W führen. Die Lage des Königs ist äußerst bedroht. Eine griechische Republik mit Venizelos als Präsident würde ein gefügiges Werkzeug werden. Man glaubt aber, daß sich der anglo-französische Plan nicht so glatt erfüllen wird, da die Armee zum größten Teil als ver- fassungs- und königstreu bezeichnet werden kann. Man bezeichnet das Vorgehen der Entente als kopflos und als einen Akt der Verzweiflung.
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Fliegerangriff auf das feindliche Lager.
^ Sofia, 17. Januar. (T. U.) Deutsche Flieger haben nach dem „B. T." das englisch-französische Lager bei Kelindir mit Bomben belegt und dabei das englisch-französische Benzinreservoir beim Bahnhof Kelindtr in Brand gesetzt. Zwei Flieger, die zur Verfolgung der deutschen Aeroplane aufgestiegen waren, würd diesen zur Landung gezwungen.
Die Agence Havas meldet aus Saloniki: Am 15. Januar hat eine Truppenabteilung der Alliierten mit Dynamit den Bahnhof von Kilindir in die Luft gesprengt. Gleichzeitig zerstörte sie die Geleise auf eine weite Strecke.
Oesterreichs Protest gegen die Besetzung . Korfus.
Aus Wien meldet der Draht: Das Ministerium des Aeußern hat an die hiesige amerikanische Botschaft eine Verbalnote gerichtet, die folgendermaßen lautet: Wie sich aus Mitteilungeu ergibt, die der österreichisch-ungarischen Regierung zugegunge» sind, ist die Insel Korfu von einem zur englisch-französischen Armee im Orient gehörigen Truppendctachcment besetzt worden. Dies Vorgehen bedeutet nicht bloß einen neuen schwere» Anschlag anf die Souveränität und die Neutralität Griechenlands, sondern auch eine flagrante Verletzung der am 14. November 1863 und am 29. März 1864 in London abgeschlossenen Verträge, wonach die Insel Korfu die Vorteile einer immerwährenden Neutralität genießt. Die österreichisch-ungarische Regierung erhebt entschiedensten Protest gegen die Handlungsweise, durch welche Frankreich und Großbritannien wieder einmal die Mißachtung an den Tag legen, die sie für die aus den allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts sich ergebenden Pflichten gleichwie für die in internationalen Verträgen feierlich festgesetzten Verbindlichkeiten hegen. Das österreichisch-ungarische Ministerium des Aeußern beehrt sich, die amerikanische Botschaft zu bitten, Vorstehendes zur Kenntnis der Regierungen Frankreichs und Großbritanniens bringen lassen zu wollen.
Gleichzeitig hat das österreichisch-ungarische Ministerium des Aeußern die Besetzung Korfus zürn Gegenstand eines Protestes bei den verbündeten und neutralen Staaten gemacht.
Kämpfe an der Kaukasusfront.
Der amtliche türkische Bericht vom 16. Januar besagt: An der Kaukasusfront erneuerte der Feind in der Nacht zum 14. Januar und während des 14. Januars mit seinen, Hauptkräften die heftigen Angriffe auf den Abschnitt südlich des Aras bis zum Narman-Patz und auf den Raum zwischen diesem ersten Abschnitt und dem Südwesten des Aras bis zum Karataghberg. Alle diese Angriffe wurden erfolgreich zurückgeschlagen dank dem energischen Widerstand unserer Truppen. Die in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen erzählen, daß die angreifenden russischen Regimenter schreckliche Verluste erlitten. An der Dardanellenfront beschoß am 14. Januar ein feindliches Schiff zweimal ohne Erfolg Sed ül Bahr. Unsere Marineflugzeuge warfen Bomben auf die feindlichen Schiffe in Mudros. Unter der bei Sed ül Bahr gezählten Veute befinden sich fünfzehn Kanonen verschiedener Kaliber, eine große Menge von Munition, mehrere Hundert Munitionswagen, 2000 gewöhnliche Wa- .....neu, mM-ere Kraftwagen, ferner Fahrräder, Motorräder,
eure große Menge von Matermr, steinernen
über 200 kegelförmige Zelte, Ambulanzen, vo es Sanitätsmaterial, Medizinkisten, 50 000 wollene Decken, eine große Menge Konserven, Millionen Kilogramm Gerste und Hafer, kurz Gegenstände im Werte von mindestens zwei Millionen Pfund. Wir entdecken immer noch eine Menge vergrabener oder ins Meer geworfener Gegenstände.
