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viNschrislen an den Reichstag.

Dem Dteicheüaa gehen andauernd Bittschriften der verschiedensten ^lrr Vu. Selbst in der parlamentslosen Zeit ist daran kein Mangel. Wenn aber der Reichstag Sitzungen abbält, dann schwellen diePetitionen" zu Pa- picrberqen an. Viele Hunderte, ja sogar viele Tausende sammeln sich an, werden sorgsam verzeichnet und, so ant es die Zeit des Reichstags erlaubt, auch behandelt. Man tritt mit den sonderbarsten Wünschen an das Reichs- haus heran. Man kann wohl sagen, daß etwa die Hälfte aller Bittschriften eine ernsthafte Behandlung durch das Parlament nicht verdient, weil sie sich vst mit sehr aus­gefallenen Dingen beschäftigen. Da soll der Reichstag dafür sorgen schreibt dieN. G. C.", daß diese oder jene' feldgrauen Ehegatten auf Urlaub nach Hause kommen dürfen. Die Wünsche, die eine Erhöhung der Gehaltsbezüge vertreten, sind zahllos. An Anregungen und Vorschlägen fehlt es nicht. Das gilt besonders auch für die großen Steuerfragen, die uns bald ausgiebig beschäftigen werden. Da werden Kaven-, Klavier- und Kanarieiivvgelsteuern vorgeichlagen. Auch wertvolle Ge­mälde will man mit einer Steuer belegen, ebenso jeden Goldichmuck und Juwelen. Der Krieg spielt natürlich auch in diesen Bittschriften keine kleine Rolle. Auch Frie- densvorschläge sind nickn selten. Ein Arzt verlangt vom Reichstag, daß sein Berufsgenoffe im gleichen Orte nicht weiter vom Heeresdienst zurnckgestellt, sondern zur Front geschickt werde. Ein energischer Vater fordert seinen Sohn aus dem Heere zurück oder 1OOO Mark Entschädi­gung! Ein Erfinder beschwert sich darüber, daß das Kriegsministerium seine EAin düngen allzu rasch er­ledige und ihnen anscheinend nicht dieselbe Bedeutung Veimesse, die er selber von ihnen hat. Verschiedene Staatsbürger bitten den Reichstag um Rat, wie sie sich in bestimmten schwierigen Fällen zu verhalten haben. Ein Herr aus Frankfurt a. M. will alle vom Heeresdienst befreiten Teutschen ohne Unterschied zu einer kräftigen mehrjährigen Kriegsstener heranziehen. Ein Sattler, der zurzeit in Warschau tätig ist, verlangt Portofreiheit für Feldpostpakete, bis zu 3 Pfund. Ein Hannoveraner überreicht Pläne zum Bau von Schützengräben. Ein Charlottenburger will eine deutsche Kriegsabwehrtages- zeitung gründen. Allerlei Friedensziele werden in mehr oder minder drastischer Form entwickelt. Man schlügt leichten Herzens die Gründung mehrerer neuer König­reiche vor. Ein Berliner empfiehlt, den Verhandlungs­bericht über die FriedensjnterpeÜatiou im Reichstag in den Sprachen unserer Feinde in großer Anzahl über die feindlichen Schützengräben auszuftreuen. Das Kapitel der Kriegsgewinne bat eine ausgedehnte Bittschriften- literatur 'hervorgerufen, in der die liebenswürdigsten Vorschläge zur Besteuerung der Mstmenschen gemacht werden.' Natürlich haben auch die Fragen der Volks­ernährung viele Federn in Bewegung gesetzt. Jeden­falls ist es erfreulich, daß der Reichstag so viel Ver- * trauen genießt, da man sich mit den Nöten und Be­schwerden des Tages gern an ihn wendet.

Das wird in Albanien?

Zu dem angeblichen Abbruch der montenegrinischen Friedensverhandlungen wird der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben: In Italien verbreitet sich von Tag zu Tag mehr im Volke die Auffassung, daß der Treubruch der italienischen Regierung gegen den Drei­bund ein sehr schwerer Fehler gewesen ist. Der Zu- sammenbruch Montenegros mögen nun die Friedens- verhandluugen abgebrochen sein oder nicht bildet nach mehreren Richtungen hin für Italien einen ।dinieren Schlau, denn die ^reihert des Adriatischen

