. GriechemaM vemovilifiert wi^t.
Genf, 16. Dezember. (T. U.) Nach einer Athener Meldung werben dem „B. T." zufolge alle von einer Demobilisierung des griechischen Heeres von ber Regierung Zementiert. Eine SaIonisier Depesche der hreftgen Morgenblatter besagt, daß die griechische Ne- grerung dem 5. griechischen Armeekorps Befehl erteilt habe, Saloniki zu verlassen.
Kundgebung gegen Venizelos.
** Budapest, 16. Dezember. (T. U.) In Saloniki fand, wie der „B. L.-A." berichtet, im Odeon-Theater eine Kundgebung gegen Venizelos statt. Anläßlich der Aufführung eines Stückes, in dem auch der Persi ’ ' früheren Ministerpräsidenten Erwähnung geschah
on des
sruyeren Minmerpranoenten Ermahnung geschah, standen die Zuschauer auf und riefen: „Nieder mit dem Verräter, nieder mit Venizelos!"
i Griechische Oberhoheit über Saloniki.
Der Berichterstatter des Secolo, Magrini, drahtet unter dem 13. Dezember aus Saloniki, daß nach der Besetzung von Dotran durch die Bulgaren auf dem Gouverneureritssgebäude die bulgarische Flagge gehißt wurde. Griechenland habe zwar nicht eingewilligt, daß die griechischen Befestigungswerke Salonikis von den Alliierten besetzt wurden, aber die griechischen Truppen hätten bereits die Umgebung Salonikis verlassen. Zum Zeichen der griechischen Oberhoheit bleibe nur ein griechisches Bataillon in Saloniki zurück. Am 12. Dezember hätten die Griechen Topsin geräumt. Die militärischen Punkte seien von den Engländern besetzt worden.
Die österreichisch-ungarische Note an Washington.
Aus Wien wird gemeldet: Der Minister des Aeu- ßerit hat dem amerikanischen Botschafter eine vorläufige Antwortnote auf die amerikanische Anconanote zugehen lassen. Darin wird gesagt, daß die Schärfe, mit der die amerikanische Regierung den Ubovtskommandanten tadelt, und die Entschiedenheit ihrer Forderungen an die österreichisch-ungarische Regierung wohl eine genaue Angabe der tatsächlichen Umstände des Falles hätte erwarten lassen. Die in der besagten Note enthaltene Darstellung gebe durchaus keine genügende Handhabe, um dem Kommandanten oder der Regierung oer Monarchie ein Verschulden zur Last zu legen, und weiter werden in der Note die Angaben der Zeugen, auf deren Aussagen die Unionsregierung sich berufe, und die Zahl, die Namen und Angaben über das nähere Schicksal der an Bord der Ancona befindlichen Amerikaner vermißt. Sodann wird gefragt, weshalb die amerikanische Regierung an die Stelle einer juristischen Begründung ihrer Forderungen den Hinweis auf ihren Schriftwechsel mit , einer andern Regierung in eurer anderen Angelegenheit gesetzt hat. Die österreichisch-ungarische Regierung lehne es ab, der amerikanischen auf diesem ungewöhnlichen Wege zu folgen, und gebe ihr anheim, die ein- zelnen Rechtssätze, gegen die der Kommandant des U- bootes, das die „Ancona" versenkte, verstoßen haben soll, zu formulieren. Sollte die Regierung der Union mit dem Hinweise auf die Haltung des Berliner Kabinetts die Meinung habe äußern wollen, als sei der Ancona- Angelegenheit damit ein Präjudiz gegeben, so erklärt die Regierung der Monarchie, daß sie sich selbstverständlich die volle Freiheit wahre, bei Erörterung des Ancona- Falles ihre eigene Rechtsauffassung geltend zu machen. Die Note schließt mit dem Ausdruck aufrichtigsten Bedauerns für die unschuldigen Opfer des Ancona-Vor- falles.
Ein englischer Monitor versenkt.
