Neuer Ententeschritt in Griechenland?
<m> Athen, 7. April. (T. U.) Wie verlautet, stoßen nach dem „B. L.-A." die Verhandlungen mit dem Vierverband zwecks Aufnahme neuer Anleihen auf große Schwierigkeiten. Die italienischen, englischen und französischen Gesandten befnchten gestern wieder Skuludis. Man glaubt, daß es sich um eine Kollektiv-Demarche seitens der Ententemächte hartdelt.
Es verlautet, die Entente wünsche weitere Zugeständnisse von Griechenland, ihren mazedonischen militärischen Befestignngen gegenüber. Die ganze Slthener Presse betont die Notwendigkeit, die Entente zur milrtäri- schen Räunnlng Salonikis zu zwingen, um einLuftbom- bardcment der Stadt zu vermeiden. Sie erkennt zum größten Teile an, daß die Entente, falls sie nicht hierauf einginge, eine schwere moralische und politische Berallt- wsrtung übernehme.
, KriegsMerlel.
Glückwunsch des Kaisers an den Kanzler.
den kraftvollen
Der Kaiser hat den Reichskanzler telegraphisch zu den kraftvollen Worten beglückwünscht, mit denen er im Reichstag von neuem unsere Stellung zu Vergangenheit mtb Zukunft dargelegt habe.
Politische Rundschau.
Die Herabsetzung der Mtersgrenze. Der dem Reichstag zugegangene Entwurf eines Gesetzes betreffend die Altersrente und die Waisenrente in der Invalidenversicherung ändert § 1257 der Reichsversicherungsorvnung wie folgt: „Altersrente erhält der Versicherte vom vollendeten 65. Lebensjahre an, auch wenn er noch nicht invalide ist." 8 1292 erhält folgende Fassung: „Der Anteil der Versicherungsanstalt beträgt bei Witwen- und Witwerrenten drei Zehntel, bei Waisenrenten für eine Waise drei Zwanzigstel, für jede weitere Waise etn Zwanzigstel des Grundbetrages und der Stergerungs- iätze der Invalidenrente, die der Ernährer zur Zeit seines Todes bezog oder bei Invalidität bezogen hätte."
liniäNumg Der Sommerzei! zm 1. Mai.
Berlin, 6. April. (Amtlich. WTB.) Der Bundesrat hat heute beschlossen, daß in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September 1916 an Stelle der mitteleuroparschen Zeit, die in Deutschland durch das Reichsgesetz vom . 12. März 1893 eingeführt ist, als gesetzliche Zeit die mittlere Sonnenzelt des 30. Längengrades östlich von Greenwich gelten soll. Das bedentet, daß die Uhren für diese Zeitspanne um eine Stunde vorgeftellt find. Demgemäß wird der 1. Mai 1916 bereits am 30. April 1916 nachmittags 11 Uhr beginnen, der 30. September 1916 aber um eine Stunde verlängert werden, damit am 1. Oktober 1916 die mitteleuropäische Zeit wieder in Kraft treten kann.
