Einzelbild herunterladen
 
  

reuz aus WaMngton eine nahe bevorstehende beutst amerikanische Krisis von ungleich größerer Schwere als nach der Versenkung der „Lusitania". Amerika habe ge­fordert, daß Deutschland erkläre, daß es das Völkerrecht bei der Behandlung amerikanischer Bürger nicht habe verletzen wollen. Amerika bestehe nach wie vor darauf. Vermutlich werde der Kongreß demnächst Aufschluß über die „Lußtanra"-Verhandlungen verlangen. Einige Kon­greßmitglieder ständen im Begriffe, Anträge auf Ab­bruch der amerikanisch-deutschen Beziehungen einzu- bringen. Die „Tribuna" fragt ironisch, ob bemt die Bun­desregierung die amtlichen Beziehungen zu Deutschland trotz der deutschen Weigerung, den amerikanischen ~ derungen zu entspreche ' ■ " Die „New York World

en, ewig aufrecht erhalten wolle. ....,....... „ •" antwortet darauf in einem Leit­artikel, dies fei keineswegs die Absicht der Regierung, die mit Deutschland verhandle, solange dies möglich sei. Man sei nicht der Meinung, daß der Abbruch der Be­ziehungen den Krieg bedeute. Jetzt sei nicht die Zeit für Bluffe.

Zum Abberufungsverlangen Z der deutschen Attachees in Washington meldet Wolffs Vertreter: Gemäß einer ausdrücklichen Erklärung des Staatssekretärs Lansing wird festgestellt, daß das Verlangen nach Abberufung des Militäratta- chees v. Bey-Ed und des Militärattachees v. Papen keinerlei politischen Hintergrund hat und daß insbeson­dere der Botschafter Graf v. Bernstorff gänzlich unbe­teiligt ist.

Der Unterseebootskrieg.

Erfolge deutscher und türkischer U-Boote.

Aus Konstantinopel wird dem „Berl. Lokalanz." über Budapest berichtet: In den letzten Tagen haben die türkischen und deutschen Unterseeboote wieder eine recht lebhafte Tätigkeit entfaltet. Bon den zur Verteidigung der ägyptischen Küste bestimmten englischen Schiffen sind in den letzten Tagen 12 Kanonenboote in unmittelbarer Nähe der Küste versenkt worden. Auch auf dem Schwar­zen Meere hat die Aktion der Unterseeboote einen ähn­lichen Erfolg. Ein deutsches Unterseeboot versenkte un­mittelbar bet Sebastopol zwei Transportschiffe und ein Kanonenboot. Andere Unterseeboote beschossen erfolg­reich russische Küstenbefestigungen.

StieösalletleL

Eine schweizerische Friedensausrage.

Im schweizerischen Nationalrat brächte die sozial­demokratische Fraktion folgende Anfrage ein: Gedenkt der Bundesrat allein oder zusammen mit den Regie­rungen anderer Länder den Kriegführenden feine guten Dienste anzubieten zur baldigen Herbeiführung emes Waffenstillstandes und zur Einleitung von Friedens- verhanölungen?

Die Geheimnisse des serbischen Archivs.

Nach Meldungen aus Sofia sind bei der Sichtung der serbischen Staatsarchive in Nisch auch über die Ermordung des Königs Alexander und der Königin Draga im Jahre 1902 wichtige Dokumente gefunden worden.

Die englischen Verluste im Irak.

Außer den bereits gemeldeten 6 Obersten in der Schlacht bei Ktesiphon sind, wie der „B. L.-A." meldet, nach amtlichen englischen Berichten noch weitere 1. Ober­sten getötet worden. Die Liste reicht nur bis zum 24. No­vember. Es scheint, daß fast das ganze Offizierkorps der 12. Division, die die Aktion unternahm, m diesen Listen enthalten sein wird. Auch mehrere gefangene Flieger­offiziere sind verzeichnet.

MM belgische Königspaar in Lebensgefahr.

