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, j Der Krieg ln den Kolonien,

Aus den Kameruner Kämpfen.

Das englische Pressebureau veröffentlicht einen ein­gehenden Bericht über die letzten Kämpfe in Kamerun und die Eroberung von Banyo, der aber durch ver­öffentlichte Feldpostbriefe teilweise widerlegt wird. Der offiziöse Bericht schildert, wie derLok.-Anz." meldet, die Schwierigkeiten, die die Engländer Hatten, um die aus 22 Deutschen und 200 Eingeborenen mit drei Ma­schinengewehren bestehende Garnison von Banyo zu vertreiben. Banyo, das schließlich von den Deutschen verlassen wurde, als sie sich in eine neue Stellung in dem dahinter gelegenen Gebiet zurückgezogen, erregte die Bewunderung der Engländer, da nicht nur lauter mit Glasscheiben, sondern sogar Gemüsegärten vorhan­den waren. Das Gefecht um die Gebirgsstellung war äußerst schwierig, da die Deutschen jeden Zoll vertei­digten. Die britischen Verluste sind schwer. Ein Haupt­mann, ein Leutnant und ein Fähnrich sind gefallen, ein Hauptmann und zwei Leutnants verwundet, 51 Soldaten getötet oder verwundet. Aus den ausgedehnten, wohl- Lefestigteu, im Bericht lobend erwähnten Verteidigungs­werken schließt das englische Presseburea», daß die Deutschen gehofft hatten, die Gebirgsstellung als Stütz­punkt und Ausfall zu benutzen, daran aber durch ge­ringe Truppenzahl verhindert wurden. DieMorning Post" veröffentlicht einen Feldpostbrief über dieselben Kämpfe, woraus hervorgeht, daß die Deutschen bereits umzingelt waren und, ohne von der Hauptmacht der weit überlegenen Angreifer bemerkt zu werden, deren Linien durchbracherc. Sie überrumpelten die Wachen und konnten sich, ohne irgendwelches wertvolle Material zurückzulassen, zurückziehen.

«rleasallerlei.

Weitere Friedensversuche des Papstes.

Der WienerReichspost" zufolge meldet die Mai­länderPerseveranza", daß der Papst seine Friedens- versuche fortsetzt. In letzter Zeit habe er besonders auf die Entente einwirken wollen, jedoch ohne Erfolg. Die Entente habe mit ausweichenden Redensarten geant­wortet. Der Papst habe geäußert, daß die größten Schwierigkeiten nicht von den Mittelmächten, sondern von der Entente herkämen. DiePerseveranza" findet das begreiflich, die Mittelmächte seien jetzt in einer gün­stigen Lage, während die Entente mit der Zeit als ihrem Bundesgenossen rechne.

Die Erlebnisse eines amerikanischen Bizekonsuls in Rußland.

DemAz Est" wird aus Neuyork gemeldet: Der frühere amerikanische Vizekonsul Francis Mallet traf mit dem DampferFrederek VIII" ein. Der Vizekon­sul reiste im vergangenen Jahre von Budapest nach Rußland, um die österreichisch-ungarischen Gefangenen­lager zu besuchen. Es gelang ihm nicht, sein Ziel zu erreichen, da Mallet in Petersburg verhaftet wurde. Ueber seine Erlebnisse äußert sich Mallet nach einer Btt- dapester T. U.-Meldung folgendermaßen: Nach Ans- bruch des Krieges übernahm das amerikanische Konsulat in Budapest den Schutz der russischen und serbischen Untertanen. Später reiste ich nach Rußland, um die österreichisch-ungarischen Gefangenenlager zu besuchen. Am 1. Januar 1915 traf ich in Petersburg ein und lo­gierte im Hotelde France". Nachts gegen 2 Uhr er­brachen Zivilisten, Offiziere und sechs Soldaten mein Zimmer und ich erhielt den Befehl, mich auf eine Bank zu setzen, mit dem Gesicht nach dem Ofen gerichtet unb mich nicht zu rühren. Mein Gepäck wurde durchwühlt und ich in ein Untersuchungsgefängnis gebracht. Später verschleppte man mich in einen Kerker, in dem votitische imw|U|kmU^||||H|^^

