Aufrichtige griechische Politik.
»-»-, Rotterdam, 20. Januar. (T. U.) Gegenüber dem Reuterkorrespondenten erklärte nach dem „B. T." der griechische Ministerpräsident Skuludis, es versetze ihn in peinliche Verwunderung, daß die Entente anscheinend der Politik des jetzigen griechischen Kabinetts nicht traue. Das Mißtrauen geht u. a. daraus hervor, daß die Einfuhr von Lebensrnitteln und Steinkohlen nach Griechenland beschränkt wurde. Skuludis versicherre, die griechische Politik sei ganz aufrichtig und beabsichtige die Aufrechterhaltung der Neutralität nach Beiden Seiten.
v Die Entente fordert Demobilisierung des Griechenheeres?
Aus Athen wird nach der „Ntlztg." gemeldet: Die Note der Entente fordert die Demobilisierung des griechischen Heeres, nachdem der Grund zur Mobilisierung, der Schutz für Serbien, fortgefallen sei. Die Note ist vom englischen und vom französischen Gesandten am Montag überreicht worden.
Das Verhältnis der Entente-Genossen untereinander.
Ein Aufsatz aus der Feder des Petersburger Vertreters der „Daily Mail" ist dadurch besonders ve- merkenswert, daß er, aus Petersburg stammend, den Engländern jede Hoffnung auf die russische Dampfwalze nimmt, und sie dadurch zu äußersten Kraftanstrengungen anspornen will. Der Korrespondent schreibt nach seiner Rückkehr aus der russischen Hauptstadt folgendes:
Der große Irrtum, den wir alle begangen haben, ist, daß wir uns zu sehr darauf verließen, was andere für uns tun würden. Im Anfänge des Krieges ließ sich das entschuldigen, aber jetzt sollten wir besser unterrichtet sein. Wir müssen uns darüber klar sein, daß dies unser Krieg ist. Kein anderes Volk kann ihn zu unseren Gunsten beenden; wir selbst müssen ihn gewinnen, sowohl für uns als für unsere Verbündeten. Welln wir den Krieg nicht gewinnen, so kann es niemand anders. Wir haben aber immer gehofft, daß jemand anders sich für uns schlagen würde. Auch die Russen haben zeitweise gehofft, daß anderwärts etwas zu ihrer Hilfe geschehen würde, doch seit dem letzten Frühjahr haben sie die Hoffnung aufgegeben, daß jemand anders sie retten kann. Sie sind entschlossen, sich selbst zu retten. Aber es wäre töricht, darauf zu rechnen, daß sie anch uns retten würden. England tat Rußland Unrecht, indem es zu viel von ihm erwartete und die ungeheuren Opfer nicht würdigte, die Rußland gebracht hat. Das furchtbare Unglück von Tannenberg durfte in England nicht erzählt werden, und ebensowenig der furchtbar kostspielige Kannst im letzten Winter uns die schrecklichen Verluste während des Rückzuges. Rußland hat die ganze Zeit über gesümpft. Sein Plan war von Anfang an, defensiv zu bleiben. Die Theorie von der russischen Dampfwalze, und daß die russischen Armeen auf Berlin marschieren würden, stammt von uns, nicht von den Russen selbst. Die Abweichungen von diesem ursprünglichen Defensivplan nahmen ein schlechtes Ende. Wir müssen damit zufrieden sein, wenn Rußland jetzt seinen ursprünglichen Plan ausführt. Wir müssen an der Wahrheit festhalten, daß Rußland den Krieg nicht zu unseren Gunsten entscheiden kann. Wir hängen ganz allein von unseren eigenen Anstrengungen ab.
Dieser Artikel ist, meint die „Köln. Ztg.", gewisser- --ÄMtaiiiM
andern; dann werden die Niederlagen' vertuscht, um weiter lügen zu können und den Alliierten zu immer neuen Anstrengungen anzustacheln.
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t Noch immer keine französische Verlustliste.
