Einzelbild herunterladen
 
  

gelte nS. IM^vE man die gaure Schuld am msyer w unglücklichen Verlarffe des Krieges und der Nus- sichtslosigkett der Lage bei. Harte Urteile hörte man auch über Finanzminister Ribor, der deur Lande vorcäusche, die Kriegsanleihe sei ein Riesenerfolg, sei die „Tieaes- änlethe" gewesen, während ihr Ergebnis in Wirklichkeit eine Niederlage wäre. Mehr als einen bescheidenen Pflichtanteil habe der große französische Besitz nicht ge­zeichnet, weil er die Partie als verloren betrachte und in die Regiermig nicht das leiseste Vertrauen hege. Da­rum das wahrhaft klägliche Resultat. „Was wollen Sie," sagte mir eine bekannte Persönlichkeit, „man zeichnet doch nicht für — England," schloß der Spanier seine Mitteilungen.

Neuer großer Bierverbandskriegsrat.

Nach Pariser Meldungen findet am 12. Januar der neue große Kriegsrat der Verbündeten in Parts statt, woran außer den englischen und französischen Mi­nistern auch der italienische und der russische Kriegs­minister teilnehmen sollen. Der stellvertretende italie­nische Generalstabschef Porro ist in Paris eingetroffen.

Italien geht auch nicht nach Aegypten.

Die „Nationalzeitung" berichtet aus Basel: Nach indirekten römischen Meldungen haben außer Frankreich auch die italienischen Regierungskreise das englische Er­suchen um Teilnahme aller Ententestaaten an der Ver­teidigung Aegyptens mit einem ablehnenden Bescheid erwidert.

Die Wehrpflichtigen Englands.

F s-t- London, 5. Januar. (T. U.) Reuter meldet nach der „Boss. Ztg.": Nach den amtlichen Feststellungen gibt es im Bereinigten Königreiche 2 179 231 unverheiratete und 2832 210 verheiratete Leute wehrpflichtigen Alters. Hiervon haben sich seit dem 23. Oktober, dem Tage an dem Lord Derbos Werbeieldzug begann 1150000 Un­verheiratete und 1679 263 Verheiratete zum Waffen­dienst angeboren. Weiter 207 000 Unverheiratete und 221853 Verheiratete wurden als untauglich zurückge- wieien, '»daß die Werbung insgesamt 2 400 410 Mann ergeben hat. 1029 231 Unverheiratete haben sich über­haupt nicht aemeldet.

Nach Londoner Meldungen sieht ziemlich fest, daß die bedingte Webrpslicht, wenn nicht einstimmig, so doch mit erdrückender Mehrheit angenommen werden wird. Im Gegensatz zu dem Bericht einer englischen Presse­agentur meldet Remer, daß die Ausdehnung der Wehr­pflicht auf Irland ganz ausgeschlossen sei.

Der Unterieebootskriea.

„Geelong" infolge Zusammenstoß gesunken.

„Llovds" meldet, daß der Dampfer „Geelong", der nach einer Reutermeldnug im Mittelmeer versenk wor­den sein sollte, nach einem Zusammenstoß mit dem bri- tischeu Dampfer „Bonvilston" im Mittelmeer gesunken ist.

Amerikanische Ubootnote.

S-* RGterdam, 5. Januar. (T. U.) Der „Times" wird aus Washington nach dem „B. L.-A." gemeldet, daß Lansing dem Präsidenten Wilson eine neue Note vorlegte, die Oesterreich-Ungarn, Deutschland, der Tür­kei und Bulgarien mitgeteilt werden soll, und worin die amerikanische Regierung fragen wird, ob die Verbünde­ten hinsichtlich der Sicherung der Amerikaner zur See der gleichen Auffassung seien. Die Note sei die Folge von Nachrichten, daß das U-Boot, das den Dampfer „Persia" versenkte, ein türkisches war. Man argwöhnt, daß ein neuer Angriff vielleicht von einem bulgarischen Unterseeboot ausgeführt werden soll. Die amerikanische ^Regierung glaubt nämlich, daß sämtliche feindliche U- Boote im Mittelmeer, gtetcyvtet welche Flagge sie- )M- ren, von deutscher Herkunft und auch von Deutschen be­mannt seien.

