Einzelbild herunterladen
 

Versierter Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Mslelto

für den Kreis Hersfeld

Kreisblstt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- I holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. (

..................................... . .....................

Nr. 24.

Sonnabend, den 28. Januar

1916

Amtlicher Teil

Hersfeld, den 25. Januar 1910.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich die Fleischbeschauer darauf hinzuweise«, daß die Vierteljahrskarten für die Fleichbeschaustatistik sowie die Tagebücher an den Herrn Kreistierarzt Hartmann in Homberg abzuliefern sind.

I. Nr. 1071. Der Landrat.

K V.:

v. Heüerua n n, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat.

* (DieVerwahrlosung der Jugendlichen.

Mit ganz besonderer Strenge geht jetzt der Bürger­meister des Amtsortes Laugenselbold (Kr. Hanau), Dr. Ritter, gegen die Verwilderung der Jugend vor. Nachdem alle ergangenen Ermahnungen nicht beachtet worden sind, gibt er jetzt in einer öffentlichen Be­kanntmachung die Namen von fünf Jugendlichen be­kannt, die wegen Sachbeschädigung und groben Un­fugs zur Anzeige kommen. Die Namen der Schüler zu veröffentlichen, gegen die das Verfahren wegen der verschiedensten Straftaten eröffnet worden ist, unter­lasse eJ. In seiner Bekanntmachung läßt er sich weiter wie folgt hören: Die Jugend zeigt hier bei allem, daß es an der nötigen Erziehung fehlt. Wenn z. B. vier Jungen, die im Jahre 1915 konfirmiert wurden, mit der Zigarre im Munde an den hiesigen Geistlichen, wie mir berichtet wird, vorbeigehen, ohne zu grüßen, so sagt sich jeder, wohin solche Zustände führen. Daß ein Mitglied der Gemeindevertretung, dem ein Jugendlicher mit der Taschenlaterne ins Gesicht leuchtete, sofort die gehörige Strafe in An­wendung brächte ist erfreulich. Auf die verschiedensten Anzeigen wegen Sachbeschädigung (Einwerfen von . Keultern der Kirche und an Privathäusern, Zerstören von Türen und Zäunen) gehe ich nicht weiter ein. Jede Familie sollte darauf sehen, daß ihre jugend­lichen Angehörigen beizeiten zu Hause sind. Das nächtliche Herumtreiben der weiblichen Jugend bis in die Mitternachtstunde ist stark eingegriffen. Daß solches Verhalten zu allerhand Untaten neben dem die Einwohner belästigenden ruhestörenden Lärm führt, beweist die starke Inanspruchnahme des Ge­richts. Jede Verwaltung und jeder Außenstehende wird eine Gemeinde danach beurteilen, wie es in ihr zugeht. Verschiedene Fälle der letzten Jahre sollten den Eltern einen Fingerzeig geben, wohin Zuchtlosig- keit führt. Ich spreche mit der Gemeindevertretung den Wunsch aus, daß jetzt Zucht und Ordnung einkehrt und daß die Jugend ein Verhalten an den Tag legt, das der ernsten Kriegszeit entspricht.

* Ueber den Stand der Wintersaaten im Regierungsbezirk Cassel wurde in der kürzlich abgehaltenen 22. Vollversammlung der Landwirt­schaftskammer mitgeteilt, daß der Roggen überall im ganzen Bezirk recht gut steht.