Meeres, die Italien für seine Flotte durch diesen Krieg erringen wollte, ist mehr denn je durch die Eroberung des Vomaen bedroht. Nun rüstet sich das österreichisch- ungarische Heer zum Vormarsch gegen den Tabarosch, der den Eintritt nach Albanien schützt. Zwar hat Ita­lien schon vor einiger Zeit in Valona eine größere An­zahl von Truppen gelandet, aber es ist bisher noch nicht recht ersichtlich geworden, wozu diese Maßnahme von Italien unternommen worden ist. Es sind tatsächlich bisher irgend welche Schritte noch nicht erfolgt, svdatz der Zweck der italienischen Truppenlandung in Va- laua noch von tiefem Dunkel umgeben ist. Allgemein wurde damals angenommen, daß die italienischen Trup­pen nicht in das Innere Albaniens mit der Rich­tung gegen unsere verbündeten Streitkräfte vormar­schieren werden.

DerFigaro" brächte-nun jüngst eine Notiz, aus der mancherlei über die kommenden Dinge in Albanien entnommen werden konnte, die aber trotzdem recht verblüffend wirkt. Das italienische Blatt führte aus, daß die Vage des Vierverbandes auf dem Balkan recht sicher sei, da sowohl die Stellung bei Saloniki von den Engländern und Franzosen, wie die Stellung bei Ba- lona von den Italienern uneinnehmbar gestaltet wor­den sei. Aber das Blatt knüpft daran die Forderung, daß die Truppen des Pierverbandes sich nicht nur auf die Verteidigung beschränken sollten, sondern auf den Angriff und Vormarsch bedacht sein müßten. Am meisten interessiert aus diesem Aufsatz hier die Mit­teilung, daß die Stellung der Italiener für die Ver­teidigung außerordentlich gut befestigt worden sei. Man entnimmt daraus die erstaunliche Auffassung, daß die italienischen Truppen sich hier festlagern wollen, um sich gegen einen Gegenangriff zu verteidigen. Wenn das der Plan ist, dann weiß man wirklich nicht mehr, wozu der immerhin schwierige Truppentransport nach Valona vorgenvunnen worden ist. Die Befestigung dieses Stützpunktes für das italienische Heer würde nur dann Bedeutung haben, wenn der Hafen den weiteren Nachschub von italienischen Truppen nach Al- banien sichern sollte. Cadorna hat aber mehr als ein­mal erklärt, daß er für eine weitere Schwächung der Front am Jsonzo nicht zu haben fei.

Diese Hartnäckigkeit der Weigerung, weitere Trup­pen nach Albanien zu senden, hat sicherlich manche Be­rechtigung für sich, da es sicher Cadorna noch nicht ge­lungen ist, irgend welchen Erfolg bei seiner Offensive gegen Oesterreich-Ungarn zu erzielen. Selbst bei Beginn dieses Krieges, für den Italien mehrere Monate lang stark gerüstet hatte, konnte die österreichisch-ungarische Front nicht im Entferntesten erschüttert werden. Jetzt erscheint die italienische Front viel mehr gefährdet, als die österreichisch-ungarische, da es offenbar ist, daß die Sicherheit der italienischen Front zum größten Teil von den Maßnahmen unserer verbündeten Heeresleitungen abhängt. Auf eine große Unternehmung Italiens in Albanien wird man aus allen diesen Gründen voraus­sichtlich nicht rechnen können. Es ist anscheinend auch in Valona nur mit einer jener halben Maßregeln zu rechnen, von denen die Unternehmungen des Vierverban­des auf dem Balkan seit Beginn ihrer Expeditionen be­gleitet sind. Auch hier zeigt es sich wiederum, daß die Mittelmächte nicht nur die größere Kraft haben, sondern auch mit großem Zielbewutztsein auf allen Teilen des Kriegsschauplatzes dem Feind die Gesetze des Handelns diktieren. Die kommende Entwickelung der Dinge in Albanien ruht noch im Dunkeln, ohne daß wir daran zu zweifeln brauchen, daß die aLge für uns höchst günstig ist. (Z.)

Sie russische offensive im Saukasus.

