Deutsche Antwort mis Sasanows Seite.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt zu Sasanows Rede neue EnthMrmgen über die Unterredungen des Botschafters Grafen Ponrtales in den kritischen Tagen mit dem russischen Minister, wo er mit steigender Dringlichkeit auf die Gefahr aufmerksam machte, die durch militärische Maßregeln von russischer Seite während des Ganges der Verhandlungen entstehen könnten:
Schon iiii. -26. Zmi hat Ponrtales Safanow mit großem Ernst darauf hingewiesen, daß es vor allem darauf ankomme, die diplomatische Arbeit nicht durch militärische Maßnahmen durchkreuzen zu lassen. In dieser Beziehung müßten militärische Borbereitungen Rußlands vorgegangen sein, die ihn mit der größten Besorgnis erfüllten. Es laufe sogar das Gerücht um, daß mehrere MorpS an der russischen Westgrenze schon die MobUumchungsvrder erhalten hätten. Sasanow bestritt die Mobilmachungsorder, gab aber zu, daß einige militärische Borbereitungen getroffen worden seien.
Am *28. Juli wurden die militärischen Borberei- tungen Rußlands vom Botschafter wiederum bei Sasanow zur Sprache gebracht. Der Botschafter berichtet:
Ich habe den Emitter ans zuverlässige Ikachrichten hingewiesen, die keinen Zweifel ließen, daß militärische Borbereitungen im Gange seien. Ich sehe mich genötigt, mit allergrößtem Ernst aus die Gefahr hinzuweisen, die im gegenwärtigen kritischen Augenblick daraus entstehen könnte, daß weitgehende militärische Borbereitungen getroffen wurden. An demselben Tage (also schon am 28. Julis sah sich der Botschafter genötigt, gegen die Zerstörung des drahtlosen Telegraphen aus einem deutschen Handelsdampfer im Petersburger Hafen energisch zu protestieren. Nochmalige dringende Warnungen erfolgten am 28. Juli abends und auf Ersuchen des Reichskanzlers in ernster Weise am 29. Juli.
Trotz der deutscherseits herbeigeführten Wiederaufnahme des zeitweise ins Stocken geratenen Gedankenaustausches zwischen Wien und Petersburg wurde in der Nacht vom 30. zum 31. Juli die allgemeine Mobilma- chnng der gesonnen russischen Armee befohlen. Der Botschafter begab sich sofort nach dem Bekanntwerden dieser Nachricht auf das Ministerium, um dort zu erklären, daß ihm der Krieg unvermeidlich erscheine, wenn dieser Befehl nicht zurückgenommen würde. Da er Sasanow nicht antraf, eröffnete er dessen Gehilfen Neratolv seine Be- fürchtung, daß die neuerdings eröffneten Aussichten auf eine Verständigung durch die Mobilmachung endgültig zunichte gemacht würden. Das Bekanntwerden der allgemeinen Mobilmachung werde in Deutschland wie ein Blitz einschlagen, da diese Maßnahme im gegenwärtigen Stadium der Verhandlungen eine schwere Bedrohung und HerausforderungDeutschlands bedeute, die das deutsche Volk sich nicht gefallen lassen werde. Der Botschafter könne nicht begreifen, wie die russische Regierung, nachdem eben erst feierlich versichert worden sei, daß militärische Maßnahmen gegen Deutschland nicht getroffen werden sollten, sich gerade in dem Augenblick zu dem verhängnisvollen Schritt der allgemeinen Mobilmachung entschließen konnte, wo ihr bekannt war, daß der Kaiser und die deutsche Regierung mit größtem Eifer und, wie sich eben erst gezeigt habe, mit Erfolg bemüht waren, zwischen Petersburg und Wien zu vermitteln. Die all- gemeine Mobilmachung der russischen Armee könne nur dahin gefaßt werden, daß Rußland durchaus den Krieg wolle. Sie werde in Deutschland einen Orkan entfesseln.