KrlessaNerlel.

Französisches Leveusmittelausfuhrverbot nach England.

Nach einer Pariser Meldung des „Lyoner Nouvel- liste" beschloß die französische Regierung, um der Teue­rung der Lebensmittel zu steuern, die Ausfuhr nach England provisorisch zu verbieten.

5000 Franken Prämie für N-Bootsanzeigen.

Die englischen Behörden haben nach einer HavaS- Meldung aus Saloniki eine Anzeige erlassen, in der 5000 Franken jedem angeboten werden, der Angaben über die Anwesenheit deutscher Unterseeboote im Aegä- ischen Meer machen kann.

Fabrikation künstlichen Gummis in Rußland?

Nach einem Petersburger Telegramm stellte die rus­sische Regierung 300 000 Rubel für die Errichtung einer Fabrik bereit, tu der künstlicher Gummi aus Alkohol hergestellt werden soll.

Der Gewaltakt in Saloniki.

Die „Voss. Ztg." schreibt zu der Meldung, daß die in Saloniki verhafteten Konsuln nach Marseille und von da zur Schweizer Grenze gebracht werden: Die Kon­suln werden also in Freiheit gesetzt und die Verhaftung Hatte die Bedeutung einer gewaltsamen Ausweisung. Ein Völkerrechtsbruch bleibt es nicht minder. Das Ver­langen der griechischen Regierung, die verhafteten Kon­suln den griechischen Behörden zu übergeben, lehnten Frankreich und England demonstrativ ab. Sie ließen die Konsuln zwar frei, aber ohne der griechischen Regie­rung Genugtuung zu geben. Der „Berl. Lok.-Anz." schreibt: Die politische Gewalt ist nicht mehr in griechi­schen Händen. Wenn Griechenland sich nicht mit Ge­walt sein Recht verschafft, so werden sehr bald seine • eigenen Beamten nicht sicherer in seinem Lande sein als die fremden Staatsangehörigen.

Kriegssahrlen unser dem Halbmond.

IV.

Nun sollte ich den türkischen Soldaten in seiner eigentlichen Tätigkeit an der Front kennen lernen. Der Kommandeur der schweren Artillerie auf Gallipoli, Oberst W., mein alter Artillerieschulkamerad, lretz es sich nicht nehmen, mir persönlich seine Hauptartillerie- stellmlgen zu zeigen, die von ihren beherrschenden Höhen aus den besten Ueberblick über das ganze Kampfgebiet gewährven. Diesem Umstände und den erschöpfenden Erklärungen dieses um die Verteidigung der Dardanellen so überaus verdienten Offiziers hatte ick es zu ver­danken, daß ich mir schnell ein klares Brld von der Lage schaffen konnte. Auf unseren gemeinsamen Ritten zur Front gab es Jtttereffantes und Anregung in Hülle und Fülle, und ihnen verdanke ich viele tiefe Eindrücke, die ich empfangen. >

In frühester Morgenstunde meist ritten wir fort. Herrlich ist die Sonne aufgeaaugen, und prachtvoll klar und durchsichtig die Luft. Von ferne her grollt das Artilleriefener zu uns herüber, und ein Flieger zieht lveit von uns seine Kreise. Zum Greifen nahe liegen unsere Stellungen auf hohem Bergeskamm vor uns; die äußerst klare Lust und die zwischen ihnen mld uns liegenden noch unsichtbaren tiefen Taleinschnitte lassen