Das türkische Hauptquartier teilt mit: Auf der Irak- front wurden die letzten auf dem rechten Ufer des Tigris befindlichen Häuser in Kut-el-Amara am 13. Dezember erstürmt. Von zwei feindlichen Monitoren, die in östlicher Richtung zu entfliehen versuchten, wurde einer durch unsere Artillerie versenkt, der andere kehrte auf seinen alten Platz zurück. Auf der Kaukasusfront hat sich nichts ereignet. Auf der Darbanettenfront örtliche Feuergefechte aller Art, besonders mit Bomben und Lufttorpedos. Unsere Artillerie zwang feindliche Schiffe, die in der Bucht von Kemikli Liman Schutz suchen wollten, zur Flucht. Bei Ari Burnu zerstörten zwei von uns auf dem rechten Flügel zur Explosion gebrachte Minen zwei feindliche Gegenminen. Ein feindlicher Kreuzer beschoß wirkungslos unsere Stellungen in diesem Abschnitte und zog sich dann zurück. Unsere Artillerie zwang einen feindlichen Kreuzer sowie ein feindliches Torpedoboot, die sich der Küste näherten, um unseren linken Flügel zu beschießen, sich zu entfernen, und brächte einige feindliche Batterien zum Schweigen.
Die Streitmacht der Türken.
»■^ Lugano, 16. Dezember. (T. U.) Die letzte Nummer des „Temps" veröffentlicht nach dem „B. L.-A. folgenden Bericht ihres Spezialberichterstatters: Sie Türkei wird in kürzester Zeit über eine Streitmacht von 2 Millionen Mann verfügen. Die eigentliche Tätigkeit der türkischen Armee wird erst jetzt mit voller Kraft em- setzen.
Die Regelung der
Kriegsbesoldungsordnung.
Der Hauptausschuß des Reichstages faßte am Mittwoch über eine Reche von Anträgen Beschluß.^.Es wurden beschlossen Resolutionen der verschiedenditen Parteien über Kriegsmaßnahmen, wie Krieg^unterstut- zuNgen, Höchstpreise, Butterkarten sowie Herabsetzung der Altersgrenze in der Reichsverncherungsorönung von 70 auf 65 Jahre. Der Hauptausschuß nahm ferner eine Resolution des Zentrums aus Schassung .einer Zentralstelle für Lebensmittelversorgung einstimmig an. Sodann wurde über die Regelung^ der KnegsbewI- dunasverordnung beraten. Der Stellvertreter des Kriegsministers erklärte, er sei im Benehmen mit dem Rei^Sschatzsekretär In tel”.”6lÄ^ SÄ Die Ä^ SSL taXeSen Snen die 1870 scE worden teilt anderes (Entrannen als das anOem aue>^
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UMEMW Die finanzielle Wirkung einer v
Feldoffiziere, besonders vom Hauptmann oder Major aufwärts, dürfen nicht überschätzt werden.
Kriegsalierlei.
Der Kaiser in Berlin.
Wolffs Bureau meldet amtlich aus Berlin: Seine Majestät der Kaiser ist nach einer längeren Reise zu den Armeen im Befehlsbereich des Generalfeldmarschalls von Hindenburg und einer Besichtigung der Mariue- anlagen zu Libau zu vorübergehendem Aufenthalt in Berlin eingetroffen.
Andere englische Urteile zur Kanzlerrede.
Der Amsterdamer Berichterstatter der „Boss. 3ta" meldet, daß ihm aus London sein Gewährsmann ve- richte: Gescheitere Köpfe Englands denken über die Kanzlerrede anders als Reuter und der größte Teil der englischen Presse. Ich wohute am Sonntag einer Zusammenkunft von Politikern bei, an der auch Mitglieder des Unterhauses und mehrere Lords teilnahmen. Es sollten andere Fragen besprochen werden, aber das Interesse war allgemein auf die damals schon vollständig vorliegende Rede des Reichskanzlers gerichtet. Das Ergebnis einer langen Aussprache war, daß man einstimmig anerkannte, wie wahrheitsgetreu die deutsche Regierung das Volk fortwährend über alle wichtigen Kriegsereignisse unterrichtet und sogar zukünftige Plane dem Volke so begreislich macht, daß der geringste deutsche Arbeiter über die Kriegslage besser unterrichtet und aufgeklärt wird, als in England es die Regierung dem Parlament gegenüber tut. Es sei bedauerlich, daß eine offene Aussprache über den Frieden, wie sie im deutschen Reichstage stattfand, in England unmöglich sei. Die Teilnehmer der Sitzung beschlossen, wenn möglich mit Hilfe gleichgesiunter Parlamentarier eine Anfrage über den Frieden im Unterhause einzubringen.
An der rumänisch-russischen Grenze.
Der „Pester Lloyd" meldet aus Bukarest: Nach verläßlichen Meldungen schaffen die Russen den größten Teil der a» der bessarabischen Grenze gegen Rumänien aufgestellten Truppenkörper wieder fort. Die telegraphische Verbindung zwischen Rußland und Rumänien ist eingestellt.
