Die deutsch-amerikanische Auseinandersetzung
Wilsons Aorderung an Denlschland.
A«s dem Inhalt der amerikanischen Note.
In der am 20. April abends vom Berliner amerikanischen Botschafter überreichten Note heißt es, wie wir schon mitteilten, u. a.: Eine sorgfältige, enigehende und aewiffenhakt unparteiische Untersuchung durch Offiziere der Flotte und der Armee der Vereinigten Staaten hat schlüssig die Tatsache ergeben, daß
die „Snffex" ohne Warnung
oder Aufforderung zur Uebergabe torpediert wurde, und daß der Torpedo, durch den sie getroffen wurde, deutscher Herstellung war. Stach Ansicht der Regierung der Vereinigten Staaten machten diese Tatsachen von Anfang an den Schluß unvermeidlich, daß der Torpedo von einem deutschen Unterseeboot abgefeuert war. Sie findet jetzt diese Schlußfolgerung durch, die Arwfuhrun- gen in der Note Euerer Exzellenz bekräftigt. Nach sorgfältiger Prüfung der Note der Kaiserlichen Regierung vom 10. April bedauert die Regierung der Bereinigten Staaten sagen zu müssen, daß sie aus den Darlegungen und Vorschlägen dieser Note den Eindruck erhalten hat, daß die Kaiserliche Regierung verfehlte, den Ernst der Situation zu würdigen, die sich nicht nur durch den Angriff auf die „Sussex" ergeben hat, sondern durch
die ganze Methode und den Charakter des Unterseebootkrieges,
wie sie zu Tage getreten sind, infolge der während eines Zeitraumes von mehr als 12 Monaten von den Befehlshabern der deutschen U-Boote uneingeschränkt gehandhabten Uebung unterschiedsloser Zerstörung von Handelsschiffen aller Art, Nationalität und Besiim- mung. Die Regierung der Bereinigten Staaten hat eine sehr geduldige Haltung eingenommen. Auf jeher Stufe dieser schmerzlichen Erfahrung von Tragödie über Tragödie war sie bestrebt, durch wohlüberlegte Berücksichtigung der außergewöhnlichen Umstände ,eines Krieges ohne Beispiel sich lenken und durch Gefühle echtester Freundschaft für Volk und Regierung Deutschlands leiten zu lasten. Es ist der Regierung der Bereinigten Staaten zu ihrem Schmerze klar geworden, daß der Stanöpimkt, den sie von Anfang an einnahm, unvermeidlich richtig ist, nämlich, daß der Gebrauch von Unterseebooten zur Zerstörung des feindlichen Handels notwendigerweise, gerade wegen des Charakters der verwendeten Schiffe unter Angriffsmethoden, die ihre Verwendung naturgemäß mit sich bringt, gänzlich unvereinbar ist mit den Grundsätzen der Menschlichkeit, den seit langem bestehenden und unbestrittenen Rechten der Neu- kralen und den heiligen Vorrechten der Nichtkombar- :anten. Wenn es noch die Absicht der Kaiserlichen Regierung ist, unbarmherzig und unterschiedslos weiter gegen Handelsschiffe mit Unterseebooten Krieg zu führen, ohne Rücksicht auf das, was die Regierung der Ver- nnigten Staaten als die heiligen und unbestreitbaren Gesetze des internationalen Rechts und die allgemein anerkannten Gebote der Menschlichkeit ansehen muß, so wird die Regierung der Vereinigten Staaten schließlich zu der Folgerung gezwungen, daß es nur einen Weg gibt, den sie gehen kann. Sofern die Kaiserliche ‘ gin Aufgeben ihrer
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Passagier- und Frachtschiffe erklären und bewirken soll- ie, kann die Regierung der Vereinigten Staaten keine andere Wahl haben, als
die diplomatischen Bezi^unge« zur deutsche» Regierung ganz zu lösen.
Einen solchen Schritt faßt die Regierung der Vereinigten Staaten mit dem größten Widerstreben ins Auge, sie kühlt sich aber verpflichtet, ihn im Namen der Menschlichkeit und der Rechte neutraler Nationen zu unternehmen.
Die Stimmung in Amerika.