die EUckernungen so nabe erscheinen. Aus der ersten vor­liegenden Höhe angelangt, sehen wir seitwärts n der Ferne das blaue Meer austauchen, aus dem sich die schroffen Helsmafsen der Inseln Jmbros und Samoth- raki erheben. Mehrere tiefe Täler durchreiten wir, vor­über an zerstörten Dörfern, aus deren Trümmern die schlanken Minarets in strahlendem Weiß in den blauen Himmel hineinragen. Welch hervorragend zur Ver­teidigung geschaffenes Gelände! Las Land selbst, meistens bedeckt von niederem G/büsch, ist anscheinend nicht allzu fruchtbares Heideland, ab und zu ein Wein­garten. In großem Bögen zieht sich die Straße hin, häufig Granatlöcher zu beiden Seiten aufweisend, bis zur vordersten Stellung. Heuernd Wegweiser, die die abzweigenden Wege bezeichnen, und zahlreiche weidende Schaf- und Rinderherden. Nunmehr kehren sie zur Ruhe zurück. Wir sind inzwischen von den Pferden av- geffiegen und gehen zu Fuß weiter nach vorn. Eme große Anzahl von Gräbern war dort angelegt, mit Feld­steinen umgeben und mit Blindgängern aller Kaliber ge­ziert; auch deutsche Kampfgenossen liegen darunter, wie es uns vereinzelte Kreuze auf den Gräbern anzeigen. Noch nie vorher hat man Ungläubige und Mohamme­daner auf einem Friedhof nebeneinander beigesetzi! Nicht weit mehr haben wir zu gehen, und wir treffen a r einen Truppenverbandplatz, versteckt in einem Seite - tal liegend, und geschützt durch die Flagge des roten Halbmondes.

Wir kommen nach kurzer Zeit an eine Stelle, an der mehrere kleine Wege und Treppen in den Fels eingehauen sind, die zu den Schützengräben auf dem vordersten Abhang des Berges führen. Hier machten sich schon die feindlichen Gewehrkugeln bemerkbar, aber sie können, uns in den oedsckten Wegen nicht erreichen. Aber welche Arbeit, welche Zeit und Energie muß es gekostet haben, die Gräben, Treppen, Wege in den steinigen Fels hineinzuarbeften! Als Handwerkszeug hat, wie Exzellenz Liman mir bei Gelegenheit erzählte, meist das in den eroberten englischen Schützengräben gefundene Material gedient! Wie denn überhaupt die Engländer auf diele tragikomische Weist die Hauptliefe­ranten aller möglichen Kriegsbedarfsarttkel für die tax­ieren Türken gewesen sind' Gewehre, Munition, Draht, Werkzeuge, Stiefel, Röcke, Konserven — alles in bester Beschaffenheit und Güte, siel den Türken in die Hanse und diente ihren eigenen Zwecken. Besonders nächtliche Unternehmungen von Schleichparrouilleu, die vorsichtig an die Gräben herankrochen, die Besatzung niedermachreti und mit aller Arr Beure dann zurückkamen, machten den Türken viel Spaß. Ganze Truppenteile, die 'chon lange in der vordersten Linie gelegen hatten und av- gelöst werden sollten, haben deshalb gebeten, nicht ab­gelöst zu werden. Alle Truppen sind natürlich tief ein­gegraben, für größere Reserven Unterstände angelegt und in die Feldwände eingesprengt. Wir haben nun den Beobachiungsstand eines Artilleriekommandeurs erreicht. Von diesem Posten aus bietet sich dem Beschauer ein wundervolles Bild dar.

Natürlich sind es in erster Linie die feindlichen Grä­ben und Stellungen, die unsere Blicke auf sich ziehen. Eine unserer Batterien beschießt gerade eine feindliche Batterie, und Schuß auf Schutz führt in die feindliche Linie. Von unserer Beobachtungsstelle aus gehen die Beobachtungen telephonisch an die weiter rückwärts und ganz verdeckt aufgestellte Batterie, und die darauf­hin gemachten Korrekturen haben den Erfolg, daß die feindliche Batterie bald zum Schweigen gebracht wird. Am Meeresstrand, greifbar vor uns, liegt eine weiße Stadt von Zelten, über der die Genfer Flagge weht. Dahinter, nahe der Küste, eine große Anzahl weißer xarsWjjMgier^ie^ttüt^ttoweÄji^^

