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Seslerreichische

Bogen nnö Nftoff.

Die Not hat die enalischerr Staatsmänner dazu ge­trieben, den vielversckneenen deutschen Militarismus nachzuahmen. Erst sollte dieser der Feind sein, den die ganze gesittete Welt zu bekämpfen und zu vernichten hatte, und nun, da seine überragenden Leistungen im Kriege nicht mehr zu leugnen sind, weiß man kein an­deres Mittel, als den Teufel mit Beelzebub anszu- treiben. Ein erheblicher Teil des englischen Volkes lehnt sich gegen diesen 'Notbehelf auf und verlangt zum mindesten, daß er nickt länger als für die Zeit der Not gelten dürfe. Auch den Anhängern des Dienstzwangs kommt es vor allem darauf an, durch mechanische Erhö­hung der Zahl der Mesonen die gegenwärtige Gefahr für das britische Reich zu überwinden. Von dem Geist, der das deutsche System erfüllt, und dem es seine Lei­stungen verdankt, findet sich in den englischen Wehr- pflichtdevatten keine Spur. Plan greift zum staatlichen Zwang, um die nötige Anzahl von Soldaten auf die Beine zu bringen, etwa wie man Zoll- und andere Maß­regeln ergreift, um einem Notstand abzuhelfen, der durch Mangel an Getreide oder anderen Stoffen des iwtwen- digen Bedarfs droht. Ist die Not vorüber, so kehrt man zum alten Zustand zurück.

Die deutsche Wehrpflicht ist von Anfang an eine moralische Einrichtung gewesen. Die Begründer des preußifcken Heerwesens waren Anhänger der Kantschen Philosophie. Das ist kürzlich wieder von dem früheren Marburger Philosophieprofessor Hermann Cohen in einem Aussatz der „Frankfurter Zeitung" unter Beru­fung auf die Gedankenwelt der Begründer des stehen­den Heeres, Boyen, Clausewitz, Scharnhorst und Gneise- nau klar dargelegt worden. Hermann von Boyen hat den Dienstzwang aus dem Sittengesetz bergeleitet. Ihm war die allgemeine Wehrpflicht ein sozialer Reformge­danke, der dem Adel und dem Besitze seine Vorrechte nahm und das allgemeine Recht am Staat für alle Bür­ger vorbereitete. Von ihm rührt das Wort her: „Ein Bataillon guter Menschen intet mehr, als ein Regiment falstafsischer Rekruten." Beinahe noch schärfer treten ideale Gedanken in den Werken des Generals von Clausewitz hervor.

Welcher Abgrund einer geschichtlichen Fälschung sagt Coden, tut sich sonach in dem Urteil auf, welches diesen idealistischen Urgrund unseres Heerwesens ver­dunkelt, um das eigene Söldnerwesen höher zu stellen als unser Volksheer. Unser Heer ist im geschichtlichen Zusammenhänge mit der allgemeinen Volksbildung, als Staatspflicht, in jener Zeit der Notwehr gegen eine wahrhaft barbarische EroberungSgier und gegen natio­nale Vernicktungsgelüste entstanden,- die noch immer ihre Schamlosigkeit nickt verloren haben. Mit ihm ist da­her unsere Vaterlandsliebe verwachsen. Wahrlich, wenn nicht allein schon die Koalition mit Rußland die Kultur- tendenz der Westmächte in diesem Kriege hinreichend kennzeichnete, so wäre das Lügensystem, mit dem sie die „neutrale" Welt überzogen haben, allein schon durch die Beschimpfung unseres Heerwesens als Militarismus durchrissen und entlarvt.

Die Wehrpflicht in englischer Nachahmung ist ein ganz anderes Ding, Flickwerk und Notbehelf ohne gei- ittaen und sittlichen Gehalt. „Freiheit auf Ordnung gebaut" ist nach der preußischen Thronrede vom 13. Ja­nuar 1916 das Kennzeichen unserer inneren Zustände, mechanischer Zwang auf Verlegenheit gebaut bildet den Inhalt der Debatten in England. Was sich in einem Jahrhundert eingelebt hat, läßt sich in ein paar Kriegs- sahren nicht nachmachen, und die Regimenter fal-

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Die Russen müssen ihren Feldzugsplan ändern.