Der Heilige Krieg in Persien.
Zuverlässigen Konstantinopeler Nachrichten aus Persien zufolge hat der durch seine patriotische Anhänglichkeit bekannte Generalgouverneur von Luristan, Nisames Sultaneh, den Befehl über die gegen die Russen und Engländer kämpfenden persischen nationalen Streit- kräfte übernommen. Er hat England und Rußland den Srieg erklärt und die Feindseligkeiten eröffnet.
Von her Westfront.
„Die Einigkeit im Vierverbande nur erkünstelt".
Das italienische Sozialistenblatt „Avanti" belustigt sich in einem Leitartikel über das Verhalten der italienischen Presse bei der Eroberung des Lowtschen. Das Blatt pflichtet dem „Corriere della Sera" in der Erklärung bei, man mitsse zuerst . für. sich, dann für andere sorgen und meint, die anderen Ententeverbündeten machten es tatsächlich so. England zum Beispiel erkläre, für Belgien in den .Krieg zu gehen, schicke aber dem großen Publikum zu Liebe nur wenige Matrosen rmch Antwerpen. England stelle ein Heer auf die Beine, um Frankreich zu helfen, die deutsche Front zu durchbrechen, schicke aber einen großen Teil davon nach den Dardanellen, wo es seinem Verbündeten Rußland zuvorkommen wollte. Frankeich und England zittern für das Schicksal des armen Serbien, schicken aber ein Heer nach Saloniki, wenn es zu spät sei. So ziehe jeder das Wasser auf seine Mühle. Einheit und Einigkeit fänden sich Bei der Enteilte nur in den Glückwunschtelegrammen, die man sich gegenseitig schicke, und Siege feiern könne die Entente scholl lange nur, wenn die Mark etwas falle. Der jetzige Streit zeige uod) einmal, daß die Entlgkeit der Entente nur erkünstelt sei und jedesrnal in die Brüche gehe, sobald Interessengegensätze auseinander prallten.
in
Serbien, fd)ti
Die Fahrt des Balkanzuges
Begeisterter Empfang in Budapest.
Ein Budapester T. U.-Telegramm vom 16. Januar meldet: Der Berliner Balkanzug, verewigt mit dem Münchener und Breslauer Zugteil, passierten nachts 11 Uhr 50 Minuten den hiesigen Westbahnhof. Der Zug hatte 20 Minuten Verspätung wegen eitles Bremsen- defekts auf der Station Marchegg. Auf allen ungarischen Stationen, die der Balkanzug passierte, wurden die Reisenden freudig begrüßt. Ein offizieller Emp ang blieb in Budapest aus, doch waren Bet der Ankunft der Dt- rektionspräfident der ungarischen Staatsbahnen und der Eisenbahndirektor anwesend. In Budapest stiegen sechs neue Passagiere ein. Ludwig Ganahofer, der die Reise mitmacht, äußerte sich einem Mitarberter des „Neuen Pester Journals" gegenüber: „Es ist ein Freude,rtag und Triumph unsererWaffen und der mit ihr verbündeten Industrie. Im Moment, da wir von Berlin nach Konstantinopel fahren können, erbrachten wir den Beweis für den Sieg. Ich bin überaus freudig berührt vom Jubel des ungarischen Volkes." Am Bu- dapetter Bahnhof hatte sich «in zahlreiches Publikum
regenüber: „Es ist ein erer Waffen und der mit
eRrgefunsen, vas veim Eintreffen des Zuges m vegetstene Eljen- und Hurrarufe ausbrach. Der Zug war mit den
Elfen- und Hurrarufe ausbrach. Der Zug Fahnen der verbündeten Nationen geschmückt. Die Wetterfahrt erfolgte 12 Uhr 10 Minuten.
