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Iorlschreilen der Umfassung von Verdun.

Zu unseren neuesten Erfolgen bei Haudromont Tbiaumont wird der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben: Der jüngste französische Bericht über ihre Haupstellung läßt im Verein mit unseren Erfolgen bei HaudromontThiaumont deutlich erkennen, in welchem Maße unsere Angriffe nicht nur die Zurückdrängung der Franzosen, und die Unschädlichmachung des dort ve- feindlichen Heeres, sondern auch die Umfassung der Festung selbst in langsamem, zähen Ringen erreicht. Die völlig planmäßige Durchführung der Absichten um er er Heeresleitung kommt auch in erster Reihe in diesem wer­teren Fortschreiten derAbschnürung" von Verdun zum Ausdruck, und es zeigt sich, wie schlecht die franzonichen Kritiker beraten waren, als sie von einerGelcgenheNv- taktik" unserer Heersleitung sprachen.

Schon am 7. März war der Anfang zu einem um­fassenden Angriff der Festung in großen Zügen durch­geführt worden. Damals konnten wir erlernten, wie nach den ersten großen Erfolgen im Norden der Angriff ge­gen die Ostfront der Festung eingesetzt hatte, um die französischen Truppen des ganzen Vorgelandes der Festung zu berauben, und ihnen auf dreje Werfe rhre Bewegungsfreiheit zu nehmen. Nun nachdem 6er eiserne Gurt an der Ost- und Nordfront der Zeitung wie angeschmiedet war, ging der Angriff auf das linke Maasufer hinüber, um hierdie Front auszugleichen . Tätsächlich wurde dieses Ziel auch im vollem Umfange erreicht, und es gelang unseren Truppen, den Amchluß an die erfolgreich gegen Süden vorgestotzenen Truppen auf dem Ostuser der Maas zu erreichen. Ueber die Er­langung dieses Zieles hinaus brächte aber dieser Vor­stoß derGelegenbeitstaktik" noch die Möglichkeit eines weiteren Vorgehens gegen die Nordwestfront der Festung auf dem westlichen Ufer der Maas. Die ^ront MalancourtBethincourt hatte durch ihre weit nach Westen wagrecht vorgeschobene Form die Aufgabe, einer Umfassung der Festung von Westen her sich entgegenzu- stemmen. Wir wissen auch, mit welcher Fülle von Kraft und Zähigkeit sie sich hier dieser Aufgabe erledigte. Nach­dem sie durchbrochen worden war, mußten sich die Fran­zosen gegen Südosten, d. h. gegen die Nordwestfront der Festung weiter zurückziehen. Jetzt bildete die Linie EsnesEbattancourt ihre Frontrichtung, welche die stärkste Stütze in der Höhe 304 hatte. Aus der Taffache, daß sich diese Linie von Nordosten nach Südwesten hm- zieht und ihrer Fortsetzung nach Nordosten einen spitzen Winkel mit der früheren Linie MalancourtBethin­court bildet, kann man am besten erkennen, wie die fran­zösische Front gegen die Festung selbst auf ihren wichtigen linken Flügel gedreht worden ist und sich immer mehr der Festung gegen Südosten zu nähert. Die neue Frontlinie, die jetzt von den Frauzofen als ihre letzte Hauptlinie vor der Festung selbst genannt wurde, 14 noch weiter südlich gelegen, sodaß unsere nachdrangen- den Truppen ihre Linie noch weiter nach Süden auf der Westseite der Festung zur Fortführung der Umfapung vorgeschoben haben. ©

Nun ist die Festung bereits von zwei Seiten gänz­lich und von der dritten Seite ungefähr bis zur halben Höbe umraßt, denn Montzeville, das auf her neuen Ver­teidigungslinie gelegen ist, bildet ungefähr die Mitte der westlichen Umwallung von VcMin. Tiefer Erfolg wurde in verhältnitzmätzig kurzer ^eit erreicht, wenn man erwägt, welche Hindernisse die Franzofen am jedem Zentimeter unserer Fortschritte unseren Truppen in den Weg gelegt haben. Trotz alledem Ichritt die Um­fassung gegen den Gürtel aus Stahl und Eifen täglich erfolgreich vorwärts, und die Franzosen werden hier immer mehr ihrer Bewegungsfreiheit beraubt. Der Raum zur Entwickelung ihrer Massen wird von Tag zu Tag kleiner. Bei Douaumont ist der Festungsgürtel zwar schon seit Wochen angebrochen. Wenn aber das Loch nicht mehr erweitert wurde, dann dürfen wir ruhig annehmen, daß es aus Gründen der höheren Einsicht unserer Heeresleitung geschah. Die allmählich sichtbar werdende Entwicklung unseres Angriffszieles zeigt, daß die große Ausgabe die rechten Männer zur Lösung ge­funden hat.