zwischen diesen Schiffen und der Lazarettstadi herrscht, beweist, welch große Verluste die Feinde haben müssen. Direkt unter dem Feuer der türkischen Geschütze liegend, werden sie dennoch streng von diesen respektiert, stren­ger wie von mattes) stolzer „Kultur"-Nation. Weit da­hinter dehnt sich die Weite des Aegäischen Meeres, des Golfes von Saros aus, unterbrochen von steilen Eilan­den, die dem Feinde als Basis dienen. Auf der blauen Flut nah und fern viele, viele Schiffe — finstere, ge­waltige Dreadnoughts, schlanke Kreuzer, schwerfällige Transportschiffe, alle umkreist von einer Schar schneller Zerstörer und Wachtboote, die nach U-Booten aus­spähen. Alle aber klüglich außerhalb der Reichweite unserer Artillerie. Einen glänzenden Anblick aber, etn heiteres Gesichtsfeld, mehr und mächtigere Zerstörungs- maschinen gleichzeitig auf einem Raum zusammenge­drängt und für das Auge faßlich, kann keiner der vielen Kriegsschauplätze, auf denen Deutschland mit seinen Verbündeten um feine Existenz ringt, auf­weisen ! Und alles das liegt schimmernd und gleißend in der herrlichen Sonne des Südens, in der berauschen­den Farbenpracht aller Effekte des Meeres, des Landes und des Himmels vor einem! Kein schöneres, kein friedlicheres Bild könnte es aeben, wenn die rauhe Wirklichkeit seinen Reiz nicht jäh zerstörte!

Unterdessen haben wir auch die feindlichen Schützen­gräben genau beobachtet. Sie sind mit dem bloßen Auge von hier oben aus ganz deutlich zu seyen, aber in dem Gesichtsfeld des Scheerenfernrohrs liegen sie derartig nahe vor uns, dass wir selbst die Bewegungen einzel­ner Schützen genau beobachten können. Noch viel qe- nauer kann man das natürlich von unseren vordersten Schützengräben aus. Ich bin wiederholt und längere Zeit in diesen gewesen, denn gerade hier kann man die besten Studien üöer den türkischen Soldaten machen. Der beherrscht natürlich hier völlig die Situation. Ernst und ruhig sitzt er, solange feine Kompagnie zur Reserve gehört, in dem Gewirr der engen AunäheruuAsgrä- ben, oder er liegt ruhend in den grabartig in die Felsen eingehauenen Höhlen. Seelenruhig und zufrieden futtert er fein Stück Brot, ein Stück Melone, einige Oliven, etwas Käse und völlig glücklich fühlt er sich, wenn er sich dann noch eine Zigarette angezündet hat. Keine laute Unterhaltung hört man, alles ist merk­würdig ruhig und still. Wir müssen auf lange Strecken iiber sie hinwegschreiten, da sie auf dem Boden des Grabens sitzen, der hier vorne natürlich zienrlich eng ist. Fragende Blicke folgen mir, dem man trotz der türkfichen Uniform, den „Aleman Sabit", den Deutschen Offizier, ansieht. ?lber die „Aleman Sabit" stehen bei ihm in lehr gutem Ruf. er kennt und schätzt sie.

Schließlich sind wir in der vordersten Stellung an- gelangt. Unser Graben überhöht den englischen oedeu- tend, man kann troe aller feindlicher Vorsichtsmaß­regeln ganz genau die Tätigkeit seiner Besatzung beo­bachten. Sie ist eifrig damit beschäftigt, den Graben zu vertiefen, denn an vielen Stellen sieht man. wie Erde aus dem Graben hinaus auf die vordere Böschung geworfen wird. Ab und zu wird auch der Kopf oder die Mütze eines vorsichtig über den Grabenrand lugenden Engländers — es sind hier Neuseeländer und Austra­lier — sichtbar. Dann kommt Bewegung in die starren Figuren der an deu Schießscharten unseres Grabens stehenden Beobachturigsposten. Unablässig, mit gespann­ter Aufmerksamkeit, verfolge» sie alle Bewegungen der Feinde. Plötzlich wird das Auge stgrr und alle Mus­keln seines Körpers spannen sich: er setzt das Gewehr

