Die Fortsetzung der Verdun-Schlachten
MMrIsche Wochenschau.
In der vergangenen Berichtswoche ruhte das Schwergewicht nach wie vor auf dem westlichen Kriegsschauplatze. Bon größerer Bedeutung waren dort die Erfolge, die deutscherseits im Norden und Osten der zweit- stärksten französischen Festung Verdun errungen worden sind. Der erzielte Geländegewinn übertrifft bei weitem alles, was die berühmten feindlichen großen Offensiven ie im Arrois oder in der Champagne erlangt haben. Aber nicht nur im Raume von Verdun haben heftige Kämpfe stattgefunden. Lebhafte Artilleriekämpfe waren auf der ganzen Front im Westen zu verzeichnen, die auf feindlicher Seite Täuschung^-, Zerstörungs- und VorbereilttngSzwecke verfolgten. Jnfanterieangrifse wurden von den Engländern bei Armentieres und mehrmals bei Upern ohne Erfolg unternommen. Nur am 2. März gelang es ihnen, von der Stellung „Bastion" (südöstlich von Bpern) einzelne Zeile zu gewinnen. Die französische Infanterie erschöpfte und verblutete sich in zahllosen Rückeroberungokärnpfen bei Douaumont. Auch bei Sainte Marie a Po in der Champagne erging es ihr nicht besser, wenn sie auch einige Meter unserer vordersten Linie einzunehmen vermochte. Völlig scheiterte ihr ein Teilangriff bei La Chalade in den Argonnen. Unsere Infanterie hingegen eroberte in der Champagne das Gehöft Navarin und 1600 Meter Schützengraben und erbeutete dabei über 1000 Gefangene, 9 Maschinengewehre und 1 Minenwerfer. Auch bei Badonviller in Französisch-Lothringen gelang ihr eine wenn auch geringfügigere Frontverbesserung. Nicht minder glücklich waren unsere Mineusprengungen bei Arras und unsere Nahkämpfe um feindliche Minentrichter südlich des Kanals von La Bassee.
Ueberaus lebhaft war wieder der Luftkrieg, in welchem 4 französische und 2 englische Flugzeuge abgeschossen wurden. Mit Leutnant Jmmelmann, der seinen neunten Gegner in dieser Woche bezwäng, wetteiferte die Reserveleutnants Kuehl und Haber, indem sie einen Militärzug durch Bombentreffer zum Stehen brachten und die Trausportmannschaft mit dem Maschinengewehre ihres Flugzeuges wirksam beschossen. Nach englischen Berichten fanden allein in Flandern 20 Luftgefechte statt, die für uns nicht ungünstig gewesen sein können. Sonst hätte General Haig sicherlich englische Erfolge ebenso peinlich-gewissenhaft gemeldet, wie er die Verhinderung eines Angriffs, den 40 Deutsche an der Somme versucht haben sollen, „pflichtschuldigst" mitgeteilt hat....
Aus den: O st e n kamen nur die Meldungen, daß auf unserem linken Flügel — also vor Riga und Düna- burg — Artilleriekäurpfe von größerer Lebhaftigkeit, im übrigen nur Aufklärungs- und Erkundungsgefechte — bei Friedrichstadt, am Serwatsch und an der Schara — stattgefunden haben und daß bei Mitau ein russisches Flugzeug im Luftkampfe unterlegen ist.
Auch an der Tiroler Grenze und im Küstenlande fiel wenig von Bedeutung vor. Jusanterieaugrisse haben die Italiener nur am Rande der Hochfläche von Do- berdo unternommen, während unsere Verbündeten bei Pevmu im Gebiet des Görzer Brückenkopfes den schlafenden Feind überraschten und hier wie dort Gefangene machen. Lebhafter waren wie immer die Artilleric- kämple, besonders im Küstenland«, wo Teile des Görzer Brückenkopfes und die Hochfläche von Toberdo dauernd unter starkem Feuer des Feindas lagen.