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Feindliche Demonstration über Sofia.

Die Bulgarische Telegraphen-Agentur meldet vom 21. April: Amtlich wird verlautbart: Heute gegen 8 Uhr früh warf ein feindliches Flugzeug zwei Bomben auf eine der Vorstädte von Sofia ab. Der ganze an- gerichtete Schaden ist sehr unbedeutend. Menichenopfer sind nicht zu beklagen. Das Flugzeug warf gleichzeitig eine Anzahl Proklamationen ab, mit denen der Feino der Oeffentlichkeit die bereits bekannte Einnahme von Erzerum bekanntgibt.

Mnfet feindlichen Fahnen.

Mus den ErlebBAen eines alten Blücherhusaren von Ludwig Vlümck«.

30) (Nachdruck verboten.)

Nächstentags dursten wir uns einer ganz hervor­ragenden Marschleistung rühmen. Von uns verfolgen­den Komken waren wir nach wie vor nicht sicher. Doch wurden wir mit der Zeit, nachdem wir der Todesnot so oft entronnen, dermaßen abgestumpft gegen diese Ge­fahr, daß wir ihrer kaum noch achteten. Zweimal ritt eine Patrouille unmittelbar an uns vorüber, ohne uns anzuhalten. Wahrscheinlich hielt man uns, da wir keine Waffen trugen, nicht für Soldaten der Großen Armee. Wir fühlte:', uns, nachdem wir drei volle Tage nichts weiter genossen hatten, als ein paar mit dem Blute eines geschlachteten Pferdes getränkte Eisstückchen, dermaßen hinfällig, daß wir uns kaum noch vorwärts zu schleppen vermochten. Ich stand am Abend am Ende meiner Kräfte und war, als ich niedersiel, außerstande, mich mit mei­nes treuen Freundes Hilfe aufzuraffen. Da bat ich die­sen denn, mich zurückzulassen und allein weiter zu ge- hem Vielleicht könnte er ja sein Leben wenigstens retten, ha er noch mehr bei Kräften wäre. Allein, Golz dachte nicht daran, mich preiszugeben. Er zerrte mich vielmehr unter ein dichtes Wachholdergebüsch, das zu einer Art Schutzhütte zurechtgerichtet war und in dem auch etwas Stroh lag, deckte mir seinen Mantel noch über meinen bereits sehr schadhaften Schafpelz und entfernte sich mit dem festen Versprechen, in einer halben Stunde zurück zu sein. Ich hörte das nur noch wie im Traum und schlief sofort fest ein. Hätte der Edle sein Wort nicht gehalten, so würde ich ganz gewiß nicht wieder erwacht sein. Doch er war schon nach einer Viertelstunde wie­der zur Stelle und trug einige Stücke Zucker sowie etwas Branntwein in einem kleinen Gläschen bei sich. Diese Schätze hatte er von einem französischen Oberst ersieht, dem er meine Notlage geschildert hatte. Der mit Brannt­

[ Aus dem großen Hanptquartier '

>-», Großes Hauptquartier, 21. April 1916. (Amt­lich. WTB.) (Eingegangen 4,00 Uhr nachmittags.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Im Maasgevjet kam es im Zusammenhang mit großer Kraftentfaltung beider Artillerien zu hef­tigen Jnfanterjekümpfen. Westlich des Flusses griffen die Franzofen mit erheblichen Kräften gegenToter Mann" und östlich davon an. Der Angriff ist im allgemeinen blutig abgewiesen.

