Allerlei aus Montenegro.
Die Hungerrevolte i« Podgoritza.
Ein vor einige» Tagen in Cattaro mit anderen Offizier» eingetroffener österreicbisch-nmzarischcrFlie^ ein Reserveleutnant aus Sien, der seit dem 8. November in Gesangenschaft war, erzählte, wie dem „Tag" aus Cattaro gemeldet wird, folgende Einzelheiten über die in Montenegro herrschende» Zustände:
Der Offizier war, wie seine Kameraden, zuerst nt Danuvvgrad untergebracht, wo es ihnen bis auf Nahrungsmittel im allgemeinen gnt erging. Am 12. Januar wurde ihnen erzählt, daß in Niksic nach Bekanntwer- den der letzten stürmischen Skupschtinasitzuna (24. De- zember» Unruhen ausgebrochen feien, die mit der schrecklichen Teuerung zufammenhingem Am 13. schob man sie von Tanilovgrad ab, da auch dort eine Revolte be- niräüct wurde. Tatsächlich wurden dort, wie sie später hörten, schon am 14. zwei Stabsoffiziere ermordet und Magazine geplündert Die Offiziere wurden nun nach Podgoritza gebracht, wo sie fast eine Woche blieben. Am Nachmittag des 20. begannen die Unruhen auch dort. Man wies die gefangenen Offiziere an, sich in die staatliche Tabakfabrik zu begeben, die als stärkstes Gebäude des Ortes den besten Schutz bot. Alle Fenster waren mit Mudarmen besetzt. Handgranaten lagen bereit. In der Tat begann sich im Laufe der Nachmittagsstunden eine Menge zummmenzurotten, die die Lebensmittel- und Militärmagazine stürmte. Eine Abteilung Gendarmen hieb mit Säbel und Kolben auf die Stenge ein. Es kam geradezu zu Stratzenkämpfen, deren Zeugen die gefangenen Offiziere waren. Schließlich fuhren zwei Maschinengewehre auf, die unter der Stenge ein furchtbares Blutbad anrichteten, König Nikita war bis zu diesem Tag in Podgoritza gewesen. Bei Beginn der Revolte fuhr er mit seinem Privatsekretär und Kammerdiener im Auto ab, begleitet von allen Ministern. Es hieß, er wollte sich in Plavnica dem Volke zeigen und dann zurückkehren. Tatsächlich kamen jedoch nur die Minister zurück, während der König nach Skutari und zur Küste weiterfuhr und sich nach Brindisi einschiffte.
Auch auf den Verlauf der Waffenstreckung hat nach der Erzählung des Offiziers die Hungersnot Einfluß auS- geübt: Einzelne kleinere Verbände kurven den Entwaff- nungsbefehl nicht ruhig befolgt, aber nur deshalb nicht weil sie sich die günstige Gelegenheit zum Plündern nicht entgehen lassen wollen. Sie sperren stellenweise die Straßen gegen die Gendarmerie ab und plündern unter dem Schutz ihrer Wachen die Magazine. Daran beteiligt sich auch die Zivilbevölkerung auf das eifrigste. Offiziere, die Einhalt gebieten wollen, werden ermordet. Der Ausbruch der Revolte hängt mit dem fürchterlichen Eindruck zusammen, den der Fall des Loveen ausübte. In diesem Augenblick brach die Verzweiflung in wildester Form los.
Der Offizier schließt: Die Serben sind auf die Montenegriner sehr schlecht zu sprechen, ebenso ist es umgekehrt. Beide zusammen aber sind von wütendem Haß gegen die Italiener erfüllt, aus dem sie anch den gefangenen Offizieren gegenüber kein Hehl machten.
Mta aus der Flucht zum Geldschrank.
Das Stuttgarter „Neue Tagblatt" berichtet „von hervorragender politischer und mit den finanziellen Verhältnissen des montenegrinischen Königshauses wohlvertrauter Seite": *
„Die so überraschende Abreise des Königs Nikolaus ausgerechnet nach Frankreich, nach Lyon, nicht etwa nach Rom oder sonst wohin, findet eine sehr natürliche, aus guten Gründen auch sehr wahrscheinliche Erklärung darin, daß der alte König, der sich ein hübsches Vermögen gesammelt hat, auch recht nahe bei feinen Papieren wohnen möchte. Es dürfte manchem vielleicht noch erinnerlich sein, daß der Ansbruch des Balkankrieges 1912, bei dem Montenegro den ersten Schutz abgegeben hatte, nicht unwesentlich dadurch beschleunigt wurde, daß König Niko- laus in eine unglückliche Spekulation mit französischen Papieren verwickelt war. Der vorzeitige Kanonenschuß war Ausweg und Spekulautenzug aus den Kalamitäten. — König Nikolaus verfügt auch heute noch über ein 'ebr beträchtliches Vermögen, das er fast ausschließlich
in französischen Wertpapieren beim Credit Lyonnats angelegt hat, und diese Scheine sind ihm sehr ans Herz gewachsen. Er folgert nun: Entweder siegt die Entente, dann habe ich mich wenigstens, wenn auch nachträglich, bei ihr einigermassen rehabilitiert und sichergestellt, oder —ivas zweifellos auch dem König Nikolaus das wahr- scheinlichste sein dürste —, es siegen die Zeutralmächte, dann habe ich wenigstens auf alle Fülle meine Zechinen gerettet. Mein begabterer Zweitältester mag dann meine in Montenegro etwa noch vorhandenen Interessen vertreten. Er rette, was zu retten ist! - König Nikolaus hegt jedenfalls gegen Frankreich das berechtigte Miß- trauen, daß es ihm, falls er sich anders verhielte, sein Geld niemals auszahlen dürfte."
