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Die Drohung mit der Wehrpflicht.

i Amsterdam, 30. Dezember. (T. U.) Aus London wird nach derVoss Ztg." mitgeteilt, daß die nach Lord Derbys System erfolgten Einschreibungen für das Heer vollständig »«genügend sind, weil die jungen unverhei­rateten Männer sich als Munitionsarbeiter einschreiben. Hast acht Zehntel aller zum Heeresdienst eingetragenen Männer sind verheiratet. Den Verheirateten wurde aber nach ASquiths Versprechen noch besonders zuge- sichert, daß sie nach den unverheirateten Männern em- berufen werden sollen. Jetzt sitzt die Regierung in der Klemme und weiß sich nicht anders zu helfen, als mit der Wehrpflicht zu drohen.

Wehrpflicht oder Kompromiß?

r DerSecvlo" meldet aus London, daß ein Kompro- miß in der Wehrpflichtfrage bevorstehe. Alle ledigen Männer sollen zwangsweise eingezogen werden ohne grundsätzliche Lösung der Wehrfrage. DerCorriere della Sera" sieht aber trotzdem eine Kabinettskrise vor­aus.

Auch der jetzige Beschluß des Ministeriums Asquith ist ein neuer Beleg dafür, daß die ganze englische Po­litik auf Bluffs sich aufbaut. Noch verfloß kaum eine Woche, seitdem die Londoner Zeitungen Wundermären von den Erfolgen des Derbyschen Werbungsfeldzuges zu berichten wußten und seit Herr O'Grady, der Derby bei der Rekrutierung half, imDaily Sketsch" behaup­tete, 2% Millionen Rekruten hätten sich innerhalb der letzten neun Wochen freiwillig gemeldet. Träfe das auch nur annähernd zu, dann wäre natürlich keine Dienst­pflicht nötig, denn dann hätte England vorläufig mehr Rekruten, als es gebrauchen kann. Es ist also nicht wahr, sondern ebenso unwahr wie zahllose andere Nach­richten, die von England aus in die Welt gingen, um die Feinde und wohl auch die eigenen Landsleute zu täuschen. Wie das Bluffs waren, so wird dieser neueste Kabinettsbeschluß, der die Notwendigkeit zwar nicht der allgemeinen, indesseneiner Dienstpflicht" anerkannte, sich wohl schließlich ebenfalls als Riesenbluff heraus­stellen, der gewagt werden muß, um lügend In- und Ausland über die wahre Lage hinwegzutäuschen.

Der Türkenkrieg.

Die englische Dardanellenfront unter Feuer.

Daily Telegraph" meldet von den Dardanellen, daß die Ankunft zahlreicher Munition für die türkischen Truppen jetzt eine sichere Tatsache sei. Seit kurzem würben die englischen Stellungen auf der südlichen Küste Gallipolis jeden Tag regelmäßig mit hochexplosiven Ge­schossen aus sechszölligen türkischen Batterien von der asiatischen Seite der Dardanellen aus beschossen. Auch die Stellungen vor Atschi Baba würden seit einiger Zeit von einem Granatenhagel überschüttet. Die englischen Stellungen seien manchmal von drei Seiten einem kon­zentrischen Feuer der Türken ausgesetzt. Die Unter- stützung der Flotte sei unter den ungünstigen klimatischen Umständen sowohl in artilleristischer Beziehung wie auch hinsichtlich der Versorgung der englischen Stellungen mit Lebensmitteln bedeutend schwächer geworden. Erst in den letzten Tagen hätten sich die klimatischen Ver­hältnisse etwas gebessert.

Die wankende Herrschaft in Indien.

»-$=- Lugano, 30. Dezember. (T. it) Die italienische Presse bezeichnet, wie dieTgl. Rdsch." berichtet, die englische Genehmigung oes indischen Nationalkongresses in Bombay als Beweis dafür, daß England seine Herr­schaft in Indien wanken fühle.

Der Unterieebootskrieg.

