Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Welier
für den Kreis Hersfeld
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Nr. 22.
Donnerstag, den 27. Januar
1916
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der 4. Seite.
Dem Kaiser!
27. Januar 1916.
Du bist, so recht nach deutscher Zollernart, Am alten Stamm ein kräftig grünend Reis, Viel Edelmut mit Glauben eng gepaart, — Singt Dir Dein Volk schon heute Lob und Preis. Du wolltest, mehr als Menschenkraft vermag, Dem Völkerfrieden goldne Brücken bauen; Doch über Nacht brach los wie Wetterschlag Der Krieg. — Umsonst Dein Mühen, Dein
Vertrauen.
Dein Herz, es glaubte falschem Fürsteneid,
Im hohen Rat der Völker: Lug und Trug, So türmte an den Grenzen sich der Neid, Der maßlos frech das Völkerrecht erschlug. Nur einer hielt sein einst gegebnes Wort, Der kannte noch das Lied der deutschen Treue; Zu alledem blieb Gott Dir Fels und Hort Und schenkte Mut und Kraft Dir stets auf's neue.
Dein Volk stand auf, und keiner blieb zurück, Die Glocken klangen, und der Sturm brach los; Daheim die Lieben, stilles, trautes Glück Lag wohlgeborgen in der Heimat Schoß. — Wie Blitz und Donner, mächtig Schlag auf Schlag, So fegten Siegfriedsschwerter in die Feinde; Sieg aller Enden über Jahr und Tag, Und festgefügter stehet die Gemeinde. —
Aus fernem Osten grüßet helles Licht, Dort halten Bundesbrüder treue Wacht; Erschlagen wurde schon der frechste Wicht, Doch auch dem größten naht die letzte Nacht. — Mars ordnet Haufen, schärfet neu das Schwert, zieht ein stummes Mahnen:
Mit Eichenlaub bringt' heim die alten Fahnen
Das sei ein Wort, gehalten hier und dort; Wir schlagen rechts und links die Hände ein, Im freien Feld und auf des Schiffes Bord: „Vorwärts mit Gott! der Sieg muß unser sein!" Doch das sei Losung und sei Feldgeschrei, Zum Tag, der wiederkehret heut' aufs neue: „Dem Kaiser Heil! Das deutsche Volk bleibt frei! Es bleibt in Ewigkeit das Volk der Treue!"
Hermann Böning, Hauptmann d. R., im Felde.
Kaisers Geburtstag.
Zum zweiten Make wird der 27. Januar Kriegs- geburtstag. Wiederum schließt das aus, daß ihm der rauschende Jubel der festlichen Begehung zuteil wird, die ihm zuvor in der Freude des Friedens über ein Vierteljahrhundert gewidmet worden war. Aber als Kriegstag ist Kaiser Wilhelms Geburtstag erst recht unser höchster, bedeutsamster Volkstag geworden: denn der Krieg hat im vollen Umfange und in ganzer Tragweite offenbart, was unser Kaiser und unser Kaisertum uns bedeuten, wie fest geschlossen Kaiser und Volk in Not und Tod zusammenstehen, in wie unverbrüchlich innerlichster Zusammengehörigkeit sie eines Geistes und Willens sind. Im Kriege, 1871, ist das deutsche Kaisertum geschmiedet wordeu. Auch der erste deutsche Kaisertag, der 18. Januar 1871, war ein Kriegstag. Aus dem Kriege, durch Blut und Eisen, ist das deutsche Kaisertum erstanden, und abermals durch Krieg ist es nun zu Fleisch und Bein des deutschen Volkes verwachsen, unveräußerlicher Bestandteil des Deutschtums geworden.
