Die Teuerung in LeutWanS und in den seindlicheii £äudmi
Der Krieg hat in allen kriegführenden Staaten wie in den neutralen Ländern eine Teuerung fast sämtlicher Erzeugnisse, besonders aber der Lebensrnittel hervorgerufen. Die Ursachen sind aber in Deutschland andere als bei unseren Feinden. Unsere Feinde gedachten uns auszuhungern, und stehen nun selbst — welch eine Ironie des Krieges! — vor einer Teuerung, die viel gefährlicher ist als die in DeMschland. In Deutschland herrscht Knappheit und als Deren natürliche Folge Teuerung. Beiden begegnet man bei uns mit organi- fawriscyer Einschränkung und Einteilung, vor allem aber durch Festsetzung von Höchstpreisen, die wuche- rische Gewinne ausschlietzen. Die Knappheit bedingte Einteilung und Verteilung, was natürlich günstig auf die Teuerung einwirkte. Die Teuerung bedingte dagegen die Herstellung eines möglichst normalen Preisstandes, der durch Höchstpreise und Ausschaltungu gewinnsüchtiger Machenschaften erreicht wurde. So ist denn auch Deutschland Herr über seine Knappbeits- und Teuerungsverhältnisse und wird über sie auch in Zu- kmrst Herr bleiben.
Anders steht es bei den Feinden. Ihn Besitze des offenen Meeres und Damit der Verbindungen mit Dem neutralen Auslande wähnten sie sich and) im Besitze von Dtachtmitteln, die allein ulls Nachteile, ihnen aber Vorteile bringen sollten. Das gerade Gegenteil ist jedoch schließlich eingetreten. Der Krieg hat Die Preise in allen Ländern der Wett zum Steigen gebracht und den Frachtenverkehr über See in einer Weise ver- tenert, daß er viel uackbaltiaer auf Die Preisgestaltung aller Bvdenerzenguine entwirft als es die Verteuerung der Verhältnisse in Deutschland durch Den Krieg vermochte. Darunter leiden England, Frankreich und besonders Italien. So ist Die Frachtrate von Neuyork nach England von 12—15 Schilling für die Tonne auf 125 Schilling gestiegen, also um rund 950—1000 %. Die Frachtrate für Kohle von England nach Marseille ist von 5—7 Franks für Die Tonne auf 75 Franks in die Höhe gegangen, nach Italien sogar von 5—7 Schilling auf 90—100 Schilling. Da nun diese Frachtraten- preise zunächst das Vielfache Der Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise ausmachen, so ist leicht ersichtlich, daß ■ sich die Teuerung bei unseren Feinden wesentlich stärker bemerkbar macht als bei uns. In Deutschland beträgt z. B. Die Preissteigerung für Roggen und Weizen ganze 25 %. In England hingegen ist Weizen um 80 % teurer geworden, in Frankreich und Italien ist Weizen noch beträchtlich stärker gestiegen. Kohle ist in Italien von 25—30 Lire für Die Tonne auf 150 Live gestiegen. • Der Kolleumangel und Die Kohlenfeuerung in Italien drohen bereits zur Katastrophe zu werden.
Deutschland jedoch beherrscht feine Knappheit und Teuerung. Es hat sie in fester Hand und Zügel. Unterstützt von allen Kreisen Der Bevölkerung wird es ihm sicherlich gelingen, die Lage auch künftig zu beherrschen. Den Feinden wächst sie aber bereits über Den Kopf. Wenn auch nicht in England: denn England, Der Reeder der Alliierten, finanziert seine Kriegskosten mit Dem Gelde seiner Bundesgenossen. So hat der Krieg nie geahnte volkswirtschaftliche Fragen aufgerollt. Nicht zum Schaden Deutschlands, das gelernt hat, sie zu meistern und abzuichwächen. Von der getreuen Mitarbeit des gesamten deutschen Volkes ist zu erwarten, daß wir auf diesen Wegen beharren können, bis auch auf volkswirtschaftlichem Gebiete der Sieg auf der Seite Deutschlands errungen ist.
Der heilige Krieg.