Auf der Fahrt durch Böhmen und Mähren bis nach Wien wurde der Balkanzug mit lebhaften Heilrufen empfangen. Bei der Durchquerung des serbischen Landes waren stärkere Spuren der Kämpfe nur stellenweise bemerkbar. Vielfach sah man gemischte Abteilungen deutscher, österreichisch-ungarischer und bulgarischer Soldaten in bundesgenössischer Eintracht. Unter anregendsten Eindrücken ging die Fahrt weiter nach Nisch.
Der erste Balkanzug nach Berlin
wird am nächsten Dienstag von Konstantinopel abge- lassen werden. Auch dieser Gegenzug teilt sich in Ga- lanta (hinter Budapest) in drei Teile, von denen zwei nach Berlin, einer nach München geht.
ßtleflsaOeM
Rückkehr des Kaisers znr Front.
Berlin, 16. Januar. (Amtlich. WTB.) S. M. der Kaiser hat sich »ach völliger Wiederherstellung seiner Gesundheit heute nachmittag auf den Kriegsschaupla; begeben.
Ein fatales Versehen.
Die Agenzia Stesani meldete am 14. 1.: Am 13. 1. torpedierte und versenkte das französische, unseren Seestreitkräften beigegebene Unterseeboot „Foucault" im unteren Adriatischen Meere ein österreichisch-ungarisches Kundschafterschiff Typ „Novara". — Da die österreichisch-ungarische Flotte glücklicherweise in der Lage ist, kein Schiff zu vermissen, muß angenommen werden, daß die „Foucault" sich geirrt und ein Schiff der Alliierten versenkt hat.
Fahnenflucht italienischer Soldaten.
Der „Köln. Ztg." berichten Schweizer Blätter aus Gandria am Luganer See die Fahnenflucht zahlreicher italienischer Soldaten.
Politiiäae Rundschau.
Der Wirrwarr in Mexiko. Nach einer Reutermel- dung aus El Paso (an der mexikanischen Grenze) haben 125 Amerikaner den mexikanischen General Rodriguez bei Madera gefangen. Nach einer Meldung des amerikanischen Konsuls ist der General hingerichtet. Das amerikanische Staatsdepartement bestätigt die Gefangennahme Rodriguez' und die Gefangennahme des Generals Almeida, der sofort erschossen wurde. Nach einer weiteren Reuter-Meldung ist Huerta tot. Das Kriegsrecht wurde erklärt. Die Polizei, amerikanische Soldaten und Bürger umzingeln die Mexikaner, um sie zu vertreiben. Ein heftiger Kampf ist im Gange.
Amerika und Eußland.
