Englands Sorge um Kut el Amara.
Die „Köln. Ztg." berichtet aus Lugano: Der mi= litärische Mitarbeiter der Londoner „Morningpost" schreibt über die Lage der englischen Armee in Mesopotamien: Die Entsatzkolonne unter General Aylmer, die am 4. Januar von Ali Gherbi nach Kut el Amara aufbrach, brächte eine neue Enttäuschung. Die Hoffnung auf eine baldige Befreiung der belagerten Garnison des Generals Tonshend erfüllt sich nicht. Die Türken haben schwere Artillerie herangebracht und halten damit die Kanonenboote fern, die früher in der Flanke und tm Rücken der Türken erscheinen konnten. Die in Kut el Amara eingeschlossene Streitmacht sei auf die Munition und den Proviant eines Depots angewiesen, die man nicht mit Festungsvvrräteu vergleichen könne. Zweifellos sei die Depotstaft»»»» nicht auf lange Belagerung eingerichtet und ihr baldiger Entsatz sei daher höchst wünschenswert. Hoffentlich werde es den Russen gelingen, starke türkische Masse»» zu^binden, tamtt sie nicht den Druck auf Kut el Amara vergrößern könne»».
Nililsneiiie imö Lohn.
Man schreibt uns: Nach den in verschiedenen Lazaretten und gewerblichen Betrieben gemachten Erfahrungen halten sich Kriegsbeschädigte Rcntcnempsänger häufig deshalb von der Arbeit fern, weil sie glauben, daß lohnbringende Beschäftigung eine Verminderung ihrer Rente zur Folge habe. Alle irrig eine solche Auffassung auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen ist, ergibt sich aus nachstehenden Ausführungen.
Die Höhe der Militärversorgung wird nicht nach der Er- werbsi ä i ig K c i t, die im allgemeinen in der Höhe des Lohnes ihren Ausdruck findet, sondern nach der Erwerbsf a h i g K e i t bemessen. Der Grad der Erwerbsfähigkeit wird in erster Linie nach dem aus den Folgen der Dienstbeschädigung sich ergebenden Gesundheitszustand bestimmt. Die Erwerbsverhältnisse und alle übrigen Umftänbe werden zur Beurteilung mit Herangezogen, können aber niemals von ausschlaggebender Bedeutung sein. Ist ein Dienstbeschädigter gänzlich erwerbsunfähig, so erhält er die Bollrente, ist er teiliveise erwerbsunfähig, die Teilrente des entsprechendeil Dienstgrades. Im allgemeinen wird allerdings der gänzlich Erwerbsunfähige nicht oder wenig in der Lage sein, sich einen Verdienst zu verschaffen. Anders ist es aber bei dem nur teilweise Erwerbsunfähigen. Dem Sinne des Gesetzes nicht allein, sondern ebenso sehr der sittlichen Auffassung unseres Bolkes entsprechend, ist er verpflichtet, die ihm verbliebene Arbeitskraft nutzbringend zu verwenden. Er befindet sich in einem großen Irrtum, wenn er glaubt, daß die Rente, die ihn nur für den Teil der verminderten Arbeitsunfähigkeit entschädigen soll" zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes ausreichen müsse. Was ihm zur Deckung feiner Ansprüche fehlt, muß und kann er sich bei gutem Willen verdienen. Dieser Verdienst kommt ihm zugute, ohne eine Schmälerung seiner Rente herbeizuführen. Demi die Rente hängt, wie schon gesagt, lediglich von dem zeitigen körperlichen Zustand ab und nicht von anderen Verhältnissen, wie z. B. » der Höhe des Verdienstes. Leute, die größere Glieder (Arm, Bein, Hand,) oder dasÄugenlicht verloren haben, können die Verstüm- melungszulage nie verlieren, auch wenn sie einen noch so hohen Verdienst haben. Die Kriegszulagen verbleiben ihnen in derselben Höhe, solange sie überhaupt in dem gesetzlichen Mindestgrade (10 °/0) erwerbsbeschränkt sind.
