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Vom Lügenmeer unserer Feinde Drechen heißt die Reinheit des Meeres schänden, man darf da nur das Wort Lügenkot gebrauchen. Die-.Lügen einzeln zu wi­derlegen, haben wir anfgegeben, wir imgeln Höchstens ab und an die faustdicksten fest. Wenn nicht die Lüge der Feinde mit einem Schutz Humor gelvürzt ist, können wir sie kaum noch ertragen, sie erzeugt uns nur Ekel. Diesen Schutz Humor aber hat die dänische Zeitung ,,3m= landsposten" den Lügenberichten unserer Feinde etn- gefügt, wenn sie sich der Mühe unterzieht, einmal die wahnwitzigen Berichte zu sammeln und zu glossieren, die der grostlügnerischeNew Mrk Herald" über unseren Kronprinzen zusammenschwindelt. Das dänische Blatt reiht die Herald-Schanermürchen über unseren Kron­prinzen zu einer anmutigen Lügnerperlkette zusammen, wenn es schreibt: _

ssticht sehr viele Nienschen hätten das aushalten können, was der deutsche Kronprinz seit Kriegsansang hat durchwachen müssen. Geht man seine Leidensgeschichte nach den Mitteilungen desHerald" durch, so sieht sie folgendermaßen aus: Am 5. August vorigen Jahres mar der Kronprinz Gegenstand eines Akten tat es in Ber­lin. Am 18. August wurde er dicht bei der französischen Grenze schwer verwundet und in ein Hospital nach Aachen übergeführt. Zwei Tage später verlor er bei einem wei­teren Attentat in Berlin eins seiuer Beine, und am 24. August verübte man wiederum einen Mordanschlag auf ihn. Unter diesen Umständen ist es verständlich, datz er am 4. September Selbstmord beging. Er konnte in nicht wissen, daß das, was er hatte durchwachen müssen, die reinste Spielerei gegen das war, was noch kommen sollte. Am 13. September starb er in einem Kranken­hause in Brüssel, mit einer Maske vor dem Gesicht. Am 15. leitete er einen Angriff auf Berdun, und am Tage nachher wurde er in Polen von einem Schrapnell ver­wundet. Am 18. Oktober' wurde er von neuem an der französifchen Front verwundet, und am 20. Oktober kam die Kronprinzessin, um ihn auf feinem Sterbelager zu pflegen. Am 24. Oktober war eine Dame in Berlin mit zu seinem Begräbnis. Am 25. Oktober fand man seine Leiche auf dem Schlachtfelde, und am 3. November begrub man ihn wiederum. Am Tage darauf fiel er durch eine französische Kugel, und am 8. November wurde er wahnsinnig und auf ein entlegenes Schloß gebracht. Er erholte sich dort so schnell, daß er am 13. November den Oberbefehl an der Ostfront übernehmen konnte,- aber hier wurde er am 17. November tödlich verwundet. Im Dezember erhielt er vermutlich Weihnachtsferien, die er auch sicher gut gebrauchen konnte. Am 16. Januar wurde er abermals verwundet. Trotz allem, was er für sein Vaterland gelitten hatte, entzog man ihm sein Kom- mando am 3. März und sandte ihn nach Hause zu seiner Frau und seinen Kindern,- aber die müssen ihn weniger gut empfangen haben, denn kurze Zeit danach mußte die Kronprinzessin persönlich ihn wegen einer Schutz- wunde pflegen."

Was für eine zähe, urdeutsche Lebenskraft ntunen unsere Feinde unserm Kronprinzen Zutrauen! Man weist nicht, was soll man da mehr bewundern, das Lügen- fener desHerald" oder die Dummheit seiner Leser? Man wird wohl zugeben müssen sie halten sich die Wage. Unserm Kronprinzen wird das Lügenfeuer nicht brennen, aber unsere Feinde werden vielleicht später einmal an ihre Brust schlagen und ausrnfen: Was für blöde Toren hatte doch unser Deutschenhaß aus uns gemacht!"

3pef und seine Bewohner.

Im Karstlande der wenig bekannten Pastera haben die Truppen der Mittelmächte Stellung genommen. Nur wenig ist diese Gegend jemals genannt worden, und un­beschreiblich ist die Oede, die den Wanderer Hier über­kommt. Zerklüftetes Gestein, ohne eigentliche Gebirgs- üilöung, Täler, in denen kein Wasser fließt, Becken und Trichter sind die Wege, über die der Fuß der Soldaten jetzt schreitet. Bald stürzt das Land steck ab, ohne Ueber- gang zu einer sanfteren Welle, bald wieder erheben sich geklüftete Gesteine, aus durchlöchertem Kalk der Kreide- formation. Endlich öffnet sich den Blicken ein Tal, das scheinbar in eine weite Ebene hinausläuft, jedoch da

schiebt ffch ein Riegel vor, §er Lauf des Fkutzes vor-- siegt, geht unterirdisch weiter. Und so weit das Auge reicht, kein Wasser, nicht das Flüstern eines Quelles, nicht das Rauschen eines Stromes. Durch diese Lande hindurch schreitet unaufhaltsam der Strom der Truppen, auf der Straße RudnikMitrvvicaJpek geht der Schritt der Soldaten, um nach Jpek zu gelangen.

