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Hers seid er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei wFQmjßvi Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Nr. 58.

Donnerstag, den 9. März

W16

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 4. März 1916.

Der Herr Minister für Landwirtschaft weist dar­auf hin, daß die Zentraleinkaufsgesellschaft von dem Herrn Reichskanzler ermächtigt ist, auf Antrag Hülsenfrüchte zu Saatzwecken abzugeben. Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich dies um­gehend in Ihren Gemeinden bekannt zu machen und etwaige Anträge auf Ueberweisung von Hülsenfrüchten gesammelt an mich bis spätestens zum 12. März 1916 abzugeben. Später eingehende Anträge können nicht mehr berücksichtigt werden.

I. 2596. Der Landrat..

V.:

Funke, Kreissekretär.

MgesrdAetentzaus.

Im Abgeordnetenhaus!! wurde am Dienstag nach Verabschiedung einiger kleiner Borlagen der Haus­halt der Landwirtschaftsverwaltung besprochen. Namens des Ausschusses gab Abg. Lippmann jfortschr.) bekannt, daß der Präsident des Landeswasseramtes, Geheimrat Engelhard, der Schöpfer des Wassergesetzes, auf dem Felde der Ehre gefallen sei. Das Haus ehrte sein Andenken in üblicher Weise. In der Aussprache wünschte Abg. Stull (Ztr.) eine allgemeine Oeffnung der Wälder für Futterzwecke und betonte, daß der Viehstapel auf seiner heutigen Höhe erhalten werden müsse. Die Losung müsse sein:Dem deutschen Volke deutsches Brot und deutsches Fleisch!" Abg. Vrütt (frt) besprach einige Uebelstände in der Ge­treidewirtschaft und hielt Einschränkung der Be­stimmungen gegen die Maul- und Klauenseuche für notwendig. Landwirtschaftsminister Frhr.v.Schorlemer wiederholte seine bereits im Ausschuß wiedergegebene bisherigen Höhe zu erhalten. Der Austausch der Magerviehbestände zwischen den einzelnen Provinzen sei sehr zu empfehlen und werde er unterstützen. Was die Maul- und Klauenseuche an lange, so sei sie im ganzen milde aufgetreten. Bedauerlich sei die Abschlachtung von nahezu hunderttausend Stück; leider seien weitere Abschlachtungen zu erwarten. Eine Be­nutzung der Waldweiden sei in vielen Gegenden etwas Ungewohntes, in vielen aber rege in Anspruch genommen worden. Immerhin sei es notwendig, den Eichenschälwald zur Herstellung pflanzlicher Gerbstoffe im Inland zu erhalten. Der Minister schloß seine Rede mit warmen Worten der Anerkennung für das Wirken des verstorbenen und vom Hause geehrten Geheimrats Engelhard. Abg. Hoff ifortschr.) wünschte Förderung der Geflügelzucht, da auch nach dem Kriege die Einfuhr auf Jahre fehlen werde. Auch die Förderung der Viehzucht sei eine Aufgabe, die nach dem Kriege nichr unterlassen werden dürfe. Abg. Hofer jSoz.) glaubte auf die Steigerung der Domänen- pachten Hinweisen zu wollen, die bis zu 800 v. H. ge­stiegen seien. Die Domänen sollten auch auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge Musterwirtschaften seien. Abg. Dr. Roesicke skons.) kennzeichnete die Ausführ­ungen des Abg. Hofer als Agitationsreden, die eine Feindschaft im Volke herbeiführten. Niemand denke daran, die Landarbeiter zu bedrücken. Jeder Betrieb müsse einen Gewinn abwerfen, denn wirksame Arbeit könne nur geleistet werden, wenn Lust und Liebe da­bei seien. Wenn auch alles vorhanden sei, so fehle es doch an Futtermitteln, denn diese seien infolge mangelnden Zollschutzes nicht genügend angebaut worden. Die Landwirtschaft habe das Verdienst, auch im Kriege die Produktion gefördert zu haben. Redner schloß seine Ausführungen mit der Feststellung, daß der Krieg für uns eine Existenzfrage, für England eine Finanzfrage sei. Deshalb müsse Deutschland alles tun, um die Finanzsrage zu einer Existenzfrage für England zu machen. «Beifall.) Minister Frhr. von Schorlemer ging auf einige Einzelfragen der Vorredner ein und bezeichnete insbesondere die Klage über die viehlosen Domänen als unberechtigt.