Die „Sommerzeit" wird also kommen. Ein Vorkämpfer des Plans, Herm. Rese in Hameln, hatte an ‘ " «den Körperschaften in Deutschland eine __________ ' »er er crrrpwm,-ch^MMMrM am 1. Mai oder 1. ..pril eine Stunde vor- und am 1. Oktober wieder auf den alten Stand zu rücken. Bon der Sommerzeit heißt es: Man wird dann, wenn man morgens um 6 Uhr aufsteht, in Wirklichkeit schon um 5 Uhr aufstehen und abends, wenn man um 11 Uhr zu Zeit geht, in Wirklichkeit um 10 Uhr. Tue schulen, welche im Sommer um 7 Uhr anfangen, werden dann in Wirklichkeit schon um 6 Uhr beginnen, dafür aber auch/ statt um 12 Uhr zu schließen, in Wirklichkeit, schon inn 11 Uhr schließen, und man möge sich nun einmal vergegenwärtigen, wie wesentlich es ist, daß die Kinder in der heißen Mittagglut nicht mehr in der Schule zu sitzen brauchen. Die sämtlichen Eisenoahnzuge, welche z B. um 8 Uhr abgehen, fahren m Wirklichkeit schon um 7 Uhr und so würde sich durch das einfache Borstellen der Uhren alles im Leben gewissermaßen automatisch garrz von selbst regeln. Der Arbeiter, der um 8 Uhr Feierabend macht, tut dies ni Wirklichkeit ichon um 5 Uhr und gewinnt dadurch eine Nachnnttagsstunoe, die feiner Land- und Gartenarbeit zugute kommt. Die Geschäfte, die um 8 Uhr abends schließen, tun dies m Wirklichkeit schon um 7 Uhr und wie angenehm wird vielen die dadurch am Abend gewonnene Erholungszeit um 1 Stunde sein, was man namentlich gegen Ende August und im September, wo es sonst schon gegen 9 Uhr dunkel wird, sehr angenehm empfinden wird.
Jeulsche Heldentaten.
Selbstaufopferung.
Nachdem die ganze Nacht.hindurch die feiliüliche Artillerie gehörig gearbeitet hatte, eröffneten die Franzosen am Ntorgen auf den Graben der 3. Kompagme ein rasendes Kreuzfeuer voll Minen und Schleudergranaten und drangen in den vorder« Graben ein. Doch bald hatte sich ein Handgranatelltrupp gebildet, der in klihnem heißen Ringen unter Leutilant HUpka und Bizefeld- webel Ulber von Barrikade zu Barrikade vordrang und so dem Feinde seine Beute wieder abzagte. Noch während rinasum Handgranaten platzten, ine Splitter, Maschinen^ durcheinandersausten. Getroffene zusalmnenbrachen, grub Offizier- Siellvc-rtrete r Woide, Elektrotechniker aus Breslau, ein alter Soldat, selbst Vater von 11 Kindern, in aller Seelenruhe hemdsärmelig die Verschütteten aus. Ullbcirrt arbeitete er weiter, auch als seine Kameraden wegen Mangel all Handgranaten Schritt für Schritt zurück- wichen. Jetzt erst recht spannte er seine Kräfte bis zum Aeutzersteli an, sein Rettungswerk zu vollende«. Leider mußte der treffliche Mann, der selbst zwei .Kameradell das Leben rettete, für seine Kameraden sein Leben lassen,- wenige Stunden später fiel er im Granatfeuer.
Ei« tapferer Friseur.
Der Schütze, nunmehrige Unteroffizier Fritz Hiero- numus, einer Festungs-Maschmeng^
ein Friseur aus Würzburg, der sich, obgleich infolge einer Operation körperlich stark benachteilrat, zu Beginn des Krieges freiwilllg zum Heeresdienst gemeldet hatte, beteiligte sich, mit zwei Patronenkasten schwer beladem das feinölicke heftige Artilleriefeuer nicht achtend, in vorderster Linie an dem Sturm auf die Höhe von Barr de Sapt. Als ein anderer Mann seiner Ge- wehrbedieuuna Mnver verwundet wurde, legte Hiero- nymllS, selbst leicht verwundet, diesem den ersten Notverband an und ließ sich erst nach seinem Kanreraden verötnöeu. Trotz seiner Verwundung arbeitete Hiero- nynntS, nachdeul die befohlene Linie erreicht war, wacter am ÄtoM M MaschineugLivLhrs M, W
auch dann noch in der vordersten Linie, bis ein heftiger Gegenstoß der Franzosen glücklich abgewiesen war und verließ erst seinen Posten, nachdem er von seinem Zugführer ausdrücklich aufgefordert war, den Verbandplatz aufzusuchen. Seine Ausdauer, Selbstverleugnung und Tapferkeit wurden durch Verleihung des Eifernen Kreuzes II. Blaffe anerkannt.
Selbständigkeit.
