etwa 17 Prozent. Das sei mehr, als irgendeine andere Macht verloren habe. Ita­lien verlor ein Schiff von 9, Frankreich habe 2 von 21, Deutschland 1 von 35 verloren. Oesterreich und Ruß­land erlitten überhaupt keine Verluste von Schiffen.

LWke bei der «theil

Die französischen Flieger, so schreibt man derKöln. Ztg." aus dem Felde, haben Schneid und machen ihre Sache tadellos, wenn sie auch nicht solche Typen wie Böhlke oder Jmmelmaun aufzuweisen haben. Ich hatte mehreremale das Glück, Böhlke bei derArbeit" zu sehen. Es war, wenn ich nicht irre, am 11. oder 12. März an einem prachtvollen, sonnendurchfluteten Morgen: so ein rechtes Fliegerwetter. Am Horizont, nach Süden, dem Feinde zu, schwebten mehrere französische Flieger, von denen sich plötzlich zwei große Kampfflugzeuge ab- sonderten und sichern, zielbewußten Fluges über unsere Stellung Hinflügen. Wir verfolgten sie mit den Augen und erkannten ihr Ziel in einem deutschen Flugzeug, anscheinend einer Fokker-Maschine, das in beträchtlicher Höhe, ohne auf den herankommenden Feind groß acht zu geben, in ruhiger Fahrt seine Bahn beschrieb. Die französischen Flugzeuge trennten sich: während das eine in gerader Richtung, von Sekunde zu Sekunde steigend, auf das deutsche zuflog, bog Das andere in spitzem Win­kel nach links ab, wohl um den Feind zwischen zwei Feuer zu nehmen.

Da man konnte es mit bloßem Auge wahrnehmen

ging es wie ein Ruck durch den Körper des deutschen Flugzeuges: sämtliche Motoren gaben her, was sie her­geben konnten. Die Vorgänge spielten sich mit einer enorm aufregenden Schnelligkeit ab. Ohne auf das feindliche Flugzeug in seiner Flanke zu achten, fuhr der Deutsche auf den ersten Gegner los und suchte ihn im Rücken zu fassen. Der Franzose merkte natürlich die Ge­fahr sofort und beschrreb eine vortrefflich gelungene kurze Kurve, um dem Deutschen zu enttgehen und wo­möglich ihm in den Rücken zu kommen. Doch sein Appa-

rat kam dem mistigen auch nicht im entferntesten an Geschwindigkeit gleich: zwei oder drei wechselseitige Kur­ven und der Dentsche war hinter und über dem Franz­mann und ließ ihn nun nicht mehr aus seinenFän­gen". Unaufhörlich knatterten die Maschinengewehre, immer tiefer sank der Franzose, alle Kurven, die er be­schrieb, würden a tempo vom Deuttschen mitgemacht, so daß das Bild stets daS gleiche war: vorn der Franzos, hinter ihm und über ihm, ständig feuernd und treibend der Deutsche. So wurde der Franzose immer weiter von der rettenden französischen Linie fort und auf die feind­liche deutsche zugetrieben, wo er brennend nredergegan-

gen sein .

Das Ende dieses schaurigen ___________ . _______

nicht mehr beobachten können. Hub der zweite Frau zose? Was tat der? Warum kam er nicht zu Hilfe? Ja, wahrscheinlich, weil er gar nicht dazu kommen konnte. Der ganze Vorgang spielte sich eben so rasend schnell ab, daß der französische Bruder schon sinkend auf deut­sches Gebiet getrieben ward, ehe der andere helfend etn- greifen konnte. Diese Episode gibt übrigens ein kleines Bild des Krieges, von seinen Anfängen an bis zu seinem hoffentlich ebenso ausfallenden Ende. Der Teutsche soll eingekreist werden, welchem Beginnen er mit anschei­nender Ruhe zusieht. Fast ist der Kreis geschlossen, alle Vorbereitungen erfüllt, um das Netz unzerreißbar zu machen, da ergreift der Deutsche die Initiative, der eine Gegner wird vernichtet, und der andere kommt auch noch daran. Wenn ich übrigens den AusdruckFänge" ge­brauchte, geschah das mit Absicht: denn das Bild zweier größerer rümpfender Raubvögel drängt sich einem un­willkürlich auf.

Am nächsten Tage erlebten wir wieder den Kampf zweier Flugzeuge, der Franzose stürzte brennend in die französischen Linien. Ein brausendes Hurra stieg aus unsern Kehlen zu dem kühnen Flieger empor, der als Dank eine anmutige Kurve über unserer Stellung be­schrieb. Der sühne Flieger den beiden Tage war Böhlke!

