Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^. für den Kreis Hersfeld

Msleliier Kniztlatt

Dezugsprei« vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei ^ersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.

Nr. 49.

Sonntag, den 37. Februar

1916

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 25. Februar 1216.

Zufolge Anordnung des Königlichen Kriegs­ministeriums soll eine

Nachmafteruag der Militär-

Wichtigen des Jahrgangs 1896

«nd der älteren Jahrgänge stattfinden. Zu dieser Nachmusterung haben alle die­jenigen Militärpflichtigen der vorbezeichneten Jahr­gänge zu erscheinen, welche bei früheren Musterungen gefehlt haben oder weiche bei früheren Musterungen vorläufig zurückgestellt ' wurden sowie die als garntsonverwendungsfählg^'oder auch nur"^ss'"ar^ bettsverwendungsfähig bezeichnet worden sind. Die­jenigen Militärpflichtigen, 'welche bei früheren Muste­rungen als kriegsverwendungsfähig bezeichnet wurden und noch nicht zur Einstellung gekommen sind, haben nicht zu erscheinen. Zur Gestellung sind ferner ver­pflichtet die zur Berfügung der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften und alle als zeitig untauglich besundenenbezw. entlassenen Mannfchäften aller Waffen (gediente und ungediente). Sämtliche als unabkömm­lich anerkannte Beamte der Post, Eisenbahn- und an­derer Behörden des una^gebtldete^'tfanWürms I. und'^ü? Aufgebots (einschließlich der ehemaligen D. U.), soweit sie noch nicht gemustert sin57"nnd"eben^ falls gestellungspflichtig.

Für die Abhaltung dieser Musterung sind folgende Termine oenimmt .vviuui.

Mittwoch, den 1. März ds Is von Morgens Vs9 Uhr ab

Musterung der Militärpflichtigen der Jahrgänge 1896 und 1895.

Donnerstag, den 2 März ds. 3s. von Morgens V29 Uhr ab

Musterung der Militärpflichtigen der älteren Jahr­gänge (1894, 1893 usw.), der zur Verfügung der Er­satz-Behörden entlassenen Mannschaften und aller als zeitig untauglich befundenen bezw. entlassenen Mann­schaften aller Waffen (gediente und ungediente).

Freitag, den 3. März ds. 3s.

von Morgens Vsy Uhr ab

Musterung sämtlicher als unabkömmlich anerkannten Beamten der Post, Eisenbahn- und anderer Behörden des unaüsgebildeten Landsturms I. und H. Aufgebots (einschließlich der ehemaligen D. U.) soweit sie noch nicht gemustert sind.

Die Musterung findet z» Hersfeld in der neuen Turnhalle (Äugnst-Gottliebstraste) statt.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden hiermit angewiesen, Vorstehendes alsbald und wieder­holt auf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Betei­ligten zu bringen und dafür zu sorgen, daß sämtliche Gestellungspflichtige pünktlich zu den bestimmten Ter­minen erscheinen. Auch sind dieselben anzuweisen, die Militärpapiere mit zur Stelle zu bringen. Etwa fehlende Personen sind mir sofort im Termine nam­haft zu machen. t ~

Die Herren Ortsvorstände haben zu den Terminen ebenfalls zu erscheinen und so lange zur Stelle zu sein, bis sämtliche Mannschaften ihrer Gemeinde ge­mustert sind. Im Falle der Verhinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters zu sorgen. I. M. Nr. 1170. Der Landrat.

I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

SoatbefMang als Ersatz für Serradella.

Veröffentlichungen des Preußischen Landwirtschafts- ministerinms.

Bekanntlich reicht der verfügbare Bestand an Serradellasaat bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Außerdem wird mehrfach berichtet, daß auch Saat mit recht mangelhafter Keimfahrgkeit ge­handelt wird. Bei der starken Nachfrage und den hohen Preisen werden naturgemäß auch alle alten Reste zusammengeholt. Vorsicht beim Ankauf von Sexradellasaat erscheint daher dringend geboten.

Im übrigen muß daraus Hingewiesen werden, daß die Serradella durch Weißklee oder Gelbklee ode» durch Mischung beider Kleearten bis zu einem ge­wissen Grade ersetzt werden kann, namentlich wenn die Aussaat frühzeitig erfolgt. Die Bestände an beiden Klecsamenarten sind nicht so knapp, wie die

der Serradellasaat, so daß sie in manchen Fällen zuni Ersatz werden herangezogen werden können.

