Amtlicher Anzeiger
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HersWer
für den Kreis Hersfeld
Krelsblatt
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Nr. 8.
Dienstag» den 1L Januar
1916
Amtlicher Teil.
AekaMmachmg
über die Verwendung von Milch zur Herstellung von Süßigkeiten und Schokolade.
Vom 29. Dezember 1915.
Auf Grund des § 7 Abs. 2 der Verordnung des Bundesrats über die Herstellung von Süßigkeiten und Schokolade vom 16. Dezember 1915 (Reichs-Ge- setzblatt S. 821) wird folgendes bestimmt:
I
Von dem Verbote der Verwendung von Milch zur Herstellung von Süßigkeiten und Schokolade werden ausgenommen:
1) ausländische Trockenmilch und Trockensahne sowie in Gefäßen von 5 kg Gesamtgewicht und mehr eingeführte eingedickte Milch;
2) die am 16. Dezember 1915 in den unter die Verordnung fallenden Betrieben vorhandenen Vorräte von inländischer Trockenmilch, Trockensahne und eingedickter Milch-
3) die am 16. Dezember 1915 bei Herstellern von Trockenmilch und Trockensahne vorhandenen Borräte von inländischer Trockenmilch und Trockensahne.
II
Die Bekanntmachung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.
Berlin, den 29. Dezember 1915.
Der Reichskanzler.
Im Auftrage: Freiherr von Stein.
Hersfeld, den 5. Januar 1916.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher erinnere ich an Einsendung der Kreishundesteuerzu- «MWMMM^^ für die Monate Oktober, November und Dezember bis spätestens zum 15. ds. Mts.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. No. 9. I. B.:
v He dema NI, Reg.-Assessor.
Fortsetzung des Amtlichen Teils auf der 4. Seite.
Hus der Heimat
):( Hersfeld, 10. Dezember. Der Preußische Landwirtschaftsminister gibt folgendes bekannt: Bei der gegenwärtigen Knappheit an Fetten ist es dringend geboten, für die vollkommenste Gewinnung der vorhandenen Fette Sorge zu tragen. Die Verbutterung der Milch ist vielfach noch recht unvollkommen, weil einerseits mangelhaft arbeitende Milchseparatoren verwendet werden, andererseits das ganz unzeitgemäße Sattenaufrahmunysverfahren noch im Gebrauch ist. Der hierdurch der Butterversorgung des Deutschen Reiches erwachsende Ansfap ist von sachverständiger Seite auf mindestens 260 000 dz berechnet worden,
Russische SriegsmWgkeit.
Wohl in keinem aller kriegführenden Staaten macht sich in gleich starkem Maße eine derartige Kriegsmüdigkeit bemerkbar, wie in Rußland. Das hat seinen guten Grund, denn Rußland ist ausgepumpt, wie man das so nennt. Die brauchbaren Mannschaften sind dahingerafft. Was jetzt noch unter .dem weißen Adler Rußlands kämpft, find ältere Leute, die sich widerwillig in die Schlacht treiben lassen, geführt von unerfahrenen Männern, wohl durchweg Analphabeten, die man in der Eile 311 Offizieren gemacht hat, und die gleich wie ihre Untergebenen nicht wissen, wofür sie Kämpfen. Aber Väterchen hat es befohlen und deshalb muß man gehorchen. Wenn man die jetzigen russischen Gefangenen an der beffarabischen Front fragt, weshalb Rußland noch kämpft, erwidern sie gleichgültig : Väterchen hat es besohlen, er will es so haben.
Trotzdem man nichts Genaues darüber erfährt, scheint es so, als ob der Zar den Oberbefehl längst wieder abgegeben hat. Einmal hieß es auch schon, er sei „krankheitshalber' nach Petersburg zurückgekehrt. Den russischen Blättern darf man nicht trauen, und die spärlichen Nachrichten, die über Schweden nach dem übrigen Europa gelangen, sind sehr unzuverlässig. Heute wohl würde der Zar jenes große Wort nicht in derselben gelassenen Weise aussprecheu, das er fallen liefe, als er sich unter dem künstlich angefachten „Siegesfeuer" seiner Soldaten in Przemysl befand und da er meinte, daß die Russen endgültig den Sieg davou- getragen hätten und keine Macht auf Erden sie wieder aus dem eroberten Przemysl hinaustreiben könne.
