Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- L r f k zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. *
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für den Kreis Hersfeld
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Nr. 67
Sonntag, den 19. März
1916
«Ältlicher Teil
F«ttetmitttla»zeise.
Ab Mittwoch nächster Woche stehen zur Verfügung:
600 Ztr. Schweinemastfutter, a Ztr. 15,50 Mk., frei Lager Hersfeld.
Bestellungen sind an den Unterzeichneten zu richten. Bestellfrist 8 Tage.
Sonstige Futtermittel sind zur Zeit nicht vorhanden.
Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Cassel, den 28. Februar 1916.
1.
Die Stadt und Landkreise des Regierungsbezirks Cassel werden auf Grund der §§ 12 und 15 der Bekanntmachung über die Versorgungsregelung vom 4. November 1915 (R. G. Bl. S. 718) zu einem Verband vereinigt, der während der Dauer der mit dem Kriege zusammenhängenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten den gemeinsamen zu angemessenen Preisen erfolgenden Bezug von Lebensmitteln und sonstigen Bedarfsgegenständen aus dem Auslande und den besetzten Gebieten, sowie den gemeinsamen Bezug und die Verteilung der
von der
in Berlin oder
sonstigen ähnlichen Stellen zur Verfügung gestellten oder sonst angebotenen und erhältlichen Lebensmittel und Bedarfsgegenständen dem von der Stadt Cassel für diesen Zweck gebildeten „Stadteinkauf der Stadt Cassel" überträgt, der diese Geschäfte unter der Bezeichnung „Einkaufsstelle für den Regierungsbezirk Cassel führt."
2.
Die Tätigkeit der Einkaufsstelle erstreckt sich tunlichst auf alle Gegenstände des notwendigen Lebens-
Die der Einkaufsvereinigung angehörenden Kom- ihnen gehörigen Ge- r jeden Wettbewerbs
munalverbände, sowie die zu , mein den sind, zur Vermeidung jeden ------------ unter einander verpflichtet auf jeden unmittelbaren Geschäftsverkehr mit der Z. E. G. und sonstigen Verkäufern von Lebensmitteln außerhalb des eigenen Kommunalverbandes, sowie auf selbständige Einkäufe im Auslande zu verzichten. Der Geschäftsverkehr mit den genannten Zentralen erfolgt vielmehr ausschließlich durch die Einkaufsstelle.
4.
Das Verhältnis zwischen der Einkaufsstelle und den Kommunalverbänden ist alsKommissionsverhältnis
anzusehen und regelt sich nach den von der Einkauss- stelle aufgestellten, von dem Regierungspräsidenten zu genehmigenden Geschäftsbedingungen.
Die Einkaufsstelle hat sich über die Bedürfnisse der angeschlossenen Kommunalverbände dauernd unterrichtet zu halten. Sie hat alle Angebote derWebens- mittelzentralen insbesondere der Z. E. G. den Kom- munalverbänden schnellstens zukomnen zu lassen, deren Bestellungen entgegen zu nehmen und sie unter den auf dem Lebensmittelmarkte jeweils obwaltenden Bezugsbedingungen nach Möglichkeit bestens zur Ausführung zu bringen.
Die Abrechnung mit den Zentralen erfolg durch die Einkaufsstelle unter den von ihr aufgest
t nur
stellten
Geschäftsbedingungen.
5«
Die Vertretung des Verbandes und die Ueber- wachung der Tätigkeit der Einkaufsstelle erfolgt durch einen Verwaltungsausschuß. Er besteht aus einem von dem Regierungspräsidenten ernannten Vorsitzenden und 4 Mitgliedern, von denen je 2 aus den Landräten des Regierungsbezirks und je 2 aus den Vorständen der Stadtgemeinden über 10 000 Einwohnern entnommen und gleichfalls vom Regierungspräsidenten ernannt werden. Außerdem gehört der Oberbürgermeister der Stadt Cassel dem Verwaltungsausschuß an, in dem bei Stimmengleichheit der Vorsitzende den Ausschlag gibt.
6.
Streitigkeiten werden durch ein in Cassel tagendes Schiedsgericht entschieden. Jede Partei ernennt einen Schiedsrichter. Den Obmann ernennt der Regierungspräsident.
Der Stadteinkauf erhält für jedes Namens der Einkaufsstelle zur Ausführung gelangende Geschäft ein Provision von 1" ».
Zur Deckung der Kosten für die Einrichtung der Einkaufsstelle und für die Verwaltung des Verbandes werden die Kommunalverbände einen einmaligen Beitrag in Höhe von 2 Pfennig für den Kopf der Bevölkerung zur Verfügung steüen. A. H. G. ^9.
Der Regierungs-Praftdent. (Unterschrift).
* * *
Hersfeld,, den 10. März 1916.
Wird veröffentlicht. v „
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des
Kreises weise ich auf vorstehende Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten, insbesondere aus den Inhalt des § 3 ausdrücklich hin, wonach jede Gemeinde verpflichtet ist, auf jeden unmittelbaren Geschäftsverkehr mitderZentral-Einkaufs-Gesellschaftund sonstigen Verkäufern von Lebensmitteln außerhalb des Kom- munalverbandes oder im Auslande zu verzichten.
I. 2803.
Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Affefsor.
Hersseld, den 10. März 1916.
Der von der Gemeinde Conrode angekaufte Zuchtbulle, Simmentaler Rasse, 16 Monate alt, gelbschäck, ist von der Körungs-Kommission für zuchttauglich befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisansschusses.
I. A. No. 3189. J. V. :
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 10. März 1916.
Der von dem Gutsbesitzer A. Hoßbach auf Hof Weisenborn vorgestellte Zuchtbulle, Simmentaler Rasse, 1V2 Jahre alt, gelbschäck, ist von der KörungsKommission für zuchttauglich befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. No. 3188. ' I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersseld, den 10. März 1916.
Der von dem Landwirt Heinrich Orth zu Asbach angekaufte Zuchtbulle, Simmentaler Rasse, 1 Jahr 4 Monate alt, gelbschäck, ist von der Körungs-Kommission für zuchttauglich befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. A. No. 2835. ' I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Affefsor.
Hersfeld, den 10. März 1916.
er von dem Bullennalter Heinrich Hetdertch 3^ Laukenhausen angekaufte Zuchtbulle, Simmentaler Rasse, l12 Jahre alt, gelbschäck, ist von der Körungs- Kommission für zuchttauglich befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisansschuffes.
I. A. No. 2626. I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 16. März 1916.
Unter dem Schweinebestand des Landwirts Heinrich Schäfer I. in Kruspis, ist die Schweinepest amtlich festgestellt worden.
J. I. 3016. Der Landrat.
J. B.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus setzte am Freitag die Besprechung der Unterrichtsverwaltung beim Elementarunterrichtswesen fort Abg. Herrmann-Friedersdorf (tonf.) betonte, daß Deutschlands Volk in der Bildung allen anderen Völkern überlegen sei, und dankte den Lehrern, die nicht nur daheim, sondern auch auf dem Schlachtfelde ihre volle Pflicht getan haben. Der Krieg habe gezeigt, daß im Volke immer noch der alte Gott lebe. Wer der Volksschule die Religion nehme, würde ihr die Krone nehmen. Bedauerlich sei der Lehrermangel auf dem Lande, dem ja durch die weiblichen Hilfskräfte zu begegnen gesucht worden sei, deren Verwendung ich aber doch nicht auf die Dauer empfehle. Des Abg. AdolfHoffmauns (Soz.) Erscheinen auf der Rednertribüne hatte die Flucht fast aller Abgeordneten zur Folge. Er meinte, daß er von feinen Angriffen sich nicht abhalten lassen werde, selbst wenn von parlamentarische Nachrichtenbureaus unwahre und entstellte Berichte geliefert werden. Solche Leute müsse man der Verachtung preisgeben. Heiterkeit der wenigen Anwesenden erregte es, als er meinte, daß seine Sprachschnitzer, doch nur der Schule zur Last fielen. Abg. Dr. Heß (Ztr.) rühmte unter dem Beifall des Hauses die großen Verdienste der Lehrer und Geistlichen um die Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung und riet der sozialdemokratischen Fraktion, künftig das Haus von solchen Kultusreden zu befreien, wie sie die Abgg. Hoffmann und Liebknecht gehalten haben. Das Haus brauche es sich nicht gefallen zu lassen, daß religiöse Gefühle durch die Gosse geschleift werden. Der Redner schloß, daß Bismarck einst der Mann war, der einst trennte, jetzt aber alle vereint. Männer wie Bismarck brauchen wir heute, keine Zauderer. (Lebh. Beifall.) Abg. Dr. v. Campe (nl.) bezeichnete die Jugendpflege als nationale Frage. Unsere Volksschulen erweckten den Neid des Auslandes und seien eine Ursache unserer Ueberlegenheit. Der Kultusminister v. Trott zu Solz schloß sich den anerkennenden Worten aus dem Hause über die Tätigkeit der Lehrer an und betonte, daß seitens der Unterrichtsverwaltung für die Lehrer gesorgt werde, die jetzt im Felde stehen und demnächst wieder in ihr Amt zurückkehren. Der Unterricht sei durchweg aufrechterhalten
worden, nur in 199 Klassen von 133192 mußte der Unterricht aussallen. Von dem im Felde stehenden 50 000 Volksschullehrern seien 6000 gefallen, wodurch eine erhebliche Lücke auszufüllen sei. Die Besetzung der Stellen durch Lehrerinnen habe seine natürliche Grenze. Der Landflucht der Lehrer sei ja etwas Einhalt getan; größere Einschränkung wäre erwünscht. Nach dem Kriege stehen große Aufgaben bevor, um das Bolksschulwesen, deren Bedeutung sich jetzt glänzend erwiesen habe, fortzuentwickeln. Preußen werde seinen Stolz darein setzen, für seine Volksschule zu sorgen. «Beifall.) Auch die Abgg. Otto (fortschr.) und Ramdohr (frf.) gaben ihrer Befriedigung über den hohen Stand des Volksbildungswesens Ausdruck. Damit schloß die Besprechung. Die Anträge des Staatshaushaltsausschusses wurden angenommen. Sonnabend: Steuerverwaltung, auswärtige Angelegenheiten.