Die französische Regierung hat sich, wie nach der „Frkf. Ztg." selbst der reaktionäre „Figaro" mit Bedauern feststellt, immer noch nicht entschlossen, die Liste der auf dem Felde der Ehre gefallenen Soldaten zu veröffentlichen. Sie hat jedoch, wie dasselbe Blatt mit- teilt. wegen der Bewilligung von Witwen- und Waisen- Pensionen und der Regelung des Nachlasses der Gefallenen die Budgetkommission der Kammer über die Verluste der Armee unterrichten müssen. Die Budget- kommission hat sich nicht für berechtigt gehalten, die Ver- lustziffern in ihren Berichten wiederzugeben, aber sie hat eine Anzahl von Ziffern mitgeteilt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Die Zahl der Pensionen für Soldaten, die im Dienste verunglückt waren, betrug in Frtedenszeiteu etwa 7000; sie ist jetzt 120 bis 150 mal hoher. Aus diesen Ziffern ergibt sich, daß die Zahl der Kriegsinvaliden ungefähr eine Million beträgt. Die Zahl der Gefangenen wird verschwiegen. Aber die Zahl der auf die Witwen- und Waisenentschä- digung bezüglichen Personalakten im Kriegsministerium «versteigt 1800 000.
Der Krieg in den Kolonien.
Gute Kunde ans Dentsch-Ostafrika.
Die „Köln. Bolksztg." veröffentlicht einen längeren Bericht aus Kilossa über die günstige Lage Dentsch- Ostafrikas. Danach haben mir große Stücke feindlichen Bodens besetzt, darunter beinahe des gesamte englische Kilimaudscharogebiet sowie mehrere tausend Quadratkilometer, die darum liegen. Ferner stehen unsere Truppen zwischen Englisch-Seki und der Magadibahn auf feindlichem Boden, ebenso südlich von Sofian. Auch an der südwestlichen Grenze haben wir größeres feindliches Gebiet in unseren Händen. Durchweg steht die militärische Lage unserer Kolonie glänzend. Die Verluste der Engländer seien bestimmt zehn- bis zwölfmal schwerer als die unfrigen.
Kleine Kriegsnachrichten.
** Genf, 20. Januar. (T. It.) Der Raucher Di- visivusgeueral wurde, wie der „B. L.-A. berichtet, einer „Progretz"-Meldung zufolge seines Postens em- hobeu, weil er eigenmächtig nach Einschlägen der ersten" deutschen schwere» Geschosse die Stadt verließ.
RtleesalleM
. Versenkt.
Die englischen Fischerfahrzeuge „Framorest" und „Sunshire" und „Evelyne" wurden versenkt. Die Besatzungen sind gerettet. — Der britische Dampfer „Ma- rere" (6443 Bruttoregistertonnen) wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet.
Der ganze Bottnische Meerbusen zugefroren.
„Berlingski Tidende" meldet aus Stockholm: Der ganze Bottnische Meerbusen ist nunmehr zugefroren. Das Eis liegt einen Meter dick von der schwedischen bis zur finnischen Küste. Die Schiffahrt ist dadurch bis zum Monat Mai unterbrochen.
Russische Veteranen an die Front.
wen außer Dienst
Wegen Mangels an Unteres steteren ist an die russischen Veteranen, die seit zehn Jahren außer Dienst sind, und auch nicht mehr im Landsturm dienMlichtig waren, eine AufföMrmsg M, sich freiwillig zur
Dienstleistung zu melden. Die Meldungen erfolgen dem „Rutzkt Invalid" zufolge sehr zahlreich. Viele ehemalige Unteroffiziere im Alter von 50 bis 60 Jahren sind jetzt zu den Fahnen geeilt, aber auch Veteranen über 60 Jahre tun wieder Dienst.