Nach weiteren kurzen Ausführungen des Abg. Krüger (nl.) schloß die Beratung. Die Anträge auf Förderung der Geflügelzucht und Erhöhung des West­fonds wurden angenommen und das Haus vertagte sich auf Donnerstag. Gestütsverwaltung, Eisenbahn- verwaltung.

Zum Anbau von FrMartoffrlu. Bon Prof. Dr. von Eckenbrecher.

1. Bodenansprüche und Düngung.

Frühkartoffeln verlangen ein gut vorbereitetes Land. Sie werden am sichersten und vorteilhaftesten aus besseren, in hoher Kultur und in alter Kraft stehenden, warmen Böden und in geschützten Lagen angebaut. Hiermit soll jedoch keineswegs gesagt sein, daß ihr Anbau nicht auch auf leichteren Böden, unter sonst günstigen Bedingungen mit Erfolg betrieben werden kann.

Wurde das Land nicht bereits im Herbst mit Stallmist gedüngt, und erfolgt eine Mistdüngung erst im Frühjahr, so ist hierzu ein gut verrotteter Stall­mist zu verwenden, um hierdurch den Frühkartoffeln, bei denen die Hauptaufnahme der Nährstoffe, vermöge ihrer kürzeren Vegetationsperiode, erheblich früher stattfindet als bei den späteren Sorten, die erforder­lichen Mengen an Nährstoffen rechtzeitig zur Ver­fügung stellen zu können.

Neben der Stallmistdüngung empfiehlt sich eine Düngung von 100 kg 40 prozentigem Kalisalz und 100 kg Ammoniaksuperphosphat 9:9, oder 50 kg Superphosphat und 50 kg Chilisalpeter oder drittens 50 kg Thomasmehl und 50 kg Kalkstickstoff pro Hektar. Das Kalisalz ist tunlichst frühzeitig unterzubringen. Ammoniaksuperphosphat und Superphosphat sind etwa 14 Tage vor dem Pflanzen leicht einzueggen, Thomasmehl und Kalkstickstoff etwa zu derselben Zeit gut unterzubringen. Der Chilisalpeter wird zweck­mäßig beim Aufgang der Kartoffeln als Kopfdünger gegeben, wobei zu beachten ist, daß das Ausstreuen nur bei trockenem Wetter und nach vollständigem Ab­trocknen etwaiger Taufeuchtigkeit geschehen darf.

2. Die Sortenwahl.

Für die Auswahl der anzubauenden Frühkar­toffeln kommt hauptsächlich die Frühreife und die Er­tragsfähigkeit der verschiedenen Sorten in Betracht.

Die Reifezeit ist für die einzelnen Sorten durch­aus nicht überall die gleiche, sondern je nach den Boden-, Düngungs- und Witterungsverhältnissen so­wie nach dem früheren oder späteren Zeitpunkt des Auspflanzens eine sehr wechselnde. Nach, zum Teil langjährigen Beobachtungen auf dem Versuchsfelds der Deutschen Kartoffel-Kultur-Station in Berlin, wo die Kartoffeln auf Sandboden gebaut werden, haben sich für die nachstehend verzeichneten Sorten ungefähr folgende Reifezeiten ergeben:

1. Ende Juni bis Mitte Juli: Frühe weiße Sechs­wochen, Paulsens Alpha, Junikartoffel, Har-

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2. Mitte bis Ende Juli: Kaiserkrone, Bürckners Früheste, Richters ovale Frühblaue, Atlanta, Kuckuck, Thiels Früheste, Paulsens Juli, Frühe Rose, Professor Edler, Stella.

3. Anfang bis Ende August: Royal Kidney, Kirsches Schneeglöckchen, Böhms Frühe, Hillners Frühe, Mühlhäuser, Starkenburger Frühe, Frühe Zwickauer, Schneeflocke.

4. Ende August bis Anfang September (mittelfrühe Sorten): Primel, Cimbals frühe Ertragreiche, Odenwälder Blaue, Alice, Undine, Lucya, Topas, Mimosa, Ella, Richters Edelstein, Viktoria Luise, Böhms Ideal, Lech, Eigen- Heimer.