Der dänische DampferNatal" rettete nach einer Meldung aus Malta am Weihnachtsabend die aus 49 Mann bestehende Besatzung des großen englischen DampfersJeddo", der im Msttelmeer miterging. Die Besatzung wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag in Malta gelandet. Lloyds meldet: Der britische DampferMorning" (444 Tonnen) wurde versenkt. Der Kapitän und der zweite Steuermann wurden gerettet.

Bom Schicksal ereilt.

Bon einem gerechten Schicksale ereilt wurde der englische DampferCottingham", der durch ein deutsches U-Boot versenkt wurde. Vor etwa zwei Monaten erhob sein Kapitän Anspruch auf die Prämie, die von englischer Seite für die Vernichtung eines deutschen U-Bootes durch unbewaffnete englische Handelsschiffe ausgesetzt ist. Da­mals war es dem Schiff gelungen, das U-Boot zu be­schädigen. Vielleicht hat ein zweiter Versuch ihm jetzt das Leben gekostet.

Klleisaverlei.

Mackensen in Sofia.

Die Bulgarische Telegraphen-Ageutur meldet: Ge­neralfeldmarschall v. Mackensen ist am Mittwoch in So­fia eingetroffen. Er stattete in der deutschen und der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft Besuche ab und begab sich hierauf in den Königspalast, wo er vom König in Audienz empfangen wurde. Nach dieser fand zu Ehren Mackensens eine Frühstückstafel statt. Abends erfolgte die Rückreise Mackensens ins Hauptquartier. Dre Bevölkerung jubelte dem großen deutschen Heer­führer herzlich zu.

Die bevorstehenden Kämpfe bei Saloniki.

Der Sonderberichterstatter des WTB. meldet aus Athen: Wie ich erfahre, wirb Griechenland während der ^ ^ " -^*- der europäischen Mächtegruppe

bevorstehenden Kämpfe der europäischen Mächtegruppe bei Saloniki neutral bleiben. . ..

Die Trümmer der serbischen Armee sind m Elbayan und Skutari angelangt. 3 b« Gesamtstärke beträgt 40 000 Mann und sie besitzen weder Artillerie noch Mu-

Ein zweiter griechischer Protest.

Berichten

DieSüdslav. Korrespondenz" meldet aus Athen: Die griechische Regierung hat gegen die von den En­tentetruppen um Saloniki errichteten Befe,traurigen znm zweiten Male Protest eingelegt. Der rtalremsche Ge­sandte hat dem griechischen Kabinett im Austrage seiner Regierung erklärt, daß die bei Vallona stehenden ita­lienischen Truppen die albanische Grenze nrcht über­schreiten würden.

Die englischen Schützengräben in der Weihnacht.

Die englische Presse hebt nach demB. T." aus den Berichten über die Weihnachtsnacht an der Front her­vor, daß diesmal im Gegensatz zum Boriahr in engli­schen Gräbenkeinerlei Verbrüderungssentrmentalrtat" gegenüber den feindlichen Schützengraben sich gezeigt habe, sondern gemäß dem Befehl des Oberstkomman- dierenden unerbittliche Wachsamkeit und ,^-emdschaft. Während der Weihnachtsnacht lagen die englischen Gra­ben in Flandern in strömendem Regen.

Ueber 400 Dampfer im Weiße« Meere festgefroren.

StockholnisAftonbladet" meldet aus Christiania: Vier große norwegische Dampfer sind im Weißen Meere unweit Archangelsk eingefroren. Außerdem. sollen 400 englische, französische und russische Dampfer im Weißen Meere vom Eise überrascht worden sein,. W - sie vor dem nächsten Frühjahr sich nicht wieder irermachen

»MdW köMtW.

Die englischen TeeHel-e«.

