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vecinm im neutralem Urteil

Die Erschöpfung der französischen Reserve» durch Berdun.

DerFranks. Ztg." zufolge kommt der militärische Mitarbeiter des WernerBund" bei der Würdigung der Operationen im Raume von Berdun auf die Frage der Reserven zu sprechen. Er stellt fest, daß es den Deutsche» in keinem Falle an Reserven fehle, und er­widert demTeuws", der kürzlich versicherte, Frank­reich habe noch heute starke verfügbare Reserven: Man kann heute noch nicht sagen, in welchem Umfange die Schlacht von Berdun Entwicklung und Ausgang des Krieges bestimmen hilft, man weiß noch weniger, wie die Operation als solche endet, kann aber ermessen, daß sie in einem von den Alliierten unvorhergesehenen Zeitpunkte und mit einer von ihnen nie vermuteten Kraft geführt worden ist und dadurch bestimmend wirkt. Daß sie französische Heeresleitung gezwungen wurde, alle verfügbaren Reserve» in den bedrohten Raum zu werfen, geht aus dem Gang der Operationen hervor. Von Touchez und Arras, aus dem Raume südlich der Summe und dem befestigten Lager von Paris, aus dem Lager von Chlllons und selbst von Belfort und Toul her wurden Truppen im Raume von Berdun ange- samMelt: sogar aus der wichtigen Ausfallsstellung von Nancy ist eine Division abgerufen worden, um direkt als Unterstützung einzugreifen, so daß es nicht mehr möglich war, von der Linie Nancy-Toul aus rechts der Maas flankierend vorzustoßen. Dadurch werden wir auf die Erwägung znrückgeführt, daß die französische Skussallsstelluug Verdun-Toul durch die deutsche Offen- >e in eine Defensivstellung umgebogen worden ist. Das ist auch von Bedeutung für den Fall einer englisch- französischen Generaloffensive, wenn es den Franzosen gelingt, die Lage im Raume Berdun wiederherzustellen: denn man darf nicht vergessen, daß eine Offensive zwi­schen Metz und Straßburg einmal im französischen Feld­zugsplan figuriert hat, und daß ein Generalbefehl Joff- res eine Neuaufnahme der Offensivbewegung gegen den Rhein in Aussicht stellte. Die Frage, ob auch diese Pläne zunichte gemacht worden sind, oder ob sie doch noch Gestalt gewinnen, wird vielleicht bei Berdun be­antwortet.

Sie Pariser Konferenz.

Noch ein ernüchterter Verbandsfreund in der Schweiz.

In derSemaine litchraire" vom 8. April fällt Alb. Bonnard (einer der bekanntesten Deutschenhasser der Westschweiz, der in dieser seiner eigenen Zeitschrift sich sonst völlig gehen läßt) ein auffallend absprechendes Ur­teil über die Pariser Konferenz.

Es widerstrebt mir, von so viel Reden, ^.rmk- sprüchen und Telegrammen zu lesen. Vertrauen und Einigtest müssen sein, aber die bestgedrechselten Phrasen Hinnen hart im Donner der Geschütze . . . Der Ent- scherdungskampf für die ganze Erde ist im Gange . . . Gehandelt muß werden. Soviel Phrasen sind Fehl­schläge. Man fragt sich mit Unruhe, ob die, die sie dre­schen, sich selbst damit etwas vormachen wollen, oder ob sie sich dabei einbilden, Worte für Taten geben zu können . . . Man sucht nach einem Staatsmann und findet ausgezeichnete Redner. Zum Reden sind die Parlamente da. Sie scheinen freilich unter der Praxis der Rederei zu leiden. Heißt für sie denn regieren: sich aewandt ausdrücken, Erfolg haben: beklatscht werden,

der Rederer zu lmoen. Hmm für ne oenn reate^ stunden pfeffern die Rüsten herüber, ein ziel- und plan- gewandt ansdrucken, ^rwlg, haben. ,beklat^ loses Schießen kleiner Kaliber, die schießen, damit eben

zum Ziel gegangen, ein t'.r.rauenovotur erhalten. geschossen wird Wert bat's keinen für die Rußen neun Pik Rarster Konferenz hat mit einer Prrnzvprenerkla- runa geschlossen. Zu 37 hat man beraten, zwischen Frühstücken und Mittagessen, gefolgt von Empfängen und ist in 48 Stunden nach 20 Kriegsmonaten zu die­sen großen Erfolgen gelangt . . . Sicher hat die Kon­ferenz anderes getan, als den Text für die Zeitungs­berichte festzustellen. Denn an sich bestand die Einig­test ja längst. Es galt nur sie zu bekräftigen, es galt guten Eindruck zu machen auf Völker und Zeitungen, während man der ausbleibenden Unternehmungen harrt, es galt wieder einmal mit Worten auszudrücken, was man'durch Taten erreichen will."

