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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger Serstdier

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersseld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die ichpallige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- ' holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ;

Nr. 48.

Sonnabend, den 26. Februar

1916

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 22. Februar 1916.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises ersuche ich, die Betriebssteuer-Rollen bis zum 29. d. Mts. bestimmt einzureichen.

Der Vorsitzende des Steueransschnsses der Gewerbesteuerklasien 3 und 4.

Nr. 478. I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 23. Februar 1916.

Unter dem Rindviehbestaude des Landwirts Engelhardt Weber in Bebra ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. i. 2224. Der Landrat.

I V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Fortsetzung auf der 4. Seite.

Bus der Heimat«

* (Zigarren werden 50° o teure r.) (zens. bitt.) Ueber die neuen Tabaksteuern wird derKöln. Volksztg." gemeldet, daß die darüber schwebenden Verhandlungen zwischen den Regierungsstellen nun­mehr abgeschlossen worden seien. Ein Zigarren- monopol kommt nicht in Frage- ebenso ist von einer Bandervlesteuer abgesehen worden. Es wird viel­mehr dem Reichstag eine Erhöhung der Tabakzölle EgrMiZW MMM

Mk. und des Wertzolles von 40 auf 68 vom Hundert. Diese Mehrbelastung bedeutet eine Verteuerung der Herstellung der Zigarren um mehr als 22 vom Hundert. Es wird zu einer Preiserhöhung im Klein­handel von etwa 50 vom Hundert kommen, wobei die bisher billigsten Zigarrensorten bis zu 7 Pfennig wahrscheinlich aus dem Handel verschwinden werden.

):( Hersfeld, 25. Februar. (K artoffelkarten.) Man schreibt uns: Das Ziel der letzten Bundesrats­

M Mflfchen MMe M 1916.

In der russischen Presse rverden, wie der Korrespon­denzHeer und Politik" geschrieben wird, seit einiger Zeit die Pläne der russischen Heeresleitung für das Jahr 11916 ausführlich besprochen. Wenn auch aller Wahr- scheinlichkeit nach tatsächliche Angaben des russischen Ge- neralstabes diesen Aussühruugen kaum 31t Grunde liegen dürsten, so sind sie doch aus dem Grund von Interesse, weil daraus zu ersehen ist, wie sich in den russischen Köpfen die Ereignisse der kommenden Zeit malen. Alle Blätter sprächet! schon vor dem Fall von Erzerum von der Bedeutung der kaukasischen Front für Rußland und. von der Wichtigkeit einer starken Offensive an dieser Stelle, sodaß man den Eindruck gewinnt, als ob bei diesen Ausführungen ein leitender amtlicher Geist in den Redaktionen gewaltet habe. Rußland sollte offen­bar rechtzeitig darauf hingewiesen werden, daß ein Er­folg im Kaukasus nicht so gering einzuschätzen sei, wie man in Rußland angesichts der gewaltigen Mißerfolge an der viel wichtigeren russischeil Westgrenze anzn- nehmen gewillt war. Es hatten sich nämlich in Ruß­land in der letzten Zeit schon Stimmen erhoben, die er­staunt fragten, was man denn im Kaukasus mit so großen Truppenansammlungen wolle, da doch an der Westfront wichtigere Angelegenheiten zu erledigen seien. Dieser Stimmung würbe nun schon vorher entgegenge- arbeitet, um diereine Freude" des Großfürsten an sei­nem Erfolge nicht durch Nörgler verkümmern zu lassen. Auch in Rußland wird betont, daßedas Hauptziel dieser Offensive des Jahres 1916 darin bestehe, die Bereini­gung mit ben englischen Truppen in Ntefvpvtamlen her- beizuführen. Von weiteren Planen wird m erster Reihe eine Offensive an der Ostgrenze GaltzienS und der «tvß gegen Czernowitz als notwendig bezeichnet, nachdem die Waste Offensive an dieser Stelleso beachtenswerte Er- olge" gezeitigt habe. Diebeachtenswerten Erfolge" be­standen tatsächlich darin, daß die Rupen trotz der Aus- opferung von 200 000 Menschen nicht das Geringste er­reicht haben. Endlich wird auch die Lage vor Riga- Dünaburg eifrig besprochen, und das Jahr 1916 als Wendepunkt aus diesem Teile der Front bezeichnet. Gleichzeitig mit der zn erwartenden Offensive der Fran- zoseu and Engländer im Westen werde die russische Heeresleitung die 1500 000 neue Mannschaften die au­genblicklich ausgebildet würben, ..^'em großen An­griff gegen die deutschen und osterMchifch-ungartschen Truppen einsetzen, um die Front der Mittelmächte durch gewaltige Flugelossensiven zu umfassen und zu bedrohen. Die russischen Betrachter verfemten nicht, daß das starke Festungsgebiet in den Händen der-,deutschen ^nippen sehr schrvierig werde nun weinn fein. Am, diesem Grunde könne eben nur alles Heil von der Linie Duna- bum Riga durch einen erfolgreichen Flankenstotz kom- nieu. Als selbstverständlich wird vorausgesetzt, daß Deutschland diesem gewaltigen Ansturm nicht werbe S Ä zumal im Verlaufe der letzten Mo- Ä M Weise für den Ersatz von Wm