Anfang Dezember wurde der DampferGodafoß" aus der Fahrt von Kopenhagen südlich von Irland an­gehalten und erhielt eine englische Prisenmannschaft an Bord. Der Führer der Prisenmannschaft forderte die Offiziere derGodafoß" auf, ihre Anwesenheit an Bord zu verheimlichen, falls der Dampfer einem deut­schen U-Boot begegnen sollte. Welche Absichteu er mit dieser Aufforderung verfolgte, sagte er nicht. Er hat sich aber wohl mit seiner Mannschaft verstecken wollen, ähnlich wie es im Sommer dieses Jahres die englische Prisenmannschaft auf dem amerikanischen Vvllschtff Eap of Balmaha" getan hatte. DieCap of Balmaha" wurde bekanntlich von einem deutschen U-Boote auf- gebracht, als sie bereits eine englische Prisenmannschaft an Bord hatte, die aus einem Offizier und vier Marin bestand. Das Schiff wurde dann durch einen einzigen Unteroffizier des Unterseebootes mitsamt der fünfköpfi- gen Prisenbesatzung in mehrtägiger Reise nach Cux- Haven gebracyt, wo die englische Besatzung endlich aus ihrem sicheren Versteck herausgeholt wurde.

Feindliche Luftpost.

Es ist schon bekannt, daß unsere Gegner sich neuer» dmgs auch ausgiebig des Luftweges bedienen, um auf unsere Feldgrauen und nicht nur auf diese mit ge- brnetten Mahnungen und Beschwörungen einzuwirken. Ein drolliges Beispiel für diese fleißige Werbearbeit bietet das nachstehend wörtlich und buchstäblich wieder­gegebene Flugblatt:

Ein Ostern

zu der fleißig Deutscher Soldaten from

Das Osticier Cvmmandeeriug der

Englische Soldaten vor sie.

Ich weib sie sind Soldaten das sind sehr fleißig. Wir sannen mutig soldaten sehr leiden aber sie muffen jetzt wissen das der Seig ist unsere.

Sie sind sehr mutig mein komeraöen aber warum wollen sie krieg machten wenn sie kann der Friede haben.

Bitte aufpassen

, Sechs uhr (abend) 6 th Dezember 1915 zu Sechs uhr (morgen) 7 th Dezember 1915.

Jeden Deutscher soldat (orber soldaten) das kommen zu unsere zitte über das rechts orber links, das Bou- tillerie Weg, wo das Fluß geht wollen haben en recht gut Englishe Gruße.

Sie wollen nach England fahrn und haben da viel zu essen Wenn das krieg ist fertig, sie sannen nach Deutchland zurick fahrn ganz frie, orber zu einen an­deren Lande ob sie wollen.

Wenn sie in England sind wir wollen jaden solda 125 marks geben. Em Englishe soldat, er kann et wass Deutch sprechen, will on das Boutillerie Weg watton.

Ich guaranteer sie alle das ich haben hier geschrieben.

Zu leben ist gut Danken sie ob ihr Hause-- Machten sie kein mehr krieg, aber kommen und leben sie wohl.

Das zeit ist blos from Montag sechs uhr (abend) 6 th Dezember 1915 zu DeainStag sechs uhr (morgen) 7 th Dezember 1915.

Durch diese zeit mein officiers und soldaten will kein krieg on das Boutillerie Weg machten. Sie müssen on das zitte der Weg laufen und es muß ganz dunkel sein.

Sie können suf mir rechnen. Kommen Sie, jetzt ist der zeit."

Es versteht sich von selbst, daß diese freundliche Aufforderung einen durchschlagenden Heiterkeitser- folg in unseren Linien hatte; sonst nichts.

Vermischtes« si

Haftentlassung des Bankiers Ohm. Der frühere Bankdirektor Julius Ohm von der verkrachten Nieder­deutschen Bank ist auf ministerielle Anordnung aus dem hiesigen Gefängnis bis auf weiteres entlassen worden. Die Entlassung erfolgte auf Antrag eines der Ver­teidiger Ohms mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des fast 50 Jahre alten Verurteilten. Ohm hat, die Un­tersuchungshaft eingerechnet, fast vier Jahre im Ge­fängnis zugebracht. Der Prozeß gegen Ohm erregte seinerzeit großes Aufsehen. Er dauerte von April bis Oktober 1913 und endete mit der Verurteilung des An­geklagten zu sieben Jahren Gefängnis.

