Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ^.........-.....-----...........- - ■ - ■■ - .......
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für den Kreis Hersfeld
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Nr. 73
Sonntag, den 26. März
1816
Amtlichrr Teil.
Futtermittelanzeige.
Es stehen zur Verfügung:
300 Ztr. Häckselmelasse: Preis steht noch nicht fest:
100 Ztr. Anslandskleie, Preis 12,00 Mk. pro Ztr. frei Lager Hersfeld ohne Sack.
Bestellungen aus Melasse sind an Herrn Lehrer Hetzet in Schenklengsfeld, auf Kleie an den Unterzeichneten zu richten, Bestellfrist 8 Tage.
Sonstige Futtermittel sind zur Zeit nicht vorhanden.
Zugleich bringe ich den Bestellern von Schweine- mastfutter zur Kenntnis, daß der Preis pro Zentner 15,00 Mark (nicht 15,50 Mk.) beträgt.
Der Landrat.
B.:
v. H e d e m a n n, Reg.-A ssessor.
Cassel, den 14. März 1916.
Berordmi«s.
Auf Grund des § 9 Absatz 1. der Bekanntmachung zur Regelung der Preise für Schlachtschweine und für Schweinefleisch vom 14. Februar 1916 (Reichs- gesetzblatt S. 99) in Verbindung mit der von den Landeszentralbehörden hierzu erlassenen Ausführungsanweisung vom 16. Februar 1916 bestimme ich hiermit für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel folgendes:
§ 1.
Die Abgabe von Fleisch aus Hausschlachtungen an Dritte gegen Entgelt ist verboten.
§ 2.
Die Verordnung tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft.
Wer vorstehenden Beftimmungefl zuwiderhandelt, wird nach § 13 der oben angezogenen Bekanntmachung mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.
Cassel, den 14. März 1916.
Der Regiernngs-Präsident.
Hersfeld, den 23. März 1916.
Wird veröffentlicht.
I. 3277. Der Landrat.
J. V.:
v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.
«elanntmachung.
Der Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette hat mit meiner Zustimmung die durch Verpflichtungsschein mit den Margarine- und Speisefettsabriken sowie dem Margarine- und Speisefetthandel vereinbarten Groß- und Kleinhandelspreise mit Wirkung vom 15. März 1916 wie folgt geändert:
Die Großhandelspreise dürfen für Margarine auf 1,83 Mark, die für Speisefette aller Art mit 100 v. H. Fettgehalt, wie Schmelzmargarine, Pflanzenfett, Kunstspeisefett usw. auf 2,15 Mark, die Kleinhandelspreise für den unmittelbaren Bezug der Verbraucher bei Margarine auf 2 Mark und bei Speisefetten aller Art mit 100 v. H. Fettgehalt auf 2,32 Mark — sämtliche Preise für das Pfund berechnet — erhöht werden.
Durch diese Bekanntmachung werden die Angaben in den Verpflichtungsscheinen in der oben angegebenen Weise geändert, so daß der Absatz zu den neuen Preisen vom 15. März Morgens ohne besondere Bekanntmachung durch den Kriegsausschuß oder die Margarinefabriken erfolgt.
Berlin, den 12. März 1916.
Der Reichskanzler.
Im Auftrage: Frhr. von Stein.
Hersfeld, den 18. März 1916.
Wird veröffentlicht.
I. 3362 Der Landrat.
V.:
v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.
Unsere D Helden
Auf dem Felde der Ehre fielen: Bizefelöwebel Hans Fetk, Mengshausen; Musketier Jakob Schmidt, Unterhaun; Gefreiter Johann Georg Eichler, Saasen; Musketier Johs. Jäger, Unterweisenborn Musketier Fritz Eidam, Petersberg,' Gefreiter Justus Rüger, Malkonres; Landwehrmann Heinrich Riebold, Motzfeld; Kanonier Christian Burghardt, Mühlbach.
Deutscher Reichstag.