an — und wieder ab, und tönn scheint er endlich ras belauerte Bild schuß- und waibgerecht vor der Büchst zu haben - der Schutz krach:, und drüben brüht einer britischen Mutter Sohn im Kamps für die Kultur des ltzeldmckes tot zusammen. Ich habe wiederholt einen solchen Vorgang, direkt neben dem Schützen stehend, beobachtet. Jedesmal hat mich auf das lebhafteste frappiert der Blick, der das erkorene Opfer geradezu ein- HWte, und denen enorme Spannung in dem Augenblick einer tiefen, wohltuenden Befriedigung wich, wo der Feind vernichtet war. Tann lehrte wieder der Zustand des ruhigen, fast starren Svähens nach dem nächsten Opser zurück. Vorzügliche Schützen habe ich dabei be­obachtet. Es wurden mir Leute gezeigt, die auf viele Schüsse keinen Fehlschuß hatten. Der Mann ist aber auch mit einer solch absoluten Aufmerksamkeit bei der Sache, daß es während 'eines Postens an der Schieß­scharte für ihn nichts anderes auf der Welt gibt. Als ich einmal Exzellenz Liman im vordersten Schützengraben begleiten durfte, wollte Seine Exzellenz selbst durch eine Schießscharte sehen, an der ein türkischer Soldat schuß­bereit stand. Für diesen wie für seine Kameraden auf gleichem Posten existierten wir, die wir hinter und neben ihm standen, überhaupt garnicht. Nicht eine Miene seines Msichts verriet, daß er von der Anwesenheit seines Armeesührers auch nur die geringste Notiz genom­men hätte. Er hatte gerade ein Ziel im Auge, und sein Kolben hob und senk: sich wiederholt. Da er schein­bar aber nicht zum Schuß kam, wollte seine Exzellenz durch diene Schießscharte hindurchsehen. Er berührte daher, um den Mann zum Auf-dte-Tette-Treten zu ver­anlassen, ihn am Arm. Aber auch das schien er nicht zu bemerken, so ausschließlich vertieft war er in die Be­obachtung des Feindes. Erst ein energischer Befehl konnte ihn veranlagen, auf die Seite zu treten.

Aehuliches habe ich nur bei den Japanern ge­sehen.

lSchluß folgt)

Vermischtes.

3* fremder Erde bestattet. Die „Times" meldet I aus Kallundborg am Großen Bett: Die Leichen der deutschen Marine'oldmen, die an der Küste von See­land angelrieben worden waren, wurden unter großer Teilnahme bei der Kirche Raklev beerdig:. Die dort aarnisonierende Jnfauterieabtellung gab über dem Maöengrab eine Ehrensalve ab. Die Bewohner der Umgebungsandten zahlreiche Kränze für die Unbekann­ten. — Wahrscheinlich handelt es sich um ertrunkene Matrosen von der „Bremen".

Berheeruuge« durch eine Windhose. Montag nach- mittag wurden, wie die „Frkf. Ztg." aus Bamberg mel­det, die Ortschaften Steinfeld, Trevoendors und Wiesent- fels während eines Gewitters durch eine Windhose heimgesucht. In -Steinfeld wurden 50 Häuser abgedeckt und zum Teil schwer beschädigt. Ein Oekonom erlitt schwere Verletzungen. In Treppendorf, ein Juradörf- Hen mit 200 Einwohnern, steht nur noch ein Haus, das weniger Schaden erlitt. Die übrigen Häuser sind ent­weder völlig zerstört oder schwer beschädigt. Der Oeko­nom Taschner wurde unter den Trümmern seines An­wesens begraben und tödlich verletzt. Auch in Wiesent- fels hat der Orkan großen Schaden angerichtet. Viele Bewohner wurden obdachlos. In den Waldungen hat die Windhose auf einer Strecke von 8 Kilometern im Umkreis enormen Schaden angerichtet.