Das belgische Blatt „20. Jahrhundert" berichtet nach der „Frkf. Ztg.", daß der König und die Königin von Belgien vor einigen Tagen mit knapper Not einer aus einem deutschen Flugzeug geworfenen Bombe entkom­men seien. Das Blatt gibt keine näheren Einzelheiten über den Ort, auf den die Bombe niedergeworfen wurde.

Kampslage in Serbien

Aus dem großen Hauptquartier wird uns ge­schrieben:

In siegreich fortschreitender Offensive zog ; deutsch-österreichische Heer zwischen Lukavica und Mb . in das Innere Serbiens, als die bulgarische Armee in heftigem Kampf an den Ufern des Timok rang. Zu jener Zeit hatte man wohl im serbischen Hauptquartier den schwerwiegenden Entschluß gefaßt, auf eine Gegenonen- sive zu verzichten, die, selbst wenn sie glückte, nur einen Teilerfolg mit sich bringen konnte, dafür aber dre Ge­fahr in sich barg, von allen rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten zu werden. Unter möglichster Schonung der eigenen Kräfte wollte man nur notgedrungen und Schritt für Schritt bett heimatlichen Boden anfgeben und dem Feind nach Möglichkeit Abbruch tun. Das Land und seine Bewohner sollten dabei helfend zur seite stehen. Die verbündete Entente würde im Laufe der Zeit sicherlich nicht ausbleiben, mit ihr vereint mußte ev dann glücken, des fremden Eindringlings Herr zu wer­den. So mochten damals die Hoffnungen bei der ser­bischen Heersleitung sein und alle Gefangenen-Aussagen, aufgefangene Befehle und im Saufe der Zeck gemachte Erfahrungen bestätigten diese Vermutung.

Beim Oberkommando des Feldmarschalls Mackew sen, dem außer den deutsch-österreichischen Armeen auch eine bulgarische unterstand, war man sich bewußt daß es in diesem Feldzuge hauptsächlich auf Schnelligkeit ankam. Jeder einzelne Truppenkörper mußte davon überzeugt sein, daß nur ein rücksichtsloses Vorstürmen in der einmal angesetzten Richtung oen sicheren Erfolg mit sich bringen würde. Der Serbe durfte, von ver­schiedenen Seiten angefatzt, nicht zur Besinnung kom­men. Als tapferer Kämpfer war er wohl ebenbürtig eiuzuschätzen, in der Schnelligkeit des Handelns waren ihm die Heere der Verbündeten überlegen. So sollte das Heer des 1. Peter niedergerungen werden von einer Macht, bei der ein jeder vom Feldmarschall herab bis zum Musketier von felsenfester Siegeszuversicht durch- ruligen^umr. ^^ Oberkommando der Auffassung, der Gegner werde, nachdem er durch den Sava—Donau- Uebergang völlig überrascht worden war meuer rück­wärts zwischen Lazarevac-Petrovac den ersten größeren Widerstand auf der ganzen Linie leisten. Die Gestaltung des Geländes und das Auftreten s^rer Kräfte am ganzer Front — es standen allmählich über 100 ooo Mann Serben gegen üeutsch-österreichisch-ungarlsche Truppen im Kampf — berechtigten zu dieser Vermutung. Sann mußte es auch im Interesse der Serben liegen, die langsam sich vorwärts bewegende Walze des Fein­des zum Stehen zu bringen, um die Hauptquelle jeg= lichen Nachschubes an Kriegsmaterial aller Art,

die Stadt Kragnjevac,

m schützen Konnte auch kein dauernder Schutz gewährt werden, mußte man doch Zeit gewinnen, die dor. aufge- peicherten Schätze weiter rückwärts zu verlegen, «schon 'er Besuch der Flieger, die mit Vorliebe ihre Bomben-

das ava

ae auf ote Arsenale und Magazine von Kragutevac :en, brächte empfindlichen Schaden mit sich, die Stadt aber dem Feinde zu überlassen, in der die einzigen Waf­fen- und Munitionsfabriken sich befanden, das war für einen Staat, dessen Zufuhr an Kriegsmaterial nur mehr über Montenegro und Albanien erfolgen konnte, ein un­ersetzlicher Verlust.