** Amsterdam, 25. April. (T. 1t.) Die „Morning- post" erfährt laut „Voff. Ztg." unterm 20. April aus Washington: Enthusiasmus über einen Krieg mit Deutschland gibt es im ganzen Lande nicht, weder in der Presse, noch in der Öffentlichkeit. Wilson wird von der deutschen Prelle Amerikas scharf angegriffen. Ein Blatt sagt, Amerika werde durch einen Krieg eine englische Kolonie werden ««d seine Stellung verlieren. Roosevelt greift Wilson wegen seiner bisherigen Haltung an. Bryan ist bemüht, das «leutzerste zu verhindern. Von den Mitgliedern des Repräsentantenhauses greifen besonders die folgenden drei Wilson offen an: Der Führer der Republikaner im Repräsentantenhaus Mann, der sagt, Wilson wolle das Land in einen Krieg treiben seiner eigenen politischen Gesinnung willen und weil er die Deutschen Haffe, ferner Smith in Michigan,
[ Aus dem großen Hauptquartier ]
Gortzes Hauptquartier, 24. April 1015. (Amtlich WTB.) (Eingegangen 3,10 Uhr nachmittags.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Fast allgemein herrschte auf der Front lebhaftere Feuertätigkeit als in den letzten Tagen.
An mehreren Stellen fanden erfolgreiche deutsche Patrouillenunternehmnugen statt. Südlich von S t Eloi wnrden englische Abteilungen dvrch Fener av- gewiesen.
Im Maasgeviet warben gestern kleinere französische Handgranatenangriffe gegen nnsere Waldstel- l«ngen nordöstlich von Avoconrt zurückgeschlagen. Ebenso scheiterten nachts schwächliche Vorstöße des Gegners östlich von „Toter Mann."
Ein stärkerer Angriff brach in der Gegend des Gehöftes Thianmont vor nnseren Linien völlig zusammen.
Ein englischer Doppeldecker wurde im Luftkampfe östlich von Arrasaußer Gefecht gesetzt; die Insasse«, Offiziere, sind gefangen genommen.
Festlicher und Balkan-Kriegsschauplatz.?
Keine wesentliche« Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
Amtliche Meldung des Admiralstabs.
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Berlin, 23. April. (Amtlich WTB.) Ei« Geschwader von zehn deutschen Flugzeugen hat am 22. April Sie russische Flugstation Papenholm auf der Insel Oesel angegriffen und mit 45 Bomben belegt, wobei sehr gute Wirkung beobachtet wurde. Ein russisches Flugzeug wurde zur Landung gezwungen. Alle deutschen Flugzeuge sind trotz heftiger Beschießung «nverseyrt zurückgekehrt.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
£ Vom österr.-ungar. Generalstab
Wien, 24. April. (WTB.) Amtlich wird verlant- bart:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Gefechtstätigkeit war gestern an der ganzen Front wesentlich schwächer als gewöhnlich. Eine Mine, die der Feind östlich von Dobonontz sprengte, richtete nur in den russischen Gräben Schaden an.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Kämpfe am Südwestrand der Hochfläche von
Grere durch Bersagilieri
Am Col di Laua schlug die tapfere Besatzung des Gratstützpunktes fünf feindliche Angriffe ab.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Ruhe.
Der Stellvertreter -es Chefs -es Generalstabes. von Hoefer, Feldmarschalleutnant.
ein Republikaner, der Wilfon Mangel an Aufrichtigkeit vorwirft, und Senator Bordeman aus Mississippi, ein Demokrat, der Wilson unnentral nennt, weil er England begünstige. — Aehnliches lassen sich andere englische Blätter melden. Alle enthalten sich ueber redaktionellen Beurteilung ihrer Berichte.
Wilsons Adreffe an den Kougretz.
Der WTB.-Vertreter in Washington meldet durch Funkspruch: In der Adresse Wilsons an den Kongreß, die sich in großen Zügen an den Wortlaut der nach Berlin gesandten Note hält, wird ausführlich auf die ganze Unterseebootfrage etnqeganqen, wie sie sich seit Februar 1915 entwickelt hat. Während der Verlesung der Adresse herrschte gespannte ernste Stille. Als Wilson mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß Deutschland so handeln werde, daß ein bedauerlicher Bruch mit Amerika abgewendet werden könnte, schloß, brach das Haus in Beifallsrufe aus. Wilson verlangte keinerlei Maßnahmen vom Kongreß. .