* (Die Neugestaltung der Familienun- t e r st ü tz u n g e n.) In einer der letzten Sitzungen hat der Bundesrat eine Verordnung zu dem Gesetz über die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetre- tener Mannschaften beschlossen, die diese Fürsorge für die Kriegerfamilien abermals nach verschiedenen Rich­tungen wesentlich erweitert. Einmal ist der Unter­schied in der Höhe der Unterstützungen während der Sommer- und Wintermonate beseitigt worden. Auf diese Weise erhalten die Kriegerfrauen auch während der kommenden Sommermonate den für den Winter geltenden Satz von 15 Mark und von 7,50 Mark für jedes Kind. Ferner ist das Gesetz ausgedehnt worden auch auf die Angehörigen, die der akt. Militärpflicht genügen und infolgedessen bisher Familienunter- stützungen nicht erhielten. In Zukunft werden nun die Angehörigen aller im Heere stehenden Mann­schaften die Rechte aus dein Gefetz vom 28. Februar 1888 (4. August 1914) gleichmäßig genießen. Eine Ausnahme machen lediglich die Kapitulanten, für die als Berufssoldaten andere Bestimmungen in bezug auf die für die Versorgung der Familien gelten. Eine dritte Erweiterung des Gesetzes besteht in der Ausdehnung seiner Geltung auf die Pflegekinder und Pflegeltern. Und schließlich trägt die Bundesratsver­ordnung in bezug auf die Feststellung der Bedürftig­keit den Wünschen Wcßumtfl, die der Reichstag im Dezember in einer Resolution zum Ausdruck gebracht hat. Danach werden in Zukunft die Familie,cunter- flützungen stets gewährt, wenn nach der Steuerveran­lagung das Einkommen in den Orten der Tarrfklaffe E weniger als 1000 Mark, in den Orten der Tarif- klassen C und D weniger als 1200 Mark und in den Orten der Tarifklassen A und B weniger als 1500 Mark beträgt.

* (Zur Lage der deutschen Zeitungen.) Eine nach Berlin einberufene von mehr als 300 Mitgliedern aus allen Teilen Deutschlands besuchte außerordentliche Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger beschäftigte sich am 28. d. M. eingehend mit der überaus ernsten Lage der deut­

schen Zeitungen. Im Vordergrund der Erörterung stand die Papierfrage. Es wurden folgende Ent­schließungen gefaßt:

1. Um die bereits eingetretenen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Zeitungsdruckpapier nicht zu einer Papiernot ausarteu zu lassen, beauftragt die heutige außerordentliche Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger den Vorstand, unverzüglich mit der Reichsregierung in Verbin­dung zu treten, um diese zu veranlassen, im Ein­vernehmen mit dem Vorstände des Vereins Deut­scher Zeitungsverleger und nach dessen Vorschlägen auf dem Verordnungswege eine zweckentsprechende Einschränkung des Verbrauchs von Zeitungsdruck­papier während der Kriegsdauer herbeizuführen.

2. Die heutige außerordentliche Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger beauftragt den Vorstand, den Herrn Reichskanzler zu bitten, gemeinsame Verhandlungen zwischen den deutschen Zeitungsdruckpapierfabrikanten und den deutschen Zeitungsverlegern unter Leitung de? zuständigen Regierungsstelle zu veranlassen, um für die Zu­kunft Verkaufspreise für Zeitungsdruckpapier fest­zusetzen, die ein ungestörtes Forterscheinen der deutschen Zeitungen ermöglichen. Gleichzeitig be­auftragt die außerordentliche Hauptversammlung den Vorstand, die Bestrebungen der deutschen Druckpapierfabriken zur Aufrechterhaltung ihrer Betriebe mit allem Nachdruck zu unterstützen.

3. In der Oeffentlichkeit, selbst bei einer großen Anzahl von Behörden, ist die irrige Auffassung verbreitet, daß die Zeitungsverleger durch die bei einzelnen Blättern während des Krieges ein­getretene Steigerung der Auflage mehr oder weniger hohe Geschäftsgewinne erziehlt hätten. Es wird dabei ganz übersehen, daß die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft, die das fianzielle Rück­grat jeder deutschen Zeitung bilden, ausnahms­los stark, ja in vielen Fällen um mehr als die »liljijijÄ

sondere des redaktionellen Teiles, außerordentlich gestiegen, so daß sich das Zeitungsgewerbe durch­weg in einer Notlage befindet. Eine ganze Anzahl von Zeitungen ist daher seit Ausbruch des Krieges zum Erliegen gekommen und hat das Erscheinen eingestellt.

Die Versammlung glaubt diese Aufklärung der Oeffentlichkeit unterbreiten zu müssen.