Es bestehet! in Frankreich, so versichert ein Mann, der eben aus Paris kommt und dort mit maßgebenden Kreisen vertraut ist zwei Gruppen entgegengesetzter Meinung: Joffre ist die Seele der Gruppe, die die Ver­teidigung befürwortet, Clemenceau aber vertritt die Angriffspartei. Die Berteidigungspartei weist auf die schrecklichen Verluste hin, die jede Offensive hervorruft. Jostre hat die Champagne- und Artoisfchlachten nur unter dem Druck von Ministern und Parlamentariern unternommen. Joffre will warten, will dem Feinde die Initiative und die Verluste laifen, bis mit der tort« schreckende« Erschöpfung des Feindes das Gleichgewicht sich genügend zugunsten Frankreichs verschoben hat. Clemenceau betont Lage gen, daß die Zeck Geld kostet,

daß 6er FMö N» Erschöpfung itttttter noch vermissen läßt, niemand aber sagen kann, wie lange Frankreich den Aderlaß an Gold noch aushält. Daher ist es Zeit zum Angriff! Ob Joffre, ob Clemenceau recht hat, ist schwer zu fauen aber daß der gesunde Menschenver- stand sagt sich, daß, wenn Joffres Vorsicht berechtigt ist, das doch nur vorübergehend gelten kann. Den end- gültigen Sieg trägt doch der Umgreifende davon. Wäre es sicher, daß die Offensive überhaupt unmöglich ist, so wäre es besser aufzuhören, denn dann wäre der Kampf für Frankreich hoffnungslos.

Das alles muß die Pariser Konferenz sich klar ge­macht haben. Bisher hat der Verband nicht gerade durch Unternehmungslust geglänzt an den Darda­nellen und bei Saloniki kam er zu spät, man hat die Er­eignisse über sich ergehen lassen, die der Deutsche Kaiser mit unveränderlicher Entschlossenheit und Kühnheit lenkte. Nun flammt dieser Unternehmungsgeist seit einigen Wochen wieder auf: zu Land rückt methodisch und unaufhörlich der Angriff auf Berdun vor,- zur See mehrt sich die U-Boot-Beute, aus der Luft säen die Zeppeline Bomben auf England. Ueberall verteidigt man sich, fo gut es geht, aber ohne eine Aenderung kann die Verteidigung nicht das letzte Wort behalten. Es bleibt nur möglich anzunehmen, daß ein fester Plan besteht, daß nach Eintritt gewisser Umstände die große Offensive erfolgt. Das muß in Paris beschlossen wor­den sein. Nur durch ihre Stärke, ihren Entschluß, ihre Einmütigkeit werden die Verbündeten siegen, und des­halb wären die schönen Reden später besser am Platze.

Amerikanische Schlappe in Mexiko.

DieMorning Post" meldet aus Washington: Un­ter dem Befehl des Majors Topkins marschierten am Mittwoch mittag 150 amerikanische Reiter in Parral eilt, trotzdem zwischen der mexikanischen und der amerikani­schen Regierung vereinbart worden war, daß die Straf- expedition in keine Dörfer oder Städte einrücken solle. Den Aufklärern Topkins war nämlich berichtet worden, daß Villa in Parral Zuflucht gesucht habe, und Topkins glaubte sich deshalb berechtigt, von seinen Instruktionen abzuweichen. Der Hauptplatz war verlassen, als eine kleine Reiterabteiluilg in die Stadt einzog. Topkins, der dieser Ausgestorbenheit nicht traute, ließ seine Sol­daten Halt machen. Kaum war das geschehen, als aus den Häusern ringsherum Soldaten hervorbrache», und aus den Straßen, die auf den Platz münden, Baude» von Mexikanern anftanchten, Sie mit allerlei Waffen ausgerüstet waren und sich auf die Amerikaner stürzten. Die amerikanischen Reiter legten große Kaltblütigkeit an den Tag. Sie stiegen schnell ab, suchten Deckung und begannen ruhig, mit Ueberlegung zu feuern. Nach Leu letzten Berichten liefen die Amerikaner Gefahr, umzin­gelt und bis auf den letzten Mann niedergemacht zu wer­den. Sie hatten schwere Verluste. Das Kriegsdeyarte- ment ist sehr beunruhigt, da noch seine amtlichen Nach­richten eingelaufen sind.