Wer also z. B, infolge Verlustes des linken Armes neben der Rente eine Kriegszulage von 15 Mark monatlich und Vcrsiüm-- mclungszulage von 27 Mark monatlich erhält, behält die Zulage unverändert lebenslänglich, weil naturgemäß die durch die Folgen der Verletzung bedingte Erwerbunsfähigkeit niemals weniger als 10% betragen wird. Hieraus geht hervor, daß er auch die an ^« unMür-ßch^«lüud«t»chc 3Vnle7u*c.ßftHyp«^ , der völlig Erblindete behält seine Verstümmelungszulage und die Kriegszulage lebenslänglich neben einer hohen Rente, auch wenn er zur Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage eine der vielen für Blinde vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten ergreift.
Jeder noch einigermaßen erwerbsfähige Kriegsbeschädigte wird gut daran tun, sich um eine Erwerbsquelle zu bemühen, denn die Arbeit schafft Freude am Leben und hilft über manche Wieder- wärtigkeiten hinweg.
Neue Bundesrats-Verordnung über die Schweinepreise
In der Montag-Sitzung hat der Bundesrat eine Verordnung beschlossen, durch die seine Verordnung von» 4. November 1915 über die Erledigung der Preise für Schlachtschmeiue und Schweinefleisch abgeändert und die Versorgung mit frischem Schweinefleisch auf eine neue Grundlage gestellt wird. Dem hervorgetretenen Bedürf- itiS gemäß sind nach Wirtschaftsgebieten gestaffelte Preise für Schweine in verschiedenen Gewichtsklasse»» ab Stall oder Wiegestelle festgesetzt worden. Die Preise für den Verkauf durch den Viehhändler auf den» Markte und in» fonstigen Handel werden vor» den Landeszentralbehörden oder denen von ihnen bestimmte« Behörden geregelt. Die ©erneinben, sind verpflichtet, Höchstpreise bei der Abgabe an Verbraucher für die einzelnen Stücke frischen Schrveinefleisches, für zubereitetes, insbesondere gepökeltes oder geräuchertes Schweinefleisch, für frisches und ausgelassenes Schweinefett, für gesalzenen und geräucherte»» Speck sowie für Wurstwaren festzusetzen. Sie habe»» weiterhin zu bestimmen, wieviel mindestens von» Schlachtgewicht des Schweines oder welche Teile bet gewerblichen Schlachtungen frisch verkauft werden müssen. Die übrigen Bestimmungei» der Verordnung schließen sich mit unwesentlichen, durch den Grundgedanken der Vorlage und die bisherigen Erfahrungen bedingten Verän- dernngen der frühere»» Verordnung an.
Kleine Kriegsnachrichteu.
Wiener Blätter berichte»» m»s Lyon, daß der bisherige russische Gesandte am monteucgriuischeu Hofe abberufen wurde. Ein Nachfolger wurde nicht ernannt.
Das Blatt „Marina Mercantile Jtaftana" veröffentlicht eine Korrespondenz aus Marseille, die berichtet, daß die französischen Handelsdampfer bewaffnet sind, um auf deutsche Unterseeboote Jagd zu mache»».
Mailänder Blätter bringen die Nachricht, salandra werde den Besuch Briands nach Erledigung der parla- mentarischen Arbeiten erwidern.
ÄtfeasaneM
Verpslegmtgögeviihrnisse für die Urlauber.
Die Bestimmung, nach der die während des Krieges unter Gewährung freier Fahrt beurlaubten Mannschaften mobiler und immobiler Formationen des Heeres für die Dauer des Urlaubs VerpflegungSgelnihrntsse erhalten, ist durch allerhöchste Order vom 30. Januar 1916 auch auf die Mannschaften der Marine ausgedehnt worden. Der Anspruch auf das Verpflegungsgeld be- ginnt für die Mannschaften der Marine ebenso wie für die des Heeres mit den» 21. Dezember 191a.
Einberufung aller Unverheirateten in England.
Aus London meldet der Draht: Eine königliche Ber- ordnung ruft alle unverheirateten unter btc Fahnen.
Der russische Rückstand im Flugwesen.