Der durch die stundenlange Artillerievorbereitung aufgewühlte Boden, die zahlreichen umgestürzten Bäume, die Trümmer der französischen Unterstände und die unentwirrbaren Reste der feindlichen Drahthindernisse, nicht zuletzt aber der sich heftig zur Wehr setzende Gegner, ließen die angreifenden Truppen nicht gleichmäßig vorwärts kommen. So geschah es, daß zunächst nur etwa ein Zug Infanterie gleichzeitig mit dem Ma- fchinengewehr den jenseitigen Waldrand besetzte. Ehe noch die rechts und links nachfolgenden deutschen Truppen sich durch das urrwegsame Gelände einen Weg bahnend, vorwärts kommen konnten, zwang ein überlegener französischer Gegenstoß die schwachen deutschen Kräfte zur vorübergehenderi Aufgabe der kaum gewonnenen Stellung. Der Gewehrführer Unteroffizier d. Res. Thurn unterhielt, im heftigen feindlichen Jn- fanteriefeuer ausharrend, ein wohlgezieltes Maschinengewehrfeuer auf den herankommenöeu Feind und ermöglichte so der Infanterie die Loslösung vom Gegner unter verhältnismäßig geringfügigen Verlusten. Erst dann befahl Thurn die Zurücknahme des Maschinengewehrs und des übrigen vollzähligen Gerätes. Als die inzwischen nachgekommenen Nachbartruppen ein neues Vortragen des deutschen Angriffes gestatteten, besetzte Thurn mit seiner wackeren Bedienungsmannschaft neuerdings die wiedergewonnene vordere Linie, welche dann auch dauernd gehalten werden konnte. Unteroffizier Thurn, dessen Zugführer infolge der großen räumlichen Trennung und der Unübersichtlichkest des Geländes auf die Führung dieses . Maschinengewehrs keinen unmittelbaren Einfluß ausüben konnte, wurde für sein selbsttätiges, mutiges und entschlossenes Handeln mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
Vermischtes.
Ueber 7500 Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse. Die Zahl der Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse belauft sich auf über 7500. Außer 56 fürstlichen Truppenführern tragen 266 Generale und 7 Staatsnnnister bezw. Beamte die erste Klasse. 5081 Offiziere sind bereits mit beiden Klassen des Ehrenzeichens ausgezeichnet, ebenso 867 dem Unteroffiziersstande an- gehörende Personen. Ferner sind nicht weniger als 202 dem Mannschaftsstanöe angehörende Ritter und Inhaber. Bei der Feldfliegertruppe und den Lustschifter- abteilungen tragen 327 die erste Klasse und in der Marine sind es 317. Vom Sanitäts- und Veterinärwesen sind bereits 77 Ritter und Inhaber und bei dem Jnten- danturpersonal 24. Auch die Feldpost hat 3 aufzuwei- sen, das Freiwillige Automobilkorps 2 und das freiwillige Motorbootskorps einen Ritter erster Klasse. Ebenso tragen 2 Divisionspfarrer beide Klassen des Eisernen Kreuzes.
Der Schuljunge als Einbrecher. Aus Halberstadt wird berichtet: Wie ein gewiegter Spitzbube ist der 13
zu Werke gegangen, der ihn vor die hie gebracht hat. In der Beweisaufnahme wurde folgender Tatbestand festgestellt. Der Angeklagte sprach auf der Straße einen 5jährigen Knaben an und ließ sich in dessen elterliche Wohnung mitnehmen. Hier befand er sich mit dem Kinde allein und begann nun sofort zu fragen, wo die Eltern ihr Geld anfbewahrten. Der Kleine wies in seiner Unschuld auf einen Schränk und half dann dem Angeklagten noch, aus tiefem eine Kassette hervor- zuholen. Leicht erbrach die Kassette mit einer Scheere und eignete sich den Inhalt an. Er bestand aus zwei Sparkassenbüchern, Bargeld und Wertpapieren. Der junge Spitzbube hob einen runden Betrag von den Sparkassenbüchern ab und trat mit seiner Beute eine Vergnügungsreise an, die ihn u. a. nach dem Harz führte. Schließlich fiel er einem Beamten in einem Kino in Thale a. H. auf, der den jugendlichen Verbrecher fest- nahm. Angesichts der Raffiniertheit der Tat erkannte der Gerichtshof trotz der Jugend des Angeklagten auf eine Gefängnisstrafe von einem Monat.