Vermischtes

u

Zeitmrgslesen ist heute das Wichtigste. Vor der Bochumer Strafkammer hatten sich die Eheleute Kar­toffelhändler Ludwig Venkert aus Wattenscheid wegen Ueberschreitunq der Höchstpreise zu verantworten. Einem Kunden, der im Benkertschen Geschäft Jndn- striekartoffeln getauft hatte, waren für den halben Zent­ner trotz seinem Widerspruch von einer Aushilfsverkäu- ferin unter Billigurrg der Frau Benkert 10 Pfennig über den Höchstpreis abgenomme« worden. In der Verhand­lung wurde fcstgestcllt, daß der Ehemann an der Sache unschuldig gewesen ist. Die Ehefrau firchte sich damit zu entschuldigen, daß ihr die Anordnung iiber die Höchstpreise noch nicht bekannt geweien sei. Die Zei- tung, die sie erst einige Stunden im Hause gehabt, habe sie wegen großen. KundenandrangeS noch nicht lesen können. Das Gericht ließ diesen Cinivand nicht gelten: es verurteilte die Angeklagte zu 5 ^ Geldstrafe, wobei der Gerichtsvorsitzende betonte, daß es Pflicht aller Ge- werbetreiöenden sei, sich über die amtlichen Bekannt­machungen auf dem laufenden zu ' tungslesen sei heute das Wichtigste: -ern vor.

Wieviel das möcheutliche Essen einer Engländerin koste» darf. Der Sparfamleitsfeldzug, zu dem man sich auch im ehemals auf feine Reichtümer so stolzen briti­schen Jnsellande genötigt sieht, fiihrte nunmehr bereits zu einer in den Londoner Zeitungen bekanntaegebencn Feststellung der Summe, die eine Euglünderm gegen- würtig für die Ntahlzeitcn einer Woche ausgeben darf. Zwar halidelt es sich noch ntot um eine von der Regie­rung ausgesprochene amtliche Bestimmung, doch die Ver­sammlung der statistischen Gesellschaft setzung angefegt wurde, ist amtlich ches Boraten als i;^;::; _

8ach bet rügt die Höchstsumme, me eine englische Frau n BÄak« einer Woche für wr Essen aufwenden darf.

>u erhalten: das Zei

es gehe allem an­

st, in der diese Fest-

______ .,. ........ genug, um ein sol- < notwendig erscheinen zu lassen. Dem- Höchstsumme, die eine englische $w

13 Mark. Auf der arideren Seite wirb als das Minr mum für eine Arbeiterin die Summe von 8,50 Mail aufgestellt. Beweis genug, daß man auch in Albion nicht gerade an Ueberfluß leidet....

Deutsche Farben für denUnion Jack". In Amerika erregt ein gegenwärtig vor dem Bundesdistriktsgericht anhängiger Prozeß, der die englische Farbennot grell beleuchtet, große Heiterkeit. Die Syndicate Publishing Co. in Neuyork hatte, derDeutschen Chemiker-Zei­tung" zufolge, Anfang des vorigen Jahres von der eng­lischen Regierung den Auftrag bekommen, mehrere hun­derttausend Union Jucks, also englische Schiffsflaggen, zu liefern. 3m Kontrakt war ausgemacht, daß die Flaggen mit deutschen Farbstoffen bedruckt sein sollten. Die Syndicate Publishing Co. gab einer Fahnenfabrik in Pennsylvanien den Auftrag zur Lieferung, und am 23. Juni vorigen Jahres langten 12 000 Union Jack in Kanada, dem Lieferungsort, an. Die englischen Sach­verständigen fanden aber heraus, daß die Flaggen mit amerikanischen und nicht mit deutschen Farben bedruckt waren, und so wurden die Union Jack prompt zurück­gesandt. Darauf schrieb die Syndikate Publishing Co. an die Fahnenfabrik, sie verzichte auf diese und jede weitere Lieferung. Die Firma klagte nun wegen Kon- traktbruches, wobei sie geltend machte, die Syndicate Publishing Co. habe ganz genau gewußt, daß Mangel an deutschen Farben herrsche und man daher gezwunge­nermaßen zuhaltbaren" amerikanischen Farben habe greifen müssen. Die Syndikate Publishing Co. erhob Widerklage auf Schadenersatz. In der jetzt eingetrosfe- nen slntwort auf diese Gegenklage macht die Fahnen­fabrik den Einwand, die Fahnen seien im Sinne des Kontraktes mithaltbaren Farben" hergestellt und gli­chen in jeder Beziehung den Mustern, die vor Abschluß des Kontraktes vorgelegt seien. Sie fordert daher Ab­weisung der Gegenklage und Verurtellung der Syndi­cate Publishing Co. zu Schadenersatz. Der Prozeß dürfte sich noch lange hinziehen. Jedenfalls ist die ganze An­gelegenheit nicht nur ein glänzendes Zeugnis für die deutsche Farbenindustrie, wndern auch ein prächtiger Treppenwitz der Weltgeschichte.

Stuttgart führt ein Lebensmittelbuch ein. Zur Ver­hütung der EinsamMung übergroßer Vorräte durch einzelne Haushaltungen wird die Stadt Stuttgart vom 1. Mai ab neben den Brot-, Butter- und Fleischkarten ein allgemeines Lebensmittelbuch für jeden Haushalt einführen, in das beim Warenkauf der Verkäufer die abgegebenen Mengen an Eiern, Fett, Hülsenfrüchten, Kakao, Milch, Seife, Teizwaren und Zucker emtragen muß. Die Waren dürfen nur zur Deckung des Bedarfs für einen Htägigen Berbrauchszeitraum abgegeben wer­den.

