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Erträumte Siege.

Es gibt Leute, die so beharrlich lügen, daß sie MNeßtich ihre eigene Lüaeu für LLahrbeii halten. Tau wir in Deutschland unrettbar dem Hunger ver­fallen seien, haben sich unsere Feinde schon so lange vorgeivgen, daß sie nunmehr selber nicht mehr daran zweifeln. Geholfen hat dabei, daß es bei ihnen in dem, was zur Nahrung und rikotönuft gehört, empfindlich knapp zugeht und die Preise, die sie zur Befriedigung unabweislicher Lebenovedürfnisse zu zahlen haben, bedenkliche Höhe erklommen haben. Die Feinde kön­nen oder wollen nicht einsehen, daß wir wie militärisch so auch im Wirlschaftskampse traft unsrer überlegenen wirtschaftlichen Tüchtigkeir, Einordnungs- und Au- Passungsfähigkeit einen Borsprung vor ihnen haben. Dabei folgern sie also: wir schon leiden an wirl- schaftliwen Bedrängnissen, obwohl wir uns doch nicht wie Deutschland in der Lage einer vom freien Ver­kehr und von der Zufuhr vorn Auslande abgeschlossenen Festung befinden: da muß das deutsche Volk, das vom Lebensunttelbezug von außen her abgeschuitien ist, um so sicherer mit dem Hunger zu sümpfen haben.

So glaubt mau denn drüben, was neuerdings dort über Hungersnot und Hungerausruhr in Deutschland verbreitet wird. Pariser Blätter fabeln zurzeit von Frauen, die vor Bäcker- und Schlächterladen stehen, nicht Brot noch Fleisch bekommen können und vom Warten ermattet ohnmächtig in den Schnee sinken sollen. Sie tischen weiter die wahnwitzige Mähr auf, daß fünfzig- tausend Mauuer lind Frauen aus Verzweiflung in Ber­lin das Reichstagsgebäude gestürmt haben, und das Pflaster mit Strömen von Blut gefärbt sei.

Dergleichen Lügen klingen uns in Teutschlaud so unsagbar lächerlich, daß es uns fast unfaßbar erscheint, wie in Frankreich so tolle Märchen wie die angedeuteten für bare Münze genommen werden, lind doch ist Dem so: was wir als Ausgeburten von Fieberträumen, die mit der Wirklichkeit nicht das geringste zu tun haben, ansehen, daran glauben die Franzosen. Um aber ei= nigermaßeu zu verstehen, daß die unglaublichsteil Ge­bilde krankhaft fiebernder Einbildungskraft in Frank­reich als Tatsachen begrüßt und behandelt werden, braucht man sich nur zu vergegenwärtigen, daß dort während des Krieges 18<0 -1 genau so unheimlich arg wie heute gelogen worden ist, selbst dann noch, als den Franzosen jede Aussicht zu siegen endgültig entschwun­den war.

So haben auch 1870 französische Blätter wie jetzt von Hunger und Aufruhr in Deutschland geträumt. Schon im August 1870 sollte im preußischen Heere großer Ge- kreidemangel fühlbar geworden sein. 700 Badener soll­ten um diese Zeit die Grenze überschritten haben, um sich vor dem Hungertode zu retten. Im Januar 1871 ver­breitete eine bekannte französische Lügenfabrik, die anch jetzt wieder arbeitet, die Kunde von Aufruhrverfnchen in Berlin, die zur sofortigenHinrichtung der beteiligten" geführt hätten. Ferner ließ ein Pariser Blatt damals 3000 Frauen in langen Trauerkleidern unter die Fen­ster der Königin in Berlin ziehen und Friedensrufe aus- stotzen. Die Lügen, die heute in Frankreich seit mehr als anderthalb Jahren herumgetragen werden, sind 1870 71 schon in ähnlicher Art dagewesen. Wie oft sind damals der Reihe nach die hervorragendsten deutschen Heerführer samt Bismarck getötet worden, und wie oft hat man Bayern, Württemberger und andere deutsche Stämme in offenem Aufruhr zu sehen gewähnt!

Wäre von alledem im Jahre 1870 nur ein bescheide­ner Teil wahr gewesen, so hätten wir damals schwerlich gesiegt: und enthielten die erwähnten Lügen von heute bloß ein Körnchen Wirklichkeit, so hätten die Franzosen vielleicht noch immer einen Rest von Berechtigung, an ihre übrigens in gleicher Weise auch schon 1870 gehand- habte Entschuldigung zu glauben, daß ihre seitherigen Niederlagen rühmlicher und hoffnungsvoller seien als die deutschen Siege. Aber diese Niederlagen haben das ohnehin leicht entzündliche Gehirn der Franzosen in fie­berhaften Krankheitszustand versetzt. Sie leben drüben im Fieberrausch, und aus ihm steigen Träume empor, die ihnen vorspiegeln, was ihnen die für sie Hoffnungs- und trostlose Wirklichkeit versagt.

| Moikovacz gegen den Tara-Fluß vormarschiert sind.

