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IMS MWA M dMt TtlffffMn Heere emvk, 7V0 der Geist der mfteiädrückten Völker, die für ihren russischen Gewaltherrscher in den Krieg ziehen mußten, nicht der­artig war, daß er den Sieg verbürgte, während unsere unwiderstehlich vorwärts drängenden Truppen trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit Sieg auf Sieg an ihre igelten hefteten. Wenn der Werbefeldzug des Lord Derby, der mit den unglaublichsten Mitteln unter- nommen wurde, aus das englische Volk nur eine so geringe Wirkung hatte, wie es trotz aller Beschönigungs- versuche von Seiten der englischen Regierung den An­schein hat, dann wird man zu der Zwangsmatzregel der allgemeinen Dienstpflicht auch nicht ein übergroßes Vertrauen haben dürfen.

Zahlreiche neue Mannschaften, die durch diese all­gemeine Dienstpflicht sicherlich dem englischen Heere zu­geführt werden, dürfen naturgemäß nicht unter­schätzt werden. Aber es liegt keinerlei Grund vor, ein Heer, das solchermaßen gewonnen wurde, zu über- Mätzen, und von ihm einen Einfluß auf den Verlauf des Krieges zu erwarten, den es unter keinen Umständen gewinnen kann. Die großspurigen Reden, mit denen derartige Ereignisse bei unseren Feinden behandelt werden, können uns in unserer Auffassung auch nicht irre machen, da schon zu oft in diesem Krrege den großen Reden kleine Taten folgten. Wenn wir auch in Deutschland gewillt sind, den Worten, die von Männern an verantwortungsreichen Stellen ausgesprochen werden, Gewicht beizulegen, so darf man, das hat der Krieg ge­lehrt, diese Anschauung nicht auch auf die anderen Staaten übertragen. Man beöenke, mit welch großer Rede z. B. Churchill die Siege auf Gallipoli und vor Bagdad prophezeit hatte, um zu wissen, mas man tatsächlich von derartig uns völlig unfaßbaren Reden zu halten hat. Die Einführung der Wehrpflicht erscheint darum mehr als eine innere Angelegenheit Englands, wie als eine bedeutungsvolle Angelegenhect für den Krieg. (Z.)

Der Unterseebootskrieg.

Zum Untergang der „Persia".

i9e* Kopenhagen, 4. Januar. (T. U.) Nach Fest­stellung des amerikanischen Konsulats in Alexandrien bestätigt sich dem „B. T." zufolge die Reutermeldung, wonach sich der amerikanische Konsul von Aden Max Neely unter den umgekommenen Passagieren der „Per­sia" befinden sollte, nicht.

Wilson und die „Persia".

Staatssekretär Lansing erklärte nach einer Reuter- Meldung aus Washington, er habe den Botschafter Pen- sield in Wien beauftragt, von Oesterreich-Ungarn alle Aufschlüsse einzuholen, die dazu dienen können, die Na­tionalität des U-Bootes festzustellen, das die „Persia" versenkt hat.

Neue Opfer der Unterseeboote.

Der britische Dampfer „Glengyle" ist versenkt wor­den. Ungefähr 100 Personen sind gerettet. Der japa­nische Dampfer „Kenhoku Maru" (3217 Bruttoregister- tonnen, 1914 erbaut) ist ebenfalls versenkt worden. Die ganze Besatzung wurde gerettet.

Ein Neutraler über die Kriegslage.

