Ein siegreicher deutscher Angriff in der Champagne.
Der Zusammenbruch der französischen
Woevre-Front.
Neben dem großen Erfolge von Berdun hatten unsere Truppen in den letzten Tagen auch in der Mäße von Berdun gegen die französische Front int Woevre nach dem Berichte unseres Generalstabes einen großen Sieg aufzuweisen. Wenn unsere oberste Heeresleitung die Worte gebraucht, daß der feindliche Widerstand auf der ganzen Front zusammenbrach, so wissen wir bei der bekannten Vorsicht der Berichte unserer Heeresleitung, daß es sich um einen großen Erfolg handelt. Die Stellung der Franzosen in der Woevre- Ebene verlief östlich und südöstlich von Berdun und hatte ungefähr eine Ausdehnung von 15 km. Daraus kann man erkennen, daß die neue siegreiche Tar unserer Waffen nt diesem Raum einen beträchtlichen Umfang — auch rein örtlich betrachtet — aufzuweisen hat. Wir erfahren, daß die französische Front bis in die Gegend von Marcheville südlich der Nationalstraße Metz — Berdun — Paris znsammenqebrochen ist. Es handelt sich also um ein Kampfgebiet, in dem während dieses Krieges schon oft die Waffen zwischen unseren Truppen und den Franzosen gekreuzt wurden.
Gerade vor ungefähr einem Jahre haben die Franzosen hier auch heftige Anstrengungen gemacht, um in diesem Raume einen Erfolg zu erzielen. Besonders in den Tagen vom 1,. — 20. März 1915 versuchten die Franzosen hier mehrfach mit starken Kräften vorzu- stoßen. Aber stets wurden sie nach den Berichten unseres Generalstabes zurückgeworfen. Es gelang ihnen nicht, einen nachhaltigen Gewinn zu erlangen. Die Angriffe ließen nur selten ganz nach. Besonders am 27. März 1915 kam es wiederum zu neuen französischen Unternehmungen, die darum heute von besonderem Interesse sind, weil sie sich genau in demselben Raume abspielten, in dem jetzt unser großer Erfolg errungen worden ist. Unsere £ berste Heeresleitung meldete nämlich am 28. März, daß heftige französische Angriffe in der Woevre- Ebene nach hartnäckigen Kämpfen besonders bei Marcheville zu unseren Gunsten entschieden worden sind. Es ist dasselbe Marcheville, das setzt bei unseren großen Borstoß den Endpunkt der französischen Front bildete.
Aus den ständigen Versuchen der Franzosen gerade hier einen Erfolg zu erringen, kann man auch die Bedeutung unseres jetzigen siegreichen Borgehens erkennen. Was unseren Feinden in langen Angriffen nicht gelungen ist, das gelang erfreulicher Weise dem unwiderstehlichen Angriff unserer Tapferen. Die Woevre- Ebene, die hier eine Rolle spielt, ist während der langen Stellungskämpfe von den Franzosen gut zur Verteidigung ausgebaut worden. Um so schöner ist der Erfolg, den der erste Ansturm unserer Waffen hier zeitigte. Der Rückzug der Franzosen,, denen unsere Truppen folgen, müßte noch der Lotes Lorraines zu erfolgen, die auch bereits mehrfach in manchen Abschnitten eine größere Rolle im Verlaufe dieses Krieges gespielt hat. Aus dem jüngsten deutschen Generalstabsbericht können wir erkennen, daß die Franzosen diesen gegebenen Rückzugsweg eingeschlagen haben, denn unsere £ berste Heeresleitung meldete bereits am 27. Februar, daß die deutsche Front in der Woevre-Ebene kämpfend gegen den Fuß der Lotes Lorraines rüstig vorwärts schreitet. (OKM.)
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Die erbittertsten Kämpfe der Kriegsgeschichte.
