Mischer Tauchboot an der holländischen Küste gesunken
Deulsch-Siidwesl-Asrika
(Von unserem kolonialen Mitarbeiter.)'
Erst jetzt ist das Kommando der Schutztruppe« in der Lage, auf Grund von Berichten und Briefen eine, wenn auch knappe, so doch zusammensasiende Darstellung der Kriegsereignisse in Deutsch-Südwestafrika vom August 1914 bis Juli 1915, die bekanntlich mit der Ueber? gäbe des Restes unserer Schumrn.-pe in Südwest an einen ihr an Zahl mindestens zehnfach, an Ausrüstung und Munition noch vielfach mehr überlegenen Gegner abschlossen, zu veröffentlichen. Die Mitteilungen bilden ein Dokument unvergänglichen Ruhmes für die tapferen Verteidiger unserer nidwestafrikanischen Kolonie, bemt sie zeigen, daß nicht nur die Angehörigen der Schup- truppe, sondern auch alle andern wehrfähigen Deut- Wn ihren Mann gestanden und mit Freuden Gur und Blut und Leben fürs Vaterland hingegeben haben. Die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit welchen die deutscher: Streiter von Anfang an zu fämpfen hatten, die Schwierigkeit des Geländes und der Verpflegung, die dlcrch den Mangel ieAichen Nachschubs an Manndften und Rlunition aus der Heimat in verhängnisvoller Weise vermehrt wurden, können ebenso wie die Tatsache, daß fast ein ganzes Jahr dazu gehörte, die Verfechter der deutschen Sache zu überwältigen, diesen Ruhm nur vermehren. Mehr als einmal gelang As der deutschen Schutztruppe auch, dem Feinde erhebliche Schlappen mit erheblichen Verlusten beizubringen. Das Gefecht von Sandfontein wird in der Geschiaste der Schutztruppe immer mit Ehren erwähnt werden.
Daß die deutschen Kämpfer in dem Ringen schließlich unterliegen würden und unterliegen nmtzten, stand kaum in Zweifel. Zweihundertfünfzig Offiziere mit wenig über 3400 Mann konnten unmöglich auf bie Dauer einem Feind widerstehen, der nach eigenem Eingeständnis schließlich nicht weniger als 65 000 Mann gegen sie eingesetzt battc, zumal dieser Feind mit dem modernsten Kriegsgerät und allen Hilfsmitteln aufs reichste ausgestattet war und unschwer allen nötigen Nachschub beranfübren konnte. Hatten die Truppen der südafrikanische)) Union doch — um nur eins anzufüü- ren — nach dem Berichte Bothas „Hunderte von Kraftwagen" zur Verfügung, wäbrenö* unsere Schutztruppe über grinse vier Autos verfügte. Nicht wenig beeinträchtigt wurde die Aktion auf deutscher Seite auch durch die Haltung eines Teiles der Eingeborenen, da die Neho- bother Bastards, wohl von englischen Agenten einige? wiegelt, sich erhoben und durch Abteilungen der Schutz- truppen niedergehalten werden mußten. Am Ende aber war es nicht die eigentliche militärische Kraft des Feindes, die unsere Getreuen zum Waffenstrecken nötigte, sondern der Mangel an jeglichen Verpflegüngsvorräten für Menschen und Tiere. Die ehrenvollen Uebergave- bedingungen stellen ein beredtes Zeugnis für die Anerkennung dar, die sich die deutschen Kämpfer auch beim Feinde errungen haben.
Das deutsche Vaterland wird die Tapferen nicht vergessen, die Neberlebenden nicht und noch weniger die Toten, die ihre Treue gegen Lcc Heimat, gegen Kaiser und Reich mit der Hingabe ihres Lebens besiegelten. Stirbt weniger als 51 Offiziere und Sanitätsoffiziere und rund 350 Mann haben in Süd-West ihr Leben für das Vaterland gelassen. Leider wurde-auch der Führer der Schutztruppe, Oberstleutnant von Heydebreck, das Opfer
nicht, bog England viel Freude an seinem Raube, der ihm außer zahlreichen Menschenleben 300 Millionen Mark gekostet hat, — soviel verMang der Feldzug Bothas gegen unsere Kolonie — erleben wird. Die Entscheidung über die Zukunft von Deutsch-Süd-West fällt auf den europäischen Schlachtfeldern, und dieser Entscheidung können wir mit voller Zuversicht entgegen? sehen. Die Geschichte der Kämpfe um unsere Kolonie aber bildet schon heute ein Ruhmesblatt mehr in den Annalen des weltgeschichtlichen Ringens, in welchem sich heute deutsche Kraft und deutsche Vaterlandsliebe überall bewähren.
