. v Bon der Westfront.
Die Kämpfe im Art-ois.
«s* Genf, 12. Februar. (T. U.) In einer Besprechung der letzten Kämpfe im Artois hebt nach dem „B. T." der Lyouer „Nouvelliste" die ungeheuren Leide« hervor, denen Sie französischen Soldaten in dem überaus schwierigen Gelände unter den Angriffen der Deutschen ausgesetzt sind.
Die Beschießung der Festung Belfort.
Der „B. L.-A." berichtet aus Genf: Das „Echo de Paris" widmet dem Belforter Bombardement eine fachmännische Besprechung, womit die Bevölkerung damit beruhigt wird, daß Belfort, gleich Dünkirchen und anderen von weittragenden deutschen Geschützen erreichten Plätzen, der unausgesetzter: Aufmerksamkeit der verantwortlichen Führer sicher sei.
Italiens Politik nach Bbiands Besuch.
s-^- Genf, 12. Februar. (T. A.) Der römische Korrespondent deS „Echo de Paris"will dem „B. T." zufolge wissen, daß dein Besuche Briands Entschließungen Italiens folgen werden, die beweisen sollen, daß Italiens Aktion keinerlei Einschränkung erfährt und daß die Feindseligkeiten sich auf den ganzen österreichisch-ungarischen Block erstrecken.
Der Krieg zur See.
' Wird die deutsche Flotte sich stellen?
So fragt die Londoner „Pall Mall Gazette" vom 5. 2. im Leitartikel. Ein führendes italienisches Blatt habe unlängst darauf hingewiesen» daß Geschütze von ungeahnt großem Kaliber in der deutschen Flotte eingeführt und ein Schiffstypus mit neuem Torpedoschutz äusprobiert worden sei. Sticht M vergessen sei die neuerliche Auszeichnung des früheren Chefs der Hochseeflotte, des Admirals von Pohl. Das Auftreten des geheimnisvollen Räubers, der die „Appam" kaperte und britische Handelsschiffe versenkte, sei ein weiteres An- zetchen, daß die deutsche Admiralität das Spiel noch nicht verloren glaubt. „Wir können sicher sein, meint das Blatt, daß, da deutscherseits jedwede Maßregel erwogen wird, Rm die britische Tatze abzuschütteln und noch einmal die Sicherheit unseres Handels zu bedrohen, wir uns auf die Möglichkeit vorbereiten müssen, daß des Kaisers Flotte herauskommen und die Millionen zu rechtfertigen suchen wird. die für ihren Ban ausgegeben wurden. Alles spricht dafür, daß eine Macht in Deutschlands Lage die Initiative ergreifen muß. Noch immer war es die schwächere Flotte, die durch einen glücklichen Schlag die Ungunst der Zahlenverhältnisse auszugleichen gesucht hat. Seien wir daher auf der Hut!"
MieasMerlel.
Der Besuch im Großen Hauptquartier.
Aus Berlin wird unterm 11. Februar gemeldet: Nach hierher gelangten Nachrichten aus dem Großen Hauptquartier ist der Besuch des Kömgs der Bulgaren, der sich heute vom Kaiser verabschiedet hat, außerordentlich befriedigend und gut verlaufen.
Eine Friedenskonferenz in Stockholm.
In Bern fand eine Bersarumlung verschiedener National- und Ständeräte sowie der Vertreter und Vertreterinnen verschiedener schweizerischer Organisationen statt zur Entgegennahme eines Referats der beiden Delegierten der Stockholmer Vermittlungskonferenz, Luch- ner und Evans. Diese teilten mit, daß es sich darum Delecherte und fünf Ersatzmänner mr erne Konferenz zu wählen, die binnen kurzem stattfinden soll und irr Permanenz tagen wird. Die Konferenz wird in Verbindung mit Fachgelehrten aus den verschiedensten Ländern, auch aus den kriegführenden, die Probleme eines baldigen Friedensschlusses studieren und das Ergebnis den Parlamenten und der Presse mitteilen mit dem Ersuchen, sich über die Vorschläge auszusprechen und mit- zuteilen, ob man eventuell zu Verhandlungen bereit wäre, wenn eine feindliche Mächtegruppe sich geneigt zeigte, auf einer solchen Basis in Verhandlungen ein- zutreten.
