Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
KMU
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige 3eile 10 Pfennig, im ' amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 46
Donnerstag, den 24. Februar
1916
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 17. Februar 1916.
Der Ehefrau des Landwirts Johannes Lichten- hah.n in Heringen habe ich gemäß § 58 der Bundes- ratsverordnung über die Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl vom 28. 6. 15. das Recht der Selbstversorgung entzogen, weil sie bei der Angabe der Getreidevorräte am 16. 11.15 größere Vorräte verschwiegen und sich dadurch als unzuverlässig erwiesen hat. Die verschwiegenen Vorräte werden nicht bezahlt. Außerdem wird der gesamte«Getreideüber- schuß fortgenommen.
K. G. 9tr. 520.
entsprechend mehr, jedoch nicht über.......... für Röstflachs guter Mittelqua- lität.......... für abfallende Qualitäten entsprechend weniger, jedoch nicht unter.......... für besonders gute Qualitäten entsprechend mehr, jedoch nicht über........... für Knickflachs nach Schneider- schem Verfahren vollständig geknickt .......... für Brechflachs je nach Qualität
22 M. für 100 kg
32
26
34
50-60
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„ 100
100
100
100
Der Landrat.
J. V.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
und Bearbeitungsgrad . . . 100—140 fürSchwingflachs guter normaler Qualität
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100
Amtliche Bekanntmachung der Landwirtschaftskammer.
Tgb.-Nr. 1161/16. ,
Aufforderung zum Flachsbau im Kriegsjahre 1916«
Während die Gewinnung von Flachsfasern auf deutschem Gebiet noch vor zirka 20 Jahren in ansehnlicher Blüte stand, und gute Erträgnisse daraus erzielt wurden, hat die Landwirtschaft dem Flachsbau von Jahr zu Jahr immer weniger Interesse entgegengebracht.
Der Grund dieses Rückganges lag in den Zoll- und Tarifverhältnissen, welche die Einfuhr und Verfrachtung auf den inländischen Bahnen von ausländfchen Flächsen so sehr begünstigten, daß der, obwohl bessere inländische Flachs überhaupt keine Abnehmer mehr fand. Außerdem machte der zunehmende Leutemange» °vEM»«ts noch-ffeyr- EMpinwarveit verland Flachsbau immer weniger ausführbar.
Der Krieg hat, wie auf so manchem Gebiete, auch in dieser Hinsicht Wandel geschaffen. Deutschland ist in die Zwangslage versetzt, sich mit notwendigen Faserstoffen zur Erzeugung von Gespinsten und Geweben besonders für Heer und Flotte zu befassen, weil die Einfuhr von Flachs, Baumwolle und Wolle so gut wie abgeschnitten ist. Es kann nicht warten, bis ein Frieden wieder gestattet, alle für Deutschland benötigten Rohstoffe zur Erzeugung von Garnen und Geweben aus dem Auslande beziehen zu können. Hand in Hand mit der Deckung unseres Bedarfs an Flachs schreitet die Deckung unseres Bedarfs an Oelen und Fetten, welch letztere in Friedenszeiten durch die Einfuhr billiger Rohstoffe aus dem Auslande gedeckt wurde,' ihr Bezug ist uns gegenwärtig unmöglich.
In der^Leinpflanze besitzen wir ein Gewächs, das uns nicht allein die notwendigen Fasern für die deutsche Textil-Jndustrie, sondern das uns auch beträchtliche Mengen an Oel liefern kann, sowie ein blühendes Flachsfeld eine vortreffliche Bienenweide abgibt und dadurch auch die Gewinnung von Honig vergrößert. Das Erzeugnis ist uns aber nicht allein Bekleidungs- und Nahrungsmittel, es ist auch zum technischen Gebrauch verwendbar. Man kann daher die Leinpflanze als eine für unsere Bodenverhältnisse außerordentlich geeignete bezeichnen und es ist Pflicht der deutschen Landwirte, daß sie dazu beitragen, nicht nur den Mangel an Faserstoffen, sondern auch den Mangel an Fett und Oel durch Anbau von Lein zu mindern.