Auf dem Balkan stehen sich im griechischen Mazedonien beide Parteien noch immer Gewehr bei Fuß gegenüber. In Albanien haben unsere österreichi'ch- ungariichen Verbündeten am 27. Februar Durazzo ge- stürmt und große Beute gemacht. Nach großen Verlusten wurden die Ueberreste der Brigade Savona, die schon in den Vorkämpfen mehr als den zehnten Teil an Gefangenen eingebüßt hatte, und der Essadleute von italienischen Kriegsschiffen nach Valona gerettet. Auch Balona wird nicht so uneinnehmbar sein, wie die Feinde behaupten. War Durazzo Italiens Suvlabai, Italiens Kaba Teye, so wird Balona Italiens Teddul Bahr werden. Dafür werden Generaloberst Koeveß und die Seinen bestens sorgen ......
Zur See haben untere Tauchboote im Aermelmeer vor Le Havre zwei französische Hilfskreuzer, in der Themsemündung ein bewaffnetes englisches Wachtschiss, im Mittelmeere den französischen Hilfskreuzer „La Provence" versenkt, der 1800 Mann nach Saloniki befördern sollte. Nur 696 Mann sollen gerettet sein. Wir nehmen diese Tauchbootserfolge als den guten Voran- fang von Größerem." Wer in Not ist, haut sich durch, so gut er kann".....
Das Tat bett 2rebe.
Erzählung von Ellen Svala.
11) (Nachdruck verboten.)
Tag für Tag haben wir uns bemüht, uns gegen- i festig einzuleben und die Erfahrung gemacht, daß zwischen uns eine harmonische Ergänzung der seelischen rnd geistigen Eigenschaften herrscht, und daß die Klippen, die zu umschiffen find, einen kleinen Aufwand son gutem Willen — weiter nichts — bedingen.
Wir sind glücklich, und dieselbe Empfindung spricht »us Wilmas und Oskars Briefen, die uns mit regel- ; mäßiger Pünktlichkeit jeden Sonntagmorgen zugestellt i werden. Seit Anfang September schon sind sie in ihr neues Heim in Wien eingezogen. In den ersten Tagen des Monats November wollen sie die Oberförsterei besuchen, Tante Lina ist bereits nach Wien gereist, um den neuen Haushalt „zum ersten Male" instand zu bringen ; und in der Oberförsterei hausen Vater und Dora,' die etztere Hat ihre Stelle aufgegeben, um jenes Arztes Gattin ' zu werden, der sich im nächsten Dorfe niedergelassen Mt.
Es ist ganz plötzlich gekommen. Am Tage nach der ; Hochzeit traf sie ihn bei Gelegenheit eines Besuches bei ihrer bekannten Familie. Ehe sie abreiste, verlobten sie ich und zu Weihnachten soll die Hochzeit sein. Drei Töch- ; er in einem Jahre! Wie das räumt! Das Glück kommt in Haufen und des Vaters geliebtes Antlitz hat einen - Teil seiner Trauer und Schwermut verloren. Er weiß - uns geborgen und versorgt und dies nimmt ihm einen schweren Stein vom Herzen. Bleibt noch Margaret?; : aber sie will nicht heiraten; ihre Welt sind ihre Kranken, ; und sie sagt, daß nichts in ihrem Herzen den Platz auS- : mMen vermöge, Mn ihr Beruf einnimmt.
M & LÄSSÄt« feg» ttzrMM aM« ich, tzgtz I
Aus dem großen Hauptquartier
Großes Hauptquartier, 3. März. (Amtl. WTB.)
Westlicher Kriegsschallplatz.
Südöstlich von Aperu am Kanal brachen die Engländer in die Stellung „Bastion" ein, die wir ihnen am 14. Februar abgenomme» hatten, und stießen sogar in schmaler Front bis zu unserem früheren vordersten Graden durch, Ans diesem wurden sie sofort wieder geworfen. In einzelne» Teilen der „Bastion" halten sie sich «och.
Südlich des Kanals von L« Bafsee kam es im Anschluß an feindliche Sprengungen vor nnserer Front zu l c b h a f t e m N a h k a m p f.
In der Champagne steigerte die feindliche Artillerie ihr Feuer stellenweise z« großer Heftigkeit.
Im Bolante-Walde (nordöstlich von La Chalade in den Argonneu) wurde ein französischer Teilangriff leicht abgewiesen.
Auf den Höhen östlich der Maas säuberten wir nach kräftiger Artillerievorbereitung das Dorf Douanmont und schoben unsere Linien östlich und südlich des Dorfes sowie der Panzerfeste in günstigere Stellungen vor.