Der Rausch in der Badewanne. Eine außerordentlich interessante Beschäftigung war am Mittwoch mittag der Charlottenburger Feuerwehr zuteil geworden. In einem Hause der Lindenallee in Westend hatte eine Dame, bevor sie ein Bad nahm, ein größeres Quantum Kognak getrunken. Als sie dann in der Badewanne lag, wurde die ziemlich Angetrunkene ohnmächtig. Da es den Angehörigen nicht gelang, die regungslos in der Badewanne Liegende herauszubringen, alarmierten sie in ihrer Aufregung die Feuerwehr, die mit einem Zug anrückte. Den Samaritermannschaften gelang es mit Leichtigkeit, die korpulente Dame aus der Wanne herausznheben, schwerer wurde es ihnen, die Frau aus ihrem Mordsrausch zum Bewußtsein zurückzubringen.
Aussaat im ganzen 3 Tonnen oder 35
- Sparsamkeit beim Auspflanzen der Kartoffel«. Bei der Aussaat von Kartoffeln muß möglichst sparsam vorgegangen werden. Da die diesjährigen Kartoffeln ungewöhnlich groß sind, darf man sich die Mühe des Zerschneidens nicht verdrießen lassen. Daß man mit zerschnittenen Saatkai-toffeln volle Erträge erzielen kann, ist jedem Landwirt bekannt. Bei den heutigen Preisen ist aber das Zerschneiden der Kartoffeln sehr lohnend. Es ist berechnet worden, daß bei der Aussaat im ganzen Reich leicht eine Menge von 1750 000 Tonnen oder 35 Millionen Zentner erspart werden können. Für das Zerteilen der Saatkartoffeln ist folgendes zu beachten: Will man beide Schnitteile zur Saat verwenden, fo schneidet man vom Kronenende nach dem Nabelende zu. Will man nur die eine Hälfte zurSaat benutzen, so nimmt man dazu das Kronenende und verwendet das Nabel- ende zu wirtschaftlichen Zwecken. Will mau noch mehr teilen, was bei besonders wertvoller Saat möglich ist, so muß man darauf achten, daß an jedem Teilstück sich mindestens ein Auge befindet. Die Teilstttcke können unmittelbar nach dem Zerschneiden mit den Schnittflächen nach unten ausgelegt werden. Schneidet man einige Tage vor dem Auslegen, so überziehen sich die Schnittflächen mit Wundkork, der sie vor Fäulnis schützt. Auf allen leichten und trockenen Böden ist das Schneiden un-
bedenklich, nur auf ganz schwerem und feuchtem Boden besteht tue Gefahr, daß einzelne Schnittstücke in Fäul- nis itbergehen und nicht keimen.