Der Zar fühlt sich verraten.
Wie der „B. L.-A." aus Czernowitz berichtet, schilderte dort ein Flüchtling aus dem Tarnopoler Bezirk die Lage unter der Russenherrschaft. Er berichtete u. a.: Am 28. November besichtigte ein General, vermutlich Kuropatkin, die Truppen und überbrachte ihnen den Gruß des Zaren. Er sagte dabei, der Zar sei tief betrübt über das Geschick des russischen Volkes und verlange die Aufraffung aller Kräfte, um deu Sieg zu erringen. Große Dinge stünden bevor, von deren Verlauf die Ehre oder die Schmach Rußlands abhänge. Schmerzlich empfinde er den Verrat durch die eigenen Bundesgenossen, die russischen Truppen müßten daher ihre letzte Kraft opfern, um das Schicksal zu zwingest.
Die künftige Stellung Elsaß-Lothringens.
Im Hauptausschusse des Reichstages wurde die Frage in vertraulicher Weise erörtert, ob die staatsrechtliche Stellung Elsaß-Lothringens innerhalb des Deutschen Reiches anders als bisher zu gestalten sein werde. Bei Beginn der Verhgnölungen gab der Stellvertreter des Reichskanzlers folgende Erklärung ab: Es ist bekannt, daß die Entwickelung der Verhältnisse in Elsatz- Lothringen Zweifel darüber hat entstehen lassen, ob der bisherige staatsrechtliche Zustand in den Reichslanden nach dem Frieden aufrechtzuerhalten sei. Diese Frage ist auch in der Presse schon wiederholt erörtert. Auch in Besprechungen, die der Herr Reichskanzler aus anderen Anlässen mit den leitenden Ministern einzelner Bundes- staaten gehabt hat, ist diese Frage berührt. Diese ge- sprächswefte Behandlung derselben hat indessen zu einem bestimmten Programm nicht geführt. Auch die Regierung des führenden Bundesstaates ist zu einer Entscheidung darüber, ob und in welcher Weise dieses Problem in Angriff genommen werden solle, noch nicht gelangt. Der Bundesrat ist mit dieser Frage überhaupt noch nicht befaßt worden. Ich bin daher nicht in der Lage, in dieser Frage namens des Herrn Reichskanzlers oder der verbündeten Regierungen Stellung zu nehmen.
51 italienische Generäle entlassen.
Die Zahl der während des Krieges ihrer Stellung enthobenen italienischen Generäle beträgt nicht weniger als 51.
Vermischtes.
Prinz Joachim im Felde. Ein aus der Löwen- berger Gegend stammender Feldgrauer schreibt dem „Liegnitzer Tageblatt": „Ich hatte Gelegenheit, Ende September ganz in der Nähe des Prinzen Joachim zn verweilen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich so recht die Leutseligkeit und AnspruchslosigkAt des Prinzen kennen lernen. An einem Tage der Offensive dauerte es länger als anfangs.angenommen worden war, ehe Quartier bezogen werden konnte. Sein Butterbrot hatte der Prinz (Rittmeister) längst einem, hungrigen Soldaten gegeben. Als sich der Hunger beim Prinzen bemerkbar machte, fragte er den ihn begleitenden Burschen, ob er nicht noch etwas zu essen da habe. Es war zu der Zeit der Offensive, als Schmalhans manchen Tag Küchenmeister war und der Bursche war hinsichtlich des Essens „blank". Da ließ sich der Prinz ein Kochgeschirr voll Pellkartoffeln kochen und atz diese ohne jede Zutat (Butter oder Schmalz war nicht zur Stelle). Am Schluß des Mahles versicherte er dem Burschen, daß es ihm vorzüglich geschmeckt habe. Am 26. September hatte ich Gelegenheit, die Unerschrockenheit des Hohenzollern- prinzen zu beobachten. Es entspann sich im Laufe des Nachmittags ein lebhaftes Artillerie-Duell, so daß man recht oft vor' den feindlichen Granaten den bekannten „Bückling" machen mußte. Der Prinz aber ließ sich durch diese „Liebesgaben" nicht stören und scherzte mit seiner Umgebung.
Eine seltene Ordensanszeichnung ist Marschall Hindenburg zuteil geworden. Der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz verlieh dem Feldherrn als außerordentlichen Beweis seiner Hochschätzung das Grotzkreuz des Hansordens der Wendischen Krone mit Schwertern in Gold. Die Auszeichnung ist bisher im ganzen nur viermal verliehen worden, und zwar an die beiden Generalfeldmarschälle Grafen von Moltke und Grafen von Wrangel, sowie an den Kriegsminister von Roon und an den General Vogel von Falckenstein.