In Amerika mehrt sich das Mißbehagen über die überhebliche Art, in der England immer noch auf seine angebliche Seeherrschaft pocht und sie am liebsten zur dauernden Lahmlegung des Handels aller ihm nicht zu Willen seienden Länder mißbrauchen möchte — nicht nur während des Krieges, sondern auch nach Friedensschluß. So wird, wie durch Funkspruch aus Neuyork gemeldet wird, dort die britische Ankündigung des Planes, oen deutschen Handel nach dem Kriege zu boykottieren, lebhaft erörtert, besonders, da die Verwirklichung dieses Planes die Entwickelung des amerikanischen Außenhandels in ungerechter Weise treffen würde. Viele
Beschränkung des neutralen Handels. Die Zeitungen tadeln den Gedanken, den Krieg auch auf das wirtschaftliche Gebiet zu übertragen. Die „Handelszeitung" sagt: Dies ist ein Weltkonflikt, und das Interesse der jetzt neutralen Völker wird beachtet werden müssen. „New York Times" schreibt: Von den Neutralen kann nicht erwartet werden, daß sie dem Gedanken zustimmen, daß die Ueberlegenheit des dentschen Handels durch militärische oder politische Mittel besiegt werden müsse. „Hearsts Internationaler Nachrichtendienst" meldet aus Washington, er herrsche dort Besorgnis. Viele Senatoren hätten erklärt, daß jetzt nichts den Ausbrnch einer Stimmung im Senate gegen Englands Behandlung der neutralen Schiffahrt verhindern könne. Das Staatsdepartement werde dem Senat die jetzt mit England strittigen Fragen unterbreiten. Von der Entscheidung des Senates hänge es ab, ob das Verhältnis zu England zu einer akuten Gefahr werden könne. Das Staatsdepartement habe aus nichtamtlicher Quelle die Nachricht von einem englisch-französischen Abkommen erhalten, wonach es keinem deutschen Handelsschiff erlaubt fein soll, in einen britischen oder französischen Hafen einzu- laufen. Senator Hoke Smith werde im Senate aus Deutschland stannnendes Material vorlegen, welches seine Behauptung beweisen soll, daß Englands Handlungsweise, Baumwolle als Bannware zu erklären, vollständig ungesetzlich ist. Die Depesche fügt hinzu, einige der konservativen Senatoren hätten ihre Entrüstung über diese Tatsachen ausgesprochen, die sie als einen Beweis für den Entschluß Englands ansührcn, dem deutschen Handel ein Ende zu machen.
Vermischtes.
Zehn Kinder durch eine Fliegerbombe getötet. In einer dem Flugplatz in Köln benachbarten Kiesgrube fanden Kinder eine nicht explodierte Fliegerbombe. Der Posten rief aus einiger Entfernung den Kindern zu, den Gegenstand liegen zu lassen. Ein Knabe schleuderte nun das Geschoß in Richtung auf den Posten fort, wobei es explodierte. Von den in der Nähe befindlichen Kindern wurden zehn tödlich verletzt. Drei Kinder aus einer Familie sind tot. Die Ermittelungen haben ergeben, daß die Bombe seit Monaten in der Grube gelegen haben muß, da sie einem alten Modell angehört. Das Gelände war jedesmal nach den Fliegerabwürfen von sachkundiger Seite auf das Vorhandensein von Blindgängern av- gesucht worden. Vermutlich war die Bombe beim Av- wurf in die Erde eingedrungen und deshalb beim Ab- suchen nicht gefunden. Durch die starken Regengüsse der letzten Zeit ist sie anscheinend freigespült.
Jm Kampf mit einem Räuber. Irr der Nähe des Städtchens Wangen im württcmbergischen Allgäu hat sich zwischen Laudjügern und einem Räuber ein ernster Kampf abgespielt. Der Räuber Geiger hatte durch zahlreiche Einbrüche die Gegend von Wangen unsicher gemacht. Die Laudiägermnnusclmft des Bezirks fand schließlich eine Spur des Einbrechers, der sich, als ein Entrinnen nicht mehr möglich war, in einem Bauernhäuschen des Dorfes Holzhäusle verbartkadierte. Die Landjäger umzingelten das Haus, wurden jedoch beim Naherkommen von den, Einbrecher mit Schüssen em- psangen. DaS Versteck des Einbrechers wurde daraufhin belagert und schließlich gestürmt. Aus seiner Deckung feuerte Geiger ununterbrochen auf die Landjäger, ohne
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jedoch zu treffen. Die sattmafte jmra«fi> w XtB 8« Bauernhaufes ettt, worauf der Einbrecher sich aus den Heuboden flüchtete und von dort aus noch weitere Schüsse gegen seine Verfolger abfeuerte. Nun feuerten auch die Landjäger aus nächster Nähe nach dem -Heuhaufen, in dem Geiger sich versteckt hatte. Als dieser dann auf- hörte, die Schüsse zu erwidern, wollte man zur Festnahme schreiten. Man fand den Räuber tot in dem Heu liegend. Einer der Schüsse hatte ihn ins Herz getroffen. Bei der Durchsuchung wurden bei ihm 5000 Mark gefunden, die er bei seinen Einbrüchen erbeutet hatte.