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Eiu englisches Unterseeboot gesunken.
Haag, 6. Januar. (WTB.) Wie das Marinedepartement mitteilt, traf das niederländische Kriegsschiff „Noordbrabant" heute in der Höhe von Terel, außerhalb der territorialen Gewässer, ein britisches Unterseeboot, das Notsignale gab. Die ganze Besatzung von 32 Mann wurde durch den niederländischen Kreuzer gerettet. Das Unterseeboot ist gesnnke«.
Ein kleines Mißverständnis.
Novelle von Jda John-Arnstadt.
14) Nachdruck verboten.
„Hättest aber auch Mamsell Trinchen nicht so ohne weiteres entlassen sollen," meinte Peter der jüngere mit einem vorwurfsvollen Anflug in der Stimme, kam aber damit nicht gut an bei seinem Onkel. „So?! Sollt' ich vielleicht eine Entschuldigung stammeln vor der anmaßenden Person? Kommt da nachts 12 Uhr hereingeschwebt wie eine beleidigte Göttin und macht mir eine Szene."
„Eine Szene? Trinchen? Nicht möglich!"
„Freilich möglich! Alles möglich bei diesem über- spanmen Frauenzimmer! Hör zu, wie sie sich geber- dete." Jetzt sprach der Bankdirektor in dem hohen Alt- weiberstimmeuton seiner Wirtschafterin: „Da bin ich wieder! Aber denken der Herr ja nicht, daß ich mit dem Herzen komme; das haben der Herr Landesbankdirek- tor mit seinen ehrenkränkenden Worten in den Staub getreten. Nur aus Pflichtgefühl und um der seligen Frau Mutter willen übernehme ich den schweren Posten wieder. Längst hab ichs gemerkt, daß nicht alles Gold ist was glänzt in der Behandlung mir gegenüber. Man ist auch nicht von gestern, wenn zehnmal die Herren im Schweizerhofe dem ganzen Frauengeschlecht das bißchen Verstehdumich ableugnen und stehlen wollen . . . . Und schließlich sagte sie: Daß es der Herr ganz genau wissen, ein Weihnachtsgeschenk nimmt solch ein geschmähtes (Geschöpf nicht an, nicht den Wert einer Stecknadelkuppe! Und Mamsell Trinchen heiße ich auch nicht mehr, sondern so, wie ich getauft bin: Katharina Silber, Fräulein Katharina Silber! . . . Das war doch starker Tabak! Was? Nun, meine zärtlichen Erwiderungen waren natürlich auch nicht von Pappe und so gab ein Liebeswort das andere, bis ihr und mir die Galle überlief und schließlich waren wir geschiedene Leute. —
Aus dem großen Hauptquartier
w- Großes Hauptquartier, 6. Januar 1916. (Amtlich. WTB.) (Eingegangen 2,05 Uhr nachmittags.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Au der Front fanden stellenweise teilweise lebhafte A r t i l l e r i e k ä m p f e statt. Die Stadt Lens wird vom Feinde fortgesetzt beschossen. Nordöstlich von Lc Mesnil wurde der Versuch eines feindlichen Haudgranateuan- griffes leicht vereitelt. Ein gegnerischer Luftangriff auf Douai blieb erfolglos. Durch deutsche Kampfflieger wurden zwei englische Flugzeuge abgeschoffen, das eine durch Leutnant Boelke, der damit das siebente feindliche Flugzeug außer Gefecht gesetzt hat.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Eine im Walde südlich von Jakobstadt vergehende Erkundungsabteilung mußte sich vor überlegenem feindlichen Angriff wieder znrttckziehen. Bei Czartorysk wurde eine vorgeschobene russische Postierung angegriffen und geworfen.
Balkankriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
Dom österr.-ungar. Generalstab
** Wien, 6. Januar. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Kampftätigkeit in O st g a l i z i e n und an der bcssarabischc« Grenze hat gestern wesentlich nachgelassen. Der Feind hielt unsere Stellungen zeitweise unter Geschützfener. Seine Infanterie trat nirgends in Aktion. Auch an allen anderen Teilen der Nordostfront fielen keine Ereignisse von Bedeutung vor.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der knstenländischen Front nahm das feindliche Geschützfeuer stellenweise neuerdings zu. Nördlich Dolje wiesen unsere Truppen wieder mehrere Angriffe blutig ab und behauptete« so die eroberte Stellung. Im Tiroler Grenzgebiete fanden in den Abschnitten von Buchenstem und Riva lebhaftere Artilleriekämpfe statt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Berane und westlich von Rozaj sind die Truppen der Armee des Generals von Koevetz in günstig fortschreitendem Angriff gegen die Montenegriner. Im Gebiet der Bocche di Cattaro trat in den letzten Tagen zeitweise auf beiden Seiten die Artillerie in Tätigkeit. Sonst ist die Lage unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.
v. Hoefer, Feldmarfchalleutuaut.
Der Kriegsberichterstatter des . Rußkoje Slowo" meldet nach der „Ntlztg." seinem Blatte ausführlich über die neue Offensive in Bessarabien und in der Bukowina, die sich vorläufig bis zum Styr erstreckt: Die russische Armeeleitung habe außerordentlich große Trup- penbestänöe hier zusammengezogen und es befinden sich auch zahlreiche den jüngsten Regimentern angehörende Formationen darunter. Von der Wucht der Angriffe rönne man sich weitab der Front kaum eine Vorstellung machen. Der Gegner halte zäh seine Stellungen, wobei ihm besonders die Neuorganisation seiner Verteidigungsstellungen und -mittet zustatten komme; daneben verfüge -er Feind über eine schwere Artillerie, die von furchtbarer Wirkung sei. Es stehe aber zu erwarten, daß diese Offensive andauernd fein werde und sich bald weiter über die Front erstrecken werde, denn Munition sei ausreichend vorhanden. Vor allem solle diese Offensive zahlreiche feindliche Kräfte fesseln und vom Balkan fernhalten.
Der Kampf mit dem Stacheldraht.
Die Petersburger Telegraphen - Agentur meldet: In Kiew eingetroffenen Meldungen zufolge nehmen die Kämpfe an der der rumänischen Grenze benachbarten Front rasch an Heftigkeit zn. Die Schlacht tobt besonders hefttg auf der Front Tarnopol—Trembowla. Ver
Bist Du nun fertig mit Deiner Toilette, kleiner Peter? Und was ist Deine Ansicht?"
„Ich stehe zu Diensten, wie Tu siehst. In Bezug auf Fräulein Katharina Silber aber kann ich Dir nicht unbedingt beistimmen. In ihrer Eitelkeit ist sie ja dock) wirklich verletzt worden, hättest ihr immerhin ein wenig entgegenkommen können."
„Wie? Ich ihr? Ei, das fehlte noch!"
„Aus reiner Selbstliebe, Onkelchen. Denke doch, ein Wirrschafterinnenwechsel nach so langer Zeit muß Dich ja in ein Meer von Aergernissen und Verlegenheiten stürzen. Wo in aller Welt willst Du nun zum Exempel behagliche Feiertage verleben? .... Reise doch lieber! Auf der gräflich Belowschen Burg mag sechs ganz gut wohnen und derweil spiel ich den Vermittler zwischen der erzürnten Jungfrau und Dir und bringe ich die Angelegenheit wieder in das alte Geleise." leise."
„Kein Gedanke, Peter! Meine Weihnachten verlebe ich in der Familie; unter Kindern selbst ein Kind; darauf kannst Du Gift nehmen."
„Was war das?"
