Einzelbild herunterladen
 

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

*____________ * ,

ZenWer

für den Kreis Hersfeld

Mi

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, tm amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, i

Nr. 83.

Freitag, den 7. April

1916

«Ntlichrr Teil.

Befehl.

Auf Grund des § 9b des GesE über den Be­lagerungszustand befehle ich:

Alle Besitzer und Ver,-Msu von Gummi­bereifung für Kraftfahrzeug^beitet,. ihren Bestand unverzüglich, spätestens jedochJUten 15. April 1916, der Königlichen Inspektion des Kr fahrwesens in Berlin NW., Friedrichstraße Nr. 100, anzumelden und zwar auch dann, wenn sie die Bereifung schon früher angemeldet haben.

Die Anmeldung muß Zahl, Art und Abmessung der Bereifung, Wohnort, Straße, Hausnummer und Namen des Anmeldenden in deutlich lesbarer Schrift enthalten.

Befreit sind nur die von der Königlichen In­spektion des Kraftfahrwesens ausdrücklich frei­gegebenen und die auf den laufenden Rädern erneut zugelassener Kraftfahrzeuge befindlichen Stücke.

Cassel, den 27. März 1916.

Der Stell». Komandierende General des 11. Armeekorps, gez. von Haugwitz, General der Infanterie.

* Hersfeld, den 3. April 1916.

Wird veröffentlicht.

Tgb. No. L 3899. Der Landrat.

B.:

Funke, Kreissekretär.

Anordnung über das Schlachten von Schaflämmern.

Stellvertreters des Reichskanzlers über ein Schlacht­verbot für trächtige Kühe und Tauen vom 26. August 1915 (Reichs-Gesetzblatt S. 515) wird hierdurch folgendes bestimmt:

§ 1.

Das Schlachten der in diesem Jahre geborenen Schaflämmer wird bis zum 15. Mai d. J. verboten.

§ 2-

Das Verbot findet keine Anwendung auf Schlachtungen, die erfolgen, weil zu befürchten ist, daß das Tier an einer Erkrankung verenden werde, oder weil es infolge eines Unglücksfalles sofort ge­tötet werden muß. Solche Schlachtungen sind inner­halb 48 Stunden nach der Schlachtung der für den Schlachtungsort zuständigen Ortspolizeibehörde anzu- zeigen.

Das Verbot findet ferner keine Anwendung, auf die aus dem Ausland eingeführten Schaflämmer.

§ 3

Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden gemäß § 5 der eingangs erwähnten Bekannt­machung mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft.

§ 4

Die Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Be­kanntmachung im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger in Kraft.

Berlin, den 27. März 1l6.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Freiherr von Ichorlemer.

* * *

Hersfeld, den 6. April 1916.

Wird veröffentlicht.

Tgb. No. I. 4124. Der Landrat.

Bus der Heimat.

Philippsthal, 4. April. Die Leiche eines neuge­borenen Kindes wurde zwischen Heringen und Wölfershausen an das^Werrauser gespült. Die Her­kunft der kleinen Leiche ist unbekannt.

Cassel, 5. April. In den letzten Tagen sind eine Anzahl französischer Gefangener, die besseren Ständen angehören, aus dem Niederzwehrener Gefangenen­lager an Arbeitsstellen geschafft worden, wo sie mit der Kultivierung der Moore beschäftigt werden sollen. Es handelt sich hier um eine Vergeltungsmaßnahme, da bekannt geworden ist, daß die deutschen Gefangenen, die besseren Ständen angehören, so Professoren und Gelehrte, in Frankreich zu ganz gewöhnlichen Ar­beiten gezwungen werden. Den von der Vergeltungs­maßnahme betroffenen französischen Gefangenen ist gestattet, ihren Angehörigen in Frankreich den Grund ihrer Verwendung bei den Moor-Kulturen mitzu- teilen.

Eisenberg, 1. April. Beim Holzsammeln in der Stadtwaltung, wo zur Zeit Arbeiter mit Fällen von Bäumen beschäftigt sind, wurde gestern die 30jährige ledige Arbeiterin Rösel von einem umstürzenden Baum getroffen und so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb. Der Stadtrat beschloß, eine Katzen- steuer einzuführen,- das Ortsgesetz über diese neue Abgabe ging den Stadtverordneten bereits zur Ge­nehmigung zu.