Ein Widerstand beiderseits der Morawa und weiter westlich bis an die Lubacowka erschien um so aussichts­reicher, als er zunächst nur frontal getroffen werden konnte. Noch trennte die Bulgaren die 1000 und mehr Meter übersteigende Gebirgsgruppe, und vor einer un­mittelbaren schnellen Ueberflügetuitg schützte den Feind das unwegsame Gelände entlang der Mlava. Dort ar­beiteten sich jene Truppen, die schon in den Kämpfen um die Anatema-Höhe Lorbeer erworben hatten, nur lang­sam vorwärts. Schon schien es, wie wenn der Serbe die Schwäche des deutschen Heeres auf seinem linken Flügel erkannt hätte und mit einer Offensive größeren Stils aus südöstlicher Richtung drohe. Mit überwältigender Kraft warf er Bataillon um Bataillon gegen den Heeres­flügel. In heißem Ringen galt es hier der Ueberlegcn- heit Stand zu halten und den stellenweise schon einge­drungenen Feind wieder aus den notdürftig geschaffenen Stellungen herauszuwerfen.

Ein heißer Kampf tobte mehrere Tage.

Aber die Führung ließ sich hierdurch in den einmal gefaßten Entschlüssen nicht irre machen. Trotz der Ge­fahr vom Osten her strebten die Truppen beiderseits der Morawa, festvertrauend auf den Mut und die Stand- Haftigkeit ihrer im Kampf stehenden Kameraden und beseelt von dem Willen zum Siege, ihrem Ziele zu. Und durch dieses Vorwärtsschreiten in der einmal angesetz­ten Richtung brachen sie den feindlichen Stoß, der wohl dazu angesetzt war, starke Kräfte auf sich zu ziehen und dadurch die gesamte Offensive zum Stehen zu bringen. Nunmehr war auch frontal keiu Aushalten mehr. Die Stellungen, die man anfangs zu halten hoffte, konnten einem Feind, dessen Stärke man vorher nie geahnt hatte, kein Halt gebieten. An einen Ausbau war aber jetzt nicht mehr zu denken. Dicht auf den Fersen folgten die Verbündeten.

Der Weg nach Kragnjevac war offen.

Je mehr unsere Truppen in das Herz Serbiens drangen, um so ungangbarer wurden die Wege, um so größer die Entbehrungen. Konnte man im Tal der Morawa noch von mangelhaften Straßen im europäi­schen Sinne sprechen, weiter östlich und westlich fehlte jeder Begriff für die Wege, die der Truppe zum Vor- marfd) zugemutet werden mußten. Auf lehmige, zunr Teil tief eingeschnittene Pfade, die eines jeden Unter­baues entbehrten, war man mit seinem ganzen Troß angewiesen. Strecken, deren Zurücklegen in der Ebene wenige Stunden erforderte, mußten im tagelangeu mühevollen Marsch durchruugen werden. An regel­mäßigen Nachschub war nicht mehr zu denken. Was nach vorne gekarrt werden konnte, war Munition. Eisen ging vor Verpflegung. Zum Teil mit 10 Pferden be­spannt, unter Beihilfe ganzer Kompagnien wurden die Geschütze einzeln in Stellung gebracht. Manches brave Tier, das noch vor kurzem die Straßen des Westens oder Ostens geschmückt hatte, sank hier in Lehm und Schlamm erschöpft zusammen. Pferdefutter gab es von rückwärts schon lange nicht mehr: man konnte froh sein, den Menschen das Nötige zuführen zu können. Hin und wieder sorgte das Land für die Ernährung der Truppe. Obwohl die serbische Regierung den Abtrans­port des reichlichen Viehbestandes in das Innere des Landes organisiert hatte, gab es doch Gegenden, in denen noch mancher Vierfüßler in die Feldküche wan= dern konnte, zum Teil trieb der starke Schnee, der aus den Bergen fiel, das Vieh unseren Feldgrauen in die Arme. Ohne zu murren, gaben auch die Einwohner ihr Letztes dem Sieger, um ihn selbst dann flehentlich zu bitten, sie vor Hunger zu bewahren. Die vermutete Heimtücke des serbischen Volkes war zur Mythe gewor­den, wohl hatten vereinzelt Einwohner versucht, einen Hinterhalt zu bereiten; sie haben ihr Verbrechen gebüßt. Im allgemeinen ertrugen die Zurückgebliebenen das über sie verhängte Schicksal mit Würde. Wer als Serbe, Soldat ober Nichtsoldat, im ehrlichen Kampfe in die Hände des Siegers geriet, wurde behandelt, wie es sich dem gegenüber geziemt, der für sein Vaterland dem Tod ins Auge sieht.

