ArttüttieSeobachtunMunkte und ttt einer Breite von 1400 Metern auf 6 bis 800 Meter Tiefe auch die feindlichen Jnfanteriestellungen in unsere Hand brächte. In der Champagne versuchten die Franzosen, die am 27. Februar ihnen entrissene Navarin-Stellung wieder in ihre Hand zu bringen,' aber ihren hartnäckigen Bemühungen blieb der Erfolg versagt. Ebensowenig gelang es freilich uns, die am 11. Februar von den Franzosen genommenen Gräben östlich der Champagne zurückzu- erobern.
Auch an manchen Stellen der übrigen Westfront tobten Artillerie- und Grabenkämpfe von wechselnder Stärke und Dauer.
Als bedeutsamste Folgeerscheinung der Kämpfe an der Maas verdient aber hervorgehoben zu werden, daß von Armentieres bis Arras und im letzten Drittel des März auch weiter südlich bis zur Somme die französischen Truppen durch Engländer abgelöst worden sind. Eine besondere Regsamkeit haben diese Ersatztruppen indessen nicht entfaltet. Die Engländer haben auch nicht den leisesten Versuch gemacht, auch ihrerseits angriffs- weise ihre hartringenden französischen Verbündeten zu entlasten.
Um so eifriger haben sich dafür die beiden anderen Bundesgenossen der Franzosen, die Italiener und Russen, bemüht, die Maaskämpfer durch energische Gegenstöße zu unterstützen. Ohne jeden Erfolg.
Bor der deutschen Ostfront waren schon seit dem 10. März Truppenverschiebungen erkannt worden, welche das Bevorstehen großer Angriffe an mehreren Punkten ankündigtem Vom 13. März ab legte sich starkes Ar- tillertefeuer auf einen großen Abschnitt unserer Verteidigungslinien und steigerte sich stellenweise bis zum Trommelfeuer. Es ließ sich erkennen, daß der Feind durch seine Drahthindernisse nächtlicherweile Gassen geschnitten hatte und daß während des Artilleriefeuers bereitgestellte Reserven in die Front einrückten. Am 18. begannen die Angriffe.
Sieben größere Einbruchsstellen hatte der Feind sich zum Ziele seiner Vorstöße gesetzt. In dem Abschnitt südlich Dünaburg begann die feindliche Offensivtätigkeit. Die Gegend zwischen Narocz- und Wiszniew-See, dann weiter nördlich die Gegend von Postawy und endlich ein Streifen nördlich Wiösy wurden von den Russen vom 18. bis 22. täglich mit großer Erbitterung angegriffen. Aber nur an einer Stelle, beim Vorwerk Sta- chowcze südlich des Narocz-Sees, kam es zu einer unbedeutenden Rückverlegung unserer Front in eine neue Stellung, die dann ohne Wanken gehalten wurde. An allen anderen Punkten scheiterte ein russischer Ansturm nach dem anderen unter furchtbaren Verlusten für den Angreifer.
Aber auch nahe Dünaburg selbst stieß der Feind vor und an drei weiteren Stellen in dem Abschnitt zwischen Dünaburg und Riga bei Jakobstadt und weiter dünaabwärts bei Friedrichstaöt—Lennewaden, endlich in Gegend Kekkau und Olai. Auch hier mit gleichem blutigen Mißlingen.
Nach dem völligen Scheitern der Angriffe des 18. bis 22. März führte der Feind frische Truppen heran und begann am 24. und 25. nach neuer und langer Artillerievorbereitung eine weitere Reihe von Anstürmen auf allen früher berannten Punkten. Sie alle brachen an den folgenden drei Tagen vom 24. bis zum 26. blutig zusammen. Und in der Stacht vom 26. zum 27. konnten wir sogar an zwei Stellen, südlich des Narocz- Sees und südlich Widsy, zum Gegenangriff übergehen und den Feind aus einigen für uns unbequemen Punkten seiner ursprungUtchen ötom entfernen. «senoem ist die russische Offensive „eingestellt" — eine Maßregel, die mit der Rücksicht auf das eingetretene Tauwetter cecht kümmerlich begründet wird. In Wahrheit ist die große Entlastungshandlunq des östlichen Verbündeten völlig ergebnislos und unter beispiellosen Verlusten zusammengebrochen.
