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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^$5 für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei . Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im : amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder« holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 306.

Freitag, den 31. Dezember

1915

Zur Jahreswende.

Die zweite Jahreswende der großen Kriegszeit naht heran.- Auf unvergleichliche Erfolge im Westen, Osten und Süden kann unser Volk mit Stolz zurück­blicken. Da wollen wir nicht vergessen, aller derer zu gedenken, die Gut und Blut und Leben dahingaben für unser Vaterland, und wollen uns bewußt bleiben, daß es voraussichtlich noch weiterer großer Opfer be­dürfen wird, um einen dauernden, segensreichen Frieden zu erringen.

Ich setze voraus, daß allenthalben der Wille be­steht, den Jahreswechsel mit Ernst und Würde zu be­gehen. Daher beschränke ich mich auf die Erneuerung des Verbotes, während der Neujahrsnacht zu schießen oder Feuerwerkskörper abzubrennen, und erwarte von dem gesunden, vaterländischen Empfinden der Bevölkerung, daß auch an dieser Jahreswende alles unterbleiben wird, was des Ernstes und der Größe der Zeit nicht würdig ist.

Der kommandierende General

von Haugwitz,

General der Infanterie.

Amtlicher Zeit

HerZfeld, den 28. Dezember 1915.

Mir steht noch eine kleinere Menge Petroleum zur Verteilung an die Landwirte und Heimarbeiter zur Verfügung.

Etwaige Interessenten, in erster Linie aus der Stadt Hersfeld, wollen sich während der Sprechstunden ' 42 bis 1 4 Uhr vormittags auf dem Landratsamte

- - Der Sandrak

I. V.:

1. 18846. Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 27. Dezember 1915.

In den Gemeinden Dammersbach, Hünfeld und Michelsrombach ist die Maul- und Klauenseuche er­loschen.

I. 14778. Der Landrat.

- Fun ke, Kreissekretär.

Warnung vor dem Versand alkoholhaltiger Genuhmittel an Soldaten.

Zu Beginn der kälteren Jahreszeit ist wieder mit dem Anpreisen alkoholartiger Liebesgaben in ver­

Set letzte wankende Halt auf Gallipoli.

Nachdem das englisch-französische Untemehmen auf Gallipoli größtenteils gescheitert, sit, bleibt, wie der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben wird, den verbündeten Engländern und Franzosen nur noch die kleine Südspitze Gallipolis bei Sedd-ul-Bahr vorig. Das Schicksal des gesamten Dardanellenunternehmens hängt nun an diesem kleinen Stück Land, das für die Engländer nicht von Bedeutungslosigkeit ist, wie die französischen Zeitungen jetzt schreiben. In französischen Blättern kann man lesen, daß nach der Räumung von Anaforta voraussichtlich auch Sedd-ul-Bahrfreiwillig ausgegeben werden werde, da andere Maßnahmen ge­plant seien. Man wird diesen Mitteilungen aber mit Zweifel begegnen müssen, denn bei Sedd-ul-Bahr handelt es sich um eine Stellung, die für England sehr w.c6hq ist. Als im April 1915 die englische .Landmacht auf Gallipoli eingesetzt wurde, um nun endgültig KonstanN- nopel zu erobern, landeten die Engländer Zuerst ihre Truppen an dieser Südspitze der .Mlbmsel Gallipoli. Sie wurden zu ihrem Vorgehen gerade an dieser stelle mit großer Sicherheit durch die Erwägung veranlaßt, daß Sedd-ul-Bahr das Tor zum Eingang m die Dar­danellen bildet. Die schmale Wafferstra^ zwischen Sedd-ul-Bahr und Kum Kalest auf der.Äderen Serie der Dardanellenstratze nach Auen zu, Mloeng, ^ iu von Sedd-ul-Bahr aus vollkommeri beherricht weroen kann. Man erkennt, daß England ber ,einer B^ für derartige beherrschenden Punkte bei der Beutzung dieses Punktes seine besonders Abuchtey gehabt haben dürfte und Sedd-ul-Bahr nicht beabsichtigen wird. Wenn es trotzdem dazu Wattn sollte, dann wird es nur durch die Wrchtvollen deuMhen Waffen dazu gezwungen. In ein ein NEtull at - stand jüngst, daß die Eroberung von Gatlipolt emen ich einen deutschen Sieg bedeute. Bei aller Hochü^ der glänzenden Eigenschaften des türkischen S wird man zugeben müssen, daß tn öiesem Wor Wahrheit fleckt, denn hier haben n-Zt n^ öeu.'llu ^u daten und Offiziere, sondern vor alle Dingen d^ Geschütze und Waffen erheb ich ^'getrag^ länder wissen auch sehr gut, dchZihre Stellung - dieser Stelle darum äußerst bedroh^ erch^nen iub weil die treibende Macht hier

Daily Mail" führte aus ^nl^er englnchcn Nuo lagen auf Gallipoli aus öatz Ermüwd E wemu am den Kriegsschauolätzeu den -eutichen Truppen u 0

schiedenster Form zn rechnen. Im vergangenen Winter sind zahlreiche derartige Erzeugnisse in den Verkehr gelangt, die vielfach minderwertig und viel zu teuer waren. Vor solchen Zubereitungen wird dringend gewarnt.