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

Turner im Heeresdienst. Nach einer Berechnung des Gauturnwarts D. Beier-Ratibor in der „Oberschlesischen Turnzeitung" ist anzunehmen, daß zurzeit etwa 683 000 oder 17 Armeekorps Turner im Felde stehen, während 137 000 ober 8% Armeekorps Turner als Land­sturmleute Dienste tun. Die Deutsche Turnerschaft allein hat also 820 000 Jünglinge und Männer für den Heeres­dienst vorgebildet, die volle 20 kriegsstarke Armeekorps bilden. 80 v. H. aller Mitglieder der Deutschen Turner­schaft stehen in diesem Weltkrieg im Heer, ein Beweis von dem erfolgreichen Streben der deutschen Turnerei, durch allseitige Ausbildung des Körpers ihre Mitglieder wehrhaft zu machen.

Eine furchtbare Tat wird aus Entlingen im württem- SergischenKreis Horb gemeldet: Im Hause des Zimmer­manns Sökler brach Feuer aus. Als die im Nachbar­hause wohnende Tochter Söklers in das brennende Haus eintrat, fand sie ihre Mutter und ihr eigenes, zwei Jahre altes Kind in ihrem Blute liegend vor: beide wiesen zahlreiche Messerstiche auf. Die Behältnisse der Wohnung waren gewaltsam geöffnet. Der Täter hatte einen Raubuwrö auf die als vermögend geltende Familie verübt und nach der Tat Feuer angelegt. Als der Tat verdächtig wurde ein übelbeleumdeter 18jähriger Bursche verhaftet.

Bestrafter Kriegsschwätzer. Bei einem Gespräch in einem Schanklokal stellte der Mechaniker Albert Maas- Berlin für das deutsche Heer schwer beleidigende Be­hauptungen auf, die die Anwesenden in Empörung ver­setzten. Er wurde deshalb zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Selbstmord eines Landtagsabgeordueteu. Gegen den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Paul Seige- Pößneck, den die Meininger sozialdemokratische Land­tagsfraktion vor 14 Tagen aus der Fraktion ausschloß, weil er sich unter Berufung auf seine Immunität ivei- gerte, in einer gegen ihn am 16. November an beräumten Gerichtsverhandlung zu erscheinen, war am Dienstag in Rudolstadt abermals Verhandlung angesetzt, wo Seige sich wegen Unterschlagung fremder Gelder verantworten sollte. Seige fuhr auch mit seinem Neffen nach Rudolstadt und sandte diesen mit dem Bemerken zum Termin, daß er gleich nachkommen werde. Er erschien aber nicht. Ab- geordneter Seige verübte Selbstmord: er wurde bei Katharinenau aus der Saale gezogen.

Weibnachtsgabe» der preußischen Minister und Staatssekretäre für unsere Truppen. Wie im Vorjahre, ist auch diesural von den preußischen Staatsministern und den Reichstekretären wieder eine gemeinsame Weib-

nachtsspenoe von 30 000 Mark für unsere im Felde sie- henden Truppen zur Verfügung gestellt worden. 2iaA den vorjährigen guten Erfahrungen werden daraus mit Hilfe des Oberkommandos in erster Linie wieder solche Verbände des Heeres und der Marine bedacht werben, denen aus der öffentlichen Sammelstelle Lie­besgaben gar nicht ober nur in geringem Umfange zu­gewendet werden konnten.