Vergegenwärtigen wir uns nun noch in aller Kürze, daß auch die italienischen Angriffe an der zähen Kraft unserer Bundesgenossen zerschellt sind, und daß auch hier die Entlastungsosfensive sich in eine Defensive verwandelt hat, bei welcher die Italiener sehr erhebliche Verluste an Blut und Gelände erlitten haben,' daß um Saloniki 300 000 Mann EntentetrWpen festliegen, ohne bisher einen ernstlichen Vorstoß gegen ihre Belagerung zu wagen,' daß Valona eng eingeschlossen ist; daß endlich auf der Kankasusfront der anfangs erfolgreiche Vormarsch zum Stocken gebracht werden konnte, so muß die Kriegslage ant Schluß des bedeutungsschweren März als hocherfreulich bezeichnet werden. Das Gesetz der Stunde diktieren wir. Die gewaltigen Angriffspläne unserer Feinde sind in hoffnungslose Verwirrung geraten. Frankreichs Reserven sind wahrscheinlich größtenteils an der Maas gefesselt und teilweise schon zer- rieben. Seine Hoffnungen auf wirksame Ablenkungs- Handlungen seiner Verbündeten sind gescheitert,' die Lage der Entscheidungskämpfe gestaltet sich von Tag zu Tag bedenklicher für die Verteidigung.
Und während unsere Heere in Ost und West so Großes vollbracht haben, hat auch die Heimat ihren Sieg erfochten. Der Erfolg der vierten Kriegsanleihe läßt die kühnsten Erwartungn hinter sich. Der Zeit- puukt ihrer Ausschreibung im Frühjahr, zu Beginn der Jahresarbeit der Landwirtschaft, war an sich ungünstig,' die Ankündigung neuer Steuerlasten und mancherlei andere Umstände ermutigten unsere Feinde in der Hoffnung, die Beteiligung des deutschen Publikums möchte um ein beträchtliches hinter den fritherenKriegsleistungen unseres Volkes zurückbleiben. Und trotzdem haben die Zeichnungen die elfte Milliarde nahezu erreicht. Es kann nicht anders sehr: unsere Feinde werden erkennen müssen, daß auch auf geldlichem Gebiete Deutschland nicht zu bezwingen ist.
So bleibt unseren Gegnern nur »wch eine kümmer- licbe Hoffnung: der Aushungerungskrieg, der erbärmlichste und unmenschlichste ihrer Kampfmittel. Die Pariser Verhandlungen beweisen, daß die Feinde die löb- Ikbc Absicht haben uns noch mehr als bisher zu blok- kieren, uns noch gründlicher als zuvor von aller Zufuhr abzuschließen. Auch dieser teufliche Plan wird scheitern am harten Willen des deutschen Volkes. Immer mehr vervollkounnen sich unsere Methoden der Verwaltung und Verteilung der vorhandenen Lebensrnittel. Und der nahe Frühling und Sommer wird unserer vaterländischen Erde unter der sorglichen Pflegeschaft der Da- heimgevlievenen reiche Schätze entlocken. Unser Volk wird durch Selbstbescheidnug und freudiges Ertragen mancher Entbehrung den Kampf der Bruder, die am Feinde stehen, unterstützen, und auch unser Heer wird seine Ansprüche gern ein wenig herabsetzen, um auch hierin der Heirnat eilt, leuchtendes Beispiel frohen Opfermutes zu geben.
Der französische Ftnanzminister Ribot glaubte neu- i ich aussprechen zu dürfen, daß es schon möglich sei, den Frieden von ferne zu sehen. Auch wir sehen von ferne einen Frieden, aber es ist nicht der Friede des Herrn Ribot. Um diesen unseren deutschen Frieden zu er- kümpseu, ist uns keine Schlacht zu lang und hart, kein ipser zu schwer.
Kleine Kriegsnachrichten.