Um ein kleines Grabenstück in der Gegend des Waldes Les Caurettes, in das die Franzosen eiliges drungen waren, wird noch gekämpft. Rechts der Maas blieben Bemühungen des Feindes, den Stein­bruch südlich des Gehöftes Haudromont wieder zu neh­men, völlig ergebnislos. Südlich der Feste Donaumont sind Nahkämpfe, die sich im Laufe der Nacht an einigen französischen Gräben entwickelten, noch nicht zum Stillstand gekommen. Unser zusammengefatztes starkes Artilleriefeuer brächte eine Wiederholung des feindlichen Jufanterieangriffes gegen die deutschen Li­nien im Caillette-Walde bereits im Entstehen zum Scheitern.

Im Abschnitt von Banx, in der Woevre-Ebene und auf den Höhen südöstlich von Verdun wie bisher sehr lebhafte beiderseitige Artillerietätigkeit.

Ein feindliches Flugzeug stürzte brennend in den Fumin-Wald (südwestlich von Vaux) ab.

Deutlicher Kriegsschallplatz.

Bei Garbonowka nordwestlich von Dünaburg er­litten die Russen bei einem abermaligen vergeblichen Angriff etwa eines Regiments beträchtliche Verluste.

Bei der Armee des Generals Grafen von Bothmer belegte ein deutsches Flugzeuggeschwader die Bahnanlagen von T a r n 0 p 0 l ausgiebig mit Bomben.

Dalkankriegsschauplatz.

Unsere Flieger griffen mit französische» Truppen belegte Orte im Wardar-Tale und westlich davon an.

Oberste Heeresleitung.

Vom österr.-ungar. Generalstab

Wien, 21. April. (WTB.) Amtlich wird verlaut­bart:

Russischer und südöstlicher Kriegs­schauplatz.

Unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern nachmittag warfen 7 italienische Flugzeuge 2 5 Bomben auf Triest ab. Neun Zivilpersonen, darunter fünf Kinder, wurden getötet, fünf Leute ver­wundet. Das Saleslaner Kloster, in dessen Kirche 400 Kinder beim Gottesdienst waren, ist zerstört. Durch diesen Angriff hat der Feind jedes Recht und jeden An­spruch auf irgendwelche Schonung seiner Städte ver­wirkt. Der Bordteil der S t a d t G ö r z stand unter leb­haftem Feuer aller Kaliber. Sonst kam es in der- stcnländischen nnd Kärntner Front nnr stellenweise zu Artilleriekämpfen. Im Col di Lana-Gebiete wurden starke feindliche Angriffe unter schwersten Ver­lusten der Italiener abgewiesen. Ebenso scheiterten neuerliche Angriffe des Feindes auf die unlängst von uns eroberten Stellungen im Sugana-Abschnitt und ein Angriff auf unsere Linien westlich Sperone.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, von Ho es er, Feldmarschalleutnant.

Generalfeldmarschall von der Goltz ein Opfer des Flecktyphus

** Berlin, 22. April. (Amtl. WTB.) Generalfeld­marschall Freiherr von der Goltz ist nach zehntägigem Krankenlager am 19. April im Hauptquartier seiner türkischen Armee am Flecktyphus gestorben.

wein getränkte Zucker belebte mich derart, daß ich Golz bis zum nächsten Wachtfeuer zu folgen vermochte. Dort hörten wir am nächsten Morgen sehr deutlich Kanonen­donner. Das gab mir neuen Mut und ich rief begeistert aus:

Eine Schlacht, ein Gefecht! Bruder, vielleicht ist uns doch noch vergönnt, von einer Kugel auf dem Felde der Ehre dahingerafst zu werden. Das wäre doch ein weit schönerer Tod, als hier im Walde erfrieren oder verhungern zu müssen!"

Sehr richtig", erwiderte Golz kurz und ernst nach seiner Gewohnheit.Doch denke ich nicht ans Sterben. Ich will leben, um manche Schuld zu sühnen. Komm also!"