Nach mehrmonatlicher Ruhe leben, wie der Korre­spondenzHeer und Politik" geschrieben wird, die Kämpfe im Kaukasus wieder auf, da die Nnssen hier anscheinend mit starken Kräften eine Offensive unter­nommen haben. Man wird wohl darin die Absicht des Großfürsten yiitolai Rikolajewitsch erkennen können, die Uebernahme des Oberbefehls über die Kaukasusarmee jetzt aller Welt deutlich zu offenbaren. Das Kriegsglück fdjwaufte hier schon mehrfach hin und her, aber stets blieben die Türken derartig erfolgreich, daß die Russen nicht im Stande waren, die Grenze endgültig an über­schreiten. Ja, es war den Türken sogar schon gelungen, gegen Batum voraurücteu, als wichtigere Ereignisse auf anderen Teilen der Front, besonders auf (Rtllipoli, die­sen Kriegsschauplatz zu nebensächlicher Bedeutung her­absinken ließen. Bezeichnend ist es, daß auch in die,er Zeit, als die Türken sich hier ganz auf die Defensive legten, die Russen keinerlei Vorstöße wagten. Auch die ersten Monate, in denen der Obervefehl über die Kau­kasusarmee dem Großfürsten Nikolai übertragen wor- den war, brächte nicht die von allen erwartete Offensive, woraus zu erkennen ist, daß die russische Kaukasusarmee durch die ständigen Schlappen nicht mehr angriffs- fähig war.

Großfürst Nikolai wird wohl alles getan haben, um den Zustand des Heeres zu verbessern, beim die Offen­sive, die jetzt am 10. Januar vom russischen Heere unter­nommen wurde, erfolgte offenbar mit starken und gut ausgerüsteten Kräften. Aus den bisherrgen Ereignissen geht hervor, daß der Großfürst die Durchbrechung des türkischen Zentrums sich zum Ziele gesetzt zu haben scheint. Die Angriffe erfolgen auf einer Frontlänge von ungefähr 150 Klm. Hauptsächlich auf der Linie Arras-Jschan. Besonders der Kara-Dagh-Berg, der südlich des Arras-Flusses gelegen ist, ist das Ziel der stärksten russischen Angriffe. Der Kara-Dagh-Berg liegt ungefähr auf halbem W^e der russisch-türkischen Grenzlinie. Mehrfach wurden hier in der Zeit vom 10.14. Januar mit manchmal vierfacher Uebermacht unausgesetzt Vorstöße in 10 Reihen unternommen, die alle an der Tapferkeit der türkischen Truppen scheiterten. Nachdem die Russen hier ständig gewaltige Verluste er­litten hatten, durch die ihre Regimenter dezimiert wur- den, erlitten sie am 13. durch einen starken türkischen Gegenangriff beim Kara-Dagh-Berg eine so schwere Niederlage, daß sie in wilder Flucht davonjagen muß­ten. Es hatte sich wiederum die große moralische Ueber« leaenheit des türkischen Soldaten über den russischen be­wiesen.

Die Offensive im Kaukasus hängt militärisch mit dem Vorgehen der Russen in Persien zusammen und dürfte zu dem Zwecke unternommen worben sein, um die türkischen Truppen von Persien abzuziehen. Es ist ein neuer starker Versuch, die Lage in Persien und im Irak diesmal vom Kaukasus aus zu bessern, denn die Vorgänge im Kaukasus dürfen nicht unabhängig als Einzelunternehmung behandelt werden, sondern sonnen nur richtig verstanden werden, wenn man ihren Zu­sammenhang mit den Vorgängen in Persien und im Irak verfolgt. War doch die Absicht Englands und Ruß­lands, eine einzige Front von Bagdad über Persien bis hinaus an die kaukasische Grenze zu schaffen und da­durch mit einem Schlage nicht nur Persien in die Ge­walt zu bekommen, sondern auch die Türkei von hier aus durch den Vormarsch gegen Westen zu zerschnret- tern. Allerdings blieb es bisher nur bei dem Versuch, der elend gescheitert ist. Selbst ein Erfolg im Kau- kafus konnte niemals zur Schaffung der starken Front beitragen, durch die die Türkei in ihren Grundvesten erschüttert werden konnte. so.)

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 18. Januar 1916.

Der Kreis Hersfeld beabsichtigt, eine größere Menge Saathafer für den Bedar» der Landwirte des Kreises im kommenden Frühjahr zur Verfügung zu halten. Um über die Höhe des Bedarfs rechtzeitig unterrichtet zu fein, ersuche ich alle diejenigen Land­wirte, welche im kommenden Frühjahr Saathafer kaufen müßen, ihren Bedarf bei mir bis zum 5. Februar d. Js. anzumelden. Später eingehende Meldungen können nicht berücksichtigt werden.

J. I. No. 696. Der Landrat.

J. B.:

v. Hedemanu, Reg.- Assessor.

Hersfeld, den 21. Januar 1916.

Der von dem Gutsbesitzer L. Reinhard in Landershausen vorgestellte Zuchtbulle, Simmentaler Raffe, 17 Monate alt, gelbschäck ist von der Körungs- kommisfion für zuchttauglich befunden worden.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes.