Er« Opfer der Vaterlandsliebe. Aus Los Angeles in Kalifornien wird demB. T." ein trauriger Fall be­richtet, wie ein armes deutsches Mädchen der deutsch» feindlichen Gesinnung ihrer amerikanischen Arbeitgeberin zum Opfer gefallen ist. Der Gewährsmann schreibt: Ein Opfer deutscher Vaterlandsliebe ist die erst acht­zehnjährige bildschöne Marie Werner, aus Deutschland gebürtig, geworden. Sie war hier in einer Familie tätig und wegen ihres Fleißes und ihres bescheidenen Wesens geachtet. Als nun ein Aufruf zu Geldsamm­lungen für die Witwen und Waisen deutscher Krieger erschien, gab Fräulein Werner ihre aesamten Erspar­nisse von 500 Mark für oen genannten Zweck her. Die Arbeitgeberin des Mädchens erfuhr dies und entließ sie auf der Stelle, indem sie ausdrücklich die Spende des Mädchens als Grund der Entlassung angab. Aller Mittel entblößt, hilflos und verlassen, ohne Freunde, wußte das arme Kind nicht aus noch ein und vergif­tete sich." Dieses wirklich tragische Vorkommnis spricht für sich selbst.

Kriegsfahrten unter dem Halbmond.

(Schluß.)

Bon der StadtDardanos" am Südufer haben sie ihren Namen, der bet den AltenHellespont" hieß. In einer Länge von zirka 60 Kilometern bei einer zwischen 1% und 8 Kilometer wechselnden Breite zieht sich diese zwei Erdteile trennende Straße dahin; ihre Strömung ist teilweise außerordentlich stark, ihre Tiefe bedeutend. Hier befand man sich auf dem geschichtlich wohl berühm­testen Boden der Welt. Welche Erinnerungen für den alten Gymnasiasten insbesondere: Xerxes schon über­schritt die Meerenge fast Jahrtausend vor Christus, und schon damals muß unbedingt die große Wichtigkeit des Armeebrückentrains festgestanden haben, denn sonst hätte er wohl kaum diese Glanzleistung fertiggebracht. Nach Xerxes setzte Alexander der Große diesmal nach Asien über; dann die Kreuzfahrer und endlich die Türken nach Europa. Diese erkannten ihrerseits schnell den Wert der Engen für die Verteidigung ihrer Haupt­stadt, und schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden die heute noch zum Teil bestehenden, zum Teil auch zer­störten Befestigungen von Kum-Kale und Ssd-ul-Bahr gebaut. Riesengeschütze für ungeheure Steinkugeln, die man dort aufgestapelt heute noch liegen sieht, wurden ausgestellt. Diese Verteidigungsanlagen bilden den Be­ginn der heutigen, natürlich bedeutend vergrößerten und modernisierten Verteidigungsanlagen. Mit Ausnahme von ganz unbedeutenden Fällen haben es auch die Türken stets zu verhindern gewußt, daß feindliche Flotten vor den Toren Eospolis erschienen. In der Neuzeit haben nun zahlreiche Verträge, Meerengenkonventionen, Pro- WW unS Kongresse der Türkri die Verpflichtung auf­