litt) der Spionage verdächtig.^ Es wurde mir unmöglich gemacht, mit der russischen Regierung oder der ameri­kanischen Botschaft in Verbindung zu treten. Meine Befreiung erfolgte auf Umwegen durch eine vornehme Dame. Fünfzehn Tage war ich in eine unterirdische Zelle eingesperrt, die von Ungeziefer wimmelte. Alle meine Schriften und : rein Geld wurden mir forige- nommen. Nach meiner erfolgten Freilassung trat ich die Reise rrach Neuyork über Skandinavien an.

Der Sleuerbedars des Reiches.

Von den künftigen Steuern wissen wir nur, daß sie kolossal" sein werden. Ein Versuch, diesen allgemeinen Begriff in Zahlen einzuschließen, wird in denFrank­furter Nachrichten" gemacht. Dabei läßt das Blatt Kriegsentschädigungen in jeder Form unberücksichngt, was zur Beurteilung der Zahlen naturgemäß wesentlich ist. Die Berechnung des Blattes stellt also somit eine eventuelle Höchstbelastung des bcntVoen Volkes dar. Im einzelnen meint das Blatt:

Unter solcher Voraussetzung bewegt sich der rnahr- scheinliche Gesamtbetrag der Kriegs- und Wieder- Herstellungskosten zwischen 40 und 50 Milliarden, ent­sprechend einer jährlichen Zinslast von 2000 bis 2500 Millionen. Einschließlich der Renten summen würden Reich, Staaten und Gemeinden eine dauernde Mehrbelastung von mindestens 3500, vielleicht 4000 Millionen zu tragen haben ... In Friedenszeiten wäre das Reich bei schätzungsweise 2100 Millionen Rein- ausgaben angelangt; davon etwa 1700 Millionen für Heer und Flotte,' 200 Millionen für Schuldenzinien. Nimmt man die früheren Aufwendungen als annähernd gleichbleibend an, so würde das Reich in Zukunft an Zinsen und Renten allein gegen viertausend Millionen aufbringen müssen: bei einem Gesamtaufwand von nicht weniger als sechs Milliarden. r

Wie dieser Betrag aber auch beschafft werden mag: seine Höhe muß auf die innere Struktur des Reiches wirken. Bis zum Krieg waren die Gesamtausgaben der Bundesstaaten höher als die des Reiches; bei fort- dauerndem Frieden wären sie annähernd gleich ge­worden. Künftig würde, die volle Last der Kriegs- ausgaben vorausgesetzt, das Budget des Reiches m:n= bestens zweieinhalb mal so hoch sein wie das der Bundesstaaten. Statt einer Summe von emzelstaatlichen Haushalten, mit einem Ueberbau gemeinsamer Aus­gaben, hätten wir ein riesiges Finanzgebäude des Reiches, mit Seitenflügeln, in denen die kleineren Som derbetriebe der Bundesstaaten sich emrrchten. Dies Er­gebnis bat mit der Verfassung des Reiches nichts zu tun: es folgt automatisch aus der unabwendbaren Ver­schiebung der Geldmacht." . .

Die gesamten Ausgaben Deutschlands, für die Deckung zu schaffen wäre, würden also wachsen aus 8 Milliarden Mark.Die Größe der Summe ver­einfacht auch in gewissem Sinne das Problem: man wird die Milliarden berueßmen, wo sie zu haben sind. Also direkte Steuern und indirekte; Steuer auf Knegs- gewinn und Steuer auf sonstigen Vermogenszuwachs. Der Betrag nur der reinen Kriegskosten (ohneReutens wird so groß sein, wie das Vermögen sämtlicher deutscher Millionäre zusammengenommen. Die jährliche Belastung ist so groß, wie das Gesamteinkommen aller Deutschen mit mehr als 20 000 Mark Jahreseinnahmen.