Heiteres vom Tage. Das Lampenfieber. „Ach, Herr Direktor, ich habe so schreckliches Lampenfieber und der Saal ist ganz voll!" „Nur Mut, Fräulein, sobald Sie die ersten Töne- gesungen haben, dann wird der Saal gleich leer sein!" Amerikanischer Witz. Da England nunmehr die verheirateten Männer einberuft, scheint es also doch erkannt zu haben, daß es in der gegenwärtigen Krise im Kampfe erfahrene Männer be-
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Ein paar Begebenheiten, die der Oberpräfident von Ostpreußen in einem Bortrag (mitgeteilt im Königsb. Gemeindebl.) vor kurzem erzählte, beleuchten grell diePrüfungszeitderOstmark, eheHindenburg den Heimatboden befreite. Anfang November 1914 mußten auf militärische Anordnung die bedrohten Grenzkreise vom gesamten Vieh- und Pferdebestand geräumt werden. Die Kreise wurden mit Vertrauensleuten der Landwirtschaftskammer besetzt, die an den wichtigsten Eisenbahn- und Heerstraßen-Knotenpunkten für die Tiere Abnahmestellen errichteten. Durch Maueranschläge, durch Mitteilung von Mund zu Mund und soweit noch Zeit war durch Zeitungsaufruse wurden die Besitzer aufgefordert, ihre Tiere den Vertrauensleuten zuzuführen. An einzelnen Stellen wurden täg- lich taufende von Rindern und Pferden übernommen. Da Frost eintrat, konnten die Tiere nicht über einen Tag an den Stellen gehalten werden. Der Andrang war derart, daß z. B. an einem Platz ein Vertrauensmann 97 Stunden Vieh abnahm, bis er zusammen brach und ein Ersatzmann eintreten mußte. Aus diese Weise wurden in wenigen Wochen 86,000 Rinder und 36,00 Pferde vor dem Feind gerettet und hinter die Weichsel gebracht, um zum Teil verwertet, zum Teil durchgehalten und zurückgegeber zu werden.
Einige Erfahrungen im Verwüstungsgebiet geben fesselnd« Einblicke in den Dolkscharakter. Einer Frau sollten die beider Söhne von den Russen weggeschleppt werden. Sie ließen sich die Füße verbrühen, damit die Russen wegen der Brandblasen sie nicht mitnehmen konnten. Eine andere Frau erzählte nach der Rückkehr von der Flucht: „Uns ist gut gegangen. Wir waren unser dreißig, hatten gutes Wetter und Essen und sind wieder nach Hause gekommen. Es sind nur zwei Kinder gestorben, aber die waren ganz klein, und zwei Frauen, die waren schon alt" Wie ein groteskes Märchen endlich klingt die folgende Begebenheit: Der Oberpräfident sah in einer zerstörten Stadt ein paar Jungen auf einer Brandstätte arbeiten. Auf die Frage, was sie da suchten, sagte der eine: Die Russen haben den Vater verbrannt. Die Mutter möchte Begräbnis machen und wir sollen die Knochen sammeln. Es gibt für jeden Knocke einen Dittchen (10 Pfg.) Und so sammeln sie um die Wette.
der verpönte Pfennig.
Ein norddeutsches Blatt veröffentlichte kürzlich folgende Einsendung:
"Die Hausfrauen machen die unliebsameEntdeckung, daß viele Geschäftsleute das Verliner System der Ausrundung von Teilbeträgen im Einkauf täglicher Bedarfsartikel zu ihrerr Gunsten anwenden. Wenn das Pfund 1,80 Mark kostet, so kosten nach dieser neuen Art M Pfund rund 1 Mark. Der jetzige Weltkrieg und die durch ihn hervorgerufene Teuerung zwingt jeden von uns, das Geld zusammenzuhalten und vor der Ausgabe jeden Pfennigs zu überlegen, ob die betreffende Ausgabe auch wirklich notwendig ist. Besonders ist dieses der Fall bei der minderbegüterten Klasse, wo mit denselben Einkünften von früher vergrößerte Wirtschaftsausgaben zu bestreiten sind. So unwesentlich, wie diese „Pfennige" auf den ersten Blick scheinen mögen, so spielen sie doch bei den Haushaltungsausgaben unendlich vieler Leute eine Rolle, zumal es jetzt kaum etwas gibt, was nicht teurer geworben wäre. Die Händler dürften doch wohl beim Ansetzen des genauen Teiles des Pfinidpreises — auch ohne Zlürundung — ihren entsprechenden Verdienst haben, so daß dieselben wohl kein Verlust träfe. Das Ersparen dieser abgerundeten Pfen- ^edeuiung sein
