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„Daß ich zufafle, wenn die Gelegenheit günstig ist, wissen Sie ia. Aber wir werden unsere Truppen nur dann einsetzen, wenn der Erfolg die Opfer lohnt."

4-te Rede kam auf die Schlacht bei Taunenberg und die einem Laien fast unbegreifliche Kühnheit, den russi­schen General Rennenkanwf bei Gumbinnen einfach stehen zu lasten und die ihm entgegenstehenden Truppen nach den Seenherunterzuzieheu.

„Die Aufklärung der Russen war eben ungenügend," sagte der Marschall. „Renneukampf glaubte, unsere Truppen ivürden sich vor Königsberg versammeln und die Narew-Armee von Süden heraufkommen, um sich mit ihm zu vereinigen. Das Gefühl der Verantwortung war nicht leicht damals. Ich erinnere mich iwd) der Massen ostpreutzischer Flüchtlinge, die rechts und links der Straße kampierten, weil die Straßen für Truppen­transporte sreigemacht werden mußten. Ich sagte mir, daß alle diese Leute unrettbar verloren waren, wenn mein Plan mißlang. Es gab gar keine Möglichkeit, sie zu bergen."

Ich fragte, ob neben der enormen geistigen An- spannung diese Last auf dem Gemüt denn erträglich wäre.

„Matt faßt die Aufgabe eben als Pflicht auf," ent- gegnete der Feldmarschall, „und dann, wenn ich mich so ausdrücken darf, wie eine Studie, als Lösung einer wis­senschaftlichen Aufgabe. Man ist gespannt darauf: Kann ders besser oder ich? Und mit der Lösung dieser Aufgabe ist man so ausgefüllt, daß daneben nichts anderes Play hat. Erst wenn die Sache vorbei ist, kommt es einem wieder zum Bewußtsein, wie schwer die Verantwortung war."

Ich erlaubte mir, zu bemerken, daß immerhin eine ungewöhnliche Ruhe und vorzügliche Nerven dazu ge­hörten, worauf der Feldmarschall einfach sagte: „Ja, aufgeregte Leute kann man an solcher Stelle nicht brau­chen!"

Es gehört freilich keine große Menschenkenntnis da­zu, um selbst nach einem kurzen Zusammensein mit die­sem Manne zu wissen, daß eine Lebenslage, die ihm seine Ruhe rauben könne, einfach undenkbar ist.

Als er uns zum Abschied sagte: „Durchhalten wollen mir — vielmehr nicht durchhalten allein, sondern gründ­lich siegen!", da wußte ich, daß der, der so sprach, ein Recht dazu hatte, weil sein Kopf und Herz stark genug sind, diese Mahnung wahrzumachen. Ich fühlte in mei­nem eigenen Herzen das Gefühl des Dankes, daß der Himmel uns Deutschen wieder einmal in schwerster Zeit die Männer geschenkt hat, die uns aus dem Dunkel der Not ins Licht hoffnungsvoller und frischer Taten hinausführen.

Zur Frage der Beurlaubung

wurde im Hauptausschuß des Reichstags am Sonnabend einstim­mig anoenommen die konserwative Entschließung, die Beurlau- sting so zu regeln, daß Leiter landvirtschastlicher und gewerblicher Betriebe tunlichst zu den Zeiten beurlaubt werden, zu Venen ihre Tätigkeit in ihren Betrieben besonders »ringend nötig ist. Die Entschließung der Nationallibe- mlen, zum Schutze der Versorgung und Förderung des Wirtschafts- xbens Anordnungen zu treffen, daß behufs Milderung der in den Kreisen der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden und Land­wirte durch den Mangel an geeigneten Arbeitskräften bestehende Schwierigkeiten die in den Garnisonen befindlichen Truppenteile Beurlaubungen geeigneter Mannschaften vornehmen und daß die stommunalverbünde in regelmäßigen kurzen Zwischenräumen die Zahl, den Zeitpunkt und die Art der benötigten Kräfte feststellen, würd mit großer Mehrheit angenommen und zu derselben Frage die sozialdemokratische Entschließung, bei der Gewährung von Urlaub zunächst die Mannschaften zu berücksichtigen, die bisher noch nicht auf Urlaub waren, den beurlaubten Mannschaften für die Dauer des Urlaubs das für ihren Urlaub festgesetzte Be- Köstigungsgeld bei Urlaubsantritt auszuzahlen und allen nach der Heimat beurlaubten Militärpersonen für die Zeit des Urlaubs Verpflegungsgeld zu gewähren und Löhnung mit Verpflegungs- geld vor Antritt oder während der Dauer des Urlaubs zu zahlen.