Um nun den Landwirten die Erfüllung dieser Pflicht zu ermöglichen, will die Kriegsflachsbau-Gesellschaft m. b. H. zu Berlin die oben genannten Ursachen des Rückganges des Flachsbaues dadurch aus dem Wege räumen, daß sie durch Vermittelung der Landwirtschaftskammer als sogenannte Verteilungsstelle mit den einzelnen Landwirte Verträge abschließt, kraft welcher sie sich verpflichtet, den nötigen Samen gegen die Selbstkosten zu liefern und die gesamte Flachsernte als Strohflachs oder in jeder veredelten Form gegen festgesetzte Preise abzunehmen, wogegen der betreffende Landwirt sich versuchten muß, sämtlichen aus ihm von der Verteilungsstelle überwiesenen Saat geeru- teten Flachs der Kriegsflachsbau-Gesellschaft zu überlassen.
Dabei will ich nicht unerwähnt lassen, daß durch das Drillen des Flachses ganz bedeutend an Handarbeit gespart wird.
Der Preis für die zu liefernde Saat stellt sich bei ungefähr 98° o Reinheit und 95" " Keimfähigkeit auf 65 M. für den Doppelzentner, zuzüglich etwaiger Bezugs- und Verwiegungskosten.
Der geerntete Flachs ist, falls nicht etwas anderes vereinbart wird, an die der Betriebsstätte des Landwirtes zunächst gelegene Bahnstation zu liefern.
Die Abnahmepreise werden wie folgt festgesetzt:
für abfallende Qualitäten entsprechend weniger, jedoch nicht unter.......... für besonders feine Qualitätten entsprechend mehr, jedoch nicht über.......... für halbgeschwungenen Flachs je tungsgrad entsprechend weniger schwungenen Flachs.
220
100
160
100
240 „ nach dem
„ 100 „ Bearbei-
als für vollausge-
Fortsetzung auf der 4. Seite.
Bus der Heimat«
* (S a m m e 11 das alte Papier.) Während in den feindlichen Ländern schon seit längerer Zeit eine immer mehr zunehmende Papiernot herrscht, war es, wie der Kriegsausschuß für das deutsche Papierfach schreibt, der deutschen Papiermacheret seither noch ohne besondere Schwierigkeiten möglich, den heimischen Papierbedarf zu decken. Es muß jetzt aber auch bei uns mit einer kuua. der
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die
Hauptrohstoffe der Papiermacherei, nämlich Holzschliff, Zellstoff, Strohstoff, Lumpenhalbstoff knapper werden, steigert sich die Nachfrage nach dem gleichfalls zur Papier- und Pappenherstellung dienenden Altpapier und Papierabfall. Dieses Material ist um so mehr im Werte gestiegen, als die ausländische Zufuhr (1913 fast W Million Zentner) fast völlig aufgehört hat, als viele Lumpensammler ihre Sammeltätigkeit — wegen Einberufung, wegen Mangel an Fuhrwerk usw. — einstellen mußten, und auch weil der Papierabfall heute vielfach auch zur Füllung von Schanzsäcken und Strohsäcken im Felde verwendet wird. Unter diesen Umständen ist es eine gebieterische Pflicht, auf eine bessere Sammlung des alten Papiers bedacht zu sein. In den Haushaltungen, auf Böden und in Kellern, in den Geschäften und Aemtern, überall liegen große und kleine Vorräte an altem Papier, oft unbeachtet, oft als lästiges Gerumpel. Das alles muß der Papier- und Pappenmacherei wieder zugeführt werden. Verbrennt keine alten Zeitungen, Broschüren, Pappkartons usw.! Werft kein Papier in den Müllkasten! Es ist im vaterländischen Interesse, diese Dinge jetzt sorgfältig zu sammeln.
