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Wran ganz einwandfrel feststellen, daß England anziellen Schwierigkeiten kämpst. Mit seinen hohen Frachtsätzen und Kohlenpreisen läßt England zwar einen Teil der Kriegskosten aus der Tasche seiner Verbündeten bezahlen, aber das ist immerhin nur ein minimaler Teil. Jetzt kommt die neue englische Steuer- vorlage. Die neuen Steuern von Herrn Mac Kenna sind Einkonnnensteuern, und zwar ihr Normalsatz 5 Schilling für 1 Pfund, also das bedeutet eine Steuer auf jedes Einkommen in der Höhe von 28 Prozent. Das ist unerhört viel und fast beispiellos hoch. Ich will damit nicht sagen, daß England etwa finanziell auf dem Bo­den liegt, oder nicht in der Lage ist, den Krieg finanziell weiterführen zu können, immerhin bedeutet das aber, daß England mit seinen Finanzen große Schwierigkei­ten hat. Und das heißt für England mehr, als für je­des andere Land, weil Englands Macht- und Weltstel- lung mehr als die jedes anderen Landes auf der fi­nanziellen Kraft beruht. Frankreich hat die sogenannte Siegesanleihe gemacht, es ist aber kein Geheimnis, daß das nicht außerordentlich gut ausgefallen ist. Ribot ist gezwungen, sich mit kurzfristigen Schatzscheinen und Kre­diten bei der Bank von Frankreich zu helfen, wovon er aber später Geld herschaffen will, das sehe ich vorläufig nicht. Der Goldbestand der Bank de France zeigt m der letzten Zeit eine abwärtsgehende Tendenz, der No­tenumlauf steigt tn@ Ungeheure. Das alles zusammen malt kein erfreuliches Brld über die Finanzen Frank­reichs. Daß Rußland mit großen finanziellen Schwie­rigkeiten kämpft, darauf muß ich nicht besonders Hin­weisen. Ich sehe also die finanzielle Kriegslage für uns günstig und ich sehe darin die gleiche Ueberlegenheit der Zentralmächte wie bei der militärischen Kriegslage.

Kritik an den englischen Steuerplänen.

Die Besteuerung des Kindersegens.

DiePall Mall Gazette" setzt ihre Kritik der Vor­schläge Mc Kennas durch folgende Ausführungen fort: Dem Mittelstände beginnt es zu dämmern, daß er sich im Falle der neue Staatshaushaltsvoranschlag durch­geht zugunsten von Mc Kennas Voreingenommen- heit für den Freihandel zu Tode bluten muß! Denn die neue Steuervorlage bedeutet das Grab der Hoff­nungen vieler solcher Familien, die bisher unter gro­ßen Hoffnungen vieler solcher Familien, die bisher unter großen persönlichen Opfern ihren Stolz lediglich darein setzten, ihre Kinder zu gesunden und leistungs­fähigen Staatsbürgern zu erziehen. Der Schatzkanzler kann überhaupt nur in Ziffern denken und hat keinen Sinn für die Wirklichkeiten des Lebens. Wenn man seinen Voranschlag annimmt, so bedeutet das, die Sparsamkeit der Verschwendung und die sorgsame Er­ziehung dem Luxus tzinzuopfern! Dies Steuergesetz wird mit dem Fluch von heute und mit der Unfrucht­barkeit von morgen belastet worden. Denn es kennt keinen Unterschied zwischen dem kinderlosen und dem kinderreichen Haushalt bei Einkommen, die sich nicht unter 500 Pfund halten. Es ist eine Besteuerung der Elternschaft und der Zivilisation! Es setzt eine Prämie auf die Ehelosigkeit. Die Einkommensteuer bedarf der völligen Umformung: Gewährung von Ermäßigung für Steuerzahler mit Kindern auch für höhere Ein­kommenstufen, als bisher, oder Gewährung von Er­ziehungsbeihilfen, etwa nach dem Muster von Rück­zahlungen bei Lebensversicherungen. Woher sollte jetzt das Heer seine Offiziere nehmen, wenn nicht viele Fa­milien jeden verfügbaren Penny daran gewendet hät­ten, ihre Kinder gut zu erziehen? Woher füllen sie aber im nächsten Notfalle genommen werden, wenn

Die englischen Ubootschmerzen.