Einer Stockholmer Meldung der „Franks. Ztg." zufolge erfährt die „Nowoje Wremja" aus diplomatischen Kreisen, daß Montenegro im Jahre 1913 bereits mit Oesterreich Verharrdlunaen geführt habe, in denen Nikita den Loveen abtreten wollte, wenn er dafür Skutari be- käme. Die Verhandlungen wurden geheim geführt. Trotz- dem erfuhren die Regierungen in Rom und Belgrad davon. Rußland ersuchte daraufhin Montenegro, sofort die Verhandlungen einzustellen. Aehnlich fei die Lage auch jetzt. König Nikita änderte seine Ansicht, weil seine nächsten Berater sich mit den Kapitulationsbedingungen nicht abfinden konnten. Russische Diplomaten versichern, König Nikita sei gewillt, auf den Thron Montenegros zu verzichten und sich als Privatmann in Südfrankreich an- zusiedeln.
Am Hartmannsweilerkopf.
Wir hatten böse Weihnachten, wir hier im Oberelsatz. Es war so mancherlei für den heiligen Abend geplant, allerhand Ueberraschungen, allerhand Schönes, und nun ist alles zu Wasser geworden, der Feind hat uns Ueberraschungen gebracht, doch wahrlich nicht die schönstem Eigentlich hätten wir's uns denken können: der Franzose ist nun einmal ein erklärter Feind aller Fest- Hub Feiertage, zumal der deutschen, und mehr als einen solchen Tag hat er uns schon versalzen. Auch war seit Wochen rege Tätigkeit beim Gegner beobachtet worden, Tag und Nacht schössen sie von drüben, wahrscheinlich junge Truppen, zu uns herüber. Dies alles machte uns stutzig, doch trösteten wir uns in gläubigem Optimismus mit der Phrase: „Die Franzosen werden doch nicht ausgerechnet zu Weihnachten usw.!" So schafften wir weiter zu Weihnachten. Wir hatten sogar schon einen Christbaum erstanden, eine schlanke Tanne, die unsern Unterstand schmücken sollte. Wir freuten uns wie Kinder auf den Heiligen Abend. Da machten uns die Franzosen einen dicken Strich durch die Rechnung.
Am 21. schon ging s los. Diesmal galt es, wie so oft schon, dem Hartmannsweilerkopf. Der Hauptangriff richtete sich gegen die Kuppe des Berges, doch auch wir, die wir am Südhang des Berges unsere Stellungen hatten, waren dem Feuer der leichten und schweren Batterien so ausgesetzt, daß uns Hören und Sehen verging. Wir merkten auch gar bald, daß der Feind nicht etwa einen Scheinangriff gegen unsere Stellungen beabsichtigte, sondern daß etwas Ernstliches auch gegen und geplant sei. Da hieß es auspassen.
Die Franzosen schössen wahnsinnig, ihre Artillerie funkte^ wie sie im Elsaß noch nie gefunkt hatte, doch zum Glück saß nicht jeder Schutz. Trotzdem richteten die Geschosse in unseren Stellungen Verwüstungen an, Balken-, Bretter- und Eisenteile flogen wie toll durch die Luft, die Brüstungen wurden eingeebnet, Schützen- und Laufgräben gar bald verschüttet. . Und auf die Un- ferWinbe boaelte vra«e^- und-bonner^- der 'eGdUche Eisensegen. Ich hatte mich gleich zu Anfang der Schießerei in das Schilderhaus neben dem Unterstand begeben und schaute durch die Schießscharten dieses einigermaßen geschützten Plätzchens in das Toben um mich herum. Halb rechts von mir ragte der Hartmannsweilerkopf empor, dessen Kuppe in Rauch und Flammen ganz verschwand. Rechts, links, hinter und vor unserer Stellung schlugen die Granaten ein, doch was war das im Vergleich zu dem furchtbaren Feuer, dem die Kuppe des Berges ausgesetzt war! Der ganze Berg glich einem feuerspeienden, in wildester Tätigkeit befindlichen Vulkan. Feuer, Rauch und Pulvergualm, haushoch encpoWeschleuderte Felsbrocken und Erdteile, abgerissene Baumteile, Eisen, Stahl und Blei, alles wirbelte in tollem Chaos durch die Luft. Und drinnen in den Schützengräben, den Unterständen herrschte Schweigen.
die Ruhe des Todes! Einzig unsere Artillerie schoß ununterbrochen, schmiß ganze Wagenladungen von großen und kleinen Gechossen auf die feindlichen Stellungen und die rückwärtigen Verbindungen. So ging es Stunden, endlos lange Stunden fort.