Gleich nach der Unterredung mit Neratow begab sich der Botschafter zum Zaren, um dem Monarchen persönlich die Folgen vor Augen zu führen, die die russische
-»»eben müßte. Ponrtales bat unter Hinweis auf die neuen Aussichten, die die Bereitwilligkeit OB errcichs. mit Rußland zu verhandeln, für die friedliche Lösung der Krise biete, den Mobilmachungsbefehl zurückzuziehen, weil sonst die Erhaltung des Friedens ausgeschlossen erscheine. Der Zar lehnte die Bitte ab mit der Begründung, daß die Zurück- ziehung des Mobilmachungsbefehls „aus technischen Gründen" unmöglich geworden sei. In Frankreich wurde inzwischen die Nachricht von der russischen Mobil- nmchnng unterdrückt, iodaß die deutschen Gegeumatz- regeln als Provokation Frankreichs erscheinen mußten. Somit führte man das französische Volk irre. Rußland st also nicht „in den Krieg hineingezogen worden", son- ; »er« die russische Regiernng hat den Krieg entfesselt. i
1 Sasanow wüßte, welches sie Folgen Ssr russischen Mobilmachung sein würden. Er hat sie nicht verhindert, weil er den Krieg wollte, da er sich irr Erfolge sicher aus der Welt schaffen.
Die „Norddeutsche" schließt: Solche Belege werden Sasanow nicht angenehm sein. Sie lassen sich aber nicht glaubte.
Line Ausgabe valerlbubischer und flaals- bürgerlicher Vereinigungen.
Die Stärkung der vaterländischen Gesinnung, die Gesundung des Volkslebens und was alles an deutschem Aufschwünge mit dem Kriege zusammenhängt und in so erfreulicher Herzeusfrische setzt Tag für Tag aus Licht tritt, müssen unserem Volke erhalten bleiben, und alle dieses Ziel erstrebenden Pläne und Versuche verdienen ernste Prüfung und gegebenenfalls Förderung. Darüber Herrscht wohl überall volles Einverständnis.
Als Beispiel einer praktischen, gemeinnützigen Arbeit verweist die „Spar-Korr." auf die Belebung, Befruchtung und Organisierung des Sparsinns der Bevölkerung. Diese Arbeit wird jetzt in der Hauptsache von den deutschen Sparkassen und ihren Verbänden geleistet. Geräoe die erstaunlichen Erfolge, welche dabei erzielt werden und die immer wieder die Verwunderung des beruflich oder ehrenamtlich die Entwickelung verfolgenden Fachmannes erregen, berechtigen zu der bestimmten Erwartung, daß noch viel mehr erreicht würde, wenn die Organisation des Sparens eine wahre Bolkssache würde, nicht nur Aufgabe und Tätigkeitsgebiet der Fachleute und einiger weniger besonders Beteiligter. Da Sparen durchaus nicht nur im Zurücklegen baren Geldes in die Sparbüchsen und Sparkassen besieht, sondern in dem weiteren Sinne sparsamer und vernünftiger Wirtschafts- führrmq zu verstehen ist: bietet sich nicht den vaterländischen Vereine ein kaum zu übersehendes Feld der Bearbeitung im Sinne der Belehrung, Anregung und praktischen Beeinflussung des Wirtschafts- und Lebensführung?