Leutnant Peter stutzte und sah seinen Onkel prüfend an; war es am Ende nicht ganz richtig hinter dieser hohen edlen Stirn?
Ja, ja, seine Befürchtungen entöehrten der Wahrheit nicht, denn soeben zog der gute, schon im Ausgehpelz befindliche Onkel den kaum erst rnühsam aufgezwängten, rechten Stiefel aus und lächelte dabei vor sich hin, wie ein verliebter Träumer.
„Hast Du Deinen Entschluß geändert, Onkel Peter? Wollen wir daheimbleiben?" fragte der junge Mann.
„Daheimbleiben?" fragte er verwundert, „wieso? Wie kommst Du darauf?"
„Weil Du Deine Hausschuhe wieder anziehft."
„Ich? Meiche Hausschuhe? Ich hab' dock; beide Stiefeln — an", wollte er hinzusetzen, sprach das Wort aber nicht aus. als er den Irrtum be««rkt«.
mundete russische Offiziere berichten, daß die Folgen dieser Kämpfe sich schon fühlbar machen. Dieselben Offiziere weisen auf die ungeheuren Schwierigkeiten hin, die die Russen auf dieser Front zu überwinden haben, wo die Stacheldrahtoerhane oft in 24 Reihen ausgebaut und mit starkem elektrischem Strom geloben sind, der von eigens zu diesem Zweck eingerichteten Stationen erzeugt wird. Das unmittelbare Herankommen an diese Stacheldrahtverhaue ist unmöglich. Infolgedessen haben die russischen Soldaten folgendes Mittel erfunden: Geschickte Zieler werfen auf diese Hindernisse starke Taue mit Schlingen und ziehen daran, bis sie die erste Reihe des Stacheldrahtes gebrochen haben, dann die zweite, die dritte und so werter.
„ Im russischen Urwald.
Im größten und eigenartigsten Urwalds Europas haben sich der „Ntlztg." zufolge ganz besonders geartete Kampfhandlungen entwickelt, die ebenso lehrreich, wie für die Beteiligten gefahrvoll und aufreibend sind. In den ungeheuerlichen Rokitnosümpfen, die weder Weg noch Steg kennen und in denen Menschen hausen, die kaum jemals mit der eigentlichen Welt in Berührung gekommen sind und die von den elementarsten Bedingungen des europäischen Lebens seine Ahnung haben, haben sich Kleinkämpfe entwickelt. Eine Anzahl von Gegenden dieses Sumpfes können nur im Wm'er, wenn die Sümpfe mit starken Eisdecken überzogen sind, erreicht werdet). In anderen Gegenden bampfett dagegen «ueber heiße Quellen und halten das Wasser in meilen- weitem Umkreise warm. Das Sumpfgebiet ist annähernd 30 000 Quadratkilometer groß. Die Truppen könnet) hier auch nur in ganz kleinen Gruppen Vordringen. Die Kriegführung in dieser entsetzliche)) Wildnis entbehrt nicht der Romantik.
Schwierige Lage Griechenlands.
Haag, 7. Januar. (T. 11.) Reuter meldet nach der „Tgl. Rdsch." aus Athen: Die Lage der Regierung ist schwierig, da der Einspruch des Vierdundes Griechenland für die Verhaftung der Konsuln verantwortlich gemacht hat. Die Presse bringt längere Ausführungen über die Entfernung der griechischen Behörden von Saloniki, die von den Gesandten der Verbündeten als wünschenswert bezeichnet worden ist, falls es binnen kurzem zu Kämpfen kommen sollte.
Bedingungen für die Freilassung der Konsuln.
Der Sofioter „Utro" meldet: Einer hiesigen neutralen Gesandtschaft ist die Mitteilung zugegangen, daß sich die englische Regierung bereit erklärt habe, die ge-. fauenen Konsuln freizulassen, falls einige Vertreter von England und Frankreich, die in den Hauptstädten der Verbündeten festgehalten sind, retgelaffejt werde«. Die englisch-französischen Verhandlungen hierüber sind beinahe beendet. Ein gemeinschastticher Beschluß von England und Frankreich wird der griechischen Regierung bald mitgeteilt werden.
Heftige serbisch-albanische Stampfe.