Ein Brief gen der SSusftoul

Man schreibt derKöln. Ztg." aus dem Felde: Heute sinö's gerade acht Tage seit dem letzten großen Angriff auf unsere Stellungen. Seitdem ist es an unse­rer ganzen Front, nicht nur in unserm Abschnitt, still geworden. Nur noch selten und dann meist in den Abend-

sammengebrochen, kläglicher als selbst wir, die wir doch alte Rufsenkämpfer sind, je für möglich gehalten hätten. Es ist ja wahr, wir waren auf den Angriff vorbereitet, unsere Stellungen waren in monatelanger zäher Schanz­arbeit gut ausgebaut, alles war getan, um unser Leben soviel wie möglich zu schützen, die Stimmung unserer Leute war gut, mit blindem Vertrauen sahen wir alle zum obersten Führer auf und doch, es war ein gar schwe­res Stück, eine Meisterarbeit, die wir vollbracht haben. Es liegt mir fern, uns selbst loben zu wollen, das über­lasse ich getrost andern, doch ich bin stolz und froh, daß es mir wiederum vergönnt war, dabei zu sein, mithelfen zu dürfen, wo sich wiederum ein Stück Weltgeschichte entschieden hat. Und was ich immer wieder bewundern muß, was mir die höchste Achtung abnötigt, das ist das Verhalten der Leute, sie mögen alte gediente Landwehr oder junge Truppen sein, es bleibt sich gleich. Kalt, ru- i hig, ja oft zu verwegen und waghalsig, besonnen und in I größter Gefahr standhaft und treu. Mit solchen Leuten taun man auch das Grüßte wagen, das Schwerste ans- halten! Wenn meine Nerven versagten, wenn ich be­stimmt dachte, ich bin am Ende meiner Kräfte ange­langt, dann machte mich ein Blick auf meine Leute im­mer wieder frisch. Mit zusammengebissenen Zähnen

suchte ich fottttt der Schwäche HE M EdM. mid im­mer gelang es mir.

So lagen wir zu Beginn der russische« Offensive in einem vorgeschobenen Abschnitt, drei Tage und drei Näch­te lang in einem ununterbrochenen Trommelfeuer aller russischen Kaliber, die unsere paar hundert Meter Stel­lung bald stärker bald schwächer, doch ohne Pausen be- arBeifeten. Wir konnten uns weder mit den anderen Unterständen noch mit den rückwärts liegenden Regi- mentsreserven verständigen, die Telephonleitungen wa­ren schon in den ersten Stunden abgeschossen worden, und so waren wir mehr oder weniger auf uns selbst angewiesen. Für 24 Stunden waren die Etz- und Trink- vorräte berechnet, die wir schon in weiser Vorsorge in den Stollen und Unterständen verstaut hatten. Doch wenn die Frist verstrichen und alles aufgezehrt war, was dann? Besonders die Beschaffung des Wassers machte mir Sorgen, denn ich sah schon in den ersten Stunden der Beschießung wie unser Wasservorrat, der in einem kleinen Weinfaß war, schnell abnahm, denn fortwährend wurde getrunken, fortwährend mußte der trockene Gau­men angenetzt werden. Und je mehr die Stunden fort« schritten, je anhaltender sich das feindliche Feuer zeigte, um so größer stieg die Sorge in mir. Der Brunnen war weit, lag hinter der Stellung wohl 300 Meter entfernt, und gerade dieser Teil lag im stärksten feindlichen Feuer. Wer sich da hinauswagte, um Wasser zu holen, war dem sicherst Tode geweiht, das wußte ich, darum machte ich gar nicht erst den Bersuch Freiwillige auf« zurufen und nahm mir vor, bei Einbruch der Dunkel­heit selbst hinüber zu gehen. Die Dunkelheit brach Bann auch endlich herein, doch das feindliche Feuer ließ nicht nach, im Gegenteil, es schien sich noch zu verstärken, und unser Wasservorrat war alle geworden, kein Tropfen war mehr da. Und wir dürsteten,- wenn wir's auch nicht eingestehen wollten, unser Durst war groß. Da half alles nichts, Wasser mußte her, so oder so, und kurz entschlos­sen nahm ich das Fäßchen und wollte hinaus. Die Leure fabelt mich erst ganz verdutzt an, dann, als sie begrif­fen was ich wollte, sprangen zwei, drei, fünf zugleich herbei, nahmen mir das Fäßchen aus der Hand, und ohne ein Wort zu verlieren, waren sie schon draußen im Graben. Jetzt war ich der Verdutzte, doch um Ein­spruch zu erheben, war's schon zu spät, die Leute waren schon fort. Lange, endlos lange, fürchterliche zehn Mi- nnten verbrachte ich in Selbstvorwürfen im Unterstand, lauschte den schweren in nächster Nähe einschlagenden Granaten und hatte' nur den einen, wieder und immer wiederkehrenden Gedanken:Wenn doch alles gut geht, wenn sie nur wiederkommen!" Und sie kamen wieder. Schimpfend auf die Russenbande, deren Granaten gar zrr aufdringlich seien und die ihnen Dreck in ihr kostbares Wasser geschleudert hätten, stolperten sie über die halb zusammengeschossenen Gräben. Und nicht nur das ge­füllte Fäßchen brachten sie angeschleppt; auch noch zwei Eimer, weiß Gott, wo sie sie aufgegabelt hatten, mit Wasser gefüllt, das allerdings einen guten Prozentsatz Dreck enthielt, trugen sie daher. Am liebsten wäre ich den wackeren Jungens um den Hals gefallen, die so kaltblütig ihr Leben gewagt hatten. Lachend erzählten sie, wie die Granaten um sie herum geflogen wären, und geringschätzig meinte einer:Die Russen können eben nicht schießen, sonst hätten sie die Pumpe längst getroffen, mindestens 20 Granatlöcher sitzen im Kreis drum herum!" Jetzt hatten wir wieder genug Wasser, es langte auch, bis die Russen ihr unsinniges Schießen endlich einstellten.