Die erste Sitzung, die das Haus am Freitag ab-
hielt, nahm einen unerwarteten, erregten Verlauf, der durch das Auftreten des sozialdemokratischen Abg. Haase hervorgerufen wurde. Die Sitzung begann mit einigen kleinen Anfragen in ruhiger, friedlicher Weise. Staatssekretär Dr. Solf gab die Antwort auf die Anfrage des Abg. Wassermann nach den letzten Kämpfen in Kamerun und Ostafrika. Er schilderte eingehend den Verlauf der Kämpfe und betonte den erschwerenden Verlauf derselben. Auch in der nächsten Zeit drohen von allen Seiten Angriffe auf Ostafrika, jedoch dürfe man zu dem Heldenmut der Truppen volles Vertrauen haben. Nun begann die 1. Lesung des Notetats. Staatssekretär Dr. Helfferich gab das Ergebnis der Kriegsanleihezeichnungen unter dem stürmischen Beifall des Hauses bekannt. Allen Feinden zum Trotz sei unsere Kraft ungebrochen, unser Vertrauen zum Siege könne nicht erschüttert werden. Die Abgg. Bassermann (nal.), Graf Westarp (kons.) und Spähn (Ztr.) gaben ihrer Genugtuung und dem Danke an den Staatssekretär Ausdruck. Abg. Scheidemann (Soz.) erklärte, daß seine Partei dem Notetat zustimme, ohne sich jedoch für die Abstimmung zum eigentlichen Etat binden zu wollen. Darauf nahm Abg. Haase (Soz.) das Wort, um der Auffassung Ausdruck zu geben, daß diese Bindung doch entstehe. Die Zustimmung zum Notetat müsse abhängig gemacht werden von der Stellung der Regierung zu den Steuervorlagen. Die Regierung habe in der Lebensmittelversorgung völlig versagt. Auch müsse sich die Volksvertretung zum Dolmetsch der Friedensstimmung machen, weder Sieger noch Besiegte dürfe es geben. Der Widerspruch des Hauses, der sich immer mehr regte, machte sich jetzt in stürmischen Pfui-Rufen Luft; der Präsident versuchte vergeblich, den Redner zur Sache zu verweisen. Der Lärm im Hause steigerte sich, als der Redner ausführte, daß die Arbeiterklasse nicht die Waffen erheben könne gegen die, mit denen sie durch die Gemeinsamkeit der Interessen verbunden sei. Vergeblich mahnte der Präsident, immer lauter WWMWMMD^MM^^MMM^MjMÜMM^jW^ des Abg. Haase erheben Einspruch durch Zwischenrufe. Endlich mußte der Präsident das Haus befragen, ob es den Redner weiter anhören wolle. Das Haus lehnte das natürlich ab und der Abg. Haase mußte die Tribüne verlassen. Reichsschatzsekretär Helfferich bedauerte diese Ausführungen eines Mannes, der sich Volksvertreter nenne, Worte, die dem Feinde den Rücken stärken müssen. Ein sozialdemokratischer Abgeordneter rief: „Sie reden für das Ausland!" Dr. Helfferich schloß, daß mit der neuen Anleihe das Volk seine wahre Gesinnung gezeigt habe. Das Haus begleitete diese Rede mit lebhaftem, oft stürmischem Beifalle, während eine kleine Anzahl der Sozialdemo- kraten durch Zwischenrufe zu stören suchte. Abg. Scherdemann (Soz.) gab seiner Ueberraschung über die Rede des Abg. Haase Ausdruck. Die Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion stehe noch zu den Worten vom 4. August 1914, daß sie in der Stunde der Not das Vaterland nicht im Stich lassen. — Ein Schlußantrag wurde angenommen. Zur Geschäftsordnung versuchte Abg. Haase seine Ausführungen zu verteidigen,' seine Parteigenossen Heine und David gaben durch laute Zwischenrufe: „Sie besorgen die Geschäfte des Auslandes!" „Das ist zum Unheile Deutschlands!" ihrem Unwillen Ausdruck. Diese Stimmung wich auch nicht durch den Schluß der Sitzung, und in großer Erregung entfernten sich die Abgeordneten. Nach etwa einer Stunde trat das Haus zur zweiten Sitzung zusammen, in der der Notetat ohne Erörterung verabschiedet wurde. Von der sozialdemokratischen Fraktion stimmte die große Mehrheit dafür. — Der Präsident erhielt die Ermächtigung, die nächste Sitzung selbständig festzusetzen, spätestens am 4. oder 5. April.
Bus der Heimat,
* (Schutzmittel für Saa tbeete gegen Vogel fraß.) Jeder Gärtner und Landwirt weiß, wie unangenehm es ist, wenn der Same oder die aufgehende Saat durch Vogelfraß geschädigt oder ganz und gar vernichtet wird. Wer hätte z. B. noch nicht vor einem Beet abgepickter, eben erst aufgegangener Erbsen gestanden nnd sich über den Schaden geärgert? In dieser Zeit ist aber ein solcher Schaden nicht nur ärgerlich, sondern im Hinblick auf unsere Volksernährung ein nationaler Schaden, den wir unbedingt vermeiden müssen und können. Folgendes einfache Mittel ist ausprobiert und schützt sicher gegen Vogelfraß : Mau überspannt die Beete mit schwarzem (nicht weißem oder buntem) Garn, bei Reihensaat 2—3 Fäden längs über jede Reihe, so, daß die Fäden 2—3 Zentimeter über der Erde schweben. Die Wirkung dieses so einfachen Mittels liegt darin, daß die schwarzen Garufäden von den Vögeln nicht gesehen werden, der Vogel fliegt auf das Beet, stößt sich unverhofft an einem solchen Faden, erschrickt, fliegt davon und meidet das Beet. Da es durchaus nicht nötig ist, das Garn engmaschig zu spannen, so ist's keine zu große, aber lohnende Mühe, auch ganz große Beete und Aecker so zu schützen.