Der französische Flieger Poiräe, der an der russische»» Front gekärnpft hat, erklärte einen, Mitarbeiter des „Journal", das russische Flugwe en verdiene zwar An- Trennung, doch seien nicht genügend Flugzeuge vor
handen. Frankreich müsse der russischen Heeresleitung Flugzeuge senden, um ihr eine unwiderstehliche Offensive an der deutschen Ostfront zu ermöglichen.
Politische Rundschau.
Die Stenereulwickeluug der Gemeinde». Der Staatshaushaltsausschuß des preußischen Abgeordnetenhauses begann am Montag vormittag mit der Beratung des Voranschlages des Ministeriums des Innern. Der Berichterstatter führte aus, daß die nötige Sparsamkeit überall beachtet werben müsse, man könne mit etwas weniger Personal auskommen. Der Minister des Jn- nern erklärte, daß die Gemeinden durch die Kriegswohlfahrtspflege steigenden Ausgaben gegenübergestellt wer- deu, der preußische Staat übernehme nur ein Drittel der Kosten der Kriegswohlfahrtspflege. Viele Gemein- ^n sind durch Aufwendungen für Textilarbeiter in Anspruch genommen, wofür Staat unb Reich Zuschüsse leisten. Der Anleihemarkt sei den Gemeinden fast ganz verschlossen, und zu einem höheren Zinsfuß dürfen sie aus Rücksicht auf das Reich und auf die Hypothekenver- zinsung nicht übergehen. Künftig werden die Gemeinde»» ihre Steuerquellen und Wirtschaftsbetriebe weiter entwickeln und außerdem Sparsamkeit walten lasin» müssen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wandte sich die Erörterung den Sparkasse»» zu. Es wurde mitgeteilt, daß bei den Sparkassen auf alle drei Kriegsanleihen 4,640 Milliarden Mark gezeichnet wurden, davon 1,115 Milliarden auf eigene Rechnung. Der Bestand der Sparkassen habe im Jahre 1915 eine Erhöhung um 2 Milliarden Mark erfahren.
Btief einer deutschen Am ms O^nfrifa.
Bon einem Freunde wird der Kolonial-Korrespon- öenz nachstehender Auszug aus einem Briefe einer in Deutsch-Ostafrika lebenden Dame aus dem Oktober 1915 zur Verfügung gestellt, der die dortige Lage von» Frauenstandpunkt beleuchtet:
„Heut will ich versuchen, Euch einen kleinen Begriff davon zu machen, wie es uns hier im schönen Deutsch- Ostafrika ergeht. Hoffentlich erreicht Euch der Brief. Zunächst laßt Euch gesagt sein, daß ich froh bin, daß ich nicht, wie beabsichtigt, im Juli 1914 auf Urlaub gegangen bin, sondern damals die Abreise hinausschvb, so ist es mir vergönnt, diese so ernste und an großen Momenten reiche Zeit da zu verleben, wo meine geliebte zweite Heimat ist, wo ich ein geringes bißchen auch nützen kann. Jl» Deutschland gibt es so viele Frauenhände, da braucht man uns nicht, aber hier kann jeder schaffen und helfen, und alle tun es gern.
Aus meinen früheren Briefen wißt Ihr, daß ich scho»» in Friedenszeiten mich eifrig mit Gartenbau, Konserviere»» von Fleisch und Gemüse beschäftigt habe. Diese Arbeiten habe ich nun in vel größerein Maßstabe ausgeführt zum Nutzer» vieler. Ich kann mir kaum deuten, daß dieser Krieg schon über ein Jahr dauert, uns fliegen in der Arbeit die Zeiten dahin. Was unsere Männer leisten, werbet Ihr wohl erst nach bem Friedensschluß erfahren können, aber auch die Frauen hier leisten, »vas man eben von einer deutschen Frau erwartet. Zarte Frauen, deren Männer eingezogen sind, leiten große Plantagen und Ihr werdet scho»» sehen, daß Gummi unter Aufsicht dieser Frauen bereitet, genau so gut ist wie der unter männlicher Leitung ge- , wonnene- täSiti^tcB^äiig#^ M M iw. ÜU retten eingerichteten Platzen. Jeder tut, was er kann. Auch für unsere eigene Erholung können wir trotz Krieg, »vas nötig ist, tun. Kürzlich »nachte ich eine wundervolle Steife auf einer alten Karawaneustraße, die jetzt wieder zu Ehren sammt, weil die Schiffahrt aus- füllt. Ich bin nicht traurig darüber gewesen, bin halt keine Wasserratte, wie Ihr wißt, und über eine Reise mit Zelten, Trägern und Lagerfeuer geht mir nichts.
Der Gedanke, daß die englischen Bulldoggen an den Grenzen knurren, stört diesen Zauber nicht. Wir haben frohen Mut und ja auch Gott sei Dank allen Grund dazu. Sowohl Gouverneur wie Kommandeur habe»» unser oller Vertrauen. Was das hier draußen bedeutet, könnt Ihr faum ermessen. Das schont unsere Nerven, an denen nur frißt, daß wir auch von Euch nichts hören. Na, aber auch Euch wissen wir ja in sicherem Schutz, wir wennen ja alle unser tapferes Volksheer, und wissen, daß kein anderes auf der ganzen Welt ihm gleich zu stellen ist. Auch unsere Äskaris hier sind Prachtkerle, die ihrer Erziehung durch uns Deutsche olle Ehre »nachen. Ihr wißt ja, wie oft Ihr mich gezankt habt, wenn ich meine lieben Schwarzen schilderte, ließt seht Ihr, daß ich recht hatte. Die Güte unserer Erziehungsmethoden: streng aber gerecht, ist »vohl nicht mehr anzuzweifeln, sie hat auf der ganze»» Linie gezeigt, hier sowohl wie daheim. Darüber braucht in Zukunft wohl »»icht »»»ehr debattiert werden. Große Freude »nacht mir noch besonders das Verhalte»» der Araber, meiner alten Freunde. Diese klugen Leute wissen, was sie tun, indem sie sich uns in Treue verbinden. Also macht Euch keine unnützen Sorgen um uns, Ihr seht, es steht gut, und so wirb es schon weiter gehen . ."
Vermischtes.
Die durch Selbste»tzü»dn«g des Inhalts von Feld- postsendungen verursachten Brandunfälle haben trotz der fortgesetzte»! dringenden Warnungen vor der verbotswidrigen Versendung feuergefährlicher Gegenstände mit der Feldpost nicht nachgelassen. Durch das Zurvider- Handeln einzelner Personen sind zahlreiche Angehörige in der Heimat und im Felde ohne ihre Schuld hart geschädigt worden. Um diesem gegen das allgemeine Interesse gerichteten Mißbrauch zu steuern, hat die Heeresverwaltung angeordnet, daß von Zeit zu Zeit die Feldpostpäckchen und Privatpakete unter dienstlicher Aufsicht in Gegenwart der Empfänger geöffnet »u»ü auf das Vorhandensein feuergefährlicher Gegenstände geprüft werden. Etwa ermittelte Fälle werben unter genauer Bezeichnung der Sendungen nach Absender, Ernpfän- ger, Aufgabeort und Aufgabezeit den Gerichte»» zur Strafverfolgung übergeben werden. Die Heeresverwaltung hat in ihren Materialiendepots Streichhölzer in größeren Mengen seit dem Noveinber 1914 niedergelegt, aus denen die Truppen ihren dienstliche»» Bedarf decken können. Für den persönlichen Gebrauch werden Streichhölzer als Marketenderware gegen Bezahlung auf Anforderung von den Proviantdepots nachgeschoben.
Ein krasser Fall von Aberglauben kam in einer Verhandlung vor der Strafkainmer in Bamberg zutage, vor der sich eine junge Zigeunert»» wegen Betruges zu verantworte»» hatte. Der Anklage lag folgender Sachver- Halt zugrunde: In der Wohnung der Witwe Quike tn Hellernoors erschien am Allerheiligentage die Zigeunerin Katharina Höllenretn unb verlangte etwas Milch. Dabei kam sie zufällig an das Bett des sechsjährigen, körperlich zurückgebliebenen und kranken Kindes der Witlve und spiegelte dieser vor, daß der Kranke ge beM werden könnte. Die Krankheit fei nicht von Gott
geschickt, sondern das .Mnd sei von einer bösen Frau verhext worden, die in der Nähe von Hellerndors wohne. Sie sei in der Lage, den Knaben zn heilen. Zunächst müßte die Mutter fünf Mark bezahler» und einen Sack Bjettfedern stiften. Die Frau händigte hierauf der Schwindlerin das verlangte Geld und die Bettfeder»» aus. Schon am nächsten Tage fam die Zigeunert»» w»e- ber, zeigte der Frau ein Ei, aus bem sie einige kleine Beinchen hervorzog. Diese Beinchen bezeichnete die Angeklagte als den „bösen Geist der Feindin" aus der Nachbarschaft, die das Kind verhext habe. Nun sei auch das Kind gerettet und die Feindin überwunden, doch müsse jetzt die Mutter das ganze Geld, das sie im Hause habe, um das Ei herumwickeln und es ihr aushändigen, bamit sie es ebenfalls in das „gelobte Land" schicken könne. Nach Verlauf von neun Tagen bekäme bte Witwe das Geld wieder: bis dahin müßte sie aber unbedingtes Stillschweigen beobachten. Die Frau siel auch auf diesen Schwindel hinein und übergab der Zigeunerin 130 Mark in barem Gelde. Später stiegen ihr aber doch Bedenken auf und sie erzählte den Borfall auf der Gendarmeriestation. Die Angeklagte war aber mit dem Ei, bem Gelde und Bettfedern bereits verschwunden, und es bedurfte längerer Zeit, ehe die Schwindlerin verhaftet werben konnte. Das Urteil lautete auf ein Jahr Zuchthaus und 150 Mark Geldstrafe.
Eine Familientragödie. Die in Bautzen bei ihren Eltern weilende Frau des Kaufmanns Rescher aus Dresden hat in einem Anfall von Schwermut sich selbst und ihre beiden Kinder im Alter von drei und fünf Jahren mit einem Revolver erschossen. Rescher hatte vor einiger Zeit den Heldentod auf dem Schlachtfelde gefunden, »vorüber seine Frau in Schwerinut verfiel.
„Die Deutschen essen Katze»» und Hnude". Das dänische Arbeiterblatt „Folkets Avis" veröffentlicht laut einem Reutertelegramm aus Kopenhagen an „Daily News and Leader" vom 9. 2. den Brief eines von einer sechsmonatigen Reise aus Deutschland zurückgekehrten Geschäftsmannes. Danach sind die Lebensbedtngungev in Deutschland schlimmer als in Parts während der Belagerung von 1870. Hunde und Katzen sind längst auf- gegessen. Störche, Schwalben, Sperlinge, Möwen, »iberhaupt alles, »vas fleucht unb kreucht, wird systematisch getötet. — Nur» sind sie also doch dahinter gekommen!
Zur Linderung der Not in Polen haben u. a. die Bischöfe Deutschlands in ihren Diözesen am 21. November v. J. Geldsamlnlnugen verunstalten lassen, derer Gesamtergebnis 1500 000 Mark beträgt. An der Spitze steht das Fürstbtstum Breslau mit 148 000 Mark und das Erzbistum Köln mit 100 000 Mark.
Aus den Kümpftu um die Lsreilohöhe.
Bei bem gewaltigen Angriff am 16. Juni 1915 hat sich der Kanonier Radecke als Fernsprecher besonders hervorgetan. An diesem Tage war die Hölle auf Erden. Die 10 Fernsprecher der Batterie waren ständig unterwegs, um die 3000 Meter Tratst, besonders zwischen Beobachtung und Feuerstellung in Ordnung zu halten. Manchem würbe hierbei der Draht unter den Händen zerschossen. Radecke war vor den» Waide an der Leitung beschäftigt, als mit laut hörbaren» Rauschen ein „Schwerer" allgesaust kommt, und gerade bei ihm ein- schlägt. Radecke ist verschwunden: dafür eine dichte Rauchwolke. Uiwerfebrt tritt er aus der Wolke, ein Drahtende in der ^aub unb^rufi lucheuLz „Heu - schon wieder unseren Draht zerschossen."
Auf bem Rückweg mußte die 3. Batterie in das Dorf selbst hinein, dessen Eingang der Feind unter schwerstem Trommelfeuer hielt, um den Durchmarsch unserer Reserven zu verhindern. Vor der Feuerhölle stutzte die Batterie: doch vorwärts! Radccke voran! „Fernsprecher müssen gründliche Arbeit leisten." An einer Stratzen- böschung entlang suchen die Fernsprecher eiligst den Schutz der ersten Häuseruinen auf, und flicken knieend hinter einer Giebelmauer den Draht. Da, ein Krachen und Tosen in nächster Nähe, Steine fliegen ihnen an den Kopf: atemberaubender Kalkstaub umwirbelt sie. Als die Fernsprecher wieder klar sehen, bemerken sie, daß der obere Teil der Wand fortgerissen ist von einer Granate, die auf der Straße dann explodierte, aber ihre Sprengwirkung gen Himmel gerichtet hatte. Radecke geht ruhig wieder an die Slrbeit.
Es kam der 18. August. Wie aus heiterem Himmel wird plötzlich die Batterie von einem Hagel von Geschossen zugedeckt, die, alle ivohlgezielt, zwischen den Geschützen krepieren. Die Bedienung schützt sich, da sie Feuerhause hatte, in der» Unterständen. Radecke lauscht am Fernsprecher. Da, Kommandos von der Beobachtungsstelle: „Sperrfeuer, Schnellfeuer!" Laut ruft er es hinaus bem Batterieführer zu. Seine Stimme verhallt in bem Getöse. Rasch drückt er einem Kameraden den Fernsprecher in die Hand unb hinaus ist er. Inzwischen hat der Batterieoffizier das Kommando auf= genommen, dock Stimme und Signal versage»» in dem Getöse: da rennt Radccke, der die kritische Situation erkannt, an sein Geschütz und jagt selbst die ersten Schüsse hinaus. Die Bedienung eilt nun an die Geschütze. Als jemand Radecke ein Geschoß hinreicht, wird die Kartusche von Granatsplitter»» getroffen und explodiert, ohne beiden zu schaden. In» selben Augenblick sinkt neben ihm ein Mann löblich getroffen zu Boden, doch das Geschütz schießt weiter. Radecke will nun zum Fernsprecher zurück, als er bemerkt, daß ein anderes Geschütz kaun» noch schießt. Er rennt dorthin, 2 Mann waren verwundet, die beiden anderen d»»rck giftige Sprengstoffgase halb betäubt. Er lädt und zieht ab. So folgt Schuß auf Schutz. Da, ein lauter Krach, das Geschütz hat fast eine Viertelwendung gemacht. Ein Volltreffer hatte die Lafette in die Luft geworfen: ein Rad war halb furtaerifku. Während das Geschütz wieder eingerichtet wird, reißt ein zweiter Volltreffer die über der Kanone zum Sckutze gegen Schrapnells liegenden Balken weg ohne Schaden anzurichten. Radccke bleibt am Geschütz, bis der erfolglose Angriff abflaut.
Der unerschrockene Mann, dem die Batterie längst ben wohlverdienten Lohn hat zuteil werben lassen, stammt aus Bernburg.
Weitere Drahtnachrichten,
Gricckcnland nnd Bulgarien.
»-^ Rotterdam, 15. Februar. (T. U.) Die „Times" melden nack bem „B. L -A." aus Bukarest: Die bulga. riscke Reaieruna richtete vor kurze»»» an die griechisch» Regierung die Bitte, ihre Haltung Bulgarien gegenüber zu bestimmen. In der vorigen Woche hatte der griechische Gesandte in Sofia eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Radoslawow. J»n Laufe der Unterredung, die länger als eine Stunde dauerte, soll, zuverlässigen Nteldunge»» aus bulgarischer Quelle zufolge, der griechische Gesandte erklärt haben, daß GriechcMa^ beabsichtige, sogar im Falle eines bulgarischen AngrifteS auf Saloniki neutral z« bleiben.