. Die Ausgabe der vierten ungarischen Kriegsanleihe rvrrü voraussichtlich noch im Laufe des April erfolgen, und zwar werden auch diesmal bprozentige Renten verausgabt, doch nur in freien Stücken.
Nach der „Wiener Allgem. Ztg." bestätigt es sich, dag die russische Regierung keinerlei Ausfuhrbewilligung nach Rumänien mehr erteilen wird.
Einem aus Valona stammenden Briefe des „Se- colo" zufolge habe Valona das Aussehen einer behag- lrch sicheren Seestadt. Es sei auf jeden Angriff vorbereitet und sein befestigtes Lager gleiche dem Salonikis.
ätiwÄiel
Tapfere Württemberger.
Ein württembergisches Reserve-Jttfamerie-Negi- ment, das vor Verdun kämpfte, wurde durch den Kronprinzen, der schon des öfteren der Tapferkeit und Ausdauer der Württemberger wärmste Anerkennung und hohes Lob zollte, dadurch ausgezeichnet, daß er als Armeeführer dem Regiment unmittelbar eine große Anzahl Eiserner Kreuze beider Klassen überwies mit dem eigenhändigen Zusatz: „Mit einem herzlichen Gruß an meine tapferen Württemberger!"
Ein japanischer Personendampfer gesunken.
Die „Frkf. Ztg." meldet aus Tokio: In der Nähe von Nagasaki ist in der Nacht vom 31. März der Dampfer „Waramatsu Maru" gesunken. 105 Personen sind ertrunken.
Rationen für ganz England.
Angesichts der großen wirtschaftlichen Bedrängnis, in der die Familien der einberufenen Verheirateten sich befinden werden, macht der „Globe" vom 29. März folgenden Vorschlag: Es gibt Häuser und genug Nahrungsmittel für das ganze Volk, nur Geld fehlt. Geld soll zeitweilig ganz außer Verkehr gesetzt werden und jeder Zahlungsverkehr aufhören, bis etwa sechs Monate nach Friedensschluß und in der Zwischenzeit soll der Staat alle Einwohner nach Maßgabe ihrer Bedürfnisse und der vorhandenen Vorräte ernähren. Als Gegenleistung sollen diese arbeiten und wenn sie das verweigern, sollen ihnen einfach die Rationen entzogen werden. Diesen Zustand erklärt das Blatt für ganz erträglich, wenn er einige Monate oder auch länger dauert. Nach seiner Beendigung würde alles fein wie vorher, nur daß einige Monate für die Gelöanhäufung verloren gegangen sein würden.
Vermischtes.
Jmmelmaun, der „Ueberhabicht". „Daily Mall" widmet laut „Frkf. Ztg." dem deutschen Flieger Jmmel- mann einen Artikel aus der Feder von Beach Thomas, den er im englischen Hauptquartier verfaßt hat. Jmmel- mann wird dabei als Ueberhabicht bezeichnet. Seine Methode sei weniger heroisch als wissenschaftlich. Er suche das Abenteuer als solches keineswegs, ebensowenig die Gefahr, wenn er sie vermeiden kann. Er habe allein die Absicht, Flugzeuge zu zerstören, wenn diese es wagten, in seine besondere Domäne einzuörin- gen. Seine Methode sei ganz verschieden von der englischen. Sein Plan sei einfach. Er steige bis zu einer großen Höhe, selbst bis zu 13 000 Fuß, was natürlich nur bei klarem Wetter geschehen kann, wenn die Wol-
Wenn der gewünschte Augenblick ge obachte er das Einfalltermin unter sich ganz genau und schieße in langgestrecktem Fluge darauf zu. Er unter- nehme nur einen Versuch, und wenn er mißlingt, so mache er keinen zweiten Versuch mehr, welchen Grad von Erfolg oder NUtzerfolg er auch gehabt habe. Jm- melmann verdiene zweifellos die enthusiastische Anerkennung, die ihm zuteil werde. Man solle ihm den Titel eines „Adlers von Lille" geben, der Stadt, über die er hauptsächlich feine Flüge ausführt.