* Beim Russischen einer Mine gesunken.
w- Rotterdam, 12. Februar. (T. 11.) Der französische Dampfer „Duplex" sank, wie das „B. T." einer Meldung des „Temps" zufolge berichtet, bei La Rocheile beim Auffischen einer schwimmenden Mine, die explodierte, das Schiff zerstörte und die Besatzung von 7 Mann und den Kapitän tötete.
Teutsche HelSeulalen.
Przeurysl unser: Und wir durften auch dabei sein! So schwer die Tage vor der Erstürmung der Nordforts durch unser Regiment im Verbände der Bayern waren, so stolz war jeder, daß er den Einzug in die viel- umworbene Stadt mitmachen durfte. Niemand von uns ahnte, daß in wenkgen Tagen dem Regiment neue Kämpfe an der Lubaczowka, einem rechten Nebenfluß des San, bevorstanden. In diesen schweren ungewohnten Walhkänrpfen war es, wo sich der 18jährige Kriegsfreiwillige Alwin Lewandowsky aus Hamburg, von der 8. Kompagnie eines Ndschl. Rgts. das Eiserne Kreuz erwarb. Das Regiment lag .in erstem Kampfe den an Zahl wett überlegenen Runen SEuber. Hm und her wogte der Kampf bis zum ipaten Abend des 12. Juni 1915. Die 8. Kompagnie lag rechts und hatte bei dem noch in der Dämmerung hm und her tobendem Kavipfe die Fühlung verloren. Um sich nach Es zu sichern, schob der Kompagruefuhrer, Leutnant Conrad, 3 Gruppen als Seitensicherung ^raus. Zu dieser gehörte auch Lewandowsky. Plötzlich vernahm L. Pferdegetrappel. Er hielt inne mit Drahtziehen, lauschte, das Geräusch kam näher und schon sah er einen Reiter angesprengt kommen. „Halt, Wer da. rief er tijn an. Willig stieg der Reiter vom Pferde. Da erkannte L., daß er ein Russe war. Aber schon war dieser m eckigen Sätzen im Dickicht verschwunden. Sein Pferd ließ er tm Stich. Noch ehe L. seinen Aerger über den entkommenen Kosak verwunden hatte, tauchten m der Dunkelheit rwei andere Pferde auf. Nicht zum zweiten Male wollte sich L dKe Mnte entgehen lassen. Er zielte und schoß den Reiter vom Pferd herab. Aber weit köstlichere Beute trug das Handpferd." Ein russisches Maschinengewehr! Wie viele Lücken nmg es im Saufe des Kampfes am Tage in die Reihen unserer Wackeren gerissen haben! 'retzt war die furchtbare Waffe unser! sofort war das Gewehr vom Pferde geschnallt und ^'^lend vor Glück konnte Lewandowsky seinem Oberst das eigenhändig erbeutete Maschinengewehr übergeben. Das eiserne Kreuz war der sofortige Lohn für die brave Tat.
Der tapfere Patrouilleuftthrer.
Die 4. Kompagnie eines Reserveregiments hatte am 17. M 1914 den LZaldrand des Lücker Forstes bei Mar- grabowo, der russische Gegner die vor uns liegenden Höhen und vermutlich auch das auf einem Hügel ste- ÄpMhC (Miöft besetzt. Es sollte die feindliche Stellung erkundet werdLni Zur Ausführung dieses Auftrages meldete sich freiwillig der GkfrMe Paul Talch aus KKUL.