3ur Frage der Familienunterstützung

wurde der Vorschlag der Unterkommission angenommen, die Familienunterstützung zu gewähren, wenn nach der lausenden Steuerveranlagung das Einkommen in den Orten der Tarif­klasse E 1OOO Mark und weniger, in den Orten der Tarifklasse 3 und D 1200 Mark und weniger, in den Orten der Tarifklasse \ und B 1500 Mark und weniger beträgt unter Wegfall des Anspruchs, wenn der zum Militärdienst Eingezogene in seinem Willkommen keinen Ausfall erleidet. Angenommen wurde ferner »er Antrag der wirtschaftlichen Vereinigung, Witwen, die Kriegs- linletbHebenenrente beziehen, bei Wiederverheiratung eine ein- nalige Abfindung zu gewähren oder einen Teil der Rente zu «lassen.

Srieassilerlei.

Keine Kriegsauleihe vor März 1916.

Der Reichsschatzsekretär hat bekanntlich beim Nelchs- age die Bewilligung eines wetteren Kredits von .0 Milliarden Mark beantragt. Im Anschluß hieran st vielfach im Publikum die Meinung verbreitet, daß der Genehmigung des Kredits durch den Reichstag alsbald sie Ausgabe einer neuen Krieg^nlethe folgenwerbe, ^n der Presse ist zwar diese Auffassung bereits widerlegt vorden,- es erscheint indes migezeigt, nochmals daraus linzuweisen, daß der Reichsschatzsekretar dem Reichvtage mt voller Deutlichkeit erklärt hat, vor demMärz nächsten Wahres sei keinesfalls die Ausgabe einer wetteren Triegsanleihe zu erwarten. Auf Grund der fiir die »isberiaen Kriegsanleihen festgesetzten Ennsilvnsbedm- ME läßt'sich aus dieser Erklärung folgern, daß, wenn m neuen Juhre eine weitere Anleihe auf ben Mark §mM Einzahl^ auf diese „nicht vor dem April lächsten Jahres zu leisten fern wurden.

Die „Ancoua"-Krisis vertagt.

Kölnische Zeitung" meldet aus Washington »Ei« durch Funkspruch: Der Bruch mit Oesterreich- llnaarn ist vertagt worden, weil die aulerikanische Re- rieruna eine zweite Note schicken will. Das allgemeine ynu^h?ben dahin, daß Washington zu weit gegan- 6errW darüber, wie man

^ Ä-. Es bewerkstelligen könne. Eine endgültige i/ntfS>uiia wird nicht getroffen, bis Präsident Wilson in i>S ersten Januarwoche von seiner Hochzeitsreise zu- rückgekehrest. ^^ ^ unverheirateten in England.

Reuter berichtet vom 18. Dezember: Heute früh wur- xonoeicklaaen, daß die Einberufung der L, Plakate f®^^ Männer awE atmen 2, 3, 4 un« $ Lord Derbys Rekru- tierungsplan mÄn 5Ä am 22. Dezember be-

Meiduna des Suezkanals durch französische Reedereien. ^Rotterdam, 20. Dezember. (T. U.) Aus Paris hem B L.-A." gemeldet, daß auch bte fran- - mnfera efettfebaft „Messagerie Maritime" und nnASCin?nnhere6bcr größten Frachtdampfergesellschaften Stoffen S benÄfanal nicht mehr zu benutzen.

veröffentlicht eine königliche

Der "-taatsanMger ^ n ^

Verordnung wegen v Landtases zum 13. 3WW lölv.

Die französische „Sieges«,ileihe" eine Enttänschnng.