Die Nachrichten, die der Mailänder „Decolo" aus Paris über die Kämpfe der letzten Tage in der Gegend von Berdnn erhält, kennzeichnen laut „National-Ztg." die dortige Schlacht als die erbittertste seit Beginn des Krieges. Jeden Augenblick gewinnt das Ringen an Ausdehnung und schon jetzt beträgt die Front, auf der gekämpft wird, über vierzig Kilometer. Immer neue Regimenter greisen in den Kampf ein, unablässig vervielfältigen die Teutschen ihre wütenden Angriffe: allein von Haumont bis Beaumont griffen sie achtmal hintereinander an, ungeachtet des konzentrierten Feuers der französischen Geschütze und Maschinengewehre. Das Waldstück von Caures ging mehrmals von Hand zu Hand. Die Artillerie arbeitet beiderseits mit furchtbarer Intensität und phantastischem Munitiousver- brauch. Das Schlachtfeld ist dermaßen bombardiert, daß die Schützengräben und Feldbefestigungen vollständig zerstört sind, breit und tief, andere Schluchten haben sich geöffnet, wahre Erdberge sind entstanden. Und in diesem furchtbaren Wirrwarr spiele« sich die blutigste« Kämpfe ab, die die Geschichte kennt. Die militärischen Kreise glauben, daß die Schlacht bald ihren Gipfelpunkt erreicht haben wird.
Das Tal -ev Liebe.
Erzählung von Ellen Tvala.
T) (Nachdruck verboten.)
Ich höre sie schon nicht mehr. Bon einem Schranke zum anderen gehend, presse ich mein Gesicht in die weichen Stoffe der Gewänder und atme mit vollen Zügen den süßen feinen Dust wie von Heliotrop und wilden Heckenrosen, streiche schmeichelnd durch die seidigen Falten und küsse die Spitzen, die so lose und lustig, so wunderschön erhalten auf ihrem schimmernden Untergründe liegen.
Dann zieht Tante Lina die Vorhänge wieder über die Luken, graues Dämmerlicht kriecht durch den langen, schmalen Raum, aus den welken Kränzen kommt es wie Zischeln und Raunen feiner Trimmen und die goldbe- druckten Bänder glühen und leuchten wie lebenswarme Farben auf Schutt und Staub.
Die Türe knarrt in ihren Angeln, der Schlüssel ■ kreischt, wortlos schleichen wir davon und treten still in das große Wohnzimmer, in welchem Wilma und Margarete einen Brief von Tora lesen, die ihre Ankunft für einen der nächsten Tage anzeigt. Das schimmernde Seidenkleid hängt über Tante Linas Arm, beide Schwestern schauen mich groß an, und dann zieht Wilma mich zum Spiegel:
„Sieh einmal, wie Du ausstehst, Elisabeth I"
Das Spiegelbild zeigt mich ganz bleich mit verwirrtem Haar und in diesem Haar, wie Tautropfen zerstreut, kleine, helle, schimmernde Dinger.
„Perlen", sagte Wilma, „Perlen bedeuten Tränen."
Oh, wenn ich an die ahnungslosen, hellsehenden Worte denke, die in meiner Erinnerung hasten und die, । — ich weiß es, — niemals auch aus Wilmas Herzen ge- i wichen stabil I
Aus dem großen Hauptquartier « ............. ... —--------------------------------... —..... »
os* Großes Hauptquartier, 28. Februar 1916. (Amtlich. WTB.) (Eingegangen 2,45 Uhr nachmittags.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Die A r t i l l e r i e k ä m p f e erreichten vielfach große Heftigkeit. An der Front nördlich von Arras herrscht fortgesetzt lebhafte Minentätigkeit? wir zer-' störten durch Sprengung etwa 40 Meter der feindlichen Stellung.
In der Champagne schritten nach wirksamer Feuervorbereitnng unsere Truppen zum Angriff beiderseits der Straße Somme-Py-Souai». Sie e r - oberten das Geh oft Navarin nnd beiderseits davon die französische Stellung in einer Ausdehnung von über 1600 Metern, machten 26 Offiziere, 1009 Mann z« Gefangenen und erbeuteten 9 Maschinengewehre und 1 Minenwerfer.
Im Gebiet von B e r d u u erschöpften sich wiederum neu heraugeführte feiudliche Massen in vergeblichen An- griffsversnchen gegen unsere Stellungen in nnd bei der Feste Douaumout sowie auf dem Hardanmont.