Strets Ftleyne, dem sich die beiden Reservisten Raaicy aus Ostenheide, Kreis Regenwalde und Minorawski aus Krutschdorf, Kreis Czarnikau, anschlossen. Schlan- genartig auf Händen und Füßen kriechen sie auf dem harten Boden bis zur Hügellinie heran. Größte Vorsicht war geboten, konnte doch die Patrouille von den rechts und links des Gehöftes sich hinziehenden Stellungen des Gegners aus gesehen werden. Blauer Rauch steigt aus dem Schornstein, die Russen machen sich dort oben ihr Mittag im Hause zurecht. Dem kühnen Führer steigt plötzlich der Gedanke auf, das Russennest da oben aus- zuheben. Vorsichtig schleicht er sich zum Gehöft heran. Seine beiden Begleiter iollen die Hofausgänge besetzen, er selbst will allein in das Haus einbringen. Bevor es aber so weit kommt, wird er vom Fenster des Gehöftes aus von einem Divisen bemerkt. Kurz entschlossen schießt Tank. Ein Treffer durch das Fenster hindurch war der Erfolg. Unsere drei Wackeren stehen vor dem Gehöft. Nist barscher Soldatenstimme und mit wuchtigem Kolbenschlag gegen die Tür verschafft sich Tank Einlaß. Hierdurch eiNgeschüchtert, treten ihm entgegen 1 Unteroffizier und 8 Mann, die sich willig gefangen nehmen lassen. Die Russen hatten von ihrer Stellung aus den Vorgang bemerkt. Plötzlich pfiffen die Kugeln allenthalben. Wie durch ein Wunder, und das Gelände geschickt ausnutzend, erreichte die Patrouille mit ihren 9 Gefangenen ohne Verluste die Kompagnie, mit hellem Juocl begrüßt. Der tapfere Gefreite Tank, den leider wäret eine heimtückische Krankheit dahinraffte, wurde am selben Tage zum Unteroffizier, seine braven Begleiter zu Gefreiten befördert, auch erhielten alle drei für ihr mutiges Verhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
Im Schützengraben.
Daß auch im Schützengraben zu ruhigen Zeiten, ohne Angriff und Trommelfeuer sich Gelegenheit bietet, kühne Entschlossenheit und Kaltblütigkeit an den Tag zu legen, bewies eine Patrouille der 6. Komm eines hessischen Regiments, bestehend aus dem Unteroffizier Kirchner, dem Kriegsfrw. Bremmenkamp und den Musk. Koch unter Führung des Unteroffiziers Schmidt aus ®rba bei Wetzlar. Ziel der Patrouille war, eine inmiten des französischen Drahtverhaus auf einem Baume befindliche Trikolore zu erbeuten. Schon seit einigen Wochen flatterte sie, von Sturm und Kugeln zerfetzt, verheißungsvoll im Winde. Manche Patrouille war bereits in ihre Nähe gekommen, doch der Franzmann war auf der Hut. Nachdem "sich die Patrouille im Schutze der Dunkelheit durch die französischen Horchposten hindurchgearbeitet hatte, fand sie nach längerem Suchen die Baumreihe — Trikolorenbäuyie — und damit auch den Träger der so Heiß begehrten Fahne. Geräuschlos gings in das Drahtverhau hinein, an den Stamm heran. Kurz entschlossen kletterte Schmidt hinauf und arbeitete sich durch Geäst bis an die Spitze vor und glaubte sich schon seiner Beute sicher, als plötzlich ein an der Fahnenstange befindliches Glöckchen zum Verräter wurde. Die Folge war sofortiges lebhaftes Feuer aus dem nahen Graben nach dem Baume. Der Tapfere hing zwischen Hinnnel und Erde: jede Bewegung mußte die Aufmerksamkeit des Feindes noch mehr wecken — ein Sprung in die Tiefe führte ins dichte Gewirr nou Stacheldraht. Er blieb also auf dem Baume und wie durch ein Wunder von den vielen Kugeln unversehrt. Schließlich gelang es ihm, den