Die Engländer gaben sich bisher Den Anschein, als hätten sie keine Furcht vor den Folgen Der Erklärung des heiligen Krieges durch den Sultan. Sie behaupteten sogar immer wieder, die Entfaltung der grünen Fahne des Propheten habe gar keinen Eindruck auf Die äußer- türkischen Mohammedaner gemacht, von Denen nach wie vor gewaltige Magen treu zu England stünden. Nicht zu leugnen war und ist ja auch, daß besonders unter den Truppen, die im Westen gegen uns kämpfen, noch viele Mohammedaner zu finden sind, wie es aber mit ihrer „Treue gegen England und Frankreich" bestellt ist, und wie weit sie freiwillige oder gezwungene Krieger sind, steht auf einem anderen Blatte. Das wird aufge- rvllt werden zugleich mit dem Blatte, das die Zukunft über Indiens Geschicke bereit gelegt hat. Eines steht heute aber schon fest: Wo Die MolMmmedaner freie Herren ihrer Entschlüsse sind, haben sie sich gegen England gewandt, selost unter Zurückstellung gewisser Unterschiede in der Religionsauffassung, die sie Konstan- tinopel gegenüber haben. ,
Dafür ist wohl der beste Beweis das Verhalten der ; Araber-Tcheiks, die, vor Dem Kriege durch englisches Geld bewogen, eine sehr wenig freundliche Haltung ge- ; gen die Türkei einnahmen, ja, ihr mancherlei nicht
nnvcdenkfiche Schwierigkeiten bereiteten. So hatte denn England auch sehr stark gerade auf Die Hilfe Dieser Säxfiks bei Dem geplanten Einbruch in türkische Gebiete gerechnet. Arabien betrachtete England schon, als eng- lisches „Schutzgebiet". Nach Beginn des Krieges hatten die Engländer Die ganze südarabische Küste und Die Küste des Semen fest in Händen. Als Den bisher eng- landfrenndlichen Araber-Scheiks aber bekannt wurDe, daß der heilige Krieg erklärt war, vergaßen sie alle Euglaudfreundschaft, scharten sich zusammen und kämps- ten unter der grünen Fahne — mit dem Erfolge, daß Die Engländer alle arabischen Gebiete bis auf den schmalen Strich um Aden aufgeben mußten, in Aden selbst heute von den Araber-Scheiks hart bedrängt wer- Dett und sich glich dort nur unter dem Schutz ihrer schweren Schiffsgeschütze mühsam halten, sich also bestimmt in viel schlimmerer Lage befinden, als sie vor der Oeffentlichkeit bisher eingestanden. Schon haben sie in Suez eine Brigade australischer und indischer Truppen zusammengestellt, um sie nach Aden zu werfen.
Wie es in Aden selbst steht, das erfährt man nur aus zufällig ausgefaugenen Nachrichten. So berichten verwundete englische Offiziere in Kairo, daß Die Araber Die Stadt Aden eng umspannt haben und trotz der schweren Schiffsgeschütze sich dort schon seit vielen Wochen hartnäckig und erfolgreich als Belagerer behaupten. Die zähen Belagerer suchen ihren halbkreisförmigen Bogen immer enger zu ziehen, trotzdem Die englischen Kriegsschiffe tagtäglich Die türkisch-arabischen Linien mit Kalibern aller Art bombardieren. Dabei ist Aden selbst im Laufe des Krieges zu einer starken Festung ausgebaut nwrDen. Ihre Besatzung zählt zurzeit 20 000 Mann. Die Festung wäre längst nicht mehr in den Händen der Engländer, ohne Die Hilfe ihrer Schiffe,- denn auch Die Bewohner Der Stadt sind offen englandfeindlich und tun den Truppen jeden nur möglichen Abbruch.
Einer Der englischen Offiziere, Der offen bekennt, daß alle Araber-Scheiks jetzt englaudfeindlich finD, sagte hoffnungslos: „Unser Einfluß in Arabien ist für alle Zeiten dahin. Riesige Geldsummen, mit denen wir uns Die Treue Der Araber-Scheiks erkauften, sind umsonst gewesen. Aber nicht nur Geld Besamen diese von uns. Mit einer Unmenge von Waffen, Geschützen und Munition versahen wir Die früher so englandfreundlichen Stämme, um mit uns gemeinsam gegen die Türken zu kämpfen. Aber jetzt verwenden sie die von uns erhaltenen Waffen gegen uns selbst, und zwar — mit größtem Aerger muß ich dies gestehen — sehr erfolgreich. Weit über 15 000 Engländer und Inder haben bisher im Beinen Deinen und im übrigen Südarabien ihr Leben lassen müssen, und wohl 20 000 Verwundete wurden aus dem Kampfgebiete über Aden mittels Schiffen nach Aegypten oder nach Der Heimat geschafft. . . "
So war es Die einstmals von den Engländern so spöttisch verhöhnte Entfaltung Der grünen Fahne des heiligen Krieges, Die Albions Söhnen den Traum eines arabischen „Schutzgebietes" so gründlich zerstörte und noch mehr Träume zerstören wirD! So richten sich überall die Anhänger Mohammeds gegen ihre englischen Bedrücker auf, und von Konstantmopel aus wird sich Die Begeisterung für die neue Freiheit Der Moslems ausbreiten über alle Die Millionen Bekenner der Lehre des Propheten. Da Die Zahl Der mohammedanischen Untertanen Der Engländer größer ist als die ihrer christlichen, weiß England, was es zu erwarten hat, wenn der Ruf des Sultans als obersten Glaubensherrn erst in jede mohammedanische Hütte geDrungen ist. Und auch die Russen und Franzosen und Die Italiener werden das Rauschen der grünen Fahne unheimlich in den Träumen ihrer Kolonialpolitik vernehmen und manchen Traum zerrinnen sehen. Bon Dem „kranken Mann am goldenen Horn" ging eine stärkere Kraft a«s;»als die meinten, Die sich schon in sein Erbteil teilen wollten.
