Hersfelder Tageblatt
V
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- # _ » <4 zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei SVÖlOlDtt Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ’
für den Kreis Hersfeld
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Nr. 81.
Sonntag, den 6. Februar
1916
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 5. Februar 1916.
Auf Grund der Anordnung der Landeszentralbehörden vom 19. Januar 1916 zur Regelung der Beschaffung des Absatzes und der Preis von lebendem Vieh wird am 15. Februar 1916 wie in den übrigen Teilen der Monarchie so auch für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel ein rechtsfähiger Viehhandelsverband mit dem Sitze in Cassel in Tätigkeit treten.
Dem Verbände müssen, auch ohne Beitrittserklärung, alle Viehhändler angehören, welche im Regierungsbezirk ihre gewerbliche Niederlassung haben.
Auf Antrag können auch Fleischer, welche in dem Regierungsbezirk Vieh vom Landwirt oder Mäster unmittelbar kaufen wollen, Mitglieder des Verbandes werden. Vom 15. Februar ab wird im ganzen Regierungsbezirk der Ankauf von Rindvieh, Schafen und Schweinen vom Landwirt oder Mäster zur Schlachtung, der Ankauf solchen Viehs zum Weiterverkauf und der kommissionsweise Handel damit nur den Verbandsmitgliedern gestattetZein, die von dem Vorstände des Verbandes eine Ausweiskarte erhalten haben, für welche eine nach den Gewerbesteuerklassen abgestufte Gebühr zu entrichten ist. Die Satzung des Verbandes wird noch vor dem 15. Februar im Amtsblatt der Regierung und in den für amtliche Be- kanntmachungen'der Land- und Stadtkreise bestimmten Blättern erscheinen.
Die Satzung wird die Bestimmung enthalten, daß sich die dem Verbände kraftgesetzlicher Anordnung auch ohne Beitrittserklärung angehörenden Mitgliedern, also alle Viehhändler, die im Regierungsbezirk ihre gewerbliche Niederlassung haben, unverzüglich, längstens binnen einer durch die Satzung bestimmten, knappen Frist zur Mitgliederliste des Verbandes an- zumelöen haben. Diese Meldungen werden bei dem Königlichen Landrat des Kreises, in welchem der An- inrroertve iente fleroeroitme yeteoerinnunn nur, rn oen Stadtkreisen Cassel und Hanau bei dem Magistrat zu erfolgen haben.
Ebenda werden auch die Anträge von Fleischern, welche Rindvieh, Schweine und Schafe unmittelbar vom Landwirt oder Mäster kaufen wollen, anzu- bringen sein.
Es wird darauf hingewiesen, daß solche Anmeldungen und Anträge jetzt bereits erfolgen können, und es liegt im Interesse der Beteiligten, hiervon Gebrauch zu machen, damit sie möglichst srühzeitig in den Besitz der zum Handel berechtigenden Ausweiskarte gelangen. In dem Gesuch ist anzugeben, in welcher Gewerbesteuerklasse der Anmelöende oder Antragsteller für das laufende Steuerjahr veranlagt ist.
Händler, die Aufkäufer beschäftigen, haben für diese auf den Namen lautende Nebenkarten zu beantragen.
J. A. No. 1292. Der Landrat.
A V.
v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.
Fortsetzung auf der 4. Seite.
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Kriegrjngendwehr hersfeld.
Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers hatte die Kriegsjugendwehr Hersfeld die Angehörigen der Jungmannen, die Lehrherrn, Arbeitgeber wie alle Freunde und Gönner der Wehr zu einem Unterhaltungsabend auf Sonntag den 30. Januar eingeladen. Bei Beginn der festlichen Veranstaltung um 118 Uhr war der geräumige Turnsaal bis auf den letzten Platz besetzt; in so reichem Maße war der Einladung entsprochen worden. Das Bezirks- und Garnisonskommando war durch Herrn Oberleutnant und Adjutanten Haselhuhn vertreten. Der Führer des hiesigen Landsturmbataillons, Herr Major Meier, hatte sich mit fast sämtlichen Offizieren des Bataillons eingcfnnden. Auch der Vertreter der Königlichen Staatsregierung, Herr Regierungsassessor von Hedemann, bekundete durch seine Anwesenheit sein schon so oft bewiesenes Interesse für die Bestrebungen der Hersfelder Jugendwehr. Für den Abend war der Wehr in entgegenkommender Weise die Musikkapelle des Landsturmbataillons zur Verfügung gestellt worden, die unter der bewährten Leitung des Herrn Kapellmeisters Härtung, die Pausen in der Vortragsfolge durch gediegene Musikstücke in schöner Weise ausfüllte.