Boden wieder zu gewinnen. Nach 15 Minuten Wartens bestieg er nochmals den Baum und es gelang ihm, das Glöckchen zu entfernen. Ermattet von dieser Anstrengung auf dünnen gebrechlichen Siesten, gewann er wiederum heil den Boden. Eine kurze Pause und zum drittenmal e gings denselben Weg, um das Werk zu vollenden: bod) die Fahnenstange war an mehreren Stellen derart fest mit dem Aste durch Draht verknüpft, daß ein geräuschloses Entfernen unmöglich war. Ohne lang zu überlegen faßte Schmidt die Stange und ritz sie zur Hälfte samt der Fahne vom Aste los. Ein Sprung in's Drahtverhau brächte ihn zu Boden. Wenn auch durch letzteres übel zugerichtet, entging er auf diese Weise dem sicheren Tode, denn wiederum war der Baum das Ziel lebhaften Jufauteriefeuers aus dem nahen Graben. Das Ziel war jedoch erreicht, vorsichtig arbeiteten sich die vier Braven nach der eigenen Stellung zurück, wo sie nach vierstündiger langer Erwartung von ihren Kameraden freudigst begrüßt wurden. Am gleichen Tage wurde der Führer mit seiner Beute vor den Divisionskommandeur befohlen, der der Patrouille ob ihrer unerschrockenen Tat volles Lob aussprach und den.Führer durch sofortige Ueberreichnng der Hessischen Tapferkeitsmedaille auszeichnete.
Die schneidige Patronille.
Es war am 16. Februar 1915. Das 3. Bataillon des Reierve-Infanterie-Regiments Nr. 34 sollte mithelfen, den Gegner zu vertreiben. Der Marsch ging durch den Wald dem Feinde entgegen. Da, vom Waldrande aus sichtbar, auf den Höhen lagen die feindlichen Gräben: Bajonett an Bajonett ragte in breiter Front aus den Gräben hervor, glitzernd in der Sonne: auch einige Maschinengewehre konnte man entdecken. Das Bataillon mußte vorwärts. Wie war dies zu schaffen? Hier mußte erst die «lrtillerie ihre Arbeit verrichten, ehe die Infanterie zum Sturme vorgehen konnte. In wenigen Minuten waren zwei Geschütze in rasenden: Galopp herbeiaesckafft und ungesehen am Waldrande aufgefahren. Das Feuer begann: schon der dritte Schutz saß. Ein Maschinengewehr wurde getroffen und flog in die Luft. Im feindlichen Schützengraben war kein Feind mehr zu entdecken. War er verlassen worden? Der Führer der 9. Gompaguie, Oberleutnant I. rief: „Eine freiwillige PaNouille vor!" Sofort meldeten sich der Unteroffizier Roman Wyrwa aus Filehne in Posen, der Ersatzreservist Eduard Pfeiffer aus Schön- lanke in Posen und der Reservist Paul Marotzke, ein Ponnner, aus Persanzig (Kreis Neu-Stettin). Es war ein Wagnis auf Leben und Tod. Mutig gingen die Braven vorwärts, den Maschinengewehren entgegen, die jeden Augenblick ihre Todesarbeit beginnen konnten. Auch Major M. hatte sich der Patrouille o»- geschlossen. Nichts rührte sich im feindlichen Graben: gegenüber aber von rechts und links her begannen schon die Kugeln zu pfeifen. Auch die feindliche Artillerie setzte ein, doch unverletzt kam unsere Patrouille bis au den ©rohen heran. Plötzlich erkannten sie, daß der Graben dennoch dicht besetzt war. Am Boden kauerte ein Russe neben bem andern. Die Lage war nichts weniger als geustitlich, aber Mut und Geistesgegenwart bäte die vier Helden nicht verlassen. Auf den Ruf „Hände hoch!" streckten sich unzählige Arme in die Luft. Man hatte 120 Russen gefangen und sechs Maschinengewehre erbeutet! — — Als Lohn für diese brave Tat schmückt heute das Eiserne Kreuz die Brust dieser Helden.
Vermischtes.