* (Pflanzt Kürbis s e.) Es ist viel geschrieben worden über die Obstverwertung zu Marmelade und Gelee, um Fett und Butter zu strecken. Nicht jeder der Land hat, besitzt Obststräucher oder Bäume. Viel zu wenig Beachtung wird der Kürbispflanze geschenkt. Dieselbe läßt sich überall, besonders auf kleinen Komposthaufen anbringen, trägt ohne viel Arbeit überaus reiche Früchte, braucht zu Marmelade verarbeitet sehr wenig Zucker und schmeckt vorzüglich. Kürbis ist auch als Ersatz für Gurken süß-sauer zn- bereitet als Nachspeise sehr gut. In vielen Gegenden wird Kürbis als Mittagmahlzeit in Form eines sehr wohlschmeckenden Gemüses auf den Tisch gebracht. Es ist daher sehr zu empfehlen, Kürbisse zu pflanzen.
* (E n t l a s s u n g nur g a r n i s o n d i e n st t a u g - r.) In den letzten Wochen sind viele
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nur garnisondiensttaugliche Lehrer entlassen und zwecks Eintritts in den Schuldienst beurlaubt worden. Trotzdem aber besteht nodj ein großer Mangel an Lehrern. Aus dem Regierungsbezirk Raffel haben bis jetzt 200 Lehrer, Schulamtsbewerber und Seminaristen den Heldentod fürs Vaterland erlitten.
für ruhen Stengelflachs guter Mittelqualität auf
für abfallende Qualitäten entsprechend weniger, jedoch nicht unter...........
für besonders gute Qualitäten
20 M. für 100 kg
16
100
Bebra, 20. Februar. Die hiesige Gemeindevertretung beschloß, im neuen Steuerjahr 240 Prozent Prozent Zuschlag auf alle Steuern als Gemeindesteuern zu erheben. Seither kam man mit 160 Prozent Gemeindesteuer aus.
Cassel, 22. Februar. Der Rechnungsprüfungsausschuß des Kommunal-Landtages ist gestern vormittag unter dem Vorsitz des Abg. Oberstleutnant Gaertner aus Rinteln im Ständehause zu einer Sitzung zusammengetreten zur Entgegennahme und Prüfung der Jahresrechnungen des Bezirksverbandes und der Anstalten der Bezirksverwaltung für das Rechnungsjahr 1914, welche dem am 28. Februar zusammentretenden Kommunal-Landtage zur Abhörung vorgelegt werden sollen. Mitglieder des Rechnungs- prüfungs-AusschusseS sind die Abg. Landrat und
Geheimer Regierungsrat Noeldechen in Fritzlar' Stadtrat Runtz in Cassel, Bürgermeister Müller in Allendorf (Werra), Bürgermeister Strauß-Hersfeld und Oberstleutnant Gaertner in Rinteln.
Cassel, 23. Februar. Staatsanwaltschaftsrat Frackenpohl bei der Königl. Staatsanwaltschaft in Cassel ist zum Ersten Staatsanwalt ernannt und an die Königl. Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht zu Jnsterburg in Ostpreußen versetzt worden.
Treysa, 21. Febr. In der Stadtverordnetenversammlung wurde der Haushaltungsvoranschlag für das Jahr 1916 beraten, der ungefähr mit 170 000 Mk. abschließt. Zur Deckung der Ausgaben müssen 150 Prozent der Staatseinkommensteuer bezahlt werden; die Gemeindeumlagen betrugen im letzten Jahre 125 Prozent, bis dahin sogar nur 100 Prozent.
Kloster Hain«, 21. Februar. Im 44. Lebensjahre starb hier der Direktor des Landeshospitals Dr. med. Paul Schürmann.
Marburg, 22. Februar. Vom 1. März ab ist der Höchstpreis für Eier auf 12. Pfennig beim Verkauf an den Händler und 14. Pfennig beim Verkauf an den Verbraucher festgesetzt worden.