Alt-Wildunge», 3. April. Eine große Freude wurde dieser Tage unsern bedürftigen Frauen und Eltern der Kriegsteilnehmer zuteil, als sie erfuhren, daß sich der Pächter der hiesigen Domäne, Herr Wicke, bereit erklärt hat, denselben kleine Schweine zum Preise von nur 25 bis 30 Mk. das Paar zu überlassen, gegenüber den hier gezahlten Preisen von 80 Mk. und darüber. Gewiß eine Tat, die volle Anerkennung

"AMriM - fljfS^fftklttM««""KÄ* Ä&M^imm^^ w

Erzählungen eines norwegischen Schiffskapitäus.

Tidens Tegn" veröffentlicht die Schilderung eines norwegischen Schiffskapitäns, der Augenzeuge der Ver­senkung desEnglishman" war. Der Kapitän erzählt nach derFrist. Ztg.:

Wir befanden uns am 24. März mittags nördlich von Irland an Bord. Einige Seemeilen entfernt be­merkten wir den großen 10 000 Tonnen-Viermaster Englishman" mit starker Schlagseite in sinkendem Zu­stande. Ein paar tausend Meter von dem englischen Schiff lag ein großes Uboot ruhig über Wasser, dessen Mitschiff mit dem Turm gut sichtbar war. Die Länge des Ubootes war nicht feststellbar- was jedoch sichtbar war, ließ keinen Zweifel, daß dieses Boot bedeutend größer als irgend ein früher gesehenes Nboot war. Na­türlich war das Uboot deutsch, denn England torpediert doch nicht seine eigenen Schiffe. Nationalzeichen, Num­mer oder ein anderes Zeichen trug das llboot nicht. An Bord des Dampfers, der sehr hoch über Wasser lag, be- merkten wir keine Lebenszeichen, die Davits waren je­doch ausgeschwnngen. Wir waren 30 Seemeilen von Land und sahen nach Rettungsbooten derEnglishman" aus, wobei wir drei vollgepfropfte Boote entdeckten, auf die wir losstenerten. Wir kamen zwischen zwei Rettnngs- boote, deren etwa 60 Insassen wir an Bord nahmen, da­runter befanden sich der Kapitän, der erste Steuermann und zwei Telegraphisten,- auch zwei Leichen waren auf den Booten, ein Heizer nnb ein Kellner. Das dritte Rettungsboot mit über 30 Insassen wurde von einem britischen Torpedojäger geborgen, der mit mindestens 30 Meilen Fahrt herbeiestte. Während der Annäherung dieses Torpedojägers und dessen Bergungsarberten blieb das Nboot ruhig die paar Seemeilen entfernt liegen.

DerEnglishman" war von Evonmoutü bei Bristol nach Portland ulRaine) unterwegs, er führte Vieh und Korn für England. Die Besatzung betrug 106 Mann, darunter viele Amerikaner und Kanadier, außerdem Cattleboys zum Neberwachen des Viehs auf der Rückreise die mit demEnglishman" schon viele solcher Fahrten

gemacht hatten.

Während der geschilderten Vorgänge kam ein zwei­ter englischer Torpedojäger mit mehreren armierten Fischdampfern an, die die Mannschaft desEnglishman" an Bord nahmen und landeten. Dien- Kriegsschiffe wa­ren drahtlos vomEnglishman" herbeigerufen wordem als das llboot die Beschießung begonnen hatte. Erst nachdem die Bergung der Mannschaft, beendet war, wur­de mit der Verfolgung des Ubvotes begonnen. Das N- boot entkam jedoch den zwei Jägern durch schnelle «va.lut und Tauchen, es entfernte sich in nordwestlicher Rich­

tung.

Der Kapitän desEnglishman" erzählte dem Nor­weger noch, sein Dampfer hätte eine andere .Route als die gewöhnliche eingeschlagen, er wäre nämlich nördlich statt südlich gefahren, weil südlich deutsche Uboote gemeldet wären. Trotzdem seien sie den Ubooten direkt in du Arme gelaufen. Mittags um 12,20 wäre das Uboot auf­getaucht und hätte denEuglichmau mit seinen Deck- kanonen, jedoch nicht mit Torpedos beschossen.

Sleuerangst in Frankreich.