Die deutschen Uvoote eine schwere Gefahr für die englische Handelsschiffahrt.

Die Frage der allgemeinen Dienstpflicht wird jetzt völlig durch die viel wichtigere Frage des Schiffsranm- mangels in den Schatten gestellt. Es hat keinen Zweck,

K Reuter, die Tatsache zu verleugnen, daß die Deuts

, Unterseeboote eine sehr große Gefahr für die eng­lische Handelsschiffahrt bedeuten, und daß in den drei Wochen, die hinter uns liegen, außerordentlich viel Han­delsschiffe verloren gegangen find.

ImGlobe" (London) vom 1. April wird ausge­führt:Infolge deutscher Aktionen zur See hat die eng­lische Handelsflotte seit Kriegsausbruch, abgesehen von den in den feindlichen Häfen internierten Schiffen, 1% Millionen Tonnen verloren. Vier Fünftel davon kom­men auf das Konto der U-Boote. Das sind ernste Zah­len. Es bleibt ein Geheimnis, was die Berbandsmachte tun, um der U-Boot-Gefahr zu begegnen, in den letzten acht Monaten wurden in Nordeuropa nur zwei U-Boote als zerstört gemeldet. Bei Kriegsausbruch hatte Deutsch­land 30 bis 40 U-Boote, jetzt soll es 200 bis 300 im Dienst haben.

Diese zunächst unwahrscheinlich anmutende Zahl ist sowohl von Nenyork wie von Rotterdam aus gemeldet worden. Man muß bedenken, daß vor einem Jahre der berühmte französische Unterseebootskonstrukteur Lau- beuf erklärte, seiner sicheren Ueberzeugung nach sei 1914 das geheime Programm der deutschen Marine gewesen, 300 U-Boote vom TypU 29" zu bauen. .Kein sachver­ständiger in England würde es für unmöglich erklären, daß Deutschland seit August 1914 tatsächlich 200 U-Boote alle nach einem Muster habe bauen können."

Versenkt.

Lloyds melden aus Boulogne vom 15. April, daß der norwegische DampferPnsnantaffi aus Kristian- sand auf der Fahrt von Newcastle nach Boulogne ver­senkt worden ist. Die Mannschaft ist gerettet, ein Mann verletzt worden. Der britische DampferFairfort" (3838 Tonnen) ist, wie mitgeteilt wird, ebenfalls versenkt worden. _

Wie derTemps" meldet, ist heute der Verkehr der Passagierdampfer zwischen Frankreich und England über Dieppe aufgehoben. Es verehrt nur noch die Linie Havrc-Southamptom

Sonninos Erklärungen in der Kammer.

Rom, 17. April. (WTB.) In der gestrigen JMnnnerfÄ erklärte Minister tzonnino: Ich iftic die Kammer, einen Blick auf die Tätigkeit der Regie­rung, auf die verschiedenen internationalen Fragen der letzten Monate werfen zu -vollen, um bester beurteilen zu sönnen, ob die Regierung weiter ihr Bertranen ver­dient. In der Sitzung vom 1. Dezember haben wir dein Präsidenten unsere Absicht mitgeteilt, alles uns Mögliche zu tun zur Unterstützung der Armee des Kö­nigs Peter, indem wir ihre Versorgung iM Lebens­mitteln un6 Munition sicherten und ihre Konzentration erleichterten. Die Einzelheiten unserer Aktion wurdet: nicht erörtert, weil diese auch mit von dem Ausgang der Operationen auf dem Balkan abhängen mußten. Bekanntlich ist seitdem beschloßen worden, die serbi­schen Truppen nach Korfu zu bringen und dort zu sam­meln, nachdem sie sich nach. Mvntenearv und Wvarften zurückgezogen hatten und ihre EinsciMetzuM aus alle All« verhindert w«äd«l «Mir, Die erste söMMß Kufe