Der Kanzler in Berlin.
Der Reichskanzler ist Sonntag nachmittag lallt „V. T." in Berlin wieder eingetroffen. Die schnelle Rückkehr des Reichskanzlers aus dem Hauptquartier erklärt sich, wie sich die „Frkf. Ztg." aus Berlin melden laßt, natürlich durch die Notwendigkeit, in Berlin, am Sitze der Regierung, mit den berufenen Stellen und Persönlichkeiten die Entscheidungen zu beraten, welche dre amerikanische Note notwendig machte. Ob der Kanzler dann etwa noch einmal ins Hauptquartier zu weiteren Beratungen zurückkehren wird, bleibt abzuwarten. In allen ernsten politischen Kreisen ist man übereinstimmend der Ansicht, daß angesichts der durch dre amerikanische Note geschaffenen Lage nur das eine zu geschehen hat: Unseren Sieg in diesem Kriege erleichtern und befördern, und daß alles, was diesen Sieg erschweren würde, zu vermeiden ist. Den Glauben, daß ein Konflikt mit Amerika noch auf ehrenvolle Weise zu erledigen ist, braucht man nicht aufzugeben. Es ist selbstverständlich, daß über die dazu führenden Mittel jetzt berat«: wird. Die öffentliche Meinung, soweit sie sich auch durch die Blätter der verschiedenen Parieren mt- stellen läßt, wird Vertrauen zu den Entschließungen haben, die der Kaiser und seine verantwortlichen Ratgeber und gewiß auch die Leitung unseres Heeres zusammenwirkend treffen.
Der Kanzler konferiert mit »ent amerikanischen Botschafter.
, ^ Berlin, 25. April. (T. u.) Die „Morgenp."
schreibt über den Konflikt mit Amerika: Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg ist Sonntag nachmittag aus dem Großen Hauptquartier nach Berlin zurück- S kehrt und hat am zweiten Feiertage eine Reihe von esprechunge« abgehalten, die der durch die neue amerikanische Note geschaffene« Lage galten. Er hatte n. a, auch den amerikanischen Botschafter in Berlin empfange«, u«d diese Unterredung allein hat mehr als eine Stunde in Anspruch genommen. Die Tatsache, daß ohne Rücksicht auf die Reihe der Feiertage die verantwortlichen Leiter unserer Politik in gespannter Tätigkeit waren, bezeichnet den Ernst der Lage, die durch die Forderung des Präsidenten Wilson hervorgerufen wurde. Die ' maßgebenden Stellen sind noch zu keiner endgültige« Entschließung gekommen. Der Entschluß selber hängt von der Abwägung so zahlreicher Momente ab, daß wahrscheinlich noch weitere Beratungen notwendig werden, bis er zur Reife gediehen ist. Aus der Tatsache, daß der Botschafter nach der gestrigen Unterredung nach Carlshorst gefahren ist und dort stundenlang dem Rennen beiwohnte, darf ebenso wenig ein Schluß über die Lage gezogen werden, wie aus einer nenen Reise des Reichskanzlers ins Große Hauptquartier.
Wie der „B. L.-A." meldet, berichtete der Botschafter sofort telegraphisch nach Washington die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz.
Wie die Aussagen über angebliche Torpedierung der „Sussex" erpreßt wnrden.