Ueber 1000 Gefangene nnd 6 schwere Geschütze wurden eingebracht.
Unsere Flieger belegten im Festnngsbereichc von Verdnn französische Truppen erfolgreich mit Bomben. Leutnant I m m e l m a n n schoß östlich von Donai sein neuntes feindliches Flugzeug ab, einen englischen Doppeldecker mit zwei Offizieren, von denen einer tot, der andere schwer verwnndet ist.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Patrouillengefechte an der Düna östlich von Friedrichstadt, sowie an der Serwetsch- und Schara-Front.
Balkankriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
Die Frontveränderung vor Verdun.
** Berlin, 4. März. (T. U.) Dem „B. T." wird aus dem Großen Hauptquartier gemeldet: Die Front- verminderung, die uns mit dem Dorf Donau mont deu engeren Anschluß an unsere vorderste» Linien gab, gewinnt an Bedeutung durch die Einbringung von 1000 Gefangenen und sechs schweren Geschützen. Der Ort stellt einen Stützpunkt der Voranlagen dar, den die Franzosen in zähester Schanzarbeit zn einem widerstands- fähige» Werk vorbereitet hatten, um westlich nnd östlich die deutsche Flanke anch nach dem Falle des Forts wirksam zu bedrohen. Unsere Artillerie erleichterte in nachdrücklicher Vorbereitung den Weg in die feindliche Stellung.
Die „Voss. Ztg." erfährt von ihrem Berichterstatter Max Osborn: Der Feind bemühte sich ohne Erfolg, die von uns genommene» Stellungen wiederzuerobern. Unser Geländegewiu» an der Maas und im Woevre beträgt mehr als das Fünffache der Bodenfläche, die der Feind bei seiner Herbstoffensive im Artois und in der Champagne besetzen konnte. Besonders strategische Bedeutung erhält dieser Gewinn dadurch, daß zwei Drittel des gesamten Borgeländes der Festung in unsere Hand fielen.
Die Erstürmung des Dorfes Douanmont.
** Berlin, 4. März. (T. U.) Ueber die Erstürmung des Dorfes Douaumont meldet der Kriegsberichterstatter Rosner dem „B. L.-A.": Nachdem es uns gelungen war, unsere Feldgeschütze und schwere Artillerie in Stellung zu bringen, von wo sie auch das Dorf Dou- aumont gründlich mit ihrem Feuer überschütten konnten, gingen wir zum Sturm über und rissen das Dorf all uns. So erlangten wir einen nicht unbedeutenden Getändegewinn. Im Zusammenhänge mit diesen Kämpfen um das Dorf Douaumont standen weitere starke Artilleriekämpfe gegen die Höhen östlich der Maas.
Die konzentrische Umfassung Verdnns.
Nach schweizerischen Blättern bestätigt laut „Köln. Ztg." der Pariser Berichterstatter des „Cvrriere della Sera", daß die Deutschen ungeachtet der erheblichen Geländeschwierigkeiten von der Woevreebene aus ihre An- strengnngen gegen die Anhöhen westlich Verdun mit außerordentlicher Hartnäckigkeit fortsetzen, um die Festung konzentrisch anzugreifen und zu umfassen. Zi Eroberung des Forts Douaumont hatten die Deutsch« vier Brigaden eingesetzt, die den Ansturm mit unglaublicher Todesverachtung ausgeführt hätten.
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nichts auf der Welt mich bestimmen könne, den Vater und das Tal der Liebe zu verlassen — und dann hat ein sonniger Tag im Mai und der Schimmer eines blauen Augenpaares genügt, mich meinem Vorsätze abtrünnig und fahnenflüchtig zu machen. Ich denke allerdings mit Wehmut an den Abschied von zu Hause.