Jpek, eine Stadt, die in der serbischen Geschichte als der Sitz des Patriarchen berühmt geworden, liegt öst­lich der südöstlichsten Spitze von Montenegro. Bis hier­her war das ganze Gebiet verkarstet, war Stein und Geröll herrschend. Hier, in Jpek klingt das Rauschen der Bistrica, an deren linkem Ufer die Stadt errichtet ist. Weithin ziehen sich jenseits der Tore der Stadt die Tabaksplantagen, und unter der Sonne des blauen, leuchtenden Himmels sieht man die weißen Turbane der nivhamedanifchen Arbeiter, die tagaus tagein, in ewiger Gleichmäßigkeit den Geschäften nachgehen. Pee", nennt Serbien diesen Ort, der einst türkisch-euro­päisches Gebiet gewesen, und nach dessen Besitz das Volk der Serben stets strebte. Blühende Obstbäume lie­fern bis spät in den Herbst und Winter hinein reichen Ertrag, goldgelbe Birnen, Weintrauben, die so groß, wie Pflaumen sind, Aepfel, deren Duft berauschend durch die Stadt zieht. Weiber, in der Tracht der serbischen Frauen tragen die'hohen Körbe, in denen das Obst liegt, aus dem Rücken, während Mädchen, je zwei und zwei breite Bahren anschleppen, auf die sie die Trauben legen, um sie dann zum Verkauf oder zum Keltern zu bringen. Aber sie sind 311 meist untergeordnet in der Arbeit, der Besitzende Hier ist auch heute noch der Mohamedaner, der freilich dem Volksschlage nach zu den Slawen gehört, sich aber mit seinen Glaubensbrüdern, woher sie auch immer kommen mögen, ein Herz und eine Seele weiß. Ihm gehören die Seidenbäume, ihm gehören die Zuchten der Seidenraupen, der Mohamedaner ist der Arbeit­geber und beschäftigt den Serben, den Montenegriner als seinen Diener.

Hier, in Jpek findet der Reisende schon allerlei mo­dernen Komfort, moderne Einrichtungen, die ihm das Leben in der Stadt angenehm gestalten können. Die Reinlichkeit der Mohamedaner macht es dem Euro­päer behaglich, wenn er sich zu Tisch setzt, so steht neben ihm der schwarze, richtiger gesagt, der braune Diener. Bringt ihm eine Schüssel mit Wasser, bringt ihm das Handtuch und erwartet, daß er sich seine Hände begießt, um dabei den Segensspruch zu sagen, den Allah gebiete'. Bon Jahr zu Jahr war diese Stadt im Wachsen begrif­fen, besam neuen Zuzug, und der Handel, die Geschäfte blühten auf. In der letzten Zeit hatten Fremde den eigenartigen Reiz dieses Ortes gleichfalls erkannt, und oft genug sah man reifende Engländer, Franzosen frei­lich weniger, dafür aber umso mehr Teutsche und Oester- reicher, die sich von der Schönheit einer ungewöhnlichen und eigenartigen Natur anlocken und fesseln ließen. In früheren, ganz früheren Zeiten wallfahrten die Serben her zu dem Orte, in dem der Patriarch des Landes lebte und wirkte. Und ihm wurden Opfer gebracht, daß sein Wohnsitz einem Fürstenschlosse qlich, in' dem es von den Reichtümern des Morgen- und des Abendlandes gleißte und schimmerte. Heute wird als der ehemalige Sitz des Patriarchen bald das eine, bald das andere Haus gezeigt, es besteht nur noch in der Einbildung und der Phantasie der Bewohner, die sich gern mit einem Strahlenkränze aus früherer Zeit umgeben.

Ueber Zpek-Ijakowa hinaus.

Wie die Kämpfe am schwarzen Drin im Süden, so nahmen auch, wie der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben wird, die Zusammenstöße nördlich davon im Raume von Jpek am weißen Drin einen für unsere Waffen sehr günstigen Verlauf. Es handelt sich hier oben um das Vordringen gegen Montenegro, während im Süden das Ziel der Vorstöße Albanien bildet. An der langgestreck­ten montenegrinischen Grenze hatten sich die letzten Reste der ehemaligen serbischen Hauptmacht mit monte­negrinischen Truppenteilen vereinigt, um hier gemein­sam das Vordringen unserer verbündeten Truppen auf- zuhalteii. Im nördlichsten Teile sind die Kämpfe süd­lich von Plevlje für die österreichischen Waffen erfolg­reich verlaufen. Zwischen Plevlje und Jpek ist die ganze österreichisch - unaariiebe Front gleicherweise im

