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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierieljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Sersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- - holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. '

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Me» 45» Mittwoch, den 23» Februar

1916

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 21. Februar 1916.

Alle die es angeht, weise ich ausdrücklich darauf hin, daß die Höchstpreise für Stroh und Häcksel nach der Bekanntmachung vom 12. 2. 1916 für den Klein­verkauf mit Stroh und Häcksel nicht gelten. Als Kleinverkauf gilt der Absatz unmittelbar an den Ver­braucher in Mengen von nicht mehr als täglich 15 Dz. unter der Voraussetzung, daß zur Beförder­ung bis zum Verbrauchsorte die Eisenbahn oder der Wasserweg nicht benutzt wird.

Hiernach ist also die Höhe des Preises im Klein­verkauf der freien Vereinbarung zwischen Käufer und Verkäufer vorbehalten.

I. 2167. Der Landrat.

J. V.

v. Hede m a n n, Reg.-Assesfor.

Belamtmachmg einer Aenderung der Bekanntmachung über die Höchst­preise für Brotgetreide vom 23. Juli 1915 (Reichs-Gesetzbl. S. 458).

Vom 17. Januar 1916.

Der Bundesrat hat auf Grund des § 5 des Ge­setzes, betreffend Höchstpreise vom 4. August 1914 in der Fassung vom 17. Dezember 1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 516) folgende Bekanntmachung erlassen:

Artikel l

In der Bekanntmachung über die Höchstpreise für Brotgetreide vom 23. Juli 1915 lReichs-Gesetzbl. S. 458) werden folgende Aenderungen vorgenommen:

1) § 4 erhält folgende Fassung:Die Höchstpreise gelten nicht für Wintersaatgetreide bis zum 18. Januar 1916, für Sommersaatgetreide bis zum 15. Mai 1916. Als Saatgetreide im Sinne dieser Bekanntmachung flHi Saawetreide. das nachweislich aus landwirtschaft­lichen Betrieben stammt, öte sich tn oen- regten ziver Jahren mit dem Verkauf von Saatgetreide befaßt haben."

2) § 5 erhält folgende Fassung:Die Höchstpreise der §§ 1, 2 erhöhen sich am 18. Januar 1916 um 14 Mark, ferner am 1. Februar, am 15. Februar, am 1. März und am 15. März 1916 weiter um je 1 Mark für die Tonne. Vom 1. April 1916 abgelten die Höchstpreise der §§ 1, 2."

3) Dem § 7 wird als Abs. 3 angefügt:Die Kommunalverbände und die Reichsgetreidestelle sind bei Abgabe von Brotgetreide zu Saatzwecken an die Höchstpreise nicht gebunden."

Artikel n

Diese Bekanntmachung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.

Berlin, den 17. Januar 1916.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers. D e l b r ü ck.

* * *

Hers seid, den 15. Februar 1916. Wird veröffentlich.

K. G. Nr. 191. Der Landrat.

I. B.

v. H e d e m a n n, Reg.-Assefsor.

liniere D Helden

Mit demE i s e r n e n K r e u z" ausgezeichnet wurden: Res. Heinrich Deiseroth, Felö-Art.-Rgt. 229, Friedewald, Unteroffizier Siegmund Jakob, Res.-Jnf.- Rgt. 71, Niederaula, Ers. Res. Heinrich Landsiedcl 2. Jägerbattaillon 8, Ransbach, Gefreiter Heinrich Rüger, Fuß-Art. Rgt. Nr. 18, Asbach, Gefreiter Hermann Branz, Jnf.-Rgt. 252, Lautenhauseu.

Auf dem Felde der E-h r e fiel: Johann Georg Schneider, Kraftwagenführer im Jnf.-Rgt. 350, Hersfeld.

Abgeordnetenhaus.