Berlin, den 16. Februar 1916.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhause wurde am Freitag bei Besprechung der Medizinalverwaltung die Frage des Geburtenrückganges erörtert. Abg. Frhr. Schenk zu Schweinsberg (kons) betonte namens seiner Partei die Notwendigkeit, durch Verhinderung des Angebots gewisser Mittel die Volksvermehrung zu beein­trächtigen. Als wichtigste Frage nach dem Kriege be­zeichnete er die sittliche Erneuerung des Volkes. Die genaue Kenntnis der Vorgeschichte des Krieges werde einmal erweisen, welchen Anteil die Unsittlichkeit an der Entfesselung des Krieges trage. Unter lebhaftem Beifall des Hauses schloß der Redner:Solange unser Volk bei seinem Gotte ist, solange werde es auch von Gott nicht verlassen und alle Feinde nieder­ringen." Minister des Innern v. Loebell nannte die Frage des Geburtenrückganges eine Frage der Zu­kunft. Während im Jahre 1901 noch 40 Lebendge- burten auf 1000 Einwohner kamen, fiel die Zahl auf 28 im Jahre 1912. Gewiß seien die entsprechenden Zahlen in England, Frankreich und Belgien wesent­lich niedriger, und bis zum nächsten Kriege, den Gott hoffentlich noch lange fernhalten werde, könne der Geburtenrückgang sicherlich überwunden werden. Einer vollständigen Lösung des Problems ständen ernste Schwierigkeiten gegenüber, denn Staat und Regierung, Gesetzgebung und Polizei können nicht allein helfen. Wenn es sich auch nicht um eine Ent­artung unseres Volkes handle, so handle es sich doch um ein Uebel, das in allen Schichten des Volkes an- zutreffen sei. Eine Lösung der Frage könne nur durch das ganze Volk gehen, das aufgerüttelt und dem rechten Wege zugeführt werden müsse. Erst wenn wir der Hilfe aller beteiligten Kreise: Kirche, Schule,

Rede mit lebhaftem Beifall und folgte auch den Aus­führungen des nächsten Redners, des Ober-Reg.-Rats Krohne, mit starker Aufmerksamkeit. Er führte aus, daß Deutschland jetzt 2V2 Mill. Menschen mehr zählen würde, wenn die Geburtenziffer wie im Jahre 1900 geblieben wäre. Die Gefahr bestehe, daß wir in die Lage Frankreichs kommen, das wahnsinnig genug sei, einen Kampf zu führen, der ihm schon 700 000 Tote gekostet habe. Von einer Rassenverschlechterung könne bei uns keine Rede sein, dagegen spreche die Abnahme der Sterblichkeit. Aber leider sei namentlich in der Frauenwelt die Ansicht vorherrschend, daß Kinder eine Last seien. Immerhin treffe die Ansicht, daß nach einem Kriege die Geburtenziffer steige, für diesen Krieg nicht zu, da auch Deutschlands Verluste außer­ordentlich feien. Im weiteren Verlaufe der Er­örterung wies Ministerialdirektor Dr. Kirchner auf das Zusammenarbeiten der Medizinalverwaltung mit der Heeresverwaltung hin, das die größten Erfolge gezeitigt habe. Eine große Anzahl von Instituten diene der Seuchenbekämpfung) kein Volk habe der­artiges aufzuweisen. Ein verzweifelter Kampf sei gegen die Geschlechtskrankheiten erforderlich. Trotz­dem müsse eine Anzeigepflicht abgelehnt werden, da sie zur Verheimlichung führen würde. Auch auf dem Gebiet der Säuglingsfürsorge müsse mehr als bisher geschehen. Nach weiterer kurzer Erörterung wurden die Anträge des Ausschusses betr. Ver­hinderung des Vertriebs von Mitteln zur Em­pfängnisverhütung angenommen, ebenso der fort­schrittliche Antrag auf Einbringung eines Wohnungs­gesetzes. Darauf wandte sich das Haus dem Titel Handel und Gewerbe zu. Nach dem Berichte des Abg. Oeser über die Ausschußverhandlungen vertagte das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend.

Auch das Herrenhans hielt am Freitag eine Sitzung ab, in der das Fischereigesetz verabschiedet wurde. Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer erkannte an, daß der Ausschuß fleißige Arbeit geleistet habe und die Regierung seine Anträge mit einigen Aenderungen annehmen könne. Sonnabend: Kleine Vorlagen.