Nach dem Baseler Anzeiger wird in Paris das Er­gebnis der französischen Kriegsanleihe bis jetzt mit Ein­schluß der Konversionen auf 15 Milliarden Frank ge­schätzt. Man rechnet in Geschäftskreisen mit wirklichen Bareingängen von nur 4—5 Milliarden. Das Ergebnis wird als enttäuschend betrachtet.

In einem bulgarischen Gefangenenlager.

Im Gefangenenlager zn Küstendil wandten sich die gefangenen französischen Offiziere durch den französischen Hauptmann Charpentier an das bulgarische Kommando mit dem Ersuchen, sie von den englischen und serbischen Offizieren abzusondern, weil diese eine herausfordernde Haltung einnehmen. Leutnant Jankovies, der Sohn des serbischen Wvywoden Jankovies, beleidigte die fran­zösischen Offiziere dnrch Vorwürfe, daß sie zu mät mit ihrer Hilfe kamen. Die englischen Offiziere brüskieren die französischen. Das Kommando des Gefangenenlagers traf die Entscheidung, die Gefangenen nach Nationalität abzusondern.

Französische Schützengrabenklagen.

Das Verlangen nach einer schärferen Kontrolle in der Armeezone wird immer lauter. Die „Hulnatniee" schreibt in einem Artikel: Die zahlreichen von der Front erhaltenen Briefe rechtfertigen offen die von uns wieder- holt ausgesprochene Forderung nach einer strengeren und genaueren Kontrolle der Armeezone. Den Soldaten mangelt es nicht allein an Stiefeln, an Kleidern, auch ihre Schützengräben sind an vielen Abschnitten tn schlechtem Zustande. Tiefe Unterstünde sind fast nirgends vorhanden. Das Blatt wendet sich gegen die von der großen offiziösen Presse verbreitete Unwahrheit über die gute Verpflegung der Soldaten. Es genüge, sich mit Beurlaubten zu unterhalten, die schmntzig und schlamm- beschmutzt in abgenutzter Uniform aus den Schützen­gräben kommen, um sich von der Unzufriedenheit der Truppen über die ungenügende Verpflegung zu über­zeugen. „Humanitee" schließt mit der Erwartung, daß die parlamentarische Kontrolle ausgedehnt und verschärft werden müsse, um eine andauernde deprimierende Er­müdung auf die Schlagkraft der Armee zu vermeiden.

Auf einem amerikanischen U-Boot

Eine Fahrt auf einem amerikanischen Unterseeboot wird im „Public Ledger" in Philadelphia in anschau lieber Weise geschildert. Die Beschreibung gewinnt an Interesse, weil das Boot, wie die „Continental Times" nach der „Köln. Ztg." berichtet, zur Verwendung in eu­ropäischen Gewässern bestimmt ist. Es heißt da:

„Jeder Mann auf seinen Posten! iWitng!" ruft der Kommandant. Die 15 Mann der Besatzung sind im ganzen Schiff verteilt. Die Ventile werden geöffnet, und das Wasser strömt in die Tanks. Es sind unter ihnen drei Ballasttanks, ein Reguliertank, ein Hilss- tank. Das Unterseeboot ist so gut gebaut, daß das in einen Tank aufgenommene Wasser in einen andern, die Länge des Fahrzeugs hindurch, geblasen werben kann, einfach durch bte Handhabung von Hebeln und Pumpen durch die Mannschaft. Alles fertig! ruft der Kapitän. Und eilte Minute später: „Nehmt 300 Pfund in den vor­der« Trin-Tank!" Das Ventil wird geöffnet, und man hört den Zustrom des brausenden Wassers. Das Unter­seeboot beginnt sich von vorn zu senken. 200 Pfund in den Hintern Trin-Tank!" ruft der Kommandant. Das Verfahren dauert an, bis das Fahrzeug auf ebenen Kiel untergetaucht ist. Durch das Periskop gesehen, erstreckt sich die See nach jeder Richtung bis auf die entfernte Küstenlinie. Nun sehen wir unser schwimmendes Ge­fängnis Fuß um Fuß niedergehen. Tatsächlich sind wir bereits unter Wasser und blicken über die Oberskäche nur durch das Periskop. Eine andere Minute und die Wellen kommen über uns. Wir sind verschwunden, die Periskops sind unter Wasser und eine Tiefe von 25 Fuß ist. erreicht. Aller Augen blicken auf den kleinen schwar­zen Anzeiger, der uns auf dem Tiefenmesser allein zeigt, wie tief wir sind. Plötzlich beginnt er schnell sich zu drehen und mir tauchen schnell. Der Anzeiger hält mit einem Ruck auf 42 inite. Der Kiel ist 12 Fuß unter dem Anzeiger. Also sind wir 54 Fuß tief. Erst nach der Probefahrt erfahren wir, daß das Boot plötzlich aus der Hand gekommen und bis zum Boden der Hafeneinfahrt niedergeglitten ist. Beim nächsten Versuch war das sta­tische Tauchen von Erfolg begleitet, und wir schwimmen 30 Fuß tief, balancierend wie ein Akrobat auf zwei Stuhlfüßen. In dieser Lage versuchen wir einen auf allen Unterseebooten eingeführten Sicherheitsapparat. Der Kapitän stellt ihn auf 35 Fuß, das bedeutet, daß wenn wir eine Tiefe von 35 Fuß erreicht haben, der Me­chanismus uns mit einem Ruck an die Oberfläche senden wird. Wieder werden die Tanks und Ventile geregelt und wir sinken. Bei 33 sinken wir noch, wir gehen bei ■34 noch abwärts. Als der Anzeiger von 34 auf 35 rückt, findet irgendwo in ben Eingeweiden des Boots ein Krampf statt, eine durchgehende Erschütterung, und der Anzeiger beginnt nach der anderen Seite zu schlagen. In weniger als 30 Sekunden werden wir mit Elcvatv- rengefebwinbigteit nach oben gehoben, als ob eine über­natürliche Macht plötzlich in die Tiefe gegriffen und uns vom Bett des Ozeans in die Höhe gerissen hätte. Dieser Ndechanismus kann auf jede Tiefe gestellt werden und arbeitet sicher wie die Sonne.

Das Abfeuern der Torpedos ist ein interessanter Vorgang. Vier Rohre werden geladen und vier weitere Torpedos herzugebracht. Wir werden vier abfeuern und vier laden bei voller Fahrtgeschwindigkeit. Der Rohr­meister und seine Leute ergreifen die Verschlüsse und machen alles zum Abfeuern fertig. Dieses selbst erfolgt durch den Kommandanten im Turm. Durch auf bem Periskopalas markierte Punkte und mit Hilfe eines ma- thenmtischen Entfernungsmessers hat er die Richtung unter dem erforderlichen Winkel genommen. Kleine rote Lichter zeigen ihm durch ihr Erscheinen au, sobald die Rohre fertig zum Feuern sind. Im richtigen Augen­blick drückt er auf den Hebel. Drunten ein zischender Laut, gefolgt von dem Brausen des die leere Torpedo­kammer füllenden Waffers. Durch das Periskop blik- keud, sieht man das Torpedo wenige Meter vor dem Bug auf die Wafferoberfläche springen und dann vorwärts schießen mit einer größeren Geschwindigkeit, als sie das Boot besitzt. In weniger als zwei Minuten sind die vier Torpedos abgefeuert, natürlich in unserm Falle ohne Sprengladung. Das Wasser wird aus den Rohren in die Hrlfstanks gepumch, die Verschlüsse geöffnet; die übrigen vier Torpedos auf den Schienen beweglicher Scheiben herangerollt und in die leeren Rohre gedrückt. In weniger als zehn Minllten kann man acht Torpedos abfeuern.

Vermischtes.

Während der Grabrede gestorben. Aus Braun­schweig wird der „Vosi. Ztg." gedrahtet: Als der Landes­rabbiner Dr. Rülf bei der Trauerfeier für den gefallenen Leutnant Kurt Elias das Schlußgebet gesprochen hatte, stürzte er von einem Herzschlag getroffen tot zur Erde nteber. Der Verstorbene stand im 64. Lebensjahre.