Schwere Hochwasserschäden in Holland. Die Ueber- schwemmung in Nordholland, infolge der Sturmflut, nimmt immer größeren Umfang an. Ganze Distrikte werden von der Bevölkerung, die ihr Vieh und einen Teil ihrer Habseligkeiten mit sich führt, verlassen. Weitere Dammbrüche werden gemeldet. Bahn-, Telegraphen- und Telephonverbindungen sind in vielen Orten unterbrochen. Auf der überschwemmten Insel Marken sind 16 Menschen, darunter 7 Kinder, in den Fluten um- gekommen. •
Verheerende Feuersbrunst in Norwegen. Nach einem Telegramm aus Cristianta wurde Bergen von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht. Stadtteil mit über 20 Äs-'■——-■
t heimgesucht. Ein ganzer äuserblocks wurde vollständig zerstört. Unter den niedergebrannten Gebäuden befinden sich das Haupttelephonamt und die vier größten Hotels, das Gymnasium und zwei Volksschulen. Die Löscharbeiten wurden durch den herrschenden Orkan erschwert. Mehrere tausend Menschen sind obdachlos geworden. Da alle telegraphischen und telephonisMN Verbindungen mit Bergen unterbrochen sind, war es bisher unmöglich, nähere Einzelheiten über die Ausdehnung des Brandes zu erfahren.
Ein Enoch Arven des welllrieges.
Die Rückkehr eines Totgeglaubten.
Die bekannte Dichtung des Engländers Tennyson, die von dem romantlsch-traurigen Schicksal des Seefahrers Enoch Arden erzählt, der auf einer Reise verschollen, daheim totgesagt wurde und Bei seiner Rückkehr seine Frau mit einem andern Mann verheiratet fand, ist im Weltkrieg in modernster Fassung zur Wirklichkeit wieder auferstanden. Ein solches modernes Enoch- Arden-Schicksal, das einem englischen Soldaten widerfuhr, erzählt ein Mitarbeiter der „Daily Mall". Es ist romantisch, ergreifend und wahrscheinlich auch häufig genug, um eine Wiedergabe zu verdienen.
„Es war im Zuge von London zum Kanal," schreibt der Berichterstatter, „wo ich einem jener Männer begegnete, deren Schicksal dem des berühmten Enoch Arden gleicht. Er fiel mir aus, weil er so regungslos und still in seiner graugrünen Uniform dasaß, als wäre er eine seelenlose Puppe. Ein Reisender bot ihm Obst an, aber der einsame Soldat richrte sich nicht. Ein anderer sprach ihn mit einem Scherzworte an, aber der einsame Soldat erwiderte nichts. Ich füllte meine Pfeife und retchte sie schweigend dem Manne. „Danke," sagte er mit rauher Stimme, „das ist die einzige Mahlzeit, die ich noch genießen kann."
Wieder saßen wir wortlos, eine ganze Weile. Außer uns war niemand in dem Abteil. Und plötzlich hörte ich den schweigsamen Soldaten zu mir sprechen. „Ich muß reden," sagte er langsam und schwer, „sonst breche ich zusammen." Und dann erzählte er: Er war ein gedienter Mann, Reservist, und wurde bei Krtegsbe- ginu in den aktiven Dienst geholt. Mit der ersten Expeditionsarmee ging er nach Frankreich und kämpfte in der-Schlacht bei Mons. Er hatte seine Frau und zwei kleine Kinder daheim zurückgelassen. Er wurde »als verwundet und schließlich gefangen gc- «m1^^inllfrl^^»l»^Wn^lBm^W^^l«IKfr^
.....i worden ivar, wurde er als dauernd dienstunfähig freigelassen und nach England zurückgeschickt. Infolge eines Irrtums war sein Name in den britischen Verlustlstten mit der inhaltreichen Bezeichnung „vermißt" veröffentlicht worden. Ueber Holland kam er mit einem Transport an die Küste.