Mit dem flotten Preußenmarsch v. Golde eröffnete die Kapelle die Feier. Nach kurzen herzlichen Begrüßungsworten des Leiters der Jugendwehr hielt Herr Pfarrer Scheffer die Festrede, in der,er ein LebenZ- und Charakterbild unseres Kaisers entrollte und die vielseitigen 'Verdienste beleuchtete, die das Herz des Volkes höher als je dem Führer Deutschlands entgegenschlagen lassen. Er führte etwa Folgendes aus:
„Wie schon so mancher Feiertag auf dem gewaltigen Hintergrund des Krieges in erhabenem Ernst sich abgehoben hat, so erhält auch unseres
Kaisers Geburtstag durch den Krieg eine besondere Weihe, einen einzigartigen Wert. Kaiser und Krieg gehören eng zusammen, nicht nur, weil alle militärischen und politischen Fäden dieser Kriegszeit in des Kaisers Hand zusammenlaufen, sondern weil auch das Lebenswerk Kaiser Wilhelms II. durch den Krieg eine glänzende Rechtfertigung erfährt. Sein Wunsch, der Welt den Frieden zu erhalten, ist zwar durch Deutschlands Feinde vereitelt, aber mit seinen ehrlichen Friedensabsichten hat der Kaiser seiner Armee und seinem Volk für diesen Entscheidungskampf eins gegeben, was die Faust ehern und das Herz kühn macht — das reine Gewissen und das feste Vertrauen: Gott mit uns. Freilich bei aller aufrichtigen Friedensliebe war er auf die Stärkung der Wehrkraft Deutschlands zu Land und zu Wasser bedacht, bedacht auch durch seine Fürsorge für Handel und Industrie, Technik und Landwirtschaft, auf Hebung des Wohlstandes und der wirtschaftlichen Kraft des deutschen Reichs, durch Pflege freundschaftlicher Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn und zur Türkei, auf Gewinnung zuverlässiger Bundesgenossen. Der Krieg bedeutet für Kaiser Wilhelm eine große Ehrenerklärung, sein Werk ist im Feuer des Krieges bewährt worden. Ebenso aber auch sein Gottvertrauen. — Wir können nicht dankbar genug sein, daß wir in dieser entscheidungs- vollen Zeit einen solchen Führer haben, im Wettersturm und Wogenörang einen solchen Steuermann, im Kampf um Sein und Nichtsein Deutschlands einen solchen Bannerträger deutscher Ehre und deutschen Geistes. Aber diese Zeit will keine bewundernden Worte und überschwängliche Gefühle, sie fordert Taten von uns. Und die Dankbarkeit und Treue gegen unsern Kaiser beweisen wir am besten damit, daß wir von ihm lernen und uns ebenfalls bewähren im Feuer. Nicht Mutlosigkeit, Klagen und weichliche Genußsucht, sondern sittlicher Ernst, Zucht und Gottvertrauen gibt Eisen ins Blut und Stahl in den Willen, daß wir ein kraftvolles Volk sind, im Feuer bewährt und wert unseres Kaisers.
Mit einem mit Begeisterung aufgenommenen dreifachen Hurra auf den Kaiser beendete Herr Pfarrer Scheffer seine Festrede, die durch das stehend gesungene Lied: „Heil Dir im Siegerkranz" noch eine besondere Weihe erhielt. — Dem hochgeschätzten Redner wurde reicher Beifall gezollt.