Aus Christiania meldet der Draht: Der frühere Staatsminister Sigurd Ibsen schreibt in „Tidens Tegne": Dank dem meisterlichen Vorgehen der Heeres- leitung der Mittelmächte auf den inneren Linien sind diese trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit immer die gensatz hierzu sind die Berbandsmächte durchgehends erfolglos gewesen. Wegen Geldmangels wird der Krieg anscheinend nicht enden. Auch mit der militärischen Er­schöpfung der Mittelmächte ist nicht zu rechnen. Dazu kommt, daß sie nach dem Durchbruch auf dem Balkan eine bedeutende Kraftvermehrung erhalten haben. Eng­land redet vom Recht der kleinen Nationen, sollte aber lieber das der großen anerkennen. Deutschlands wach­sende Volkszahl und industrielle Entwickelung zwang es zu wirtschaftlicher und kolonialer Ausdehnung. Sich einer solchen zu widersetzen, war ein Versuch, die Logik der Dinge zu vergewaltigen. Aber die leitenden Män­ner in England meinten, die Welt habe keinen Raum für beide Wettbewerber. Deshalb wurde die englische Regierung die Seele der Eiukreisnngspolitik. Die Waffenbrüderschaft Deutschlands und Oesterreich-Un­garns mit der Türkei und Bulgarien habe den Gedanken eines „mitteleuropäischen Bundes" reifen lassen. Er wird den ersten Schritt zur Organisation der gesamten Menschheit bezeichnen.

SrieasatefcL

Das Schicksal des Achilleions auf Korfu.

Das „Giornale d' Jtalia" vernimmt nach der „Köln. Volksztg." aus Athen: Die Engländer benach­richtigten die griechische Regierung, daß sie das Achil- leion auf Korfu besetzten, um dort ein Lazarett für ver­wundete Serben einzurichten.

Russischer Sondergesandter in Bukarest.

Lugano, 4. Januar. (T. U.) Nach der „Tribuna" ist, wie der „B. L.-A." berichtet, am 80. Dezember in Bukarest der General Borts, ein Better des Zaren, ein- getroffen mit einer Mission zur Lösung der Frage zwischen Rumänien und Rußland in bezug auf dce Durchführung der russischen Offensive am Balkan.

Kältenot in Rußland.

Nach einer Petersburger Meldung der „Frkst. Ztg." beträgt die Kälte in Archangelsk 50 Grad. In den Gouvernements Petersburg und Moskau sind die meisten Telegraphenleitungen gesprungen. Die, Holznot ist so groß, daß mit Schmutzabfallen geheizt wird. Pe­troleum ist ausverkauft.

Wie das französische Volk belogen wird.

Nach der „Köln. Ztg." sprechen die Pariser Blätter zum Jahreswechsel ihren Lesern Mut an und versichern ihnen den in dieL Jähre ganz bestimmt zu erwartenden Sieg der französischen Waffen. Da aber die militärischen Lorbeeren Frankreichs im vergangenen Jahre allzu ge­ring waren, so müssen wieder die abgedroschenen schlag- worte von 5er Erlahmung der inneren Kraft in Deutsch­land, von der Geldnot, von der sinkenden Moral, vom Hunger und anderen Dingen herhalten, die nur in der Phantasie unserer Gegner vorhanden und bei ihnen nach- aerade zum fixen Begriff geworden sind. Um so tra- gtscher für das franzM Volk, das nach diesen Neu- javrswttuschen an schließen, auch im Jahre 1916 wieder kräftig und gewissenlos wie bisher Wogen wird.

Die Ueverlevendeu der „Persia".

Die „Times" erfahren aus Kairo vom 2. Januar: Die Ueberlebenden der „Persia" erzählen: Der Laurpfer wurde um %2 Uhr nachmittags getroffen und nergte sich sofort zur Seite. Es war an Bord nicht möglich, die Boote niederznlassen. Das Schiff, sank binnen fünf Mi- mcten. Zwei Boote voller Menschen wurden mit ihm gerissen. Vier Boote veruwästeu wegzukommen und wurden nach dreißig Stunden von einem Dampser auf-

angeromMn nnv, waren 99 von ver WW 59 Fahrgäste.

Ein Brief aus russischer Gefangenschaft.

Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Ein in Chabarowsk in Rußland kriegsgefangencr österrei­chisch-ungarischer Soldat hat an seine Frau geschrieben: „Geld habe ich noch keines ausbezahlt erhalten. Schicke keines nach. Ich habe von Deinen 30 und 50 Kronen noch keinen Heller bekommen. Nach den Berichten geht es den russischen Kriegsgefangenen in Oesterreich besser als uns in Sibirien. Wir sind hinter hohen Wänden ganz außerhalb der Ortschaft, wo wir keine Zcvil- menschen sehen. Das Frühstück besieht aus warmem Wasser ohne Tee und das Mittagessen aus Sauerkraut, in Wasser gekocht, und einem Stück Brot. Dabei gibt es Kolbenstötze und Hiebe ganz wie beim Sklaven­handel. Es wäre doch schon höchste Zeit, daß die russischen verantwortlichen Funktionäre der Kriegsgefangenen­lager ihren Untergebenen besser auf die Finger sehen, damit diese ewigen Diebstähle an den armen Gefangenen, wenigstens soweit es bei der Selbstverständlichkeit der rus­sischen Korruption überhauvt möglich ist, verhindert werden. Es kann doch nicht angenommen werden, daß schon die übernehmenden Grenzorgane stehlen."

England und die russischen Friedensgedanken.

Wie kürzlich gemeldet, batte die englische Regierung den russischen Anleiheversuchen in London jede Unterstützung verweigert, so daß der russische Finanz­minister Bark es mit einer inneren russischen Anleihe versuchen mußte, die den bekannten kläglichen Ausgang nahm. Daher ist es sehr überraschend, daß, wie der „Tag" meldet, England sich jetzt plötzlich in fast auf­dringlicher Weise in Vetersburg bemüht, Rußland eine Anleihe in früher gewünschter Höhe zu gewähren. Dieser plötzliche Umschwung ist, wir versichert wird, auf die Befürchtung zurückzuführen, die man in London hegt, Rußland sei geneigt zum Abschluß emes Sonderfriedens. Die Anleiheverhandlungen haben das vorbereitende Stadium bereits überschritten.

Ein tuftkamPf.

Wie Leutnant Jmmrlmann das siebente Flugzeug abschoß.

Folgende anschauliche Schilderung über einen Suffkampf des bekannten Fliegerleutnants Immelmann mit zwei englischen Flie­gern gibt, nach dem „B. L.-A-", ein Feldgrauer aus Krefeld fei­nen Ängehörigen in einem Feldpostbriefe: „Wir waren gerade mit der Kompagnie auf der Strafte angetreten und sahen hoch in der Luft, mindestens 3CUO Meter hoch, zwei Flugzeuge, die wir an­fangs wegen ihrer kolossalen Höhe für zwei feindliche hielten. Beide Flugzeuge kamen in direkter Richtung auf uns zu, wobei man deutlich bemerken konnte, wie das zweite dem ersten immer näher kam. Plötzlich hörten wir, wie beide Apparate fast senk­recht über unseren Köpfen stünden, Maschinengewehre knattern, und wir glauben schon, die Maschinengewehre hätten auf uns ge­schossen, die wir doch in geschlossener Kolonne dort unten standen. Dann sahen wir, anfangs nur als schwarzen Punkt erkennbar, etwas aus seinem Apparat herausfallen, was mit ungeheurer Schnelligkeit näher kam, und bald erkannten wir deutlich einen Menschen. Gleichzeitig aber hatte sich der Apparat zur Seite geneigt und stürzte dann, sich überschlagend, zur Erde. Er wurde etwas abgetrieben und fiel in den Garten hinter meinem Hause. Der eine der beiden Insassen (zwei englische Offiziere), der nicht herausgefallen war, stöhnte noch etwas, starb aber kurz darauf, den anderen fand man hundert Meter entfernt. Bonden Trümmern des Apparates habe ich mir zwei mit Stoff bespannte Teile aufgehoben, die ich mir als Andenken aufbewahren will. Es war interessant, die Gegensätze in der Stimmung zwischen unseren oder Feind war, war alles still. Wie dann der eine Apparat stürzte, wagte überhaupt keiner mehr zu atmen, alles stürzte nach den Flügeln des Apparates, um die Zeichen zu erkennen, und dann, wie man endlich die blauweißroten Kreise erkannte, ein Hurra von unsern Leuten, wie ich es noch nicht gehört habe während die Franzosen kreischend, schreiend und heulend davon- liefen. — Eben hatten wir die beiden feindlichen Fliegeroffizierc mit allen militärischen Ehren begraben. Fast sämtliche Offiziere der hier liegenden Truppen und der Regimentskommandeur wa­ren im Trauerzug, dazu noch unsere Kapelle und eine Ehrenkom- papnie, die Salut schoß. Auch die Fliegeiabteilung hatte eine Deputation geschickt, die eine» Kranz niederlegte. Es ist wieder Leutnant Immelmann gewesen, der die Flieger Heruntergefchos- sen hat."