Der Schweizer Journalist Johann Niederöst, der jahrelang in England für englische und amerikanische eitungen geschrieben hat, gehört zu den geretteten Pas- agiereit der „Sussex". Er hat seine Erlebnisse beim
*----- m...... "—" -Ml 2. Ayril ergänzt, deren Nichtigkeit und Wahrheit zu beschwören er durch notariell beglaubigte Niederschrift sich bereit erklärt hat. Er erzählt u. a.: Von der „Sussex" wurde ich auf dem englischen Torpedoboot „Efridi" nach Dover zurückgebracht. Dort sprach ich mich in einer Unterhaltung dahin aus, daß die „Sussex" nach der Ansicht der Schiffsleute selbst nicht einem Torpedo, wndern einer Mine zum Opfer gefallen sei. Diese Aeußerung muß zur Kenntnis der dortigen Behörden gekommen sein. Jedenfalls wurden m r Papiere in Folkestone, wohin ich mich von Dover begeben mußte, zurückbehalten. In Folkestone wurde ich auf dem Generalstabsbureau zu- erst von einem englischen Adjutanten befragt, und gab ihm eine eingehende Darstellung vom Hergang des Unfalles. Später kamen ein General ins Zimmer und der französische Generalkonsul. Man befragte mich über die Ursache des Unglücks. Ich sagte, daß meiner Meinung nach eine Minenexplosion vorlage, und gab dafür meine Gründe an. Der General fuhr mir scharf ins Wort und sagte: „Jeder Mann ist einig darüber, daß es ein Torpedo war, «nd Sie sagen, es ist eine Mine." Später fand eine Beratung dieser Herren statt, die ungefähr eine halbe Stunde dauerte und der ich nicht.beiwohnte. Dann wurde ich auf das Bureau der Geheimpolizei geführt, wohin uns der früher genannte Adiutant folgte und wr ich eine Erklärung, die in roter Tinte geschrieben war, unterzeichnete, „daß meiner Ansicht nach die „Sussex" torpediert worden sei". Ich gab diese Erklärung am
Ltntev feindlichen Fahnen.
Üu» bett Erlebnissen einer alten Blücherhusaren von Ludwig Blämtfe.
31) (Nachdruck verboten.)
Für uns nicht mehr Wasfentragende bestand nun keine Möglichkeit, am heutigen Tage in die Nähe des Muffes zu kommen. Eine regelrechte Wagenburg trennte uns von den Ufern. Auf dem jenseitigen Ufer aber knatterte beständig Gewehrfeuer. Auch hörte man etwas weiter dann und wann Geschützfeuer. Es hieß bald nach Mittag, daß ein Teil der Unfern unter Marschall Qudi- not bereits drüben sei und mit dem den Uebergang verhindern wollenden Feinde heftig stritte. Immer wieder versuchten wir, der Brücke näher zu kommen. Umsonst I Gendarmen mit gezogenen Säbeln trieben uns zurück; erst sollte der ganze Trotz und alles, was noch waffenfähig war, hinüber. Ein Teil der Abgewiesenen machte es sich dann auch an einem von zerbrochenen Wagen und allerer Gerümpel genährten, ungeheueren Lagerfeuern gemütlich und schien den Uebergang für durchaus nicht so dringend zu halten. Bei unserer Ueber- müdung schliefen auch Golz und ich an so einem Feuer fest ein, während immer noch schwarze Menschenmassen zum Ufer drängten. Ein paar kreischende Weiber mit aufgelösten Haaren drängten sich zu uns und behaupten, eine Kanonenkugel hätte den Wagen, auf dem man sie als Soldatenfrauen vor anderen hinüberfahren wollte, zertrümmert. Nun wünschten sie lieber, hier zu sterben, als sich noch einmal an dieBrücke zu wagen. Wie wir erst später erfuhren, wurde im Laufe des Nachmittags auch noch eine zweite, für Artillerie und .Kavallerie bestimmte Brücke fertig. Von dem Rest meinesRegiments, den verschiedene gesehen Haben wollten, bemerkte ich nichts, da ich eben nicht fäHig war, mich vorzudrängen bis zu den in guter Ordnung näher dem Flusse aufge- stellten verschiedene» Truppenteilen. Ach, hätten wir weniger fest geschlafen, dann würde es uns während der
Nacht zweifellos ohne grotze Mühe gelungen sein, die Brücke zu passieren. Aber wir erwachten erst am hellen Vormittag. Und da hatte sich bereits wieder eine schwarze Menschenmenge vor uns in dichtem Gedränge ange- sannnelt. An diesem Tage merkte ich erst, welch' ein unnötiger Ballast zur Großen Armee gehört hatte. All' die vielen Frauenspersonen, elegante Offiziersdamen in Herrlichen Karossen, zerlumpte Soldatenfrauen, zweifelhaftes Weibervolk in zerrissenem, golddurchwirttem Flitterstaat, schreiende Kinder, Komödianten, Handwerksleute, Händler und was da alles ohne Waffen wimmelte. Viele der feinen Wagen stammten aus Moskau und waren mit Beute beladen, wie jener Leichenwagen des unglücklichen Heinrich Rabe. Gar mancher der vom Golde geblendeten Besitzer, die um des schnöden Mammons willen ihr Leben aufs Spiel feen, sollte an diesem Tage mit seinen Schätzen in den Fluten der Be- resina versinken.