Plötzlich schwiegen die Geschütze, die unsere Stellung beschossen hatten. Blitzschnell richtete ich mich aus der geduckter» Lage empor, ein Blick durch die halb eingestürzte Schießscharte, und: „Sie kommen!" schrie ich mit überlauter Stimme. Der Ruf pflanzte sich fort, überall, rechts und links hatten die Kameraden auf der Lauer gelegen und „Raus aus den Unterständen!" schrie alles. Schnell war jeder an feinem Platze, d. h. an der Stelle, wo früher mal sein Platz war, denn unsere Deckungen standen nur noch zum Teil, die Schützen- und Laufgräben waren verschüttet, und ich weiß jetzt noch nicht, wie es den Leuten überhaupt möglich war, über die Trümmermasse so schnell an ihre Plätze zu gelangen. Genug, sie waren zur rechten Zeit ba; ehe die vordersten Franzosen noch an unseren Drahtverhau rühren konnten, prasselte ihnen fdwu ein vernichtendes Feuer entgegen. .In vier bis fünf Wellen kamen sie angestürmt, nicht achtend der Lücken, die unser Feuer in ihre Reihen riß. Ihr brüllendes „Urräh — Urräh!" uild „En avant!" wurde von unserem rasenden Feuer tast erstickt. Wieder und wieder stürmten sie vor, die Leichen türmten sich an einzelnen Stellen. Handgranaten prasselten in unsere Stellung, und an zwei Stellen gelang es ihnen sogar, in unsern Graben einzudringen. Doch wahrte das Vergnügen für sie nur wenige Minuten, dann waren sie wieder draußen, unsere Handgranaten hatten ihre Schuldigkeit getan. Und baun liest auch das wilde Stürmen nach, sie hatten genug, und die zerrissenen Glieder fluteten wieder zurück, verfolgt von unserem Feuer. Gott sei Dank, das war geschafft, hier war der Angriff abgeschlagen!"
Jetzt richteten sich unsere Blicke wieder hinauf auf die Kuppe des Berges, auf dem es noch wild zuging. Das krachte, knallte und donnerte, gualmte und lohte wie in einem Hexenkessel. Die Artillerie schoß noch immer, und wie mir schien wütender noch als zuvor. Dann schwieg auch dort plötzlich das Feuer, um einer umso furchtbareren Stille Platz zu machen. Jetzt gingen sie oben zum Angriff vor! Hielten die Unfern stand, ja konnten sie überhaupt noch staudhalteu, lebten die armen Kerle überhaupt noch? Das K rächen der Handgranaten und ein rasendes Feuer lehrten uns, daß den Franzosen dort oben noch harte Arbeit bevüWand, daß unsere Kameraden noch lebten. Wir horchten und starrten mit ungehaltenem Atem. Und dann sahen wir, hörten wir, daß der Feind vordrang. Das Feuer der Kameraden klang schwächer mtb schwächer, sie mußten zurück, der Hartmannsweilerkopf war verloren. Wir standen mit bleichen Gesichtern, schweratmend da. Die Finger umkrallten die Knarre. „Jetzt nur da helfen können, jetzt nur stürmen dürfen, den Kameraden zu Hilfe!" Aber schon wieder brachen aus den feindlichen Gräben vor uns selbst mit wildem „Urräh!" die Franzosen vor. Und diesmal wurden sie noch besser empfangen) keiner kambis an den Drahtverhau, unser Feuer mähte sie nur so nieder. Sie hatten sich wiederum verrechnet, wir standen fest. Und nun war auch die wilde Flirt. die den Hartmannsweilerkopf herunterstürzte. zum Stehen ge- kommen; auch hier brach sich ihr Ansturm im Feuer der Kameraden. Wir atmeten auf, die Gefahr war glücklich überstanden, der Feind konnte nicht mehr vorwärts, das war die Hauptsache. Jetzt war uns nicht mehr bange, und unsere befreiten Lungen lösten sich in einem kräftigen weithinschallenden „Hurra!" Mit Hacke und Spaten arbeiteten wir unter Anspannung aller Kräfte, um unsere Stemme
Wir hatten unsere Schuldigkeit getan, den Fran- zoien war der erste große Ansturm nur zum Teil gelungen, der Weg ins Elsaß nach wie vor verlegt. Hub um die Wiedereroberung des Berges brauchte uns nicht bange zu sein, das würde schon gemacht werden, davon waren wir fest überzeugt. Unser Vertrauen wurde nicht erschüttert: am andern Abend um dieselbe Zeit war der Hartmannsweilerkopf wieder in unserem Besitz, waren die Franzosen in ihre alten Stellungen zurückgedrängt. Und wiederum richten sich heute unsere Blicke auf den fühlen Berggipfel, der schon so viel Blut getrunken hat. Wiederum platzen auch heute die Granaten von Freund und Feind dort oben, wiederum wird dort gesümpft und geblutet. Doch mit Stolz sehen wir empor, der Vera ist wieder unser, die für die Beherrschung des Elsas so wichtiae Stellung zuriickerobert. WO N N )
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