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Zsl England unbesiegbar?

Bei Ausbruch des Krieges gab es, wie der Korre­spondenzHeer und Politik" geschrieben wird, zwei Glauber.ssäye, die das Vertrauen unserer Feinde auf den Sieg begründeten, und an denen auch manche unse­rer Freunde kaum zu zweifeln wagten; nämlich die Lehre von der Unbesiegbarkeil des russischen .Heeres und der Unerschöpflichkeit seiner Volksmassen und von der Unverwnndbarkeit Englands. Der erste Punkt dieser Ueberzeugung wurde inzwischen durch unsere gewaltige Offensive im Sommer 1915 in Stücke geschlagen. Heut deukt die ganze Welt nur noch mit Lackeln an den Irr- glauben von Rußlands Umvidersiehlichkcit. Auch Ruß­lands Freunde und Bundesgenossen haben den alten Glauben verloren, und heute würde Präsident Pvinearö kaum davon sprechen, daß die russischen Heere ent­schlossene, r Schrittes und unwiderstehlich nach Berlin marschieren. Der Krieg hat eben wie so manche andere Anschauung aum diese Meinung gewaltig umgeändert.

Der zweite Teil des obengenannten Grundsatzes ist aber noch in vielen Köpfen und Seelen lebendig. An Englands Illtbesiegbtirkeit glauben in den feindlichen und neutralen Ländern noch viele. Ist nun dieser Glaube berechtigt, oder handelt es sich auck nur um einen Irrglauben? Der Verlauf des Krieges hat schon auf diese Frage manche Antwort, wenn auch noch keine endgültige, gegeben. Die Unverwnndbarkeit der eng­lischen Intel ist, das weiß jedes Kind, durch unsere Zeppeline und Flugzeuge schon mehr als 20 mal im Verlauf dieses Krieges recht beträchtlich ausgeschaltet worden. Was aber den Glauben von der Unbesiegbar- : feit Englands anbetrifft, w kann man auck schon ; heute erklären, daß diese Anschauung auch nur ein Irr­glaube ist. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die An­sckauung mit großem Eifer von England selbst zum Schrecken für die anderen Völker unausgesetzt verbreitet und genährt wird. Besonders seit Beginn des Krieges konnte man fast täglich in der englischen Presse die Mei­nung finden, daß England bisher noch nie besiegt wor­den sei und darum auch nie besiegt werden könne. Diese Schlußfolgerung ist ebenso kühn wie unrichtig. Das zeigen alle Herrenvölker im Verfall, rote z. B. die lange Zeit unbesiegten Römer. Die starke und überlegene F-lotte Englands war in früheren Kriegen oft der ausschlaggebende Grund für die Dauer feiner Ueberlegenheit, zumal niemand das Land selbst ernst­lich bedrohen konnte. In diesem Kriege ist aber die Ent­scheidung in England selbst nickt zu mchen, sondern auf anderen Kriegsschauplätzen, auf denen England zwar auch die Hilfe feiner Flotte findet, wo aber diese Hilfe nicht von ausschlaggebender Bedeutung wird.

Die Tatsache, daß England auf Gallipoli eine so ungeheure Niederlage erleiden konnte, zeigt ebenso deut- i lich Englands Besiegbarkeit, wie die Notwendigkeit, die allgemeine Dienstpflicht zur Einführung zu bringen. Man weiß jetzt, wie viel Menschen England noch zur ; Verfügung hat und sieht hier sogar schon den Boden j des Fasses. Noch nie hat sich England in solcher Lage - befunden, noch nie mußte England zu solchen verpönten . Mitteln greifen, und noch nie hat es in solchem Um­fange die Ueberlegenheit des Feindes kennen lernen : müssen. In England selbst glaubt man darum auch nicht mehr mit völliger Sicherheit an den Sieg. Manche Zeitungen sprechen schon nefbegründete Zweifel aus.

Mw^te-^wwte«^ Aber wie . das englische .Heer bisher schon ungeheure Verluste ge­habt hat, die durch den allgemeinen Dienstzwang allein ergänzt werden können, so wird es auch bleiben. Und - wenn nun neue Reserven nicht mehr vorhanden sind? : Der bisherige Verlauf d^s' Krieges hat gezeigt, daß der Glaube an Englands Unbesiegbarkeit ein Irrglaube und ein Notanker für die Hoffnung unserer Feinde ist. Der endgültige Sieg auch über dieses Jnselvolk ist aus dem Grunde im Bereiche der Möglichkeit, weil der Krieg auf dem Festlande entschieden wird, und weil alle Vorbedin­gungen dazu auf unserer Sete liegen. (Z.)