Unsererseits wurde die Maashalbinsel Champ- neuville vom Feinde gesäubert. Wir schoben unsere Linien in Richtung auf Bacherauville und Bros weiter vor. In der Woevre wurde der Fuß der Cotes Lorraines vom Osten her an mehreren Stellen erreicht.
Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz.?
Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.
r,Ä*,,—*^***m^*iii*™*Äiim*^^ Dom österr -nngar. Generalstab »-—----— t
** Wien, 28. Februar. (WTB.) Amtlich wird vcr- lautbart:
Russischer und italienischer Kriegs- s ch a n p l a tz.
Nichts von besonderer Bedeutung.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Truppen haben in Durazzo bis jetzt an Benteeingebrächt: 23Geschütze, darunter 6 Küstengeschütze, 10 000 Gewehre, viel Artilleriemunition, große Verpflegungsvorräte, 17 Segel- und Dampfschiffe.
Allen Anzeichen infolge ging die Flncht der Italiener auf ihre Kriegsschiffe in größter Unordnung und Hast vor sich.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. H o e f e r, Feldmarschallentnant.
Angst und Sorge in Paris.
Die Pariser Zeitungen bemühen sich krampfhaft, keine Unruhe über die Schlacht bei Berdun aufkommen zu lassen. Durch alle Blätter geht die Version, daß Douaumont von den Franzosen wiedererobert worden sei. Alle Kritiken heben die nngehenre Wucht des seut- sche« Angriffes hervor. U. a. heißt es: Die Rückzugsoperation sei nur ein Manöver, um den Feind näher heranzulocken und ihn um so sicherer zu vernichten. Clemeuceau schreibt u. a.: Eine bessere Vorbereitung hätte manches Opfer erspart. Hcrvee wundert sich, daß von den Engländern keine Entlastungsoffensive auf anderen Stellen der Front eingeleitet worden sei. Der Grundton aller Kritiken ist aber die Hoffnung, Vertrauen z» bewahren. In einem Leitartikel heißt es im „Matin" u. a.: Der Zeitpunkt für einen Angriff aus Berdun würde der September 1914 gewesen sein. Damals wäre eine riesige Beute zu machen gewesen. Seit mehr als sechs Monaten sei Berdun als Festung ausgeschieden und sei nur ein leeres Gehäuse. Dieses widerspricht den jüngst u. a. von Hervee geäußerten Ansichten, nach denen Berdun ein Hauptstapelplatz für Kriegsmaterial aller Art sei.
Hervee sagt in seinem Blatte „Bictvire": Der Verlust von Berdun würde, ohne daß wir es verhindern sönnen, einen ungeheuren moralischen Erfolg für unsere Feinde bedeuten. Wir müßten auch die unermeßlichen Vorräte an Proviant überlassen, die eine derartige Festung in sich birgt. Im „Radical" wird zugegeben, daß die französische Heeresleitung sehr unter dem Mangel an Eisenbahnen leide, der die Heranziehung von Reserven sehr erschwere.
Es ist eine große, ausgewählte Gesellschaft, die sich in den Salons des Schlößchens versammelt hat. Wir sind spät daran, denn Tante Lina hat in der letzten Minute den ganzen Volant ihres grauen Seidenkleides abgeriffen und Margarete, die niemals teilntmmt an Festen und Gesellschaften, hat ihn neu annähen müssen.
Frau Wern empfängt unS in liebenswürdigster Weise und zum erstenmal werde ich Herrn Wern vorgestellt. Er ist ein großer stattlicher Mann, dem der weiße Vollbart lang auf die Brust fällt, seine Augen sind voll herzbewegender Güte und während er nach der Vorstellung einen Sessel zu meinem Platze zieht, sagt er plötzlich:
„Wie ähnlich Sie Ihrer Mutter sind, Fräulein Moldau! Sie haben wohl nicht ihr Haar, aber ihre Augen, ihr Antlitz und dann das Kleid — so ein Kleid trug sie an jenem Abend, als ich sie zum erstenmal sah. Sie war unendlich lieblich und fesselte mit ihrer Stimme in einer Weise, daß man sie nie vergaß. Damals, als ich sie sah, war sie schon Braut."