Die Ertragsfähigkeit der Frühkartoffeln pflegt in der Regel um so geringer zu sein, je früher die Kar­toffeln reifen. Je nach den Jahren, nach Boden-, Düngungs- und klimatischen Verhältnissen ist die Höhe der Erträge naturgemäß auch bei den einzelnen Sorten außerordentlich verschieden. Als die ertrag­reichsten haben sich auf dem Berliner Versuchsfelde im Laufe der Jahre im allgemeinen die in obiger Zusammenstellung durch gesperrten Druck hervorge­hobenen Sorten erwiesen. Zahlenmäßige Angaben können über die Erträge hier nicht gemacht werden. Sie Huben sich in den alljährlich im Ergänzungsheft der Zeitschrift für Spiritusindustrie veröffentlichten ausführlichen Berichten über die Anbauversuche der Kartoffel-Kultur-Station. Ueber das Verhalten vieler der aufgeführten Sorten auf mildem Lehmboden geben auch die in demselben Hefte erscheinenden Be­richte über die in Kloster Hadmersleben von F. Heine ausgeführten Anbauversuche Auskunft.

3. Das Auspflanzen der Frühkartoffeln.

Je früher die Kartoffeln gepflanzt werden, um so früher tritt unter normalen Verhältnissen die Reise ein, und um so zeitiger kann mit der Aberntung be­gonnen werden. Von besonderer Wichtigkeit ist des­halb ein tunlichst frühes Auspflanzen der Frühkar- toffellt, sobald es die Bodenbeschaffenheit und die Witterungsverhältnisse gestatten. Im allgemeinen dürfte jedoch für Norddeutschland ein Auspflanzen vor Anfang bis Mitte April kaum zu empfehlen sein.

Ein bewährtes Mittel, möglichst frühzeitig Kar­toffeln ernten und an den Markt bringen zu können, ist das Auspflanzen bereits vorgekeimter Pflanzkar­toffeln.

Zu diesem Zwecke bringt man die Pflauzknollen etwa Mitte Februar auf kleine leicht zu handhabende, etwa 10 cm hohe Horden von Holz, oder in entsprechende Holzkästen, indem man sie, eine neben der andern, mit dem Kronenende nach oben in diese einsetzt. Die so beschickten Horden werden in einem frostfreien, am besten heizbaren, warmen, hellen, trockenen und leicht zu lüftenden Raume untergebracht. Sie werden hier entweder auf Lattengerüsten, oder einfach überein- nander geschichtet, so ausgestellt, daß die Kartoffeln überall genügend Licht und Luft haben, und verbleiben dort bis zum Auspflanzen. Unter diesen Verhältnissen bilden sich dann die erwünschten kurzen gedrungenen und besonders kräftigen Keime unter gleichzeitigem Einschrumpfen der Knollen, während die Bildung

' langer, dünner und schwächlicher Keime, wie sie bei dunkler und feuchter Lagerung zu entstehen pflegen, verhindert wird. Wenn die Zeit zum Auslegen ge­kommen ist, werden die Horden aufs Feld gebracht und die Knollen aus diesen direkt, unter möglichster Schonung der Keime, mit der Hand in die Pflanzlöcher, das Kronenende nach oben, gesetzt, gut eingedrückt und vorsichtig mit Erde bedeckt. Man hat bet dieser Art des Pflanzens noch den Vorteil, daß man alle nicht oder schlecht gekeimten Knollen mit Leichtigkeit aus­scheiden kann, wodurch die Entstehung von kümmer­lichen Pflanzen und Fehlstellen vermieden wird.

Bei Verwendung gut vorgekeimten Pflanzmate­rials wird unter sonst günstigen Umständen immer­hin auf eine 10 bis 14 Tage frühere Ernte zu rechnen sein können.

Frühkartoffeln werden enger gepflanzt als spätere Sorten. Die Pflanzweite ist zweckmäßig bei ganz frühen Sorten etwa auf 40 mal 30 bis 40 mal 40 cm, bei mittelfrühen aus 40 mal 50 cm zu bemessen.

4. Weitere Bemerkungen über Bearbeitung, Frostschutz und Aberntung der Frühkartoffeln.

Die Bearbeitung der Frühkartoffeln ist die gleiche wie bei anderen Kartoffeln. Sie ist besonders sorg­fältig auszuführen und geschieht am besten nur durch Handarbeit.