Den ganzen Tag, unsern letzten Tag auf dem Schlößchen, haben wir dazu verwendet, all die lieben bekannten Plätzchen im Tal der Liebe zu durchstreifen, ivie Bomben find wir hineingeplatzt in die Nachtigallenwirt- schaft, dort ein ländliches Mittagsmahl zu nehmen, und zu dem Kreuz im Walde haben wir Haufen bunter Blätter und die letzten blassen Rosen des Parterres vor der Terrasse getragen. Kein Zimmer, keine Ecke in der Oberförsterei ist unbesucht geblieben, und während Vater und Zlrtur unter den Tannen im lichten Oktober- sonnenschein die letzte von, dem Hochzeitsmahle übrig gebliebene Flasche Champagner kneipten, suche ich einen großen, verrosteten Schlüssel aus Taute Linas Schlüssel- korb und stehle mich leise und heimlich, daß Grete mich nicht Hört, die Treppe hinauf, und in der seligen Mntter Kleidkrkammer.
Ich öffne die Schränke und Truhen und entferne die schützenden Lücher. Liebkosend berühre ich die schützenden Gewänder und drücke meinen Kopf tief hinein in ihre seidigen, duftenden Falten. Jetzt erst, wo ich den ganzen vollen Wert der Liebe kenne, kann ich den Schnierz des Vaters voll und ganz ermessen und begreifen, daß eine solche Wunde schwer oder nie zu heilen ist.
„Ach!" sagt Artur bei meiner Rückkehr und biegt den Kopf zurück, „wie die Luft plötzlich parfümiert ist; vor einem Augenblick noch roch es nach feuchtem Grund und welkem Gras."
Ich sagte nichts; aufschauend begegnete ich Vaters Augen; unsere Blicke haften ineinander. Er'weiß, wo ich IBM MÄft »s.« w&ud * Auanl sagt ihm, daß
Eine zweite „Möwe" gesichtet.
fe* Genf, 4. März. «T. U.) Nach einer Meldung des Pariser „Matin" gelang es dem „B. L.-A." zufolge einem deutsche» Hilfskreuzer, der aus Norden kam, den Atlantische» Ozean z» erreichen. Mehrere Kriegsschiffe machten sich zur Jagd auf ihn bereit. Nach einer Meldung des „Petit Journal" ans Bonlogne wurde im Ka»al die Anwesenheit eines verdächtigen Schiffes, das die zweite „Möwe" sein konnte, gemeldet. Das Schiff habe mit großer Schnelligkeit westwärts gekreuzt. Verschiedene Vorsichtsmaßregeln seien getroffen worden. Die englischen und französischen Kreuzer hätten Befehl, das Schiff zu zerstören.
Der „Temps" meldet, daß ein deutscher Hilfskreuzer, von Norden kommend, im Atlantischen Ozean gesichtet wurde.
Das Rate» um die „Möwe".
^ Amsterdam, 4. März. (T. U.) Die „African World will nach dem „B. T." in Erfahrung gebracht haben, dasi die geheimnisvolle deutsche „Möve" die Hamburger „Ponja" sei, die bei Kriegsausbruch in Kamerun lag und von dort entschlüpfte. Das Schlimmste sei, daß zugleich mit der „Ponja" ihr Schwesterschiff „Puncha" entschlüpfte, voll der auch jede Nachricht fehle. Beide Schiffe gelten als sehr schnell.
Englische Sorge» über die neue» „Möwen".
w> Haag, 4. März. (T. U.) Der „Daily Expreß" in Neuyork behauptet nach dem „B. T.", deutsche Dampfer würden in der Nähe der Kanarischen Inseln bewaffnet, um auf Handelsschiffe Jagd z» »rächen. Sie seien im Begriff auszufahren. Man habe sie bei der Kohlen- aufnahme beobachtet.
Die Vlissingen-Linie verkehrt nicht mehr.
0-^ Stockholm, 4. März. (T. U.) Das Auswärtige Anst erhält rrach dem „B. T." von der schwedischen Gesandtschaft in London die telegraphische Mitteilung, daß die Vlissingen-Linie endgültig den Betrieb eingestellt habe, nachdem mehrere Schiffe anf Minen gestoßen seien.
Ein englischer Minensucher torpediert.
Nach einer amtlichen Londoner Meldung der Admiralität wurde der englische Minensucher „Primula", der sich auf einer Patronillenfahrt befand, am 1. März im östliche» Mittelmeer torpediert nnd sank. Die Besatzung wurde bis auf drei Mann gerettet und in Port Said gelandet.
Die russischen Osiiziersverlnfte.