Vermischtes.

Wichtige Reichsgerichtsentscheidung über die Höchst­preise. Das Reichsgericht hat vor kurzem eine Ent­scheidung über die Gültigkeit der Höchstpreise gefüllt, die von weittragender Bedeutung ist. Der Sachverhalt war folgender: Eine Wursthändlerin in Hannover war von der dortigen Strafkammer wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Wurstwaren zweimal zu Geldstrafe ver­urteilt worden. Sie hatte Braunst. einer Leberwurst teurer als zu den in Hannover vorgeschriebenen Höchst­preisen verkauft. Sie ließ durch ihren Verteidiger beim Reichsgericht Revision gegen das Urteil einlegen und erzielte damit einen vollen Erfolg. Das Reichsgericht hob das Urteil auf und wies die Angelegenhect zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück. Das Reichsgericht wies daraus hin, daß von den Gememden Höchstpreise nur für örtliche Produkte festgesetzt werden können, daß also die von den Angeklagten verkaufte Braunschweiger Leberwurst nicht unter die für Hannover festgesetzten Höchstpreise falle. Die Hannoversche Straf­kammer hat auf Grund dieser Entscheidung die Angekmgte

kostenlos sreiaesvrochen.

Ein dreistes Gaunerstück leistete sich ein Hochstapler, der in Mitlheim an der Ruhr festgenommen wurde, nachdem er sich mit der Tochter eines angesehenen dortigen Bürgers verlobt hatte. Der Schwindler befand sich vor einiger Zeit im evangelischen Krankenhaus in Mülheim. Er verschwand aus dem Krankenhaus, da inzwischen bekannt geworden war, daß er wegen Un- terschlagung unter Anklage gestellt ist. Er eignete sich den Paß eines Offiziers an, dem er seinen Namen hinzufügte. Als Leutnant fuhr er nach Berlin, wo er seinen dort weilenden zukünftigen Schwager gesuchte. Mit seiner Braut und deren Schwester fuhr er dann nach Schlesien, wo er früher einmal auf einem Gut Sekretär gewesen war. Die Hochstapeleien des Betrügers fanden ihr Ende, als man schließlich durch die Ber- lobullgsauzeige mit dem falschen Doppelnamen am ihn aufmerksam wurde. Es erfolgte darauf seine Verhaftung bei der Verlobungsfeier.

Bou den Schwerverletzten des Eisenbahnunglücks zu Bentschen sind, wie dem „B. T." mitgeteilt wird, vier der am schwersten Beschädigten noch gestorben, so daß die Zahl der Toten auf 22 gestiegen ist. Der Unglücks­zug war 16 Wagen stark, von denen neun entgleisten, während vier ineinandergedrängt und zerquetscht wur­den. Am 1. Januar wurden 15 der Getöteten unter großer Beteiligung der Spitzen der Behörden und der Bevölkerung auf den Kirchhöfen von Bentschen bei- gesetzt

Weiße Rabe« unter den amerikanischen Fabrikanten. Angesichts des berechtigten Grolls, den wir gegr* küc amerikanischen Fabrikanten beaen die sich aus oi