Ueber reichen Kiudersegcu berichtet der „Vieles. Ge- neralanz.": Die Frau des Fabrikarbeiters Huwendiek bat ihren Mann mit Sterlingen (drei Knaben und ein Mädchen) beschenkt. Die Ehe ist eine an Kindern reich- gesegnüte: erst im vorigen Jahre wurden dem Ehepaar Drillinge geboren, die allerdings bald wieder starben, und schon vorher hatte die Frau Zwillinge geboren.

Schickt Brustbeutel ins Feld! Ein Kriegsteilnehmer schreibt der „Frkf. Zt.": Eine Leserin maDe den Vor­schlag, alte Partemonnaies fürs Feld zu sammeln. Die Anregnug ist an und für sich wohl recht gut, nur soll der Soldat gar kein Portemonnaie in der Tasche tragen, sondern er soll und muß einen Brustbeutel besitzen. Die ledernell Brustbeutel kauft man täglich teurer. Aber es lassen sich sehr hübsche und brauchbare Brustbeutel z. B. aus einem Stück altem Samt ober Plüsch ober auch aus einem anderen, festen Stoff unfertigen. Man macht diese Beutel in der Form eines flachen Portemonnaies, aus welches als Verschluß ein ober zwei Druckknöpfe aufge­naht werden. Eine etwa einhalb Meter lange Schnur, mit beit Enden an den oberen Ecken des Brustbeutels recht fest augeuäht, macht den Brustbeutel zunr ihm- bangen fertig. Ein solcher Brustbeutel erfüllt seinen Zweck sicher besser und macht mehr-Freude als ein altes abgelegtes Porternonuaie.

Desinfiziert das Bügeln? Im Berliner Institut für Infektionskrankheiten sind kürzlich bemerkenswerte Versuche über die sterilisierende Wirkung des Bügelns angestellt worden. Es zeigte sich nach einem Berichte des „Prometheus", daß bet einer gewissen Temperatur allerbingS verschiedene Bakterien abgetötet wurden. Andere dagegen, besonders sporcubaltiges Material, wie aWilsbranbfyorem blieben sogar bei der für das Bügeln zulässigen Höchsttemperatur wirffam. In der Praxis dürfte beim Bügeln eine Tenrperatur von 150 Grad die Regel sein, und dabei ist der Erfolg als unsicher ober klein zu bezeichnen. Beiderseitiges Bügeln zeigte bessere Ergebnisse als einseitiges. Man kann also eine gewisse desirrfizierende Wirkung des Bttgelns wohl mit in Be­rechnung ziehen, darf sie aber ja nicht überschätzen und darüber andere, erprobte Desinfekttoitsverfahren ver­nachlässigen.

König Nikitas Gesetzbuch. Die Untertanen König Nikitas sind ein recht eigenwilliges Volk, das in allen Lebensverhälnissen mehr auf feine eigene Kraft als auf das „Geschwätz" vertraut, uwmit audere Völker ihre „Papterfetzen" (so nennen die Montenegriner ihre Ge­setzbücher) 8U füllen pflegen. Jeder rechtschaffene Mon­tenegriner verabscheut und verhöhnt dieses „Gewäsch" von ganzen! Herzen. König Nikita aber, der durch abendländische Anschauungen angenscheiickich bedenklich beeinflußt ist, ließ zum Entsetzen seiner Untertanen Gesetzbuch verfassen, das zum mindesten ihren gröbste» Exzessen einen Dannn setzen sollte. Ein Studium dieseS Gesetzbuches, aus bem das „Svenska Dagbladet" einige bezeichneude Proben mittelst, gewährt einen interessan­ten Einblick in die Kulturzustände dieses Landes. Para­graph 28 lautet z. B. „Es ist in Friedenszeiten nicht zit- lassig, daß eine ganze Bande plündernd über die tür­kische Grenze dringe. Jedes Verbrechen, das ein Monts- negriner im fremden Lande begeht, wird gerichtlich ganz ebenso bestraft werben, als wäre es im eigenen Lande geschehen." In: Paragraph 34 heißt es: „Wer einen unschuldigen Montenegriner uM den Füßen stößt oder mit dem Pfeifenrohr (!) schlägt, soll 50 Dukaten Buße zahlen. Falls der ?lngegriffene aber sofort sei­nen Angreifer tötet, so soll die Sache als abgetan gelten. Tötet jedoch der Slngegriffene seinen Angreifer erst nach einer Stunde ober nach einem ganzen Tage, so soll er für vorsätzlichen Mord bestraft werden." Die Blut­rache wird in Paragraph 30 näher präzisiert: „Es ist von nun an streng verboten, bei Ausübung der Blut­rache an bem Schuldigen auch dessen unschuldigen Bru­der zu töten." Paragraph 59 lautet: „Wer einen Dieb während seiner Tat niederschießt, erhält eine Beloh­nung von 20 Dukaten." Zürn Schluß sei noch folgendes Verbot des 89. Paragraphen erwähnt: „Der Brauch bei Frauen und Männern, sich beim Tode eines Fami- lienmitglieöes die Haare abzuscheeren unb das Gesicht zu zerfleischerr, um wegen der Trauer so entstellt um» herzugehen, ist nicht mehr gestattet."