Alle Kriegslust, die im russischen Volke noch vor etwa einem Jahre aufflammte, ist endgültig dahin. Selbst die Münster sind davon überzeugt, daß ein Weiterkämpsen gar keinen Zweck mehr hat. Der neue Minister des Innern, Ehwoslow, hat dieser Tage die Herausgeber der großen Petersburger und Moskauer Zeitungen zu sich beschielten, und im Verlaus seiner Unterredung gab er die en so etwas Aehnliches wie das Kriegsprogramm der russischen Regierung bekannt. Aber feine müden Worte konnten die Zweifel in einen russischen Sieg nicht verdecken. Er sagte, daß die innere Lage des Landes ihn mit Sorgen erfülle. Die Stadt Moskau gleiche einem Pulverfaß und der kleinste Funke könne dasselbe zur Explosion bringen. Den sprach er von den Städte — und Semstwoverbänden, der Duma, den Schwierigkeiten der Volksernährung, und kam zum Schluß dann aus Umwegen auf den Krieg zu sprechen. Viel konnte und durste er nicht sagen und seiner wirren Rede dunkle Worte akvielteu in dem Satz. bau
was etwa 50% der jährlichen Gesamtbuttereinfuhr des Deutschen Reiches entsprechen würde. Wird es nun auch niemals gelingen, die theoretisch mögliche vollste Entrahmung bei der gesamten zu Butter verar- beitenten Mtlchmenge zu erreichen, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß sich bei richtigem Verfahren noch ganz bedeutende, jetzt mit der Magermilch meist zur Verfütterung gelangende Butterfettmengen gewinnen ließen. Dies muß aus volkswirtschaftlichen Gründen wegen der Butterknappheit- wie aus privatwirtschaftlichen- wegen des großen Einnahmeverlustes bei den hohen Preisen des Butterfettes- nach Kräften erstrebt werden. Das Ziel wäre am vollkommensten erreichbar, durch Anlieferung aller nicht im eigenen Haushalt benötigter Milch in die Molkereien. Soweit dies nicht durchgeführt werden kann, müßte die Milch wenigstens mit guten Separatoren entrahmt werden. Die Aufgabe aller landwirtschaftlichen und milchwirtschaftlichen Interessenvertretungen, Vereine usw. ist es, auf die Zweckmäßigkeit zeitweiliger Untersuchunge«- der Magermilch auf etwa zu hohen Fettgehalt sowie auf die Beschaffung guter Separatoren hinzuwirken, die Landwirte auf brauchbare Geräte hinzuweisen und vor dem Ankauf billiger und schlechter, deren es leider noch genug gibt, zu warnen. Ueber die geeignetesten Separatoren würden die Gerätestellen der Landwirtschaftskammern, des Bundes der Landwirte, des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften und besonders auch der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft auf Grund ihrer alljährlichen Geräteprüfungen Auskunft geben können. Die Beseitigung des Satten- verfahrens sollte mit allen Mitteln erstrebt werden. Während^bei guter Separatorenentrahmung etwa 0,10% Fett (von durchschnittlich etwa 3,36%) in der ' Magermilch verbleiben, sind es bei schlechtem Separatorenbetrieb 0,36% und mehr, bei der Satten- entrahmung aber oft 0,80% und mehr. Außerdem ist WMMWiM
Preis daher um etwa 0,40 Mk. je % kg niedriger. Dem ganzen unzeitgemäßen Sattenverfahren sowie den schlechten Separatoren muß der Krieg erklärt merden. Das Butterfett gechörr denMenschen nicht den Tieren: Jeder Landwirt und Milchwirt helfe mit, diesem Ziele soweit und sobald als möglich nahe zu kommen.
):( Hersfeld, 10. Januar. Am vergangenen Sonnabend hielt Herr A. Lohrmann vor einer Zahl andächtiger Zuhörer im Beamten verein einen Vortrag über „Kriegs- und Kulturbilder aus Russisch-Polen und Serbien". Sehr interessant wußte Redner den Charakter der polnischen Juden, deren Geschäfts- und Familienleben sowie Verkehr mit deutschen Soldaten zu schildern. Besondere Heiterkeit erweckte das Benehmen eines jüdischen Bäckers, von dem ein Deutscher Offizier Brot kaufen wollte sowie die Unterhaltung eines Offiziers mit einem reichen polnischen Juden, der ganz gern deutsch werden wollte, wenn nur sein ältester Sohn nicht Soldat zu werden brauchte. Auch über das Serbische Volk und die Kämpfe in Serbien wußte der Vortragende manches Ernste und Heitere
wenn Rußland ntcyt siege, es seine Stellung als Kullurnanon verliere....