Die Arbeiterfrage nach dem Kriege in
England.
Die Beschäftigung der Arbeiter nach dem Kriege ist für England eine ganz besonders schwierige Aufgabe, weil dort die Löhne während des Krieges in vielen Industriezweigen eine Höhe erreicht haben, auf der sie sich ht normalen Zeiten unmöglich halten können. Mit großer Sorge sieht man deshalb in England der Zeit nach dem Kriege entgegen.
Bei einem Mahle zu Ehren des Schriftstellers Henry Rider Haggard kam nach Den „Mü. N. N." der Minister- Lord Curzon auf dieses Problem zu sprechen. „Wie sollen wir," sagte er, „die zwei Millionen heimkehrenden Soldaten, Die den Arbeitsmarkt überfüllt vorfinden werden, unterbringen? Die Löhne, die jetzt künstlich tu die Höhe geschraubt sind, werDen sinken, und Die Leute werden nach zweijährigem Leben unter Dem Himmel nicht gern in die Werkstätten oder zu ihren Bureaustellen zurückkehren. Pflicht Der Regierung ist es, gesunde ehrliche Befriedigung der berechtigten Ansprüche dieser Leute zu schaffen. Der Grund und Boden in Eng
land ist beschränkt. Wir wünschen aber nicht, daß unsere Leute nach Amerika auswandern, und Amerika wünscht nicht, sie als britische Untertanen aufzunehmen. Unsere fernen Dominien jedoch haben Boden genug. Ihre Regierungen werden Ansiedler von Der rechten Art willkommen heißen. Haggard steht im Begriffe nach Den Kolonien zu reisen, um Die Wege für diese Ansiedler zu ebnen. Er erklärt: Wir müssen die Welt mit Angelsachsen bevölkern. Es gibt weite Strecken Landes, Die nur auf sie warten." i
Auch die Jahresversamnrlung der »monistischen Partei beschäftigte sich mit Dem Arbeiter-problem nach dem Kriege. Lord Rothschild bezeichnete das Problem als sehr schwierig und gefahrdrohend. Plan finde jetzt in Großbritannien eine Reihe geschickter Arbeiter, Die in Den normalen Zeiten vor Dem Krieg 35 und 45 Schrl- lina Die Woche verdient hätten und Die es augenblicklich auf Wocheulölme von 5—15 Pfund brächten. Das sei ein ganz ungesunder Zustand und es würde ungeheuer schwierig sein, wieder zu normalen Verhältnissen zu gelangen. Die Arbeiter werden sich im Laufe des Krieges so an Die hohen Löhne gewöhnt haben, daß es sehr schwer für sie sei, sich wieder mit den alten Lohnsätzen abzufinden. Man müsse beizeiten Dieser Gefahr vorbeuaeu und dürfe nicht warten, bis der Krieg vorüber sei, sonst seien Arbeiterunruhen unvermeidlich, und zwar seien keine organisierten Streiks zu befürchten, mit denen man sich allenfalls noch abfinden würde, sondern unorganisierte Einzelstreiks. Massenauflehnungen zahlreicher Individuen gegen Die Zumutung, plötzlich zu einem weit geringeren Lohn zu arbeiten. In diesen Einzelstreiks liegt eine große Gefahr für die Zukunft.
Huffifthe Soldnet.