„Wir kreuzten den Kanal bei stürmischem Wetter,- aber ich wußte nichts von Wind und Wellen, ich dachte nur an das Wiedersehen, an Frau und Kinder. In London mußte ich in einem Spital übernachten. Ich ging nicht anfs Telegraphenamt, denn ich wollte meine Frau überraschen. Endlich kam ich im abendlichen Dunkel in meiner kleinen Heimatstadt an. Ich fühlte mich unsicher auf den Füßen, und meine Hano zitterte, als ich die Türe meines kleinen Häuschens aufklinkte. Ich ging geradeuwegs in die Küche." Hier schwieg der einsame Soldat und senkte den Kopf. Eine Minute lang blieb er stumm, und wir saßen regungslos einander gegenüber, während der Zug ratternd und klirrend da- bineilte. Als der Soldat wieder aufblickte, waren seine Augen trocken, aber starr und hart wie Stein. „Herr," rief er aus, „meine Frau, meine Mary, hatte während meiner Abwesenheit geheiratet! Sie hielt mich für tot, sie mußte mich für tot halten. Allein mit den Kindern und der Wirtschaft, in der festen Ueberzeugung, tch sei nicht mehr, ohne Halt, ohne männliche Stütze, fast ohne Mittel — wie sollte sie nicht heiraten? Sie ist ja noch so jung, und Jugend hilft sich weiter. Sie Bat einen jungen Mann kennen gelernt, sie hatten einander ge- faüeit und heirateten. Als ich eintrat, stand er neben ihr in der Küche. „Ich tadle sie nicht," fügte er Beifer hinzu, „eine junge Frau mit Kindern ist ohne Viann ein armes Ding. Ich tadle auch ihn nicht. Nach beider Meinung war ich tot." Eine Pause. Dann fragte ich: „Was taten Sie?" „Nichts," erwiderte er. „Was konnte ich tun?" Ich eilte davon, wie ich gekominen war. Und nie werde ich die Frau, die Kinder Wiedersehen. Ich bin fertig mit mir und der Welt . . ."
(„Post.")
Weitere Drahtnachrichten.
Die Brandkatastrophe in Berge».
** Christiania, 17. Januar. (WTB.) Der Brand von Bergen entstand Sonnabend abend und wütete bis gegen Morgen. Das Feuer verbreitete sich fdmelt infolge des starken Nordwindes und richtete hauptsüchliw im Geschäftsviertel großen Schaden an, der vorläufig auf 50 Millionen Kronen geschätzt wird. Die Telegraphen- und staatlichen Fernsprechverbindungen sind itnterBrodtem Der Brand ist der größte, der jemals gkorwegen Heim- suchte.
Wann England den Frieden erwartet.
** London, 17. Januar. (WTB.) Die „Times" schreiben: Wir bekommen jetzt aQmädlidt die nötige Munition. Die Abstnnmung vom Mittwoch sichert uns die ndtUten Mannschaften, aber wir Baben noch für regelmäßige Schaffung der nötigen Geldmittel zu sorgen. Das Blatt gibt zu, daß die Erklärung Delbrii gewesen fei, daß Deutschland genug Lebensrnittel bis zur nächsten Ernte habe. Wir dürfen nicht erwarten, daß der Frieden bald kommt, so heißt es weiter, oder daß er durch den wirtschafrlichen Druck kommen wird. Der Frieden wird kommen, wenn wir Deutschland im Felde geschlagen habe».