gäbe war die Wlederversorgung dieser Armee mit Kriegsmaterial und Lebensrnitteln, womit die italie­nische Marine beauftragt wurde. Eine noch schwierigere Aufgabe war die Einschiffung und der Transport der serbischen Armee und der zahlreichen Flüchtlinge nach Italien. Diese Unternehmungen wurden von unserer Marine ohne ernstlichen Schaden durchgeführt, wenn auch die Gefahren durch die feindlichen Unterseeboote, Flugzeuge, Minen und Torpedvbootszerstörer groß waren. Heute bildet die wiederhergestellte serbische Armee die feierliche Versicherung, daß Serbien trotz des Mißgeschicks seiner Waffen ungebeugt weiterlebt. Die unvermeidliche Folge des Rückzuges des serbischen Ver­bündeten war der feindliche Einmarsch in Montenegro. Man hat behauptet, daß Italien eine Truppenexpedi- tion nach Montenegro zu dessen Schutze hätte senden können und müssen, aber diese Annahme hält der aller- einfachsten Kritik nicht stand.

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Englische Schuhe für russische Truppen.

DerMatin" meldet aus London, Rußland habe in England 6 Millionen Paar Jnsanterieschuhe und 3 Millionen Paar Kosakenstiefel bestellt. Die Lieferung des ersten Drittels der Bestellung soll bis Ende Juni erfolgen.

Schonung der englischen Schiffahrt.

Haag, 17. April. (T. U.) Die LondonerTi­mes" sagen lautB. T.", daß seit dem 23. März das Verhältnis der versenkten neutralen Schiffe zu denen der Alliierten von 32 auf 51 Proz., also von einem Drittel auf die Hälfte gestiegen ist. Diese Mitteilung derTimes" bestärkt die auch in der englischen Presse geäußerten Vermutungen, daß die englischen Schiffe möglichst aus der Gefahrzone ferngehalten und die neutralen für Transporte in gefährlichen Gewässern benutzt würden.

Die gefangene Zeppelin-Besatzung.

Im LondonerGlobe" vom 1. April findet sich fol­gende Aeußerung: Das Publikum wird fragen: Was sollen wir mit den Gefangenen anfangen? Sie haben Kinder, Frauen und alte Männer ermordet, sie gehören zu derselben Klasse von Männern, die ihren Lebens­rettern ins Gesicht spuckten, nachdem man sie aus den Wellen gezogen hatte. Einstweilen werden die Ge­fangenen ebenso wie die anderen Kriegsgefangenen be­handelt werden: die Abrechnung mit ihnen wird später erfolgen, jetzt ist iiicljt die Zeit dazu. Als der Z 77 in Frankreich zerstört wurde, verbrannte die Mannschaft,' in dem Falle arbeitete die Gerechtigkeit wohl schneller aber vielleicht nicht sicherer. (!)

Zwei weitete Pa!rsA!!!eu.

Artillerie und Minenwerfer hatten von 25 Uhr mit nur dreiviertelstündiger Feuerpause die der Stel­lung eines Reserve-Jnfanterie-Regiments gegenüber­liegenden feindlichen Linien unter Trommelfeuer ge­nommen.

Mit der Erkundung der Wirkung auf Hindernis und Graben wurde der altbewährte, unerschrockene Pa- trouillenführer Unteroffizier Fritz Nowak der 5. Kom­pagnie beauftragt, der mit vier seiner Getreuen in einer kaum 40 Meter von der feindlichen Stellung entfernten Sappe bereit lag. Punkt 5 Uhr 32 Minuten nachmit­tags trat eine Pause im Artillericfeuer ein und sofort kletterten die Unerschrockenen aus dem Graben, unbe­irrt durch einzelne zu spät abgeschossene schwere Minen, und arbeiteten sich, von Granattrichter zu Granattrichter, «Bl!@IWl!*|*|**Ä*ie*