Laut „Basier Nachrichten" meldet der Kriegs- korrespondent der „Rußkia Wiedomosti" von der Süd­front der russischen Armeen, der österreichische Wider­stand übertreffe alle Berechnung und bedinge eine Aen­derung des russischen Feldzugplanes.

Die französische Mission, die an der russischen Front zum Besuch geweilt hatte, ist, wie der „Temps" aus Petersburg meldet, wieder nach Paris abgereist. Nur General Pau und Oberst Bruvere werden noch in Rutz- laitB bleiben, und haben sich ins Hauptquartier begeben, wo auch der Zar stch gegenwärtig aufhält.

ein amerikanisches U-Boot gesunken.

Reuter meldet aus Neuyork: Das amerikanische U-Boot „D. 16" ist infolge einer Explosion auf der Werft von Brooklyn vernichtet morden und gesunken. Nach einem späteren Telegramm wurden vier Mann getötet und 12 verwundet, darunter einige wahrscheinlich tödlich. Die Besatzung war eben damit beschäftigt, die elektrischen Akkumulatoren, mit denen das Unterseeboot cm^estatter worden war, zu laden, als die Explosion ftattfanö.

»•* Großes Hauptquartier, 16. Januar 1916. (Amt­lich. WTB.) Eingegangen 3,10 Uhr nachmittags.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Ein feindlicher Monitor feuerte wirkungslos in Ge­gend von Westende.

Die Engländer schösse« in das Stadtinnere von Lille. Bisher ist nur geringer Sachschaden durch einen Brand festgestellt.

An der Front stellenweise lebhafte Feuerkämpfe und Spreugtätigkeit.

Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz

Die Lage ist im Allgemeinen unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Wien, 16. Januar. (WTB.) Amtlich wird r^rlaut- baA:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die neuerliche schwere Niederlage, die die Russen an ihrem Neujahrstage au der bessarabischen Grenze er­litten haben, führte gestern wieder zu einer Kampf­pause, die zeitweise durch Geschützfeuer von wechseln­der Stärke unterbrochen wurde. Südlich von Karpi- lowka in Wolhyvien überfiel ein Streifkommando eine russische Vorstellung und rieb deren Besatzung anf. Sonst keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der küstenländischen Front steigerte sich das G e - s ch ü tz s e v e r gegen den Monte San Michele, die Brückenköpfe von Görz und Tolmein sowie gegen den Mrzli Brh, ohne daß es zu Unternehmungen der feind­lichen Infanterie gekommen wäre. Die bereits gestern gemeldete Eroberung des Kirchenrückens bei Oslavija, die von Abteilungen der Infanterie-Regimenter 52 und 80 durchgeführt wurde, brächte 933 Gefangene, da­runter 31 Offiziere, außerdem drei Maschinengewehre und 3 Minenwerfer ein. Auch am Tolmeiner Brücken­kopf nahmen unsere Truppen einen feindlichen Graben. An der Tiroler Front waren die Artilleriekämpfe in den Abschnitten von Schlnderbach und Lafraun-Bielge- renth lebhafter.

Inmitten ihrer heimatlichen Berge, an den bedroh­ten Grenzen ihres Landes getreulich Wacht halte«-, be­gehen heute, mit dem Gewehr in der Faust, die Tiroler Kaiserjäger das Jahrhundert ihrer Errichtung. Dank­bar gedenkt die Wehrmacht in Nord und Süd der ruhm­vollen Leistungen dieser braven Truppe, in deren Reihen der Geist der Helden von 1809 fortlebt und die sich in dem großen Ringen der Gegenwart neuerlich einen un- verwettlichen Lorbeer erkämpft hat.

Mb Äricgsi^aupla^-^^

Nördlich von Grahovo sind Berfolgu«gs- k ä m p f e im Gange. Unseren Truppen fielen in diesem Raume 250 Montenegriner und ein gefülltes Muni- tiousmagazin in die Hand. Die Zahl -er in den letzten Tagen -ei Berane eingebrachten Gefangenen übersteigt 500.

Der Stellvertreter des Chefs -es Generalstahes. v. Hoefer, FeldmarschaUeutnant.

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Zwei Tanben über Boulogne.