Also daher der sonderbare Ausdruck in des Vaters Augen und die Heftigkeit, mit der er mich in seine Arme schloß! Mehr denn die anderen Kinder sehe ich Mutter ähnlich! Wilma hat nur ihr Haar, Margarete gleicht dem Vater, — ich bin der Mutter Ebenbild!
Herr Wern versichert es mir wieder und wieder. Es sind auch noch andere Leute da, Herren und Damen, die mir dies sagen. Mit einem Male sehe ich hinein in eine Welt, die unseren Namen kennt, die unsere Schicksale weiß, die meiner Mutter Antlitz gesehen, ihre Stimme gehört, die sie bewundert, geliebt und beweint haben, und wieder überkommt mich Ehrfurcht, gemischt mit jenem sehnenden Verlangen, das mich da oben in der langen schmalen Kammer das Antlitz verbergen ließ in den weichen fetbeuen Gewändern, denen der leise Geruch des herrlichen Parfüms taum merklich entströmt, so, als
Die große Stille in Paris.
Der Pariser „Secolo"-Bertreter meldet seinem Blatte: Paris lebt in Angst und Sorge über das Schicksal von Verdun. Die ganze Seele Frankreichs hängt gespannt an Berduu. Dazu kommt, daß jeder einen Angehörigen in der Front hat und daran denkt, wieviele Opfer die Kämpfe kosten. Seit drei Tagen ziehen die Verwundetenzüge über die Boulevards. Wegen des Schnees machen die Räder der Ambulauzwagen keinen Lärm, nur die Motoren rasseln düster in der großen Stille, die Paris beherrscht.
Die Bedeutung Douaumouts.
Bezeichnend für die Bedeutung des von den Deutschen genommenen Forts Douaumont sind folgende Aeußerungen der französischen Militärkritiker: Die Stellung bei Douaumont, um die der heftigste Kampf in dieser gewaltigen Schlacht geführt worden ist, ist der beherrschende Punkt des Festnngsgcvietes von Berdun. Die befestigten Punkte Souville, Baux und Belleville links dieser Festung sind starke Hindernisse, aber Douaumont besitzt infolge seiner das ganze Gebiet beherrschenden Lage einen weit größeren Wert.
Des Kaisers Dank an die Brandenburger
Auf das vom branöenburgischeu Provinzial-Land- tag an den Kaiser gesandte Huldigungstelegramm ist folgende Antwort eingegangen:
„Großes Hauptquartier, 28. Februar 1916. Meinen wärmsten Dank für die freundliche Begrüßung des Bran- denburgischen Provinzial-Landtages. Ich freue mich sehr über die neue große braudenburgische Kraft und Treue bis zum Tode, die Brandenburgs Söhne in unwiderstehlichem Ansturm auf die stärkste Feste des Hauptfein- des in diesen Tage» abgelegt haben. Gott segne Brandenburg und das gesamte deutsche Vaterland.
Wilhelm, R."
Erhöhte Kampftätigkeit im Oberelsaß.
Die „Köln. Ztg." meldet unterm 28. Februar aus dem Großen Hauptquartier: Die erhöhte Kampstätig- keit im Oberelsatz hält an. Starker Geschützdonner ist allenthalben in den südlichen Vogeien und an Sund- gau zu hören. Besonders lebhaft ist das Feuer im Tal von Metzeral in der Umgebung von Altkirch, an der burgundischen Pforte, also dort, wo letzthin der Vorstoß bei Heidweiler stattgesunden hat, und drittens in der südlichsten Gegend der deutschen Front, au der schweizerischen Grenze. Auch hier hat vor einigen Tagen bei Obersept durch wohlvorbereitete Wegnahme einer französischen Stellung eine wesentliche Verbesserung der deutschen Frontlinie stattgefunden.