* Das Siegesgeläut der Kirchen-
g l o ck e n ist jetzt aus Anordnung des Kaisers einheitlich geregelt worden. Der Monarch hat auordnen lassen, daß auf ein im Einzelfalle von dem Kriegsminister an die stellvertretenden Generalkommandos zu erlassendes Telegramm die öffentlichen und militärischen Gebäude zu beflaggen sind, wobei gleich- zeitiq in den Garnisonorten Salut zu schießen ist. Die kirchliche Anteilnahme erstreckt sich auch auf solche Feiern, und daher wird das bisher schon privat übliche Siegesgeläut der Kirchenglocken nur dann erfolgen, wenn eine Mitteilung der vorbezeichneten Art ergangen ist.
):( Hersfeld, 25. März. «Platzmusik am 26. März 1916. Mittags von 11.30 bis 12.30 Uhr.) 1. Cho- ral, Herzlich tut mich verlangen. 2. Ouvertüre, „Die Entführung", von Mozart. 3. Blumenlied, von Lange. 4. Walzer aus „Polnische Wirtschaft", von Gilbert. 5. „Bund Durcheinander", Potpourri v. A. Franz. 6. a. Frei Weg; b. Musinan; Märsche v. Carl.
):( Meckbach, 25. März. Von den Schulkindern unseres Ortes wurden auf die 4. Kriegsanleihe 6000 Mark gezeichnet.
):( Gittersdorf, 25. März. Die Zeichnungen zur vierten Kriegsanleihe betrugen nahezu 10000 Mark, davon entfallen 2300 Mark auf die Schule.
):( Ana, 25. März. Zur vierten Kriegsanleihe zeichneten die hiesigen Schulkinder 3500 Mark.
Schenklengsfeld, 23. März. Die Zeichnungen zur 4. Kriegsanleihe beim Schenklengsfelder Darlehns- kassenverein betragen 128 400 Mark.
):( Niederanla, 25. März. Die Zeichnungen zur vierten Kriegsanleihe in unserem Orte betrugen 150 000 Mark, während zur dritten Anleihe 110 000 und zur zweiten 56000 Mark gezeichnet waren. Die Schulen waren an der dritten und vierten Anleihe mit 12000 beteiligt.
. -n- MengShanse^. 24^ März. Große Begeisterung für Sie Kriegs anleiye zeigten aue--O« .kgerr^Me- wohner schon am Abend der anberaumten Versammlung. Wenn auch die Summe der gezeichneten Beträge hier nicht genau angegeben werden kann, da das Geld aus verschiedenen Kassen geholt worden ist, so dürfte doch Mengshausen im Verhältnis anderer gleich großen Gemeinden mit oben anstehen. Uurdie Eltern in ihrem Borsatze nicht zu beeinflussen, wartete der Lehrer den letzten Zeichnungstag ab und forderte die Schüler jetzt erst dazu auf. Freudestrahlend zeichneten die Kinder in einer Stunde 3600 Mark. Gewiß von den Kleinen ein schönes Zeichen warmer Vaterlandsliebe.
— Aus -er Heimat der Seele von Professor Heim. Furcheverlag, Cassel. Preis brosch. 1.— Mk.
Dieses tiefernste Buch des in weitesten Kreisen bekannten Verfassers befaßt sich mit der wichtigsten Frage dieses Krieges: mit dem Probleme, was für eine Frucht für die Seelen der Menschen aus diesem gewaltigen Geschehen hervorgehen wird. Jeder, dem das Wohl unseres Volkes und das wahre Glück eines einzelnen, mag er draußen stehen oder zu Hause sein, am Herzen liegt, wird dieses Buch lesen müssen. — Es gibt so viele Augenblicksbücher auch in dieser Zeit, die irgendeinen flüchtigen Einfall oft mit der Pose des wichtigen wiedergeben. Bei diesem Buche merkt man es jedem einzelnen Worte an, wie tief es im innersten erlebt und gleichsam mit dem Herzblut geschrieben ist.
wen Milane wird, wie allgemein angenommen wird, auf den Hauptkriegsschauplätzen die Entscheidung fallen. Gewaltige, noch nicht übersehbare Ereignisse stehen bevor, und mit gespanntestem Interesse verfolgt das deutsche Volk den Verlauf dieses riesigen Ringens welches unsern Waffen den endgültigen Sieg bringen soll.
Mehr denn je verlangt daher der deutsche Leser eine Zeitung, die ihn in schneller und gedrängter Berichterstattung zuverlässig über alle Kriegsereignisse unterrichtet.
Das Meiner ragen
wird es sich, wie seither, auch in Zukunft angelegen sein lassen, allen diesen Anforderungen zu entsprechen, wobei es durch einen ausgezeichneten Nachrichtendienst unterstützt wird.
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