-oc- Hersfeld, 28. Januar. (Pflanzt mehr Gemüse!) Die Anzeichen, daß wir noch einen dritten Kriegssommer durchzumachen haben, mehren sich von Tag zu Tag. Wenn nun auch schon im letzten Jahre durch stärkere Ausnutzung brachliegender Flächen ganz erhebliche Mengen von Nahrungsmitteln mehr gewonnen worden sind, als in Friedenszeiten, so ist gleichwohl eine weitere ganz bedeutende Steigerung der Nahrungsmittel noch immer möglich. Die Anzahl der unbenutzt liegenden Feldstreifen usw. ist noch immer eine ziemlich hohe. Ebenso können die Ziergärten in diesem Jahre unbeschadet noch um ein gutes Teil vermindert und die dadurch ge­wonnenen freien Flächen für den Anbau von Gemüse freigemacht werden. Namentlich solche Sorten Ge­müse, die nur wenig Pflege erheischen, verdienen in stärkerem Maße kultiviert zu werden. Wenn auch das äußere Aussehen des Gartens in diesem Falle etwas an Zierlichkeit und Anmut verliert, so ist doch andererseits der gewonnene Zuwachs an Nahrungs­mitteln mehr wert. Und wir meinen, jeder echte Deutsche wird in diesem Sommer gern die Freude am Blumenschmuck hinter der Zweckmäßigkeit einer vergrößerten Nahrungsmittelerzeugung zurückstehen lassen. Englands infamer Aushungerungsplan, der nun schon zwei Jahre mißlang, soll auch im dritten Jahre an der Umsicht der deutschen Landwirtschaft elend zerschellen!

):( Hersfeld, 28. Januar. Kaisers Geburts- tag wurde gestern wieder in derselben schlichten Weise begangen, wie sie dem Ernste der Zeit und dem Wunsche unseres Kaisers entspricht. Kein lauter Jubel, einfacher, ernster wie ja unsere Liebe zu unserem obersten Kriegsherrn innerlicher vertiefter geworden ist. Reich beflaggt waren die öffentlichen und viele private Gebäude. Im Kgl. Gymnasium fand die übliche Feier statt. Herr Professor Dr. Stamm hielt die Festrede, wobei er die Wirksamkeit des Kaisers als Schöpfer der deutschen Flotte be­sonders hervorhob. In der Luisenschule hielt Herr Direktor Dr. Schoof die Festrede. In den übrigen Schulen fanden gleiche Festlichkeiten, die wie bei den höheren Lehranstalten aus Einzelvorträgen, An­sprachen und gemeinsamen Gesängen bestanden. In der evangelischen Kirche jwurde der Feier durch Mitwirkung des Kirchenchores und der Landsturmkapelle eine besondere Weihe verliehen. Auf dem Marktplatz fand nach beendigtem Gottesdienst Paroleausgabe vor versammelten Bataillon und der Jugenöweyr statt, wobei Herr Hauptmann Meyer ein dreifaches Hurra auf unsern obersten Kriegsherrn ausbrachte. Die Kapelle des Landsturmbataillons spielte dann noch eine Stunde auf dem Marktplatz.

):( Hersfeld, 28. Jan. Zum Leutnant befördert wurde: Bizefeldwebel Hans Fasold von hier.

Cassel, 27. Januar. Eine eindrucksvolle Kaisers­geburtstagsfeier fand heute mittag 12 Uhr im Rat­hause statt. Anwesend waren Vertreter aller Behör­den, sowie die städtischen Beamten) Oberbürgermeister Koch hielt eine packende Ansprache, in der er die Taten von Heer und Marine, sowie des deutschen Volkes würdigte. Nachher konzertierte bei schönem Wetter die Kapelle Henkel.

Homberg, 27. Januar. In diesem Jahre werden wieder Kinder aus dem Regierungsbezirk Cassel in die hiesige Taubstummenanstalt ausgenommen.

Kirchhain, 26. Januar. Der gestrige Viehmarkt brächte bei reger Zufuhr von Schweinen (meist Händlerware) hohe Preise. Es wurden für Ferkel 60-90 Mk. und für Läufer 120-160 Mk. das Paar bezahlt. Der Handel blieb mittelmäßig.

Neustadt bei Kirchhain, 27. Januar. Während des Bedienens der im Betrieb befindlichen Kreissäge in Momberg flog plötzlich ein Scheit Holz von der Säge zurück und traf den Schreiner August Schreiner mit solcher Wucht vor die Brust, daß eine Blutung der Lunge eintrat und der 61 Jahre alte Mann alsbald den erlittenen Verletzungen erlag.