Petersburger Blätter .reiben nach der „Ntztg." aus Athen, daß in der Nähe von Tirana heftige Kämpfe zwischen größeren Abteilungen der serbischen Armee »nd starken Alvanerbanden toben. Die Albaner haben es anscheinend in der Hauptsache auf die Erbeutung des serbischen Proviants abgesehen, den die erwähnten Abteilungen in letzter Zeit von der Küste aus erhalten
Die Verluste des englischen Heeres an der Westfront.
Nach einer Meldung der „B. Z." verlautet aus London: Nachdem die indischen Truppen von der Westfront zurückgezogen sind, bat der englische OberbesehlS- Haber Ersatztruppen aus England gefordert. In der Begründung sagte er, daß die englische Armee an der Westfront seit dem 1. Oktober 1915 durch Verluste und Rücktransporte ein Fünftel ihrer Zahl einbützte, wofür nur ganz geringe Ersatzabtei- lungeu eintrafen. Die englische Front im Westen sei jedoch ausgebreitet worden, so daß es notwendig würde, die Reservelinien der Engländer stellenweise mit französischen Truppen auszufülleu. Wenn kein Ersatz aus England komme, werde also in einem Jahre das englische Heer im Westen ufgebraucht 'ein.
Die englischen Verluste von Loos.
_ „Westminster Gazette" teilt mit, daß die Gesamtver- luste der Engländer in der Schlacht bei Loos in der Zeit vom 25. September bis zum 8. Oktober betrugen: 773 Offiziere gefallen, 1288 verwundet, 317 vermißt; Mannschaften 10 345 gefallen, 38 095 verwundet, 8848 vermißt; zusammen 59 766 Offiziere und Mannschaften.
Arbeiterschaft und Wehrpflichtgesetz.
w Christiania, 7. Januar. (T. U.) Wie aus London nach der „Bl. Mp." gemeldet wird, hielten die Re-
„Das kommt davon," rief er ärgerlich, „weil ich noch nicht ganz fertig bin mit der Toilette; ich spürs immer in den Fußspitzen, ob ich rasiert bin oder nicht. Vorwärts! Gehen wir in den ersten besten Rasiersalon! — Freilich, wenn so ein neumodischer Windbeutel von Bartkratzer mir die Schönheitslinie verdürbe! Gerade heute, wo so viel darauf ankommt!"
Bei diesen Worten erschien dem jungen Paul des Onkels Anstrengung, die lederne Fußbekleidung wieder anzubringen, wie ein Anfall von Tobsucht; statt hilfreich betzuspringen, ließ er ihn mit anschwellenden Schläfen die seltsamsten Arm- und Beinbewegungen ausführen und wich bestürzt zurück, als der alte Herr, das schwere Werk vollbracht habend, endlich auf die Füße sprang wie ein ganz junger Mann; auch auf der Straße hielt er sich immer einen Schritt hinter ihm, und sah sich fortwährend um, ob nötigenfalls ein Dienstmann zu etwaiger Hilfe in der Nähe sei. Dazu erinnerte er sich einer Menge von Tatsachen, welche seinen traurigen Verdacht bestätigen mußten.
Armer Bankdirektor! So mißverstanden zu werden! Im Friseurladen wich Leutnant Paul nicht von seiner Seite, immer in Furcht, sein Onkel könne dem einseifenden Adonis das Messer aus der Hand reißen.
Und gar erst im Wiener Cafee! Hinter einer Zeitung hervor beobachtete er jede Bewegung des vermeintlich nicht mehr ganz richtig gehenden Onkels; die harmlosesten Worte, namentlich aber jene das Beckersche Weihnachtfest betreffende Pläne, welche sein Onkel mit einer wahren Begeisterung ausarbeitete, nahm er scheinbar zustimmend auf; heimlich aber stenographierte er alle in sein Notizbuch, das er bei dieser Gelegenheit, nämlich noch am selben Vormittag, unter dem Vorwande, einmal nach „Mohr" und „Schufterle" sehen zu müssen, dem Hausarzt Doktor Goldbach vor- legte.
(Fortsetzung folgt.)