Aber auch von der Versendung anderer alkoho­lischer Genußmittel an die Soldaten ist ernstlich ab- zuraten, weil ein unkontrollierbarer Alkoholgenuß den Truppen nur Schaden bringt, indem er die Ge­sundheit und Widerstandskraft herabsetzt, die Umsicht, Besonnenheit, Ausdauer und Entschlossenheit beein­trächtigt und die Zucht und Ordnung gefährdet. Es muß allein der Heeresverwaltung überlassen bleiben, die Abgabe von Alkohol an die Truppen nach ihrem sachverständigen Ermessen zu regeln.

Wer Alkohol unmittelbar an die Soldaten schickt, erweist ihnen keinen Liebesdienst, sondern schädigt ihre Kriegstüchtigkeit.

Hersfeld, den 28. Dezember 1915.

Wird veröffentlicht.

l. 14702. Der Landrat.

J. V.:

Funke, Kreissekretär.

Bus der Heimat

* (Verjährungsaufschub.) In den letzten Tagen des Jahres pflegen sich bei den Amtsgerichten die Anträge auf Erlaß eines Zahlungsbefehls außer­ordentlich zu hänfen. Die Kaufleute, Handwerker, Aerzte und dergleichen, die aus den Geschäften des täglichen Lebens fällige Forderungen ausstehen haben, suchen auf diese Weise die Verjährung zu unterbrechen, die ihnen mit dem Jahresschluß vielfach droht. Der Silvester 1915 entbehrt, ebenso wie der des letzten Jahres, dieser rechtevernichtenden Bedeutung. Von der allgemeinen Richtung unserer Kriegsgesetzgebung, die auf möglichste Bewahrung des bestehenden Zustandes zielt, geleitet, hat der Bundesrat eine Verordnug er­lassen, der die Verjährung zunächst einmal bis zum Schlüsse des Jahres 1916 hinausschiebt. Diese Verord­nung vom 4. NouLluber MiTMießj M an diejenige vom 22. Dezember 1914 an, welche den Schluß dieses Jahres als Verjährungsbeginn festsetzte. Sie geht aber insoweit darüber hinaus, als sie alle Verjährungs­fristen, die von irgend einem Reichsgesetz für Ansprüche bestimmt sind, erfaßt, nicht nur die der §§ 196 und 197 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

* (Unter stützn ngen.) Aus der Unterstützungs­kasse des Hessischen Volksschullehrervereins wurde auch in diesem Jahre zu Weihnachten eine größere Anzahl von Witwen und Waisen der Volksschullehrer im Regierungsbezirk Cassel mit Unterstützungen bedacht. Die Höhe derselben richtet sich nach dem. von dem Ehe­mann bezw. Vater geleisteten Beitrag f der jährliche Beitrag eines Mitgliedes kann 5, 10 und 20 Mk. be­tragen ; alle diejenigen Lehrer, die jetzt in denUnter- stützungsverein eintreten, haben jährlich 20 Mark zu zahlen.

und schloß daraus, daß der Krieg tatsächlich immer em- fchiedener zu einem Ringen zwischen Deutschland und England werde. Wir fetten also, daß der Schlußstein für die Säuberung Gallipolis itocl) fehlt, und daß es sich um eine sehr wichtige Stellung, welche hier die Eng­länder einnehmen, handelt. Wie aber die Eröffnung des Weges nach Konstantinopel sofort zu der freiwilli­gen" Flucht der Engländer von Anaforta führte, da ge- nügend deutsche Geschütze zum Kampfe gegen England eingesetzt werden konnten, so wird der gleiche Umstand auch dazu beitragen, die wichtige Südspitze bei Sedd- ul-Babr von den englischen Eindringlingen zu säubern. Auch dieser Stützpunkt Englands ist bereits stark im Wanken, wenn auch die englischen Zeitungen heute rwch eine sehr kühne Sprache über Sedd-ul-Bahr führen. t-o- wie die Stellung der Engländer hier durch unsere ver­bündeten Truppen ernsthaft bedroht sein wird, dann werden wir wiederum hören, daß Sedd-ul-Bahr frei­willig geräumt wird. (Z)

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Wie ehren wir Heldentod und Helden­taten am würdigsten?

Eine der schönsten Betätigungen der deutschen Volksseele ist von alters her die liebevolle Ehrung der Toten. Selbst der Aermfle gibt gern, wenn es sich da­rum handelt, das Grab eines lieben Anverwandten zu schmücken. Unsere Friedhöfe reden davon eine Beredte Sprache. Auch der gegenwärtige Weltkrieg hat gezeigt, daß unser Volk nicht nachgelassen hat in der Lrebe, die den Tod überdauert und die jedem Gefallenen aus ,hei­ligster, edelster und reinster Begeisterung ein Gedacht- nismal aufrichten möchte für ewige Zeiten.