Ueber die Bestattung der Opfer von Litte berichtet Carl Nosner im „B. L.-A." aus dem Großen Hauptquartier unterm 19. Januar: Heute fand die feierliche Bestattung der Toten statt. Ganz Lille strömte hinaus zu dem unweit des Schauplatzes gelegenen Gottes- Hause. Auf etwa 15 flachen Wagen, die mit Blumen reich geschmückt waren, harrten die Toten ihrer letzten Fahrt. Vor den Särgen standen die Vertreter der deutschen Behörden. Sie hatten große Tranerkränze mitgebracht. An ihrer Seite standen die Spitzen der französischen Behörden mit den Hinterbliebenen der Toten. Nach der Einsegnung gaben die Vertreter der deutschen Behörden auf dem Wege zum Friedhof, hinter den Särgen schreitend, das Geleite.
Das englisch-französische Verhältnis.
England und Frankreich haben sich, so schreibt der Pariser Berichterstatter des „Bund" im Abendblatt vorn 14. 1., im Krieg immer enger zusammengeschlossen, ohne daß indessen die Masse des französischen Volkes sich stets genau Rechenschaft gab über die Bedeutung der Rolle Englands. Es ist eine bekannte Tatsache, daß ohne England der Krieg längst zugunsten der Mittelmächte entschieden wäre; England sorgte für Munition und Kohlen. Ohne England hätte auch Rußland nicht fortgekämpft und Italien nicht den Beitritt vollzogen. Und dennoch zog das französische Volk stets im stillen Vergleiche zwischen der Lage Englands und Frankreichs. Es bringt selbst große Opfer au Gut und Blut — in England aber sümpft der Freiwillige, arbeiten alle Fabriken, wurde Geld verdient, war keine Invasion und keine Volkstrauer. Der Verstand mag sich noch oft sagen, daß das zum Besten des Ganzen ist — man vergißt eben doch nicht, daß in Frankreich mit dem Herzen, in England um materielle Güter gesümpft wird. Es ist rührend, zu sehen, vieviele Franzosen das hinnehmen und sich mit der Ungleichheit der Lage abfanden. Andere freilich find manchmal nicht abgeneigt, in das Lied vom perfiden Albion wenigstens pianissimo einzustimmen. Inzwischen hat sich die Lage so geändert, daß auch England selbst bedroht ist. Man hätte nun nicht mehr verstanden, wenn England nicht alles an die Verteidigung gesetzt hätte. Und deshalb begrüßt man den ersten Schritt zur Wehrpflicht lebhaft. Denn bei der moralischen Abrechnung wiegen die persönlichen Opfer. Und auf diesem Gebiet sind die Franzosen der Ansicht, daß den Engländern noch Verschiedenes zu tun bleibt, bis ihr Konto dem Frankreichs gleichsteht.
Politische Rundschau.
Maßnahmen gegen die Rindviehschlachtungen. Wie die „Tägl. Rundschau" erfährt, sind in der nächsten Zeit einschneidende Maßregeln zu erwarten, die dazu dienen sollen, die Rindviehschlachtungen, die in der letzten Zeit in bedenklichem Maße über- Hand genommen haben, einzuschränken. Besondere Beachtung wird dabei der Umstand bilden, daß Händler im Lande umherziehen, zu verhältnismäßig niedrigen Preisen Rindvieh an sich bringen und es dann zu hohen Preisen zu Schlachtzwecken weiter veräußern.
Reichstagsersagwahl in Sangerchansen. Die Reichstags- Ersatzwahl für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Hosbesitzer Wamhoff ergab die Wahl des Landtagsabgeordneten Handels- gMMMWMM^ didat war nicht aufgestellt.