Feldgrauer Humor. John Bull: „Verflucht, jetzt hat der Konstantin seine Stammes nach Hause geschickt, — da werden die Neuwahlen mich wieder ein schönes Stück (Held kosten!" — Gastfreundlich. „Hat die Tante ordentlich aufgetischt, als ihr sie Sonntag besuchtet?" „Na, die . . . sogar von unserm Kriegsbrot hat sie noch mitgegessen, das wir uns zur Vorsicht eingesteckt harten!" — Ein nobler Arrestant. Gefängnisinipektor: „Heure 1
nach drei Tagen möchten Sie schon entlasten werden! Sie sind doch zu fünfzehn Mark Geldstrafe verurteilt worden und haben fünf Tage dafür zu sitzen?" — Arrestant: „Nein, bei den jetziger! teuren Lebensrnittel« preisen kann ich das nicht uerlangen, ich zahl' pro Tag fünf Mark!" Ein dringendes Bedürfnis. Der Schrei, her im Geschäftszimmer der. . . teil Division verlangt vom Kammerunteroffizier eine Gasmaske. „Bist du ver> rückt!" - ruft der „zwei Meilen hinter der Fronte
„Unser Ofen" — stöhnt der Mann „der raucht gälte schauderhaft!" — Begreiflich. Als Lord Kitcheuer ir Athen weilte, wurde ihm ein Frühstück gegeben. Der Ministerpräsident Sknludis und seine Kollegen er. schienen aber nicht dabei; ein jeder ließ sich damit ent- schuldigen, daß er Kopfschmerzen hätte. Jemand aus Kitcheners Umgebung bemerkte dazu ironisch: „Kvpf- schtnerzen scheinen hier sehr leicht zu kriegen sein." — „Aber selbstverständlich," sagte Kitchener, „hier werden H< doch gemacht. Und uns macht man die meisten."
(Aus den „Meggeudorfer Blättern")
ÖihhiubHtg hat keine Zeit, all zu werden.
Generalseldmarschall von Hindenburg hat vor für« zer Zeit Gengenbett genommen, sich in benrerkellswerter Wei,e über den Einfluß des Krieges auf die menschlich« Arbeu.nrasi zn äußern. Die Mitteilungen dieses triegs- •nmUcn Mannes sind in psuchologischer Hinsicht für die Beurnilung des Kriegsdienstes von sehr großem Werte, znmat sie auch erkennen lassen, woher Hindenburg trotz seines vorgeschrittenen Lebensalters die Kraft zu oer un- geheuren Arveitsleistnug nimmt, die er schon seit nrehr als einem Jahre tagtäglich ohne Unterlaß und oft auch des Nachts au bewältigen hat.
Hindenburg erhielt in seinem Hauptquartier den Besuch eines 80jährigen Mannes, der ein früherer Guts- nachbar von Hindenburgs Vater und dem Feldmarschall selbst aus feinet Jugelchzeit gut bekannt ist. Er war, wie die „Ostpreusitsche Zeitung" mitteilt, überrascht, den alten Nachbarn plötzlich rüstig und classisch vor sich zu sehen und äußerte seine Verwunderung darüber. Er wäre doch viel älter als er (der Marschallj und doch noch so rüstig und unternehmend, daß man ihn beneiden müßte. „Das freilich," lächelte der Gutsherr, „und das trotz meiner SO Jahre!" „Die sieht man Ihnen aber nicht an," meinte Hindenburg: „was haben Sie denn gemacht, um so frisch zu bleiben?" „Vermutlich nichts anderes als Ew. Exzellenz zu tun beliebten," scherzte der Landwirt: „denn auch Erv. Exzellenz sehen ganz famos aus, so daß fein Mensch auf den Gedanken kommen könnte, es mit einein 68jährigen zn tun zu haben. Wenn ich mich als alter Soldat auch gehörig zusaunnenreitze, bin ich lange nicht mehr so beweglich wie Ew. Exzellenz, oft muß ich mich zwingen, jung zu sein!" „Sehen Sie, aller Freund, das halte ich auch so," warf der Marschall ein. „Ich gebe auch uch uach, mag da kommen was will. Und es ist erstaunlich, wie ein großes Ziel, das man vor Augen hat und an dessen restloser Verwirklichung man Tag und Nacht immer und stets denkt und arbeitet, einen frisch erhält. Man hat einfach keine Zeit älter zu werde«. Mau lebt unruhig, mau schläft weniger, ist immer und uuausgesetzt