Und ich folgte ihm. Als es Heller wurde, sahen wir auf einer weiten, mit Glatteis und Schnee bedeckten, von Wäldern umgebenen Ebene einen ungeheuren Trupp von Geschützen, Last-, Munitionswagen, Karren, Fuhr­werken, Pferden und Wagen verschiedenster Art. Auch wimmelte es von Menschen beiderlei Geschlechtes vor uns. Es schien, als wäre der ganze große Zug mit allem, was dazu gehörte, hier ins Stocken geraten. Und so war es auch. Die Beresina mit ihren treibenden Eis­schollen hemmte ihn, da der Feind die vorhandenen Brük- ken verbrannt oder besetzt hatte. Der Kaiser mit seiner Leibgarde ritt ebenfalls über das Feld. Er trug eine rote, mit schwarzem Fuchspelz besetzte Mütze. Wie ein großer internationaler Jahrmarkt kam mir das bunte Gewimmel, das sich meinen Augen bot, vor: Da feilsch­ten lebhafte Italiener mit handelnden Juden um Brot und Branntwein, da stritten Deutsche rüit Fran­zosen um elende Kleidungsstücke, ein lebhafter Portu­giese bot hundert Dukaten für eine Flasche Wein, pol­nische Frauen bettelten um Mehl, Marketenderinnen verlangten unglaubliche Summen Geldes für Zucker und Backwaren, und ein ohrenbetäubendes Gewirr verschte« totster Sprachen drang an meine Ohren.

Die Nachricht vom Tode des Marschalls von der Gvltz wird bei uns unb unseren Verbündeten schmerz­liche Teilnahme auslösen. Ist mit ihm doch ein Mann dahingesch jeden, der die Waffe schmieden half, die fetz so ftrrchtbar unsere Feinde trifft. Geb. am 12. August 1843 in Bielkenfeld bei Labiau, machte er 1860 den böhmischen Feldzug mit und wurde bei Trautenau ver­wundet. 1868 kam er in den Generalstab, dann machte er den Feldzug 1870/71 mit, wo Major Graf Häseler sein Vorgesetzter war. 1883 trat er in türkische Dienste, wo er als Leiter des Militärbildungswesens bis 1895 gewirkt hat. Wieder ins preußische Heer eingetreten, stieg er zu den höchsten Stellen empor. Ungemem fruchtbar war der Verstorbene auch als militärischer Schriftsteller. Mit großem Interesse hat er die Be­strebungen des Jungdeutschlandbundes verfolgt, wie er überhaupt für die körperliche Ertüchtigung der Jugend jederzeit warm eintrat.

Wie erfolgreich er seine Aufgabe in der Türkei er­füllte, habe, wie dasB. T." sagt, der griechisch-türkische Krieg erwiesen, der für die Türkei so verlaufen sei, daß die ganze Welt darüber in Staunen geraten sei. Bei Ausbruch des jetzigen Krieges wurde er zunächst auf den friedlichen Posten des Gencralgonverneurs von Belgien berufen, aber noch vor Avlanf des ersten Kriegschhres wieder in türkische Dienste, was ihm ver­mutlich eine Erlösung gewesen sei. Er habe die Singen schließen können in dem Bewußtsein, ein an Arbeit und Ehren reiches Leben durch einen so nützlichen Abend gekrönt zu haben, wie er nur wenigen Sterblichen be- schieden ist.

Großer Kriegsrat in Paris.

Veränderungen in den französischen Führerstellen?

Eine Persönlichkeit, die in bett letzten Tagen noch in Frankreich weilte, machte einem Vertreter der Köln. Volksztg." nachfolgende wichtige Mitteilung: General Sarrail nnd General Lianthey wurden nach Paris berufen. Ihre Berufung soll mit einem dem­nächst in Paris stattfindenden großen Kriegsrat aller französischen Generale Zusammenhängen, die den Ruf der Tüchtigkeit genießen und gewissermaßen verschie­dene politische Parteien vertreten. Eine ausschließlich militärische Beratung unter dem Vorsitz Poincarees soll namentlich die Frage beraten, wie und durch welche Mittel dem weiteren Vordringen der Deutschen bei Verdun Einhalt geboten werden könne. Ob Sarrail Joffre, Castelnau oder Pötain zu ersetzen berufen ist, hängt von den Vorschlägen ab, die man von ihm für die Verteidigung Verduns erwartet.

Die Komödie von Marseille.

Landung russischer Truppen im Hafen.