Fleischkarten im Königreich Bayern. Der bayerische Landwirtschaftsrat hat sich für die Einführung der Fletschkarten als eines wichtigen Mittels zur Volksernährung ausgesprochen, empfiehlt aber, zunächst üiL kleikchlvien Tage auch für die privaten Wirt
schaften zwangsweise unD mit Strasanoroyung durch zuführen. Auch der Münchener Lebensmittel-Ausschutz hat sich mit der Frage der Fleischkarten beschäftigt. Man glaubt, daß die Fleischkarte für Bayern kommt.
10 000 Mark Geldstrafe wegen verbotene« Saat- gutverkauss. Ein Gärtner aus Lübbecke i. W. betrieb einen umfangreichen Handel mit Saatgetreide und verkaufte es fortgesetzt, ohne sich im geringsten darum zu kümmern, ob es auch als Saatgut Verwendung fand Durch die umfangreiche Zeugenvernehmung wurde fest- gestellt, daß der Angeklagte mehrfach Saatgetreide auch an solche Abi:ehmer verkaufte, die gar keinen Acker hatten. Bei dem sehr erheblichen Verdienst des Angeklagten hielt das Gericht diese hohe Strafe am Platze.
50 M0 Mark-Spende für die Rationalstiftung. Der Kaiser hat der Rationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen 500 000 Mark überweisen lassen, die einer Sammlung der in Chile ansässigen Deutschen entstammen.
Versuchter Raubmord. Vor der 6. St rasfammer des Berliner Landgerichts standen zwei 15^jährige Jungen, namens Schulz und Schulz, unter der Anklage des versuchten Mordes und versuchten schweren Raubes. Beide hatten am 18. Januar in Berlin eine Frau Popke aufgesucht, ihr heftige Schläge mit einem Holz auf den Kopf versetzt und mit einem Dolch mehrere Stiche an der Stirn, am Hinterkopf und an der Hand beigebracht. Ihre Slbsicht Geld zu rauben, wurde durch das Hilfegeschrei der Frau vereitelt. Das Gericht verurteilte beide Angeklagte wegen versuchten Mordes und versuchten schweren Raubes, und zwar Scholz zu fünf Jahren Gefängnis und Schulz zu vier Jahren Gefängnis.
Was ein französischer Flieger erzählt. Aus Rotterdam meldet die „D. Tgztg.": In Paris erregt die Meinung eines der besten französischen Militärflieger Aufsehen, dessen Namen aber wie die aller Flieger, die an der Verfolgung der deutschen Luftschiffe teilgenommen haben, verschwiegen werden muß. Der erwähnte Flieger läßt sich in den Blättern folgendermaßen aus: In Anbetracht des Umstandes, daß die Entfernung von Paris zur deutschen Front nur ganz klein sei und die deutschen Luftschiffe eine riesige Geschwindigkeit entwickeln können — sie legen mehr als 100 Kilometer in der Stunde zurück — muß mit dem Umstand gerechnet werden, daß ein Zeppelin in weniger als einer Stunde Paris erreichen kann. Nehmen wir an, daß die französischen Vorposten an der Front seine Ankunft 50 Minuten vorher anzeigen, bevor er über Paris erscheint, die Austeilung der Befehle nimm: mindestens 10 Minuten in Anspruch. Dann muß man rechnen, daß wieder 25 Minuten verstreichen, bis die zur Verteidigung der Hauptstadt bestimmten Flieger aussteigen können. Sie müssen sich nämlich vorher aus- rüften, bewaffnen und rasch noch einmal ihre Fleugzeuge prüfen. Um sich jetzt dem Feinde entgegenwerfen zu können, verbleiben ihm kaum noch 25 Minuten. Unsere Flieger brauchen aber mehr als 25 Minuten, bevor sie eine gewisse Höhe erklommen haben. Wenn aber der Zeppelin sich fortwährend in einer großen Höhe hält, so hat er Hinlänglich Zeit, sich aller seiner Bomben zu entledigen und wieder die Rückfahrt anzutreten. Das beste Mittel gegen Zeppeline scheint das zu sein, daß man ihren Rückzug erschwert. Da man sie bei dem gegenwärtigen Zustand unserer Verteidigungsmittel nicht direkt von dem befestigten Lager Paris angreifen kann, so müssen sie eben während ihrer Rückfahrt nach ihrem Stützpunkt angegriffen werden. Die drohende Ankunft von Zeppelinen darf man aber auf keinen Fall leicht nehmen. Sie können immer furchtbaren Schaden anrichten und zahlreiche Menschen töten. Mit unseren gegenwärtigen Verteidigungsmitteln ist es uns unmöglich, sie gründlich zu bekämpfen, das eine, ivas wir können, ist, ihre Fahrt möglichst zu erschweren.