Die Feinde führen diesen Krieg wider das dentsche Kaisertum als das sichtbarste Zeichen deutscher Größe und Herrlichkeit. Wegen unseres Kaisertums beneiden sie uns, und vor dem Kriege haben sie uns insbesondere um seinen gegenwärtigen Vertreter, um Kaiser Wilhelm beneidet. Jetzt beschimpfen sie ihn, weil sie gegen ihn nichts ausrichten; weil sie erkennen müssen, daß ihr Neid nur allzu begründet war. Sie suchen ihn nun zu verunglimpfen, aus „ohnmächtiger Wut", wie unser Kaiser in seinem Neujahrserlaß den Kameraden gesagt hat. Wie sehr der ohnmächtige Neid aus der Hetze der Feinde wider unsern Kaiser spricht, mag heute daraus erhellen, daß sich ein Minister der jetzigen Regierung der französischen Republik, Sem- bai, kurz vor dem Kriege in seiner Schrift „Macht einen König oder macht den Frieden" über den Gedanken entsetzt hat, unter Machthabern wie der Präsident Poineare und Genossen einen Krieg führen zu müssen: „Dazu wären wir verurteilt?", fragte Sem- bat. „Wie könnt Ihr es wagen, Ihr Allzubekannten, die Ihr schon im Frieden recht mittelmäßige Führer seid, Euch zu Führern in Kriegszeiten anzubieten? Zieht Euch zurück. Ihr stinkt nach Niederlage!"
Unser Kaiser, der in lebendigster persönlicher Ver- körperiMg unser angestammtes Kaiser- und Fürstentum veranschaulicht, stellt eine der entscheidenden Hauptkräfte dar, die den Sieg sichern. Dessen wollen wir uns bewußt werden und bewußt bleiben. Unser
Kaiser ist Träger, Bürge und Dolmetsch der deutschen Einheit in diesem Kriege. Durch ihn und in ihm sind wir Deutschen allesamt, Staat und Volk, das Lan- desfürstentum und die einzelnen Volksstämme zu ungeteilter Wesens- und Willensübereinstimmung verschmolzen; unter ihm können wir unsre Gesamt- wehrmacht so einheitlich und leistungsfähig, so unwiderstehlich und unbezwinglich einsetzen, wie es geschieht. Unser Kaiser fand sofort bei Kriegsbeginn das rechte Wort, das Kaiserwort, das die vollste Willens- und Kampfeseinheit herstellte, das alles Gegensätzliche und Trennende beiseite schob: Ich kenne nur noch Deutsche. Das war mehr als ein Wort: es wurde eine Kaiser- und Kriegstat. Und zwar auch deshalb, weil unser Kaiser, den auch seine Feinde vor dem Kriege als Friedenskaiser bewertet hatten, gerade als solcher berufen war, der Kriegsherr und Kriegskaiser zu werden, der die Deutschen bis zum allerletzten überzeugte, daß das Schwert gezogen werden mußte, zum Verteidigungskriege. Jeder folgt ohne Ausnahme und Unterschied opferfreudig und todesbereit dem Rufe des Friedenskaisers: Zu den Waffen!
Und nicht minder danken wir zu allererst unserm Kaiser, daß die Waffen zu schärfster Schlagfertigkeit geschliffen war. Als Friedenskaiser war er sich stets der Verantwortung bewußt, zur Abwehr frevelhafter Friedensbrecher in stärkster Wehrmacht gerüstet zu sein, zur Verteidigung des Platzes, auf den Gott, wie unser Kaiser einmal bekannt hat, die Deutschen gestellt hat. Als Friedenskaiser war er doch allezeit zugleich Soldatenkaiser. Als solcher wurde er der Schöpfer der Kriegsflotte und blieb des deutschen Heeres Hort und Hüter nach dem Grundsätze: Rasten heißt rosten. — Kameraden ! So spricht er zu Deutschlands Kriegern. Es ist das rechte Wort, denn es kennzeichnet den kameradschaftlichen Geist der treuesten Fürsorge und Lebensgemeinschaft, in der unfer Kaiser für* alle Angehörigen seines Heeres und seiner Marine leibt und lebt. Nur als der Friedenskaiser
Ehrlichkeit und
rechten Willens betätigt hatte, konnte Kaiser Wilhelm in diesem Kriege der hochragende Vertreter der sittlichen Kräfte werden, die wir einsetzen, der Berkörperer des reinen, wahrhaftigen deutschen Gewissens, im Gegensatze zu jener sittlich verwerflichen Art, wie die Feinde den verbrecherischsten aller Kriege entfeyelt haben und durchzuführen trachten.
Wir fassen zum 27. Januar aller Deutschen Glück-, Heil- und Segenswünsche in den Rnf zusammen: Unser Kaiser hurra, hurra, hurra!