Aus unseren Gefangenenlager».

Unsere Feinde stellen immer wieder die Behauptung auf, die Soldaten in deutscher Gefangenschaft hätten es nicht gut. Die Behauptung entspringt dem bösen Ge- wifielt; denn was aus unanfechtbaren Quellen über die Behandlung deutscher Soldaten in einzelnen englischen und französischen Lagern zu uns kam, hätte uns wohl veranlassen können, gleiches mit gleichem zu vergelten. Wir haben es nicht getan, da wir solche Vergeltung an Wehrlosen für »«deutsch halten. Wie sehr wir aber für die gefangenen Soldaten sorgen, wie wir ihnen nicht nur an leiblicher Nahrung gutes geben, oft besseres, als man­che Deutsche sich jetztt leisten können, dafür ist hundert­fach der Beweis erbracht. Aber darüber hinaus kümmert sich der Deutsche auch um das geistige Wohl der Gefan- n-htr eu___^ü^' f« i^r ^hpf eines Soldaten, der im La-

ester Beweis. In einem Brief an seine Angehörigen spricht er auch über die Kirche und die Schule, die für die Gefangenen errichtet wurden, folgendermaßen:

Man hat eine neue Kirche und ein Schulgebäude errichtet. Das Zelt, das bisher als Kirche diente uns auf der einen Seite des Mittelplatzes stand, hat man abgerissen. Dadurch ist der Platz größer, freier und lichter geworden. Die Schule ist in Gegenwart des Gene­rals feierlich eröffnet worden mit Reden, Danksagungen und einer Besichtigung. Die Räume sind gut erleuchtet und gelüftet, die Wände sind mit weißem Kalk gettincht, den Fußboden deckt eine dicke linoleumartige Pappschicht. Die Vorlesungen sind von doppelter Art: die abendlichen haben einen vorberettendu, elementaren oder mittleren Charakter, die nachmittäglichen sind in 2 Stufen fachlich: Französisch, Piathematik, Naturwissenschast, Geschichte, Erdkunde, Schnellschrift, Rechnen, Rechtswissenschaft, Sprachen (lebende und tote), Elektrizität, Harrnonieleyre. Diese Vorlesungen haben sofort einen ungeheuren Erfolg gehabt: 600 eingeschriebene Schüler. Das ist das Beste, lvas mau nur tun konnte, denn der Gefangene kann sich zugleich zerstreuen und unterrichten und den Gedanken an Heimkehr und Wiedervereinigung, die ihn grausamerweise festbaltcu, entfliehe». Die Gefangenen selber weihen sich als Lehrer dem Unterricht ihrer Ka- meraden. Das Deutsche wird von deutschen Professoren gelehrt. Auf diese Weise genießt man einen wirklich gu­ten Unterricht. Es ist ergötzlich, uns morgens und abends wie einst mit 12 Jahren, die Hefte unterm Arm, zur Schule wandern zu 'eben. Der Unterrichtt erfreut sich von Tag zu Tag größerer Beliebtheit. Dank der Arbett, dank des Lernens, können wir ausharren. Wahr­haftig, diese kleine Schule ist für alle ihre Schüler ein wahrer geistiger Trost und eine Stütze. Man fühlt sich weniger gefangen, man atmet etwas mehr Freiheit, lebt also etwas mehr."

In anderen Briefen meldelk die Gefangenen, wie Human sie von den Offizieren und Aerzten und den Wachmannschaften behandelt werden.Man vergißt ganz, daß man Gefangener ist!" Futzballwettspiele wer­den verunstaltet, eine Kapelle ans Gefangenen ist ge­gründet, Theateraufsührunaen werden veranstaltet usw. Alle Gefangenen aber berichten übereinstimmend, daß die Nahrung gut und ausreichend ist, und sehr oft kehrt der Passus wieder:Möchten es die deutschen gefangen neu Soldaten bei uns ebenso gut haben." Und diesem Wunsch möchten wir uns alle amchlicnen, allerdings mit der Furcht, daß er nicht überall erfüllt wird. Der Kul­turfranzose und der fcheinbeilige Engländer haben lei­der stellenweise nicht die Aulchaumig von der Bebaud- lung Wehrloser und im ritterlichen Kampfe Besiegter wie der barbarische Hunne, wie der Boche.

Weitere Drahtnachrichten«

Die Novelle zum Vereinsgesetz.

8*$=. Berlin, 1. Mai. lT. U.) Die vielbesprochene und lange erwartete Novelle zum Bervinsgesetz (Rechts­stellung der Gewerkschaften) ist, wie dasB. 1/ erWrt, nunmehr fertig gestellt. Sie wird schon in den nächsten Tagen an den Bundesrat gehen und vermutlich noch in dtewr Woche dem Reichstage vorgelegt werben.