Sie EnglSndek sparen nicht
Die Erziehung zum Militärdienst macht schon bei den Engländern allerhand Schwierigkeiten; die Erziehung zur Sparsamkeit scheint aber noch viel schwieriger zu sein. Betrübt gestehen die meisten Beobachter des öffentlichen Lebens zu, daß auf diesem Wege mir außerordentlich geringe Fortschritte gemacht worden seien, und daß es nicht eher besser werden würde, als bis die Regierung zur Zwangs-Sparsamkeit schreiten werde. Folgende Schilderung, die nach der „Köln. Ztg." ein Berichterstatter der „Daily Mail" von dem Leben in einem Badehotel an der englischen Südküste gibt, wird mit der Bemerkung eingeleitet, daß „viele Leute heute mehr Geld ausgäben als in Friedenszeiten." Der Berichterstatter schreibt:
Ich hielt mich mehrere Tage in einem großen Gasthof an der Südküste aus. Ich ging dorthin nur für wenigeTage nach schwerer Wochenarbeit, und dachte es sehr ruhig zu finden. Aber ich war erstaunt, den Gasthof bis auf den letzten verjügbaren Raum und bis auf den letzten Platz im Speisesaal besetzt 31t finden. Gewöhnlich sind die Pförtner in solchen Häusern sehr kühl urteilende Geschöpfe, aber dieser gestand mir, daß niemals Weihnachten oder Neujahr in früheren Jahren eine solche geschäftige und fröhliche Menge von Gästen gesehen häite. AIs Mann verstehe ich wenig von Frauenkleidern, aber ich unterschreibe gern die Aussage einer Frau, die ich in diesen Tagen hörte, daß sie nie in einem Gasthof so viele reichgekleidete Frauen gesehen hätte. Ich konnte selbst feststellen, daß dieDamen dreimal am Tage das Gewand wechselten wie ein Chamäleon, und daß ein- und dasselbe elegante Kleid niemals zweimal erschien. Als einer, der viel reist in England, kann ich nur sagen, daß wenige Leute sparen. Vielleicht ist dies der Fall bei der Aristokratie und bei den auf dem Lande wohnenden Klassen, weil deren zusammengeschrumpfte Einkünfte sie dazu zwingen. Bestimmte Berufsklassen, die vom Kriege betroffen sind, wie die Baukünstler, Makler und Rechtsanwälte, sind gleichfalls zm Sparsamkeit gezwungen. Aber die Industriellen und Geschäftsleute schwimmen ganz mit der Flut der Kriegsgewinne. Und die Arbeiter ziehen noch mehr Gewinne daraus. Es ist also meine feste Ueberzeugung, daß wenige von uns wirklich anfangen werden zu sparen, ehe sie nicht die Regierung dazu gezwungen hat. Der Mensch ist von Hause aus zu schwach. Eine „väterliche Regierung" müßte uns dazu erst einmal ernsthaft am Ohre nehmen, denn wir gehorchen nur, wenn wir gehorchen müssen. Wir sind, gerade heraus gesagt, durchaus nicht darauf eingerichtet zu sparen aus die bloße Anweisung von Führern hin, die selbst nicht üben, was sie predigen. Es ist eine bedauerliche Wahrheit, daß ich selbst einen unserer politischen Führer sah, wie er es sich außerordentlich wohl sein ließ int Kreise anderer Nachtschwärmer. Eine noch schmerzlichere Wahrheit muß ich für mich selbst bekennen, daß ich es ebenso machte. Wenn es dreihundert Leute um einen herum so machen, dann ist es schwer sich auszuschließen. Aber halt! Ein Mann im Rauchraum des Gasthofs sprach mit mir über Sparsamkeit. Ja, und der sparte auch. Er hatte nämlich den Bezug eines Wochenblatts zu 50 Pfennigen aufgegeben. Außerdem rasierte er sich selbst. Dafür trank er aber Liköre zu zwei Schilling das kleine Glas. Schließlich gestand er mir: „Der Entschluß zur Sparsamkeit ist gerade wie der Entschluß, den man am Neujahrsmorgen faßt. Warum zwingen sie uns nicht dazu?"
Die englische Sparsamkeit scheint demnach dasselbe wert zu fein wie die englische Ukeigennükigkeit, die englische Aufrichtig- hett und der Schutz der kleinen Staaten — Lauter Artikel made in England.
Vermischtes.