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Waffen- und Muntttonsversorgung unserer Fernde se» reichern, ist es nicht nur Pflicht, sondern auch Ver­gnügen, darauf hinzuweisen, daß es unter den Fav- rtkanten in den Vereinigten Staaten doch auch Märcner gibt, deren Anstandsgefühl mcht käuflich ist. Die Stadt La Grosse im Staate Wisconsin k«nn sich rühmen, der­artige Männer zu ihren Bürgercc zu zählen. Mitte t)to» vember erhielten dortige Fabrikeic Munitionsaufträge für die Alliierten in Höhe von mehr als 2 500 000 Dollar. Weitere große Aufträge folgten wenige Tage später. Die Fabrikanten von La Grosse wollten aber von dem durch Neutralitätsbruch befleckten Geld­gewinn, der heute leider jenseits des Wassers eine so große Rolle spielt, nichts wissen und antworteten wie stolze und unbestechliche Ehrenmänner: „Wir geben unsere Fabriken und Werkstätten nicht zur Fabrikation von Munition und Vernichtungswerkzeugen her, solange unser eigenes Land nicht in Krieg verwickelt ist. In diesem Falle würden wir sofort dazu bereit sein." — Es ist bemerkenswert, daß der Direktor der Stamping Tool Company, der für die Fabrikanten von La Crosse diese ab­lehnende Antwort gab, nicht etwa einen deutschen, sondern den echt englischen 9tamen C. S. Cone trägt. La Grosse kann stolz sein auf seine Fabrikanten!

Aus der Mttc-chner „Jugend". Verzicht. „Franzl, warum hast denn dce Zenzl laufen lassen?" — „Weil s' im vierten Stock gewohnt hat. I bin do koa Alpinist!" — Herr Regierungs-Assessor X. «ungedienter Landsturm, jetzt beim Dtilstär als Gemeiner) fährt mit seiner Frau (geb. v. Y.) zurück vom Urlaub nach Leipzig: trifft einen Kameraden seiner Kompagnie auf dem Bahnsteig, der sagt: „Nu, führichte och nach Leipzig?" — „Ja, gewiß!" — „Nu, da kenn mer doch zusammenfahru —" — „Das geht schlecht, denn ich bin mit meiner Frau." — Nu, das macht doch nischt." — „Na, ich weiß nicht recht." — Der andere (nad) einer Weile): „Ach w. Du fahrschte woll 4ter?! — Nu denn adsche!"

Der Kampf mit der Mine.

Der leichte Nebelschleier, der an schönen windstillen Frühherbstmorgen die See an der twrimtrianifdien Küste zu bedecken pflegt, bis die Kraft der höhersteigen- den Sonne ihn zerflietzen macht, lag an einem Septem­bermorgen des Jahres 1914, so lesen wir im „Pester Lloyd", iiber dem Seegebiet vor dem Kriegshafen von Pola. Glatt und unbewegt scheint bei solchem Wetter die See, und doch ist in ihr das fast nie erlöschende Auf- und Niederwogen der Wassermassen in langen flachen Wellen, das ein schon lange zur Ruhe gegangener Wcnd zurückgelassen hat. In gespanntester Aufmerksamkeit bohrten sich die Augen der in der Nähe des Schutzdam­mes am Lande Auslug haltenden Matrosen in die Dunstschicht, die Wassermassen und Luft verschmelzen ließ und jeden Körper nur in schatterchaften Umrissen zeigte. Höher stieg die Sonne, und die leichte Nebel­schicht begann zu zerflietzen, das lichte Grau der See wich dem satten Blau, in dem das Meer das leuchtende Fir­mament spiegelte.

Doch da — was ist das? In der sanft bewegten Flut glitt ein mitzfarbiger Körper, von den Wellen ge­hoben und gesenkt, auf und nieder und trieb Zoll um Zoll gegen den Schutzdamm heran. Noch ein Blick durch das Fernglas, um das zur peinlichen Gewißheit zu machen, was man dem unBewaffneten Auge nicht glau­ben wollte. Es war kein Zweifel möglich: eine von ihrer Verankerung losgerissene Mine trieb langsam , gegen den Schutzdamm. Wurde sie an diesen augeschleu-, dert, dann war ein Teil dieses Bauwerks vernichtet. MMcv^evMt—chsüa«« ^V»i«»sic>rr °w«rDe ^n^-Breülse uN'^— den Damm gerissen, ein Eingang geschaffen für die feindlichen Unterseeboote in den Hafen und die Sicher- - hett der hinter dem Schutzdamm liegenden Schiffe ge­fährdet. Wohl können Seeminen durch entsprechende Handgriffe unschädlich gemacht werden, doch sind diese nur den Angehörigen der Seeminenspezialitäc bekannt, sie müssen Geheiinnis der Fachkundigen bleiben und solche waren nicht zur Stelle.