Paris, 21. April. (T. It.) Havas meldet: Heute morgen um 9 Uhr sind russische Truppen in Marseille gelandet. General Joffre erließ anläßlich dieser Lan­dung folgenden Tagesbefehl:Rußland, unser treuer Bundesgenosse, dessen Waffen schon so tapfer gegen Deutschland, Oesterreich und die Türkei gekämpft haben hat Frankreich ein neues Pfand seiner Freundschaft und den schlagendsten Beweis seiner Hingebung für bie wietifüwrw» die Tapfersten ausgelesen lind geführt von den hervor­ragendsten Offizieren, sind gekommen, um in unseren Reihen zu kämpfen, wir werden sie als Brüder be­grüßen und ihnen zeigen, welche tiefen Gefühle der Freundschaft wir für die hegen, die ihr Vaterland ver­lassen haben, um an unserer Seite zu kämpfen. Im Namen der französischen Armee heiße ich Offiziere und Mannschaften der russischen Truppen, die in Frank­reich ausgeschifft wurden, willkommen. Ich neige mich vor ihren Fahnen, die bald neue Lorbeeren in gemein­samen Erfolgen erobern werden.

Bei der Landung der Russen in Marseille scheint es sich um eine klägliche Komödie zu handeln. Eine ernsthafte Unterstützung hätte man sicherlich hübsch ge­heimgehalten. Aber zu einer ernsthaften Unterstützung Frankreichs sind die Russen garnicht fähig.

Nur ein einziger Dampfer.

e-* Haag, 22. April. (T. UJ Aus einer Londoner Depesche erhellt nach demB. L.-A.", daß es nur ein einziger Dampfer war, der in Marseille die russische Trnppenabteilung einbrachte.

6-#= Amsterdam, 22. April. (T. U.) Die Nachricht von der Landung russischer Truppen in Marseille wird lautB. L.-A." in London mit hellem Jubel ausge­nommen. Angaben über die Zahl fehlen noch. Es wird aber angenommen, daß nur Truppentransporte über Wladiwostok, wahrscheinlich auch Japan in Frage kommen, da Archangelsk noch nicht eisfrei ist.

Ein von der Kälte fast erblindeter Kaiserjäger stürzte und wurde fast zertreten von der Menge. An uns vorüber fuhren in einer mit vergoldetem Wappen ge­zierten Glaskutsche zwei verschleierte Damen, wohl Of­fiziersfrauen. In meinen Hungerqualen flehte ich sie um eine kleine Erquickung an, und stehe da, die eine von ihnen hob ihren Schleier, so daß ich ein vornehmes, sehr schönes, bleiches Antlitz mit gütigen Zügen erblickte.

Armer Landsmann", sprach sie,von welchem Re­giment seid Ihr?"

Ich sagte es ihr. Da mürbe ihr Gesicht sehr ernst, und sie fragte weiter, ob ich den Premierleutnant von Goddentow gekannt hätte. Das bejahte ich. Der bedan- ernswerte Offizier war hinter Smolensk auf dem Hin­marsch erkrankt und Kosaken in die Hände gefallen, denen er von mordgierigen Bauern entrissen wurde. Wie es hieß, sollte er von diesen dann erschlagen worden sein.

Vielleicht war die Dame eine nahe Verwandte von ihm, die ihre Heimat verlassen hatte, um Erkundigungen über sein Schicksal einzuziehen. Ich mochte nicht neu­gierige Fragen stellen. Mit einer Träne im Auge reichte sie mir einen Becher Wein und schenkte mir mehrere Rubel, für die ich mir bei einem mir näher bezeichneten Marketender Lebensmittel kaufen sollte.

Ich wünschte den edlen Damen Gottes Segen und erstand für das Geld etwas Brot und Fleisch, so viel, daß es hinreichte, um meinen und den meines Freundes ärgsten Hunger zu stillen.

VI.

Ueber die Beresina.

Während der ganzen Morgenstunden arbeiteten beherzte Pioniere, die bis an die Schultern im Wasser standen, in der Nähe des Dorfes Studianka am Bau einer Brücke über die Beresina. Napoleon reichte ihnen, wie verlautet, persönlich Wein zur Stärkutlg.

(Lortsetzung foiati