Entschieden deutlicher sprachen sich die Leute in der Petersburger Stadtversammlung aus. Einige Abgeordnete sind von geradezu todesverachtender Offenheit. So gab dieser Tage der Petersburger Stadtverordnete Schingarew seinen Hörern bekannt, daß der Mut des russischen Volkes gesunken ist, gerade in dem Moment, wo er der höchsten Anspannung aller seiner Kräfte bedurft hätte. Die Begeisterung in der ersten Kricgszeit hätte einer tiefen Niedergeschlagenheit Platz gemacht, die jeden Denkenden mit Schrecken erfüllen müsse. Daran aber sei nicht das Volk schuld, sondern vor allem jene Kräfte, die nicht vom Willen des Volkes abhängig seien. Wen der Abgeordnete damit meinte, hat er deutlich genug durchblicken lassen. Er meinte die Regierung. Ebenso offen sprach der bekannte russische Geistliche Grigori Petrow dieser Tage in einer Kirchenversammlung in Moskau. Er sagte, daß es an der Zeit sei, daß die Russen das wirkliche Gesicht der Deutschen kennen lernen sollten. Seit über einem Jahre beiverfe das russische,Volk das deutsche mit Kot und es kenne nicht im Geringsten dessen vielseitige Meisterschaft auf allen Gebieten der Wissenschaft, der Künste und der Politik. Die Militärzensur hatte zunächst die Veröffentlichung dieser Rede verboten, später aber doch freigegeben. Das ist immerhin bezeichnend.
Unser eroberter Besitz Ansnng 1916.
Eine der beliebtesten Entschuldigungen des Vierverbandes für seine Niederlagen besteht, wie der Korrespondenz „Heer und f£o» ütik“ geschrieben wird, in der Behauptung, daß Deutschland bei Beginn des Krieges auf den Kampf vorzüglich vorbereitet war und darum anfangs Vorteile erringen konnte, daß aber mit der fortschreitenden Zeit der endgültige Sieg des Vierverbandes sicher sei, da unsere Feinde im Laufe der Jett die versäumten Kriegs- rüstungen nachholten. Wie unwahr diese Behauptung in allen ihren Einzelheiten ist, geht daraus hervor, daß unsere Erfolge tatsächlich von Tag zu Tag wachsen und bei Beginn des neuen Jahres ihren augenblicklichen Gipfelpunkt erreicht haben. Wenn man überhaupt von Erfolgen des Vierverbandes in diesem Kriege sprechen kann, so wurden sie grabe bei Beginn des Krieges errungen, als angeblich unsere vorzeitigen Kriegsrüstungen ihnen einen Eriola unmöalick machten. Es war w jener Zeit. als ein
zu berichten. Zum Schluß erklärte Herr Lohrmann noch unsere „Dicke Berta" und deren Wirkung in humoristischer Weise, was besondere Heiterkeit erweckte. Der Vorsitzende dankte Herrn Lohrmann für seine herrlichen Ausführungen, worauf die Anwesenden bei einem Gläschen Bayerischen noch ein Stündchen zusammen blieben.
Von der Bergstraße, 6. Januar. Wenn das milde, frühlingsmäßige Wetter noch wenige Tage anhält, dann wird sich die Bergstraße im Blütenschmuck zeigen. Von den Hängen grüßen bereits die Schneeglöckchen, Veilchen und Primeln. Manche Sträucher überkleiden sich bereits mit dem ersten Grün. In den geschützten Lagen blüht der Mandelbaum, und Aprikosen und Pfirsiche stehen kurz vor der Blüte. Seit langen Jahren erinnert man sich nicht eines solch grünen Neujahrsfestes.
Weihnachten ans Vorposten.