erlegt, kein Kriegsschiff einer fremden Macht die Eugen passieren zu lassen. Diese Verpflichtung schien im Wege zu stehen, als dieGöben" undBreslau" die Er­laubnis nachsuchten, angesichts des ihnen folgenden star­ken englischen Geschwaders in die Dardanellen ein* zulaufen. Die finge türkische Regierung hatte aber nur zu gut erkannt, bau auch jetzt des eigenen Reiches Schick- saisstunde geschlagen hatte. Rußlands, des ewigen Wi­dersachers, Pläue auf Konstantinopel waren ihr zu ve- kanttt und Eltgland sah sie diesesmal im Bunde mit Rntzland. ES hatte ohne weiteres die beiden auf seinen Werften fertig gestellten und zur Abfahrt bereiten neuen türkischen Dreadnoughts Osinan I. und Reschadie, die ihre Entstehung einer nationalen Sammlung, an der sich selbst der ärmste Hamal beteiligt hatte, verdankten und bereits bezahlt waren, für sich mit Beschlag belegt Wie ein Wutschrei ging es durch die ganze Nation, die von ihrem bisherigenFreunde" solches nicht erwartet hatte. Man übernahm daher kurz entschlossen die beiden delttschen Schiffe durch Ankauf und reihte sie mit ihren Besatzungeit in die türkische Flotte ein. Gleichzeitig ver­zichtete man auf die Dienste des verräterischen englischen Admirals Limpus nebst seiner gesamten ehrenlverten Marinemission, die statt den Fortschritt der osmanischen Marine zn fördern, sie im Gegenteil, lange vor bereitetem Plane gemäß, zurückgehalten hatte. An seine Stelle trat jetzt der deutsche Geschivaderchef Exzellenz Souchon mit seinen hervorragenden Offizieretl, der im Verein mit dem Botschafter v. Wangenheim die türkische Regierung mit Rat und Tat mtterstützte.

Das sollte sich schon bald bemerkbar machen. Es ist noch nicht die Zeit gekommen, um die Verdienste dieser und anderer Männer in das rechte und ihnen auch in der Oeffentlichkett gebührende Licht zu fegen. Jeden­falls hat hier ein gütiges Schicksal die rechten Männer an die rechte Stelle gestellt. Solche Gedanken bewegten mich bei Einfahrt in die Dardanellen. Gleich nach dem Passieren des Eingangs trat uns das Bild des Krieges in recht greifbarer Form vor Augen. Das auf dem Eurvp. (Nord)-Ufer liegende Städtchen Galltpoli, welches der ganzen Halbinsel den Namen gibt, lag fast gänzlich in Trümmern vor uns. Hier bansten sonst etwa 15 000 Einwohner, die zum Teil geflohen, zum Teil durch das Oberkommando entfernt waren. Das Städtchen war wiederholt von den englischen Kriegs­schiffen über den hier sehr schmalen Teil der Halb­insel hinweg aus dem Golf von Saros beschossen worden. Ein großes Heldensttick fürwahr. Auf 20 Kilometer können diese langen Riesenkanonen von 35 und 38,5 Zen­timeter ihre fast manneshohen Rieseugeschosse schleudern, vor deren Höllenwirkung natürlich keine Stadt bestehen bleiben kann. Sie selbst lagen so weit in See, daß sie von den uns auf Gallipoli zur Verfügung stehenden Geschützen nicht erreicht werden konnten. So lagen sie also ganz in Sicherheit itnb im Schutz der großen 'Schuß­weite ihrer Turmgeschütze, und feuerten seelenruhig auf friedlicher Menschen Wohnstätten. Sie vermuteten infolge ihrer Flieger-erkundigungen dort das Haupt­quartier des A. Oberkommandos der Gallipoliarmee. Diese Beschießung wird auch jetzt noch von Zeit zu Zeit wiederholt,' der militärische Schaden ist aber natürlich nur ganz gering, besonders wenn man den unge­heuren Aufwand an dieser teueren Munition '« Be­tracht zieht. Aber damit sind die Herren Engländer reichlich genug versehen. Bet der ersten Beschießung Gallipolis befanden sich natürlich die armen Bewohner in größter Not intb Angst. In einem der Lazarette, die geräumt werden mußten, wirkte segensreich und auf­opferungsvoll eine Wienerin, eine Dame, die ich be­reits flüchtig an anderer Stelle im Kreise ihrer deutschen Mitschwestern au ihrer jetzigen Arbeitsstätte erwähnen durfte. Als diese wahnsinnigenRetsekufser" unter infernalischem Geheul dahergesaust kamen, und, erb» bebengleich, ganze Häuserblocks zertrünnnerten, war eine der wenigen, die absolut ruhig blieben, systematisch und mit Ueberlegung, und keinerlei Nervosität, Eile ober Unruhe zeigten, gerade diese Dame. Der ritter­liche Kommandant des Hauptquartiers, Oberstleurnant v. Fr. hat mir und dem fröhlichen Häuflein imlercr kleinen Tafelrunde im Metzzelt mit den Ausdriicken größter Bewunderung davon erzählt. Auch ihren Gat­ten lernte ich im Hauptquartier kennen, einen hochge­bildeten, außerordentlich sympathischen höheren türki­schen Militärarzt, bei allen gleich geschätzt und beliebt und mit klarem Blick und Verständnis, besonders auch für die gegenseitigen Beziehungen der öeutjchen und türkischen Offiziere zueinander. Zu eigenartigen Reflek- tionen Veranlassung gab mir auch eine Beobachtung, die wir kurz vor der Einfahrt in die Meerengen mach­ten, etwa an der schmalsten Stelle von Gallipoli, bet der Stadt Bulair. Hier hatten französische und englische Ingenieure schon während des Krtmkrieges als Rücken­deckung der Dardanellen-Befestigucigen quer über die ganze Halbinsel, die hier etwa zwei deutsche Seemeilen breit ist, befestigte Stellungen angelegt. Auch heute wehen Beider Flaggen brüderlich vereint zusaurmen, aber als dritte im Bunde Bruder Ruski. An der Stelle stand auch die große Mauer des Perikles, zum Schutz gegen die thralischen Räuber des Festlandes.