Da die Frühkartoffeln häufig durch Nachtfröste erheblichen Schaden erleiden, so muß nach Möglichkeit Sorge getragen werden, sie in kalten Nächten, nament­lich im Mai, gegen Frost zu schützen. Selbstverständ­lich könen hierbei nur kleinere, mit frühen Sorten bestellte Flächen in Betracht kommen. Man bedeckt die Pflanzen für die Nacht entweder mit bereitgehaltenem kurzem, strohigem Dünger, oder man deckt sie mit Rohr- oder Strohmatten (alten Decken, Plänen usw.) zu, die auf etwa 12 Meter hohe, über den Anbauflächen anzubringende Gerüste gelegt werden, und zwar so, daß auch die Seiten durch die bis zur Erde reichenden Deckmittel geschützt sind. Letzteres Verfahren ist, nach

Frühkartoffeln gebaut werden, allgemein gebräuchlich.

Soweit die Frühkartoffeln für Speisezwecke Ver­wendung finden sollen, ist es nicht erforderlich, mit der Aberntung bis zu ihrer vollständigen Reise zu warten, da sie oft schon wesentlich früher genießbare und marktfähige Knollen zu liefern pflegen. Wo es sich dagegen um Gewinnung von Pflanzkartoffeln und Aufbewahrung dieser während des Winters handelt, darf ein zu frühes Abernten nicht stattfinden.

Bus der Heimat.

* (Sind Kriegswitwen- und Kriegs- waisengelder steuerpflichtiges Ein­kommen?) Ueber die Zurechnung der Kriegswitwen- und Waisengelder zum steuerpflichtigen Einkommen scheinen vielfach Zweifel zu bestehen. Das Finanz­ministerium hat deshalb in einem Erlaß darauf hin­gewiesen, daß die den Witwen und Waisen der zum Feldheere gehörigen Offiziere, Beamten und Militär- personen der Unterklassen nach den Bestimmungen des Militärhinterbliebenengesetzes vom Jahre 1907 gewährten Bezüge der Kriegsversorgung nicht zu den Pensionserhöhungen im Sinne des § 5 Ziffer 5 des Einkommensteuergesetzes gehören. Die Bezüge sind daher als steuerpflichtiges Einkommen anzusehen.

):( Hersfeld, 8. März. Herr Polizeikommissar und Königl. Amtsanwalt Friedrich Pathe verschied am 6. März nach kurzem schwerem Leiden im hiesigen Land- krankenhaus. Der leider so früh Verstorbene war bei Jedermann wegen seines lauteren gerechten Charak­ters, sowie durch hilfsbereites stets freundliches Wesen hochgeachtet und beliebt.

-r- Hersfeld, 8. März. Zur Hauptbesichtigung des hiesigen Landsturm-Jnfant.-Ausb.-Ba- taillons am Donnerstag und Freitag dieser Woche trifft der kommand. General Se. Exz. v. Haugwitz aus Cassel hier ein. Auch eine Abteilung Casseler Husaren wird zu der Besichtigung erwartet.

-r- Hersfeld, 8. März. Zum Scharfschießen in größeren Verbänden rückt das hiesige Landsturm-Jn- fanterie-Ausbildungs-Bataillon am Montag, den 13. ds. Mts. nach dem Truppenübungsplatz Ohrdruf ab. Die Rückkehr der drei Kompagnien erfolgt, wie wir hören, am Donnerstag, den 16. März.

Heringen, 6. März. Tüncher Peter Lingner, welcher seit langem auf der Gewerkschaft WinterShall beschäftigt ist, stürzte aus beträchtlicher Höhe ab, er erlitt so schwere Verletzungen, daß er sofort ins Krankenhaus nach Hersfeld gebracht werden mußte. Gestern traf hier die tiefbetrübende Nachricht ein, daß der zweite Sohn des Magazinsverwalters Joh. Spangenberg l, welcher als Klempner in Eisenach arbeitet, dort töd­lich verunglückt sei. Der Unfall ist um so herber, als erst vor kurzem der im Felde stehende älteste Sohn ver­wundet wurde.

Wiesbaden, 6. März. In der letzten Stadtver- ordnetensitzung wurde genehmigt, daß sich die Stadt Wiesbaden an der vierten KriegSanleihe mit einer Million beteiligt.