Korr." gründ«a . en. Daß Sprichwort: „Wer den Pfemiig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert" seine Geltung fast ganz verloren Hat, ist sehr bedauerlich. Die Nlißachtung des Kupfergeldes in Deutschland und speziell in Norddeutschland bedeutet in ihren praktischen Folgen eine ganz unglaubliche Vergeudung von Volksvermögen und Sparkrast. Ist es doch so weit gekommen, daß Kupfergeld nicht mehr gut genug als M- mosen gilt. Nicht ganz richtig erscheint es aber, die Schuld daran den Geschäftsleuten in die Schuhe zu schieben, vielmehr ist zunächst das ganze Publikum daran schuld, das sich oft genug weigert, überhaupt Kupfergeld anzunehmen. Niemand sollte sich genieren, alle Beträge auf die Pfenn-ge auszurechnen mrd sich auszahlen zu lassen, sowie entsprechend seinen Verpflichtungen nach' zukommen. Die Geschäftsleute werden sich hüten, gegen ben Willen des Publikums die Aufrundung nach oben vorzunehmen. Und wenn man die Pfennige nicht für die Armenbüchse oder eine der Kriegspfennigsautinlun- gen bestimmt, so richte man den Kindern eine Pfennigsparbüchse ein. Die werden bann bald zur Einsicht gelangen, daß und wie aus Pfernftgen Taler werden.
Bündel und Verkehr»
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
In der am 5. April abgelaufenen Berichtswoche gestaltete sich der Verkehr in Futtermitteln sehr ruhig. Sehr befriedigende Berichte über den Stand der Saaten und die schöne warme Witterung gaben zu der Erwar- tnng Anlaß, daß eine baldige Entwickelung der Wiesen und Kleefchlüge die Sorge um die Futtermittel schon in kurzem wesentlich erleichtern werde. Demgemäß kauften die Verbraucher nur für den nächsten Bedarf, und die Preise konnten sich zum Teil nicht voll behaupten. Start angeboten waren Runkelrüben, der Verkauf darin ist recht schwierig geworden. Im Gegensatz zu der Stille am Futtermittelmarkt stand die lebhafte Nach- srage, die für alle Arten Saatartikel herrschte. Für- Wicken, die nur sehr knapp angeboten waren, wurden im Großhandel 100 .<Li per Doppelzentner und selbst darüber geboten. Saatlupinen stellten sich ab Station auf 86 X, währen Lokoware ab hiesigem Lager 90 erzielte. Auch für beste Viktoria-Erbsen zur Saat bestand sehr lebhafter Begehr. Das Geschäft der Saatkartoffeln war schwierig, da in melen Fallen die Freigabe von den Landräten verweigert wurde. Im OlromkmM wurden nachstehende Preise bekannt: Spelzspreumeül 32 bis 36 X, je nach Qualität per 100 Kilo in Waggons wur- Station: Runkelrüben 2,30 X per Zerckner in Waggons ab Station. Saatkartoffeln, frühe, 8,50 bis 9 X, andete 6,50—7,50 X per Zentner je nach Sorte, in Wacmono ab Station: Saatwicken 100 bis 110 X; Saatlupinen 85 bis 86 ./Z, Saatpferdebohmn 86 X; Saatpetuschken 105 X alles per 100 Kilo ab Station. Viktoria-Erbsen zur Saat 100 bis 105 X; Saatgemenge (Wicken, Hafer und Gerste) 80 X. per 100 Kilo ab Station.
Lebendgewichtpreise des städtischen Viehmarktes Ochsen, Bullen, Färsen, Kühe, Jungvieh nicht notiert Kälber: Doppelleuder feinster Mast —,— x, feinst« Mastkälber 170 X, mittlere Mast- und beste Saugkälber 150—165 X, geringere Mast- und gute Saugkälber 14( bis 145 X, geringe Saugkälber 100—135 X. Schafe Mastlämmer und jüngere Masthamurel 186—138 X ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut ge nährte junge Schafe 115—180 X, mäßig genährte Ham