Gefängnis für falsche Angabe des Tchweinebeftan- des. Eine exemplarische Strafe verhängte das Schöffengericht des Harzstädtchens Hasselfelde gegen die Frau des
Besitzers August Feste! für ihr eigennütziges Verhaltest. Die Angeklagte hat bei der am 1. Dezember 1915 erfolgten Aufnahme ihres Schweinebeitandes insofern wissentlich und vorsätzlich unwahre Angaben gemacht, als sie die Zahl ihrer Schweine nur auf 4 Stück im Alter von unter drei Monaten bezeichnete. Bald darauf entdeckte die Polizei bei einer Revision außer den angegebenen vier jungen Schweinen noch sechs fette Schweme im Gewichte von je 2 Zentnern. Der Amtsanwalt kennzeichnete das Verhalten der Angeklagten eine gemeine und niederträchtige Handlungsweise, die nur durch eine Gefängnisstrafe gesühnt werden könne. Gleichzeitig beantragte er die Beschlagnahme der sechs nicht angegebenen Schweine zugunsten des braunschweigischen Staates. Das Schöffengericht teilte den Standpunkt des Amtsanwalts und verurteilte die Angeklagte zu drei Wochen Gefängnis.
Ein tragikomischer Kuhhandel. An einem der letzten Viehmärkte in Langenthal ist einem Viehhändler aus Basel ein Mißgeschick passiert, das wohl einzig in seiner Art ist. Er wollte einem Bauern eine Schlachtkuh ab« kaufen und bot diesem 600 Franken dafür. Der Bauer verlangte aber 650 Fr. Um die 50 Fr. handelten nun die Beiden wohl eine Stunde lang, bis schließlich der Händler zu den 600 Fr., die er in lauter Noten in den Händen hatte, noch ein Zwanzigernötlein schob und das ganze Geld auf den Balken legte, woran die Kuh gebunden war. Dann handelten sie weiter, da wurden die beiden Handelnden durch großes Geschrei der Umstehenden plötzlich erschreckt.. Eine blitzschnelle Wendung des Händlers und er konnte gerade noch davon Zeuge sein, wie die Kuh gemächlich die letzte der auf dem Balken liegenden Noten mit der Zunge ins Maul leckte. Zwei Hunderte konnten dem Tier noch aus dem Rachen gefischt werden, das übrige Geld aber hatte den Weg in den Magen der Kuh gefunden.
Der Prozeß wegen eines Bindestriches. Eine köstliche Prozetzidylle wird sich dieser Tage in der Schweiz abspielen. Ein Tierarzt sucht nämlich bei den zuständigen Gerichten seine Ehre wieder instandzusetzen, nachdem sie durch einen Bauern beschädigt worden, was auf folgende Weise geschah: Der Bauer kaufte ein Pferd und ließ es vor Abschluß des Handels, wie das in solchen Fällen üblich ist, durch einen Tierarzt auf seinen Ge- sundheitszustand untersuchen. Der Kauf wurde, gestützt auf die zustimmende Aussage des Veterinärs, abgeschlossen; aber das Pferd erwies sich nicht als so kräfttg, wie es der Käufer hätte erwarten dürfen. Seinem Zorn machte der Bauer in einem BriLf an den Tierarzt Luft, den er auch anderen Bauern des Dorfes zeigte und in dem er schrieb: ihm scheine es, der Tierarzt sei mehr Rindvieh als Pferdearzt. Daraufhin verklagte der Veterinär den Bauer wegen Beleidigung. Der Bauer jedoch der selbst etliche bürgerliche Ehrenämter bekleidete, rechtfertigte sich mit der Behauptung, er habe nur vergessen, den Bindestrich anzubringen, indem er hatte sagen wollen, der Veterinär scheine ihm mehr Rindvieh- als ein Pferdearzt zu sein. Der Veterinär gab sich aber damit nicht zufrieden, und so werden sich die Gerichte in dieser waffenklirreuden Zeit mit einem Prozesse um eines vergessenen Bindestriches willen zu beschäftigen haben.
Militärische Disziplin.
Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: „In einer süddeutschen Garnison erzählte man sich einmal vor ein paar Jahren die Geschichte von einem preußischen General, der einen Leutnant streng bestrafen ließ, weil er H||H^MMttHMMMiMH^MghjM|WÜ|^>>|^U^^ Handschuhe die Kaserne verließ. Das ist ganz gewiß eine gleichgültige Sache und wir sprechen nicht davon, um dem General das zu sagen, was der oder jener damals gedacht haben mag. Die kleine Episode interessiert uns vielmehr deshalb, weil dieser General — die Oeffentlichkeit hört kaum einmal seinen Namen — ein bedeutender Truppenführer in diesem Kriege geworden ist. Er hat Schlachten für uns gewonnen. Wer möchte ihn so ohne weiteres einen kleinlichen Menschen nennen?
Es wird freilich niemand behaupten wollen, daß dieser ausgezeichnete Soldat die Schlachten nicht gewonnen hätte, wenn ihm der Handschuh seines Leutnants gleichgültiger gewesen wäre. Aber so klein und belanglos jener Vorfall an sich auch sein mag, so wichtig und für Tat und Urteil entscheidend sind doch die Eigenart der militärischen Denkweise und das rein Menschliche, die wir an ihm bemerken und die überhaupt den Kern des Problems der militärischen Disziplin und letzten Endes auch der Behandlung des Soldaten zu bilden scheinen. Diese Mischung von militärischer Besonderheit und von schlechthin Ateuschlichem fömitc man in zwei Grundsätze zerlegen, die jedermann vollkommen klar im Kopfe tragen müßte, der Träger oder Gegenstand der militärischen Befehlsgewalt ist, oder der als Unbeteiligter kritisch das betrachtet, was geschieht.
Den einen dieser Sätze faßte einmal ein trefflicher Soldat in die Worte: beim Militär gibt es keine Kleinigkeiten. Der zweite müßte irgendwie zum Ausdruck bringen, daß es lauter Menschen mit menschlicher Kraft und menschlichen Schwächen sind, die da Beieinander« stehen, Zusammenarbeiten und aufeinander prallen. Wenn man diese Sätze bedenkt, dann wird man auch nicht weit davon entfernt sein, sich die Moral zu Herzen zu nehmen, die in dieser Geschichte steckt. Wer also über die kleinen Aergernisse der Disziplin und über den oder jenen Fehlgriff der Behandlung, nicht nur über die Harmlosigkeiten, von denen oben die Rede war, sondern über das weite Gebiet des Schattens, das wie an alles Körperliche, Menschliche, auch an den Riesenleib des militärischen Organismus angeheftet ist, urteilen mfU, der wird nie vergessen dürfen, daß es oft nur der Nachteil eines Vorzugs ist, was ihm zur Klage Anlaß gibt. Die Ikachteile pflegen international zu sein, die Vorzüge aber eignen sich mehr zum Sondergut. Die deutsche;: Siege beweisen, daß wir an diesen Vorzügen keinen Mangel leiden. Der Mensch ist von Natur aus sehr leicht geneigt, ein wenig schlampig, nachlässia, denkfaul und was sonst alles noch zu sein. Insoweit ist er darum auch von der Natur ein Feind der Leute, die das Amt haben, die Maschine des Heeres zu bedienen, die nur dann sicher und stetig laufen kann, wenn ihre Glieder blank und sauber sind: des Feldwebels und des Hauptmanns. Eiir offener Knopf, ein Flecken am Rock oder gar der hohe Kragen des Herrn Einjährigen bringen zweifellos nur wenig Unglück. Aber wer vermöchte zu sagen, wo die Grenze beginne?"___________________
Weitere Drahtnachrichten.
Neue Mannschaften für die englische Flotte.
®-t London, 20. Januar. (WTB.) Ein gestern veröffentlichtes Weitzpapier enthält einen Voranschlag für weitere 50 000 Mann für die Flotte, wodurch die Gesamtstärke auf 350 000 Mann erhöht wird.
Englands Lage in Mesopotamien.
London, 20. Januar. iWTB.) Im Unterhause erklärte Chamberlain. die Witternngsverbältniffe m Mesopotamien seien schrecklich gewesen und hätten jeden Fortschritt verhindert.