' Das Tara-Knie, das hier bei Moikovacz in Erscheinung tritt, war in den letzten Wochen schon mehrfach der Schauplatz eines heftigen RingeuS, da es von den Montenegritiern gut befestigt und verteidigt war. Der Vormarsch gegen Berane erfolgt nicht nur von Norden her, sondern auch von Osten über Rozaj. In allen jüngsten österreichisch-ungarischen Generalstabsberichten werben die Kämpfe westlich von Rozaj erwähnt. Ro­zaj liegt südöstlich von Berane, ungefähr auf halbem Wege nordöstlich der Verbindungslinie BeraneJpek, sodaß Jpek nur wenig näher an Rozaj gelegen ist, als Berane. Die Kämpfe bei Rozaj haben darum eine

! beträchtliche Bedeutung, da Rozaj neben Jpek und Berane der bedeutendste Stratzenknotenpunkt an der

i montenegrinischen Südostgrenze ist. Von hier führen ' Wege in nördlicher Richtung über Ruglo nach dem be­festigten Platz Suhvöol, wo die Oesterreicher vor meh­reren Wochen einen großen Erfolg errungen haben und weiter nach Sjeuica in Serbien. Außerdem geht von hier aus eine Straße nach Nordosten ins Tal des

, Ibar und stellt einerseits die Verbindung mit Nowi- i bazar, andererseits durch eine südöstliche Abzweigung mit Mitrowitza her. Ferner geht eine direkte Straße nordwestlich nach Berane und ein guter Gebirgspsad südlich nach Jpek. Wir haben hier demgemäß in Rozaj denjenigen Punkt, der in dem ziemlich unwegsamen Monteneqrv die Aufmarschlinie gegen Berane be­herrscht. Außer diesen eben genannten Erfolgen haben die österreichisch-ungarischen Truppen auch noch bei

l Jpek, südöstlich von Berane und südlich von Rozaj, sowie halbwegs zwischen Jpek und Plawa beträchtliche Erfolge errungen. Plawa liegt gradenwegs westlich von Jpek und südlich von Berane. Der österreichische Vor­stoß gegen Montenegro ist also hier im Süden der Festung Berane bereits recht beträchtlich nach Westen

; fortgeschritten. Es ergibt sich aus den einzelnen Punk­ten, au denen in der letzten Zeit Kämpfe mit den Montenegrinern stattfanden und aus ihrer Lage zu Berane, daß die Einkreisung von Berane, die am Tara- ; Knie bei Moikovacz beginnt über den Raum östlich Am Berane bis hinunter nach Rozaj, und dann weiter fort­schreitend westlich von Jpek bis nach Plawa bereits in den letzten Tagen erhebliche Fortschritte gemacht hatten. Aus diesen beträchtlichen Fortschritten lassen * sich die jüngsten großen Erfolge der Oesterreicher gegen Berane erklären. (Z.)

DleJorlsetzung der Offensive gegen Montenegro.

Zu dem jüngsten großen Fortschritt der österrei­chisch-ungarischen Truppen gegen Berane wird der Kor­respondenzHeer und Politik" geschrieben: Der Vor­marsch der Nester reicher gegen Montenegro Hat in den letzten Tagen wiederum beträchtliche Fortschritte ge­macht. Nachdem eine kurze Zeit lang in der Offensive gegen Montenegro ein Stillstand eingetreten war, er­fuhren wir aus den jüngsten Generalstabsberichten, daß die österreichisch-ungarischen Truppen besonders in der Richtung auf die montenegrinischeil Hauptstellungen bei Berane beträchtliche Vorteile errungen haben. Anfang Dezember hatten die Montenegriner hier im Raume dieser Festung bis nach Jpek hinunter ihre befestigten Stellungen eingenommen. In den letzten Tagen kam es nun am Tara-Knie bei Moikovacz zu erfolgreichen Kämpfen der Truppen des Generals von Koeves. Moi­kovacz liegt westlich von Bjelopolje mit einer kleinen Neigung nach Süden. Die Truppen, die hier über die Montenegriner gesiegt haben, sind demgemäß die- reuigen, die in der Richtung SjenitzaBjelopolje

Die Kämpfe in der Mem m.