verordnung zur Regelung der Kartoffelversorgung war, den Bedarf der Bevölkerung bis zur nächsten Ernte sicherzustellen. Zu diesem Zweck findet am heutigen Freitag im ganzen Reiche eine Bestandsauf­nahme der Kartoffeln statt, die sich in den Händen des Handels und der Verbraucher befinden. Auf Grund dieser Bestandsausnahme soll dann den Ge­meinden die erforderliche Kartoffelmenge überwiefen werden. Unter der Voraussetzung, daß unsere Vor­räte an Kartoffeln den Bedarfsanmeldungen ent­sprechen, wäre dann die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt, wenn noch zwei Voraussetzungen zu­treffen. Einmal nämlich muß unter allen Umständen dafür gesorgt werden, daß die den Gemeinden über- wiesenen Mengen auch der gesamten Einwohnerschaft nach ihrem tatsächlichen Bedarf zugänglich gemacht wird. Und außerdem muß verhindert werden, daß auch weiterhin ein Teil der für die menschliche Er­nährung bestimmten Kartoffeln verfüttert wird. In beiden Beziehungen haben die bisherigen Erfahrungen beachtenswerte Lehren gezeitigt. Es ist festgestellt, daß in Städten, die sich vollkommen ausreichend mit Kartoffeln versorgt hatten, doch die minderbemittelte Bevölkerung stark unter Kartoffelmangel litt, weil nämlich der wohlhabendere Teil sich im voraus auf Monate hinaus versorgt hatte, wodurch den Minder­bemittelten die Kartoffeln ganz oder teilweise ent­zogen wurden. Außerdem aber haben die Städte bei ihrer Bedarfsanmeldung teilweise in sehr großem Umfange Kartoffeln zum Verfüttern angefordert. Beide Erscheinungen find mit der Kartoffelversorgung, wie sie die letzte Bundesratsverordnung anstrebt, völlig unvereinbar. Wenn diese Regelung einen Er­folg haben soll, dann ist eine Rationierung der Vor­räte durch die Gemeinden eine unverläßliche Voraus­setzung. Es müssen mithin Kartoffelkarten eingeführt werden, um zu erreichen, daß jeder einzelne nur soviel Kartoffeln beschafft, wie es der Umfang seines und um zu verhindern, daß die für die mensch­liche Ernährung bestimmten Kartoffeln nicht zum Verfüttern Verwendung finden. Was nun die auf den Kopf der Bevölkerung erforder­liche Kartoffelmenge betrifft, so erreicht sie in Friedens- zetten noch nicht ^ Pfd. pro Tag. Im westlichen Jndustriebezirk haben die Städte im allgemeinen den Bedarf in doppelter Höhe mit l12 Pfh., veranschlagt. Selbstverständlich muß bei der Beschränktheit und den

nmon gesorgt worden sei. Sie vergessen aber dabei, daß der große deutsche Sieg im Sommer vorigen Jah­res auch gegen eiiw starke Uebermacht errungen wurde, die sich noch dadurch in sehr günstiger Lage befand, daß damals noch alle russischen Festungen in ihrem Besitz waren. Trotz aKebem wurden die russischen Heere ver­nichtend geschlagen. Auch das Märchen von dem russi­schen Munitionsmangel kann nicht mehr aufrecht er­halten werben, da unsere siegreichen Truppen Waffen und Munition in solcher Menge erbeuteten, daß eher von einem Munitionsüberfluß als von einem Mangel gesprochen werden kann. Die Voraussetzungen der neuen Kämpfe bleiben nicht nur dieselben, sondern sind auf unserer Seite durch den Besitz des Festungswalles noch bedeutend günstiger. Die Aussichten des russischen Heeres für 1916 können darum nur von absichtlich Blin­den so dargestellt werden, wie es die russische. Presse tut. " (OKM.)