I. A. Nr. 717. J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Belanntmachung,

betreffend Saatkartoffeln.

Vom 6. Januar 1916.

Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Ge­setzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 lReichs-Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen:

§ 1.

Die Höchstpreise für Kartoffeln gelten bis zum 15. Mai 1916 nicht für Kartoffeln, die

1) vom Erzeuger unmittelbar an Landwirte als Saatkartopeln zur Aussaat verkauft werden, oder

2) von Händlern, die von der höheren Verwaltungs­behörde die Erlaubnis zum Handel mit Saatkar- topeln erhalten haben, als Saatkartoffeln gekauft werden, oder

3) von zugelaffenen Händlern fNr. 2) als Saatkar­toffeln an andere zugelassene Händler oder an Landwirte verkauft werden oder an solche Per­sonen, welche durch eine Bescheinigung der Orts- volizeibehörde den Nachweis erbringen, daß sie in der Lage sind, die anzukaufenden Kartoffeln un­mittelbar zu Saatzwecken zu verwenden.

Der in Nr. 2 vorgesehenen Erlaubnis bedürfen auch die landwirtschaftlichen Genossenschaften und landwirtschaftlichen Vereine.

§ 2.

Tie Erlaubnis zum Handel mit Saatkartoffeln (§ 1 Nr. 2) wird von der höheren Verwaltungsbe­hörde erteilt, in deren Bezirk der Händler seine ge­werbliche Niederlasiung hat. Sie gilt für das Reichs-« gebiet und ist jederzeit widerruflich. Sie darf nur einer dem Bedürfnis entsprechend beschränkten Anzahl

von Personen erteilt werden, die abgesehen von land­wirtschaftlichen Genossenschaften und landwirtschaft­lichen Vereinen bereits vor dem 1. August 1914 den gewerbsmäßigen Handel mit Saatkartoffeln ausgeübt haben müssen.

§ 3.

Die zugelassenen Händler haben besondere Bücher über ihre Geschäftsabschlüsse in Saatkartoffeln zu führen. Sie haben darin den Namen des Vertrags­gegners, die Menge und den Preis ersichtlich zu machen. Auch ist anzugeben, ob der Vertragsgegner Landwirt, Händler oder eine nach § 1 Nr. 3 sonst zu- gelaffene Person ist.

Zu dieser Buchführung sind auch Landwirte ver­pflichtet, die gewerbsmäßig Saatkartoffeln züchten und verkaufen.

§ 4.

Die nach § 3 zu führenden Bücher sind der zu­ständigen Behörde auf Verlangen jederzeit vorzu- legen.

§ 5.

Die Landeszentralbehörden erlassen die Be­stimmungen zur Ausführung dieser Verordnung.

§ 6.

Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften im § 3 und 4 dieser Verordnung sowie die nach § 5 er­lassenen Bestimmungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu fünf­zehnhundert Mark bestraft.

§ 7-

Verträge über Lieferung von Saatkartoffeln, die vor dem 29. Oktober 1915 zu einem höheren als dem Höchstpreis oder nach dem 28. Oktober 1915 zu Höchst­preisen abgeschlossen sind, werden aufgehoben, soweit nicht Lieferung bei Inkrafttreten dieser Verordnung erfolgt ist.

§ 8-

Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Ver- kündung in Kraft.

Berlin, den 6. Januar 1916.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers.

D e l b r ü ck.

* * *

. Hersfeld, den 19. Januar 1916.

Wird veröffentlicht.

I- 352. Der Landrat.

J. V.:

Funke, Kreissekretär.

Am Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers und Königs.

Vormittags 10 Uhr:

Festgoltesdienft unter Mitwirkung des Kir- chenchors und der Militär kapelle.

Carbid

P. Kilo 70 Pfg.

10 Kilo mit luftdicht. Büchse Mk. 8,45

100 Kilotrommeln f. Wieder- verk. z. bitt Tagespr.

Kurz 8 drehe, Blllenburo

Telephon 182.

Kriegsjugendwehr Hersfeld.

Aus Anlass des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers

Sonntag, den 30. Januar,

von abends 7V2 Uhr ab

in der neuen Turnhalle

(Jnterhaltungs-flbend

unter Mitwirkung der hiesigen Bataillonskapelle.

Einlasskarten zu I Mk. nur an der Kasse.

Für die Jungmannen und deren Angehörige ge­langen besondere Karten vorher zur Ausgabe.

Es ergeht nur auf diesem Wege frdl. Einladung.

Die Leitung.

Graupen ^

fein, Mittel u. grob

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