Gerechte Zstchtignng. Vor einigen Tagen fuhr evi Kriegsinvalide, dem eine Granate ein Bein forlaerissen hatte, von Htrmburg nach einer unterelbischen Kation. Als der Invalide, der ein künstliches Bein hatte, zur Milderung seiner Schmerze,t einen Augenblick aufstand und an das Fenster trat, setzte sich ein anderer Fahr aast auf feilten Eckplay am Fenster. Das höfliche Ersuchen des Kriegsbeschädigten, ihm seinen Platz wieder einzu- räumen, da er nicht länger sieben könne, weil eine Gra­nate ihm ein Bein weggerissen habe, beantwortete der Rohling mit der unglaublich gefühlsrohen Bemerluua, er hätte sein Bein nicht dorthin halten sollen, wo die Granate einschlug. Man sann begreifen, daß sich der Zuhörer eine gerechte Empörung bemächtigte, der ein Matrosenartillerist dadurch den richtigen Ausdruck gab, daß er dem Rohling links und rechts ein paar hinter die Ohren gab, daß es nur so knallte. Dann packte er ihn am Kragen, als der Zug gerade in Cadenberge hielt, und warf ihn kurzerhand zur Tür hinaus. Die anderen Fahrgäste begrüßten diese Urteilsvollstreckung mit lautem Bravo.

Ein Millionett-Steuerhinterziehnngsprozest Wie der Bonner Generalanzeiger meldet, ist nach ungefähr vier* wöchiger Verhandlung das Urteil in dem Prozeß wegen Hinterziehung der Branutweinsteuer gefüllt worden. Es lautet gegen den Brennereibesitzer Bötttcher in Eitorf wegen Hinterztehnng in drei Fällen auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis, 18 316 818 Mark Geldstrafe und im linvertnögensfalle auf eine Zusatzstrafe von 18 Monaten Gefängnis, wobei ein Jahr drei Monate der Unter- snchungshaft angeredmet mürben; gegen den Kaufmann Jausen in Eitors auf 8 Monate Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erklärt wurden und auf 8 302 492 Mark Geldstrafe, bezw. (> Monate Gefängnis, und gegen den Brennereibesitzer Lubauski in Homberg wegen Hinterziehung in zwei Fällen aus einen Monat Gefüngnis und 4 818 404 Mark Geldstrafe bezw. ein Jahr y>)efüngnts.

Wilsons Vermählung. Die Vermählung Wilsous mit Frau (halt fand am Sonnabend in Washington ohne Festlichkeit statt. Das Paar begab sich auf eine vierzebntäaiae Hochzeitsreise nach dem Süden.

Französische Rattenfängerabteilnngen. Wie Pariser Blüttern zu entnehmen ist, kommt aus den Schiitzeu- grüben und den Militärlagern seit 15 Monaten immer noch dieselbe Klage: „Befreit uns von Ratten! Unsere Soldaten sind so weit gekommen, diese Tiere mehr zn flirchteu als die Boches!" Trotzdem und trotz deträcht- licher Schäden, die wiederholt festgestellt wurden, ist so lange keine umfassende Wbwebrmaßitabme getroffen worden. Denn der Sanitätsdienst und die Jntendau- turverwaltung waren in dieser Angelegenheit in Streit geraten, wer zuständig sei, indes die Ratten mehr und mehr zunahmen. Endlich hat man sich jetzt zum Han­deln aufgerafft und bestimmt, daß der Sanitätsdienst Abhilfe zu schaffen habe. Darauf versammelten sich die­ser Tage 75 Aerzte der einzelnen ArineekorpS im Pastelirschen Jnstttnt, wo ihnen von wissenschaftlicher Seite Belehrungen über ben Krieg gegen die Ratten zuteil würben. Außer den in der yanbwirtfebaft ge- brüuchlichen giftigen Hörnern und Streupulvern sollen in diesem Kamps künftighin hauptsächlich zwei in der Pasteurschen Anstalt eigens zn diesem Zweck hergestellte Giftstoffe verwendet werden, die entweder unmittelbar tödlich wirken, ober ansteckende innere Krankheiten mit demselben Ausgang hervorrufen. Die Anwendung und die Vorsichtsnraßregeln im Umgang mit diesen Giften wurde den Zuhörern ebenfalls mitgeteilt. Datlach wer­den sich besondere Rattensängerabteilungen au je vier Mann bilden, und man hofft, daß sie in 20 Tagen wenigstens 50 Kilometer Schützengraben ober Stellnngs- gelände (Lager, Vorratsräume, Lazarette) säubern können. Die Munition für diese von den Truppen so sehr gewünfdjte Offensive soll bereits zur Front un­terwegs sein.