beschäftigt, die Zeit fliegt einem nur so fort und mit jedem Tag, den der liebe Gott werben läßt, arbeitet man freudiger. Es ist gauz gleich, ob das Wetter stürmt oder lachenden Sonnenschein sendet, für Gicht und Podagra hat man kein Verständnis, keine Zeit. Das ungeheure, unberechenbare Erleben, das unübersehbare Stürmen in der Gegenwart, das zwingt aus uns Alte ins jugendfrische Leben zurück. Sehen Sie einmal die Kameraden draußen im Felde an, wie viele von den Inhabern hoher Kvmmaudostellen sind so an die Siebzig Hera «gerückt, einige von ihnen haben den Eintritt in das biblische Alter schon erlebt und dennoch, alle sind sie frisch und tatenlustig, so mutig und unbezwingbar, wie die jüngsten Offiziere und Mannschaften. Daß es ihnen int Alter noch vergönnt ist, die Frucht ihrer Lebensarbeit zu schauen und ihre langen Erfahrungen und Versuche erfolgreich erproben zu können, macht sie frisch und hält sie aufrecht. Wenn man vor der Ernte seiner Lebensarbeit steht, wer könnte da wohl müde oder alt sein? Nicht einmal eine Tageskrankheit läßt man sich gefallen. Alles wird durch Arbeit abgeschüttelt, durch rastloses uneiugeschränktes Hingeben an das große Werk, dem nun einmal alle Gedanken gehören müssen. Man denkt gar nicht an sich selbst, sondern nur an seine Aufgabe, an das, was da kommen soll und muß. Gibt es etwa noch Männer, die heute zwischen vierzig und fünfzig sich ichon alt fühlen, wie es vor dem Kriege so häufig war’? Ich glaube nicht, denn für sie alle hat es jetzt Berrveuduug gegeben, oft in einer Art, die ihnen besonders zusagt und ihr Dasein mit einem Ziel erfüllt, das sie vordem vermißten. Aber man muß selbstverständlich mit seinem Wirken und seiner Arbeit zufrieden sein, man muß Freude, Begeisterung und Genugtuung an ihr und mit ihr empfinden, dann nur kann auch ein aller Mann wieder jung werden. Sie scheinen mir, verehrter Freund, übrigens für meine Auffassung ein trefflicher Beweis zu sein, denn ich sehe es Ihnen ja an, daß Sie wieder Freude am Le> beu und an der Arbeit gefunden haben. Sie werden dem Himmel wohl dankbar dafür sein, daß Sie wieder in die Sielen mußten."
„So ist es, Exzellenz," stimmte der Gutsherr bei, „tatsächlich, so ist es. Als meine Söhne ins Feld muß« teil, machte ich mich als alter Dcarin wieder anS Werk. Unsere Gutsiuspektore« und der Oberförster gingen zu den Soldaten, was blieb mir da übrig, als alles selbst zu übernehmen. Früh aus den Federn, spät und ab- geraefert ins Bett, und der Erfolg! Exzellenz hatten schon die Güte, zu versichern, wie frisch und jugendlich ich aussähe. Irr der Tat, ich fühle mich auch außerordentlich jung und tatenlustig, denn die Arbeit geht gut."
Da drückten sich die zwei alten Männer die Hand, denn sie verstanden sich: der Krieg hat sie neu geboren, und die Zeit hat ihnen über das Alter, die Jugend und die Arbeit dieselben Gedanken eingegeben.
Weisere Drahtnachrichten«
Briand will nach Italien reifen.
<w Genf, 16. Dezember. (T. UJ Der Lyoner „Re- publicain" versichert der „Bl. Mp." zufolge, daß Brtand nächstens beabsichtigt, eine Reise nach Italien zu unternehmen. Man hoffe, daß diese politische Reise des Ministerpräsidenten reich an wichtigen Ergebnissen fein werde.
31 Milliarden französische Kriegsansgaben.
9-* Genf, 16. Dezember. (T. lt.) Nächsten Donners, tag wird nach dem „B. T." die französische Kammer den Antrag über das provisorische Budget für die ersten drei Monate des Jahres 1916 erörtern Danach bei raunt die Ausgaben des französischen Staatshaushalte* in den ersten 17 Kriegsmonaten 81 Milliarden FrancS.