Die Steuer allein von den RetMn zu nehmen, ist somit unmöglich. Auf das ganze Volk wird sich die Last ver­teilen müssen. Wie: das wird zu seiner Zeit mit hin­reichendem Tenrperament erörtert werden."

Vermischtes.

Sparbücher für Kriegswaisen. Die städtischen Körperschaften von Berlin-Schöneberg haben die Stif­tung von Sparbüchern an Kriegerwaisen beschlossen. Jedes noch nicht konfirmierte Kind, das Kriegswaise ist, erhält aus den Ueberschüssen der städtischen Sparkasse ein Sparbuch mit einer Einlage von 30 Mark, das in Höhe dieses Betrages und der aufzulaufenden Zinsen bis zur Einsegnung des Kindes gesperrt wird.

Zwei wackere Kinder haben in Berlin durch ihre Geistesgegenwart einen gewerbsmüWen Einbrecher unschädlich gemacht. In dem Hause Michaelkirchstratze 19 war eine Witwe in der Mittagszeit ausgegangen. Da sahen zwei Kinder von 10 und 11 Jahren, die in dem Hause wohnen, einen fremden Mann aus der Wohnung, deren Inhaberin sie kennen, mit einem Paket beladen herauskommen. Sie folgten ihm, bis sie einen Schutz­mann sahen. Dieser nahm den Verdächtigen fest, und die Annahme der Kinder erwies sich als richtig. In der SSotmung der Witwe waren Schränke und andere Behältnisse erbrochen, und der Eittbrecher hatte für mehrere hundert Mark an Geld, Schmucksachen und

anderen Dingen gestohlen.

Was Gerettete derPersta" erzählen. Reuter mel­det aus Alexandrien: Die Geretteten derPersia" können nicht viel erzählen, da sich der Vorgang des Sin­kens so rasch abspielte, daß sie kaum etwas vom Her­gang wissen. Man hatte eben mit dem Frühstück be­gonnen, als eine heftige Explosion stattfand. Das ganze Schiff wurde stark erschüttert und neigte sich sogleich nach Zackbord. Die von den Stühlerr aufgestanden waren und die, die sich noch nicht im Salon befanden, hatten einige Aussicht, zu entkommen. Viele andere waren wie gelähmt. Sie blieben sitzen, als ob sie an den Stühlen festgenagelt wären. Einige, die das Deck er­reichten, konnten sich nicht aufrecht erhalten, sondern glitten in die See, während andere durch die Wellen weggespült wurden. Keine Panik entstand. Der ge­rettete Amerikaner Grand erzählte, er wurde in die Tiefe gezogen und geriet mit den Schuhen ins Tauwerk, kam jedoch los und gelangte an die Oberfläche. Er ' --------- ;te, was

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kam jedoch los und gelangte an die Oberfläche. Hämmerte sich an einige Wrackstücke. Das letzte,

er von derPersia" sah, war, daß der Bug hoch aus dem Wasser ragte und das schon fünf Minuten nach der Explosion. Als diePersia" sank, sah man, Grand zu­folge, ein schreckliches Schauspiel. Das Wasser war schwarz wie Tinte.

Es darf nicht gewahrsagt werden. Die sechzigjährige Näherin Anna Elisabeth Jungkind in Leipzig Hatte zwei Frauen dafür, daß sie ihnen einenBlick in die Zu­kunft" vermittelte, 30 und 50 Pfg. abgenommen. Ein­wendungen gegen die Richtigkeit der Wahrsagung wur­den nicht erhoben. Das Wahrsagen ist aber durch eine Ratsverordnung in Leipzig unter allen Umständen unter Strafe gestellt, gleichviel, ob das Orakel sich als zutreffend erweist oder nicht. Die prophetische Näherin wurde daher vom Schöffengericht zu einer Haststrafe von einer Woche verurteilt. In der Verhandlung bekundete ein Zeuge, daß dasWartezimmer" der Zukunftsdeu­terin immer bis auf den letzten Platz besetzt gewesen sei. Die Leute scheinen an der Pleiße hiernach doch nicht Heller zu sein als anderswo.