Weitere Drahtnachrichten«

Friedensgedanken".

w Berlin, 30. Dezember. (WTB.) DieNord­deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In der aus­ländischen Presse macht sich die Neigung bemerkbar, den Artikel derNeuen Züricher Zeitung" , FriedenSgedan- ken" zu Betrachtungen über Kriegs- und Friedensziele zu benutzen. Um jeder Irreführung der deutschen öffent­lichen Meinung vorzubeugen, weisen wir erneut darauf hin, daß der Artikel lediglich private Gedankengänge enthält und daher nicht als Ausgangspunkt für eine ernste Diskussion über die Ansichten leitender Kreise dienen kann.

Ein italienisches Gerücht.

** Wien, 30. Dezember. (T. U.) Wie dieNeue Freie Presse" nach derDlsch. Tgztg." meldet, 'st der Politischen Korrespondenz von der italienischen Grenze gedrahtet worden, dast ein Aufruf desSeeolo" in Italien ungeheures Aufsehen hervorgerufen habe. Der Aufruf warnt davor, gewissen Gerüchten Glauben zu schenken. Diese Gerüchte wollen wissen, daß der General­adjutant des Königs wegen Hochverrats erschossen worden sei, weil er die Gefangennahme des Königs Her- beizuführeff versuchte. Brosati soll zu diesem Zwecke mehrmals den Oesterreichern den genauen Aufenthalt des Königs mitgeteilt haben. Brosati hat sich im Früh- jahr durch neutralitätsfreundliche Haltung hervorgetan.

hungert auf dc samten deutsch stens 115 Mill

Die deutsche« Sparkassen im Krieg. Nach den vor­liegenden Berichten läßt sich der Ueberschuß der Ein­zahlungen über die Rückzahlungen von den Abschrei­bungen auf die Kriegsanleihe abgesehen bei den ge­samten deutschen Sparkassen für November auf minde­stens 115 Millionen Mark berechnen gegen 165 Millio­nen im Oktober und 110 Millionen im September. Da­mit hat der Ueberschuß der Einzahlungen über die Rück­zahlungen fett Jahresbeginn den Betrag von 2281 Mil­lionen Mark erreicht. .