Eschwege, 21. Febr. In Abwesenheit der Mutter kamen am Alten Steinweg zwei noch nicht schulpflichtige Kinder dem Herdfeuer zu nahe. Ein Kind starb an den erhaltenen Brandwunden, das andere ist nicht lebensgefährlich verletzt. Das Mitgefühl mit der Mutter ist umso größer als der Vater der auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpfte schon seit längerer Zeit verschollen ist.
Eschwege, 20. Febr. IN den großen und dichten Wäldern unseres Kreises (im Stölzinger Gebirge und den Borbergen des Meitzners) treten in diesem Winter die wilden Schweine ungewöhnlich stark auf. Sie luuuuiu H««M» U«I Ulf ö-ctoei UKV tagten gier große Verheerungen an. Infolgedessen müssen die Pächter der Gemeindejagöen, die nach den Pachtbedingungen für den Wildschaden aufkommen müssen, große Summen an die geschädigten Bauern entrichten. Wohl gelang es hier und da einem Förster, einen Schwarzkittel zu erlegen, aber im großen und ganzen ist diesem scheuen und sehr flüchtigen Wild nur schwer beizukommen.
Weimar, 22. Februar. Großherzog Wilhelm Ernst empfing in besonderer Audienz den türkischen Militärbevollmächtigten General Zekki Pascha, der dem Großherzog den ihm vom Sultan verliehenen Eisernen Halbmond 1. Klasse sowie die goldene und silberne Jmtiazmeöaille überreichte. Nach der Audienz fand aus diesem Anlaß Hoftafel statt, an der außer dem General auch noch der zu ihm kommandierte Offizier, Rittmeister v. Schmidt, teilnahm.
Erfurt, 21. Februar. Ein achtjähriger Schuljunge in Cambnrg, der feine ältere Schwester neckte, erhielt von ihr eine Ohrfeige, wobei sie nicht daran dachte, daß sie das Messer zum Kartoffelschäler: in der Hand hatte. Der Knabe wurde durch das Messer so schwer an der Schläfe verletzt, daß der schnell herbeigerufene Arzt gerade rechtzeitig kam, um ihn vom Tode des Verblutens zu retten.
Fulda, 21. Februar. Die in hiesiger Stadt erfolgte Sammlung für die Kriegsspende „Deutscher Frauen- öank" ergab die ansehnliche Summe von 8412.25 Mark.
Hanau, 21. Februar. Das Schwurgericht verhandelte heute gegen den 48 Jahre alten, in Spangenberg bei Melsungen geborenen früheren Unterzahlmeister Wilhelm Suchting, zuletzt in Frankfurt a. M. wohnhaft, wegen schwerer Amtsunterschlagung. Der Angeklagte hatte 11 Jahre lang, zuletzt als Zahl- meister-Aspirant gedient und war im Jahre 1898 wegen allzu starken Alkoholgenuffes aus dem Heere entlassen worden. Bei Kriegsausbruch stellte er sich wieder zur Verfügung und wurde als Unterzahlmeister einem Infanterie-Ersatztruppenteile zugewiesen. Da er wiederum der Trunkenheit verfiel, wurde er nunmehr wieder entlassen. Dabei ergab sich, daß er eingegangene Beträge in Höhe von 2432 Mk. nicht verbucht, sondern unterschlagen hatte. Er wurde wegen schwerer Amtsunterschlagung unter Annahme mildernder Umstände zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.
Frankfurt a. M., 19. Februar. Der Magistrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag, einem von der Preisprüfungsstelle gestellten Antrag entsprechend, die Einführung von Butterkarten beschlossen. Die Butterkarten, die allerdings nur auf eine sehr geringe Menge werden lauten können, die nach den jeweilig vorhandenen Vorräten fortlaufend festgesetzt werden soll, sollen Ende dieses Monats ausgegeben werde»
Zeichnet Kerskelder goltsfpenfte! |