Veckerhagen, 26. Januar. Ueber den Angriff eines Hirsches aus einen Menschen im Walde bei Veckerhagen, wird den Mündenschen Neust. Nachr. von einem waidgerechten Jäger geschrieben:Der Jagdunfall des Forstlehrlings Seitz kommt mir gar nicht überraschend. Schon vor Jahren habe ich stark gewarnt. Es ist unmöglich, männliches Reh- und Rotwild so zahm zu machen, daß man die Tiere an­fassen kann, ohne daß sie im Alter böse werden. Es sieht ja sehr schön aus, wenn solch schöner, stolzer Hirsch sich anfassen läßt und es ist ja ein großes Ver­ständnis der Lebensweise her Tiere erforderlich, es fertig zu bekommen. Jedoch verliert der Hirsch oder der Rebbock die Scheu vor dem Menschen, so kommt den Menschen angreift/ Beim Rehbock tritt es rascher ein, als beim Hirsch. Es liegt dieses darin, daß das Rehwild nicht so sehr die Dickungen des Waldes liebt, das Rehwild ist oft im Felde weit vom Walde ab Standwild und sieht daher öfter Menschen. Dagegen das Rotwild liebt die Dickungen sehr und geht nur ausnahmsweise (meistens aus Hunger) am Tage in lichte Bestände, die Hirsche sehen am Tage seltener Menschen. Daher kommt es auch, daß es nicht schon öfter passiert ist. Hoffentlich läßt man sich diesen Fall zur Lehre dienen und schießt alle Hirsche ab, welche die 'natürliche Scheu vor dem Menschen verloren haben."

Schmalkaldeu, 27. Januar. Die Stadtverordneten­versammlung beschloß im Einvernehmen mit dem Magistrat, daß denjenigen zum Kriegsdienst eingezo­genen Steuerpflichtigen, die nicht staatseinkommen- steuerpflichtig sind, auf Antrag und nach Prüfung der Verhältnisse auch die städtische Einkommensteuer ganz oder zum Teil erlassen werden kann.

Dnderstadt, 27. Januar. Auf dem Untereichsfelde hat jetzt die steueramtliche Verwiegung und der Ver­kauf des 1915 geernteten Tabaks begonnen. In Bils- hausen kamen 5060 Zentner zum Verkauf, womit dieser Ortschaft eine Einnahme von rund 6000 Mark zufloß, da der Zentner Tabak mit 106,50 Mark bezahlt wurde. Dieser sogenannte DuderstädterVeilchenta­bak" kostete in früheren Jahren 1820 Mark, höchstens 2224 Mark, Northeimer und Werratabake kosteten 7090 Mark der Zentner.

Westig (Sauerland), 26. Januar. Von einem Straßenbahnwagen überfahren wurde das dreijährige Töchterchen des Oberbrieftrügers Schäfer. Die kleine Leiche war ganz zerstückelt. Das Kind wollte au seinem Geburtstage den Vater abholen. In den nahen Steinbrüchen stürzte gestern ein italienischer Arbeiter über eine Felswand und erlitt bedenkliche Verletzungen.

Fulda, 26. Januar. Am 1. Februar wird eine in Hilders an die Strecke FuldaTann (Rhön) an­schließende Nebenbahn HildersBüttenSeiferts Wüstensachsen in Betrieb genommen werden. Die genannten Bahnhöfe erhalten Verkehrseinrichtungen zur Abfertigung von Personen, Leichen, Gepäck, Fahrzeugen, lebenden Tieren, Eil- und Frachtgüter und Wagenladungen.

Vom Kreuzberg, 26. Januar. Letzter Tage herrschte hier ein furchtbarer Sturmwind. Bon der Kreuzigungsgruppe oberhalb des Klosters wurde das Kreuz des linken Schächers vom Sturmwind abge­knickt, sodaß noch ein Stumpf von einem Meter steht. Ein Wunder ist es, daß das hohe Kreuz dem Un­wetter standhielt. Heute früh sank das Thermometer auf 0 Grad.

Hanau, 28. Januar. In der Strafkammersitzung wurden die Holzarbeiter Weigand und Walther von Jossa, Kreis Schlüchtern, zu je 4 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie im Monat Oktober v. Js. Dieb­stähle an Frachtgut auf dem Bahnhof Jossa ausgeführt hatten. Die Diebe wurden s. Z. durch den Polizei­hund in Schlüchtern ermittelt.