Bus der Heimat«
* (Mißbrauch der Bezeichnung „Feld- post.) Der Krieg hat uns eine weitgehende Portofreiheit gebracht. Der gesamte Briefverkehr mit unseren Soldaten draußen an der Front, wie in der Heimat, hinwärts und herwärts, kostet nichts, wenn es sich nicht um gewerbliche Angelegenheiten handelt. Es braucht nur das Wort „Feldpost" auf den Brief oder die Karte gesetzt zu werden. Aber selbst dieser segensreichen Einrichtung bemächtigt sich der Mißbrauch. Es sind namentlich Frauen und Mädchen, die der Versuchung nicht widerstehen können, portofrei zu schreiben, auch wenn der Adressat kein Soldat ist. Sie bedenken wohl nicht, daß sie sich dadurch strafbar machen und ein Vielfaches von dem, was sie gern ersparen möchten, als Hinterziehungsstrafe zahlen müssen, wenn nicht noch gar Bestrafung wegen Betruges hinzutritt. In neuerer Zeit ist die Post häufiger in die Lage gekommen, wegen solcher Miß- bräuche einzuschreiten. Es kann deshalb nicht dringend genug davor gewarnt werden.
* (Schuln ach richten.) Die Königliche Regierung zu Cassel hat bestimmt, daß wegen der späten Lage von Ostern das Schuljahr mit dem 31. März schließen und das neue Schuljahr 1916 mit dem 1. April beginnen soll. Die Eltern haben daher ihre schulpflichtig werdenden Kinder vom 1. April den Schulen zuzuführen. Die festgesetzten Osterferien werden dadurch verändert:
* (Entlassung aus' dem Heeresdienst.) Auf Anordnung des Kriegsministeriums sind die Landsturminspektionen des Heimatheeres angewiesen worden, dauernd garnisondienstfähige gediente Unteroffiziere und Mannschaften des Landsturms, die vor dem Jahre 1873 geboren sind, bis auf weiteres aus dem Heeresdienst zu entlassen, wenn die häuslichen und beruflichen Verhältniße eine Entlassung rechtfertigen. Auf Grund dieser Verfügung sind in der letzten Zeit zahlreiche Landsturmleute im Alter von 43 Jahren in die Heimat entlasten worden. Die kriegsministerielle Verfügung wird auch auf dauernd garnisondienstfähige Reichs- und Staats- wieKommu- nalbeamte ausgedehnt.
* Die militärische Feier des Geburtstages des Kaisers wird wie im Vorjahre begangen. Den Mannschaften werden Diensterlcichtcr- ungen gewährt, soweit sie im dienstlichen Interesse zulässig sind. Bei den einzelnen Kompagnien ' usw.
werden Appells abgehalten, bei dieser Gelegenheit wird des Allerhöchsten Geburtstages durch eine Ansprache gedacht werden. Die an den Truppenküchen teilnehmenden Mannschaften erhalten eine bessere Verpflegung. Alle Militärpersonen haben zum Stratzenanzug den Helm aufzusetzen; verwundete und kranke Soldaten erhalten erforderlichenfalls die Erlaubnis, die Mütze zu tragen. Der Große Zapfenstreich und das Wecken finden nicht statt. Dagegen werden in sämtlichen Garnisonstädten Gottesdienste abgehalten. Die üblichen Mannschaftsfeiern sowie offizielle Festessen finden nicht statt.
§ Hersfeld, 26 Januar. Trotz aller von den Postanstalten und den Zeitungen veröffentlichten Warnungen vor der Versendung feuergefährlicher Gegenstände mit der Post wird immer noch in unverantwortlicher Weise hiergegen gefehlt. Namentlich gilt dies für die Versendung von Päckchen und Paketen nach dem Felde. Aus den früheren Veröffentlichungen ist gewiß noch erinnerlich, welch schwere Brandunfälle durch Selbstentzündung solcher Sendungen bereis entstanden sind; in einzelnen Fällen sind ihnen ganze Wagenladungen mit Feldpostpäckchen zum Opfer gefallen. Angesichts solcher Erfahrungen bringen die Postbehörden jetzt jeden zu ihrer Kenntnis gelangenden Fall der Zuwiderhandlung gegen das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände mit der Post auf Grund des § 367 Ziffer Sa des Srafgefetzbuchs für das Deutsche Reich zur Verfolgung durch die Gerichte. Es steht zu hohen, daß dem Unfug dadurch endlich gesteuert wird. Neben Streichhölzer, Feuerzeugen mit Benzinfüllung, Aether usw. gehört auchCaleium- carbid zu den leicht entzündlichen Gegenständen; auffälliaer Weise haben neuerdings auch gerade Sendungen mit diesem Stoff häusig Anlaß 'zu Strafverfolgungen gegeben.