Die höchsten Ideale der Vaterlandsliebe in allen Ehren: ihnen sollen die vaterländischen und politischen Vereine nachstreben und sie in die Praxis umsetzen. Aber nur die Erfüllung mit praktischem, lebenswarmem Inhalte und Streben vermag dauernd die Massen bei der Fahne zu halten. Gerade die Kriegsereignisse mit ihren packenden und wuchtigen Eindrücken zeigen uns täglich, wie die Pflichten der Vaterlandsliebe und vaterländischen Gesinnung eng mit solchen einfacher und sozusagen hausbackener Lebensführung zusammen hängen. Das vier- germnute, den endgültigen Sieg verbürgende Durchhalten ist ja außer einem solchen der Nerven des einzelnen dasjenige der wirtschaftlichen Nerven des ganzen Volkes, d. h. weises Haushalten und Sparen mit Lebensrnitteln, Bedarfsgegenständen, Geld. Mit Neid haben unsere neidischsten Feinde, die Briten, bemerkt, daß wir ihnen in dieser Kuüst über sind. Zur Vollkommenheit haben wir sie aber noch lange nicht gebracht. Das wird jeder einsehen, der einmal darüber nachdenkt, auf welche Weise er noch irgendwelche Ausgaben vermeiden und für nützlichere und wichtigere Zwecke leisten kann. Und da diese Kunst des rechten Wirtschaftens und rationellen Hanshaltens zum besten des allgemeinen Volkswohles und zur Stärkung des Staatsganzen noch beträchtlich weiter ausgebildet werden kann, namentlich durch gegenseitige Lehre und Beeinflussung, so fällt diese Aufgabe staatsbürgerlichen Vereinigunge» zu, die wahrhaft volkstümlich wirken wollen. Wäre es in den letzten Wochen nicht heilsam Mwdkew, wenn- durch dringliche Mahnungen viele Tausende von Frauen und Mädchen davon abgehalten worden wären, sich halbe Tage lang unter polizeilicher Kontrolle vor die Butterläden zu stellen, um für eine oder einige Mahlzeiten der Familie Butter einznkaufen? Als ob unbedingt der Genuß feinster Tafelbutter zum täglichen Lebensbedarfe des Volkes gehörte, und als ob nicht, wo so viele Arbeitskräfte jetzt fehlen, die so verschwendete Zeit besser verwendet werden könnte! Wären unsere europäischen Feinde mit ihrem farbigen Anhänge aus allen vier Richtungen der Himmelsrose in unser Land eingebrochen, so hätte unserer Bevölkerung sicher noch mehr als die Friedensration frischer Tafelbutter gefehlt.
Solche unbeguemen Wahrheiten, zu dem Zwecke der
Erziehung unseres Volkes zu vernünftiger LebenSfüh- rung, werden die staatsbürgerlichen Vereinigungen und Parteien dann unh wann auch aussprechen müssen, wenn sie es ehrlich meinen. Auch nach Dem Kriege wird das notwendig sein. Denn der Krieg vernichtet — anderswo wie bei uns — so viel materielle Werte und Güter, daß, um sie wieder zu ersetzen, Arbeits- und Spareuergie gleichermaßen notwendig sein werden. Lernen wir, uns beizeiten an sie zu gewöhnen und sie üben! Dann werden den erwähnten materiellen Verlusten um so größere ide- elle Gewinne gegenüberstehen.__________ Dr. Rocke.
Das Knie von Verdun.