Fast genau ein Jahr, nachdem die Russen durch die schwersten Niederlagen gezwungen wurden, die Bukowina wieder zu räumen, machten, wie der Korrespondenz Heer und Politik" geschrieben wird, die Russen er- ; neut ernsthafte Bemühungen, um gegen Czernowitz vor- zudringen. Es war am 20. Januar 1915, als die Russen ( sich im Besitze der Bukowina durch österreichisch-ungarische Angriffe wieder aufs schwerste» bedroht sahen. An diesem Tage eröffnete nämlich das österreichisch-ungari- , sehe Heer die Offensive gegen die in der Bukowina sich breit machenden russischen Truppen. Am 22. Januar war die große Schlacht bei Kirlibaba, in der Südweste^e der Bukowina, die am 23. die Eroberung von Kirlibaba durch die Oesterreicher brächte und am 26. mit der völligen Niederlage der Russen endete. Die Russen sahen , sich nun genötigt, sich nach Norden zurückzuziehen, um : bei Woldawa erneute Stellungen zu Jziehen. Wettere Siege, welche die österreichisch-ungarischen Truppen in ständigem Vorrücken gegen Norden in der Bukowina über die russischen Truppen bei Moldawa errangen, führten zur Säuberung der Bukowina, die ihren Höbe- punkt in der Zurückwerfung der Russen über den wirb und der Rückeroberung von Czernowitz durch die öster­reichisch-ungarischen Truppen am J7. Februar 1915 ihren Höhepunkt erreicht. An diesem Tage war die bim kowina von den Russen völlig gesäubert. Es waren die erfolgreichen Tage, in denen°auch die Winierschlachlen in Masuren und in der Champagne geschlagen wurden. Seit diesem Tage hat sich in der Stellung der Russen i an der Grenze der Bukowina nichts geändert.

Als nun ungefähr bei Beginn dieses Jahres wieder aufs neue die Russen den Versuch

machten, gegen die Bukowina und besonders gegen Czernowitz vorzurücken, da fühlten sie, daß jetzt das österreichisch-ungarische Heer eine ganz andere Wi­derstandsfähigkeit erlangt hatte, als es bei Beginn dieses Krieges besaß. Bekanntlich konnten die Russen bei Beginn dieses Krieges gegen Oesterreich einige Erfolge erzielen, da sie nicht nur rechtzeitig den von ihnen be­absichtigten Krieg vorbereitet hatten, sondern auch in recht beträchtlicher Uebermacht waren. Zwar leugnen das j unsere Feinde und erflären, daß sie mit dem weiteren Fortschreiten des Krieges immer stärker würden, wäM I rend wir und unsere Verbündeten an Kraft abnehmen ! müßten. Der neue russischeVormarsch" gegen Czer- ; norvitz hat aber zur Genüge dargetan, wie unsinnig diese Behauptungen unserer Feinde sind. Tatsächlich hat die Zeit seit der Befreiung der Bukowina von der russischen Herrschaft erst die volle Kraft des österreichisch-ungari­schen Heeres, das den Krieg weder gewollt noch vor- bereiter hatte, zur Reife bringen lassen.

Die Tage des schnellen russischen Sieges sind dahin. Wenn nun die Sinnen glaubten, jetzt wiederum wie vor

mehr als Jahresfrist über ©allzeit und die Bukowina in die Karpathen durch einen Durchbruch des österrei- chisch-nugarischen Heeres gelangen zu können, so mußten sie erleben, daß sie sich wie so oft schon einer furchtbaren Täuschung über die jetzige wahre Lage der beiden sich einander feindlich gegenüberftehenden Heere hingegeben haben. Weder an der Strypa noch au der bessarabischen Grenze konnten die Russen den geringsten Erfolg er­ringen. Ihre voreilige Siegesmeldung, daß die Oester­reicher sich genötigt gesehen hätten, Czernowitz bereits wieder zu räumen, wurde nicht nur von dem öster­reichisch-ungarischen Generalstabsbericht als ein Märchen entlarvt, das nur auf Rumänien wirken sollte, sondern auch die englische ZeitungDaily Chronicle" sah sich bereits veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß die Russen übertriebene hoffnungsvolle und teilweise ganz falsche Vorstellungen erweckende Berichte gegeben hätten.

Diesem Tadel aus dem Lager unserer Feinde brauchen wir nichts hinzuzufügen. Tatsächlich haben die Russen gegen Czernowitz trotz ihres heißesten Bemühens nur den einenErfolg" errungen, daß sie nach dem österreichischen Generalstabsberichte bisher mindestens 50 000 Mann verloren haben. _________ i 3-)

General Sarrail er HM hss Tages. .

In Paris wird General Sarrail als Held des Ta­ges gefeiert. Seine Tat stellt dort einen Triumph der Kultur über die Barbarei dar. An allen Ecken und En­den ist sein Bild ausgestellt und wer eine Postkarte zu schreiben hat, benutzt natürlich.eine solche, auf der her Kopf desverdienten" Generals aufgedruckt ist. In der kurzen Zeit, da der französische General den bah kanfeldzug unserer Feinde leitet, hat er aber auch schon gar zu vieleHeldentaten" vollbracht. Erst den schnei­digen Rückzug vor den Bulgaren und jetzt gar die Gefangennahme der Konsuln! Mehr kann man von einem tüchtigen General nicht verlangen, und deshalb wundern wir uns nicht, wenn der Mann derart gefeiert wird. bei Saloniki wird er seinen Befähigungsnach­weis aber noch zu erbringen haben.

Der großeUmzug", als den man die Flucht un­serer Feinde von der Halbinsel Gallipoli hinstellen will, geht seinem Ende entgegen, nachdem nun auch alle fran­zösischen und englischen Schiffe, die vor den Dardanellen und bei der Halbinsel lagen, Befehl erhalten haben, sich nach Saloniki zurückzuziehen, wo sich jetzt die gesamte Heeresmacht unserer Feinde, die für den südlichen ba(= kanfeldzug bestimmt ist,konzentriert". Irr Griechen­land ist man der Ansicht, daß das Ganze nur ein Schein- manöver ist, um Griechenland einzuschüchtern und um dessen Regierung daran zu verhindern, mit seit Mittel­mächten zu sympathisieren. Vielleicht, daß man das­selbe auch in England und Frankreich als Ausrede ge­braucht, um die Blamage der Flucht vor den türlisihen Truppen zu verbergen. Ganz w übel wäre diese Aus­rede nicht. Vielleicht auch will man dem König Peter von Serbien imponieren, der sich seit einigen Tagen in Saloniki aufhült. Denn dessen Herz muß ja im Leibe Hüpfen, wenn er die vielen schönen und großen Schiffe vor Augen sieht, die dazu bestimmt sind, dem Vierbund das LevenstichtlAn auszublasen.

Indessen werden mit äußerster Anstrengung die Arbeiten der Befestigung von Saloniki fernggestellk. Diese Arbeiten besorgen die Franzosen und die aus der Flucht hier zufammeitgelaufenen Serben, während die Herren Engländerk FuWall spielen und sich wenig um die anderen scheren. Einige Bahnzüge und Schiffe wer­den ständig unter Dampf gehalten, damit, wenn die Stet am höchsten, die Flucht vor sich gehen kann. Wen an­deren Versicherungen entgegen rechnet man also mit einem bevorstebenoen Angriff und wahr alle, uuw auch mit wenig Aussicht darauf, daß es gelingen dürfte, Sie Stadt zu hatten. Neugierig darf man darauf sein, welche Ausrede unsere Feinde gebrauchen werden, wenn sie aus der griechischen Hafenstadt hinausgeworfen sein werden. Wahrscheinlich die, daß man sich dafür ent­schieden hätte, als Basis den Hafen von AlcAundrien in Aegypten zu wählen, weil das Klima dort angenehmer ist denn weshalb soll man nicht nach Cadornaschem Rezept auch einmal das Klima oder Wetter zuhilfe nehmen?

Bezüglich der Heldentat des Generals Sarrail hat, wie berichtet, die türkische Regierung durch die amerika­nische Botschaft in Konstanliitvpel die feindlichen Re­gierungen wissen lassen, daß sie einige Tage warten wolle, wenn sie dann aber keine befriedigende Antwort wegen der Verhaftung des türkischen Konsuls in Sa­loniki erhalte, werde sie zn Vergeltungsmaßregeln grei­fen. (Die verhafteten Konsuln sollen inzwischen freige= lassen worden sein. D. Red.) Die cinheintisdic Kvn- stantinopeler Presse meint, der schmähliche ZwiWenfall müsse der griechischen Regierung alS Lehre und War­nung dielten. Der Vierverband gäbe Saloniki nicht wieder heraus und die Atikmift des Königs von Ser­bien gäbe Verschiedenes zu denkeu. Man kaun noch weiter gehen, als die Konstantinopeler Blätter, und der Meinung Ausdruck geben, daß der Vierverband beab­sichtigt, ein neues serbisches Reich zu grünbem mit Sa­loniki als Hauptstadt. Er erspart sich dann den Vor- wurf König Peters, daß man ihn im Stich gelassen hat, und das neue Land wird dem Königreich einfachaus den Rippen geschnitten", als Sans für das Entgegen­kommen und das lieberlassen Salonikis.

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vormittags im Geschäfts­zimmer der Armenverwal- lung im Rathaus anzu- b ringen.

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