Feldgrauer Humor. 1915. Ich stand mit anderen müßigen Zuschauern hinter der durchsichtigen Taxushecke und befrachtete die Geschehnisse auf den weiten ebenen Feld. Ganz aus der Nähe, jenseits der Hecke, hörte ich folgendes Gespräch: „Meine Ansicht, Herr Pro­fessor." . . . „Aber bitte, Herr Doktor." . . . „Nun also, Herr Negierungsrat." . . . „Wie Sie meinen, Herr Amtsrichter." . . . „Jetzt glaubt's auch der Herr Assessor." Ein schwerer Schritt, ein kurzes Äommanbo und dann standen sie stumm und stramm nebeneinander — schmutzig und verstaubt in ihrer Exerzieruniform fünf einfache deutsche Soldaten. — Vorm Ausmarsch. Jung­geselle: „Also leben Sie wohl, Theres!" Laligjährtge Haushälterin: „Sie auch, gnä' Herr, aber gelt, mittags net zu lang schlafen!" — Teure Zeiten. . Füher Hütte ich für diesen Hut, den ich mir heute getauft, sechzig Mark bezahlt, jetzt kostet er hundert,- aber Gott, es wird eben alles teurer." „Die Milch ist auch schon wieder um einen Pfennig aufgeschlagen!" „So eine Gemeinheit!"

Weitere Drahtnachrichten,

Rene Anfragen Liebknechts.

w. Berlin, 20. Dezember. (T. U.) Im Reichstage sind, wie die „Voss. Ztg." meldet, drei neue kleine An­fragen des Abgeordneten Liebknecht zur Verteilung ge« langt. Ihr Inhalt läßt darauf schließen, daß sie wieder ohne Zustimmung der Mehrheit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eingebracht worden sind.

Italienische Landungstruppen nach dem Innern Albaniens?

0-* Genf, 20. Dezember. (T. U.) Eine Pariser Mel­dung besagt nach der „Voss. Ztg.", baß die in Vallona ge­landeten angeblich 30 000 Mann italienischer Truppen in das Innere Albaniens gesandt wurden. In Erwartung weiterer Verhärtungen sollen diese Truppen die Opera­tionsbasis Mir die nach Montenegro und Albanien ae- flüchteten Serben vorbereiten, die Verpflegung dieser Truppen und der serbischen Zivilbevölkerung sichern, die Straßen für eine spätere Angriffsbewegung in Stand setzen und den Ausstand der albanischen Stämme ein- bämmen.

Der türkische Bericht.

Konstantiuopel, 19. Dezember. (WTB.) Das Haupt­quartier teilt mit: An der Jratfront entwickeln sich zu unseren gunsten bei Kut el Amara örtliche Kämpfe mit kurzen Unterbrechungen. An der Kaukasusfront nichts von Bedeutung. An der Dardanelleufront bei Anaforta und Ari Burun Artillerie -und Bombenkämpfe. Der von unserer Artillerie an der Ausschiffuugsstclle von Ari Burun in der 3!acht vom 18. Dezember verursachte Brand dauerte bis zum Vormittag. Bei Sedd ül Bahr warf der Feind wie üblich eine große Menge von Bomben und Lufttorpedos gegen unsere Schützengräben in unserm Zentrum und linken Flügel. Unsere Artillerie erwiderte und beschoß erfolgre.ch die Bombenwerfer- und Torpedowerferstellungen sowie die feindliche Artillerie, die sie zum Schweigen brächte, als diese das Feuer eröffnete, und zerstörte einen Teil der feindlichen Gräben Ern Kreuzer und ein Monitor schössen wirkungslos in verschiedenen Richtungen c<wu unsere. Stell »naen und zogen sich zurück.