0-* Genf, 17. Januar. (T. U.) Eine englische Mel- cktng ngnaUsierte in der letzten Woche einen deutschen Flregerangriff gegen St. Omer im Departement Pas de Calais, welcher nach einer Meldung des Lyoner „Nouvelllste" gegen Boulogne sur Mere am Montag stattgemnden hat. Zwei Tauben, die aus dem Innern des Landes kamen, überflogen nachmittags um 1 Uhr die Stadt und schleuderten acht Bomben in verschiedene Stadtviertel. Alle Bomben platzten, töteten mehrere Personen und verwundeten andere schwer. Die Gewalt der Explosion war groß. Der angerichtete Sachschaden ist bedeutend.

der >moftotiL

Das „Bpern" des Balkans.

Die feindliche Presse hat, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, für die KriegS- lage von Saloniki ein treues Schlagwort gefunden, das die feindliche Oeffentlichkeit für den Mangel an Erfolgen einstweilen entschädigen soll. In den feind- licherr Zeitungen wird erzählt, daß vor Saloniki ein zweites Ypern entstanden ist, da alle Maßnahmen ge­troffen worden seien, um einem siegreichen Vorstoß unserer verbündeten Truppen erfolgreich Begegnen zu können. Wir kennen aus diesem Kriege schon die Neigung unserer Feinde, sich an billigen Schlagworten zu berauschen und sie für einen Ersatz der Erfolge zu nehmen.

Der Name Ypern hat in Frankreich nnö England guten Klang. Das kann man schon daraus erkennen, daß der frühere englische Oberbefehlshaber French den Beinamen Graf von Ypern angenommen hat. Mit derartigen volkstümlichen Namen kann man grade in Frankreich viel zur Hebung der augenblicklichen Stim­mung beitragen. Hat aber der ganze Vorgang, der sich in diesem Schlagwort ausdrückt, irgend welche Berechti­gung? Von den großen Befestigungsarbeiteir der eng­lisch-französischen Armee nördlich von Saloniki haben wir bereits gehört und konnten feststellen, daß kein Mensch die Engländer und Franzosen zwingt,eine völlig neutrale Stadt zu verteidigen, die gar keinen Wert da­rauf legt, angegriffen zu werden. Wenn es sich um eine englische oder französische wichtige Stadt handeln würde, dann könnte man den Stolz unserer Feinde verstehen, daß sie sich durch starke Befestigungen vor dem anrücken- den Feinde zu schützen versuchen. Warum die Engländer und Franzosen aber gerade Saloniki verteidigen wollen, ist jetzt völlig unverständlich, da sie dann eben so gut eine andere Stadt Europas festungsartig verteidigen könnten. Das Ypern des Balkans kann nach der völ­ligen Niederlage der Serben und der weit fortgeschritte­nen Bezwingung der Montenegriner nur als eine zweck­lose Erscheinung betrachtet werden, wenn auch das Schlagwort sich sehr schön anhört.

In jüngster Zeit wurde gemeldet, daß dieses eigen­artige Ypern noch eine weitere Fortsetzung nach Westen und Nordosten erfahren hat. Es soll nämlich die grie­chische Stadt Njouise-Wardar, auch kurz Njauiza ge­nannt, besetzt und andererseits die Brücke über den Stru­ma bei Demir-Hisar in die Luft gesprengt worden sein. Beide Maßnahmen wären im Interesse Griechenlands recht bedauerliche Erscheinungen und würden nur be­weisen, daß der Vierverband tatsächlich bereits alle Be­griffe von Recht und Gerechtigkeit vergessen hat. Nionise- Wardar liegt ungefähr 50 Kilometer östlich von Saloniki und ist ein bedeutender Straßenknotenpunkt nach Mona- stir. Demir-Hisar liegt nordwestlich von Seres an der Eisenbahnlinie von Saloniki aus. Dadurch ist für die nächste Zeit eine wichtige griechische Verkehrsstraße völ­lig vernichtet. Wir sehen also immer mehr, daß das „Ypern des Balkans" zu einer Hochburg des völlig nutz- lo en Bruchs des Völkerrechts und der Verletzung der Seheiligten neutralen Rechte wird. Man wird das ichlagwort aufnehmen müssen, um es für alle Zeiten als ein Deukmal der Schande des Vierverbandes zu be­wahren, der bei Ausbruch des Krieges in der heuchle­rischsten Weise unter Beschimpfung des deutschen Volkes und des deutschen Heeres vorgab, ein Hüter des Völker­rechts, ein Schutz der neutralen Staaten und ein Beschüt­zer aller kleinen Mächte zu sein. (Z.)