-r- Hersfeld, 26. Jan. (Metallablieferung.) Es besteht vielfach bie irrtümliche Meinung, es seien kupfernen 'Kessel seien frei. Nach § 2 Abs. § der Verordnung vom 16. November 1915 unterliegen der . Einziehung alle eingebauten Kessel jeder Art, also auch alle Kupferkeffel in den Metzgereien, Wurstküchen und sonstigen Betrieben. Kupfer-Fertigfabrikate über 150 kg Kupfergewicht in gewerbl. Betrieben unterliegen obiger Verordnung nicht, sind jedoch ebenfalls beschlagnahmt.
-n- Hersfeld, 26. Januar. (Kriegsjugendwehr- Her s f e l d.) Die Kriegsjugendwehr Hersfeld will den Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers durch eine kleine Feier, in Gestalt einer Abendunterhaltung, in würdiger Weise begehen. Eine Anzahl Jung- mannen haben durch fleißige Vorarbeit dafür gesorgt, daß neben ernstem, auch recht viel heiteres geboten wird. Da der Bataillons-Kommandeur, Herr Hauptmann Meyer, in freundlicher Weise die Bataillonsmusik zur Verfügung gestellt hat, so wird auch in musikalischer Hinsicht viel Schönes geboten werden. Aus der reichhaltigen Vortragsfolge seien ein flottes Theaterstück, die Gesangvorträge einiger Jungmannen und turnerische Aufführungen, letztere zum Teil unter Musikbegleitung, besonders hervorgehoben. — Die Festrede wird Herr Pfarrer Scheffer halten. Hoffentlich werden recht viele Einwohner der freundlichen Einladung der Jugendwehr Folge leisten und sich am Sonntagabend einfinden. — Es sei noch besonders bemerkt, daß die Feier pünktlich 1 -*8 Uhr ihren Anfang nimmt.
Rotenburg, 23. Januar. Mit Rücksicht auf die Berufung zum Kriegsdienst hat der Tierarzt Dr. Feustel in Heinebach die Ausübung der ErgänzungsFleischbeschau für den Kreis Rotenburg eingestellt. An seine Stelle sind die Tierärzte Mench in Hohen- eiche und Barthelmes in Gerstungen, sowie der Schlacht- Hof-Direktor Friedrich in Hersfeld getreten.
. Holzmiuden, 23. Januar. Unsere Stadt beabsichtigt die Herstellung eines „Ehrenbuches der Stadt Holzminden", in welchem die Namen aller derer verzeichnet werden sollen, die während des Krieges zum Heeresdienst eingezogen sind.
Gudeusberg, 24. Januar. Der Viehhändler Karl Brede aus Gudensberg wurde vom Schöffengericht zu 306 M. Geldbuße oder 60 Tage Gefängnis verurteilt. Er hatte für zwei Schlachtschweine, die er zu 125 Mk. den Zentner Lebendgewicht eingekauft, beim Wiederverkauf am 6. September v. I. 188 Mk. für denZeut- ner Schlachtgewicht genommen.
Weimar, 24. Januar. Im hiesigen Gymnasium hat die Oberprima nur noch einen Schüler, und dieser eine ist — ein Grieche. Sonst hat die ganze Oberprima den Waffenrock angezogen.
Aus der Borderrhön, 24. Januar. Die alte Buche auf dem Oechsenberg bei Vacha, ein wohl 300 Jahre alter, prächtiger Baum, ist vom Sturm umgebrochen worden. Sie war schon seit zwei Jahren dürr und ohne Laub. Der Oechsenberg hat dadurch sein weithin sichtbares Kennzeichen verloren.