Ein Engländer als verunglückterKistenreisender". Der Fluchtversuch eines englischen Hauptmanns wurde in dem Offiziersgefangenenlager zu B. rechtzeitig em- deckt. Der Offizier hatte sich bei dem " *-« «

Zukunftsdeu- .esetzt gewesen hiernach doch nicht

und hoffte aus diesem Wege die Freiheit erlangen zu sönnen. Indessen wurde ein Wachtposten aufmerksam, als einverdächtiges Geräusch" aus dem Versteck drang. Er ließ den Korb öffnen und nahm den Hauptmann fest.

kriegssthrle» nutet dem Halbmond.

(Schluß.)

Ich bin davon überzeugt, daß der Mann im allgemei­nen überhaupt garnicht weiß, wofür er kämpft. Der Padi- schah hat es besohlen, und Allah hat es gewollt sein Wille geschehe! Wo er steht, da steht er, aber er mefß, daß in diesem Kriege seine Offiziere mit ihm stehen bleiben, und daß er dann dem verhaßten Jnglis über­legen ist. Denn die Jnglis haßt er. Er hat gehört, daß sie früher seine Freunde gewesen seien. Und doch haben sie die neuen Schiffe, die sie für die Türkei an­gefertigt, bei Kriegsausbruch für sich behalten, trotzdem sie mit freiwillig gespendeten Spargroschen des ganz kleinen Mannes schon bezahlt waren! Ja, er haßt die Jnglis, während er die Franzosen, die an anderer Stelle ihm gegenüber stehen, nur bedauert und verachtet. Tom comme chez nous! Viele auch glauben, daß sie für die Deutschen kämpfen und ihr Blut vergeben müssen. Aber dieAlleman" schätzt und achtet er, denn sie sind immer vorne im Kugelregen bei ihm, sie sorgen für ihn aufs beste und behandeln ihn gut. Seit vielen, vielen Jahren steht der türkische Soldat im Kriege; er Hai gegen Griechenland, Serbien, Bulgarien, Italien, auf dem Balkan und in Tripolis gekämpft, und meistens ist die Sache schlecht für ihn verlaufen. In diesem Kriege aber, trotzdem er gegen die mächtigen Franzosen, Rüsten und Engländer geführt wird, ist es ganz anders. Ei' siegt und braucht nicht zu hungern, und wenn er ver­wundet oder krank ist, so hat er seine tadellose Ver­pflegung; ja sogar Löhnung und Tabak belommr er! Da er sich das alles nicht so recht erklären kann, so meint er wohl, daß das dieses Mal gar kein Krieg sei! Aber das Selbstvertrauen ist in ihn zurückgekehrt, und so hält er mit seinen deutschen Freunden fest und zäh aus, wenn auch noch so wild die schweren Schiffs­granaten auf seine Stellung niederprasseln und die Grüben teilweise zerstören. Drum ist es den Hundert- tausenden von Feinden trotz der vielen, nieten großen Kriegsschiffe und Geschütze auch nicht geglückt, in den langen Monaten mehr zu erzielen, als das kleine, schmale Stückchen Küste zu besetzen. Aber daran an­schließend liegen die hohen Berge, und die hat er fest und stark besetzt, und auch die Riesengeschosse der feindlichen Schiffe werden ihn nicht von dort verjagen.

Und mit welcher Begeisterung ist er, der in der Hauptsache sich bisher aus die Defensive beschränken mußte, auch draufgegangen, als es hieß, die Engländer aus einigen Gräben und Stellungen, in die sie durch gewisse Umstände bei den gewaltigen LandungSversuchen im August einzudringen vermochten, wieder hinans- zuwerfen! Unter wildem Allahrnfen stürzten die tür­kischen Soldaten unau'haltsam vorwärts, und bald waren die Gräben wieder in ihrer Hand. Wir wissen ja von den großen Offensiven der Feinde im Westen her, wie eine solche vorbereitet wird. So machten es auch hier die Engländer bei ihren Landnugsversuchen. Zuerst tagelanges Artilleriefeuer, aus allen Land- und Schiffskalibern. Granaten und Schrapnells, grüne, gelbe und schwarze Rauchsäulen! Tag und Nacht. alle Verbindungen nach rückwärts unmöglich gemacht.