I Zeichnet Strsfeiatr Volksspende! |

Bus der Heimat«

* (Das den Angehörigen der Gefallenen gestiftete Gedctlkblatt.) Amtlich wird gemeldet: In letzter Zeit sind mehrfach Beschwerden darüber laut geworden, daß die Angehörigen der Gefallenen sowie der einer Kricgsverwnndung Erlegenen oder an einer sonstigen Kriegsdienstbeschädigung Verstorbenen das von Seiner Majestät dem Kaiser durch Erlaß vom 27. Januar 1915 gestiftete Gedenkblatt erst längere Zeit nach dem Tode des betreffenden Kriegers erhalten

hätten. Diese Klagen beruhen zum großen Teil auf Unkenntnis der Verhältnisse. Die ersten Nachrichten über die Verluste bedürfen eingehender Nachprüfung, da ein Gedenkblatt erst nach zweifelsfreier Feststellung des Todes ausgestellt werden darf. Auch sind vielfach zeitraubende Nachforschungen nach dem Empfangsbe­rechtigten erforderlich. Für die Ausfertigung und Versendung der Gedenkblätter sind lediglich die Er­satz-Truppenteile zuständig, an die sich die Angehörigen der Gefallenen mit allen Anfragen wenden mögen.

§ Hersfeld, 26. Februar. (Betriebsein­schränkungen bei der Po st.) Hauptsächlich in­folge Mangels an geschultem Personal treten auf höhere Anordnung in den Betriebseinrichtungen des hiesigen Postamts vom 1. März ab für die Dauer des Krieges folgende Einschränkungen ein: Die Haupt- Annahme-, Ausgabe- undPaketschalter werden während des ganzen Jahres Werktags nur von 8 bis 12 Borm. und von 2 bis 7 Nachm., an Sonn- und Feiertagen wie bisher von 8 bis 9 Vorm. und von 12 bis 1 Nachm. geöffnet sein. Ferner wird die Geldbestellung werktäglich nur einmal ausgeführt werden. Im weiteren wird von hier und von denjenigen hierher zugeteilten Postagenturen, wo es die Verhältnisse irgend zulassen, werktäglich nur eine einmalige Land­bestellung nach sämtlichen Landorten stattfinden. Wenn der Krieg sonach auch hinsichtlich des Post- und Tele­graphendienstes gewisse Unbequemlichkeiten und Nach­teile gegenüber dem Friedensstande für die Bevölke­rung unabweisbar mit sich bringt, so wird sich diese hiermit zufrieden geben müssen, zumal da andere Verwaltungen gleichfalls zu ähnlichen Maßnahmen gezwungen worden sind.

):( HerSfeld, 26. Februar. Auf die morgen Nach- mittag4 Uhr im Saale des HotelKaiserhof stattfindende gemeinsame öffentliche Versammlung der hiesigen Ziegen- und Kaninchenzüchtervereine sei auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht. Alles Nähere im Anzeigenteil der heutigen Nummer.

8 Hersfeld, 26. Fedr. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, ^0^ua;t, sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augen­blickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsschreibung, gehn aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zu­ständige Stelle, ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fort­laufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeineres Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Ge­eignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffent­licht werden; die Einsender mögen deshalb angeben was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffent­licht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Um­fange nachkommen werden.

-n- Heringen (Werra), 24. Februar. Auf originelle Art und Weise wurden am letzten Sonntag dem hie­sigen Roten Kreuz neue Geldmittel zugeführt. Herr Apotheker Petersen veranstaltete nämlich im Gasthof Glückauf" mit dem ihm gehörigen Odeon-Musik- Schrank-Apparat einen Vortragsabend für klassische Musik. Da es sich nicht um ein gewöhnliches Gram­mophon, sondern um einen Apparat handelte, der keinerlei störende Nebengeräusche hatte, und da ferner ein ausgewähltes Programm klassischer Musik (Eugen d' Albert, Emmy Destime, Hermine Bosetti, Wag- ner'sche Orchesterstücke und Arien, Mozart'sche Arien, Klingler-Ouartett u. dgl. m.) geboten wurde, so wur­den die Erwartungen aller Hörer weit übertroffen. Der Reinertrag ist dem hiesigen Roten Kreuz über­mittelt worden.

w Man lese *»g

amtlichen

die

Nicht nur an den Tagen, an denen man etwas wichtiges unter ihnen vermutet, sondern

,w täglich w

Unter den amtlichen Bekanntmachungen werden f a st Tag für Tag Bestimmungen wirtschaftlichen Inhalts verzeichnet, die man in dieser ernsten Zeit wissen und befolgen muh, Einmal im Interesse des allgemeinen Wohles und dann auch um sich vor Strafe zu schützen.