Die „Költi. Volksztg." meldet aus Petersburg: „In den russischen Zeitungen erscheinen jetzt die Verlust- listen ans der letzten Offensive gegen Czernowttz, soweit es sich um Offiziere handelt. Vor uns liegen 18 ivlcher Listen, die entsetzlich hohe Ziffern aufweisen. Es handelt sich um einen Gesamtverlust von rund 1330 Offt- Peren. Es ist wieder auffällig, daß mehr als 70 Prozent dieser Offiziersverluste aus die gauz hohe» und auf die ganz niederen Chargen entfallen. In der letzten Zeit war das Verhältnis der Offiziere zu den Mannschaften bei den Gefallenenziffern im Durchschnitt 1:100. Man könnte also für die Russen an Toten, Verwundeten und Vermißten bei dieser fruchtlosen Offensive einen Gesamtabgang von rund 130 000 M«u» berunsrechuen^MsÄ Diese Ziffer geht noch über die österreichische Schätzung hinaus".
Wilson und Lansing.
Reuter meldet aus Washington: Es ist eine Erklärung von maßgebender Seite erschienen, die die von Senator Gore im Senat erhobenen Angriffe entschieden zurückweist. In der Erklärung wird mitgeteilt, daß einer der demokratischen Führer bei der Konferenz im Weißen Hause Wilson fragte, was die wahrscheinliche Folge eines amerikanische» Eingreifens gegen Deutsly- land fein würde. Wilson antwortete, daß sie dazu beitragen würde, den Krieg zu verkürzen. Es wird aber verneint, daß Wilson den Wunsch aussprach, daß die Vereinigten Staaten am Kriege teilnehmen sollten, um tön abzukürzen.
Staatssekretär Lansing deutete an, daß die Vereinigten Staaten die deutsche Auffassung nicht aunehmeu könnten, daß ein Unterseeboot infolge seines gebrechlichen Baues Anspruch auf größere Rücksicht beim 'Angriff habe als irgendeine andere Klasse von Kriegsschiffen. Im Staatsdepartement ivurde mitgetettt, daß in Berlin Gerüchte umgehen, daß fünf Sechstel des Kongresses gegen Wilson seien. Die amtlichen Kreise geben dies bekannt, um zu zeigen, bis zu welchem Grade Berlin falsch unterrichtet fei.
kein Glück der Erde mir das Verlangen nach der unbekannten, viel zu früh geschiedenen Mutter stillen kann.
Die Schleier der Dämmerung fallen tiefer und tiefer, wie Seprazeichnungen heben sich die Aeste der laublosen Bäume von dem violett geränderten Kupfergold des Himmels ab, aus den bunt betupften Wassern heben sich weiße Nebel und über die Wiesen schleppen sie sich wie feine, durchsichtige Spinnwebengewänder, als Untergrund die Mauvefarbe der Herbstzeitlose tragend.
Fast gereut es uns, dem wunderbaren, in seiner tiefen Melancholie so zauberschönen Herbstabend entfliehen zu müssen. Artur ist der erste, der sich aufrafft. Sich dehuend und reckend streckt er die Arme nach dem verglühenden Sonnenrote und von feinen Lippen kommt es weich und sehnsüchtig, wie tiefer Klageton:
„Adieu Sonne--adieu Schönheit — — mir graut vor dem Winter in der großen Stadt da unten. — — Ich möchte hier bleiben, ganz allein mit Dir, Elisabeth, keine Menschen sehen und--und----"
Er bricht ab. Meinen angstvollen Blick gewahrend, lächelt er und breitet die Arme aus.
„Beende, Artur — — beende, keine Menschen und --und--"
„Keine Gesellschaftspslichten haben," sagt er leicht mit scherzender» Tone, „weil--weil ich eifersüchtig bin auf die Blicke, die Dich treffen, auf die Vewuude- ruug, der Du entgegengehst und die Deiner Schönheit und Annlut, Deiner herrlichen Stimme, Deiner ganzen Slri und Weise gilt----"
Schnell beruhigt lache auch ich und wir gehen langsam, Arm in Arm, den Weg zwischen den mauve-burch- wirkten Schleiern der Wiesen hinanf nach dem Schlößchen. —
(Fortsetzung folgt.)