Die Kapelle spielte hierauf den „Waffenruf des Kaisers." Im Anschluß hieran brachten 3 Jungmannen der Wehr, Hans Sachs, Siegfried Hennig, Georg Schade einen zeitgemäßen Spielgesang: „Der siegreiche Dreiverband in Döberitz", zu Gehör; für ihr frisches Spiel ernteten alle drei lebhafte Anerkennung. Der Jungmann August Brod bewies sodann durch die eindrucksvolle Wiedergabe des Gedichtes: „Hindenburg" seine gute Begabung im Vortrag vaterländischer Gedichte. Zwei freundlich aufgenommene Gesangsvorträge des Georg Schade: „Der Kaiser kommt" und „die dicke Tante Berta und der Onkel Zeppelin" leiteten sodann zu dem von allen Anwesenden gemeinsam gesungenen Lied: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall" über. Nunmehr erschienen junge Turner des Turnvereins Hersfeld und des Gymnasialturnvereins, nämlich Georg Schade, Christian Wagner, Fritz Gesing, Adolf Wilhelm, Fritz Weidmann, Otto Stuckhardt, Fritz Huth, Peter Hellwig, Adam Caselitz in ihrer kleidsamen weißen Turnertracht aus der Bühne, um unter Leitung des Vorturners, Sanitätssoldaten Hofmann am Reck in Verbindung mit dem vorgestellten Barren zu turnen. Die Leistungen der jugendlichen Turnerschaar dürfen als vorzügliche bezeichnet werden. Sämtlichen Uebungen, unter ihnen zum Teil recht schwierige, wurden durchweg gut und gewandt ausgeführt. Wiederum konnte man erkennen, daß in Hersfeld die Turnerei nicht zurückgegangen ist. Die hervorragenden Leistungen der jungen Leute an diesen Geräten konnten nur das Ergebnis fortgesetzten fleißigen Turnens sein. Dröhnender Beifall folgte den Jungmannen, als sie nach Beendigung der Turnübungen strammen Schritts die Bühne verließen.
Hiermit hatte der erste Teil der reichhaltigen Vortragsfolge sein Ende erreicht. Nach einer Pause: von 10 Minuten gelangte die reizende Militärposse „O, diese Einjährigen" zur Aufführung, nachdem zuvor die Musikkapelle mit dem Potpourri: „Wir müssen siegen" dazu eingeleitet hatte. Wie an dem ersten Unterhaltungsabend der Jugendwehr hatte auch dieses Mal Herr Theatersekretär Eckstein aus Gera, zur Zeit Landsturmmann hier, mit den Jugendlichen das Stück eingeübt. Gespielt wurde von den Jungmannen Heinrich Pfeiffer, Adolf Feldmann, Heinrich Trinter, Peter Hellwig, Adam Caselitz, Georg Schade und Hans Post in gerade zu muster- giltiger Weise. Es war ein flottes munteres Gesamtspiel. Ein jeder zeichnete sich dabei aus. Der stürmische Beifall, der die jungen Darsteller begleitete, war ein wohlverdienter. Nun traten mit ihrem Vorturner Hofmann die bereits genannten Turner zu Stabübungen an, die unter Musikbegleitung ausge- fiihrt wurden. Hatte auch der rührige und überaus turnfertige Vorturner schwierige Uebungen zusammen
gestellt, die wackeren Turner hatten es durch fleißiges Einüben verstanden, die Schwierigkeiten zu überwinden, sodaß auch diese turnerischen Darbietungen ein fesselndes Bild von Jugendfrische und Anmut boten. Es folgten gleich darauf unter Leitung des Vorturners Hofmann Pyramiden, die von denselben Turnern und den Turnern Heinrich Wiegand, Hans Möller, Hans Mohr und Heinrich Mohr gestellt wurden. Was die Turner hier dem Auge boten, war in jeder Weise gut und gefällig.
Mit dem gemeinsam gesungenen Lied: „O Deutschland hoch in Ehren" hatte der schöne Abend sein Ende erreicht.
Durch diese Veranstaltung wollte die Leitung auch noch den Zweck verfolgen, für ihre Bestrebungen Interesse in den weitesten Kreisen zu wecken. Möchte sie diese Absicht erreicht haben.
Bus der Heimat.
* (Seuchennachrichten.) Die Maul- und Klauenseuche ist ausgebrochen in Nieder-Ofleiden sKr. Alsfeld, H.-N.), Reichensachsen, Jestädt, Bischhausen, Echte (Eichsf.), Eschenstruth und Lödingen, die Schafräude in Rohrbach (Kr. Hersfeld.)