Es sind jetzt fast auf den Tag ge»a» 12 Monate her, daß nördlich von Verdun, südlich Malancourt, der letzte große Sturmangriff unserer Truppen tu diesem Raume nattsand. 2(m 28. Februar meldete nämlich unsere Oberste Heeresleitung die Erstürmung mehrerer hinter einander liegender feindlicher Stellungen nördlich von Verdun, die uns außer dem gewonnenen Gelände noch mehrere Hundert Gefangene und beträchtliches Kriegsmaterial embrachte. Seit dem 25. September 1914, wo das Sperrfort Camp de Romains in unsere Hände fiel, hat der Kampf um Verdun nie völlig geruht. Die Bedeutung, welche diese Festung in dem Verteidigungsgürtel Frankreichs hat, wurde in den Stellungskärupfen dieses Krieges noch beträchtlich dadurch erhöht, daß sie das „Knie" unserer Front bildet, die hier von Norden nach Süden abbiegt. Die Franzosen haben mehrfach versucht, ihre Stellung hier zu verbessern und unsere Front sowohl nach Norden wie nach Osten abzudrängen, um der Ei»- kreisungs- und Eiuschuiiruugsgefahr zu eulgehen. Desgleichen kam es zu Vorstößen gegen die Combreshöhen südlich von Verdun. Im Großen und Ganzen wurden aber entscheidende Schläge bisher bei Verdun weder von der einen noch von der anderen Partei erreicht, Nach- dem nun mehrere Monate lang unsere Front im Westen sich auf die Verteidigung des behaupteten Geländes beschrankt hatte, da wichtige Vorgänge au anderen Stellen die Kräfte unseres Heeres in Einspruch nahmen, begann im letzten Drittel des Monats Januar im Westen eine Offensive unserer Truppen, die schon auf mehreren Teil- Kriegsschauplätzen schöne Erfolge zu verzeichnen hatte. Der bei weitem bedeutendste wurde aber jetzt im „Knie von Verdun" erzielt, sowohl was die Ausdehnung nach Säuge und Tiefe, als auch was die Anzahl der feindlichen Verluste anbetrifft. Wieder kam es, wie vor einem Jahre, nördlich von Verdun zu einem Kampf, wo sie Franzosen, gestützt auf die Nähe der Festung, seit 18 Mo- mne» ihre Stellungen beträchtlich ausgebaut hatte». Der Erfolg wird dadurch noch größer, da es sich um ein Gelände handelt, in dem die Franzosen durch die natürliche und künstliche Beschaffenheit des Kriegsschauplatzes im Vorteil waren. Diesmal handelte es sich um unsere Stellungen in Höhe der Dörfer Co»se»voye-Aza»»es. Consenvoye liegt nördlich von Verdun, au der Maas und westlich von Azannes, in einer Entfernung von ungefähr 15 Kilometer.» Die Franzosen hatten schon am 23. Februar erwähnt, daß die Deutschen heftige Angriffe auf die französischen Stellungen östlich von Brabant macherr und konnten dabei nicht verschweigen, daß unsere Truppen hier Erfolge errangen. Diese Mitteilungen betreffen denselben Teil des Kriegsschauplatzes, der die jüng- steti Siege unserer Truppen sah, den» Brabam au der Maas liegt nur wenige Kilometer südlich von Consen- vvye, zwischen Diesem Dorf und der Festung Verdun. Die von unserer Heeresleitung beabsichtigte Verbesserung unserer Stellung, auf deren Verbindungen der Feind eine unbequeme Einwirkung ausüben konnte, wurde infolge des großen Umfanges unseres Erfolges erreicht. Der jüngste Sieg hat naturgemäß auch auf die Lage von Verdun einen nicht zu unterschätzendeu Einfluß, den die Franzosen auch richtig erkennen. Schon vor mehreren Monaten klagte im „Echo de Paris" ein militärischer Mitarbeiter, daß für Verdun infolge der Lage derFestunci im K nie der deutschen Stellungen die Einschnürnngs- gefahr groß sei. Es kommt dazu, daß die Verluste der Feinde sowohl an Gefangenen, als an Toten und Verwundeten sehr hoch sind, ein besonders im französischen Heer sehr schwerwiegender Umstand. Die moralischen Erfolge, welche dieser Sieg der beginnende» deutschen Angriffe auf unsere Mannschaften und die Feinde ans- üben wird, sind auch nicht zu unterschätzen, und ein gutes Vorzeichen für die weiteren Kämpfe um Verdun, die hart sein werden. tOKMh
Diejenigen Stadtbewohner, welche noch
Kartoffeln benötigen, werden hiermit ersucht, ihren Bedarf innerhalb 3 Tagen im Stadtsekretariat anzumelden. Die Lieferung der Kartoffeln erfolgt zu den jeweils fest- zesetzten Preisen,
Bei der Bestellung ist an- zugeben, ob die Kartoffeln bei der Lieferung bar bezahlt werden.
Die Anmeldung verpflichtet zur Abnahme.
Hersfeld, am 7. März 1916.
Der Magistrat
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