Scharse Note an Portugal
r«s- Berlin, 28. Februar. (Privattelegramm.) Deutschland hat au Portugal eine scharfe Note gerichtet, in der es mit Rücksicht auf die Vertragsbestimmung, daß die Beschlagnahme von deutschen Schiffen nur nach vorheriger Regelnng der Entschädigungsfrage mit den Interessenten erfolgen kann, die Rückgängigmachung der portngiesifchen Beschlagnahme verlangt.
Die amerikanische Krisis.
Ancerikaner auf bewassuete« Handelsschiffen.
' Ler ^eumüfer
ated Preß" meldet aus Washington: Die neuerliche Tätigkeit von Mitgliedern des Hauses der Repräseutanten, die darauf dringen, daß eine Resolution angenommen wird, in der den Amerikanern empfohlen wird, bewaffnete Handelsschiffe nicht zu benutzen, erregt bei den Führern der demokratischen Partei große Besorgnis. Eine Abordnung von Vertretern des Staates Missouri im Kongreß hat den Senator Stone aufgesucht und in der Unterredung darauf bestanden, daß die Amerikaner gewarnt werden. Nach der Besprechung der Abordnirng aus Missouri mit Senator Stone verlautete, dieser werde sich vor dem Willen der Mehrheit im Senate bei seiner Entschließung leiten lassen Später trat der Ausschutz für auswärtige Augelegeuheiten desRepräsentantenhauses zusammen und entschied sich dahin, sich zunächst über die Stimmung des Hauses bezüglich der erwähnten Resolution zu vergewissern. Der Vorsitzende beratschlagte später mit dem Präsidenten Wilson und versicherte ihm, daß der Ausschutz sich noch nicht entschieden habe, die Annahme der Resolution zu empfehlen, und daß er auch nicht glaube, daß dies geschehen werde.
Der neue Uboot-Krieg.
»-r- Berlin, 29. Februar. (T. U.) Die „Bl. Mp." schreibt unter der Ueberschrift „Der neue Uboot-Krieg":
trüge der Sommerwind den Geruch von weit weit blühenden Blumen über die Ebene nach den Bergen.
Oskar von Henningks ist immer da zu finden, wo Wilnia ist. Artur Wern kommt so oft zu mir, als es seine Pflichten als Sohn des Hauses erlauben. Sieht er den Kreis von Herren, der sich um mich gebildet hat, so umwölkt sich seine Stirn und mehr denn einmal sehe ich seine Augen mit forschendem, eigentümlich durchdringendem Blicke auf mir ruhen.
Wilma's Harfe ist von der Oberförsterei herübergebracht worden. Wieder und wieder muß sie ihre russische Legende spielen, dann führt Herr Wern mich zum Klavier, er selber will die Begleitung spielen. In den Noten blätternd, die man ebenfalls herübergeschickt hat, entnimmt er tönen ein Blatt, ein vergilbtes, vergriffenes Blatt und hält es mir hin. „Können Sie dies singen, Fräulein Moldau?" fragte er eigentünilich weich.
Ich habe das Lied so oft gesungen, dass ich jede Zeile auswendig weiß, es ist ein kleines, fremdländisches Liebeslied von hinreißend süßer Melodie. Der Vater hört es nie genug und einmal, als ich es gesungen, sah ich ihn im Dämmerlichte des großen Zimmers die Augen mit der Hand besck>attcn und zwischen den Fingern quollen Tränen hindurch.
„Es war das Lieblingslied der Mutter!" Darum also der geheimnisvolle Zug von Srunpathie, der mich unter all den andern vielen Licderit dieses kurze, kleine bevorzugen ließ! Niemand sagte mir je davon, wie auch niemand mich je aufgeklärt hat über das, was meine Mutter war.
Ich singe und während des Gesanges durchzieht mich das Bewußtsein, daß ich der Mutter Kleid trage und daß ihr Lieblingslied von meinen Sippen kommt, wie ein Gebet. Wie eine Vision erscheint mir des Vaters Bild an jenem Abend, da ich es ihm vorgesungen, vor meinem Geiste und in meinem Herzen zittert süß und traurig jene Ehrfurcht--jenes Sehnen. (Forts, folgt.)