Ueberall im deutschen Volke wird deshalb eifrig die Frage erörtert, wie man am besten und ichonflen dre Gräber unserer gefallenen Soldaten schmücken und dem Gedächtnis an ihre Heldentaten würdige Denkmäler er­richten könne- sie wird auch in zahlreichen Eingaben an die maßgebenden Behörden behandelt. Von allen Serien kommen' hier Vorschläge und Anträge,- Ausstellungen sollen eröffnet werden, um Entwürfe für Kriegergrab- male und Denkmäler zu zeigen und so die Teilnahme an einer würdigen Ausgestaltung der letzten RuhefMt- ten unserer Krieger in weitesten Volkskreisen tn die Tat umzusetzen.

-g- Hersfeld, 80. Dezember. (Ziegen für das besetzte französische Gebiet.) Für die Be- völkerung des ht Frankreich besetzten Gebietes werden von der Oberleitung des landwirtschaftlichen Be­triebes des 11. Armeekorps eine größere Anzahl Ziegen und Ziegen bücke gesucht. Berkaufslustige wollen bis zum 9. Januar 1916 an den Vorsitzenden der hiesigen Ziegenzüchtervereinigung, Sparkassenkontrolleur Pil- gram, unter Preisangabe entsprechende Mitteilung machen.

Cassel, 29. Dezember. Der Vorstand der Landwirt­schaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel strebt den Ersatz der in der Landwirtschaft beschäftigten kriegsverwendungsfähigen Leute durch nicht mehr kriegsverwendungsfähige Soldaten an. Sie ersucht daher die Leiter landwirtschaftlicher Betriebe, anzu- geben, ob und in welcher Zahl kriegsverwendungs- sähtge Personen in dem betreffenden Betriebe einge­zogen sind, ob und für wieviel Personen bereits Er­satz beschafft worden ist, ob Wohnung für verheiratete Personen vorhanden isüJn Betracht kommen Gutsver­walter, Hofmeister, Molkeretverwalter, Schweizer, Knechte und sonstige landwirtschaftliche Arbeiter.

Hier Hlr das neue Jahr

dasHersfelder Tageblatt" noch nicht bestellt hat, beeile sich, damit in dem Bezüge keine Unterbrechung eintritt, denn heutzutage muß ein jeder täglich über die neusten Kriensereignisse

unterrichtet jem. Bon größter Wichtigkeit sind ferner die in dem Hersfelder Tageblatt" erscheinen­den zahlreichen iMgungee der Behörden

die von jedermann, besonders von

Handels- und Gewerbetreibenden, gelesen werden müssen.

So wohltuend alle solche Anregungen, Anfragen und Wünsche auch berühren, so enthalten sie doch vieles, was schließlich dem geläuterten Empfinden nicht stand- zuhallen vermöchte. Deshalb wird es in den maßgeben­den Stellen als dringend erwünscht angesehen, daß man sich hierin vorläufig noch eine gewisse, geradezu notwen­dige Selbstbeschräntung auf erlegen möchte. Großes hat unser Volk geleistet durch die Organisation, groß sollte es sich auch hier zeigen durch die freiwillige Einordnung aller Kräfte in ein gemeinsames Handeln nach klaren Gesichtspunkten.

Um eine würdige und einheitliche Ausgestaltung un­serer Kriegergräber, von den großen Friedhöfen, Grä­berfeldern und Massengräbern bis hinab zum Einzel- grab zu gewährleisten, müssen erst ausreichende Grund­lagen dafür geschaffen werden. Zu diesem Zwecke hat das preußische Kriegsministerium in Gemeinschaft mit dem Kultusministerium eine Anzahl von namhaften Künstlern, Bildhauern wie Architekten, aus allen Teiler» Deutschlands, veranlaßt, eine Bereifung der auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen vorhandenen Krieger- grabstätten vorzunehmen, um hier durch persönliche Augenscheinnahme die örtlichen Eindrücke und Erfah­rungen zu sammeln und sodann durch freie Aussprache in erweitertem Künstlerkreise festzustellen, welche For­men der großen und ernsten Sache würdig sein möchten.

Das Ergebnis dieser Bereifungen und Beratungen, die noch nicht zum Abschluß gelangt sind, wird in Form von Leitsätzen und Beispielen veröffentlicht werden. In ihrem Rahmen und in freiem Wettbenverb möge jener Berufene seine Kräfte einsetzen für eine ^Itrung der Gefallenen, mit der das. deutsche Volk vor aller Welt bestehen kann. Werden sich die Veröffentlichungen zu­nächst auch mehr auf die Grabstätten selbst beschränken, so werden sie doch auch für später in Betracht kom­mende Denkmalsanlagen die Richtung angeben und das Empfinden läutern können. Mögen dann Künstler und Knnstgewerbc, Vereine und einzelne Persönlichkeiten, jeder nach seiner Eigenart, aber alle nach den großen, gemeinsamen Gesichtspunkten wetteifern, wahrhaft Schönes zu schaffen, würdig dieser großen Zeit:

Den Gefallenen zum Gedächtnis,

Den Lebenden zur Anerkennung,

Den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung."