Die Ursache vom Rücktritt Gallienis.
Aus Basel wird der „Frkf. Ztg." berichtet: Ministerpräsident Briand hat seit einer Woche immer noch nicht den Mut gefunden, dem von ihm regierten französischen Volke die nunmehr allem Anschein nach feststehende Tatsache bekanntzugeben, daß der Kriegsminister Galliens mitten während der Schlacht von Verdun von seinem Amte zurückgetreten ist. Der französische Miuisterprüsi- dent und Minister des Aeußern hat aber doch das Be- dürfnis empfunden, wenigstens dem neutralen Auslande eine Aufklärung zu geben. So ist das schweizerische Sprachrohr des Auswärtigen Amts, das „Journal de Genöve", veranlaßt worden, den Rücktritt Gallienis in einem besonderen Leitartikel zu behandeln. Man erfährt daraus, daß sich General Galliens, der sein Amt am 30. Oktober angetreten hatte, anfangs des Vertrauens des Parlaments und fogar des Senators Clemenceau erfreute, aber allmählich dieses Vertrauens verlustig ging. Die Lage wurde schließlich unhaltbar, als der Fall des Forts Douaumont bekannt wurde und das Parlament in die furchtbarste Bestürzung versetzte. Am 5. März besprach Clemenceau den Fall des Forts in seinem Blatte, wobei er sagte, „Um zu siegen, müssen wir uns
Bitt die mit aller Brutalität hervorgetretene mangel- e Vorbereitung wehren, die wir in diesem Augenblick mit unserem kostbaren Blut bezahlen." Man weiß also jetzt, warum das Blatt Clemenceaus verboten worden ist. Als Nachfolger von Gallieni ist der Senator Charles Humbert oder öSr General Liautey in Aussicht genomnren.
Kabinettskrise wenn Verdun fällt.
Wie aus London verlautet, äußerte sich der französische Minister des Innern Malvy, er rechne bestimmt mit dem Rücktritt des französischen Kabinetts, falls Verdun falle.
Erneute Beschießung von Reims.
te* Genf, 16. März. (T. U.) Der „Matin" berichtet laut „B. T.", daß Reims am Sonntag von der deutschen schweren Artillerie erneut beschossen wnrde. Von zwei Häusern, die ernstürzten, blieben nur noch Ruinen. Drei Soldaten und zwei Zivilpersonen wurden während des Bombardements schwer verletzt.
Völlige Einigkeit unserer militärisch-politischen Leitung.
Zum Wiederbeginn der Reichstagsverharrölungen schreibt die „Köln. Ztg." in einem beachtenswerten Berliner Artikel u. a. das Folgende: Der Zusammentritt des Reichstages wird auch wieder Symbol und Bekräftigung der nnerschütterten Einigkeit im Vertrauen auf die Kriegführung sein. Wer sich darum bemüht, und besonders unsere Abgeordneten sind dazu in der Lage, kann sich davon überzeugen, daß in der militärischen und politischen Leitung des Krieges eine solche vollkommene Einheit und Einmütigkeit herrscht, daß die militärischen und politischen Führer über die Wahl und wirksame Anwendung der uns zur Erreichung unserer Kriegsziele zur Verfügung stehenden Waffen so völlig eines Sinnes sind, daß jede patriotische Besorgnis überflüssig ist, es möchte hier eine Verschiedenheit der Auffassung herrschen. Noch weniger darf die Besorgnis falsch Unterrichteter aber daran zweifeln, daß über den Grad der Entschiedenheit und Kraft, mit der unsere Waffen an- gesetzt werden können, bei den mit der Verantwortung für die militärische und politische Leitung und damit für das künftige Geschick des Vaterlandes Betrauten auch um die geri,nMc Meinungsverschiedenheit besteht.
KrleMlleüei.
Eine englische „Heldentat".
te* Wien, 16. März. (T. U.) Die „Neue Freie Presse" meldet nach dem „Bl. L.-A." aus Athen: EnglrWe Kriegsschiffe haben den beinahe ausschließlich von Griechen bewohnten Ort Vurla bei Smyrna bombardiert. Der Ort ist fast vollständig zerstört. Eine große Anzahl Griechen, größtenteils Frauen und Kinder, wurden getötet. Ein Teil der obdachlos gewordenen Bewohner verließ die zerstörte Stadt und wurde nach Mytilene gebracht, wo sie in elenden: Zustande ankamen. Diese jüngste englische Heldentat der Zerstörung einer offenen Stadt hat in Athen einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Die griechische Regierung Hat einer halbamtlichen Mitteilung zufolge in London in schärfster Weise Protest erheben lassen.
Die holländische Post unter englischer Kontrolle.
Holländische Blätter teilen mit, daß die Tätigkeit der englischen Zensur sich immer mehr ausdehnt. Jetzt hat sie Briefe geöffnet, die aus den holländischen Kolonien an holländische Firmen in den Niederlanden gerichtet waren und mit holländischen Dampfern befördert wurden.
Die serbische« Heerestrümmer auf Korfu.
Während die römischen Blätter die „Reorganisation des serbischen Heeres" in Korfu als vollzogene Tatsache meldeten, stellt nach dem „B. T." ein Brief aus Korfu, der in der „Stampa" veröffentlicht wird, die Lage dieser „Armee" in einem wahrhaft grausigen Lichte dar. Von den 30 000 blutjungen Rekruten, die von Serbien nach der Adriaküste getrieben wurden, tun sich dort zu reorganisieren, kamen 15 000 unterwegs um. 6000 erlagen dem Hunger an der Küste, und nur 9000 konnten als eine Schar lebender Leichen zu Schiff nach Korfu gebracht werden. Aber die Aermsten, die sich lange Zett nur von Gras und Baumrinde ernährten, hätten in Korfu sanitärer und sonstiger Hilfe bedurft. Diese fehlte aber völlig.________________________________________________
Politische Rundschau.
Der Deutsche Handelstag und die neuen Verbranchs- steuern. Dem „Berl. Lokalanzeiger" zufolge hat der Aus- schnß des Deutschen Hanbelstages die Notwendigkeit der Beteiligung aller Kreise an der Aufbringung der Mittel zur Deckung der dem Reiche durch den Krieg entstan- denen großen Lasten auerkanut. Deshalb ist er dem Entwurf eines Gesetzes über die Erhöhung der Tabaksteuer beigetreten, um so mehr als sich annähernd alle Fachverbünde der Fabrikatherstellung unter Führung des deutschen Tabakvereins im Einvernehmen mit dem Robtabak- und Detailhandel bereit erklärt haben, die ge- forderten neuen Steuern aufzubrittgen. Ebenso hat er ich für die Erhöhung der Post- und Telegraphenge- Mibrcn ausgesprochen, desgleichen für den Frachtur- kundenstemvol, jedoch mit der Maßgabe, daß diese Ge- bühren nach dem Krrege wieder beseitigt werden müneit. Der AussM sich ferner nicht gegen die Einführung einer Quittungssteuer ausgesprochen, hebt aber die Be- denken wegen der itic&t unbedeutenden Belastung und nicht unerheblichen Belästigung hervor, besonders für den Kleinhandelsverkehr, die Kle,ngen»erbe treibenden
Wiederholung des Wehrveitrags? ^m Finanzaus-
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der Bedingung zugestimmt habe, daß er sich nicht wiederhole. Der Staatssekretär des Reichsschatzamts habe bis jetzt darüber auch nichts verlauten lassen.
Die ©eilten »er Kanals.
Ein Fahrgast der am 29. Februar auf eine Mine ausgelaufenen und untergegangenen „Mecklenburg", eines holländischen Patetbovts der Tampfschiffahrtsge- sellschast Zeeland von 3000 Tonnen, macht, einem Mitarbeiter der „Köln. Ztg." noch folgende Angaben über die letzte Fahrt dieses Schiffes. Die Fahrt ging bei hohem «eegang, als auf offenem Meer, aber näher der englischen als der holländischen Lüste, mittags um 11% Uhr erfolgte eine furchtbare Explosion, von der ein Fahrgast eine klaffende Stirnwände davontrug, während ein anderer schwerverletzt weggetragen werden mußte. Nach aufgeregtem Hin- und Herlaufen der Kabinenbedienste- teu kam durch das mustergültige Verhalten der Offiziere und Mannschaften des Bampfers sofort wieder Ruhr und Ordnung an Bord zustande, die Boote wurden et- was herabgelassen, so daß man vom Promenadendeck aus einsteigen konnte. Während der Vorbereitungen hierzu sah man in der Nähe einen großen Dampfer, was sehr zur Beruhigung beitrug. Man beobachtete auch, daß da Schiff ständig, aber doch langsam genug sank, um es in Ruhe verlassen zu können. Besonderes Lob zollte der Fahrgast dem Bootführer seines Rettungsbootes, der sich seiner Schutzbefohlenen aufopfernd angenommen habe. Der große Dampfer, der die Geretteten, und zwar sämtliche Insassen der „Mecklenburg", aufnahm, war der Westindienfahrer „Prinz der Niederlande", der die Gäste nach England zurückbrachte, da er sich aus der Ausreise befand. Bei Deal oberhalb Dover wurden sie an Land gesetzt, nachdem sie eine Nacht auf dem Dampfer zugebracht und dann von einem zum andern englischen Re- aierungsbvot befördert worden waren. In Deal mußten alle, die wenigen „feindlichen Ausländer" militärisch bewacht, bet stürmischem Wetter sechs Stunden auf der Hafenmole zubringen, bis ihnen gestattet wurde, zum Uebernachten in die Stadt zu gehen. Inzwischen hatte einer der Offiziere der „Mecklenburg" eine Vereinbarung getroffen, wonach die von Südamerika gerade heimwärts fahrende „Tubantia" des könligl Holländischen Lloyds alle Fahrgäste übernehmen solle. An Bord dieses Schiffes fanden die Schiffbrüchigen die liebenswürdigste Ausnahme: was ihnen besonders auffiel, war der gut eingerichtete Rettungsdienst. Schon auf der Fahrkarte war das für jeden einzelnen Fahrgast im vorhin- ein bestimmte Rettungsboot verzeichnet: damit nicht genug, wurden auch alle Neuankömmlinge alsbald zu den Booten geführt und über alle im Ernstfalle zu ergreifenden Maßnahmen genau unterrichtet. Jedenfalls sind die Vorkehrungen für eine Schiffsnot auf den holländischen Schiffen weit besser als auf den englischen, wie auch das Verhalten der holländischen Schiffsleute nichts von der selbstsüchtigen Art zeigt, das englische Schiffsbesatzungen in ähnlichen Fällen, namentlich in der letzten Zeit, an den Tag gelegt habem So muß z. B. auch beim Untergang des englischen Dampfers „Maloja", der am selben Tage wie die „Mecklenburq" ebenfalls einer Mine zum Opfer fiel, und bei dem viele Menschen umgekoumten sind (englische Blätter haben von 114 berichtet) eine große Panik geherrscht haben. Unter andern: sind auch zwei Boote der „Maloja" gekentert: die geretteten Fahr- gäste der „Mecklenburg" sahen noch die umgesttirzten Boote und konnten später in Deal beobachten, wie sie dort eingeschleppt wurden.
An zwei bedeutsamen Stellen des Gesamtkriegsschau- platzes haben die Engländer empfindliche Niederlagen erlitten, die sich durch die großen englischen Verluste und sonstige bemerkenswerte Begleiterscheinungen auszeichnen, nämlich im Jemen, an der Südküste Arabiens und im Irak. Die Engländer waren im Jemengebiet von dem besetzten Lager bei Scheik Osman gegen Norden anfgebrochen und hatten einen Vorstoß gegen die türkische Front versucht. Scheik Osman liegt wenige Kilometer von Aden entfernt, zwischen Aden und Lahadj, wo die Engländer im Sommer 1915 eine empfindliche Niederlage erlitten hatten. Die türkische Front befand sich bei Elwahte, von wo aus die türkischen Truppen nach dem Bericht ihres Generalstabes den siegreichen Gegenstoß gegen die Engländer unternahmen. Elwahte ist ein kleines arabisches Dorf, das ungefähr 25 Klm. von Aden entfernt ist und im Verlaufe dieses Krieges bereits zu großer geschichtlicher Bedeutung gelangt ist. Hier haben sich nämlich die Engländer bei dem Bestreben in den Besitz der Stellungen von Elwahte zu gelangen, schon mehrfach sehr empfindliche und verlustreiche Schlappen geholt. Sowohl am 24. und 25. als auch am 28. August 1915 griffen sie hier mit sehr starken Kräften und mit einer großen Anzahl von Geschützen wiederholt an, wurden aber samt ihren eiligst herangeschafften Verstärkungen empfindlich geschlagen und ließen mehr als 1000 Tote auf dem Schlachtfelde.
Auch jetzt war wieder Elwahte der türkische Stützpunkt, gegen den die Engländer diesmal mit mehr als 6000 Mann und viel schwerem Geschütz anzustürmen versuchten. Trotzdem sie die beherrschende Stellung der Höhen von Afioch inne hatten, wurden sie geschlagen und zum Rückzug gezwungen. Auch die starken Vorbereitungen für die nene Expedition konnten ihnen nicht den Sien bringen. Sie flohen in das befestigte Lager von Scheik Osman, und konnten nur durch ihre weit- tragendell Geschütze vor einer regellosen Flucht bewahrt ; bleiben. Diese Schlappe wird die Engländer um so ein- pfindlicher treffen, als sie durch den neuen Vorstoß bestrebt waren, Aden Luft zu verschaffen und die Bor- würfe zum Verstummen zu bringen, die gegen sie be- sonders wegen ihrer Unfähigkeit, im Raume von Aden einen Erfolg 51t erringen, schon seit Monaten in der englischen Presse ausgesprochen werden.
Gleichzeitig mit der Nachricht von dem völlig ver- , unglückten Vorgehen der Engländer im Jemengebiet können die Türken die Mitteilung von einer neuen Schlappe der Engländer im Irak veröffentlichen. Man weiß bereits aus einer großen Reihe von Nachrichten, daß es sich hier um den Entsatz der in Kut-el-Amara cittgeschlossenen englischen Armee unter General Town send handelt. Immer wieder versuchen die Engländer aufs neue durch Heranführung von Verstärkungen aus Indien, den in Kut-el-Amara eingeschlossenen General zu befreien. General Aylmer ist mit dieser Aufgabe betraut worden, u«id hat bereits mehrfach versichert, van ( der Entsatz der belagerten Armee kurz bevorsteht. Wir kennen diese englischen Versicherungen bereits sehr ge- ! nan und wissen, was wir davon zu halten haben. Tatsächlich Hai Gelleral Anlmer jetzt offenbar einen Gewaltstreich versucht, um sein Wort einzulösen. Er griff bei Felavie an, erlitt aber eine sehr schwere Wie&ersage.
Die Stärke der englischen Angriffsarmee, die zu dieseur Zwecke eingesetzt worden war, und die Große ihrer Verluste kann man daraus erkennen, daß die Engländer nach dem ttirkischen Geiieralstabsbericht hier mim
bestens 5000 Mann einbüßten. Es handelt sich danaä um eine der schwersten Niederlagen, welche die Engländer bisher im Irak erlitten haben. Dieser große türkische Sieg ist arich noch aus dem Grunde bemerkenswert und erfreulich, weil nach den Erfolgen der Russen bei Erzerum die englischen Blätter schon in wilbe Hoffnungen über den Einfluß ausbrächen, den der russische Erfolg auch auf die Lage im Irak haben werde und müsse. Die neue und große Niederlage der- Engländer zeigt aber, daß die überschwenglichen Erwartungen der Engländer arifs bitterste enttäuscht worden sind und werden mußten, da naturgemäß der russische Erfolg ohne jede weiterreichende Wirkung bleiben rnutzte.__________
Vermischtes.
Das .siuchcnbackverbot j„ Berlin hat die Konditorläden nicht leer gemacht, im Gegenteil sind aber die Ladentische der Konditoreien ebenso zahlreich mit schmackhaften Gebäcken bedeckt wie früher. An Stelle des Kuchens aus Weizenmehl sind Törtchen aus Reis- oder Mnisnrehl, meist mit Früchten oder Marmeladen belegt, Atakronen und große Mengen Keks getreten.
Der schnellste Eisenbahnzug Deutschlands. Früher galten als die schnellsten Züge die D-Züge auf der Strecke Berlin—Hainburg. Gegenwärtig ist jedoch der schnellste der D-Zug dir. 8 Hannover—Minden. Dieser durchfährt die 64,4 Kilometer lauge Strecke in 43 Minuten und erreicht eine Geschwindigkeit von 89,9 Kilometern in der Stunde. Der D-Zug Nr. 20 Berlin-Hamburg legt die 286,8 Kilometer lange Entfernung in 194 Minuten zurück und entwickelt formt eine Geschwindigkeit von 88,7 Kilometer in der Stunde.
Durch flüssiges Eisen verbrannt. Ein schweres Unglück ereignete sich im Eisenwerke Gewebe bei Haspe (Westfalen). Eine Pfanne mit flüssigem Eisen floß über, wodurch acht dlrbeiter lebensgefährliche Brandwunden erlitten. Drei weitere kamen mit leichterer! Verletzungen davon. Bei fünf Arbeitern besteht Lebensgefahr.
Witze vom Tage. Der Mann der Frau Doktor. „Wenn ich nur meine Frau einmal sprechen könnte!" — „Das ist sehr einfach: 5a geben Sie doch in ihre Sprechstunde." — „Was Ihnen nicht entfällt! Das kostet ja fünf Mark." — Im Eifer. Inspektor (entrüstet zum Lieferanten): „Wie können Sie es wagen, Herr, mir ein KistHen Zigarren zuznschicken? Erstens lasse ich mich nicht bestechen, zweitens rauche ich gar nicht, und drittens, so'n Kraut--!" — Bei der Zeugenvernehmung. Poli- zeikomniissar (zu den drei Damen): „Ihnen hat der Heiratsschwindler viertausend Mark abgenommen . . . . . Ihnen dreitausend . . . Ihnen zweitausend . . . «zum Dienstmädchen) und Ihnen" — Tieustulädchen lbeschet- den): „Nur hundert Mark: ich hatte leider nicht mehr, Herr Kommissar!"(„Fliegende Blätter.")
Sie Wirkungen der neuen Tabakabgaben.
Man schreibt uns von sachverständiger Seite: Die wenig günstige Aufnahme, die die Vorlage über die Erhöhung der Tabakabgaben teilweise in der Presse gefunden hat, hat in gen Kreisen der Tabakindustrie überrascht. Es ist ja ohne weiteres zuzugeben, daß während des Kriges nach Inkrafttreten der neuen dlbgaben das Rauchen erheblich verteuert wird. Aber auf diese Verteuerung wirken gleichzeitig drei verschiedene Einflüsse und nicht nur die vermehrte Belastung des Tabaks allein. In erster Linie beeinflußt den Preis der Tabakfabrikate gegenwärtig der Stand des holländischen Gulden-Kurses, der augenblicklich 239% erreicht _hat gegen 167 in Friedensjahren. Außerdem hat die Knappheit an -»fr««^^^^ ijuns eine aussen ordentliche Preissteigerung verursacht: infolgedessen umß beispielsweise für Brasiltabak gegenwärtig der dreifache Preis angelegt werden wie vor dem Kriege. Diese beiden Faktoren, die Valutadifferenz und die hohen Rohtabakpreise verteuern gegenwärtig die Erzeugnisse der Tabakindustrie um etwa 50 v. H. Dagegen kann man annehmen, daß die neue Belastung des Tabaks die Preise, der Tabakfabritate im Handel um etwa 25 v. H. steigern wird. Es ist also damit zu rechnen, daß nach Inkrafttreten der neuen Tabakabgaben während der Kriegsdauer eine Preissteigerung von 75 v. H. eintreten wird. Diese sehr starke Mehrbelastung wird aber mit Beendigung des Krieges nach und nach wieder zurückgehen, sobald normale Valutaverhültnisic durch Steigerung unserer Aussubr eintreten und die Rohtabakpreise wieder auf den früheren Stand zuruck- gehen. Es ist also damit zu rechnen, daß nach Rückkehr der normalen Friedensverhältnisse trotz der neuen Tabakbelastung die Tabakfabritate niedrigere Preise haben werden als gegenwärtig vor Einführung der erhöhten Tabakabgaberi. Wenn in nächster Zeit, sobald die Tabakindustrie nur Rohtabake verarbeitet, die zu den gegenwärtig hohen Preisen eingekanft sind und Me neuen Abgaben entrichtet haben, wohl im Kleinhandel eine Zigarre unter 10 Pfennig kaum zu haben sein dürfte, so ist damit zu rechnen, daß später, sobald die Kriegseinwirkungen auf den Tabakhandel aufgehört haben, auch wieder eine Zigarre für 8 Pfennig im Handel sein wird. Diese Sachlage muß man sich bei der Beurteilung der Tabakvorlage vergegenwärtigen, da man sonst zu einer Neberschätzung ihrer Wirkung gebangt. ___________________________________________________
Weitere Drahtnachrichten.
Wilsons Mexikopolrtik.
>«- Amsterdam, 16. März. (2. U.) Im mexikanischen Konflikt ist dem „B. T." zufolge eine nberraichende Wendung eingetreten. Während noch am Sonntag die Telegramme aus Washington eingehende Einzelheften über den amerikanischen Aufmarsch und General Fun- stons radikalen Auftrag enthielten, wird den „Times" aus Washington gekabel!,Präsident Wilson bade Carra«- m nm eine gemeinschaftliche Aktion gegen Villa ersucht und ihm deshalb erlaubt, Truvpeu gegebenenfalls auch auf amerikanisches Gebiet zu schicken. In Washington erklärt man nach den „Times" Wilsons plötzlichen Entschluß als Unfähigkeit der nordtnnerikanischeii Armee, gegenwärtig etwas gegen Mexiko zu unternehmen.
Die Arbeiten des Reichstags.
♦* Berlin, 16. März. (T. 1U Wie das „B. T." erfährt, wird bei der ersten Lesung der Steuervorlagen und des Etats am nächsten Mittuwch die neue finanztech- uischc sowie die allgemeine politische Aussprache vereinigt werden. Man zieht in wtrlamenumfdHit Kreisen daraus den Schluß, daß der Reichskanzler bereits am Mittwoch das Wort ergreifen wird. Wahrscheinlich wird sich die Aussprache bis zum Sonnabend hinzieben.
Ei» russischer Süudenbock.
w Petersburg, 16. März. (WTBT Die Petersburger Telegraphen-Agentur teilt mit: Ein vom Zaren eingesetzter oberster Ausschuß zur Untersuchung der Ursachen, die den Mnnftionsmangel berbeigefttbr! hatten, entschloß sich, den ehemaligen Kriegsminister Suchom- linow wegen ungesetzlicher Handlungen vor den Gerichtshof des Reichsraies zu stellen. Der Kaiser hat den Beschluß des Ausschusses gebilligt.