Das Haus setzte am Montag die Beratung des Haushalts fort und führte die Besprechung von Han­dels- und Geldverkehr zu Ende. Abg. Hu« (Soz.) lobte die Tätigkeit der Konsumgenossenschaften, die sich um die Berbilltgung von Nahrungsmitteln sehr verdient gemacht hätten und hielt einen geschlossenen Handels­staat für unmöglich, denn er würde das deutsche Volk zu verknöcherten Nationalisten machen. Abg. Frhr. v. Jedlitz (frfj trat für die Förderung des bargeld­losen Verkehrs ein und wünschte eine Förderung des Handels mit dem neutralen Ausland. Die wirtschaft­liche Annäherung sollte mit größter Nüchternheit be­handelt und in die Hand von Diplomaten genommen werden. Darauf wurde ein Schlutzantragangenommen und die Entschließungen des Ausschusses betr. Er­leichterung der Ein- und Ausfuhr, Wiederbelebung des Handels nach dem Kriege usw. angenommen. Da­nach wandte sich das Hans zur Besprechung der Lage des Handwerks. Der Berichterstatter Abg. Dr. Boenisch

(Ztr.) wies daraus hin, daß der Krieg auf viele Hand­werksbetriebe katastrophal gewirkt habe, weshalb Hilfe geboten werden müsse. Handelsminister Dr. Sydow führte aus, daß für die gesund aus dem Kriege heim­kehrenden Handwerker Beratungsstellen und Hilfs- kassen eingerichtet sein, aus den Darlehen gewährt würden. Die Fürsorge für die kriegsverletzten Hand­werker werde von den Provinzialinstanzen geleitet, denen Unterausschüsse und Berufsberatungen zur Seite ständen. In der Berufsberatung der Kriegs­invaliden, die schon in den Lazaretten beginne, arbei­teten Militär- und Zivilverwaltung Hand in Hand. Dabei haben sich die Gewerberäte auf folgende wich­tige Grundsätze geeinigt: Kriegsinvaliden sollen mög­lichst in ihrer Heimat, in ihrem früheren Berufe unter­gebracht werden, wobei die vom Lande stammenden der Landwirtschaft und dem Gartenbau zugeführt werden sollen. Vor Zudrang zu ungelernter Tätig­keit, sowie zu Staatsstellen und untergeordneten Schreiberstellen soll gewarnt werden. In jedem Falle solle die persönliche Eigenart berücksichtigt werden. Der Berufsberatung habe sich die Berufsausbildung anzuschließen. Die Gründung von Lieferungsver­bünden könne nicht ernstlich genug ins Auge gefaßt werden. Dabei müssen die örtlichen Verbände eine gesunde Grundlage erhalten; dann werde es nicht an Aufträgen fehlen und es werde dem Handwerk mög­lich sein große Aufgaben ausführen zu können. Diese Lehre des Krieges werde sich hoffentlich für die wirt­schaftliche Zukunft als segensreich erweisen und das Handwerk werde erfreulich aufblühen. (Beifall.) Abg. Hammer (kons.) betonte, daß Lieferungsverbände zu­gleich Rohstoffeinkaufsgesellschaften sein müssen, die aber vom Handwerk allein nichtgemachtwerden können. Den Frauen der Handwerker, die ihre Männer ver­treten müssen, gebühre alle Hochachtung. Bei der Ver­teilung von Lebensrnitteln bestünden große Mißstände, von denen die kleinen Kaufleute schwer betroffen würden. Traurig müsse es genannt werden, daß die Großstädter vom Lebensmittelhändler geradezu ab- breit es für notwendig, daß die Behörden auf Gewerve und Industrie einwirkten, um die Beschäftigung Kriegs­beschädigter zu ermöglichen. Nach weiterer kurzer Er­örterung vertagte das Haus die Beratung auf Dienstag.

Bus der Heimat.