Eine schwere Familientragödie ereignete sich in München. Der gegenwärtig als Rekrut eingezogene Ausgeher Ilnton Liebl, der seit einigen Jahren mit der geschiedenen Frau Wähltet in gemeinsamem Haushalt

ÄWW zuschulden kommen lassen, nnd die Verhandlung sollte ” jetzt stattfinden. In Uebereinstimmung mit seiner Ge­liebten erschoß Liebl, als er vom Dienst nach Hause zu- rückkehrte, zuerst die vier Kinder im Alter von 13, 9, 3 und 2 Jahren, dann die Frau, und, nachdem er sich überzeugt hatte, daß alle wirklich tot seien, sich selber.

Was die Pariser sich nicht bieten lasten. Bei der Erstaufführung des Spektakelstückes „Die Heldentaten einer kleinen Pariserin" im Pariser Chatelet-Theater kam es zu heftigen Mißfallensknndgebungen des Pub­likums. Als die „Heldin" im letzten Auszug einen deut­schen Oberst in einen Stickgasbehälter warf und das Stöhnen des „Barbaren" mit Händeklatschen beglei­tete, erhob sich ein großer Teil der Zuschauer und ver­ließ das Haus. Andere schrien: „Daß ist französische Barbarei! Das ist Sadismus!" Der Vorhang fiel rasch; das Stück wurde nicht zu Ende gespielt.

Feldgrauer Humor. Druckfehler. Kriegsuachricht: Die Serben verloren 12 Kanonen, 20 Maschinengewehre und eine ungezählte Menge von Gewehren und Mu­nition. — In Rußland. Auf dem Boden meines Quar­tiers befindet sich ein Raum mit etwas Stroh. Auf diesem sind 32 Mann von einer Arbeitskompagnie un­tergebracht. Gestern sitze ich nun am Schreibtisch, die Tür wird geöffnet und herein tritt ein Landsturmmann mit einer großen Mistqabel. Auf meine erstaunte Frage: „Nanu, was wollen Sie denn hier mit der Ga­bel?" erhielt ich in aller Ruhe im echten Berliner Dia­lekt die Antwort: „Nach oben jehn und die Betten ma­chen!" — In der Kantine. Erster Landsturmmann: „Sag einmal, bis Du nicht der Dienstmann vom Marktplatz?" Zweiter Landsturmmann: „Ja freili! I mein, i kenn Ti aa, gel, Du bist der neue Rektor vom Gymnasium?" („Fliegende Blätter.")

..... I. .-I..— III ■. — -., — .,.,„.^ ■„— .......... ...

Weitere Drahtnachrichten.

Russische Ordnuug.

9-» Kopeuhagen, 5. Jnnuar. (WTB.) Wie „Berl. Tidende" aus Moskau gemeldet wird, sind in den letzten anderthalb Monaten an den Polizeipräsekten von Moskau 2500 Eisenbahnwagen mit Lebensrnitteln zur Versorgung der Flüchtlinge abgesandt worden, von denen bisher aber nur 36 anackommen sind.

Notlage in Italien.

o-* Rom, 5. Januar. „Avanti" sagt, die Felder können nicht bebaut werden, weil Bargeld segle. Tau­sende und Abertausende von Handarbeitern befänden sich in sehr bedrängter Lage. — In Neapel wurden, wie „Jtalia" berichtet, drei Offiziere unter dem Verdacht, Betrügereien bei den jilifitär I lese tun gen Vorschub ge­leistet zu haben, verhaftet.

Handel und Verkehr.

400 bis 500 Millioue« neuer Reicksstesers. Die Berliner „Börsenzettung" meldet: Nach neueren Ne- rechnungen werden 400 bis 500 Millionen Mark erfor­derlich werden an neuen Reichssteuern zur Ausgleichung des ficblbetrages im Haushall für 1916 17, jedoch wer­den, wie bekannt, Gegenstände des Lebensunterhaltes nicht belastet werden. Die neuen Steuer Vortagen, die dem Reichstag im März zugehen, werden im Bundes­rat voraussichtlich ohne Schwierigkeiten durchgehen, da die Finanzen der Bundesstaaten durch sie keineswegs in Mitleidenschaft gezogen werden. Aus diesem Grunde wird auch, wie bereits mitgeteilt worden ist, eine neue Ftnanzmtnisterkonferenz zunächst nicht geplant.