Das Telephon rasselte, um Hilfe von der Seeminecc- station herbeizurufen — umsonst, die Verbindung war nicht herstellbar, und näher und näher trieb die Mine an den Damm heran. Endlich war die Verbindung mit der Seeminenstation hergestellt und die Leute bei dem Schutzdamm sahen ein Dampfboot mit voller Kraft her­ankommen, doch es war zweifellos — die Miice mußte den Wettlarcf gewinnen, sie mußte an den Damm ge­trieben sein, ehe die Bündiger der Mine eingetroffen sein konnten. Da trat mit äbgeworfenen Oberkleidern und einer Leine in der Hand der Elektrovorarbeiter 2. Klasse Franz Barragh vor und bat um die Bewilligung, schwimmend den Kampf mit der Mine auszunehmen. ,,Wissen Sie, daß nur die Minenmannschaft die Griffe kennt, die ein gefahrloses Umgehen mit Seeminen ge­statten! Wissen i&ie, daß es für Sie den sicheren Tod bedeutet, wenn Sie die Mine an einer unrichtigen Stelle anfassen und sie dadurch zur Explosion bringen?" Ja, Barragh wußte das; wie er die Mine zu behandeln habe, war ihm mcbekannt, wohl aber wußte er, daß die Mine nur beim Anstoß an einen festen Körper explo­diert, und Satz dieser feste Körper der Damm nicht sein durfte, der unsere Schiffe von feindlichen Unterseebooten schützen soll. Entweder gelang es ihm, die Mine zu bündigen oder es explodierte die Mine an seinem Kör­per; dann geschah es fern genug vom Schutzdamm, die­ser blieb heil, dann war nur er das Opfer!

Barragh sprang in die See und schwamm gegen die Mine; atemlos verfolgten die Zuscher den Kampf zwi­schen den in dem treibenden Ungetüm schlummernden Zerstörungsgewalten und dem dem Tode trotzenden Mannesmut. Jetzt hatte Barragh die Mine erreicht, mit rascher Htcccd das eine Ende der Leine au ihr fest- gebunden und, mächtig ausstreichend, febwamm der an beiden Knien Verletzte nun mit dem freien Ende der Leine gegen eine verankerte Boje und Befestigte an ihr die Leine — jetzt konnte das Minenboot auch später kommen, die Mine war gefangen und schaukelte einige Meter von dem Schutzdamm harmlos mit den Wellen aus und nieder. So hat der mit Geschick gepaarte, die Gefahr nicht scheuende wackere Geist eines Starine« Unteroffiziers ein Unheil verhütet, das in seinen Folgen unabsehbaren Schaden Hütte bringen können. Das Silberne Verdienstkreuz am Bande der Tapferkerts- medaille wird noch seinen Nachfahren voll dem kühnen Kampf mit der treibenden Mine Zeugnis ablegen.

(Köln. Ztg.)

Weitere Drahtnachrichten.

Die Beratnug des Wehrpftichtgcseßes.

m° Cbristiania, 4. Januar. (T. U.) In London verlautet der „Boss. Ztg." zufolge, daß im Unterbaust am Mittwoch das neue Wcbrpficchtgewtz beraten wird, das das ganze vereinigte Königreich, also auch Irland, umfassen soll. _

Aus London wird über Gens gemeldet: Das Ka­binett beschloß, zur Durchführung der allgemeitnen Wehrpflicht für alle Engländer im Alter von 20—88 Jahren einen besonderen Kredit von drei Milliarden Mark vom Parlament zu fordern.