Sas englischen Loidalenbriejen.
Wenn man Tommy Atkins aus den Briefen beurteilen darf, die er von der Front nach Hause ichreibt, kann kein anderer Soldat sich mit ihm an Ruhmredigkeit messen. Spießte er mit dem Bajonett ebenso viele Feinde auf wie mit der Feder, dann können von unseren Feldgrauen im nördlicheil Westen schließlich nicht mehr viele übrig bleiben. In seiner Selbsteinschätzung nimmt er es mit mindestens drei Deutschen auf, denen er in allem, was das eigentliche Soldatenhandwerk anbetrifft, weit überlegen zu sein glaubt. Hier und dort gibt er freilich der Wahrheit die Ehre und erkennt nicht allein die Tap- fereit des Gegners, sondern auch seine Menschen- ff-eundlichkeit an. So schreibt, wie wir der „N. G. C." entnehmen, ein Korporal von den „Seaforth Hochländern": „Nach der Schlacht bei Soissons lag ich schwer verwundet auf dem Felde, neben mir ein junger Soldat von Northamptonshire-Regiment. lieber ihn beugte sich ein deutscher Infanterist, der eine Wasserflasche an seine Lippen hielt und ihn zu besänftigen suchte. Der Verwundete phantasierte und rief fortwährend: „Mutter, bist Du es?" Der Deutsche schien ihn zu versieben,Zenn er streichelte mit der Hand sanft seine fieberheiße Stirn und war um den armen Burschen so ängstlich besorgt, wie es irgend eine weibliche Person hätte sein können. Nachdem der Tod eingetreten war, sah ich, wie der Deutsche versuchte, seine Tränen zu verbergen." In dem Feldpostbriefe eines anderen englischen Soldaten heißt es wörtlich: „An der Aisne blieb ich stundenlang verwundet liegen. Da kam ein Deutscher zu mir heran und verband meine Wunde unter heftigem Feuer. Als er sich entkernen wollte, nachdem er mich nach allen Regeln der Kunst verbunden, traf ihn eine Kugel, die ihn tödlich an meiner Seite niedcrstreckte." — Barbaren!
Weitere Drahtnachrichten.
Ein französisches Linienschiff versenkt.
** Berlin, 12. Februar. (Amtlich. WTB.) Ein deutsches Unterseeboot hat am 8. Februar an der syrischen Küste südlich von Beirut das französische Linienschiff „Suffren" versenkt. Das Schiff sank innerhalb zwei Minuten.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Prinz Oskars Heimreise.
»«^ Berlin, 12. Februar. (T. U.) Wie das „V. T." auS Königsberg i. Pr. meldet, ist der verwundete Prinz Oskar von Preußen vom östlichen Kriegsschauplätze nach Berlin abgereift.
Die Kriegögewinusteuer.
** Berlin, 12. Februar. (T. U.) Wie die „Tgl. Rdsch." erfährt, wird in einem der nächsten Tage b« Kriegsgcwinnstpuervorlage dem Bundesrat,.»ug^n. Wegen der vielen eigenartigen Bestimmungen dieses Gesetzes werden wohl 14 Tage vergehen, bevor der Bundesrat die Angelegenheit erledigt hat. Anfang März, so nimmt man an, wird die Borlage für die Beratungen im Reichstage bereit sein.