Der englischeVormarsch" im Zral eingestellt

Der englische Oberbefehlshaber im Irak überrascht, wie der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben wird, die Welt mit Neuigkeit. Er teilt nämlich mit, daß die englische Irak-Armee denVormarsch" eingestellt habe und knüpft daran allerlei interessante Bemerkungen über das Wetter, das dem französischen auffallend ähnlich sei. Bon diesen beiden Feststellungen verdient besonders die militärische eine eingehendere Betrachtung an dieser Stelle, da alles andere nur für Forschungs­reisende in Betracht kommt. Wir wußten nämlich bis­her gar nichts von einem Vormarsch, den der englische General Avlmer hätte eingestellt haben können. Um

Klarheit in diesen Widersprüchen zu schaffen, sei vorerst bemerkt, daß es sich um die Entsatzungsarmee handelt, welche die Aufgabe hatte, die in Kutel Amara unter Townsend eingeschlossenen lOOOü Eng­länder aus der türkischen Umklammerung zu beh .nu. Der General Avlmer, der die Entsotznugsarmee be­fehligt, war zwar Anfang Dezember am Tigris gegen Kut el Amara vorgerückt. Damals schrieben die englischen Blätter bereits in völliger Unkenntnis der Lage und in Verkennung der Kraftverhältnisse recht ver­ächtlich von der bald bevorstehenden Entsetzung der Festung Kut el Amara, an der nach diesen Zeitungs­berichten kein Mensch mehr zu zweifeln gewagt hätte. Die englische Eutsatzungsarmee mußte aber zu ihrem Leidwesen erfahren, daß die ihr bevorstehende Arbeit nur sehr unzulänglich durch das großsprecherische Ge­schwätz der englischen Presse erledigt wurde. Den Haupt­sächlichsten Teil mußte das Heer selbst tun,und das war keineswegs so einfach wie die englischen Zeitungen es darzustellen beliebten. Im Gegenteil! In zwei großen Schlachten wurde das englische Heer von den Türken geschlagen, und wir konnten aus bett Feldpostbriefen der englischen Offiziere und Mannschaften erkennen, unter welchen ungeheueren Mühsal der fluchtartige Rückzug der geschlagenen Truppen vor sich ging. Weder in der ersten Schlacht im Dezember noch in der zweiten Schlacht Mitte Januar konnten die Engländer sich vom Feinde ungestört zurückziehen, sondern hatten noch auf der Flucht gewaltige Verluste. In der zweiten Schlacht waren diese so groß, daß der englische Oberbefehlshaber von den Türken einen Waffenstillstand zum Begraben seiner Tausende Tote erbitten mußte. Seit dem Tage der ersten großen Niederlage war naturgemäß von einer Vorwärtsbewegung keine Rede mehr, sondern es hatte sich stets nur um eine recht ausgiebige Rückwärtsbe- wegung gehandelt. Erfreulich ist aber in dem englischen Bericht das eine, daß wenigstens die Tatsache zugegeben wird, daß der Vormarsch eingestellt worden sei. Die weitere Entwickelung diesesVormarsches" wird viel­leicht weniger von den Engländern als von den Absichten der Türken abhängen, sowie das Wetter eine Kampf­handlung gestattet. (Z.)

Frankreichs Wehrkraft unter den Stand von 1870 geworfen.

In den letzten Tagen ertönte in Frankreich, wie der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben wird, immer lauter der Ruf, Frankreichs Jugend mehr zu schonen, da man auf Frankreichs Volkskraft auch nach dem Kriege noch Rücksicht nehmen müsse. Trotzdem Frankreichs Heeresleitung keinerlei Verlustlisten her- ausgibt, ist doch allmählich die ungeheure Anzahl der im Felde Gefallenen dem Volke zum Bewußtsein ge­kommen. Die Folgen des Krieges für Frankreichs Be­völkerung und Wehrkraft sind jetzt schon so ungeheuer, wie sie nur bei einer Bevölkerung von dem geringen Wachstum der französischen sein können. Bei keinem der kriegführenden Völker sind die Verluste so schwer­wiegend, wie gerade bei Frankreich. Die ganze Trag­weite und Bedeutung der Verluste dieses Krieges läßt sich aus der kurzen Feststellung ermessen, daß Frank­reichs Heereskraft bereits jetzt unter den Stand von 1871) gekommen ist. Frankreich hatte beim Friedens- Zahl auf 36102 921 gesunken und hatte damit den Be­völkerungsstand vom Jahre 1856 erreicht. Im Jahre 1866 hatte Frankreich noch über 38 Millionen Menschen. In der Zwischenzeit seit 1872 hat sich die Bevölkerungs­zahl Frankreichs zwar ein wenig vermehrt, aber die Zahl, die für die letzten 45 Jahre der Vvlksvermeh- rungen in Betracht kommt, ist so gering, daß sie fast ohne Bedeutung ist.