In der französischen Kammer fand kürzlich eine in- teressante Auseinandersetzung über die Frage der Rot- wendigkeit von Kriegssteuern statt. Die VerarUassuna war die Forderung eines sozialistischen Deputierten, daß

oer Mnanznnnmer enorm, Treuern vorrwragen momte, um das Defizit im Staatshaushalt zu decken und den Schulöendienst zu sichern. Der Finanzminister Ribot erwiderte: Er teile diese Sorgen und habe die Sache reiflich überlegt. Wenn er trotzdem keine Steuervorla­gen an das Parlament gebracht habe, so fei der Grund nicht Mangel an Vorsorge, noch Mangel an Mut. Der Grund sei vielmehr, daß er sich habe fragen müssen, ob die Stunde gekommen sei, in diese Diskussionen einzu- treten, und ob genügende Aussichten für die Erzielung der notwendigen Einhelligkeit vorhanden seien. Der offi­zielle Sitzungsbericht verzeichnet bei diesem Eingeständ­nis der Hilfslosigkeit merkwürdigerweise Beisall. Der Finanzminister beklagte sich bann bitter, daß die Alko­holsteuer seit Atonalen unerledigt in einer Kommission liege, und auf Zwischenruf antwortete er:Jedermann in dieser Kammer sagt, Steuern sind nötig, wir sind bereit, sie zu bewilligen. Aber wenn wir an die Un­terhaltung über diese Frage herangehen, sei es mit der Budgetkommission, sei es mit andern, dann wird jede Steuer der Reihe nach verworfen." Der Präsiden; ber Budgetkommission, Herr Klotz, früher selbst Finanzmini- ster, wiedrsprach lebhaft, aber Herr Ribott antwortete: Herr Klotz wird mich nicht berichtigen, wenn ich sage, daß jede Steuer, über die wir uns in der letzten Zeit in freier Besprechung unterhalten haben, alsbald einer Kritik unterzogen wurde, die der Regierung zeigte, daß sie die größten Schwierigkeiten finden würde, sie in der Kammer durchzubringen". Es folgten weitere heftige Unterbrechungen, die das Bild der Zerfahrenheit noch verstärkten. Der Finanzminister schloß diesen Teil seiner Ausführungen mit den Worten:Sie werden verstehen, meine lereren. daß unter diesen Verhältnissen eine Re­gierung, die sich ihrer Verantwortlichkeit bewußt ist, überlegt, sich Zeit nimmt und sich nicht beeilt, Diskus­sionen bervorzurufen, nach denen es nicht sicher wäre, ohne aufregende Debatte, wenn auch nicht die Einigkeit, so doch wenigstens die nötige Mehrheit zu erlangen." Eines Kommentars bedarf es nicht.

Minderwertige Lahruugsmillel.

Die bei den Preisprüfungsstellen in vielen Gemein- ben eingesetzten Fachausschüsse haben dankenswerterweise ihre Tätigkeit vielfach auch auf die Prüfung der soge- nannten Ersatzpräparate für notwendige Lebensrnittel erstreckt, die infolge der Beschränktheit dieser Lebensrnit­tel jetzt massenhaft im Handel sind. So werben Erzeug­nisse als Ersatz rwn Wurst, Fleisch, Eiweiß usw. herge­stellt, über bereit Wert und Preiswürdigkeit der Ver­braucher sich ein Urteil zu bilden kaum in der Lage ist. In einer außerordentlich großen Zahl von Fällen bat sich bei den Untersuchungen der Fachausschüsse beraus- gestellt, daß es sich um gänzlich minberwertige Erzeug­nisse handelt die in keiner Weise nach ihrem Nährwert als Ersatz von Nahrungsmitteln angesehen werden kön­nen. Ein Fachausschuß einer Preisprüfungsstelle bat sich infolgedessen verpflichtet gefühlt. die Bevölkerung auf die sehr oft unzutreffenden Anpreisungen hinzuweiieu. Mit solchen wohlgemeinten Warnungen ist aber der Be­völkerung allein nicht gedient, denn die Verbraucher wi' fett ja nicht einmal, welche Erzeugnisse bei der Prüfung als minderwertig befunden wurden. Die Warnung ist also ohne praktische Bedeutung für sie. In der gegen- t wärtigen Zeit muß aber bei der starken Steigerung aller LebenSmittelpreise der Verbraucher unbebingt davor ge schützt werden, daß er sein Geld in wertlosen Ersatz Mitteln anlegt. Die PreisprüsungSstcllen müssen des , halb, wenn sie ihrer wichtigen Aufgabe voll gerecht wer : den sollen, auch in die Lage versetzt werden gegen Her 1