Die Fleischversorgnug in Großverlin. Die Besprechungen der Großberliner Gemeinden über die Regelung des Fleischverbrauchs haben über die Gemeinsamkeit des Vorgehens völlige Uebereinstimmung ergeben. Es wurde beschlossen, von der Einführung einer Fleischkarte vorläufig abzusehen und zunächst die Ergebnisse der amtlichen Viehzählung abzuwarten.
3000 Zeitungen und Zeitschriften eingegaugeu. Die Zeituugsliste des Reichspostgebietes für 1916 weist neuerdings 1255 Zeitungen und Zeitschriften auf, die infolge der Kriegszeitläufte ihr Erscheinen einstellen mußten. Die Gesamtzahl der seit Kriegsbeginn ein- gegangeucn deutschen Zeitungen und Zeitschriften ist damit auf 3000 gestiegen.
Schwindel mit einem gefälschten Pfarrfiegel. In den letzten 14 Tagen treibt ein gemeingefährlicher Schwindler in Stadt und Provinz Hannover fein Unwesen. Er gibt vor, ein Jahr lang im Krankenhause in Düsseldorf gewesen zu sein und jetzt mittellos seine in Berlin, Geeftemündc oder anderswo wohnenden Verwandten aufsuchen zu müssen. Er nennt sich Reichert oder Küster oder beliebig anders. Diese Angaben werden bestätigt durch ein Empfehlungsschreiben des Pfarrers Dahlhausen in Düsseldorf und zwar unter Beglaubigung durch das Psarrsiegel der Mariä-Himmelfahrts-Pfarr- kirche in Düsseldorf. Dieses Euwfehlungsschreiben, Unterschrift und Pfarrfiegel sind gefälscht. Gegebenenfalls möge die Verhaftung des Schwindlers veranlaßt werden.
Theatervrarrd in England. Reuter meldet aus Here- ford: Ein furchtbares Trauerspiel hat sich am Freitag in einem hiesigen Theater ereignet. Hier gaben Kinder zu Gunsten der Soldaten eine Vorstellung, als plötzlich ein heftiger Brand ausbrach. Bisher konnten 5 Leichen geborgen werden: 12 schwer verletzte Kinder nmßten ins Hospital gebracht werden.
Ernlekussichlen mit Mrischaftskrast.
Die militärische, volkswirtschaftliche und finanzielle Ueberlegenheit, die Deutschland im Laufe des Krieges seinen Feinden gegenüber gezeigt hat und die mit der Dauer des Krieges immer größer geworden ist, steigert sich unter dem Einfluß unserer guten Ernteausaussichten.
Deutschland ist auf sich selbst gestellt. Es ist dank der militärischen Erfolge in der Lage, ein wesentlich größeres Gebiet für feine Naürungsversorgung heran- zuziehen als sonst. Seine Organisation erleichtert ihm das. Deutschland verfügt auch in der Armee der Daheimgebliebenen über eine zahlreichere und größere Kraftmenge als feine Feinde. Dazu kommt die Arbeitskraft der Gefangenen, deren Zahl bei uns weitaus größer ist als bei unsern Gegnern.
Deutschland wirft also imstande sein, den Bedarf an Nahrungsstoffen für seine Bevölkerung und an Fut- termitieln für sein Viehkapital selbst zu erzeugen. Seine Feinde sind dagegen in noch größerem Umfange als ftü- ber auf ausländische Zufuhr angewiesen. So werden sie tWtz Otter Attürenaungen in immer wettert Wirts
schaftliche unS finanzielle Abhängigkeit vom AuSlcrnK verfallen.
In Deutschland wird daher eine gute Ernte das wirtschaftliche Leben zu noch schnellerem Pulsschlag bringen. als es schon der Fall ist. Infolgedessen wird das Geld, das Blut des Wirtschastskorpers, lebhafter rollen und damit das gesamte Wirtschaftsleben neue Kraft schöpfen für weitere wirtschaftliche und damft auch finan- zielle und militärische Leistungen.