Jetzt geht's hinaus in die stürmische See, Der Wind pfeifft stark von Osten. Wir sollen nach dem Feinde ausspähn, Denn man schickte uns heute auf Vorposten.
Fern von allem Glockengeläut, Fern von den schönen Weihnachtsliedern. So stehn wir auf Vorposten heut, Und denken wie voriges Jahr an die Heimat wieder,
Sie feiern auch nicht wie sonst im Friedensjahr, Dieweil so mancher von den Lieben: Der Vater, Sohn, oder der Bräutigam gar, Auf dem blutigen Schlachtfelde geblieben.
Wir spähen nach Nord und auch nach Süd, Jedoch, es läßt sich keiner blicken.
Wir würden sie auch ohne Unterschied, Mit deutschen Granaten spicken. ww^iiawsi^w--- Der steckt uns noch in den Gliedern.
Und kommst du unserer Küste zu nah', So singen wir dir Weihnachtslieder! ?
Darum Ihr Freunde alle zu Haus, Seid ruhig und tut nicht verzagen. Wir stehen hier und halten aus, Und packen John Bull an dem Kragen.
Min. Matr. Curt Reiffarth, H. M. S. D.
Cuxhaven.
»Trustfreie Zi^arenen
Perlen feldherr ^Ä WDM 5pf. I 3p£
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Leu von watizien und >J|ipreuBen von Den Stutzen ocicgl worden war, und als unser siegreiches Vordringen im Westen in die Stellungskämpfe umgewandelt worden war. Wir hatten zwar damals auch bereits ungefähr 50 000 qkm. feindlichen Landes besetzt, ein Gewinn, dem aber der oben genannte Verlust in Ostpreußen und Galizien gegenüberstand. In der Zwischenzeit aber — die angeblich unseren Feinden die Vorbereitung zum endgültigen Siege ermöglichen sollte — hat sich unser eroberter Besitz,fast verzehnfacht. Diese Zunahme erhält noch dadurch einen besonderen Wert, daß dem Feinde außerdem auch das früher besetzte Gebiet entrissen werden konnte. In runden Zahlen beträgt jetzt unser eroberter Besitz, der die gewaltigen Fortschritte unseres Heeres am besten beleuchtet, 500 000 qkm. Zu den 52 000 qkm, die wir in Belgien und Frankreich bei Beginn des vorigen Kriegsjahre« 1915 besaßen, sind in Rußland mehr als 350 Tausend und auf dem Balkan mehr als 90000 qkm hinzugekommen. Diesen gewaltigen Eroberungen stehen heut nur noch ganz geringfügige Landstreifen gegenüber, die sich heut noch in dem Besitz unserer Feinde befinden. Es handelt sich bekanntlich um ein kleines Stückchen des Elsaß in einem Umfange von 1000 qkm und um den östlichen Teil von Galizien an der Strypa, der auch nur 4000 qkm beträgt. Es ist das Land, in dem jetzt die Russen durch eine starke Offensive vorwärts zu kommen versuchen. Außer diesem Landgebiet haben uns unsere eine Siege Bevölkcrungsvermehrung von 35 Millionen Menschen gebracht. Wir haben in dem ganzen letzten Jahre nicht einen Streifen Landes verloren, sondern bis zum letzten Tage immer neues hinzugewonnen. Daraus geht am besten die „Berechtigung" der Behauptung hervor, daß wir nur am Anfang des Krieges Erfolge erringen konnten, mit dem weiteren Fortschreiten des Kampfes aber immer mehr verlieren müssen. Da aud; auf Gallipoli und im Irak die „Erfolge" der Engländer auf ein sehr Geringes zusammengeschrumpft sind und unsere Feinde auch hier gerade in der letzten Zeit des Jahres überall den kürzeren gezogen haben, so läßt sich die obige Behauptung, daß wir mit dem fortschreitenden Krieg immer stärker werden, auch auf dem letzten Raum des Kriegsschauplatzes ausdehnen. Abgesehen vou dem großen Wert, den naturgemäß solche Faustpfänder im künftigem Frieden haben, hat das ständige Wachstum unserer Eroberungen aber auch die nicht zu unierjchätzende Bedeutung, daß in der Welt die Mär von dem notwendigen Nachlassen unserer Erfolge durch die Tatsachen, die allein im Kriege Geltung haben, vernichtet wird. (Z.)