stemmn uns Verkauf wertloser Präparate wirksam em- zufchreiten. Die Frage ist von so großer Bedeutung, daß die zuständigen Stellen ihnen zweifellos auch die Macht­befugnisse zu einem derartigen Vorgehen verleihen wer­den, über die sie ja heute noch nicht verfügen. Die Nah- rungsmitteltontrolle ist durch den Krieg infolge eines starken Mangels an Arbeitskräften leider sehr einge­schränkt. Umso notwendiger ist es aber, daß überall da, wo unreelle Ausbeutung im Nahrungsmittelhandel fest­gestellt wird auch mit rücksichtsloser Schärfe dagegen ein- geschritten werden kann.

Sie große Arachluol.

Man bestimmt von dem, ivas von der wirtschaft­lichen Konferenz der Verbündeten in Paris durchsickert, den Eindruck, daß ein großer Teil ihrer Tätigkeit der wachsenden Fracht- und Schiffsraumnot in den Län­de ni der Sinterten gewidmet war. Die Beweise dafür findet man in den Berichten der englischen Blätter. Offenbar sind, wenn auch vielleicht nicht von Regie- rungsseite, überall in Frankreich und Italien Versuche gemacht worden, die englischen Schiffsfrachten, von denen man abhängig ist, zu ermäßigen, ohne daß die Versuche zu etwas geführt haben. Naturgemäß führt dieser Gegenstand zu mehr oder weniger verftedten An­klagen der Verbündeten untereinander. Gegen die Klagen des Franzosen de Maratray antwortet jetzt einer der Vertreter Liverpools im Parlament, R P. Hou­ston, indem er England energisch in Schutz nimmt. Er schreibt in derTimes" vom 31. wie folgt:

Im November, Dezember und Januar haben 670 Dampfer, die zusammen 915 400 Tonnen Kohle fassen, Cardiss mit der Bestimmung nach französischen Häfen verlassen. Von diesen 670 Dampfern waren 241 fran­zösische. 267 borwecW, 70 englische, 28 unter einer der verbündeten Flaggen der Rest Spanier, Schweden und andere Neutrale. Was bat da also die Zumu­tung. wir sollen unsere Frachtraten zum Besten unserer fküiizösiäffen Freund, ermäßigen, für . einen Sinn? Ueber eilt Trine! de- Lebensrnittel für die Bevölkerung Emuands wirb in neutralem Schiffsraum eingeführt. Wir baden seinen unbegrenzten Vorrat an Handels­schiffen. wie einige Leute zu glauben fcheinem Jeder britische Dampfer fielst Heute so ober so unter Negte- runasamsmu. Ein sehr großer Teil unserer Handelsma­rine wird von der Heueres- unb Klottenleitung gebraucht, und die Miappheil an Schiffsraum ist so groß, daß der Haudels minist er sich genötigt gesehen hat, die Einfuhr von Gegeniiänden großen Umfangs einzufchrünken. ebenso wie die von IkOerflüfiigEeitcn. Wir hatten nnb haben noch schwere Verluste an Schiffen, und es würde sehr angebracht sein, wenn innere Regierung unsern Ver­bänden und Freunden anseinandenetzte, mal wir alles zu ihrem Beistaude tun. Ferner sollten wir sie auf den Schütz auf wen tont machen, den unsere stolze Flotte ge- wahrt. Nochmals. Grvßbritanien ist keine kriegerische :Ranon. obgleich nwer Volk kriegerisch wird, wenn Pairimismüs mib Psucht es gebieten, wir haben eine festländische Armee auf die Beine gebracht, die, was Qualität bvrrnft, unerreicht ist; dazu kommt noch die HiHe an Mnuüiou und Geld. Wir haben mit britischer Befcheidephest bis jetzt davon Abstand genommen, für unsere Anstrengungen Reklame zu machen, aber mr schein« die .feit in jetzt gekommen, wo das einmal klar gefteii. werden svüie."

Es steh! in diesem Briefe wahr und wahrhaftig da: briii-g e cer --denkest". Die verehrten Verbündeten können m nun wissen, woran sie sich zu halten haben.