DeM Ententedruck auf Griecheulan-MM.

ow Sofia, 17. Januar. (T. U.) Nach einer Mel­dung aus Athen sind, wie die „Bl. Mp." berichtet, tm Athener Hafen Phaleron Truppen der Entente em- geschifft worden. Privatnachrichten besagen, daß auch in Corinth Truppen der Entente gelandet wurden. Dies werde im Verein mit der Blockade der griechischen Häfen, durch die die Zufuhr von Lebensmitteln von dem Willen des Vierverbandes abhängig gemacht wird, als Entschluß des Bierverbandes aufgefatzt, die Maske fallen zu lassen, um Griechenland unter Anwendung von Gewalt zum Anschluß bezw. aktiven Eingreifen gegen die Zentral- mächte zu zwingen. Man hält es sogar für möglich, daß die Entente versuchen wird, das Land in eine Revolu- tion zu stürzen. Trotzdem glaubt man in maßgebenden Kreisen, daß auch dieser Verzweiflungsschritt der En­tente nichts nützen wird.

Ein Staatsstreich gegen die griechische Regierung?

Konstantinopel, 17. Januar. (T. It.) Die Be­setzung von Phaleron durch die Entente wird der „Bl. Mp." zufolge in hiesigen diplomatischen Kreisen als er­neutes und überaus deutliches Anzeichen dafür angese­hen, daß der Vierverband mit allen Mitteln versuchen will, einen Staatsstreich gegen die griechische Regierung

Ein kleines Mißverständnis.

Novelle vonJda Iohn-Arnstadt.

22) (Nachdruck verbotenst

Wie sich das Ende gestalten sollte, erwartete sie von Lisbeth zu hören, die sichtlich erschüttert mit ihrem jungen Herzen rang, manchmal kopfschüttelnd vor sich niederstarrend, dann wieder liebevoll auf ihre Mutter blickend. „Und könntest Du „ja" sagen? Aus Herzensgrund, Mütterchen?" fragte sie jetzt.

„Aus Herzensgrund." Wie überzeugungswürdig diese Antwort lautete. Lisbeth schob ihre Mutter bis vor den Schreibtisch, wo Feder, Tinte und Papier schon bereit lagen und drängte: „So schreibe schnell! Viel, viel Glück, meine geliebte Mutter! Könnte ich , doch bei euch bleiben!"

„Das wirst Du nun auch, meine Lisbeth. Dein Stiefvater läßt Dich nicht in diese Stellung ziehen, das glaube mir nur."

„Ich gehe auf jeden Fall. Nun erst recht, wegen des Neffen."

„Ab«: Kind! Ich sage Dir doch.___"

„Daß er mich nicht beleidigen wollte? O ja, ich will es glauben,' aber — ihn Wiedersehen kann ich doch nicht,- nein, das kann ich nicht . . . Jetzt aber wartet Hans nicht länger,' hör' nur, wie er tobt und mit den Fäusten an die Türe donnert! Wir haben seine Geduld auf eine allzu harte Probe gestellt. Während ich Dein Ant­wortschreiben hinunter in den Briefkasten trage, lege, bitte, meine kleinen Geschenk aus diesem Pakete auf die betreffenden Plätze. Dem Hans die Trompete, Miezchen eine neue Schulmappe und Dir, mein Müt­terchen, diesen warmen Schulterkragen. Das nächste Jahr wirds mehr, will's Gott, denn als Vorsteherin bei dieser großen Firma bin ich eine „gemachte Frau", scherzte Lisbeth. Dann empfing sie einen herzlichen D«ck«»tub und den rasch und kurz verfaßten Jawort­

brief von ihrer Ntutter und eilte an den ungeduldig fragenden Geschwistern vorbei die Treppe hinab zum Briefkasten, dicht neben -er Haustüre. „In Gottes Namen!" sagte sie ganz laut, als sie den schmalen Briefumschlag hinabgleiten ließ. Plötzlich trat eine Mäimergestalt auf sie zu und lüftete die Pelzmütze, — Leutnant Paul. Das Glühlicht bestrahlte sein schönes, jetzt tiefernstes Gesicht. „Gnädiges Fräulein," flüsterte er mit seltsam heiserer, bebender Stimme,' Lisbeth stand wie gelähmt, keines Wortes mächtig, und er sprach weiter, „verzeihen Sie den Ueberfall! ... Ich muß Sie warnen: mein Onkel, der Bankdirektor Paul ist krank, und er wird in einigen Minuten zu Ihnen hinaufkommen,' was auch geschieht, — ich bin mit dem Arzt in Ihrer Nähe . . ."