Im Lager der Feinde nehmen dagegen die volkswirtschaftlichen Kräfte dauernd ab. Tue Transportschwierigkeiten und der Frachtraummangel verschlingen Milliarden, die dem „freien Meere" geopfert werden und die im Verein mit den direkten Bezügen aus dem Auslande einem ununterbrochenen Aderlaß gleichen, Sem die geschwächte Wirtschaftskraft der feindlichen Bevölkerung unaufhörlich ausgesetzt ist.
Die Volkswirtschaft der feindlichen Länder liegt zumeist darnieder. Ihr wachsen keine neuen Kräfte aus der Kriegswirtschaft zu. Die noch vorhandenen strömen dagegen in stärkerem Umfange ab. Daher zeigt die Bilanz der Kräfteaufstellung und Kriegswirtschaft schon für die vergangene Zeit, aber in noch größeren: Maße für die kommende Zeit ein Mehr zu Gunsten Deutschlands, das die Wage der Kräfte und damft des Stege- auf Deutschlands Seite neigt.
Wir können daher mit starkem und wachsendem Vertrauen der Zukunft entgegenblicken, dank unserer Kraft und unserer Organisation.
3m IsWirm aus 3500 Meter Höhe.
Die Bedienungsmannschaft der französischen Fesselballonstation vor Verdun, die über etwa zwanzig der von den Poilus wegen ihrer Form „Würstchen" genannten Beobachtungsballons verfügt, wurde kürzlich Zeuge eines außerordentlich ausiegenden Schauspiels. Einer der Fesselballons hatte sich von seiner stählernen Trosse losgelöst und schoß mit beängstigender Schnelligkeit in die endlose Höhe. Nach Lage der Dinge mußte man den in der Gondel befindlichen Beobachter für verloren halten. In dieser Befürchtung sahen sich die Untenstehenden, die in atemloser Spannung der weiteren Entwicklung der Dinge folgten, noch durch die Wahrnehmung gestärkt, daß aus dem Ballon Papierfetzen ausgeworsen wurden und langsam zur Erde herab- flatterten. Offenbar hatte der Beobachtungsosfizier seine Papiere und seine Notizen angesichts der Gefahr, in der er schwebte, zerrissen, um sie nicht in die Hände der Deutschen fallen zu lassen. Plötzlich aber sah man von unten wie sich von dem immer höher steigenden Ballon eine dunkle Masse löste und langsam herabsank. Bald konnte man auch in dem dunklen Gegenstand den Aeronauten erkennen, der, an einem Fallschirm hängend, herabschwebte und nach bangen zehn Minuten nicht weit von der Station entfernt unversehrt zur Erde gelangte Ein Berichterstatter des Pariser „Journal", der den so wunderbar Geretteten am Abend aufsuchte, erhielt aus dem Munde des jungen Offiziers den nachstehenden Bericht über das gefährliche Abenteuer, das er bestanden hatte.