* (Achtung vorfalschenFabrikrevisore n.) Des öfteren sind in industriellen Betrieben Personen erschienen, die sich als Revisoren eines Generalkom­mandos oder einer Kriegsgesellschaft ausgaben. Sofort eingeleitete Untersuchungen haben ergeben, daß die betreffenden Personen keinen behördlichen Auftrag zur Vornahme der Revision hatten. Da der Verdacht nicht von der Hand zu weisen ist, daß es sich in vielen Fällen um Agenten des Auslandes handelt, die durch Einblick in industrielle Betriebe sich ein Urteil über die wirtschaftliche Lage Deutschlands zu bilden suchen, so macht das stellvertretende Generalkommando darauf aufmerksam, daß keiner bei den Werken unbekannten Person irgendwelche Auskünfte zu geben sind, sofern sie nicht stets vor Beginn einer Revision unaufgefor­dert den in ihren Händen befindlichen vom stellver­tretenden Generalkommando unter Siegel und Unter­schrift ausgefüllten Nachweis vorzeigt.

*Die Landkrankenhäuser des Bezirks­verbandes des Regierungsbezirks Cassel im Jahre 1914. Im Berichtsjahre wurden verpflegt im Land­krankenhause zu Cassel 4713 Kranke (4286 im Vor­jahre), zu Eschwege 753 (710), zu Fulda 3013 (2732), zu Hanau 2620 (2506), zu Hersfeld 1369 (1021), ztr Rinteln 567 (442) und zu Schmalkalden 455 (458), zusammen 13 490 Kranke mit 401735 Verpflegungstagen gegen 12155 Kranke mit 354 993 Verpflegungstagen des Vorjahres. Die stärkere Belegung der Krankenhäuser ist durch die Aufnahme verwundeter und erkrankter Krieger eingetreten. Gleich zu Beginn des Krieges stellte der Bezirksverband eine große Zahl von Betten nicht nur in deu Landkrankenhäusern, sondern auch in den drei Irrenanstalten für Pflege und Behand­lung verwundeter und erkrankter Krieger der Mili­tärverwaltung oder Zweigvereinen vom Roten Kreuz zur Verfüguug. Auch wurde die Aufnahme von Kriegsgefangenen zugelassen. Es wurden zusammen 867 Betten zur Verfügung gestellt, 2553 Krieger und 82 Gefangene im Berichtsjahre verpflegt, von denen 59 gestorben sind.

):( Hersfeld, 22. Februar. Am Fernsprechnetz neu angeschlossen: Eduard Wolfs, Buchhalter, Johannisstraße 2, Nr. 6 Nebenanschluß.

):( Hersfeld, 22. Februar. Ober-Matrose Willi Ruppert an Bord S. M. S. Goeben, welcher das Eiserne Kreuz" und dieHessische-Tapfer- keitsmedai lle" erhielt, ist jetzt mit dem Türkischen Eisernen Halbmond ausgezeichnet worden.

Hersfeld, 22. Februar. (Aufnahmeprüfungen.) Bor Ostern finden folgende Aufnahmeprüfungen in

Seminar-Präparanden-Anstalten stattt: in Rinteln am 27. März, in Frankenberg am 6. und 7. April, in Eschwege am 10. April und in Homberg am 6. April.

):( Hersfeld, 22. Februar. Am vergangenen Sonnabend hielt der Beamtenverein eine gut be­suchte Jahresversammlung ab. In dem vom Schrift­führer vorgelesenen Jahresbericht wurde besonders der im verflossenen Vereinsjahre gehaltenen schönen und lehrreichen Vorträge gedacht und nach kurzer Erwähnung des schweren Weltkrieges zum weiteren Zusammenhalten ermähnt. Der Kassenbericht zeigte trotz des Krieges ein ganz erfreuliches Bild. Wie im vorhergehenden, so sind auch im verflossenen Vereinsjahr wieder große Summen für hiesige be­dürftige Familien und für Mitglieder im Felde ver­ausgabt worden. Nach Revision der Kasse wurde dem Kassierer Entlastung erteilt und ihm für seine Arbeit gedankt. Die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder wurden alle wiedergewählt. Nach Besprechung einiger Vereinsangelegenheiten blieben die Anwesenden noch ein Stündchen in lebhafter Unterhaltung zusammen.