stark behindert durch das DraHtqewirr, bis an den feindlichen Graben heran. Nun gings vorwärts durch den stark beschädigten Graben, vorbei an zwei verschüt­teten Unterständen. Keine Zeit zu Ausräumungsar- beiten, zur genaueren Untersuchung. Doch vor einem dritten Unterstand in einem noch völlig unbeschädigten Grabenstück wurde die Patrouille mit lebhaften: Ge­wehr- und Handgranatenfeuer empfangen. Kein Zu- rüd. Den Gegner mit Handgranaten Niederkämpfen.

Da fiel Nowak durch einen tödlichen Kopfschuß. Ge­freiter Ernst aus Hupperath, Kreis Wittlich, der an feine Stelle sprang, wurde durch einen leichten Kopfschutz verwundet. Nun zurück zur Kompagnie, um nicht von dem eigenen, bald wieder einsetzenden Feuerüberfall ge­faßt zu werden. Die Stellen der feindlichen Linie, auf die Artillerie und Minenwerfer nun ihr Hauptfeuer lenken mußten, waren erkundet, der Auftrag ausge­führt.

Mit Beginn der Dämmerung nach dem erneuten, heftigen Wirkungsschietzen sollte die Patrouille des Of­fizierstellvertreters Karl Ries aus Saarbrücken der 5. Kompagnie den französischen Graben durchsuchen, um Gefangene zu machen. Auf Grund der von der Pa­trouille Nowak gemachten Erkundung wurde folgender Plan entworfen: Gruppe des Unteroffiziers Karl Hut- fils aus Wolgaster-Fähre, Kreis Usedom, sollte den Unterstand, aus dem die Patrouille Nowak vor einer halben Stunde Feuer bekommen hatte, von links an- greifen, Offiziers: ellvertreter Ries mit der Gruppe des Gefreiten Heinrich Lenz (aus Mülheim-Stmum, Kreis Mülheim-Ruhr) gegen den französischen Graben vor­dringen und die verschütteten Unterstände durchsuchen, Unteroffizier Johann Peter (aus Neunkirchen, Kreis Ottweiler) hatte die Besatzung einer noch nicht beschä­digten, in der rechten Flanke liegenden Sappe mit Handgranaten in Schach zu halten.

Mit hervorragender Tapferkeit und ohne Zögern Röte kleine, todesmutige Schar vor und drang in indliche Grabenstück ein. Trotz des sofort ein- setzenden flankierenden Feuers aus den noch unbeschä­digten Grabenteilen und trotz des Gewirrs von zer­schossenen Drahthindernissen, welches überwunden wer­den mußte, gelang es, in einen Unterstand einzudringen und sieben Franzosen gefangen zu nehmen. Das Zu- rückbringen derselben im feindlichen Feuer bot indessen neue Schwierigkeiten. Offizierstellvertreter Ries er­hielt hierbei einen Schutz durch die Hand, der gleichzeitig einen der Gefangenen tötete.

Ersatz-Reservist Reis (aus Theley, Kreis Ottwei­ler) wurde in dem Augenblick, als er von der Schulter­wehr in unseren eigenen Graben springen wollte, töd­lich verwundet, in der Hand noch krampfhaft eines der beiden erbeuteten Gewehre haltend. Daß es trotzdem gelang, die anderen sechs Gefangenen in Sicherheit zu bringen, war der wackeren Haltung des Unteroffiziers Hutstls zu verdanken, der mit seiner Gruppe vor dem feindlichen Drahthindernis liegend, den Gegner durch Gewehr- und Handgranatenfeuer so lange niederhielt, bis die Patrouille den deckenden Schützengraben erreicht hatte. ______

Vermischtes.