Bus der Heimat«
):( Hersfeld, 18. März. Wie bekannt, ist in dem Gesetzentwurf über die Kriegs gewinn st euer bestimmt, daß die o° » Schuldverschreibungen einschließlich der Schulöbuchforderungen und die 5°/o Schatzanweisungen der Kriegsanleihen des Deutschen Reichs bei der Entrichtung dieser Steuer zum Nennwert in Zahlung genommen werden. Ueber die IW» Schatzanweisungen war in dem Entwurf nichts gesagt, weil diese Gattung von Wertpapieren zu der Zeit, wo der Entwurf aufgestellt wurde, noch nicht existiert hat- Wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, ist nunmehr dem Entwurf eine Bestimmung eingefügt worden, nach der auch diese Schatzanweisungen in Zahlung genommen werden, selbstverständlich aber nicht zum Nennwert, wei' kein Anlaß besteht, die
Schatzanweisun
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wert, zu dem sie in Zahlung gegeben werden dürfen, später durch den Reichskanzler festgesetzt werden. Bei dieser Festsetzung wird, wie mit Sicherheit anzunehmen ist, den Interessen der Inhaber in ähnlicher Weise wie bei den 5°» Schatzanweisungen und Anleihen Rechnung getragen werden.
§ Hersfeld, 18. März. Der Postverkehr zwischen Deutschland und Portugal ist gänzlich eingestellt und findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerlei Postsendungen nach Portugal mehr angenommen,' bereits vorliegende oder durch die Briefkasten zur Ein- lieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegraphen- und Fernsprechverkehr zu und von Portugal ist ebenfalls eingestellt.
}:( Hersfeld, 18. März. Devisenverkehr. Die Handelskammer in Cassel gibt folgendes bekannt: Einzelne Firmen haben es für erlaubt gehalten, Devisen ins Ausland zu senden und sich dagegen Markschecks auf deutsche Plätze kommen zu lassen. Von zuständiger Stelle ist festgestellt worden, das ein solches Verfahren der Bekanntmachung über den Handel mit ausländischen Zahlungsmitteln vom 20. Januar 1916 widerspricht. Die beteiligten Kreise werden hierauf aufmerksam gemacht.
§ Hersfeld, 18. März. Durch Verfügung des Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten ist der Gerichtsassessor Dr. Schmitz aus Cassel, zum Vertreter des Rechtsanwalts und Notars Brethauer hierselbst bestellt..
-n- Heringen, (Werra), 17. März. Auch in unserem Kirchspiel wird für die neue Kriegsauleihe eifrig Propaganda gemacht. Die hiesige Darlehnskasse hat bekannt gegeben, daß schon von 5 Mark an Beiträge auf die Kriegsanleihe beim Rechner gezeichnet werden können. Eine Sammlung in der Schule bei den Kindern ergab bislang bereits den erheblichen Betrag von etwa 2000 Mark. Am Donnerstag fand im Gemeindehause ein Kriegsabend statt. Herr Pfarrer Trübestein sprach über die Notwendigkeit der Zeichnung auf die neue Kriegsanleihe. Er betonte, daß sie um des Auslandes willen, um unserer Krieger willen und auch um der Kriegsbeschädigten tzuö der Daheimgebliebenen willen zu zeichnen sei. Herr Rechtsanwalt Dr. Rümann, der sodann über die sinarrzielle Kraft Dentschlands sprach, wies unter Zugrundelegung des amtlichen Zahlenmaterials über die Volksvermögen in den verschiedenen Ländern und über die bisherige Beteiligung an den früheren Kriegsanleihen bei uns und bei den Feinden nach, daß Deutchland durchaus zur Uebernahme der neuen Lasten im Stande sei. Zum Schlüsse sprach Herr Lehrer Wehnes als Vorstand der Dahrlehnskaffe über die Mittel und Wege, wie sich der Einzelne an diesem hohen vaterländischen Werke beteiligen könne. Auch die Schulkinder beteiligten sich an dem Abend durch Deklamationen und Vortrag von mehrstimmigen Liedern. Möge jeder Bewohner linieret Kirchspiels seiner hohen vaterländischen Pflicht gerecht werden.