§ Hersfeld, 4. Februar. An den Postschaltern wird eine von den Deutschen Vereinen vom Roten Kreuz ausgegebene „Deutsche Kriegskarte" die den Freimarkenstempel von 5 Pf. eingedruckt trägt, für 10 Pf. verkauft. Den Ueberschuß von 5 Pf. für jede abgesetzte Karte erhält das Rote Kreuz zur Förderung seiner segensreichen Aufgaben.
§ Hersfeld, 5. Februar. Im Hause von Gräfin von Bernstorff in Cassel fand am 25. Januar eine Besprechung statt, an der sich Damen aus Cassel, Franksurt a. Main, Fulda und Marburg beteiligten, nm für die Provinz Hessen Nassau die Organisation einer von allen großen Frauenverbänden geplanten dank 1915" führt, in die Wege zu leiten. Es ist darüber folgendes zu berichten: Das Ergebnis der Sammlung soll die Mittel ergänzen, die einerseits von der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, und anöerer- feits von den unter Mitwirkung des Staates geschaffenen Ausschüssen für Jnvalidensürsorge zur Verfügung gestellt werden. Die Kriegsspende „Deutscher Frauendank" soll verwendet werden: 1. als Beihilfe, durch welche den Angehörigen Gefallener oder Kriegsbeschädigter eine ihrer Begabung entsprechende Schul- und Berufsbildung ermöglicht wird, 2. als Unter- stütznngen a) für diejenigen Angehörigen — insbe- fondere Mütter — gefallener Krieger, für welche durch Renten nicht ausreichend gesorgt ist und für welche die Mittel der Nationalstiftung erst in zweiter Linie in Betracht kommen, b) für die Angehörigen von Kriegsbeschädigten, die durch Alter, Krankheit oder Inanspruchnahme in der Familie am eigenen Erwerb verhindert sind. Die anwesenden Damen hofften, daß es ihnen gelingen werde, das Interesse aller Kreise und aller Konfessionen für die Spende zu erwecken. Sie beschlossen, so schnell wie möglich die Bildung von Ortsausschüssen anzuregen und, wo das nicht angängig ist, geeignete Persönlichkeiten aufzufordern, welche die Sammlung in die Hand nehmen können. An diesem großzügigen Werke deutscher Frauen, in welchem ein Dank für unsere kämpfenden, kriegsbe- schädigten und gefallenen Krieger zum Ausdruck kommen soll, wird sich wohl jede deutsche Frau und jedes deutsche Mädchen gern beteiligen. Deshalb muß in allen Städten und auch in den kleinsten Dörfern gesammelt werden, Niemand sollte sich ausschließen. Die Sammlung ist eine einmalige und auch die kleinste Gabe willkommen.
):( Hersfeld, 5. Februar. (Platzmusik am 6. 2. 1916.) 1. „Die Ehre Gottes", von Bethoven. 2. Ouvertüre z. Op. Nebucatnezar",' von Verdi. 3. „Wiener Zugvögel", Conzertwalzer von Translateur.
4. „Jung Werners Abschied", Lied aus dem Trompeter v. Säckingen, v. Neßler. 5. Potpourri nach der Operette: „Der Bogelhändler v. Zeller". 6. a) „Ran an den Feind", b) „Für Vaterland und Freiheit", Märsche von Blankenburg.
):( Kalkobes, 5. Februar. Herr Gemeinderechner Johannes Schade und Frau, begangen gestern das Fest der Silbernen Hochzeit.
Fulda, 4. Fehruar. Am 21. November v. I. wurden die in der Kirche zu Johannesberg anwesenden Kirchenbücher während des Gottesdienstes durch einen lauten Knall in großen Schrecken versetzt. Der Geistliche sah sich genötigt, feine Predigt einige Minuten zu unterbrechen. Es stellte sich alsbald heraus, daß der sechzehnjährige Sch. in der Kirche mit Zündblättchen gespielt und einige durch Fußtritte zur Entladung gebracht hatte. Wegen vorsätzlicher Störung des Gottesdienstes erhielt der Bursche zehn Tage Gefängnis.
Fulda, 4. Februar. Der, wie gemeldet, in Sittard jHolland) verhaftete Zigeuner ist als der steckbrieflich verfolgte Wilhelm Ebender, der Mörder des Försters RomanuS, ermittelt worden.