siegreichen Vordringen. Don Sjemca aus stoßen öfter- reichisch-ungarische Truppen nach Südwesten in der Richtung auf Bjelopolje in Montenegro vor. Gleicher­weise sind diejenigen österreichisch-ungarischen Truppen, die südwestlich von Nowibazar standen, auch bereits auf montenegrinischem Gebiete angelangt, sodass die ganze Westgrenze Montenegros bis Jpek heraus von den österreichisch - ungarischen Truppenteilen überschritten worden ist. Nun erfolgte auf der guten Heeressi raste nach Jpek der Vormarsch auch gegen diesen südöstlichen Teil von Montenegro. Jpek bildete den nördlichen Kampfpunkt der Straße Jpek-Djajowa. Während auf der Straße Mitrowitza-Jpek die österreichischen Truppen gegen Jpek mit Erfolg vorgedrungen waren, näherten sich dem südlichen Kopfpunkte Djakowa die Bulgaren nördlich von Prizrend. Hier ist es nun der weiße Drin, der in seinem An- fangslanf von Westen nach Osten die Straße für die gegen Jpek vorgedrungenen österreichisch-ungarischen Truppen bildete, und der in seinem weiteren Verlauf an der montenegrinisch-serbischen Grenze von Norden nach Süden das.Kampfgebiet für die gegen diese TeileMon- tenegros vorgehenden verbündeten Truppen darstellte. Djakowa liegt westlich des Verlaufes des weißen Drin Wir hatten aus diesemGrunde hier augenblicklich eine ähn­liche Lage, wie weiter südlich auf der Linie Dibra- Ochrida. Von unseren Truppen sind aber sowohl in den Kämpfen in Rußland wie auch in den jüngst vergange­nen Kämpfen in Serbien ganz andere Schwierigkeiten überwunden worden, welche von größeren Flutzläufen, wie die Weichsel, Narew, Njemen, Donau und Morawa gebildet werden. Auch die Flußläufe des Drin konnten darum keine unüberwindlichen Hindernisse bilden. (Z.)

Ein Held in Zivil.

Aus Heinrichswalde schreibt derOstpr. Ztg." ein Mitar­beiter :

Je mehr die Leidenszeit der Ostpreußen in Vergessenheit ver­sinkt und je mehr man Zeit gesunden hat, sich umzuschauen und sich um seine Mitmenschen zu kümmern, um so stärker lebt die Erinnerung aus an einzelne Begebenheiten, die man erst jetzt in ihrer ganzen Größe erkennt. So blickt man erst jetzt mit beson­derer Ächtung auf einen Mann, durch dessen Unerschrockenheit und Todesmut sämtlichen männlichen Bewohnern der Gemeinde das Leben gerettet wurde. Bis zum 9. September v. Is. waren die Russen nach Heinrichswalde nur gekommen, um Einkäufe zu machen, die sie nach Gutdünken bezahlten; am Nachmittag dieses Tages aber litt eine russische Husarenpatrouille in die Stadt mit dem Befehl, alle Einwohner auf der Chaussee, die nach Tilsit führt, zusammenzutreiben und den Ort anzustecken. Da bereits viele geflüchtet waren, und es vielen noch gelang, rechtzeitig zu entkommen, so wurden nur 700 Personen vor das Landratsamt gebracht, dort in drei Gruppen, nach Männern, Frauen und Kindern unter'14 Jahren geteilt und mit dem Todesurteil be­kannt gemacht. In der Nacht sei, so erklärte ein russischer Ritt­meister, auf russische Patrouillen geschossen worden und Radfahrer hätten sie verfolgt. Deshalb sollten alle Schußwaffen und Fahrräder abgeliefert und alle Einwohner erschossen werden. Der anwesende Pfarrer verhandelte mit dem Rittmeister und suchte ihn uMzustimmen. Während dieser zwei Stunden währenden Verhandlung wurden bereits einige Häuser in Brand gesetzt. Der Pfarrer bewog den Rittmeister immer mehr von seiner Drohung abzulassen, und die Unterredung endete damit, daß der Rittmeister den letzten Entschluß faßte, daß wenigstens sechs Männer mit dem TodAbe- strast werden sollten. Don dieser Bestimmung ließ er sich nicht abringen. Man war bereits dabei, die sechs Todeskandidaten auszuwählen, als der Rittmeister spottend meinte, ob sich viel­leicht jemand freiwillig zum Erschießen melden wollte. Und der Spott erstarb auf seinen Lippen; ein Privatlehrer Otto Grau, trat vor. Er wollte sich für das Leben der anderen opfern. Der Rnsse reichte dem Tapferen die rechte Hand und legte seine Linke auf seine Schulter.Bin ich verwundert, dass* auch Deutscher in Zivil sich nicht vor Tod fürchtet! radebrechte er und entließ dann den Lehrer mit einem freundlichen Pajcholl". Jetzt legte er aber auch keinen Wert da­rauf, die übrigen fünf erschießen zu lassen, doch wurden die Fahr­räder, die acht große Wagen füllten, beschlagnahmt und über die Grenze gebracht. Der Privatlehrer erlebte am nächsten Tag eine ganz besondere Ueberraschung, jeder russische Offizier, dem er be­gegnete, grüßte ihn. Der Todesmut des Lehrers muß auf die Russen doch einen beispiellosen Eindruck gemacht haben. Vom Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen hat Grau für seine Helden­tat eine Belohnung von 500 Mark erhalten, und in Heinrichs­walde vlant man für diesen Mann noch besondere Ehrungen.

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