Ein Doldatenfriedhof in Belgrad. Pach denBu­gräder Nachrichten" hat die Militürbauabteilung einen Soldatenfriedhof in Belgrad errichtet, wo die in den Käm­pfen um Belgrad gefallenen österreichisch-ungarische« und kutsche« Helden beigesetzt werden. In der MMe »M M«I * M» WtoM W ülMM ^

ziere: diese Gräber werden durch MannordeuckmäLet kenntlich gemacht. Außerdem wird ein 5 Meter hohes Marmorkreuz zum Gedächtnis der Gefallenen errichtet. Auf dem Friedhof liegen bereits 450 Tote, unter ihnen zwölf österreichisch-ungarische und deutsche Offiziere.

Mit der Abschaffung der erste« Klasse haben die Württembergischen Staatsbahnen den Anfang gemacht. Als Ersatz sind eine Anzahl neuer Wagen zweiter Kl. eingestellt worden, die dadurch von der bisherigen Etn- teilung abweichen, daß sie mehr Nichtraucher-Abteile enthalten.

Tragödie eines Berliner Schutzmannes. Aus Gram über den liederlichen Lebenswacrdel seiner 28jährigen Tochter Luise erschoß der Schutzmann Robert Langer diese in seiner Wohnung, begab sich dann nach dem Schlesischen Bahnhof und jagte sich ebenfalls eine Kugel in die Stirn

Aus der MünchenerJugend". Abgeführt. Am Stammfisch spricht man wieder einmal über den Krieg. Einer der Gäste führt das große Wort und entpuppt sich als großer Stratege. Unter anderem legt er es haarklein dar, wie Hindenburg es hätte machen sollen, daß er schon längst in Peterburg wäre. Ein Feld­grauer, der vom nächsten Tisch aus zugehört hatte, steht auf, trinkt sein Bier aus, geht auf den Stammtisch zu und setzt sich mit einemSie erlangn scho" auf einen leeren Stuhl. Er stellt sich vor:Christian Meisler, von Zivil Schuhmacher". Der Stammtisch-Feldherr meint natürlich, der Soldat habe sich nur wegen seiner lichtvollen Ausführungen herübergesetzt und stellt sich gnädig nickend, gleichfalls vor:Georg Lacher, Bäcker­meister."So so, a Bäcka san S'" ergreift der Krie­ger gleich wieder das Wort,also aa oana von dene, wo uns jetzt 's Leben verbittern."Wiaw, wie moana S dös?"No ja, alle könnt's koa richtig s Brot mehr backa. Mehl nehmt's z'weni, Kartoffeln z'viel, Hef'n z'weni, Milli wieder z'viel, geh'n laßt ihr's z'weni, backa z'lang ....." Da wird der Bäcker aber wütend:Sie, hör'n S' amal. von Eahna werd' sich a alta Bäckermoasta 's Brotbacka lerna lassn!" Warum not," meint der Feldgraue gelassen, erhebt sich und zündet sein Pfeifchen an,wenn a Bäcka an Hindenburg 's Kriegführ'n lerna möcht' na ko aa a Schuasta anan Backa 's Brotbacka lerna." Sprachs und ging genrütlich hinaus.

Ein he'dmNü.

Es war kurz nach Wechnachten 1914. In mühe­voller Minierarbeit hatten unsere braven Pioniere einen Stollen von der vordersten Stellung nach der et­wa 150 Met. entfernten Alger Archerge angelegt, wo sich ein ganzes feindliches Bataillon eingenistet hatte. Die Sprengung dieses Stützpunktes sollte am 30. Dezember vormittags stattsinden und die beim Feinde zu er­wartende Verwirrung zu einer gewaltsamen Erkun­dung ausgenutzt werden.

Der Fahnenträger des I. Bataillons des 3. Ober- schlesischen Infanterie-Regiments Nr. 62. Sergeant Karl Gach aus Poberschau, Kreis Cosel, welcher sich freiwillig gemeldet hatte, erhielt den Auftrag, unmittelbar nach der Sprengung auf die Au berge vorzugehen, die feindliche Truppengattung festzustellen und, wenn möglich Ge­fangene mitznbringen.