Landsturm-Humor. Zwei wackere ßanbfiitrmmäiiner, bic im Westen einem Wachkommando angehören, fom» men von Posten heim in ihr Wachlokal. Thedje, wie wir den einen nennen wollen, legt sich gleich auf den Strohsack, streckt sich aus und grunzt behaglich. „Wat/" sagt Hein, „Thedje wullt du slapen?^ - „Jo," entgegnet Thedje und schickt sich an, das Schnarcykonzert zu er­öffnen. Plötzlich fährt er hoch und ruft: „Hein, Hein!" - „Wal wullt du?" — „Och," sagt Thedje, „wenn ick nu :lapen do, um et schult intwuschen Friede weern, denn wecks du mi ober, Hein!"

Weitere Drahtnachrichten«

Der erfolgreiche bulgarische Angriff.

Sofm, 10. Dezember. (WTB.) Amtlicher Bericht vom 8. Dezember: Die Verfolgung der englisch-fran­zösischen Truppen hält auf den beiden Ufern des Varda, und des Flusses Kosturino gegen Courovo hin an. Heute früh 7 Uhr wurde der Kampf auf der Front Petrovo- Mirowca wieder ausgenommen. Nach einem unge­stümen Sturmangriff bemächtigten sich unsere Abteilun, gen mehrerer hintereinander liegender feindlicher Höhen- stellungen und warfen die Franzosen gegen den Barbar zurück. Wir erbeuteten zwei Maschinengewehre und machten hundert Mann zu Gefangenen. Viele Franzo­sen sind in den Bergen zerstreut. Die Kolonne, die ans dem linken Bardarufer vorgeht, griff überraschend bie bei der Mündung des Dolua-Woda-Flnsses befindlichen Stellungen des Feindes an. Die Franzosen wurden aus Gradecz vertrieben und auf Udooo in vollständiger Unordnung und nutet Zurücklassnng zahlreicher Gefan­gener zurückgeworfen. Unsere Abteilungen verfolgten die englisch-französischen Truppen südlich Kosturino a«i Rabrowo Kiri nnd Balandovo. Nach einem hartnäckigen Kampfe, der den ganzen Tag fortdauerte, gelang es uuse, reu Truppen, sich der sehr starken englisch-französische« Stellung auf der Linie Protan-Memioli-Kajani bei Ple- towo zu bemächtigen. Wir machten dort 400 England« zu Gefangenen und eroberten 10 englische Geschütze Dir englisch-französischen Truppen befinden sich in schleu. »igem Rückznge südlich der Linie Rabrowo-Valandovo

French will einen täglichen Bericht geben.

»^ Loudou, 11. Dezember. lWTB.) Sir John Si­mon erwiderte im Unterhause auf eine Anfrage, daß von der nackten Woche an ein täglicher Bericht des Hauptquartiers der Westfront veröffentlicht werden soll