Im Jahre 1876 hatte Frankreich fast 37 Millionen Menschen, im Jahre 1886 38 % Millionen und im Jahre 1896 38% Millionen Menschen. Man weiß, daß diese Zahl bei Beginn des Weltkrieges nicht bedeutend über- troffen worden war. Man kann die Bevölkerungsziffer des Jahres 1914 auf rund 39 Millionen ansetzen. Nun Hat Frankreich in den 18 Kriegsmonaten über 1 Million wehrfähiger Männer durch Tod oder Verkrüppelung verloren. Es war der Kern des Volkes, der hier zer­stört »worden ist. Für das Wachstum der Bevölkerung nach dem Kriege ist dieser Umstand gerade in Frank­reich von gewaltiger Bedeutung, da die Verluste 2% % der gesamten Bevölkerung betrugen. In Rußland da­gegen, wo die Verluste größer waren, ergaben sie nur i*,30 % der gesamten Bevölkerung. Da der Zuwachs der Bevölkerung seit 1870 sehr gering war, so war auch der Zuwachs der Heereskraft nur recht klein und betrug bei weitem nicht die Höhe der Verluste in den 18 Kriegs- monaten. Auf diese Weise ist die Wehrkraft Frank­reichs jetzt endgültig unter den Stand von 1870 ge- funfen.

Was dieser bedeuten wm, kann man Daraus e& kennen, daß mau einige Zahlen, die Deutschland betrch- sen, den französischen gegenüberstellt. Dre Bevölkerung Deutschlands betrug im Jahre 1871 41,6 Millionen, tm Jahre 1880 war sie schon auf 45% Millionen angewach- t sen. Die nächsten 10 Jahre brachten eine weitere Ver­mehrung von 5 Millionen, die in der Zeit von 1890 bis i 1900 wiederum sich um 6% Millionen steigerte. Denn im Jahre 1900 hatte Deutschland bereits 56 Mil­lionen Einwohner. Schon im Jahre 1906 waren 60 Millionen überschritten, die sich jetzt bereits nach Ueberschreiten der 65 Millionen den 70 mehrt hat, die Verluste eines Krieges ganz anders er- tragen kann, wie das französische Volk. Auch in diesen Zahlen ist ein felsenfester Grund zu sehen, warum der Sieg auf unserer Seite bleiben muß. Das stärkere Volkstum muß über das schwächere siegen.

Nach diesen Verlusten erscheint auch die Zukunft Frankreichs nach dem Kriege nicht mehr im besten Lichte. Man muß zwar einen Teil der Verluste auf die fran­zösische Kolonialbevülkerung abredmen. In der Haupt­sache sind es aber doch die weißen Franzosen, welche bei der Verteidigung ihrer Grenzen die blutigen Schläge er­litten haben. Insbesondere dürfte bei der großen Höhe der französischen Verluste die Zahl der farbigen Fran­zosen keine ausschlaegebende Rolle spielen. (Z.)

Die russische Begeylage,

Der östliche Kriegsschauplatz birgt für unsere bra­ven Feldgrauen neben den unmilielbareit Wirkungen des Krieges noch so manche Plage in sich. Nächst der - Ungezieferplage aber ist keine größer als die Wege- j plage imheiligen" Rußland, von der schon Napoleon I. mit Grausen gesprochen hat. Um sich einen annähernden Begriff von dem geradezu schauderhaften Zustande der russischen Landstraßen zu machen, möge man bedenken, daß auf Den Straßen Preußens ein Pferd durchschnittlich eine Last von 2832 Zentnern flott befördern kann, während in Rußland während eines großen Teiles des Jahres zwei Pferde nur 6 Zentner mit Mühe und Not fortbewegen können.