Allein 3040 000 Granaten schwerer Kaliber sind bei einem Angriff so am die titrkischen Gräben gefallen. Dann, gegen Abend, plötzlich Totenstille und Aufhören des Feuers. Das bedeutet den nun folgenden Infanterie- sturm des Feindes gegen die türkischen Gräben! Von diesen kann und darf er annehmen, daß ihre Besatzung bis auf den letzten Mann gefallen ist. Und scheinbar ist es auch so, denn näher und näher schiebt sich der Angriff, ohne daß der Verteidiger sich bemerkbar macht. Da auf einmal bricht ein rasendes Schnellfeuer aus den fast zerstörten Gräben, und gleichzeitig erfolgt ein wü­tender Gegenangriff, oer den Feind zur Flucht zwingt. Auch nicht einen Fuß breit Boden gewann er. So ging es auch am 6. August, als die türkischen Reserven die über die schwachen auf dem rechten Flügel stehenden Küstenschutztruppen hinweg vorgedrungenen Engländer in wuchtigstem Gegenangriff zurückwarfen. Lediglich ihre Stellung verlängern konnten die Feinde, nicht aber sie nach rückwärts vertiefen. Noch immer überhöhten die türkischen Stellungen an allen Punkten die der Eng­länder, und trotz allen Aufwandes an Opfern ist es diesen nicht gelungen, ihre Stellungen mehr wie 2 Kilo­meter von der Küste aus vorzuschieben. Genau so erging es den Angriffen vom 26. bis 28. August, wo sich die Engländer des Kiretsch Tepe bemächtigten und nach Anaforta durchstoßen wollten. Ungeheure Verluste waren die Folge.

Natürlich hat auch der türkische Verteidiger große Verluste aufzuweisen, nie eben durch die vielen Offeu- stvitöße unvermeidlich sind. Aber im Ganzen Großen ist der Krieg auf Gallipoli ein Schützengrabenkrieg, der mit Hiffe der deutschen Kampfgenossen auf Gründ ihrer Erfahrungerl im Westen und Osten mit den Mitteln, die den Türken zur Verfügung standen, geführt wird. Telegraphen- und Telephondrähte überziehen das ganze Gebiet. Flieger, Minen und Handgranaten, oft aus ganz provisorischem Material verfertigt, kommen zur Wirkung. Außer Geschützen neuester Konstruktion werden auch alte Kanonen, die man in Arsenalen versteckt anf- gefunden hat, mit Erfolg verwendet und auf dem Gebiet der Munitionsversorgung war man dank deutscher Or- ganisationskraft und Zähigkeit soweit gekommen, daß auch diese wichtige und zeitweise sogar brennend ge­wesene Frage vollständig gelöst ist. Eine spätere Zeit erst kann aber gerade auf diesern Gebiete den großartigen Leistungen gerecht werden, die deutsche Offiziere im Verein mit den Türken aufzuweisen haben. Man darf aber, ohne die großartigen türkischen Leistungen in irgend welcher Weise verkleinern zu wollen, doch wohl sagen, daß gerade die deutschen Offiziere das antreibende, auf- munternde Element gewesen sind. Dieses hat veranlaßt, daß sich die durch mangelnde Fürsorge und Ausbildung sowie durch die Mißerfolge der letzten Kriege unsicher und energielos gewordene und dem Fatalismus zu­neigende osmanische Armee rvieder auf ihren alten Kriegsruhm und die damit verbundene Unternehmungs­kraft besann und nicht von vornherein das Spiel aufgab. Und es wäre zu schade gewesen, hätte sie das getan! Ein solch prachtvolles Soldatenmaterial, wie es der tür­kischen Armee zur Verfügung steht, besitzt kaum eine zweite Armee Europas, stuf ihm als breiter Grund­lage kann die türkische Nation mit vollstem Vertrauen daran gehen, die ehemals so große, tapfere und berühmte osmanische Armee wieder aufzubauen. Sie muß nur den guten Willen dazu haben, die Sache richtig und energisch in die Hand zu nehmen, die Hilfe der deutschen Berbündeterr ist ihr dabei aewitz. Wenn man bedenkt, wieviel bereits in den 2 Jahren seit dem letzten Baikan- kriege geleistet worden ist, wenn man Vergleiche anstellt zwischen dem trostlosen Zustand von damals und den glänzenden Erfolgen von heute