Der Mond stand noch hoch am Himmel, als Gach am 30. Dezeurber kurz vor 6 Uhr morgens mit sei­ner kleinen Schar bereitstand. Erwartungsvolle Stille. Da, Punkt 6 Uhr eine gewaltige Erschütte­rung, ein dumpfes Rollen, eine mächtige Rauchwolke steigt haushoch gen Himmel und legt sich atembeklem- rüumten Gräben nieder. Atemlose Stille doch nur für Sekimöen dann eröffnet der Feind rechts und links der Auberge aus allen Schlüuden ein rasendes Feuer, in der Meinung, daß ein allgemeiner Angriff erfolge.

«ergeant Gach läßt sich nicht beirren. Mfi einigen Mutigen kriecht er aus dem Graben heraus durch die eigenen Hindernisse hindurch und vorwärts auf die Au­berge zu. Noch 80 Meter ist er von ihr entfernt, da sieht er sich einem durch Buschwerk maskierten Graben ge­genüber. der mit Schwarzen voll besetzt ist. Auch der Feind-hat mmmehr die Patrouille erkannt und über­schüttet sie mit einem wahren Geschoßhagel. Gach über­legt nicht lange, Zurückkehren ist sicherer Tod, also vor­wärts. Er soll ja Gefangene mitbringen. Ein energi­schesAuf, nmrsch-marsch!" und todesmutig stürmt die kleine Schar gegen den Feind. Drahthindernisse und feindliche Geschosse bringen manchen zum Fall, aber hinein geht's in den seindlichen Graben, mitten zwischen die Bajonette und die schwarzen Teufel. Gach schlägt zwei Gewehre zur Seite, springt dem einen Kerl in den Nacken und gebt einem anderen riesigen Turko mit ner­viger Faust an die Kehle. Nur ein Gefangener? das ist ihm zu wenig. Er will zwei mitnehmen. Schon hört man das Herannahen von Verstärkungen. Es ist die höchste Zeit, sich zurückzuziehen, aber beide Turkos lei­sten verzweifelten Widerstand. Da gibt er dem einen kurz entschlossen den Todesstoß, der andere taumelt be­zwungen durch die Wucht von Gach's Fäusten willenlos aus dem Graben und eilends gebt es im Kriechen zu­rück, der Schwarze immer voraus.

Trotz heftigen feindlichen Feuers gelangt Gach mit seinem Gefangenen glücklich in die eigene Stellung. Ser­geant Gach, der schon bei einer früheren Gelegenheft für sein mutiges Verhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten hatte, wurde für diesen neuen Beweis seiner Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz 1. Klaffe ausge­zeichnet.

Weitere Drahtnachrichten.

Anfrage über Belgien an Asgnith.

o--- Amsterdam, 17. April. (T. U.) Im englischen Urfterhause fragte, wie dasB. T." berichtet der Ab­geordnete Mason den Premierminister Zlsguith, ob die Regierung die Erklärungen des Reichskauzlers über Betgleu nicht für eine geeignete Grundlage zur Au- knüpfung von Friedensverhandlungen Halte. Asauith antwortete, Mason möchte seine, des Premiers Rede, vor den französischen Parlamentariern nachlesen. Der Unterstaatssekretär des KriegsamteS Tennaut teilte auf Anfrage mit, daß die Gefangenen vonL. 15" in keiner Weise anders oder schlechter behandelt würden als an­dere Kriegsgefangene.

Wandel und Verkehr«

Die Zeichnung auf die 4. ungarische KriegSanleihe wird am 19. April eröffnet und dauert bis zum 23. Mai. ES werden Kproz. Rentenscheins zum Kurse von 97,20 Kronen auSgegeben. Ferner werden s^proz. StaarS- kaffenfcheine zum Kurse von 91,90 auSgegeben. Die Rente kann nicht vor dem 1. November 1921, die StaatS- kastcnscheiue kömren nicht vor dem 1. Dezember 1921 konvertiert werden. Die 5^proz. LtaatSkaffenscheine werden «tut «AM »»nubgtraae tat 1. Juni 19W