So könnte ich noch viel von dem Heldenmut und der Todesverachtung unserer Leute erzählen. Die Russen haben's übrigens zu spüren bekommen, besonders bet dem Handgranatenkampf am Abend des 20. März, wo «Eine Größere Abteiluna Russen in unsere Gräben ein« gedrungen war, doch in kurzem wütendem Nahkampf, bei dem auf unserer Seite Handgranaten die Hauptrolle spielten, fast ganz vernichtet wurden. Doch jetzt haben wir, wie gesagt, etwas Ruhe, und wie ein wilder wüster Traum erscheint uns die letzte Zeit, ein Traum, den man nicht gern wieder träumt. Und mehr als einmal fragen wir uns, ist's denn wirklich wahr, haben wir tatsächlich fast 14 Tage lang im schwersten Feuer ge­standen, haben wir wirklich fast 14 Tage lang gekämmt und gewacht, gehungert und gedürstet und einem der gewaltigsten Angriffe dieses blutigen Völkerringens siegreich widerstanden! Ein Blick durch die Schießscharten bejaht die Frage. Dort liegen vor unsern Drahtver­hauen bis weit in die russischen Stellungen hinein noch die Tausende russischer Leichen, die den wilden Anstür­men zum Opfer gefallen sind. Wir haben in den letzten Nächten schon viel Totengräberdienste getan, es galt un­sere Drahtverhaue zu säubern und die darin hängenden Leichen zu beerdigen. Nacht für Nacht wird das wohl so weitergehen. Auch die vor dem Drahtverhau liegen­den Gefallenen, so weit wir vor können, sollen ein ehr­liches Kriegergrab haben, denn tapfer kämpfend sind sie gefallen, und wir zollen auch dem Feinde die Ehre, die ihm gebührt.

Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, heute Morgen 6 Uhr unser innigstgeliebtes, einziges Töchterchen, unser herzliches Schwester­chen, Enkelchen und Nichtchen

Anneliese Rein in eben vollendetem 5. Lebensjahre nach kurzem, sehr schweren Leiden heimzurufen.

In tiefer Trauer:

Wilhelm Bein z. Zt. im Felde n. Frau Käte geb. Kniese Ernst Bein

Willy Bein Beehnnngsrat Bein.

Hersfeld, u. Naumburg a. d. 8., den 16. April 1916.

Die Beerdigung findet Donnerstag, den 20. April nachmittags 3 Uhr von der Friedhofs-Kapelle aus statt.

Unsere Geschäfte bleiben

am Ostersonnabend, den AI. ^pii 1016

geschlossen. SSSS

mnieideutsche Priuat-Banh. , »

'»M^ oeposllenHasse Hersteld.

Beamten-Familie sucht zum alsbaldigen Eintritt ein ordentliches

Mädchen vom Lande.

Zu erfragen in der Ge­

schäftsstelle unseres Blattes.

Einige tüchtige Schreiier

stellt sofort noch ein.

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H. Lyding,

Vacha.