Cassel, 21. Februar. (Tod im Brunnen.) Der Landwirt Chr. B. in Lüdersheim bei Volkmarsen be­ging anscheinend im Zustande geistiger Störung, Selbstmord. Er stand in der Nacht auf, zündete eine Kerze an, eilte hinaus und sprang in den Brunnen, wo man in am Morgen aufrecht stehend ertrunken vorfand.

Cassel, 21. Februar. Wegen fahrlässiger Tötung wurde gestern gegen den Heilkundigen Jakob B. aus Eschwege vor der Strafkammer verhandelt. Dem An­geklagten wurde zur Last gelegt, bei einer seiner Patientinnen, einer an einem Leistenbruch erkrankten Frau, infolge oberflächlicher Untersuchung eine falsche Diagnose aufgestellt und durch seine unzweckmäßige Heilbehandlung den Tod der Frau fahrlässig ver­schuldet zu haben. Der Angeklagte stellte dies in Ab­rede, der Gerichtshof kam aber auf Grund der Sach­verständigengutachten zur Ueberzeugung von der ^^^^^^^Lei^ndiaei^n^erurteilte ihn zu einer

Kosten.

Hüufeld, 21. Februar. Einen entsetzlichen Ber- brennungstod erlitt gestern die Ehefrau des Arbeiters Hoffmann in Margarethenhaun. Während sie am Küchenherd stand, um das Mittagessen zu bereiten, er­griffen die Flammen in dem Augenblick, als sie einen überkochenden Topf zurückschieben wollte, plötzlich ihre Kleider, sodaß sie ihm Nu völlig in Flammen einge­hüllt war. Die einige sechzig Jahre alte Frau lief in ihrer Todesangst auf die Straße, wodurch die Flammen nur noch mehr angefacht wurden. Auf ihr Hilfegeschrei sprang ihr Ehemann herbei nud erstickte das Feuer, wobei er selbst schwere Verletzungen an Händen und Armen davontrug. Frau Hoffmann hatte aber solch schwere Brandwunden davongetragen, daß sie wenige Stunden nachher starb.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

DieBeherrscherin der Meere", wie sie sich noch jüngst genannt, mußte wieder was erleben, was sie sehr genierlich fand, trotz der Kreuzer und Zerstörer, die sie dutzendweise baut, holt sich täglich neue Wunden ihre glatte Schlangenhaut. Was dieMöve" mit derAppam" wieder mal zustand gebracht, kann man drüben nicht vergessen weil wir den Beweis erbracht, daß trotz aller Meerbeherrschung, die man ausschreit in die Welt, dennoch unsre blauen Jungens tun, was ihnen grad gefällt. Auch dieSuffren", die vor kurzem fern an Beiruts Küste sank, ist ein stetes Warnungszeichen, daß es England nicht gelang unsre Tatenlust zu dämpfen, daß wir ganz wie ehedem auch auf denbeherrschten" Meeren alles tun, was uns genehm. Braucht der Brite noch Be­weise, falls ihm dieser nicht genügt, hoffen wir, daß er sie nächstens wieder durch ein U-Boot kriegt, denn wir lasen erst vor kurzem, daß man fest entschlossen ist, auch den Seekrieg zu verschärfen schon nach kurzer Galgenfrist. Und die Briten und Franzosen werden baldigst drum erleben, daß für EnglandsMeeresherrschaft" wir noch keinen Pfennig geben, daß sie uns nicht weiter stören wenn sie auch tagtäglich jetzt Reuterlügen schlimmster Sorte hetzend in die Welt gefetzt. Auch der Franzmann soll empfinden, daß uns noch die alte Kraft innewohnt, mit der wir ständig alles ganz nach Wunsch geschafft, daß wir auf dem alten Standpunkt immer noch wie einst verweilen, rund um uns nach allen Seiten deutsche Hiebe auszuteilen. Walter-Walter.