Prinzipien «nd Dummheit.

Wie die Engländer mit der Phrase, sie feien die Schützer der kleineren Staaten, sich die Sympathie der Neutralen bet Kriegsausbruch ergattern wollten und da­bei unseren aus der Not geboteuen Eiumarsch in Bel­gien wacker ausschlachteten, die Rechte der kleineren Staaten aber mit Füßen traten, sobald es ihnen in den Kram paßt, wofür die Behandlung Griechenlands bester Beweis ist, so gingen die Elsatz-Lothringen-lüsternen Franzosen zuerst mit der Redensart von: Nationalitats­prinzip tüchtig krebsen, das sie neben der Kultur, der Freiheit und bem Recht gegen die deutschen Barbaren zu verteidigen hätten. Daß die Franzosen selbst tta= tionische Gebiete in ihre Landesgrenzen eingezogen haben, erwähnten sie nie, nnd auch die Italiener wag­ten das nicht zu erwähnen, als sie schnaubend belfanp- teten, der heilige Egoismus gebiete ihnen die Erlösung aller unter HabSburgs Banner so schwer seufzenden Italiener. Indessen sind die Italiener an der Jsonzo- front belehrt worden, daß sie ihren heiligen Egoismus wohl noch einige Zeit znrnckstellen müssen und auch die Franzosen haben aus bem Ententegebilde Gründe ge- fnnden. daß die Forderung des Nationalitätsprmzips doch auch seine bedenklichen Seiten hat. , ,

Die Pariser ZeitungLibre Parole" wendet sich nämlich gegen die Zeitungen, die schon jetzt von Ruß­land fordern, es solle den ihm verbliebenen polnischen Provinzen eine Autonomie gewähren. Eine solche ici zwar wünschenswert, man müsse aber zu Nikolaus 11. Vertrauen haben, daß er sein Versprechen zur rechten Zeit einlösen werde. Den FriedenSverhandlungen werde das Nationalitätenprinzip zugrunde gelegt wer­den, aber eS fei kein absoluter und unantastbarer Grundsatz, sonst müßten ja die deutschen Provinzen Oesterreichs an Deutschland fallen, müßte Rußland Finnland. England Transvaal berauschen. Bei strenger Durchführung würde das Prinzip zur Stär­kung der Feinde, zur Schwächung der Verbündeten führen. Man müsse ö»m «iwbe und den Erörterungen

hohen Preisen anderer Lebensmittel während des Krieges die Kartoffelmenge höher als der Friedens­bedarf veranschlagt werden. Aber bei dem zurzeit mangelnden Ueberblick über die verhandenen Vorräte ist Sparsamkeit jedenfalls fehr geboten. Es würde daher wohl ausreichen, wenn man im allgemeinen als Bedarf 1 Pfd. auf den Kopf der Bevölkerung für den Tag annimmt und dabei, wie es auch bei der Brotversorgung geschehen ist, den stärkeren Bedarf der schwerarbeitenden Bevölkerung durch Ausgabe von Zusatzkarten berücksichtigt. Die Notwendigkeit der Einführung von Kartoffelkarten ist so einlenchtend, daß es einer bindenden Vorschrift durch eine Bundes­ratsverordnung wohl nicht bedarf. Die durch die letzte Regelung den Gemeinden übertragenene Ver­pflichtung zur Sicherstellung des Bedarfs der Be­völkerung schließt die Notwendigkeit einer ange­messenen Rationierung ohne weiteres in sich.

Uslar, 24. Februar. Um eine gerechte Butterver­teilung zu gewährleisten, macht die Molkerei Uslar bekannt, daß sie künftig Butter nur im eigenen Hause, und zwar lediglich an Dienstagen und Freitagen nach­mittags zwischen 4 und 5 Uhr verkauft.

Eisenach, 24. Februar. Ein teilweise» Verbot der Hausschlachtungen hat das Großherzogliche Staats- minifterium erlassen. Es hat bestimmt, daß Haus- schlachtungen von Schweinen nur mit Genehmigung des Gemeindevorstands zulässig sind. Ohne Ge­nehmigung gestattet bleibt die Hausschlachtung für diejenigen Schweine, welche mindestens 6 Wochen in dem Anwesen dessen gefüttert worden sind, für den die Schlachtung erfolgt.