Da schwankte, wie ich von einer kleinen Anhöhe aus genau beobachten konnte, so eine mit grotzen Kisten und Koffern überfüllte Karosse, gezogen von vier edlen Pferden und begleitet von mehreren Dienern in golb- strotzender Livree, die ihr den Weg mit Gewalt bahnten, heran an die wegen des sumpfigen Untergrundes sehr unsichere, wackelige Brücke. Ehe diese noch halb passiert war, schlug das stolze Fuhrwerk um und ich sah es nie wieder. Einer der Diener erreichte, wie ich hörte, auf einer Eisscholle das andere Ufer, der Besitzer aber und die anderen fanden ihren Tod. Nicht zu beschreibende Szenen spielten sich während des ganzen Tages vor unsern Augen ab, sobald das Gewehrfeuer drüben etwas nachgelassen hatte und nun alles darnach strebte, möglichst schnell hinüber zu kommen. Da die zweite Brücke unter der Last der Geschütze gebrochen war, wobei viele Meüschen ihren Tod gefunden, so drängten sich auch Reiter und Artilleristen an dieser Stelle, und das Knäuel der Verwirrung schien unlös
bar. Mit dem Säbel in der Faust, bahnten Husaren sich ihren Weg, wie ich sah; kreischende Weiber klammerten sich an Schweif und Mähne ihrer Pferde, wurden unbarmherzig fortgestotzen und füllten in immer größer werdenden Haufen den Fluß. Wie so mancher Unglückliche wurde von Rosseshufen zertreten, von Rädern zermalmt: es gab kein Mitleid, kein Erbarmen, keine Nilcksicht mehr, jeder war sich selbst der Nächste. Da die BAicke kein Geländer besaß, so mußte bei dem Gedränge auf ihr ja jeder von einem Stärkeren beiseite Geschobene hinabstürzen, allein, oder zugleich mit dem, an dem er sich zu halten suchte. — „Wehe uns gänzlich Entkräfteten!" seufzte ich immer nur, und mein Freund Golz schallte mit starren Blicken, gewiß dasselbe denkend, in das schreckliche Wirrwarr. Dieses vergebliche Schreien nach Hilfe, diese uunatlcrlichen Töne der Angst, der Verzweiflung, des Wahnsinns, werden mir bis an mein Lebensende in den Ohren gellen. Einige Reiter sprengten, trotz treibender Schollen, ins Wasser und versanken nach wenigen Sekunden. Aber zwei andere, die ein Weib mit ihren Kindern auf dem Arm von der Brücke hatten stürzen feiten und sich dem gefährlichen Element an vertrauten, um es zu retten, sollten, wie wenn Gott ihr edles Werk gesegnet, Glück haben und samt der jungen Mutter und ihren Knäblein drüben landen. Nachher sah ich allerdings noch verschiedene hinüberreiten. Einigeil besonders kraftvollen und gc» wandten Männern gelang es auch, weiter stromab- rvärts auf den Schollen, die ^e betreten hatten, Rettung zu finden. Aber die Zahl derer, die ihr Grab in den Wassern der Beresina fanden, überwog die verschwindend kleine solcher Glücklichen um das Hlllidertfache.
Endlich war es nur und Golz mit vereinten Kräften geglückt, bis an die Brücke zu gelangen. Doch betreten durften wir sie noch lange nicht. Vvllc fünf Stunden mußten wir und Kälte und) ab/
warten, bis wir an die ReW kanten, Worts. M