Bei uns ist bei Dem weitaus größten Teil der Bevölkerung von Anfang des Krieges an ein Verständnis für die Auslieferung des Goldgeldes an die Reichsbank vorhanden gewesen Das Vertrauen in die durch gewaltige Siege noch strahlender erscheinende deutsche Kraft, die den Gedanken an ein Unterliegen mit leichter Handbewegung sich fernhalten durste, hat die letzten Eiskrusten im patriotischen Herzen des Bürgers aufgetaut; er empfand es als eine Schmach, Goldstücke im Hause zu besitzen. Der unbequemere Verkehr mit Papiergeld hatte während dieser ersten Wochen und Monate bereits das hemmende Trägheitsgefühl überwunden, der „Geldbeutel" blieb den Nickel- und Silbermünzen vorbehalten, während auch der einfache Mittelstand sich an den Gebrauch einer Papiergeldlasche gewöhnte. Selbst die Kreise, die mit einer gewissen Hartnäckigkeit den Goldbesitz immer noch als sichersten Schutz gegen etwa hereinbrechendes persönliches Unglück anzusehen pflegten, sind immer mehr von der Grundlosigkeit dieser Vorstellung überzeugt worden und haben ihre Goldschätze dem Reichs- bestande zugeführt,
_ Im russischen Kulturchaos mußte die gleichzeitig erfolgende Forderung der Goldablieferung notwendig andere Aeußerungen hervorrufen. Wie soll die Masse dieses Volkes, dem das Mindestmaß pädagogischer Sorgfalt von jeher zu Teil geworden ist, das nur als Arbeitstier, als „Seele" bis vor kurzer Zeit von den Aristokraten gezählt wurde, Verständnis für Forderungen entwickeln, | die soweit über das augenblickliche Interesse des einzelnen sich erheben? Was bei uns Ausnahme war, mußte dort die Regel stellen, zumal jeder Anlaß zur Begeisterung durch nur versteckt sich durchsetzende Nachrichten von Niederlagen und manche drakonische Maßregel von vornherein genommen wurde. Alle Agitation konnte das Mißtrauen gegen den Papierrubel nicht über- winden Es ist deshalb von besonderem Interesse, zu erfahren, welche Leidenschaft an die Stelle der Vaterlandsliebe zu treten und diesen Berg von Verstocktheit zu überwinden vermochte.
Im Gouvernement Odessa, so berichtet die „Gegenwart^ hatte das unstillbare Verlängert nach 'Müll: im' Ben Kopsen bei a i rn das Gaukelbild plötzlich zur verbürgten Tatsache werden lassen: der Verkauf von Wutki ist wieder erlaubt worden, doch Nur gegen Bezahlung in Gold, Wer könnte widerstehen? Und so zogen die Bauern scharenweise mit dem im Pelze eingenähten Gold in die Stadt, voll ungetrübter Freude, mit der lange und ganz heimlich und selten zu Gast gewesenen Freundin, dem „Wässerchen", ein freies, ungekürztes Wiedersehen feiern zu dürfen. Jetzt brach aber das Verhängnis schwer über das kurzsichtige Volk herein. Die Stadt wußte von der Verordnung nichts, glaubte aber den Leuten das nochmalige Schleppen des schweren Metalls i ersparen zu müssen und händigte ihnen bequemere Papierrubel l aus. Die Einwohner dreier Gemeinden halten bei dieser Gelegen- - heit 11,000 Rubel in Gold hinterlassen.
Bürge für diese Geschichte, hinter der übrigens auch ein listiger Beamter stehen mag, ist die russische Zeitung „Utro Rossy". Nicht minder bezeichnend, jedoch weitaus niedriger ist das Verhalten der russischen Kapitalisten, hinter deren tarnen auch mancher Großfürst das staatliche „Lebensinteresse" verfechten mag, Diese versuchen ihre flüssigen Mittel in allen anderen, nur nicht in Rubelnoten oder in russischen Anleihen anzulegen. Sie kaufen Juwelen und andere bleibende kostbare Gegenstände auf oder haschen der Staatsbank durch günstige Angebote große Mengen Goldes weg. Nach dem „Djeu" hat zurzeit der Unterschied zwischen dem Preis, den die Reichsbank zahlt, und der privaten Angebote bereits die Höhe von 40—45 Kopeken bei einem Solotnik Gold erreicht.
In Gemäßheit des § 8 der Einquartierungsordnung für die hiesige Stadt vom 22. September 1904 liegt das Einquartierungskataster für das Jahr 1916 14 Tage lang im Amtszimmer des Quartieramts (Stube Nr. 3) im Rathaus öffentlich auf.
Einwendungen gegen dasselbe sind innerhalb einer Ausschlußfrist von 21 Tagen nach beendeter Offenlegung bei uns anzubringen.
Hersfeld,
am 10. Februar 1916.
Der Magistrat
Straues.
Sattlermcistkr
werden gebeten, zwecks einer Besprechung um Uebernahme von Heeresarbeiten, sich
Sonntag, den 13. d. Mts., nachmittags 3 Uhr
in der Stiftsfchenke einzufinden.
K. Herwig, Sattlermeister.
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