Hanau, 24. Februar. Unter der Anklage des Mordes und Mordversuchs an ihren Kindern stand gestern die 28 Jahre alte Ehefrau Wilhelmine Raue von hier vor dem hiesigen Schwurgericht. Die Ange­klagte kümmerte sich nicht mehr um ihre Kinder. Da blieben war und sie für sich unangenehme Folgen fürchtete, faßte sie den Entschluß, sich und ihre vier Kinder mit Gas zu vergiften. Ein Kind starb den Erstickungstod, die Frau und die anderen Kinder wurden gerettet. Das Urteil gegen die Angeklagte lautete wegen Totschlags und Totschlagversuchs unter Annahme mildernder Umstände auf 3 Jahre Ge­fängnis.

über ein Prinzip ein, Ende machen, das die wichtigste« nationalen Interessen Frankreichs schädigen wurde. Frankreichs Sache sei so schön und gerecht, daß es auf solche Dummheiten verzichten könne. Es handle sich nicht darum, ein ethnographisches Prinzip durchzusetzen, sondern darum, die Deutschen zn besiegen.

Nehmen wir aus diesem französischen Preßragout die Phrasen raus, so ergibt sich: Die dem NationalitätS- prinzip entgegen unter fremder Herrschaft lebenden Völkerschaften sind bei den Deutschen im Vergleich mit betten bei der Entente geringfügig und verschwindend. Nach bem Nationalitätsprinzip käme Deutschland als der national am besten geschlossene Staat am besten weg, nnd deshalb ist auf einmal ein Prinzip, das bei Kriegs­beginn als Köder für die Völkerschaften ausgeworfen wurde eine Dummheit geworden. Und so wird es sich noch bei vielen Prinzipien unserer Gegner zeigen. Viel­leicht sogar bei den meisten.

Das Schicksal von Damno

beginnt sich zu erfüllen. Albanische Abteilungen sind, von österreichisch-nngarischen Offizieren geführt, an bte Küste des adriatischen Meeres vorgestotzen. Bemerkens­wert ist dabei die Tatsache, daß die Albanier tatkräftig bei dein Siegeszüge unserer Verbündeten mitwirken. Es zeigt sich auch hier wieber die gleiche Erscheinung, die wir schon mehrfach in diesem Kriege beobachten konn­ten, wie z. B. in Zerfielt und in Arabien bei Aden. daß die Einwohner der Länder, wo der KAeg angeblich zur Befreiung" von demJoch" der Mittelmächte geführt wird, für bte Liebenswürdigkeit undFürsorge" des Vierverbandes offenbar gar kein Verständnis haben und in ihrer Verblendung ihr Heil grade bei den Mit­telmächten sehen. Die Völker haben oben dnrcb die Er­eignisse der Geschichte gelernt, daß die großen Phrasen, die England und besonders Rußland von der Freiheit der Völker machen, nur so lange wirksam sind, wie bic beiden Reiche die Völker nicht in ihrer Gewalt haben. Nachher tritt an die Stelle der Freiheitsworte die elen­deste Knechtschaft und Unterdrückung. Auch die Alba- nier wissen offenbar genau, was ihrer unter der Herr­schaft der Völker der Entente wartet. Besonders von den Serben, bereit größte und erbittertste Feinde sie sind, können sie nichts Gutes erhoffen. So haben sie in den letzten Wos-en sich großenteils den Mittelmächte» an- geschlosfen nnd sind jetzt bereits bis an die Küste vor- geörnnaen. Dieser Erfolg ist für die Lage vor Durazzo recht bedeutsam, da den 0 Wienern, Serben usw. in Du­razzo dadurch bic Landverbindung völlig abgeschnitten ist. Außerdem ermöglicht aber die neu errungene Stel­lung am Adriatischen Meer die Bestreichung der Gc- wäficr vor Durazzo mit der Artillerie unserer Bundes genossen. Durch die B acrrichntlg aller Straßen, bte von der Küste in das Innere des Landes führen, ist andererseits die Versorgung der gsterreichisch-ungarischeu Truppen mit Munition und Lebensrnitteln aufS beste gewährleistet, sodaß die Lage unserer BunöeSgem'siett auch in dieser Veziehnna sehr glücklich genannt werden kann.