Er trat vor Lisbeth in das Haus hinein, -och sie hatte das nicht gesehen,' nur daß er plötzlich ver- ichwunden war, kam ihr zum Bewußtsein. Regungslos lehnte sie an der kalten, schneeweißen Hauswand. Träumte sie denn? Er hatte ihre Hand gedrückt und sie an seine Lippen gezogen,- was klopfte doch das Herz so wild, wie brannte ihre Stirn! Auch gesprochen hatte er zu ihr, wie zu einem kranken Kinde, weich, innig und — sein Onkel war verrückt! Arme, arme Mm>ei. Hätte sie doch nur den Unglücksbrief wieder gehabt! Doch, das war ja wohl noch gut zu machen? Warum sprang sie denn nicht hinauf, die Teure zu warnen, sondern blickte nach den verheißungsvoll herniederstrahlenden Sternen, mit wunden, Herzen und klopfenden Pulsen? „Ehre sei Gott in der Höhe," sangen hohe, klare Kinder- sttmmchen im ersten Stock des Hauses,- über tief­verschneite Höhenzüge herüber kam etwas, halb Stur­meswehen, halb Frühlingsatem,- in den Nachbarhäusern erstrahlten die Weihnachslieder, immer mehr, immer Heller,- Glocken klangen,- und von oben herab rief die Mutter ängsüich: „Lisbeth, wo bleibst Du nur?"

«Ich komme." laste sie mit tonloser Stimme um­

schlich hinauf, völlig ratlos, wie sie ihrer armen Mutter die Schreckensnachricht schonend beibringen könne.

Oben an der Treppe lärmte Hans und Mizzi weinte: „Aber Lisbeth, warum dürfen wir denn noch immer nicht herein? Ueberall Brennen die Bäume schon und uns hungert und friert so sehr."

„Gleich, Kinderchen! Beim zweiten Teile tretet Ihr­em und singt mit," tröstete die große Schwester,- dabei nahm sie sich vor, mutig zu schweigen und — wenn nichts dazwischen kam, erst nach der Bescherung und nach dem Abendessen mit der Mutter zu reden. Die setzte sich scheinbar vergnügt am Piano nieder und präludierte,- dann erklang ihre herrliche Stimme, rein und scelenvoll,- die glückselig lächelnde Frau öffnete leise die Türe und freudestrahlend, andächtig lauschend, Hand in Hand, traten Hans und Mizzi ein: „Sein uns zu freu’n und durch ihn selig zu sein," setzten die Kinder­stimmen neben denen der Mutter und Schwester ein. „Christen, wir sind nicht verloren."

Da ertönte draußen ein gar seltsames Geräusch,- Lisbeth sprang auf und eilte erschrocken an die Türe, blendender Lichtschein und der Ausruf höchsten Ent­zückens von Seiten Hans und Btizzis machte auch sie verstummen,- sie trat zurück, denn über die Schwelle schob sich feierlich langsam ein reichgeschmückter, hell­strahlender Weihnachtsbaum, aus dessen Futzgestell, wie heiliger Chorgesang, eine schöne Chvrastnelvdie ertönte. Alle standen wie angewurzelt. Und jetzt schritt Einer herein, der ihn trug, ein Hans Rupprecht, mit großen, siegesgewissen Schritten direkt auf den Beschert isch zu. wo er vorsichtig den Christbaum niedersetzte, mitten unter die Geschenke hinein, und nun — mit der ver­goldeten Rute in der behandschuhten Faust — einen strotzenden Sack von seiner Schulter in die Stube warf sodatz Aepfel und Nüsse und verschiedene Pfefferkuchen­pakete nur so auf öem Boden herumkollerten.

lSortsetzuna kokatst.