Znsammeilfassend haben dieMoskauer Nachrichten" ihr Urteil über das russische Wegenetz seinerzeit dahin abgegeben:Wir haben keine Wege, das Volk lebt in Steppen, Wäldern und Sümpfen. Die Ansiedlungen sind nicht selten durch unwegsame und unkultivierte Strecken von 550850 Klm. voneinander getrennt, und die Be­völkerung, die gleichfalls unkultiviert und hier und da sozusagen sogar wild ist, führte ihre Existenz fern von allen industriellen und kommerziellen Verkehrswegen." Am schlimmsten sieht es in dieser Hinsicht gerade in den fruchtbarsten Teilen des Zarenreiches, im Lande der Tschernosem, der mit Recht wegen ihrer schier unüber­trefflichen Ergiebigkeit an Cerealien vielgerühmten Schwarzen Erde aus. In einer Betrachtung hierüber aus dem Jahre 1914 äußert sich dieZeitschrift für So- zialwissenschast" folgendermaßen:Der feite, tiefgrün­dige Boden, der weder Steine noch Grund hat, bedarf künstlicher Wege weit mehr als ein mageres Erdreich, Das Material für den Straßenbau müßte also verhält­nismäßig weit hergeschafft werden. Das aber ist der russischen Verwaltung zu umständlich. Sie verzichtet . daher lieber ganz Harauj, Straßen zu bauen, oder sie zeichnet dt^Stnisten^uran^W^VW^MWMM^WMWMW» sich Rechnungen für Arbeiten bezahlen, die niemals ge­leistet worden sind."

Es war ungefähr zu Beginn des Krieges, da wuß­ten die russischen Blätter von einem niedlichen Scherze zu berichten. Eines schönes Tages prangten nämlich an verschiedenen Straßen ttnb Plätzen einer mittleren : Provinzialstadt Rußlands Schilder mit der Inschrift: iZeppelinstraße wegen der schlechten Beschaffenheit i der Wege nur vom Luftschiffer Grafen Zeppelin zu be­fahren." Der betreffende Witzbold hatte seine Sache gut | gemacht. Eine andere Anekdote, die ebenfalls in Rußland I selbst viel kolpvrtürt wird, ist auch bezeichnend. Sie : knüpft an den Zustand der russischen Brücken an, die, soweit sie wenigstens über Gräben und Bäche führen, in ihrer jämmerlichen Verfassung mit den Straßen und Wegen getrost wetteifern können. Der Landeskundige umfährt sie daher in weitem Bogen. Ein Gutsbesitzer aber besaß trotzdem einstmals die Kühnheit, sein Gefährt über eine solche Brücke zu lenken. Plumps, brach na­türlich die Brücke ein, und der Herr saß fest. Ein nach­folgendes Büuerleiu aber, das dem trügerischen Ueber- gange sorgsam auszuweichen wußte, rief ihm in berech­tigter Entrüstung zu:Du Narr, sahst Du heun nicht, daß hier eine Brücke kam!" Das genügt wohl.

Den unaufhaltsamen Siegeszug unserer heldenmü­tigen Heere aber wird die russische Wege- ünb Brücken- plage auch in Zukunft ebensowenig anfzuhalten ver- 1 mäaen. wie sie es bisher vermocht hat.

Auf Antrag der Erben des Lpinumeifiers Konrad Tchüßler in Hersfeld, der am 3. Februar 1916 hier gestorben ist, wird über den Nachlaß des Kourad Lchnß- ler die Nachlaßverwaltung angeordnet.

Als Nachlaß - Verwalter wird der Lotterieeinnehmer S ch a n d u a hier bestellt. Hersfeld, den 12. Febr. 1916.

Königl. Amtsgericht.

Die der hiesigen Gemeinde zustehende Jagdgerechtsame soll anderweit auf 6 Jahre verpachtet werden und Ter­min hierzu auf

Ein Rucksack der anscheinend schon längere Zeit vermißt worden ist, ist als gefunden

dahier abgegeben. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Schenk- lengsfeld.

nachmittags 3 Uhr im Amtszimmer des Unter­zeichneten anberaumt wor­den, wozu Pachtliebhaber eingeladen worden.

Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben und liegen 14 Tage lang zu Jedermanns Einsicht auf dem Bürgermeisteramt offen.

Kleiuensee, den 3. Februar 1916.

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