irgenden Ereignisse an eine systematische Schulung oder eine Abstellung der Mängel noch garnicht zu denken gewesen. Unvergeßlich wird mir all das sein, was Exzellenz Liman von Sanders beim Abschiedsrnahl mir über die gange Entwicklung der Dinge in den letzten Jahren und speziell während der letzten Monate 'aus Gallipoli auseinanderzusetzen die Güte hatte. Mit echter und tiefer Bewunderung habe ich aufgeseheu zu dem Manne, der als oberster Leiter auf der steilen Höhe der Verantwortlichkeit mit ganzer Schaffenskraft und zähem Durchhalten bis zum vollen Erfolge steht, und dessen Wille zum Sieg alle Soldaten durchörircat und begeistert.

Als ich das Hauptguattier und gleichseitig damit die Gallipoli-Front verließ, und das Geschaute und Er­lebte noch einmal ruhig und gesammelt überdachte, da kam ich als objektiver Beurteiler auf Grund meiner Eindl'ücke zu der Ueberzeugung, daß es den Feinden nie glücken wird, die Dardanellen zu nehmen und auf diesem Wege sich den Zugang nach Konstantinopel zu erzwingen. C. W.

Weitere Drahtnachrichten.

Blutige Unruhen in Tunis.

^ Zürich, 6. Januar. lT. N.)Secolo" meldet nach derDtsch. Tgsztg." aus Paris: In der Vorwoche sind unter den Eingeborenen in Tums anläßlich der vor« genommenen Ansmusterungen blutige Unruhen ausge­brochen. Die Eingeborenen verjagten die Gestellungs- kommission und ermordeten einen der Vorsitzenden der, selben, einen französischen Major.

Englische Kaperei.

w> Genf, 6. Januar. (X. 1L) Laut einer Lyoner BlÄtermeldung aus Algeciras kaperte, derVoss. Ztg." zufolge, das englische Geschwader in der Nähe der Meer­enge von Gibraltar ein griechisches Schiff. Die Passa­giere des Dampfers, etwa 20 Bulgaren und Oesterreichs! wurden in dem Konzentrationslager in Gibraltar inter­niert.

Joffres Armeebefehl.

^ Paris, 6. Januar. (WTB.) Das Militärblatt veröffentlicht einen Armeebefehl des Generals Ioffre zum Jahreswechsel, in dem es u. a. heißt: Im Artois, in der Champagne, im Woevre und in den Vogesen haben wir dem Feinde gewaltige Niederlagen und blu­tige Verluste, stärker als die unsrigen beigebracht. Die Trnppenbestände des deutschen Heeres vermindern sich täglich. Sämtliche deutschen Kolonien sind entweder von der Welt abgeschnitten oder in unseren Händen. Da­gegen verstärken sich die Alliierten fortwährend. Die Mittelmächte sind finanziell und wirtschaftlich erschöpft. Während unsere Feinde vom Frieden sprechen, denken wir nur an Krieg und Sieg.

Unglaublich, was sich Ioffre wieder einmal leistet!

Schiffsznsammenstoß bei Malta.

«b^ Wien, 6. Januar. (WTB.) Die Südslavische Korrespondenz meldet aus Athen, daß ein leerer fran­zösischer Transportdampfer bei Malta mit einem eng­lischen Dampfer zusammenstieß und sank. Die Be­satzung wurde vom englischen Dampfer gerettet, ebenso die Gemahlin des französischen Gesandten in Athen, die nach Par-is reiste. Mit dem Dampfer gingen viele Schriftstücke der französischen Gesandtschaft verloren.