„Ich befand mich in 1080 Meter Höhe auf meinem Beob« achtungsposten", erzählte der Offizier, „als ich plötzlich einen kleinen Ruck in der Gondel verspürte. Ich glaubte zunächst, daß der Telephondraht gerissen sei und kümmerte mich nicht weite: um die Sache. Bald aber sah ich mich gebieterisch genötigt, ihr meine Aufmerksamkeit zu schenken, da ich zu meinem Schrecken bemerkte, daß einer der Fesselballons, der sich noch soeben ir meiner umittelbaren Nähe befunden hatte, sichtlich immer kleine: wurde. Und nun war mir mit einem Schlage auch meine Lage klar. Das Kabel, das mich mit der Erde verband, war gerissen und ich flog steuerlos in die unermeßliche Höhe Ich begriff, daß ich verloren war. Was tun? Vor allem dachte ich an ine Paniere, die unter keinen Umständen dem Keinde in die
eere warf, und dachte dann einen Augenblick daran, mir eine Kugel durch den Kopf zu schießen, um der Gefahr der Gefangenschaft zu entgehen. Zum Verständnis des weiteren muß ich Ihnen erklären, : daß alle Beobachter der Fesselballons mit Rücksicht auf die ihnen drohende Unfallge ahr durch Kabelriß mit einem Fallschirm versehen sind. Weshalb, dachte ich, sollst du den nicht benutzen? Ich war in diesem Augenblick 3500 Mtr. über der Erde. Zeit war nicht zu verlieren. Das an meinem Leibgurt befindliche Seil, das mich mit dem Apparat verband, hat eine Länge von 20 Mtr. Ich mußte dementsprechend einen Sprung von gleicher Ausdehnung ins Leere tun, um den Fallschirm zum Oeffnen zu bringen. Nachdem ich mich durch den Augenschein überzeugt hatte, daß kein Hindernis dem Aufrollen des Seiles im Wege stand, stieg ich entschlossen aus den Rand der Gondel. Einen Augenblick stand ich angesichts des Abgrundes zögernd, dann ließ ich mich in die Tiefe hinunterfallen. Der Fallschirm hatte sich nicht sofort geöffnet. Fünfzig Meter etwa stürzte ich ins Leere hinein. Es war nicht eben ein angenehmer Augenblick meines Daseins, den ich da durchlebtet aber zum Glück dauerte er nur einige Sekunden. Denn ein Blick in die Höhe belehrte mich darüber, daß das Dach des Schirmes sich geöffnet hatte und funktionierte. Diese Wahrnehmung verschaffte mir sofort das Gefühl der Sicherheit und gab mir der Mut, nach unten zu sehen, um mich zu orientieren. Ich befand mich in unmittelbarer Nähe der deutschen Schützengräben, die ich in aller Klarheit vor mir liegen sah. Mein Abstieg nahm weiter seinen ruhigen Fortgang. Als ich noch acht Meter vom Boden entfernt war, erkannte ich aber zu meinem Schrecken, daß mich der Wind in der Richtung des feindlichen Lagers ab« trieb. Von diesem Augenblick an flog ich, von Entsetzen gelähmt, wie ein Blinder ins Ungewisse, unfähig, mir über meine Lage Rechenschaft abzulegen. Schließlich landete ich leidlich glimpflich und ruhig, nachdem ich dreimal hart auf den Boden aufgestoßen und in die Höhe gesprungen war. Ich befand mich dreihundert Meter vom Feinde entfernt. Zwanzig Minuten lang war ich, am Fallschirm hängend, ein Spielball des Windes gewesen."
Die Kühnheit und Entschlossenheit des französischen Offiziers " in Ehren, aber bei seinem „lähmenden Entsetzen" vor verdeutschen Gefangenschaft ist doch wohl auch ein wenig Renommage. Untere Truppen würden den mutigen Feind, wäre er wirklich in den deutschen Linien gelandet, selbstverständlich mit der ihm Ankommenden Achtung ' e andelt haben.
Weitere Drahtnachrichten
Wie lange Asqvith noch kümpfen will.
»-£ Bern, 11. April. lT. U.) Den „N. Zürch. Nachrichten" zufolge habe der Besuch des englischen Premierministers beim Papst im Vatikan feinen guten Eindruck hinterlassen, da Asquith während der halbstündigen Audienz u. a. der Meinung Ausdruck gegeben habe, daß der Krieg zum Mindesten noch fünf Jahre dauern werde. Der Heilige Vater, der sich wie ein wahrer Vater zwischen die streitenden Söhne werfe, habe so die englische Ankündimniq eines endlosen KriegeS bis zur Vernichtung anhören müssen. . „
AsculitS nimmt ja, wie nur winen, gern den Mund reichlich^voll.
Anarchistisches Komplott aegeu die europäischen Staatsoberhäupter?
** Basel, 11. April. (T. U.) Dem „Petit Journal' wird auS London laut „B. L.-A." gemeldet: Nach einem Telegramm aus Cbikaao hat man in dieser Stobt ein anarchistisches Komplott zur Ermordung aller europäischer Staatsoberhäupter entdeckt. Eine Erklärung des Generalstaatsanwalts bestätigt daß die Liste der Opfer mit dem Zaren und dem beut sehen Kaiser begann.